Mittwoch, 15. Oktober 1919
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheßen)
Zweites Blatt
Nr. 241
ien:
des
gend
nordwestliche Winde.
Fortsetzung 26.
^Nachdruck verboten.)
er ihr dies erklärte.
(Fortsetzimg folgt.)
utte
। betrachtet.
Wettervoraussage
für Donnerst ag:
Wolkig, meist trocken, nachts etwas kalter.
Das Glück der andern.
Original-Roman von Erich E be n st e i n. Copyright 1916 by Greiner & Comp., Berlin W 30.
Kriegsgesangeuen-Heimkehr.
** Oppenrod, 14. Oft. Am Sonntag ist unter erster Kriegsgefangener, Heinr. Schmitt, aus englischer Gefangenschaft, in der er sich seit September 1918 befand, zurückgekehrt. Er war mit Äufraumungsarbeiten int verwüsteten Gebiet tätig.
x Wies eck, 13. Oft Als weitere Kriegsgefangene kehrten aus englischer Gefangen» schäft zurück: der vor Wochen als tot gemeldete Heinrich Heckroth, Ludwig Hofmann, Karl Nau und Otto Rohm.
„Bis vor kurzem ja. Tie Familie^ Webster üm immer untereinander im Streit. Ter Alte starb als Halbnarr in dem Wachtturm, den außer ihm keine Menschenseel'. betreten durste. Seine älteste Tochter trieb es ähnlich im Herrenhaus — Vater irrte Tochter sollen sich nicht einmal gegrüßt haben! Tic jüngere heiratete — natürlich gegen den Willen der Ihren — irgendeinen hübschen Hofmeister hier aus der Umgegmd, mit dem sie bei Nacht und Nebel durchging. Man hörte nie ivieder ettvas von ihr bis vor einem Jahre, wo sie <üj5 Witwe wieder kam. Nun lebt sie auf Bnchegg. Sie soll einen Sohn hjiben, mit dem sie aber auch zersallcn i)t, wie man hört . . ."
„Halten zu Gnaden, Herr Graf," wandte sich in Metern Augenblick Friedrich, der alte Rettenegger .Kutscher, respektvoll an seinen Herrn, „d:r Sohn ist seit eilt paar Wochen auch auf Buchegg. Er hat sich mit seiner Mutter ausgesöhnt, und das alte Fräulein Webster soll, mit Respekt zu sagen, nnen Narren an dem Neffen gefressen haben und ihn für ihren Erben erklären."
„So? Na hoffentlich kommt dann Buchegg wieder einmal in die Hand eines Menschen, der kein Sonderling ist und mit dem man wieder verkehren kann. Aber nun mache die Augen auf, Evelyn: Dort ist das Parktor von Rettenegg, und wenn du die Lindenallee entlangsiehst, mußt du auch Mama erkennen, die unter der Haustür steht und uns zuwinkt!"
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Letzte Nachrichten.
Aus dem Finanzausschuß der hrffischen Volkskammer.
rm. Darmstadt, 15. Okt. Der Finanz»usschußderVolkskammer war nach den Vorberatungen der einzelnen Fraktionen heute nachmittag zusammengetre- tcn, um zunächst über die Beschaffungsbeihilfe für die Beamten zu beraten.. Auch der Frnanzminister wohnte den Ver- hcrndlungen bei. Der Vertreter der Sozialdemokratie hat einen Antrag vorgelegt, den Arbeitern anstelle der in der Vor- lagebeantragten600Mk. jetztTau- sendMarkzubewilligen. Es entstand
= Fulda, 12. Okt. Ter Mangel au Kartoffeln in unserer Gegend erklärt sich vor allem daraus, daß in den Kreisen Fulda und Schlüchtern zusammen etwa 2300 Morgen Kartoffeln weniger an gebaut w-orden sind als in den Vorjahren. Tazu ist noch eine selten schlechte Ernte gekommen. »Tic Erträge schwanken zwischen 25 und 70 Zentner auf den Morgen. Nur die grasten Güter haben Turchsckmittsernten von 90 Zentnern pro Aitor gen aufzuweisen. Tie geringe Ernte ist zurückzuführen auf schlechtes Saatgut und ungünstige Witterungsverhältnisse, zum Teil auch auf die aufgetretene Kartoffeltrankheilen, wie Blattroll- und Kräuselivonkh^t. Geringer ist der durch die Mause angerichtete Schaden. Soll unsere Volksernöhrung im kommenden Fahre nicht tu Frage gestellt werden, ist Me Beschaffung neuen Saatgutes eine dringende Notwendigkeit für nn- ere (legend. Unsere Stadt erhielt fürs erste 10000 Zentner Kartoffeln von der Provinzial- Kartoffelstelle zugeteilt. Ter ersten Not ist damit abgeholfen.
