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Nr. 190

Zweites Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Samstag, (6. Augnfl 1919

hen Wirrköpfen gelingt, ganze Beleg­en Bann ifyccr Agitation zu gingen,

Büglerin

schäften in den Bann i^cer Agitation zu zwingen, so beweist bas nur, bau unsere Arbeiterschaft und auch die Deamtenlchaft durch den furch baren Krieg

industrie sehe ich nur eine einzige dunkle Flacl-e, keinen Lickflstrahl. Wenn es heute einigen wmigm sparlakistischen Wirrköpfen gelingt, ganze Bcleg-

Abg. Tr. Hugenberg (D.-Ntl.): Es ist nicht meine Llbsicht, diese Gelegenheit zu einem Vorstoß gegen die politischen Gegner zu benutzen. Es handelt sich um eine Frage von so unmittel- barer Lebensgefahr für das deutsche Volk, daß olles Trennende zurückgestellt werden muß. Ge­meinsam muß nach den Mitteln zur Verhütung

[WOdlfrrlwerbt bei I. finge m«nn «evhMttane

Einstellung des PersoTienverkehrs. Eine Partei, die richt wegen ihrer Stärke, sondern wegen ihres rücksichtslosen Terrors Einfluß Hal, sucht die revo­lutionären Arbeiter zu mischraucl-en, um durch Streiks baf gesamte 'Wirtschaftsleben zu er­schüttern. Ter oberschlesische Streik ist eine der frevelhafteste» Unternehmungen, die auf diese Taktik zurückzuführen ist. Leider fehlt der Arbeiter­schaft die rurtrocitbig-e Aufklärung, um die gewissen­losen Agitatoren ftch fernzuhalten. Diese Partei und ihre Organisation ist eine Gefahr, der mit aller Entschiedenheit entgegengetreten werden muß. Wenn die Regierung gegen die klare Parole einer nicht einflußreichen Partei zu starken Mitteln greift, so tut sie das aus der Nvttvendigkeit, oer- breck-erischc Maßnahmen entscheidend zu bekämpfen. Die koinmunifliscl-e Partei hat nur ein politisches Programm, ihre Politik und Taktik daraus ein­zurichten, daß unsere Wirtschaft schnell verfällt. Nur unter unklaren und unreifen Köpfen kann sie eine starke Anhängerschaft gewinnen mit dem verblechcrischen Bestreben, unser Wirtschaftsleben an den Rand des Abgrundes zu führen. Die Re­gierung ist dankbar für jete Anregung, die die Kohlennot behebt. Sie nimmt jede Unterstützung an, von der das Gedeihen und die Sicherheit der deutschen Republik zu erwarten ist.

Die Besprechung der Interpellation wird be­schlossen.

#ur zweiten Beratung des Kohlengesetzes ist inzwischen von den Abgg. Löbe-Huo (Soz.) und I m bu sch-Bo l l mer t (Ztr.) und Gen. eine .Enftchlicßung eingebracht Worten, welche zur Verhinderung der furchtbaren, als Folge der Kohlennot das Volk bedrohenden Katastrophe schnelle und durchgreifende Maßnahmen für eine erhebliche Erhellung der Kvhlengewrmmng und für die regelmäßigen AbtvanSporte fordert. Vor allem werden empfohlen: Erhöl-ung der Berg­arbeiterlöhne, ein Relchsberggesetz, Erlaß eines Reichs kn appsckxiftsgesetzes, schleunigste und groß­zügige Beschaffung von Wolmungen, Einlegung von zwei vollen Förterschich^en, regelmäßige Ge­stellung von Eisenbahnwagen, Durchführung der Sozialisierung.

