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Erstes Blatt

Donnerstag, 18. September W

H69. Jahrgang

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Annahme von Anzeigen f. die4.agesmtmmer vis gum 9tnchmittag vorher ohne jedeVerbindlichkeit Preis für l mm Höhe für Anzeigen v.34mmBreite örtlich auswärts 18 Ps., für Reklame- anzeigen von 70 mm Breite 48 Pf. Bei Platz- vorlchriil20°/gAuffchla^, Hauptschristleiten Ang. Goetz. Berantwonlich für Politik: Alig. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für beit Anzeigenteil: H. Beck; fänrtlich in Gießen

Metzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

ZWklliilgrrunddruck n. Verlag: - Vrühl'sche Unio.-Vuch- u. Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7.

Nr. 258

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0116' Sept- 1919.

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Der zrledensvertrag in der französischen Kammer.

ris 17 Sept. (Ktolff.) Tie Kammer (f^tc die Tiskufswn des Friedensvertrages fort. Gte mente! legte die wirtschaftlichen Bestim- mtmgen dar und sagte, daß es ungerecht wäre, re iitschland den siegreichen AMachten gleichzustellen, io lange diese nicf.it wiederhergestellt seien An­dererseits hätten die Miierten besckloss-en, nidit ehr jcln mit Teutschland verl>andeln. Frankreich habe die wirtschaftlich: UnabMigigkeit wiederer- fargt, welche ihm der Frankfurter Vertrag genvin- mem l-abc. Clementel stellte fest, daß das praktisch Ergebnis der Freiheit vorerst eine Hausse der R w h st o f f e zur Folge hätte. B a r t h o u (unter- frrciif.ciib) fragte den Finanzminister, ob die Kurse sortlsahrcn werden, zum Schaden Frankreichs zu fciggen. Klotz antwortete, daß, als die Freiheit der Ein- und Ausfuhr wiederhergestellt worden sei, die Negierung darauf austnerisam gemacht heb«, daß die Differenz zwisch-en Ein- und Ausfuhr

valutasorgen.

Unsere.Valuta hat sich in den letzten Ta­gen wieder erheblich verschlechtert, und die Or­gane verschiedenster Richtungen beschäftigen fich mit diesem Uebelstand. Die Papiermark wird heute im Auslande nur noch mit knapp 15 Pfennigen bewertet. Mit Recht wird diese «Erscheinung auf unseren ungezügelten Ein- ffuhrhandel zurückgeführt, auf das Schieber- tum, das vom besetzten Gebiet her Deutsch­land mit Waren überschwemmt hat. Wir lhaben Milliarden für nicht unbedingt not­wendige Waren ins Ausland geworfen, das vertrauen auf die Einlösung unserer Papier- moten ist darum gesunken, unsere Kaufkraft vst vermindert worden. Ein Ausgleich besteht nicht, weil noch immer allgemeine Arbeits­unlust besteht.

Am 21. Juli 1919 hat Deutschland das Gesetz über die Zahlung der Zölle in Gold und besondere Ausführungsbestimmungen dazu erlassen. Die Motive waren ganz ver­nünftig: Die Zölle sollen in Gold oder in kern um das Aufgeld erhöhten errechneten Betrag in deutschen Banknoten, Reichs- oder Tarlehnskassenscheinen gezahlt werden. Der deutsche Zolltarif ist nämlich noch unverän­dert in Geltung; die Wertminderung der Mark erheischte das erwähnte Gesetz. Es wird jedoch ton unseren Herren Feinden nicht befolgt. Die kritischen und amerikanischen Befatzungsbe- hirden haben bald nach Erscheinen des Gesetzes (über die Zahlung in Gold regelrechte Be­kanntmachungen erlassen, in denen sie Lne Zollzahlung in der Währung vorschreiben, die von der deutschen Regierung durch Gesetz cioer Erlaß in Umlauf gesetzt worden ist" und das deutsche Berlangen, ,chaß die Zollabgabe rur in Gold oder sonst in Papier zu oemi ^minderten Umrechnungskurs erfolgen imisse", ablehnen. Die Zollämter des besetzten Gebietes werden also gezwungen, auf die Durchführung des Reichsgesetzes zu verzich- u n, und die Ware kommt über den Rhein, ohne daß die Möglichkeit bestünde, die Nach­zahlung zu erheben.