O Aus dem Schlitz er lamb, 12. Okt. Bei >em herrlick-en Wetter war die Kartoffelernte rasch beendet,- sie ist gut ausgefallen, besonders in den Gemarkungen des Fuldagrundes, wo nach Menge und Beschaffenheit sogar sehr gute Erträge zu verzeichnen waren. Am besten sind die Kartoffeln im sandigen Boden geraten, der ja in unserer Gegend vorherrscht, während die schweren tonigen und lehmigen Böden schlechter entwickelte Knollen zeigten. Diese Böden ließen sich im nassen Frühjahr nur schlecht bearbeiten, so daß die Kartoffeln nur schlecht aufgingen. Vielfach muhten solche Aecker sogar toicber umgebrochen werden. Durch die Verschiedenartigkeit des Bodens kommt es, daß wir neben Ernten von 50—60 Ztr. auf dem Morgen solche von 80-100 Zentner auszuweisen haben. Von der ans anderen Gegenden ae- meldeten Schwierigkeit in der Versorgung der Bevölkerung ist hier nichts zu merken. Die bezugsberechtigte Bevölkerung in Stadt und Land hat ihren Winterbedars größtenteils gedeckt und das durchweg zu dem festgesetzten Höchstpreis. Nur bei freier Lieferung ins Haus nehmen die Landwirte einen geringen Preisausschlag. Heber 8 Mk. und 8.50 Mark pro Zentner finb hier kaum Kartoffeln verkaust worden, ein erfreuliches Zeichen für den Gemeinsinn unserer Landwirte.
Wassergeflügel wimmelte, während prächtig; weiße Pfauen an feinem Upar einherstolzierten, imponierte ihr Mar heimlich, aber ohne daß sie es merken ließ,.
Nur als man durch die langen Reihen altertümlich' möblierter Gemächer schritt, die Kostbarkeiten aller Art schmückten, echte van ThckS und Canalettos, faroie eine Reche mm master hast ge- nroltat MMenbildern, die von den Wanden des Speisesaates mederschanten, währmd in anderen Räumen Stuckdecken mit GoldteÜten und wmtder- votten eingelassenen Gemälden die Aufmerksam- keit auf nxti zogen, lächelte sie anerkennend.
„Ihr habt es hübsch hier auf Rettenegy! So groß, habe ich mir dos Schloß nicht vorgestellt," tagte sie. „Gibt es auch, erroe Gavage für Automobile?"
„Nein. Aiama zieht Pferdefuhrwerk vor :mb mag vorläufig von Automobilen nichts wissen."
„Schade. Bist du auch kein Freund davon?" „Nur bis zu einem gewissen Grade. Bei unseren ungleichmäßig gehaltenen Wegen hier ziehe ich gute Rassepferde und einen soliden Wagen allerdings vor."
Sie traten in die BibliothÄ. Ter große, Helle Raum mit den vielen Fenstern, der kcrssetrerten Tecke und den hohen NüchervegÄen machte einen imponicrenden Eindruck. A«ßerdem enthielt er viele kostbare Seltenheiten an alten Werken, Handschriften und Inkunabeln, die Magnus' Urgroßvater gesammelt hatte. Er machte Evelyn darauf aufmerksam. . ~ ..
Sie nickte mit konventroneller Hosttchkett.
„Tas mag alles sehr wertvoll fern, aber, ich verstehe nichts davon. Habt ihr auch moderne Steter v - ' ‘.....
Die Kartoffdverforgung.
