Ausgabe 
18.3.1919
 
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Dienstag, 18 März 1919

Erster Blatt

169. Jahrgang

Kuuut'iuc von aiijeigtn s. die -tagesmimmei. Ui3 zum Nachmittag vorher oynejedeVerbindtichkett

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Gietzemr Anzeiger

ää. General-Anzeiger für Gberhessen

ZwüNngrnlnddruck ».Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch' u.Stein&rmtaef 8.Lange.Zchristleltung. Gefchästrftellr u.Druckerei: Schulstr 7.

(Eine Anfrage an das Gewissen und -re Würde des Volkes.

2Btr haben gestern auf das Unwürdige und Demütigende hingewiesen, das darin i liegt, daß dem deutschen Volke kurz vor der Entscheidung über die Friedensbedingungen die Hungerbrocken der Nahrungsmittelhilfe hingeworsen werden, roomit unsere Gegner uns offenbar zur Knechtschaft willfährig machen wollen. Heute erhalten wir vom L a n- desvereinderVemokratischenPar- tei in Hessen einen Aufruf, der eben­falls von solchen Erivägungen ausgeht und ver eine Aufrüttelung unseres Volkes auS Unaufmerksamkeit und Gleichgültigkeit bezwecken soll . Zunächst die fürchterlich drohenden Tatsachen! Möchte j e b e r Leser unseres Blattes die folgenden Satze mitdenken und mitfühlen:

/Macht man sich' klar, was es bedeutet, auf SOJahrejährlichlO Milliarden Francs oder nach jetziger Valuta 15 Milliarden Mark an das Ausland zu zahlen und daneben dieselbe Summe zur Deckung der heimi­schen Bedürfnisse für die Staatsverwal- hmq, sür die Verzinkung und Amortisation der Kriegsschuld und für die Unterstützung der Kriegs- ymterbliebenen und Beschädigten auszubringen?

Dor dem Kriege hatte das blühende Reick einen Haushalt von etwa 2 Milliarden Mark jähr­lich. Wie schwer war damals schon die Steuerlast zu tragen! Jetzt aber soll das mehrere Millionen sMensckien ärmer gewordene, um wichtige Ge- Ibiete im Westen, Osten und Norden verklei­nerte Reich jährlich 30 Milliarden Mark, also daS Fünszehnsackie, aufbringen! Dazu kommt, daß unser Auslandshandel, der vor dem Kriege in Ein­um) Ausfuhr jährlich 15 Milliarden Mark fcin= brachte und Hunderttausende von Menschen be­sänftigte, durch den Raub unserer Schiffe völlig vernichtet werden soll? Das bedeutet -nichts weniger als die Versklavung eines ganzen Volkes auf zwei Menschenalter hinaus. Zur Teckuna der vorgesehenen Lasten wird das geringste ErnkomMIcn schön mit der Hälfte -eines Betrages herMtgezvacn werden müssen, ganz 1« schweigen von den mittleren und hiöl>eren Ein­kommen. Die Menschen müssen ans das Land in weit ein fasere Verhältnisse zurückkehren: Deutschland wird wieder ein armrr Agrcrrstaat. ,(5in armer Agrarstnat wird Teutschland, denn nicht die Zölle haben in erster Linie den Preis lMidnnrtselmsfticker Produkte b'ck gebracht, sondern die Zahlungsfälngki-it der städ iscken Bcvolkentng. Sinkt, diese, dann sinken die Preise der ländlichen Produkte. Teutschland verfällt in das Elend der Zeit nach dem dreißigjährigen Kriege."

Dann beklagt der Aufruf, daß das deutsche Volk diese Ankündigung ohne allzu- igroßc Erregung ausgenommen habe und sich in seinerTanz- und Vergnügungstoll- heit" nicht habe stören lassen:. Man könne das Verlangen eines ausgehungerten Volkes nach den reichlicheren Fleisch- unb Fettöpfen vergangener Tage verstehen;