Mit Recht stellt dieRhein.-Westf. Ztg." iftst, daß die erhofften Wirkungen des deut- sckben Gesetzes nicht nur nicht eingetreten scien, sondern sich daraufhin nur neue üble Folgen gezeigt hätten. Gleichmäßige Zoll- erchebung .an allen deutschen Grenzen niuß wieder die Losung sein. Wenn das Meichsgesetz über die Zahlung in Gold den Feinden gegenüber nicht durchgesetzt werden kann, mutz es wieder aufgehoben werden.

In diesem Zusammenhänge schreibt auch dieVoss. Ztg.":

Schließen der Gvenzen und Förderung mttr- tuitionaler Kredite zur Stützung des Markkurses, drns verlangen wir von unseren Gegnern, nicht um lyifercr schönen Augen willen, sondern um ihllien selbst unsere' Verpflichtungen erfüllen zu töimen. Die Zügelung der Einfuhr muß vor allen Singen unter dem Gesichtspunkte erfolgen, daß wir Waren einführen, die uns dazu dienen, sei es als notwendige Nahrungsmittel durch Hebung deu Arbeitskraft, sei es als Rohstoffe, die Er- zemgung von Werten zu heben, die wir aus führen können und mit denen wir die rwtwendigen Einfuhren ^wieder bezahlen köiimen. Wir müssen aber auch die Kontrolle der Ausfuhr aufrecht erhalten. Die schlechte Valuta bedeutet ja eine Ausfuhrprämie, die wir bis zu einem gewissen Grade natürlich brauchen, um on den Auslandsmärkten konkurrieren zu können. Wir müssen uns aber davor schützen, daß durch bie "e Entwertung der Mark manche Gruppen deut­scher Produkte auf den Auslandsmärkten verschleu­dert werden. Wenn wir die Ausfuhrpreise nach dieser Richtung nicht kontrollieren, so ,mi-en wir einerseits imfere Ausfuhr nicht ge- iitüiieno für die Besserung unserer Zahlkraft aus, andererseits werden )vir aber durch, beit Grad beti Preisschleuderei auf einigen Gebieten einen Sturm 'm Auslande über deutschesDumping" eMfesseln, dre die Gefahr in sich birgt, daß Markte, auf denen, wir zu gezügelten Preisen immer noch aus- ti TTäfjig sind, uns allmählich ganz verschlossen Verden."

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notwendigerweise ein Mißverhältnis im Kurse her- bciführen müsse. 9)lan müsse die nationale Pro­duktion erhöhen. Clementel verzeichnete eine Verbesserung im Weltfrachtenverkehr. Er fügte hin­zu, daß bie Führer der Industrie sich in die Auf­gabe teilen würden, um die Lage zu Frankreichs Gunsten zu gestalten, namentlich in Amerika. Tie amerikanische Handelsöammer habe Vorbereitungen getroffen, diejenigen Handelskredite einzuschvänken^ deren unsere Landsleute bedürfen. Ter Minister erklärt, daß Frankreich eines der bestbestcllten Län­der Europas ist, um sich rasch wieder zu erholen. Alle Rohstoffe werden tn den französischen Kolonien erzeugt. Tie französischen Kapitalien müßten zu­künftig anstatt ins Ausland zu gehen, zur Entwick- lrmg der Produktion Frankreichs und seiner Kolo­nien dienen. Andererseits wird die Möglichkeit vorhanden sein, in DeutschiandbilligeEr- zeugnisse zu kaufen. Ter Minister schließt mit einem Appell an den Geist der Disziplin. der Industriellen, in diesem Sinne sich zu betätigen. V i v i a n t sagte, daß die Größe des Friedens- Vertrages darin liege, daß er auf der Freiheit be­gründet Jei. Er erkläre sich mit Vorbehalt über die meisten Bedingungen des Friedensvertrages befriedigt. Tie Rheingrenze hätte die Ueberwachung von sechs Mllliionen Menschen der Rheinlanoe er­fordert, von wo aus schlimme Schläge gegen Frank­reich, hätten ausgehen können. Wie Sembat er­klärte er, daß Frankreich Deutschland ein Beispiel der Freiheit geben muß. Viviani ist belustigt über diejenigen, die glauben, daß Deutsch,land plötzlich, trotz der Kontrolle der Alliierten, Millionen von Männern aufbieten könne. Er fügt hinzu: Können Sie sich denken, daß angesichts des großen Eng­land und Amerika Teuft chiland es wagen könnte, Frankreich herauszufordern? Hinsichtlich der Kon­trolle sagte Viviani, der Artikel 26 erlaube Frank­reich, zu verlangen, daß der Völkerbund stets zu beobachten habe, was in Teutschland vorgehe. In Besprechung der wirtschaftlichen Lage Frankreichs verlangt er, daß die Finanzabkommen des Völker­bundes verwirklicht werden. Zum Schluß verlangt er von den Alliierten, daß sie das au| oen Schlacht­feldern siegreiche Frankreich nicht am Tag: nachdem grieben aus 'dem wirtschastlichM Schlachäfelde ohne ilfe stehen ließen.