Abg. Hu6 (Sl^.): Ten Kohlengesetzentwucs können vtnr wohl ohne Kommissimisberatung an­nehmen. In dem gernzen Bereich unse'.er Kohlen-

all.

nervenkrank gt-roorten ist. Es ist ein gefährlicher Aberglaube, daß die Kohlemuot das Ergebnis der revolutionären Ummälzung des November war. Tie Bergarbeiter sind dirch die fahre äuge Unter» enkährung sv heravgeöommen, daß UeberschiMnr ihy^n jetzt mcht zugemulet werden tonnen. Nur keinen Truck, keinen Zwang! Nur gutes Zureden und vor allem gutes Essen! Wir haben den ver­antwortlichen Stellen in der Regierung andeu­tungsweise sckjon 1915 und mit aller Schärfe 1917 vorausgesagt, was kommen mußte. Der Bergbiu- lidje Verein hat sich aller: Wünschen der Berg­arbeiter versagt. Redner erörtert hierauf ivr ein» seinen die Forderungen der Entschließung und schloß mit einer dringenden Mahnung zur Soziali­sierung und mit der Aufforderung an die Unter» ne lpner, bte nutzlose Agitation dagegen zu unter» lassen.

Abg. Jmvns ch (3.): Der Rückgang der Kvh- lenförberuug hängt nicht allein von dem guten Wil­len und der Arbeitskraft der Arbeiter ab, er ist eine internationale Erscheinung, der sich in erster Linie auf die Kriegsverhälttirsse gründet. Eine «große Rolle spielt ferner die allgemeine Unruhe und Unsicherheit. Die Arbeiter haben keine Lust, sich beim Gang zur Arbeit totschlagen zu lassen. Ein Weiterer Grund ist die sinkende Arbeitskraft <uub Freudigkeit infolge des Raubbaues, der mit der Kraft der Arbeiter während des Krieges ge­trieben worden ist, in folge der schlechten Ernährung, nicht zuletzt auch infolge der schlechten und unwür­digen Belnndlung. Aus allen diesen Verhältnissen erklären sich die erschreckend hohen Krankenzisfcrn und die hohe und frühe Invalidität. Daraus er­klärt sich aber auch das Empor kommen einer Stimmung in bei Bergarbeiter kreisen, die den Lehern die Arbeit nur zu leicht gemacht hat. Um Abhilfe zu schaffen, sind vor allen Dingen notwen- dig ausreichende ljobe Löhne. Auch Sie Lebens­mittelversorgung reicht heute noch nicht aus. Durch rücksichtsvollere Behandlung und günstigere Ge­staltung der Renten wäre manches gewonnen. Wir Mahnen ferner zu weitgelxmder Kohlenersparnis durch Holz und gerechte Verteilung der Kohlen. sIn erster Linie sind die Lebensmittelbetriebe zu berücksichtigen. Jck> richte an die Bergarbeiter den Ruf, noch einmal ihre ganze Kraft zusamrnenznrer-

melplatz politischer Agitation zu machen. Eine g'jo&e Rolle spielt im 9i ul/r gebiet die Crnährungs- irage. Es muß alles getan werden, um der berg« männischcu Bcvölterung die zum Ausgleich der bie-Ijcrigcn Unterernährung nötigen Lebensmittel zu zu sühnen. Ter Regierung kann man jedenfalls nur Mirufen: Bringt Eure Eisenbahnen wieder in Ordnung! Ta der L-oh:: dos Bergmannes jetzt nicht mehr sich über dem Lohn der andere» Ar- teiterfategoricu hält, so hat eine ziemlich er löbliche Abwanderung der Bergleute in andere Berufe statt- g-iunten. Sofort wirksam würde nur eine Ver­mehrung ber gelernten Bergleute sein. Im übrigen müssen 2030 000 ungelernte Arbeiter dem Berg­bau zugeführt werden. Tie Lolmfrage hängt auch eng ^ufcmmcn mit der ft-rage brr Leistungen. Es ist emc alte Erfahrung, daß die Leistungen ftnken, solange Lolmstreitigkeiten schweben. Tie Aibeits- gemriuschaft bat getan, was in ihren Kräften stand, um solche Streitigkeiten zu verhindern bzw. ans der Welt zu schaffen. Tie Arbeiter sollten aber nun soviel Einsicht haben, daß sie darauf Derjidyten, das, was für sie noch übrig bleibt, gerade in dieser kritischen Zeit zum Aufdruck zu bringen. Gelingt es, die Förderung zu beben und die er­höhte Förderung abzufalwen, so wird sich, falls mis nicht im letzten Moment die Entente einen Strich duvck» die Rechnung rnarfjt, wnigstens bet Notstand bes letzten Winters erheblich mindern lassen.