fofl das deutsche Volk aber für 12 Pfund fAetreide monatlich sich und seine Kinder auf 50 Jahre in die Sklaverei verkaufen?! Nein, und abermals nein! Lever dod as Slav! Wie Lilien- kron seine Friesen rufen läßt. Aber so schlimm" braucht die Alternative vielleicht nickt zu sein. ''Halten wir nur bis zur nächsten Ernte aus, bann ist der Vernichtungswille des Feindes «gebrochen. Auch seine Völker sehnen sich nach Frieden, auch bei ihm gärt es be­denklich Rassen wir uns deshalb noch einmal zu echter deutscher Größe auf! Weigern wir uns, Bedingungen zu unterschreiben, die untere Kinder und Kindeskinder zu Heloten machen werden! Ver­kaufen wir nickt unser Er stgeburts rech t, Unsere Würde für das Linsengericht ameri­kanischen Schweinespecks! Fürchten wir uns. vor dem Fluch nackkommender Generationen ! Leisten wir passiven Widerstand, da aktiver nicht mehr hnöglich ist, bereiten wir uns vor, mit Würde und FestigkeitNein" zu sagen, wenn die Entente uns sclMackvollc Bedingungen, die im Widerspruch zu bat 14 Punkten Wilsons stehen, aufcrlegen will."

Wir können diesem Aufruf nur zustim­men. Die Taktik unserer Feinde ging dahin, uns durch beständige Mitteilung bevörstehen- der schwerster Forderungen für die Entschei­dungsstunde willensschwach zu machen. Wenn nun wirklich auch einige Milliarden unser­lassen" werden sollen, werden wir bann auf­atmen dürfen, als wären wir dem härte­sten Sck>lag entronnen? Auch unsere Regie­rung, die Erwählten des Volkes, müssen sich vor dem Fluche kommender Generationen hüten. Vor allem aber müßte das Volk seine Besinnung, sein Bewußtsein, sein Verantwor­tungsgefühl zurückgewinnen. Dann wird der Feind sein überspanntes Ziel nicht erreichen.

Die üerioraum Deutschlands mit Lebensmitteln.

Berlin, 17. März. Die Einfuhr- erlaubnis der Entente versteht sich so, daß zu den gestern berichteten 2220 000 Sonnen noch diejenigen 270 000 Tonnen hin- yutreten, welche die Alliierten uns fest zu- gesagt haben, unb welche eigentlich schon vor März in Deutschland eingetroffen sein sollten. Insgesamt werden uns also bis 1. September

2,49 Mill. Tonnen Lebensmittel zugestanden, deren Kaufwert man auf mindestens 4 Mil­liarden Mark taxiert. In jenen 270000 Ton­nen sind auch die 35 000 Tonnen Fett unb Milch enthalten, die jetzt aus Rotterdam an­geblich sofort abgehen. Diese 35 000 Tonnen kosten, weil sie besonders hoclpvertige Waren barstellen, etwa 61/4 Mill. Pfunb gleich 125 Millionen Geldmark unb werden in der be­kannten Weise mit 100 Mick. Mark Rcichs- bankgold unb mit 25 Mill. Mark Devisen bezahlt. Die verbleibenden 235 000 Sonnen Weizen mit etwas Fett werden uns mit 11 Millionen Lst. berechnet unb )inb in derselben Weise zu bezahlen wie die künftigen Monats­importen. Hinsichtlich der Lebensmittel preise verlautet, daß der.Lebensmittelkon- trolleur zugesagt hätte, ganz Europa nach einheitlichen Preisen zu ver­sorgen, daß also Deutschland, wenn es direkt kauft, dieselben Preise zahlen soll wie die ($ntenteläubec und auch wie die neutralen Länder.