Der Friedensvertrag vor dem amerikanischen Senat.

Amsterdam, 1?. Sept. (Wolff.) Wie draht­los aus Washington gemeldet wird, begann am Montag nachmittag« im amerikanischen Senat die Debatteüberden Friedensvertrag. Sie wurde mit einer Rede des demokratischen Sena­tors Jones aus Neu-Mexiko eröffnet, der ener­gisch 'auf Annahme des Vertrages ohiL Abände­rungen drang. Jones sagte, daß die Senatoren, die gegen die unbedingte Ratifikation des Friedens- Vertrages seien, das Volk gegen den Friedensvertrag und den Völkerbund aufhetzten, intb daß der Frie­densvertrag uno der Völkerbrmd zunichte gemacht würden, wenn der von der Mehrheit des Senats­ausschusses für auswärtige Angelegenheiten anemp­fohlene Vorbehalt angenommen mürbe.

TerNewyork Herold" meldet, daß die den Friedensvertrag betreffenden Verhandlungen im Senat sehr langsam fortschreiten. Es wird er­wartet, daß die endgültige Abstimmung nicht vor dem 15. Oktober stattfindet.

Ein neuer Schritt der Entente.

Paris, 17. Sept. (Wolff.) Havas. Es be­stätig t sich,, daß in der Frag: der baltischen Provinzen der Oberste Rat den Marschall Foch beauftragt hat, bei der deutschen Telegation energisch vorstellig zu werden.

Keine Rückgabe der Lokomotiven.

Berlin, 17. Sept. (Wolff.) Von der ge­stern abend von derVossischen Zeitung" nach demMalin" gemeldeten Rückgabe der von Deutschland abgegebenen Lokomotiven ist an hiesigen amtlichen Stellen nichts bekannt.

Dar englische Regierungrprogramm.

Amsterdam, 17. Sept. (Wolff.) Am Mon­tag erschien in ganz England eine Flugschrift mit dem TitelThe Future", Regierungserklärungen über die nationalen Bedürfnisse und die nationale Politik, die eine Botschaft Lloyd Georges an das englische Volk und mehrere Erklärun­gen der vornehm st en Staatsmänner über die Zukunft enthält. Das Regierungs­programm, das darin für den Herbst angekündigt wird, sieht die .Einführung einer Höchstarbeits­woche von 48 Stunden, angemessene Löhne für alle Arbeiter, das M it be sti m m u ngsr echt der Arbeiter bei der Festsetzung der Arbeitsbedin­gungen, finanzielle Beteiligung der Arbeiter an dem Ergebnis ihrer Arbeit, gesunde Wohnungen und gute Transpottmittel vor. jFerner wird der Ankauf der Bergbaurechte durch den Staat, die Erhöhung der Kohlenpreise zum Zivecke sozialer Verbesserungen in den Bergbaudistrikten, die Ver­tretung der Arbeiter in den Kontrollräten, freie Laufbahn für alle Bergarbeiter in der ganzen Industrie und die sofortige Einsetzung einer Kom­mission für die Kohlenerzengung angekündigt. Außerdem werden eine Reihe von Maßregeln aus dem Gebiete der Handelspolitik angekündigt, die zum Teil schon in Kraft sind.

