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Das Glück der andern
Original-Roman t»n Erich Ebenstein.
Copyright 1916 by Greiner & Camp., Berlin W 30.
A«- Hessen.
Volksbildung und Volksunterhaltung.
An» Stadt nnd Land.
Gießen, den 18. Sept. 1919.
KriegSgefangenen-Heimtehr.
Heute abend gegen 7 Uhr wird ein neuer
N luit» und vom für S ich hi zu t> gefttz
kNacU>ruck verboten.)
IV.
„Du brauchst keine Angst $u haben, Mama, daß rroch eine von uns als ewige Braut daheim sitzen bleibt. Mein Bräutigam, Graf Magnus Sandcrfeld ist sehr reich, und wir heiraten schon in ein paar Monaten."
„Eia G-vaf? Wirklich ein ®raf ?" fragte Emmy ungläubig, und etwas wie Neid zuckte um ihre Mundwinkel.
.jawohl, ein Wirklicher Gras aus altem, feudalem Geschlecht. Tie Sanderfeld existierten schon unter Larl V. Magnus bekleidet eine Stell: im Ministerium des Aeutzern. Er ist Besitzer von Rettencgg, GlaverSheim und Ottendorf, sein B:r- ntögen beträgt mehrere Millionen, und er hat von näheren Verwandten nur noch eine alte Mutter, die auf Rettenegg lebt. Beat: ist eine Base von ihm. Bist du nun befriedigt?"
„3a. Natürlich. Da mutz man dir freilich gratulieren!"
„Aber, wie kam denn nur das?" fragte die Mutter, der alles noch wie ein Traum schien.
Evelyn erzählte, was sie für nötig hielt. Die Szene in der Glasgalerie verschwieg fr. Tie Schwestern gratulierten. Nur Modrsta schwieg. Sie säst seit dem ersten Wort starr wie ein: Bildsäule da, mit abwesendem Blick unb wie benommen.
„Nun, Modesta — dir hat wohl die Ueber- rasckung die Sprache geraubt?" lochte Evelyn endlich „Willst du mir nicht auch gratulieren?"
Diodesta ful.r erschrocken zusammen.
,^Ja — natürlich — verzeihe — ich — ich freue mich ja so über dein Glück. . .!" stam- melte sie vernarrt.
Mama Loienstein erging es seltsam. Sie hatte doch gehört, daß es eine Liebesheirat war — Evelyn hatte ja nachdrücklich erklärt: ,Mir liebe«
W tnW tUftba^ ter fcrbt । rwtortneä ! wr Stabt in nrotit tergtlk •inten, tet m war imb ju Vereine, sonn Kräfte gemck unter der Le nahm einen Verein alle 0 durchweg gut das überaus erfreuliches Z unterer Zügen feste Grundlag Nachwuchs zu *ie Jniöfl, Mdtatt:
Gruppe. Meter-Lau 2. 'Koppler (8. S. 1900) 62 2 Ltiöbt Mr
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Transport Kriegsgefangener, 1372 ?J?arcn, aus der Richtung Köln kommend, auf hiesigem Bahnhof eintreffen und nach dem Durchgangslager überführt werden.
Evelyn war sehr spat, erst nach Mitternacht, chrimgekommm. Millners hatten sie, wie gewöhnlich, in ihrer Equipage l-eimgebracht. Tie Baronin war sehr verstimmt. Aber Beate, die ganz entzückt war von dem Geschehenen — Magnus selbst hatte es ihr strahlend zugeflüstert als „Ge- fcinmid" noch: denn öffentlich bekannt gemacht tonnte die Verübung doch nicht werden, ehe Grä für Rena Sanderfeld davon in Lbemllnis gefetzt worden war —, rief der Freundin noch zärtlich aus dem Wagen nach: „Schlafe süß, meine liebst: Evelyn, und komme morgen ja bald zu mir, damit wir ims ausplauderu können über den heutigen Abend!"
„3a," nickte Evelyn, der es natürlich auch am Herzen lag, von der Freundin jetzt möglichst viel über Rettenegg und ihre zukünftige Schwieg-w- mn.tter zu erfahren. ,,3d) komme gleich nach Tisch"
Dann stieg sie langsam die vier Treppen hmaui, indem sie dachte: „Gottlob, diese „Gebirgs- vartien" haben nun auch bald ein Ende. Tie Gräfin Sanderfeld wirb nie vier Treppen hoch wohnen müssen!"