RrickctvirtschaftsMinister Schmidt: Es hat im Kriege durchweg eine übermäßige Anspannung sowohl der Bergwerfseinrichtungen wie der Berg­arbeiter ftottgefimben. Für uns in DeutsÄaub kommt hinzu, daß wir wichtige Kohlenpwdukliions- ftätten verloren haben und auf der anderen Seite uns Lieferungen an die Entente anfgezwimgen wor­den sind, so daß es kaum möglich sein wird, das Ablieferungssoll zu erreichen. Ter Verbrauch an Kohlen ist schon st; weit eingesch-Lnkt, daß weitere Einschränkungen nahezu undenkbar sind, wenn nicht die schwersten wirtschaftlichen Nachteile etnhxten sollen. Es ift. eine außerordentlich betrübende Er­scheinung, daß wir die Menschen noch nicht zur freinilltgen Uebernahme der Pslichten erzogen l)aben, die sie als Opfer dem Gemeinwohl bar­bringen müssen. Hoffentlich gelingt es bald, die Arbeiterschaft von ihrem Jrnveq abzubringen. Tie Arbeiterschaft darf sich der Tatsache nicht v-er- schließen, daß sie selbst die allersclMersten Opfer bei einer Kohlennot zu tragen haben wird. Sie muß einsehen, daß sie in einer solchen Zeit lveb- gewordene Grundsätze im Jrrteresse des Gemein­wohls zu'üctstellen muß. (Lebhafte'Zustimmung.) Wie. ist dem Uebel abzupckfen? Ein wiicklich^ durch­greifendes Mittel ist weder von den Jnterp,'llmiten noch von anderer Seite in Vorschlag gebradfi wor­den. Tie Steigerung der Produktion ist das erste Erfordernis. Tie Regierung untersucht geq»m- toärtig, wieweit es möglich ist, die Arbeiterschaft in vermehrtem Umfange nach dem Ruhrbezirk, dem wichtigsten Berück, hmzuztehen. Nicht so ungünstig wie im Steinkohlenbergbau steht es mit der För­derung im Braunkohlenbergbau. Hier besteht auch die Möglichkeit, durch Einsetzung einer großen An­zahl ungelernter Arbeiter wenigftens einen Teil des 9uvtstandes zu beseitigen. Andere Mittel sind leider von der Arbeiterschaft abgelchitt worden. Es ist noch nickt gelungen, die Arbeiterschaft davon zu überzeugen, daß die Notlage am wirksamsten burtb eine gesteigerte Jnanspruckmahme ihrer Leistmigs- sähigkeit einem beschränkten Zeiträume und durch Verlängerung ber Arbeitszeit für eine bestimmte Zeit um eine Stunde bekämpft werden kann. Viel­leicht gelingt die Ueberwindung dieses Mißtrauens gegen diesen Vvrsckzlag bei den MKAmblicklickte» Tarifverhandlungen. Die Arbeiterschraft im Kvh- lmbezirk möge sieb vergegenwärtigm, daß sic die Jndustticarbeiterschaft von ganz Teutsckilano für den kommende ».Winter in die schocrstr Geiahr bringt. Deshalb appelliere ich von dieser Stelle aus an das Solidaritätsgefühl ber gesamten Arbeiterschaft. Die Regierung ist bereit, den Wünschm ber Ar­beiterschaft hinsichtlich der Reform bes IKnapp- schaftswesens zu entsprechen. Für den Hausbrand- bcdar; in ben großen Städten wird durch die Forstvcrwaltung Holz bereit gestellt werden müssen. Wir sind selbst bereit, trotz aller schweren ent» gegen stehenden Bedenken amerikanische Kohlen für die Industrie einzuführen, um dadurch einen Aus­gleich zu schaffen. Durch alle diese Maßnahmen werden aber nur hier und da einige Diotstände beseitigt. Das größte Uebel ist die Zerrüttung deS Transportwesens. Die Eisenbahnverwaltung ist heute nickt einmal mehr in der Lage, für die vollständige Abfuhr der Bestände aus den Halden zu sorgen. Mit Entsetzen sehe ich dem Zustande ent­gegen, der cintreten muß, lvenn das WagcN- matcrial für die Abfuhr vmi Kartoffeln, Rüben usw. in Anspruch genommen werden muß. Dann bleibt kaum ein anderes Mittel übrig als die