X Hanau, 13. Okt. Um die durch den ( Schleichhandel auf das äußerste gefährdete Kar- : tosselliefernng sicherzustelten, hat sich der Kreisausschuß des Landkreises Hanau zu entschei- 1 den den Maßnahmen entschlossen. Jede Ausfuhr , von Kartoffeln aus dem Kreise Hanau, insbesondere nach den Städten Frankfurt und Offenbach, soll auf hören. Um dem Kartoffelhandel, der einen geradezu unerhörten Umfang angenommen hat, wirksam zu bekämpfen, sollen ferner die wichtig- len Straßen, insbesondere die Hauptverkehrswcge nach Frankfurt, scharf überwacht werden. Zur Durchführung dieser Kontrolle sind im Landkreis.' Hanau acht Kontrollposten eingerichtet wordm, die je von einem Gendarmen und mehreren Mann der städtischen Bürgerwehr besetzt sind. Rund um Hanau sind weitere Kontvollstationen errichtet. .Tie den Schleichhändern angenommenen Kartoffeln werben der allgemeinen Lebensmittelversorgung zugeführt.
--Siegen, 13. Okt. Zur Bekämpfung des Schleichhandels mit Kartoffeln hat die Bevölkerung Siegens, die durck den Schleichhandel am stärksten betroffen wird, einen eigenen Kontrolldienst auf den Bahnhöfen und den größeren Bauerndörfern des Kreises Siegen und Altenkirchen eingerichtet. Den Schleichhändlern werden in erster Linie Kartoffeln, Fleisch und Butter ab- genonrnren.
= Dieburg, 13. Okt. Auf dem 800 Morgen großen Hofgut des Grafen von Schlitz in Georgenhausen richtete die Gutsverwaltung eine Kinder-Arbeiter-Kolonie ein. Die Kolonie, zu der mehrere hundert Schulkinder der umliegenden Dörfer zählen, ist mit der Bergung der großen K a r t of f e l e r n t e beschäftigt. Jedes Kind erhält neben einem kräftigen Mittagsmahl einen Tagelohn von drei Mark. Außerdem darf jeder der kleinen Arbeiter nach Beendigung der Tagesarbeit soviel Kartoffeln mit nach Hause nehmen, als er zu tragen vermag. Beide Teile, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer sind mit diesem neuartigen Arbeitsverhältnis außerordentlich zufrieden.
# Ans der Wet ter a u, 13. Okt. Es wird uns aus der mittleren Wetterau geschrieben: Bielen Leuten sollt es schwer, für ihre Bezugsscheine ihren Bedarf an 5Kartoffeln zu decken, angeblich wegen der schlechten Ernte. Mag die Ernte ja auch sehr verschieden ausgefallen fein, so ist in manchen Gemarkungen immer noch eine gute Mittelerntc. Tnrchschnittserträge bis zu 40 Mattern auf den Morgen sind keine Seltenheit, besonders in den feuchten Lagen mancher toenurrhingen. Fest steht jedenfalls, daß es vor dem Kriege schon schlechtere Ernten gegeben hat, wobei nicht nur die verbrauchende Bevölkerung anstandslos versorgt wurde, sondern auch noch Berfand in andere Gegenden des Kreises erfolgen konnte. Fest stecht auch, daß viele Landwirte den größten Test ihrer Ernte fingefellert haben, um jedenfalls in späterer Zeit an einen noch günstigeren Verkauf zu deuten. Eine Tatsache ist es auch, daß auch dieses Jahr Kartoffeln in Wenge nach den Städten ausgefüchrt werden konnten und das vielfach über das Quan tu in hinaus, das auf dem Bezugsschein angegeben. Tie minderbemittelte Bevölkerung der Landorte selbst hat zum Teil das Zusechen und bemüht sich oft vergebens, ihren Bedarf in der eigenen Gemeinde zu decken. Was ist schuld daran? Ten Leuten im Torfe kann man nicht gut mehr ab» nehmen, ckls durch den Höchstpreis von 7,25 Mk. festgesetzt ist. In der Stadt erhält man aber bedeutend höhere