Oben waren sie noch auf. Emmy und Mo- desta räumten Geschirr und Tischzeug in das kleine alttncdrsche Bütett, und Mama Losenstein versbl-oß beinahe mrdäckttg ihre sechs China.'ill>erbest cke und die zwölf Eßlöffel aus echtem Silber. Jetzt li'st
3n der ersten Sitzung des Ausschusses für Volksunterhaltung der Zentralstelle znr 'Förderung der Bottsbildung und 3ugenb» s pflege in Hessen hob Direktor Hassinger in Deiner Begrüßung hervor, die Volksunterhaltung '.müsse aus dem Alkiohol heraus. Sie müsse Klassengegensätze überwindend Boden für gemeinsame Unterhaltung schaffar. Das Einzelne, gut Erprobte imüsse darum in den Dienst der Allgemeinheit gesellt werden. 3m Anschluß daran schilderte M ö hl -(Offenbach a. M.) die Sitzung des „Reichs- ckundes für Volksbühnen spiele". Da-
schloh sich ein Referat vor Dr. Robert C o r - faegh über „Neue Aufgaben und Ziele
Gestern abend 6 Uhr traf auf dem Bahnhof ein Transport vo n 330 Offi zieren ein, die aus amerikanischer Gefanbenschastzurückkehrten. Der Zug hatte etwa drerviertel Stunde Aufenthalt unb roitrben die Offiziere vom Emp- fangsausschuß bewirtet. Zum Empfang hatte sich die Rcichswehrkapelle cingefunben, die den heim- kehrenden Offizieren die Zeit durch vaterländische Weisen verkürzte. Die Damen des Roten Kreuzes beschenkten die Gefangenen mit Blumen, Schlei
uns schon lange heimlich —" und sicher war diese Heirat ein märchenhaftes Glück für ihre Tochter.
Tennoch blieb daS weiche, gerührte Gefühl in ihrem Herzen aus, das sie gestern bei Lottes stürmischer Mitteilung empfunden hatte.
Evelyn sprach fo viel von Lusteren Bloririlen und so wenig von ihrer Liebe .
„Es wäre schrervich," dachte die Thitt?r beklommen, „wenn sie ihn nur aus Berechnung nähme. 3ck müßte mich ja bann zu Dode schämen für mein Kind."
Denn in dem Herzen dieser einfachen Frau, deren Leben nur eine einzige Kette von Sorgen oertc'cn war, lebten unverrückbare 3b*ale und Gibt begriffe, denen die Not des Lehnrs nichts hatte an hoben können. Dazu gehörte die Ueberzeugung, dast man in Evelyns Lage nur mit außer gewöhn- lick großer Liebe und seltenen Herz.»nseigenschaften zahlen konnte, was man an äußeren Vorteile erhielt.
Würde sie dazu fähig fein? War sie so ed l, selbstlos, hingehend, treu und wahrhaftig, wie bü Famüie ihres künftigen Gatten es fordern durfte? I
Dieser Gedanke machte Frau Losen stein schon jetzt Sorgen.
Evelyn achtete nicht auf daS Schweigen tfrrt Mutter. Sie wies Modesta an, morgen die Woh- mmg instand zu setzen für Magnus' Besuch unb all die „bettelhaste Armseligkeit" darin möglichst zu verdecken, indem sie von Sattlers einig: Teppiche und Möbelstücke borge.
Aber da fuhr die Mutter aus ihrem Sinnen auf. „Nein, es bleibt alles, wie es ist. Nichts ist unvori'.ehmer, als falschen Schein zu erwecken."
(Fortsetzung folgt*) .
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fen, Zigarren ufw. Inzwischen hatte sich eine große Menschenmenge am Bahnhof eingefunden, die die Offiziere herzlich begrüßte. Diese sprachen sich sehr erfreut über dielen kaum erwarteten Empfang aus. Unter Tücherschwenken und jubeln» den Zurufen rollte der Zug 6,45 Uhr aus der Halle, seinem Bestimmungsort Hohenasperg in Württemberg entgegendampfend.