In den Redaktionen und politischen Klubs wird, wie demTelegraaf" aus London gemeldet wird, das Erscheinen derFuture" viel besprochen. DerStar" teilt mit, da» das Blatt von einem gewissen Wallis Myers redigiert wird, der wäh­lend des Krieges die offizielle Propagandaliteratur veranlaßte. DieFuture" wird nicht regelmäßig erscheinen. Sie ist dazu bestimmt, das Publikum, wenn das Parlament nicht tagt, über die Taten

und Absichten der Regierung zu unter­richten. Das Geld wird von Männern aufgebracht, die der Ansicht sind, daß die Parteikombination, die notwendig war den Krieg zu gewinnen, für die Politik der Wiederherstellung nach dem Kriege ebenso notivendig sein wird. Der Herausgeber der Future" hatte vor zwei Wochen in Deauville eine Unterrebung mit Lloyd George, worin die Herausgabe des neuen Organs beschlossen wurde. Verstaatlichung der Kohlenbergwerke in

England?

Amsterdam, 17. Sept. (Wolff.)Mgemeen Handelsblad" meldet aus London: Der Berg­arbeiterbund wird im Verein mit der Lei­tung der Arbeiterpartei und der parlamentari­schen Kommission des Gewerkschaftskongresses im ganzen Lande einen Werbefeldzug zugunsten der Nationalisierung der Kohlenberg­werke beginnen. Der englischen Negierung sind Beweise für die Existenz einer Verschwörung in die Hände gefallen, die von Anarchisten und Ar­beitern angezettelt wurde und bezweckte, revolu­tionäre Streiks zu organisieren und Gewaltmetho­den in Anwendung zu bringen. Im Mittelpunkt der revolutionären 'Organisation, die beabsichtigt, mit Hilfe des politischen Mordes selbst der Ne­gierungsgewalt sich zu bemächtigen, steht dieMa­ritime Workers Foederation", die jetzt von der Polizei verboten ist.

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Die Arbeiterkonferenz in Washington.

v Berlin, 17. Sept. (Wolff.) TerVossisch. Zeitung" zufolge beschlossen die Vertreter der deutschen Gewerkschaften gestern bei der Beratung über die Frage der Teilnahme Deutsch­lands an der Arbeiterkoferenz in Wa­shington, daß die deutsche Arbeiterschaft sich an der Konferenz nur beteiligen wird, falls sie gleich den Arbeiterverbänden der an beten Länder dazu ein geladen wird. Tie bloße Zulassung genüge d:n beutschan Arbeitern nicht, selbst wenn ihnen ge­stattet werden sollte, mit abzustimmen. Nach im Gewerkschaftshause eingelaufenen Nachrichten wird auch die österreichische Arbeiterschaft nur nach Empfang einer offiziösen Einladung und im Falle der Emladung der deutschen Gewerk­schaften Delegierte nach Waslchigton entsenden.

Düstere Lage der Stadt Wien.

Wien, 18. Sept. (WTB.) Korrespon­denzbureau. Gestern nachmittag fand unter dein Vorsitz des Staatskanzlers Renner eine Beratung über die ungünstige Kohlenlage Wiens statt. Es wurde beschlossen, daß ab 21. September der Straßcnbahnverkehr voll­ständig eingestellt werde, daß alle Gast­und Kaffeehäuser und Haustore um8 Uhrabendsgeschlossen, und daß alle elektrischen Aufzüge außer Betrieb gesetzt werden müssen.

D'Annuuzio al» Beherrscher von Fiume.

Von der Schweizer Grenze, 18. Sept. Wie dieKöln. Ztg." erfährt, hat nach einer Meldung derTribuna" d'An- nunzio den früheren Kommandanten von Fiume, P e t t a l u g a, festnehmen lassen, weil er ihm nichts von der Ankunft des Generals R i b o l a t mitgeteilt hätte.