Preise. Tie Regierung müßte mit allen Mitteln gegen diesen Wucher vorgehen, der große Gefahren für unsere innere Ruhe in sich birgt. Am besten bewähren sich vielfach die großen Güter. Einmal verfügen sie, was nicht abge- teugnet werden soll, infolge der besseren Bedün-i gung der Aecker meistens über bessere Erträge als die kleinen Bauern und Selbstversorger. Tann
aber sind sie sich in ihrer Mehrheit ihrer Pflichten gegenüber der Allgemeinheit voll bewußt. In anerkennenswerter Weise sind von diesem Wichtbewußtsein auch eine Reihe von Gemeinden erfüllt olliefen. Es sei hier atS Beffpiel nur Södel genannt, wo kein Landwirt eher Kartoffel aus- fütyrte, ins er an seinem Teck dazu beigetragen hatte, zunächst den Bedarf der versorgungsoerech- ttgten Bevölkerung ry der eigenen Gemeinde zu decken, trotzdem in Butzbach, Bad-Nauheim und Friedberg verlockendere Preise winkten. Tie großen Güter, denen es vieHach an ^beitePrüften sohlt, knüpften an die Lieferung zmn Teil jedoch die Bedingung der Mithilfe bei den Feldarbeiten., So gibt z. B. das Gut in Wissels heim für das Ausmachen eines Morgens Zuckerrüben vier Zentner Kartoffeln. ______________
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Endlich lag Retteuegg v)r bau Anksmm^ideai.
Sck.on wälzend man durch bfe kurze, schnur- gcrobe Liiidenallee fuhr, hatte Evelyns Blm mit stolzer Anerkennung ben prächtigen^ meitkauftgen Renaiffancebau überflogen.
Unter dem zweistöckigen Gebäude ragt? ein kleiner Uhrturm aus, von dem eine Fahne m den Sanderfelder Farben 'wehte.
Vor der Rampe gab es einen bveitrn Ktes- platz mit Blumenrabatten, aufbem ktevie Mädchen aus dem Berdstettner Kmderasyl, das die Grrffrn gegründet hatte und erhielt, Spalter für W, Ankommenden bildeten.
Etwas weiter rechts vor dem Eingänge zmn Wirtschaffshof stand die Dienerschaft ^ufgAellt, intb unter dem Glasdach am Portal die Grunn nrit Inspektor Riese, der Mamsell unb einem jungen, blonden Hünen, den Evelyn nach der B- schreibnng sofort als Maignus' beste« Frmnd Harald von Walkern erkannte. T§r Siegfrieds topf mit den treuherzigen blauen Augen war wirklich nicht zu verkennen.
Und alle riefen nun „Hoch! und „Willkommen!", während der Wagen die Rampe lwwn- fuhr und irgendwo auf einem nahen Hagel möblier
Sad sah ja sehr feudal aus. Evelyn konstatierte bemebtgt bei sich, daß man ein? „Komtesse" auch nicht würdiger hätte empfangen können, und ihr Selbstgefühl hob sich noch bedeutend.
Ter weitläufige Park mit fernen herrttchm alten Baumbeständen, dem Blumenparterre unter Der großen Terrasse, die an der Rückfront vom Spciiesaal hinausging, dem Springbrurnen und dem großen künstlichen Deich, m dem es von
Turneu.
-m. Birklar, 13. Okt. In einer gestern hier veranstalteten Versammlung wurde ein Turnverein gegründet, dem sofort etwa 80 Mitglieder bei trat en. Es wurde zur Wahl des Vorstandes gefdjritten, der sich urie folgt zusammensetzt : 1. Vorsitzender: Lehrer Kttausgrill, 2. Bors.: Bürgermeister Müller, 1. Schriftwart: Gärttier Hrch. Müller, 2. Schriftwart: Polizeidiener Wagner, Rechner: Karl Engel, 1. Tum- wart: Wilh. Müller, 2. Turmvart: Wikh. Reuscki- ling. Außerdem wurden 3 Beisitzer gewählt. Tie Gründung des Vereins wurde hier als eine Notwendigkeit zur Stärkung und Kräftigung der In-
21 tt» Stadt im6 Land.
Gießen, den 15. Okt. 1919. Wiederaufnahme des Fortbilduugsfchul- unterrichtS.