Wiederum harte dec Empfangsausschuß für heim kehrende Kriegs- und Zivil gefangene gestern abend den am 9Jlontag zu rückgekehrten Gefangenen der 23. und 24. englischen Gefangenen- knipagnie, die zuletzt in den Lagern Däons und Raismcs bei Valeneiennes untergebracht warm, auf der Liebi gshö he einen Unterha l - tungsabend veranstaltet. Leiber des Abends war Tr. Schneider, 2. Borsitzender des hie- figen Roten Kreuzes, der die Erschienenen mit herzlichen Worten begrüßte. Professor Lagueur hielt eine Ansprache, in der er in fesselnder Form die jüngsten Ereignisse der deutschen (Geschichte schilderte. Gr hob besonders hervor, in wie frivoler Weise die deutsche QHäubigteit von der Entente durch den Vertrag von Versailles hinter- gangen worden ist. Ter Bauer sche Gesangverein, der durch eine stattliche Anzahl seiner Mttglteder vertreten war, brachte stimmungsvoll Gesäuge zu Gehör, die reichsten Beifall auslösten. Konzertfäuger Ströbel aus Marburg sang einige Lieder im Bolksdon und die Kapelle des Durchgangslagers spielte muntere Weifen, die zum guten Verlauf des Abends beitrugen. Eine kurze Ansprache hielt noch Prokurist Boller. Tarnen der Stadt verteilten die üblichen Liebesgrben. Einer der Heimkehrenden dankte im Namen feiner Kameraden für die ihnen bereiteten schönen Sttin- den, indem er hervorhob, daß sie allen Teilnehmern unvergessen bleiben werden. Dr. Schneide r schloß die Veranstaltung durch einige freundliche Geleitworte.
.Mehrere der am Montag abend hier ringe* troffenen Gefangenen erschienen heute vormittag auf unserer Redaktion, und baten im Auftrage ihrer Kameraden, den herzlich st en Dank der Gefangenen über den ihnen hier zuteil ge- wordenen Empfang öffentlich Ausdruck geben zu dürfen. Er habe jegliche Erwartung übertroffen. Dies gelte auch von der Begrüßung auf der Fahrt nach Gießen. Das schöne Siegtal habe in mehr als einem Auge der Hartgeprüften Tränen der Freude ausgelöst. Ueber den Empfang am Bahnhof, im hiesigen Durchgangslager und vor allem über den gestrigen Empfangsabend auf der Liebigshöhe, sowie über die Anteilnahme der Bevölkerung sprachen sie sich in geradezu begeisterten Worten aus. Die Einrichtungen des hiesigen Durchgangslagers seien in jeder Hinsicht mustergültig zu nennen. Man merkte es den Leuten an, daß ihre Worte von Herzen kamen.
Lebensmittel.
** Zucker-Ausgabe. Der bei den Kleinhändlern der Stadt Gießen bestellte Zucker für September kann von Donnerstag abi in Empfang genommen werden. Es entfallen auf die Zuckermarke Nr. 9 (September 1919) 750 Gramm Zucker.
** Auslandsbutter. Wir weisen hiermit darauf hin, daß die in dieser Woche zur Dcr- teHung gclangmrden 40 Gramm Auslandsbuttec 85 Pfennig kosten, nicht 50 Pfennig, wie in der Lebensmittellabelle vom Montag irrtümlich veröffentliche wurde.
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** Die Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion in Dessen weist für den Monat August 1919 folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden gefördert 31540 Tonnen, verkauft wurden davon 11 354 Tonnen; der größte Teil der Rohkohle wurde.weiter verarbeitet oder war zur weiteren Verar- leitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprodukten erzeugt: 438 Tonnen Braunkohlenbriketts und 2213 Tonnen Naßpreßsteine. Außerdem würfen in Hessen — soweit feststellbar — erzeugt 2843 Tonnen Steinpreßkohlen. Unter Berück- ichtigung der aus Vormonaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben am Monatsschluß ab- atzfäbig: 2837 Tonnen Rohkohlen; 486 Tonnen Briketts; 2108 Tonnen Naßpreßsteine; zus. 5431 Tonnen Braunkohlen und Braun- ohlenprodukte im Gesamtwert von 220 229 Mark.
♦* Weitere erhöhte Postgebühren. Zu den Gebührener Höhungen der Post am 1. Oktober tontmen weitere, die bisher nicht bekannt waren ober wenigstens nicht beachtet worden sind. Sv sind die Gebichven für Postlagerkarten von 25 Pf. auf 1 Mk. erhöht, ebenso die für Postausweiskarten von 50 Pf. auf 1 Mk. Bestellschreiben roeetn Nachlieferung von Zeitungen kosten künftig 25 statt wie bisher nur 10 Pf., der Erlaß । eines Laufschreibens 40 Pf., also das Doppelte.