Die Schweiz und die Internationale.

Bern, 17. Sept. (Wolff.) Schweizerische De­peschen agentur. Tie Abstimmung in den Sektionen der schweizerischen sozialdemokratischen Partei er­gab rund 7600 Ja und 11 400 Nein für den Ein­tritt der Partei in die Tritte Internationale. Abgesehen von einigen wenigen noch ausstehenden Sektionen hat die Abstimmung ergeben, daß der Eintritt in die dritte Jnternativale verworfen wird.

Aus dem Reiche.

Erzberger nicht amtsmüde.

Berlin, 17. Sept. (Wolff.) Ein hiesi­ges Blatt gibt in seiner heutigen Morgenaus­gabe unter der UeberschriftErzberger amtsinüde" eine Meldung desFreien Wortes" wieder, wonach das Kabinett darüber einig sei, daß der Rücktritt Erzbergers nach einer ihm eingeräumten kurzen Anstandsfrist zu erfolgen habe. Demgegenüber wird von zu­ständiger Seite festgestellt, daß das Kabinett sich weder mit der Frage des Rücktrittes Erz­bergers befaßte, noch irgendwelche Veran­lassung hat, sich mit dieser Frage zu befassen. Die Meldung ist glatt erfunden.

Oberst Rcinlpird.

Berlin, 17. Sept. (W2Ä.) Von 'uständiger Seite wird mit geteilt: Tie Vertrauensleute der Brigade Reinhard gaben gestern ge­meinsam und einstimmig die Erllänmg ab, daß Oberst Reinhard seit dem Bestehen der Brigade niemals eine gegen die Republik oder gegen bfie Reichsregierung gerichtete Propaganda getrieben habe. Oberst Reinhard betonte im Gegenteil stets sehr energisch, daß er selbst unbedingt hinter der Reicklsregiernng stehe und die gleiche Haltung auch von seinen Untergebenen verlangt;, da er eine) solche Stellungnahme als Voraussetzung dafür <m- febe, daß Deutschland wieder zu geordneten Ver­hältnissen zurückkehre. Die Verttauensleute waren einheitlich der Ansichit, daß, toemr einzelne der Reinhard zum Vorwurf geinachton Aeußerungen über die Mitglieder der Reichsregäeruna wirlliich gefallen sind, dies sicher nicht in einer öffentlichen.

Ansprache an die Truppe geschehen! ist. .Diese Aeußerungen würden dann nur als menschlich bex greif t ich« Regungen eines augenblicklichen Unmutes? auszufassen, jedenfalls aber nicht geeignet fein ' das Bild der unbedmgten loyalen Haltung dess Obersten Reinhard zu trüben.

Ein Streik der Berliner Lebensmittelgeschäfte.«

Berlin, 17. Sept. (Wolff.) Wie bte. B. Z." meldet, wurde dec Streik der Berliner Lebensmittelgefchäfte von dem größten Teil der Ladeninhaber durch­geführt. Die Läden wurden um 10 Uhr ge­schlossen und werden erst um 4 Uhr wieder, aufgemacht. Es handelt sich um eine Demon­stration gegen die Zwangswirtschaft und die Kommunalisierung. In den Acbeiterbezirken wird die Demonstration nicht so einheitlich durchgeführt wie in den westlichen Stadt­bezirken.

Die Landarbeitcrbcwegung in Pommern.

Berlin, 18. Sept. Wie dieKöln. Ztg." aus Pommern meldet, mehren sich die Nachrichten über Schwierigkeiten mit den Erntearbeitern in der Landwirt­schaft. Die Auffassung der Arbeiterschaft geht dahin, daß gewisse Gutsbesitzerkreise zu Un­recht den Abschluß von Tarifverträgen mit den Arbeitern verweigern. Von der Ne­gierung wird die Lage in Pommern ebenfalls als ziemlich ernst angesehen, weil sie unter Umständen leicht eine verhängnisvolle Rück­wirkung auf die Volksecnährung haben körmte. Eben aus diesem Grunde ist man entschlossen, mit allen nur möglichen Mitteln die Aufrecht­erhaltung der landwirtschaftlichen Erzeugung zu sichern, wobei es unter Umständen ohne einen gewissen Druck auf die ländlichen Ar­beiter nicht abgehen dürfte.