ßen, um unser Wirtschaftsleben vor dem Zusam­menbruch zu bewahren

Abg. Ziegler (Dem.): Dem Gesetzentwurf stimmen meine Freunde zu. Die Wahrheit, daß die ivohlenversorgung in allernächster Zeit in ganz neue Balmen gcl-.mkt werden muß, findet noch längst wicht überall Beachtimg. Die Hauptschuld an der Notlage trägt die chstematiscke Berl-etzuny, die aus politischen Gründen unter ben Bergarbei­tern betrieben worden ist. Der Fluch, des Volkes und der Arbeiterschaft wird sich noch einmal gegen die Streikhetzer richten. Trotz offenbarer Miß­stände können wir das Aufputschen ber Bergarbei­ter auf die Dauer nicht mehr vertragen. Jede Ar- beit bedeutet heute die Verteidigung des schwer be­drohten Vaterlandes.

Abg. Vogler (T. B.-P.) Wägt vor, ber Ar­beiter scka ft jeden zweiten Sonntag ganz frei zu geben, dafür aber w.eder den M.esNiiidentag ein- zuführen. Tas würde eine Mehrförderung von 9 bis 10 Millionen Donnen im Jahre l>cbcuten Taniit ließen sich. auch Urlaub- und Tarifverträge verbinden. Natt'irlick müßten die Ueberstunden mit höheren Löhnen bezahlt Werdern Bei der drohenden Krise im kommenden Winter dürfe hier kein Augenblick verloren werden. Ter Redner richtet an die Regierung den dringenden Ruf, alles aus­zubieten, um die Kvhlenmoduttion und bie Lei­stungsfähigkeit der Eisenbahn zu heben, um so ein nationales Unglück zu verhindern.

Reickswiriscküaflsnrinrster Schmidt: In mei­nem Ministerium sind Vorarbeiten int Gange, um den Neichswirischaftsrat auf ganz freier Grundlage vorläufig ohne Inanspruchnahme der Gesetzgebung zu schaffen.

Abg. Könen (Soz.): Es muß schon, um die Zahl der Arbeitslosen, die nächtens drei Millionen betragen wird, zu vermindern, schleunigst an eine Umorganisierung des Wirtschaftslebens im Sinne des Sozialismus gegangen werden. Die Negierung stcht noch auf dem alten Noskestandpunkt und auch Herr Schmidt hat keine andere Methode der Be­handlung der Arbeiter . Tamit leistet man nur ben Kommunisten Vorspanndienste. Auch beim Kali- streik .hat die Regierung sicht nicht bereitflnd«, lassen, durch Verhandlungen zur Schlichtung bei* jutcagen.

Reichsarbeitsminister Schlicke erklärte mit einer Abordnung der Kaliarbeiter verhandelt zu haben, sich habet aber nur an ben bestehenden Tarifvertrag gehalten zu haben. Als die Arbeiter dann in den Strciktraten und neue Verhandlung?» verlangt hätten, habe er diese abgelehirt und auch Reichswirtschaftsminister Schmidt erklärte, er habe mit den Arbeitern im April nicht veri-andeln kön­nen, da die Streikparole ausgegeben worden war: Nicht Verhandeln, sondern Handeln.

In feinem ScUußwort spricht der Abg. Mumm (T.-Natl.) seine Bcfrtedigung aus, daß sich angesichts ber Katastrophe eine Front von Hugenberg über Jmbusch bis zu Hnä, abgesehen natürlich von den Unabhängigen, zu bilden ür Begriff sei.

Tamit schließt die Besprechung.