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Vereinen pflegen. Schulfeste geben bann Gelegenheit, das; Aeltere sie kennen lernen, mittun unb ihre frohsinnfördemde Wirkung genießen. Er zeigte, wie man die Reigen darstellerisch ausgestalten kann, und damit zum Theaterspielen überleiten. Vom Kaiperlcthealer, vom Schattenspiel sprach er bann, baä Kasperletheater als Erzieher der Dorfkinder im engsten Sinne unb im erweiterten, daß es zur hohen 5temst hinfühve. Vom Vorlesen als gemeinschaftsbildendes Element sprach er ferner unb vom Erzählen, Das Erzählertalent des Rhap foben sei unserem Volke verloren gegangen. Sein Wiedergewinn bedeute Wiederbrieben der Volksdichtung, denn rin Lied werde zum Volkslied, wenn jeder vom Eigenen zu ihm beitrage. Durch Erzählenkönnen werde die Sprachlehrbeherrschung in Wort und Sckrist gefördert. 3mmer wieder auf Erfahrungen seine Beispiele ausbauend, schloß der Referent mit dem Hinweis, daß nicksts so gemein- schaftsbildend sei wie Volksunterhaltung, das echte Gesellschaftsspiel der Großen um den enoeiterten Tisch ihres Lebens. Darin ruhe die Briteutung der Volksunterhaltung: sie baue Brucken der Liebe über Mißtrauen und Haß, die jetzt iwch das Volk in Klassen und Schicksten trennen. — Pfarrer Weidner (Ober-Lais) schloß daran die Schilderung feiner letzten Schülerspiele an. Als Jugend- fest seien sie gebadjt gewesen und ein Volksfest für Arschiedene Orte geworden. Er erzählte, wie die Wiederbelebung des Spinnstubengedanlens ihn zur Jugendorganisation geführt habe. Mit kurzer Borbereit ungs-rit habe man, wenn auch nicht Muster- gülliges, so doch Gutes geschaffen. Der Iugerrd- verern umschließt jetzt 151 Mitglieder, unb man plane die Aufführung von „Wallensteins Lager" und von „Glaube unb Heimat". Ein neuer Geist fei hierdurch in bie Jugendpflege der Gemeinde gckommen. — Schauspieler Wester mann vom Landestheater griff den Gedanken der Aktivität in der volksunterhaltung auf und betonte, daß es vor allem darauf an komme, daß Leute mit Intereffe in den Dienst eines künstlerischen Gedankens trden. — Hieran anschließend regte Direktor Schmitt an, um den Uebergang vom Volkslied zur höheren Musik zu erlrickstern, Bolkschöre zu errichten. — Mmistcrialsekretär Wandel bat, die Bolkserziehungsbemühungen nicht nur der proletarischen Jugend ober irgendwelchen Greifen an» gebeüxn zu lassen, sondern Volksbildung müsse dem ganzen Volke zugute kommen. — Direktor Hassinger wies hierauf auf die Absichten und Tätigkeiten der Zentralstelle hin, die ja gerade dieses beabsichtige. Prof. Dr. Bernbeck erzählte dann die Geschichte der „Gießener Wald- bühne", die seit 1909 alte Lieder, alte, gute historische Stücke, Stadtgeschichtliches, Bimbächer, den Gießener Datterich usw. zur Darstellung gebracht habe. Er betonte, daß besonders die „Hum- boldtianer" von Herrn Dr. Strecker großen Erfolg gehabt hätten. Als praktisches Ergebnis dieser Vorführung war es Herrn Prof. Bernbeck möglich, mehrere Sparkassenbücher zu 200 Mark für verschiedene Kriegsblinde anzulegen unb damit durch bie Veranstaltung vielen eine Freude zu bereiten.
Obechefsische Bauernbewegung.
# Herbstein, 17. Sept. Hier wurde eine Ortsgruppe des Hessischen Bauernbundes gegründet, der 123 Mitglieder angeboren. Vorsitzender ist Engelbert Friedrich Kübel, dessen Stellvertreter Hermann Amend Schneider. Schristfübrer Engelbert Joseph Böttinger I., als Beisitzer Aquilin Staubach. Boncventur Böttinger, Valentin Trand I., Florian Leister unb Zakob Schneider.