Berlin, 17. März. (WTB.) Wie die Blätter melden, wird das mit der Entente abge­schlossene Lebensmittelabkommen zunächst nicht gestatten, die Brotrationzuerhöhen, selbst wenn die erste Sendung von 270 000 Tonnen Getreide in Teutschland angdirngt ist. Die Sen­dung kann nur dazu dienen, die bisherigen Brot­rationen sick^rzu stellen, die ohne die Getreide- zufnhr schon in nächster Zeit Hirten heruntergesetzt werden müssen. Ob später die Raiionen erhöht werden können, hängt von der weiteren Einfuhr ab, .die nur möglich ist, wenn wir die zur Einfuhr zugelassenen Quantitäten im Ausland kaufen können und die nötige Tonnage haben, um die Einfuhren zu bewerkstelligen. Können wir diese Voraussetzungen erfüllen, so wird sich später aller­dings unsere Versorgung, insbesondere mit Brot, Fleisch und Fett, günstiger gestalten. Tagegen dürfte mit einer Verbesserung des Brotes zn rerl>- nen sein, da man die Ansniachluny des Getreides herabsetzen kann, lieber die Verteilung der Fett- und Fleischmengen läßt sich noch nichs Sicheres sagen, doch sollen Erwägungen darüber angestellt werden, die Großstädte zu bevorzugen. Tas amerikanische Schmalz besitzt nickst den feinen Geschmack, den man vom Schweinefett gewohnt ist. Ter amerikanische Speck ist ungeräuchert und in Salz und Salpeter konserviert. Es emp­fiehlt sich, den Speck zu wässern und dann räuchern zu lassett. Tas Scknoeiuefleisck) ist gepökelt recht schmackhaft. Ausgezeichnet ist Törrfleisch, das in langen, schmalen Streifen getrocknet ist. Au kon­densierter Milch wird gezuckerte und ungesüßte Milch geliefert.

In der Eröffnungssitzung vom 13.3. teilte Admiral Wemvß die Bedinguitgen mit, unter welchen die assoziierten Mächte bereit sind, die Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln zu erlauben. 1. Die vereinigten Regierungen werden selbst, so schnell als die Transportmittel arrangiert werden können, liefern oder die Erlaubnis^gebem zum Import aus den benackcharten neutralen Län­dern sür den Rest der vereinbarten 270000 Ton­nen, sobald die Schffe, welche bereits fion den Dcutsckien als seefertig namhaft gemacht wurden, ausgelaufen sind, und sobald als die Zahlung für diese Nahrungsmittel vereinbart worden ist. 2. Deutsckstarrd soll das Recht haben, zu kaufen und zu importieren bis zu 300 000 Tonnen Zerealien und 70 000 Tonnen Fett einschließlich Schoeinc- fleischerzengnisse, vegetabilisch Oel« und konden­siert« Milch monatlich bis zum 1. September. 3. Es nruß für diese Nahrungsmittel zahlen, und zwar in irgendeiner der folgenden Arten: a) durch Export von Waren unb Verkauf von Ladungen deutscher Schiffe, welch jetzt in neutralen Ländern liegen; b) durch Kredite in den neutralen Ländern; c) durch Verkauf fremder Sick>erleiten oder Eigentum als Sicherheit; d) durch Verein­barung von Vorschüssen gegen fremde Sickt-erheiten oder Eigentum als Sickerl-cit; e) durch Mieten von Schiffen; f) Gold kann auch verwandt werden als Unterlage für Darlehen, die abgelöst werden, toenn andere Zahlungsmittel die Möglichkeit zu einer derartigen Ablösung geben. 5. Es kann bestimmte Waren exportieren. Der Er­lös dieser Exporte muß jedoch zur -Bezahlung der Nahrungsmittel vertvandt twrbcn. 5. Sobald die deutschen Scknsfe überliefert worden sind, soll der erfbe Gebrauch, welckfer von den Schiffen gemacht nnrd, der Transport der deutschen Vorräte f in bis zu der oben angegebenen Höhe für die Periode bis zum 1. September. 6. Deutfchlatrd kann Nah^ rungsmittel innerhalb der oben angegebenen Grenze von neutralen Ländern kaufen und imwriirTcn, wclckxn man, falls es nötig ist, gestatten wird, gleickiwertige Quantitäten wieder einzuführen. Es ist wohl verstanden, daß die Erklärung 6er Der- eitrigten Regierungen, welckx in dieser Mitteilung enthalten ist, null und nichtig wird, falls Deutsch­land die Bedingrmgen des Waffenstillstarrdes brückst ober irgendwie versäumt, seine Verpflichtungen tveffs Uebergabe der Handelsflotte durckrzusühren.

Die deutschen Vertreter sind im Prinzip ein- verstanden. Herr von Braun erklärte, daß die deutsckte Regierung diese Bestimmungen grundsätz­lich als Basis einer befriedigenden Regelung an­nehme. In der Vollsitzung vom 14. März wurden tiefe Vereinbarungen endgültig angenommen.