Ter Gesetzciuwurf über die Regelung ber Kohlenwirtschaft wird in allen drei Beratungen angenommen. Tie Entschließung be-H u6 wird unter Ablehnung des Abänderungsantrages der Unabhängigen angenommen. Desgleichen eine Entschließung der Rechtsparieien, wonach bie Na­tionalversammlung an die Regierung und an alle Beteiligten im Volke die dringende Aufforderung richtet, alles mrfoubteten, um eine Erhöljuug bet Focherung im deutschen Kohlenbergbau und bie Leistungsfähigkeit ber Eisenbahnen bis zur üu- fkrftcn Grenze, sowie bie Uebmtg größter Sparsam­keit im Verbrauch von Brenn stoften I-erdeizu führen. Nur so könnte das deutsche Volk und die deutsche Wirtschaft vor bem neuen nationalen Unglück be­wahrt bleiben, bas mit bem Versagen der Wüten- liestrung im kommenden Winter mtsehlbar über uns hrreinbrechen würde.

Nächste Sitzung Smtnabend, nachmittags 3 Uhr.

Tagesordnung: Tritte Beratung der Kriegs- abgaben und der Steuervorlagen.

«Schluß 9 Uhr 40 Minuten,

*

Abbau der Zwangstvfrtschckft für landwirt. schaftliche Produkte.

Weimar, 15. Aug. Die Fraktion der deut­schen demvkrcckischen Partei der Nationalversamm­lung hat aus Antrag her Abgeordneten Hinrick (Hessen), Grünewald (Hessen) und Wachhorst bc Wente (Aurich, Osnabrück) beschlossen, bei ber Nationalversammlung ben Antrag cinzubringen, schleunigst an ben weiteren Abbau ber Zwa »gswirtschaft für lanbwirt- fchaftlicke Produkte heranzutreten, ins­besondere bie Bewirtschaftung des Getreides auf das Brotgetreide zu beschränken, diejenige ber Kar-

Sigrid, Kind," bat Ragna, mit angstvollem Flehen bie Schwester an sich ziehenb,so nimm doch Vernunft an. Was verlangst bu benn vom Leben. Hast bu nicht alles, was das Leben schön und angenehm macht. Was verlangst du noch mehr?"

Jetzt redest bu gerade so, wie damals Groß­mama," rief Sigrid schmollend,als sie mir den Sven aufschwatzte. Natürlich, Großmama weis; nicht, daß ein junges Menschenkind nach mehr verlangt, als nach äußeren Annehmlichkeiten des Lebens, und sie wäre wahrscheinlich weit davon entfernt, hier die Gardedame abzugeben, wo ich mich mit Goratschin amüsiere, wenn sie nicht ber Meinung wäre, daß eine Fürstenkrone am Ende für ihr Enlelkind doch noch begehrenswerter sei als die grästiche."

Schveig," rief Ragna, entrüstet aufsprin­gend,wie kannst du so leichtsinnig und unbedacht reden. Eine Sveudburg wirb nie derartige niedere Gesinnungen hegen. Großmama wirb nie zugeben, baß bu Sven betrügst."

Betrügen, wer spricht benn gleich von be­trügen," sagte bie kleine Frau, ihre bicken, roten Locken nervös über bie feinen Finger wickelnb. Nein, bazu ist bie Großmama natürlich zu vor­nehm, aber nxenu man so im geheimen allerlei hofft, dann läßt man es mit Vergnügen geschehen und hilft, N6 es geschieht, daß so ein armes, kleines, dummes Mensck-enxind immer weiter ans Ackvege gerät, dann," Sigrid schluchzte wild ausdann lächelt man großmütig über bie Kinder, die sich so gern haben unb gibt ihnen aus purem Mitleid Gelegenheit, sich zu sehen, sich zu treifen, allein zu fein, man darf doch als Groß­mutter mit dem geliebten Enkelkind nicht grausam verfahren. O, wenn d-u wüßtest, wie ich diese Komödie hasse, wie ich am liebsten, als Svm hier

deutsche Nationalversammlung.

Weimar, 15. Aug.

Präsident Fehrenbach eröffnet bie Sitzung nm 3 Uhr 20 Minuten.