Um Zweifel zu beseitigen, wird daraus aufmerksam gemacht, daß im kommenden Winterhato- iahr der Fo r t b i l d u n g s s chu l un t e r r i cht i m v o l l e n U m f a n g wieder ausgenommen werden muß. Fortbildungsschulpflichtig itnb die drei »er 1917, 1918 und 1919 entlafimen Volksschüler. Befreiung einzelner Jahrgänge rote in der ttriegszeit ist nicht mehr zulässig. An dte intern Arbeitgeber und Lehrherren und die ganze Bevölkerung ergeht die dringende Sitte, die Maßnahmen der Fortbildungsschule in jeder Hm licht zu unterstützen, Schulversäumnisse itnb Disziplinwidrigkeiten unter allen Umständen zu verhindern und einen geordneten Schulbetrieb zu ermöglichen. Die Bildung unserer Jugend weist solche Lucken auf und die Bande der Ordnung sind so gelockert, daß die Eckzelnen freubig die nötigen Opfer bringen müssen, die das Gesamtwohl erforbert.
♦* Personalnachrichten. Die Ernennung des Vorstandes des Finanzamts Darmstadt I 'Geh. Finanzrats Otto Stroh zum.vor- tragenben Rat bei bem Ministerium der Fman- ten wurde auf seinen Wunsch zuruckgenommen.
** Diebstähle. Am 11. d. Mts. wurde in der Mäusburg ein Fahrrad, Marke „Görtcke" Modell 50, mit der Fabrtknurnrner 468 584, schwarzem Rahmenbau und verrosteter Lenkstange gestohlen. In der Nacht ium 13. d. Mts. fielen in verschiedenen Kellern Einbrechern mehrere Flaschen Wein und Sekt, Marke Bodenheimer-Leimen, Deidesheimer - Straße, Oppenheimer-Sackträger, Türkheimer - Frohvf - Rießling mehrere Topft Schweineschmalz, mehrere Dosen eingekochtes Fleisch (Corned beef in englischer Packung), 2 A*t Sardinen unb etwa 150 Eier zum Opfer. Da sich in letzter Zeit die K e l l e r d i e b st ä h l e erheblich mehren, so wird darauf knnge- wiesen, die Keller gut zu verwahren unb insbesondere über Nacht die Kellerfenster nicht osten mi lassen, wie dies bei den letzten Diebstählen der Fall war. , .
-d- Aus Anlaß ihres 64jährigen Stiftungsfestes hielt am vergangenen Samstag die Freiwillige Gailsche Feuerwehr einen Familienabend im (Safe Leib ab. War es dxh feit 6 Jahren das erste Mal wiedw, daß sich die Wehr mit ihren Angelwrigen zusam- menfanb. Das reichhaltige Programm des Abends ivies neben der Begrüszungsansprackte des 1. Hauptmanns C. Wenzel noch Gesaiigsv^rttäge des Ge- jangvereinS „Heiterkeit", komische Borträge des Kameraden Meinhardt, Denorsolis von Kamerad Weiß unb Freiübungen der Stützhantelrieg? des Männer-Turnvereins auf. Branddirektor Braubach verlieh namens Der Stadt noch den Kameraden Karl Frainz unb Heinrich Trechsler für 15jährige treue Dienste Ehrenurkunden. Das sich nunmehr anschließende Tänzchen hielt die Anwesenden noch bis nadi Mitternacht zusammen. Den Abschluß l ildete am Sonntag nachmittag ein Ausflug nach dem Restaurant „Germania".