DaS Schiffahrtsabkommen.

Berlin, 17. März. (WTB.) Heber den Inhalt des neuen SchrffahrtsabkomMens mit der Entente melden die Abendblätter u. a.: Tie deutsche Regierung ist verpflich.'ct, alle ihre Energie darauf zu konAentrieren, Sckstsfe von er­höhter Tragfähigkeit zu bauen und vom Stapel gehen zu lafien. Für die Bedürfnisse der deutschen O stfront wird eine Anzahl von Schiffen frei­

gegeben. Tie feindlichen Vertreter betonten, es könne gar keine Rede davon sein, daß bei der ersten Anfahrt der brilischen unb französisckn'n Häfen durch deutsckie Rtannschasten diese beibe­halten würden; die deu s.l-en Mannsck-afbeii würden aus Kosten der Alliierten, aber auf Scknifen, die Teutschland zu stellen hätte, in ihr Heimatland zurückbesürdert. Tagegen wäre die Frage der deutsch en Bemannung der Sckstsfe für eine nochmalige sehr ernste Ertväzung reif, wenn Teutsclstand seine eigenen Schisst mit Kohlen ver­sorgen könnte, sodaß sie eine tran&itlanlii dje Fahrt madten könnten, ohne in England oder Frartkreich zu bunkern. Eine Tiskussion entspann sich auch darüber, ob die auf den deutsckien Werften im Bau befindlickten Schiffe unter das Abkommen allen und ausgelicfert werden sollen, oder itn bcutfdjen Besitz bleiben. Die Denlsck)en vertraten natürlich den Standpunkt, daß diese Schiffe n i^ch t unter das Abkommen fallen; die stind.ick-en De­legierten werden darüber ihren Regierungen be­richten.

-lenßerungen PichonS über den Friede».

Basel, 17. März. Havas berichtet aus Paris: Püchon empsittg am Sonntag die alliierten Jountalisten. Heber die Brüsseler Ve r - Handlungen erklärte er, daß es sich sür die Teutsckten nur um die Annah ne der schon unter­zeichneten Wasfenstillstmidsbedinguitgen handle. Heber die Bezahlung der gelieferten L^'bensmittel werde Hoover alle Einzelheivm feststellen. Tie Schiffe würden nur jur Verfügung bestimmter alliierter itLnni ce5 für Trauslwrte gestellt. Tie FriedensLonstrettz werde über ihren Besitz ent^ sck>eiden. Tie bis jetzt den Neutralen atiserlegten Verbote zur Ver'hinderung der Verpslegungi Teutschlands würoen jetzt wohl artfgehoben wer­den, da die Alliierteit selbst die 9Serp|Icgung über- uahmen. Tas grgemvärtige Völkerbunds­projekt sei nicht endgültig. Wie Wilson schon gesagt habe, könnten noch Verbesserungen daran angebracht werden. Die Neutralen würden einge­laden werden, ihre Meinung über diese Frage zu äußern. Auf die Frage nach den Tifstrenzpunkten zwisckren dem Vorvertrag und dem eigentlichen Friedr-nsvertrag erklärte Pickzon:Tie Prälimi­narien stellen die fuitdameittalen Sätze des end­gültigen Friedensvertrages bar, welch letzterer nur die praktische Durchführung des ersteren ist. Tie Präliminarien bedeuten noch nicht die Wieder­aufnahme der dipbomatisckZen Beziehungen, sondern nur das Errde des durch den Waffenstillstand in der Schwebe gelassenen Kriegszustandes." Der endgültige Friedensvertrag werdenacki Absckstuß des Vorvertrages nicht sehr lange auf sich warten lassen. Teutschland könne dann sofort seine answarti'ien Bezstchnngen wieder aufneh--« men. Tic Frage der S'taffung eines neutralen unb unabhängigen de u t sch- ö ste r r e i ch i s che n Staates sei noch nicht endgültig durchberoten tturben. Eine svlc'ie Staatsform würde jedoch für dieses Land militärifrbe, wirlschafttiche und kom­merzielle Vorteile bringen.