Auf die Frage des Abg. v. Gräfe (beutsch- natL), ob die Reick>sregierung gewillt und bereit sei, das gesamte Auklagematcrial über bie schlechte Behandlung dlmtWr Kriegsgefangener, soweit es ctnnxmbirci, feststeht, beschleunig: und möglichst vor Eintreffen der Auslieferungslist u der Feinde in ganzer Vollständigkeit zu veröffentlichen, cr- wibert ein Rlgierungskoinmissar, daß bereits ein­gehende Darstellungen über die Behandlung deut­scher Kriegsgefangener in französischer unb ebenfo in evglischer Gefangenschaft erschienen seien. Den Berosieutlichungen liege amtliches Material zu Grunde. Die Zeit für Veröffentlichung weiteren Materials behalte sich die Regierung vor.

Aus eine diesbezügliche Anfrage des Abg. Dusche (D. Vp.) erklärt Unterstaalssekretär im Neickssi»ai'.znn»isterium Mocsle, die Erteilung von Aiislanbspissen richte sich nach den persön­lichen Verhältnissen des Einzelnen. Die Behör­den haben ab.r die Erfahrung gemacht, daß vielfach Reisende, die einen Paß für einen nur vorüber­gehenden Aufenthalt int Auslände haben wollen, nicht mehr zurückkehren.

Abp. Schiele (deutsch-uatt.) fragt an, ob ber Reichsregierung die für ihr Ansehen schwer schäbigenden Presseäußerungen über ine Griutde des Rucklritts des Leiters der politischen Abteilung des Auswärtigen Amts von Rosenberg bcfaimt seien unb ob sie bereit sei, ber Nationalversamm­lung mitzuteiken, ob Herr von Rosenberg in ber Tat seinen Abschieb genommen habe, weil er bie Darstellung des Reichssiiianzministers Erzberger als wahrheitswidrig nicht für zulässig gehalten habe.

Reick^sminister des Aeußern Müller lehnt 'S grundsätzlich ab, über die Gründe Auskunft zu erteilen, welche einzelne Beamte veranlassen, vm ihren Abschied einzukommen. Von diesem Grundsatz kann int Falle Rosenberg nicht abge- michen werden, wo bereits am 29. Juni ter Au- ttag auf Tiensterttlassung gestellt und am 29. Juli mietet ausgenommen roorten ist.

Aus eine ergänzende Anfrage des Abg. Schiele (D.-Ntl.) erwidert der Minister des Aeußern Mül- leck: Der Herr Abgeordnete scheint nicht gehört tzu haben,^ daß ich in meiner Antwort mitgeteilt habe, daß bie Regierung derartige Ausk ünfle grundsätzckick ablehnt.

Den münd-licken Bericht des Elfer-Ausschusses über den Entwurf emes Rayonsteuergesetzes erstat­tet Abg. Sollmann (Soz.): Die Ausschuß­beratung hat einen negativen Ausgang genommen. Die Vertreter der Nrifterung drängten auf sofortige Verabschiedung des Entwurfes. Der Ausschuß hat sich bem nickst angeschlosfcn, sondern besteht auf der unverzüglichen Ausarbeitung des bodenpoli- tischen Gesetzes und schlägt dem Hause vor, die Zurückstellung des Entwurfes zu teftimmen und die Reichsregierung zu ersuchen, schleunigst einen Gesetzetttwurf vorzulegen, das von Rayonbesckrän- hmgen freiiwrtente Gelände zu gemeimtützigen Zwecken in den Gemeindebesitz zu überführen.

Ohne Erörterung wird denrgemäß verfahren.

Der Antrag L ö b e (Soz.)G röber (Z.) auf Aimahnte eines Gesetzentwurfes über Woclsenhilfe unb Wochensürsorge wird auf Vorschlag des Präsi­denten atme Erörterung dem sozialpolitischen Aus­schuß überwiesen.

Es folgt die Interpellation ber Deutschen s)olkspartei und ber Deutsch-Nationalen betreffend die Kohlenförderung: Was gedenkt die Negicrungi zu tun, uml der mraehcuren Gefahr rechtzeitig zu p.-gegnen, bie ter Wirtfck-aft und inneren Ruhe aus diesem Zustande drohen?