Darmstadt, 16. Sept. Der Reichs- kommissar für die besetzten rheinischen Gebiete in Koblenz hat seine Tätigkeit ausgenommen. Es ist bei ihm als Vertreter der hessischen Interessen als „Hessischer S t a a t s k o m m i s s a r" bis aus weiteres der Kreisdirektor des Kreises Erbach Dr. E. Kranzbühler ernannt worden.
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«uf. Es handellr sich für mich angesichts der be- schränüen Kräfte der Türkei im vierten Kriegs- lahre an dieser Front nur um ein Hinhalten, bie große Entscheidung im Westen gefallen war. Wir haben denn btefe Front vom X. Mörz ab in den sechseinhalb Monaten, in denen sw unter meinem Befehl stand, gegen zahlreiche Mrd zum Tell schwere englische Angriffe gehalten. Dann waren aber die physischen und moraliichen Kräfte der türkischen Truppen, welche seit dem Fruhwhr ohne ?lblösung, zerfetzt, zerlumpt und bald verhungert in der Front standen, erschöpft, und es kam das bittere Ende.
Aus den Eiuwurf, der Beginn des Zu- santmenbruchs habe mit dem Augenblick eingesetzt, als oem Ge n e r a l v. Kreß, der bei allen deutschen und türkischen Truppen sehr beliebt gewesen sei, der Oberbefehl gekommen worden und das Hauptquartier der Heeresgruppe F in Jerusalem erschienen sei, und auf die Frage, wer den General von Kreß abberufen habe, antwortete Liman:
Der Befehl der Ablösung ging von General v. Falkenhann aus. 3ch war stets ein Geg- ner dieses Wechsels. 3d) htelt General von Kreß, der ein guter Freund üon mir ist, für den einzig für diesen Posten in Fraqe kommenden Militär. Daß man meinen Befürchtungen nicht genügend Gewicht beilegte, rächte sich sofort bitter. Die dritte Gazaschlacht gab mir recht.
Der Befrager sprach die Ansicht aus, daß sich die Oberste Heeresleitung über die e n o r- men Schwierigkeiten des Orientseld- zugs nicht klar gewesen sei und die Warnungen der Sachkenner in den Wind geschlagen habe. Liman erwiderte:
Militärisch war dieser Feldzug dort unten selbstverständlich vollständig aussichtslos. Es handelte sich ja nur darum, zu drohen. Unb diese Drohung sollte den Engländer veranlassen, möglichst grafte Truppenmassen von der Westfront fort- ^rehen und auf die Etappen verteilen zu müssen. Seit Sommer 1918 habe ich dauernd an imapgebender Stelle betont, daß der Feldzug auf tbicie Weise in Palästina ein schnelles und schlechtes Ende nehmen müßte. Von Konstantinopel aus war Unterstützung nicht mehr zu erwarten. .Die Besten des Landes waren in den siegreichen Kämpfen gegen die Engländer auf Gallipoli gefallen. Was noch vorhanden war, lam für einen Ersatz nicht in Frage. Sie kennen ja audf bie Gegensätze zwischen den Türken unb Arabern. Meine dringenden Berichte an L u d e n - dorff haben ihn wohl erreicht. Es war aber zu spät. 3m Westen wurde jeder Mann gebraucht. Von feiner Seite Unterstützung, mußte die Sache ihren Gang gehen. ES war ein unabwendbares Geschick.
Ueber die Zukunft sagte Marschall Liman:
„3ck halte es für das Beste, wenn wir einen dicken Strich unter die ganze Türkenpolitik machen!"
Tie Gebühr für UnbestellbarkrilÄneÜnmgen wird von 20 Pf. auf 50 Pf. erhöht. Zritungsüberweri rimgtn nach auswärts kosten das Doppelte, 1 Mk. Verm Umtausch amtlich gestempelter Vordruck: mürbe bisl-er 1 Pf. abgrz?gen, künftig das Dip- pelte. Tie mvnatlick* Stundungsgebühr für Pirro- betrüge betrug bisher 5 Pf. für jede Mark, mindestens 50 Pf.: künftig werden 10 Proz., monatlich mindestens 1 Mk. erhoben. Tie neuen Gebührensätze gelten für die Sendungen, bie in der Nack t vom 30. September bis zum 1. Oktober um 12 Uhr 1 Minute unb später ein geliefert werden. Tie Hausbriefkasten der Postansvalten unb dte Briefkasten her Bahnvvsten werden deshalb um 12 außergewöhnlich geleert. Wenn Brieffasten ni.ijt um Mitternacht geleert werden können, so wird bei der ersten Leerung am 1. Dttröer nicht nach den neuen Sätzen nachtaxiert.