Unruhen in Köslin.

Köslin, 18. Sept. (WTB.) Gegen ächt! Uhr abends versuchte die Menge in die Hotels einzudringen, um Lebensmittel unb Getränke zu erbeuten, was ihnen je-> doch nicht gelang. Dagegen drangen sie in der Neuen Kieler Straße gelegene Bauernschen­ken ein und raubten Spirituosen. Darauf zog^ die Menge vor die Dienstwohimng des Land­rats, in der die H o ch z e i t d e r ä l t e st e n Tochter gefeiert wurde. Sie bekamen je­doch den Landrat nicht zu sprechen. Man schrie nach Schnaps und Spirituosen. In das Ge­bäude einzudringen, gelang der Menge nicht, da es durch ein starkes Gendarmerieaufgebot bewacht wurde. Für die Nacht wurden Vor­sichtsmaßregeln getroffen. So wurde die Post von der b e w a f f n e t e n I u g e n d w e h r be­setzt. Die sozialistischen Parteien, die schon am Montag eine Kundgebung gegen die Lebens­mittelteuerung angesetzt hatten, stehen diesem Treiben fern. Ein sozialistischer Führer, der die Aufständischen zu beruhigen versuchte, soll verprügelt worden sein.

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Stettin, 16. Sept. Die Unabhängigen demonstrierten abends im Schloßhof gegen die Ernenn ungdes Mehrhcitssozialisten Fenner zum P o l i z e i p r ä s i b e n t e n, die sie als Provo-, fation betrachten. Sie fordern seine schslermige Ab-< berufung. Ter Ober Präsident erklärte, daß daS gewaltsame Eindringen der unabhängigen Temow- ftranten in den fiskalischen Schloßhof Hausfrie­densbruch bedeute. Er verbot ausnahmslos die Benutzung desselben zu Versammlungen und droht die Sperrung an.

Liman v. Sanders über den Zusammen­bruch der paläftinafront.

Marschall Limanv. Sandershat in einer Unterredung mit einem Hamburger Journalisten (Hamb. Nachr." v. 15. Sept.) interessante Mitteilungen gemacht, denen wir folgendes entnehmen:

Nach meiner Ansicht waren endgültige und entscheidende Erfolge auf dem Palästinakriegs- schauplatz überhaupt von vornherein ausge­schlossen. da die Engländer Aegypten als Basis hinter sich hatten und dazu auf der einen Flanke das Meer als Verbindungsweg beherrschten, auf der anderen Flanke jedoch östlich des Jordan die, Araberstämme als Verbündete gekauft und orgini< fiert hatten, während demgegenüber die..Türken zahlenmäßig weit unterlegen waren. Ich, verfügte nur über eine Kavallerie von 1200 Pferden, wogegen Allenbyl4000 wohlgenährte Pferde und Rennkamele besaß. Ferner wurde nirgends in Rechnung gestellt, daß wir nur über eine ein­gleisige und völlig unzureichend be­triebene Bahnlinie von zirka 1700 Kilo-, meter Länge bis Konstantinopel als einzigste Ver- bindnugsmöglichkeit verfügten. Diese Bahn besaß« drei verschiedene Spurweiten auf der Strecke. Das war die Basis, auf der ich operieren sollte! Nach­her dritten Gazaschlacht im November 1917 hatte der innere Halt der türkischen Armee an jener Front ganz erheblich gelitten. Jerusalem, Jaffa und Jericho waren bereite verloren, als ich am 1. März 1918 den Oberbefehl dort unten über­nahm. Die bei Mossul an der Bagdad front stehende zweite Armee wollte ich nicht übernehmen, um mich nicht zu zersplfttern, und eine zwischen dieser und der Palästinafront stehende Armee gab man mir aus mir nicht bekannt gewordenen Gründen' nicht, sondern ließ sie dort stehen. Und die vierte Armee stellte nur Depotregimenter unter Tjemat