Mit der Interpellation verbunden wird die Beratung de-s Gesetzentwurfes wegen Abänderung des Gesetzes über die Regelung der Kohlenwirtschaft vom 23. März 1919.

so unerwartet ankam, alles vor bie Füße geworfen hätte. Aber ba ist Großmama, bie nicht gern schmutziges Wasser ausschüttet, bevor sie reines hat. Kein Wort darf ich zu Sven von Scheidung sagen, bis sich Goratschin nicht bestimmt erklärt hat. Und ich will nicht Länger warten. Des Fürsten bin ich sicher. Ich will Sven gegenüber nicht heucheln, dazu ist er zu gut. Wenn bas aber noch länger so fortgeht, bann werbe ich schlecht, bann trete ich alles mit Füßen unb gehe mit bem Fürsten auf unb davon. Wirst bu es glauben", ckhr Sigrib in höchster Aufregung fort,baß ich, als ich erfuhr, baß Sven bei einem Eisenbahn inrrall glücklich gerettet worden, im tiefsten Inner» meines Herzens den Gedanken wühlen fühlte: Wanrm, ach, warum starb er nicht?"

Stehst du. Io schlecht bin ich, so verworfen, ach, ich schäme mich vor mir selber, aber ich kann nickt anders ich liebe Goratschin und werte ihn lieben bis in alle Ewigkeit."

Sigrid stand da mit stammenden Auge», bie .Schwester messend, nicht mehr bas tändelnde, leiclstscrtige Kind, sondern ein leidenschaftliches, lieoeglü Heutes Weib.

In Ragnas Herzen wühlten Zorn und Mitleid und das quälenbe Gefühl der Mitschuld, bas sic Irftort früher empfunden. Wäre es dahin mit Sigrid gekommen, wenn sie in Svenbburg ge- Webcrt, toenn sie das Kind geschützt und behütet hätte? War sie ausgezogen, um anderenPflicht" in Wort und Schrift zu predigen, und hatte sie die eigene Pflicht darüber versäumt? Sollte bie eigene geliebte Schwester daran zugrunde gehen? Nein, bas bürste nicht sein, Sigrid mußte er­kennen, daß sie verloren ging, wenn sie die Treuk brach, bie sie Sven geschworen.

(Fortsetzung folgt)

gen Massen um das feine, etwas blaffe Gfficht- chen und die roten Lippen leucktedm wie Purpur herüber.

Tu, auch du stehst ihm bei," stieß sie atem­los hcroor, du, die du ihn gar nicht kennst? Was weißt du von Sven? Ich sage dir, er ist ein Pe­dant, ein engherziger Klcinigkeitskrämw, ber mich einsperren will. Wozu bin ich benn jung unb schön? Um das Leben zu genießet, Großmama sagt es auch. Bloß Sven, ter pvcdicft den ganzen Tag Moral und ist eifersüchtig aus seinen besten Freund. Eifersüchtig, jawolst, das ist er. O, wie ich dieses kleinliche, erbärmliche Gefühl hasse, wie ich cs satt habe, mich knechten, mich treten zu lassen, ich kann es nicht sagen!"

Mit blitzenden Augen stand Sigrid vor Rogna. Welch? eine Fülle von Leidenschaft brach aus diesen Unbinenaugcn wie eine mächtige Feuergarbe her­vor, wie seltsam durchschauerte es Ragrni, als sie die halbgeöffneten Lippen ter Schwester sah, unter nvlrfxn bie kleinen, weißen Zähne wie die eines Raubtieres blitzten.

Tu bist ungerecht. Kleines," sagte Ragna streng.Du vergißt, daß du kein Kind mehr bist, sondern als Frau unb Gattin Pflichten zu erfüllen hast."

Pflichten!" Sigrid lachte mit einem bitter­bösen Zug um beit reizenden Mund höhnisch aus. Das steht natürlich auch alles in deinem Buch, das mir Sven immer zur Lektüre empfiehlt," sagte sie heftig,aber ick will nicht, ich habe das ewige Moralpredigen satt, ich will lustig sein und meine Jugend genießen uub nicht ben ganzen Tag in allen nur tenfbaren Erbauuiigsbückem lesen, bie mir für alte Weiber geschrieben sind. Jmvohl, alte Weiber, ich aber bin jung, ich bürste nach dem Leben, wie ich es mir träume, aber nicht wie Ihr Pedanten es mir vorschreiben wollt,"

plivai- Wnterricht ln und in Shttlet nmvdernenTanrei umednrnaerm WUaiukhrtt MeinM? 311, iffliBfi 111 Mnton Mim «hurtet «trabe 11 ern.a. Gesangverein rmeill eisolgreiihk! unierricht m iiiiEigtil r Aiigeb. mit Preis c fr? an den (9ie6. »tiu

Schneiderin nnb iiischeausbesscriii 'age ges. Schr. Angä Ml a. d. Giek. Äa;

Emvicble: bürgerlichen Mittags- nnb Ntendtisch.