** F a hr raddicbftahl. 3n der verflossenen Nack t um s/ill Uhr wurde ein vor dem Hotck Einhorn dahier aufgestelltes Fahrrad, Marke „Türkopp", im Werte von 300 Mk., von einer unbekannten Person, die Eisenbahnermütze trug, gestohlen.
** Tiebsgut. Bei zwei vyr einigen Tagen fest genommenen Einbrechern würben 5 Kaffeetassen mit Goldrand 2 mit Blumen verwert, einige Untertassen, 1 Trinkglas unb 6 Glass bü seln vor- gtfunben, die zwritellos auch von rinem Tieb- stalst herrühren. Ter Eigentümer wolle sich bieier- halb mit der hiesigen Kriminalpolizei ins Benehmen setzen.
** Die Fliegenpläge ist in diesem Sommer in den Dörfern außerordentlich groß. Da dieses Ungeziefer draußen nicht die nötige Feuchtigkeit findet, so kommt es m ganzen Schwärmen in die Häuser. Ein Glüch daß die Wespen diesmak nur fthr spärlich auftreten. — Tie Amerikaner haben in der Gegend von Montabaur einen Feldzug gegen die Fliegen geführt. Mmongendlich mußte der Mist aus den Surfern weggejchafft .verden. Dann mußte in jedem Hause eine Fliegenklapt^ fein, um den Störenfrieden zu Leibe rücken zu können.
** Deutschnation ale DolkSpartei. Es sei nochmals auf die heute a benb im „Grohherzog" ftattfindende Versammlung lstngewiesen, in der auch die Vorgänge in der letzten Stadtverordnetenver- s a m m l u n g erörtert werden sollen.
* * S chach k 1 u b. Samstag den 20. Sept, findet abends 7 Uhr im Hotel Schütz Simultan- Vorstellung des Schachmeisters Mieses statt. Stehe Anzeige.
* * Im Lichtspielhaus ist heute letzter Tag der „Austemprinzessin". Bon morgen bis Montag wird „Eine junge Dame von Welt", Gesellschaftödrama in 5 Akten, ferner „Mein Neffe — der Herr Baron" gegeben.
Landkreis Gießen.
* * Heuchel heim, 17. Sept. Der am vorigen Sonntag veranstaltete Blumen tag zum Besten der hcimkehvenden ftricgtigefangenen aus unserer Gemeinde hatte ein sehr erfreuliches Ergebnis. Durch die Haussammlung unb den Blumenverkauf -auf der Stvaße kamen rund 16 00 Mark ein, darunter eine Einzel spende von 5 00 Mark.
Kreis Schotten.
up. Ulrichstein, 17. Sept. Ter Postaulv- bus, der zuletzt durch Ben-olmangel gezwungen, die Skrbinbung mit Post Mücke nur durch einmalige Hin- und Herfahrt aufrecht erhielt, fährt von näd£ ften Sonntag den 21. ds Mts. cb nwber doppelte Fahrt. Tie erste Fahrt schließt von hier an den Morgenzug nach Gießen an, der um 7 Uhr von Mücke abgeht. Die Rückfahrt erfolgt im Anschluß an den um 9 Uhr von Gießen in Mücke ankommenden Zug. Die zweite, Nachmittags fahrt, geschieht im Anschluß an ben um 7 Uhr von Mücke nach, Gießen fahrenden Zug und Rückfahrt schließt an den letzten von Gießen Danrmenben Zug. Tas Postauto bat voll stündig neue Bereifung erhalten, welche die Fahri sehr verbessert.
Kreis Friedberg.