** D e r Evang. Arbeiterverein hielt am Samstag im Vereinslokal eine Hauptversammlung ab. Nach einem Bericht des Borgenden, Sekretär Kirchner, über die in, Frankfurt veranstaltete Delegiertenversammliing des Mittelrh. Verbands Evang. Arbeitervereine, fand eine eingehende Aussprache über das wettere Verbleiben des Vereins im Verbano statt. Es wurde beschlossen, aus dem Mittelrh. Verband auszuscheiden, dagegen Fühlung mit dem Gesanttverbanb zu suchen. Beziiglich der Beitragsregelung des Vereins wurde vereinbart, ab 1. Januar 1920 eine Erhöhung auf 1,50 Mark pro Vierteljahr (einschl. Vereinszeitung) em- Vtreten zu lassen. Frauen und jungen Mädchen soll gegen Zahlung von 1 Mk. lährttch die Möglichkeit gegeben werden, ordentliche Mitglieder des Vereins zu werden. _ . , _ . ,
" In denSchwarz - Weiß - Lichtspielen kommt ab heute das Detektiv-Abenteuer „Das Geheimnis der Villa Osborn oder nur ein Zahnstocher" und das Lustspiel „Tin gesunder Junge" zur Aufführung.
Hessen-Nassau.
= Frankfurt a. M„ 14. Okt. In einer 'Konferenz, an der Vertreter der Regierung, der Handelskammer, des Lebensmittelamtes und der Preisprüfungsstelle teilnahmen, wurde über bie Befchlagiiahinungen der aus dem besetzten Gebiet durch Schleichhandel eingeführten Lebensrnittel beschlossen, daß bis zum 25. Oktober nur noch solche Waren aus dem besetzten Gebiet eingeführt werden dürfen, deren Ankauf nachweislich bis zum 11. Oktober getätigt wurde. Nach dieser Zeit wird vom Wucheramt keinerlei Rücksicht mehr auf die Ware genommen. Was nach diesem Termin eingeliefert wftd, verfällt der Beschlagnahmung.
eine eingehende Aussprache, doch kam es zu keinem Beschlüsse.
Es wurde bann noch der Antrag U stadt und Gen. betr. dieFörderung der landwirtschafkl. Produktion behandelt. Der Direktor des Landesernährungsam- les Neumann gab eingehenden Aufschluß über die derzeitige Lage und machte Vorschläge, die morgen zur Beratung kommen werden. Der Antrag wurde auf Grund der Regierungserklärung für erledigt erklärt.
Die Kohleufragc.
Berlin, 15. Okt. (Wolff.) Die Kühlen- Versorgung ist in ein sehr ernstes Stadium getreten infolge der Zwangslieferungen von Brennstoffen an die Entente, die in weit höherem als vorausgesehenem Maße erfüllt werden müssen. Durch den seit Wochen anhaltenden Eisenbahn-i mangel und den niedrigen Wasserstand des Rheins können in nächster Zeit neben der Eisenbahn mir die Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke, bet' Hausbrand und bie allerwichtigste Lebensmittel-, vndustrie bedient werden. Auch die Belieserunq dieser volkswirtschaftlich allttroichtigsten Betriebe kann nur in beschränktem Umfange erfolgen. Sobald eine Besserung der Lage einttitt, wirb bieiq Einschränkung der Kohlenlieferung sofort wieder aufgehoben werben. Es werden alle Mittel angewendet, um auch den in privaten Händen ruhenden Rheinschiffahrtsverkehr, ähnlich wie dies bei der Eisenbahn geschieht, zu stärkerer Drosselung in der Beförderung von minder dringlichen Gütern zu veranlassen, um dadurch Schiffsraum für den Kohlentransport freijubrfommen.
Dewet für Zurückgabe der deutschen Kolonien.
Amsterdam, 15. Okt. (WTB.) Das süd- afrilanifd)e Blatt „Burger" veröffentlicht ein Schreiben des Generals Dewet, in dem dieser leidenschaftlich gegen die Besitzergreifung von Deutsch-Südwest.- unb Deutsch-Ostafrika durch die Union Einspruch erhebt. Dewet nennt bie Eroberung dieser beiden deutschen Kolonien ungesetzlich unb erklärt, solange sie im Besitze bes südafrikanischen Volkes seien, würben sie wie eine Feuersbrunst wirken. Tewel appelliert an das afriürnische Volt, daß, beide 5lolonien ihrem rechtmäßigen unb gesetzlichen Besitzer zurückgegeben werden.
d'Annunzio schwer erkrankt?