8 ZitWtrtüt

Md. l'-i men IniTlji^iiü ihKan influtemvls I für iidcken gesucht tutto« 6 ben Serien bie itv fie b. bSberen M» nie besuch-" will. ..' bot an ßrl. Mtm »roitrabe 1

Gvendburg. irmitiM Roman von Anny Wothe.

ckcheN'0d-^A^» (Nachdruck verboten.) Fortsetzung 34.

^u6verloreDilAber natürlich, Herzchen," lachte Sigrid, in Atu ®el1ir«l Schaukclstulst hin und ter wippend und ben Keben I kleine», goldgestickten Pantoffel auf der zierlichen ^^rfiran^I Fußspitze tanzen lassend,natürlich hat er dir rcrieworm^: 11 zu sagen ach, du glaubst ja gar nicht, was inn 9)ter? :i| vveu für ein Tyraim ist," sagte sie und dehnte oülkzabl-^^M- sl U'sd streckte die jungen Glieder in tem lickjblauen, 'Htenüberricselten Schlafrock, -aus weicher, in» I bischer Seite 'wohlgefällig,mir befiehlt er auch ^jslklilt BcispiclÄveise jetzt, Ivo er unerwartet

in !M*traet9^! ^cr angckommen ist, trotzdem wir ausdrücklich xlbifienvtts^^ a»sg<-macht hatten, in vierzehn Tagen auf Svcnd- ®e| zusamnicn zu treffen, jetzt verbietet er mir

merkwürdigsten Sachen. 5kannst du dir ben» '^i^nbcrg^s^M kbaß ich mit Goratschin nicht mehr allein nn ^-tergarten spazierenreiten soll? Im Tier- lP IH^kn ich bitte dich, wo man alle zwei Schritt Hüfflnüffl Steifer und Reiterinnen stolpert, dann soll

|(|lllllluu imeins, zwei, drei" mit Sven nach Sveudburg Liltaflfltci^n, und zuletzt soll ick) sogar dem Fürsten zu

Lch!l U dersteten.getem daß er nicht mit nach Sveudburg Diß lommen toll. Wie findest du das?"

i«h Aiii. 1 ,Mchtiy, liebes Herz," sagte Ragna, -artlich O^I,an LE.lzoneW wach- dem f.incn von Brillanten blitzentem Kind.'r» -n.,sik von^^> d-andchen greifend und es kojend an die Lipp.m

Sic¥inl'/Ja9tc sie zärtlich,du

Anf^ E D bi_!t noch f.j jung, so bluftung, du bedarfst ter k>tb^Lack' '' 1 Ehrung, ter Leitung. Sven will nur tem Bestes, ©orH'jie KAI ®'ücr. Er will doch hüten, beschützen, dich nur* "wr Leid brivahren. Vertraue und folge ihm."

großen, angstvollen Augen hing Sigrid Jil 01 Nasnas Munde. Das rote Haar wogte in iocki-

Säiss-l

n m. firfi in r« des drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruchs gc» tauft smht werden.

wflUtorittahtti Abg. Hugenberg (fiortfaTyrenb) bringt dann

rT£tötl( zur Begründung ter Interpellation eine umsang- lÜfllCtW M-tt reiches Zahlenmaterial bei und fährt dann fort: «iniieblt Min 01 m ist Pflicht aller teteiligten Volksschichten, alles Mfitaule. 6müU»:al aufzubi ten, um das Aeußerste zu verhüten. Tas iilioninoii£jJL75l sage ich auch besonders denjenigen, die in ben xletzten Monaten das Klebrige dazu getan haben,

I t®1 ^'ti Bcrgbau und die Eisenbahnen zum Tum-