Q. Bad-Nauheim, 17. Sept. Der ReichS- versicherungsverband der Privattxrsicknnung, der Arbeitgeberverband deutscher Bersicherungsunter- nebmungen, der Verband deutscher LebeTtsoersiche- rungsgeiellschaften und die Vereinigung der in Deutschland arbeitenden Privatfeuerverstcherungs- gesellsck>aften halten in der Zeit vom 18. bis 23. d. Mts. im Kurhaus ihre Ausschußsitzungen und Hauptversammlungen ab. Bis jetzt sind etroa 100 Teilnehmer für die Tagung gemeldet. — Die Sommerspielzcit des Kurhaus-Theaters schließt am 22. September. Es finden von da afi toödyentlid) eine bis zwei Ä^rftellungen statt.
— Vilbel, 17. Sept. Nach den Feststellungen der Ortskrankenkasse gibt es hier eine größere Anzahl Pers<men, die alS krank gcmecket, Krankengeld unb außerdem noch Arbeitslosenunterstützung beziehen und schließlich and) Fclddieb- stähle begehen. Zur Steuerung dieses Unfugd hat die Kasse jetzt einen zwriten Kvnttollbeamten'an- gestellt.
Iber Volks unterhaltungen". Zu Unter- 'hallung rechnet der Rri>ner nicht Theaterbesuch unb Museen sowie Ausstellungen. Sie bedeuten ihm Mtehr. Wenn auch das Theater unterhaltend sein falle, so weist die Auseinandersetzung mit hohen Kunstproblemen doch tiefergreifenb in Seelenleben unb geistiges Wirken. An das Kind im Menschen faenbet sie sich. Dem lebenfördemden Frohsinn ,gilt die Volksumerhaltung. Frohsinn unb Spiel- ! trieb lösen Hemmungen im Menschen, seelische unb körperliche, daher griff bisher bie Unterhaltung uum bequemsten und gefährlichsten Erlöser: zum «Alkohol. Tfa Zukunft wird andere Wege suchen. sAuch Musik löst nicht nur die Seelen, sondern •in ihrem Rhythmus schwingen unsere Wörter mit. «Die bestehenden Vereine für Gesang (Männer- IflcfangtKTcine), Turn- und Sportvereine, Theatcr- vereine sollen in den Kreis der Futeressen neue Anregungen aufnehmen, die im Grunde manch «mtcs Alte neu erwecken. Nachdem der Redner bie Ipassioe Unterhaltung gestreift, ging er auf die aktive Unterhaltung über. Den alten Reigentanz, begleitet vom Lied, den Frödel in feinen Kindergarten ausgenommen, soll man in Schulen und
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ff: sich müde auf einen Stuhl fallen unb über-l backte den Abend.
Es hatte sich' doch alles sehr gut gemacht bei Tisch uno ntemanb bemerkte, daß Modesta kein silbernes, sondern ein böl-ernes Besteck gehabt. Auch das Essen hatte Beifall gefunden. Schwteger-- mama Geras bat sogar um das Rezept des kal scheu Hasen, und Modests Tafelarrangement hatte geradezu Sensation gemadü.
„Sie tjat ein merkwürdiges Geschick dazu," badete die Mutter nach' nachträglich bewundernd, „man bemerkte weder, daß der Tamast schon dünn und teilweise gestopft ist, noch daß Glaser unb Geschirr bereits arg abgenutzt sind — eS sah im Gegenteil alles vornehm unb poetisch aus. Kompott und Fruchtschale hätten auf ieber Fürsten- tafel stehen können, unb die Veilchcnskräußchm ..."
Ihre Gedanken wurden unterbrochen durch Evelyns Eintritt.
„Ah, nun bist du ja auch da," sagte Fran Losenstern, sich erhebend, „nun können wir wohl fdiafen gehen, Kinder? Laßt das weitere Aufräumen nur für morgen. Sckxrdc, daß du nicht barer warst beute, Evelyn! (5d war wirklich sehr nett und gemüttich. 3ch glaube, wir haben in Ehr-m bestanden vor den n-men Derwandtm. Hast dir dich bei bemer Freundin gut unterhalten?"
"Sfo Planta; ich habe mich heute auch verlobt, antwortete Evelyn ruhig, während ihre sckiönen Augen stolz und selbstbewußt über Mutter und Schwester glitten.
„Verlobt? Tu hast . . . dich . . fab auch verlobt?" Frau Losenstein sank vor Nebe^aschung wieder auf den Stuhl zurück. Tann starrte sie die schöne Tochter beinahe ängstlich an. „Mit wem t<un?" fragte sie rmsicher.
Evelyn lächelte.