Versailles, 15. Okt. (WTB.) Die „Chicago Tribüne" meldet, daß d'Annunzio schwer erkrankt sei und die Absicht habe, nach,Rom zu gehen, um die Aerzte zu konsultieren. Es sei möglich, das; es sich hier um ein Manöver handle, das bestimmt sei, dem nationalisttschen Vorkämpfer den Abzug von Fiume zu erleichtern.
Wilsons Erkrankung.
Amsterdam, 15. Okt. (Wolff.) Wilson verbrachte infolge Schwellung der Prostata-Drüse euie unruhige Nacht. Das Mgemeinbefinden ist .gut. . .
Erfolge Demkms.
Rotterdam, 15. Okt. (Wolfs.) Saut „Nieuwe Rotterdamschen Courant" meldet D e nekin .daß seine Truppen in erbittertem Kampfe Orel (200 Kilometer südwestlich von Moskau) gekommen, 18 rate ^Regimenter, die sich ihnen entgegenstellten, geschlagen 3000 Gefangene gemacht und 4 Geschütze sowie mehr als ‘20 Masch.-Gewehre erbeutet hab:. Kvowic wurde besitzt. In der Ukraine schilug Denikin die 9. Tiviswn Petliuras bei Kiew itnb besetzte zwei Dörfer. Tie Bolschewisten melden aus Jamburg, baß sie diesen Ort nach heftigem Kampf erobert haben..
Berliner Proleftversammlungen.
Berlin, 15.- Okt. Die zu gestern abend einberufeneu Prote st Versammlungen gegen den Belage rungszu st and verliefen im allgemeinen ruhig. In einer der Versammlungen erklärte Adolf Hoffmann, ein Zusammengehen mit der Mehrheitspartei müßten die unabhängigen Sozialisten ein für alle Male ablehnen. Ihre Hauptwaffe sei der Streik, durch den die Regierung gestürzt und die Herrschaft des Proletariats aufgerichtet werde.
Die Auslieferung Leviens verweigert.
Berlin, 15. Okt. Wie dem L.-A. aus Wien berichtet wird, erfährt der „Morgen" vom Staatsamt Der Justiz, daß dem Begehren der bayerischen Regierung um Auslieferung Leviens, der in Wien verhaftet wurde, nicht entsprochen werden wird, weil es nicht in den Intentionen der österreichischen Regierung liege, politische Verbrecher auszuliefern.
„O ja. Mama liest sehr viel unb kauft jährlich an, was van Bedeutung ist. Hier stehen die neueren Sckaiftstelter."
Evelyn trat an das Regal, las eimge Nam.'u und wandte sich dwm mit enttäuschter Miene ab. Ein beinahe mokantes Lächeln umz-uckte ihren Mund.
Dahn, Ebers, Wildenbruch, Sudermann, Bftr- bäum, Hartleben usw. — na ja, das hatte man sich denken können! Tie moderuen Franzasm waren nur schwach vertreten, Nietzsche — Evelyns Liebling — fehlte ganz.
Man durchschritt bann noch einige Räume, die Magnus persönlich gehörten, ift Wiener Interieur^ stil, mit Tier- unb Jagdbildern von Pausinger geschmückt, unb kam zuletzt in die Kapelle, e-te war nicht groß, mit Teppichen belegt, enthielt Samtsessel und eine sehr yW< Kopie der eir> tina als Altarbild. In den Wandunchen standen Heiligenstotuen und Blattpflanzengruppm. Das Licht fiel, durch Glasmalereim gedämpft, herein;
herrschte ein stimmungsvolles Halbdunkel, aus dem in iitoemer Ampel vor dem Altar das ewig: Licht leuchtete.
Magnus fühlte pch immer ergriffen, wenn er den Raum betrat. Hier waren seine Eltern getraut, er selbst war hier getauft warben, hatte dos erste Abendmahl empfangen unb später di: Fftmimg. Ter Katafalk seines taten Vaters hatte hier gestanden, und nun fällte in diesem Staunt auch Evelyn ihm die Hand zum ewigen Bunde rcichien. Alle feierlichen Momente seines £'ebenes konzentrierten sich in der Heinen Schloßkop.'lle.
Er nahm den Hut ab unb sprach unwillkürlich mit gedämpfter Sttmme, 'rote er gewöhnt war, als