Zur Frage der Unterbrcdnmtj der Posener Ver.han dl ungen äuszerte Prckion, wenn eine Verständigung unmöglick sei, werde eine Inter­vention ber Alliierten nötig, da man Polen nicht in seinem jetzigeil Zustand belassen könne. Ter Abmarsch tvlnisck>er Truppen nach Danzig sei im Prinzip besckstossen. Französisck;e Offiziere seien ermächtigt, sich zur Verstärkung der Kadres der regulären Armee nach Polen zu begeben. Sol­daten feien toochrsckieinlich nicht nach Polen ge- fanbt worden. Hinsich lich des serbisck^knoatisck^- slowenischen Reiches, das von den Alliierten noch nicht anerkannt wurde, erklärte Pick-on, nach An­sicht der Alliierten könne das Reich erst als nach dem Waffen still stand zustandegekommen betrachtet werden. Unter den gegenwärtigen Verhälttiissen hänge seine SlnerBctmung als Staat von der Frie­denskonferenz ab. Die bclgisckre Kommission habe die luxemburgische Fra^e noch nickst geprüft, auch keine andere LstomMissron. Holland lei crusgrfordert worden, mit Belgien über den. Vertrag von 1839 zu beraten. Tie Frage van Konstantinopel wurde in priva'en Unter« redungrn verhandelt; Tie gange türkisck« Frage werde erst nach Behandlung der Waffenstillstands­fragen zur Beratung gelangen. Tic Frage der bolschewistischen Gefahr werde bald auf der Tagesordnung stellen. Tie ffanzösisckZe Re- cher mig habe nie beschlossen, die Svwjetregierung anzuerkennen.

Kali«Tid kommen mit England und Amerika.

Berlin, 17. März. (WB.) In Rotter­dam ist nach einer telegraphischen Meldung heute das Abkommen über die Lieferung von Kali nach England abgeschlossen worden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es noch zu einem weiteren Mckommen zur Lie­ferung von Kalimengen nach Amerika kommt. England nimmt 30 000 Tonnen ab, deren Ertrag der deutschen Regierung gut- aeschrieben wird, um aus die Bezahlung der Lebensmittel angerechnet zu werdem. 10 000 Tonnen gehen über Hainburg oder Bremen, 20 000 Tonnen über Rotterdam.

Heue Regelung der 6rmerb$Iofenfiirforge

Wie wir von zuständiger Seite erfahren, wird in den nächsten Tagen eine Novelle zur Ver­ordnung der Erwerbsloscnfürsorge im Reichsgesetz- blatt veröffentlicht werden. ,

Um den Erwerbslosen den EtUschluß, außer­halb ihres bisl-eiigen Wohnortes Arbeit aufzu­nehmen. zu erleickstern, erhalten sie nicht nur die bisher frcRe Fahrt für sich selbst, sondern auch für die Familienangehörigen, die in den Peschäfttgunssort mUreisen oder nachfolgen; außer­

dem noch eine angemessene Beihilfe zu den fHene* Unkosten für fick und die Familienangehörigen. Auch kann die Gemeinde des nadnten Wohnortes eine Beihilfe zu den Unkosten der Beförderung de» Umzugsgutes gewähren.

Eine ioeitere nicht unwichtige Bestimmung er­geht dahin, daß für Orte, in denen die bisher vor­geschriebenen Unterstützungssätze der Servisklassen- einbeilung in einem Mißverhältnis zu den Kosten der Lebenslstiltung stehen, die Zentralbehörden ein» Erhöhung dieser Höchstsätze bis zum anderthalb- achen Ortslohn, jedoch nicht über die 'Höchstsätze ber Klasse A., d. h. 6 Mark hinaus, vornehmen können.

Preußische Landervcrsammlung.

(Sitzung vorn 17. März.)

Auf der Tagesordnung steht die Fort­setzung der Beratung des Antrages Hoff­mann auf Aufhebung des S t a n d r e ch t s und Belagerungszustandes. Die Unabhän­gigen verlangen Einsetzung eines Unter- suchung^ausschusses an3 Mitgliedern der Landesversammlung und des Berliner Voll­zugsrats, während'der Antrag der Mehr­heit s s 0 z.i a l i st e n eine Kommission mit der Feststellung der Ursachen unb des Ver­laufes der Unruhen betrauen will. Nach län­gerer Aussprache wurde, da das Haus augen­scheinlich nicht beschlußfähig ist, die Abstim­mung über den Antrag Hoffmann aus­gesetzt, und das Haus vertagt sich auf Mittwoch 2 Uhr: Absrimmung, Verfassung, Tiätcnvorlage.

Tagung der bayerischen Kammer.

München, 17. März. (WTB.) Ter baye­rische Landtag trat heute vormittag, naclstem er durch die Mordtat an Eisner so jäh andcinanber- gehen mußte, wiederum im Land'agsgebäude zu­sammen. Es waren auhergewölsttliclie Sick-erheitS- nraßnahmen getroffen. Die Sitzung wurde er­öffnet durch V u stellvertretenden Alterspräsidenten! Tr. Lochbruntier (Bayr. Volkspartei). Bei der Wahl zum Präsidenten wurde einstimmig der Abgeordnete Franz Schmitt (Svz.) zum Prä­sidenten gewählt. Durch Zuruf wurden gewählt: zum 1. Vizepräsidenten Abg. Königsbaue it (Bayr. Volkspartei), zum 2. Vizepräsidenten der Abg. Dr. Hammerschmidt (Dem.). Außer­dem wurden vier Schriftführer durch Zuruf gewählt.

Tarauf wurde in erster und zweiter Lesung das Staatsgrundgesetz angenommen und der Abg. Hof fmann (Soz.) mit der Wal-mehmunb des Postens des Diütlsterpräsidenten einftinuiag be­traut.

Scheidemann und Lndendorfs.

Berlin, 17. März. Ministerpräsident Scheidcmann veröffentlicht imVor­wärts" folgende Erklärung:Aus der Presse habe ich ersehen, daß der General Lud en- dorff am 13. März wieder einen Brief an mich geschrieben haben soll. Er scheint also die Handhabung der Pressepropaganda im­mer noch wie einst im Kriege zu ver­stehen. Eine nochmalige Antwort meinerseits erübrigt sich, nachdem ich dem Herrn General bereits am 5. März mitgeteilt habe, daß die Negierung demnächst eine Veröffentlich­ung von Dokumenten herausgibt, durch die die Haltung des Generals Lu- dendorsf volltommen klar gestellt wird."

Au» Hessen.

Eine Reife des Finanzministcrs Dr. Becker nack Wien.

!k. Darmstadt, 14. März. Unser hes­sisches Mitglied in der Nationalversammlung, Herr Finanzminister a. D. Becker, (Deut­sche Volkspartei), hat kürzlich mit dem Abg. Mittelmann aus Stettin eine Reise nach Deutsch-Oesterreich gemacht, um mit dor­tigen politisck>en Führern Fühlnrtg zu ge­winnen. In Wien wurden die beiden Mr- geordneten bestens aufgenommen. Sie spra­chen in einer von etwa 3000 Personen besuch­ten Versammlung des Vereins Südmark und ernteten jubelndm Beifall. Einige Tage spä­ten besuchten Dr. Becker und Mittelmann die Landeshauptstadt von Tirol: Innsbruck. Dort wurden sie durch die führenden deutsch- freiheitlichen Abgeordneten Dr. Erler, Straff- uer und Frau Schneider empfangen. In einer großen Versammlung hielten die deutscben Abgeordneten wiederum Ansprack)en. Äus allen Worten der Tiroler Redner klang die Freude, daß Altdeutschland sie nicht vergessen habe, und die Hoffnung, daß nun bald alle Deutschen vereint sein würden. Tie Ansprüche der Italiener auf deutsches Gebiet wurden laut zurückgewiesen. Dr. Becker uni) Mittel­mann legten Kränze am Fuße des Andreas- Hofer-Denkmals nieder. Aus Wien wird gemeldet, daß die 23 deutsch-freiheitlichen Ab­geordneten Oesterreichs sich im Falle der Ber­einigung mit dem Reiche der Deutschen Volks­partei anschließen wollten.

Innsbruck, 17. März. (WB.) Die Be­völkerung Jmisbmcks veranstaltete gestern eine machtvolle Kundgebung für die Eiuhei« Tirols und die Freigabe der Deutschen Süd­tirols.