Dienstag, H» öaimar 1919
ZwlMngsrunddruck u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Buch- u. Zteinüruckerei R. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Zchulstr 7.
Vie Wahlparole
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dünken und Neigung einer der bürgerlichen l Warteten zuwenden, die freilich in Einzel-»norden
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für örtliche Anzeigen 25 lU.,snrauswärtige 30 Bi., für Reklamen 9Jlf.l.-nebfr2O°/o2cue- rungszustolag;Platzvor- fcbrisk 20 % Aufschlag. L)auptschriitleiter: Aug. Hoetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reuihold Zenz; für den AnzelgeuteN: v. Beck; sämtlich in Gießen
es muß vielmehr vor Gefahren aller Art behütet werden. Dies zu erreichen, bietet von allen Stimmzetteln der sozialdemokratische die gering st e Gewähr.
zu rechtfertigen. Sie lassen sich nur erflärcn, wenn etwa die Bevölkerung Elsaß-Lothringens zivangs- weise so bald und so gründlich wie möglich zu kranzösisieren und das besetzte Gebiet durch Hinzu-
Ar. U
Ter G,etzener Anzeige, erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: Siebener FamMnblütter;
Ure.rllett
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Narien bestimmt werden, daß Preußen für immer -auf alle sJtedyte am das linke Rheümsler verzichte:
Mackensen.
Wien, 13. Jan. (WTB.) Das Wiener Karre* spondenz-Bureau meldet aus Agram: Macken s c n ist nicht nach Saloniki, sondern nqch Brlgrqttz
V°n kann ^Ms^wird ftejid) nad) ©utl SX
bürgerlichen I distrikte möglichst zu ver^irößern gesucht . tn Ernzel-lm^d«, soll. Die französische Regierung
tungsbeHörden des Landes ihres Amtes enthoben unb hat nur btejenigen deütfchen Beamten auf ihren Posten belassen, die sie zur Zeit nicht ent» beeren kann. Sie hat ferner die Auslveisung zahlreicher Einwohner des Landes versuch unb untätig zugesehen, wie sich bei der Abreise der Ausgewiefer,eit sowohl in Straßburg wie in Kol- mar, Mülhausen imb anderen Plätzen schimpfliche Szensn abspielten. Daß c3 sich hierbei nm- systematische Massenausweisungen tändelt, geht daraus hervoA daß allein in dem badischen Grenzort Kehl während ber letzten 14 -Tage über 800 ausgewiesene Personen durchgekommen sind, tnt einem einzigen Tage sogar 119 Personen. Tie französisä>e Neuerung ließ ferner eine Anzahl elsaß-lothringischer Bürger verhaften, und zwar zugestandenermaßen aus Grund von Krieosland- lungen, die vor der Unterz-ercynung des Waffen- slillstandsvertrages slattge,unten haben. Durch biffcs Vorgehen, gegen das die deutsche Negierung wiederholt vergeblich ihre Verwahrung ein legte, hat die französische Regierung gegen den fteren Wortlaut des Artikels 6 des Wa fenstillstandsVertrages und gegen die am 17 Diovember durch Funkspruch gegebenen ausdrücklickZen ZusickMim- geil des Ministerpräsidenten Clemenceau verstoßen. Es liegen außerdem zuverlässige Nach- richten vor, daß die sranzösisckie Regierung auch in den Schulen Elsaß-Lothringens den Kampf gegen alles Teutsche ausgenommen hat. Die deutsch.'n Tv'.en en ter Universität Straßburg sind abgesetzt und in den Volksschulen — selbst int rein deutschen Sprachgebiet — der ausschließliche Unterricht in französischer Sprache in weitestem Umfange obligatorisch eingeführt worden, flvie französische Regierung hat sich ferner nicht gescheut, sogar in die inneren kirchlichen, A n g e le g e n h e i 1 e n des elsaß-lothringischen Volkes einzugreifen, indem sie den Präsidenten des Konsistoriums der Kirche augsburgischer Konfession in Straßburg ausgewiesen und ihn in rücksichtslosester Weise an die Landesgrenze verbracht hat. In allerletzter Zeit fudjlt die französische Regierung nach, hier vorliegenden bestimmten Meldungen auch in größeren industriellen Unterneh- hnungen des Landes jedes nichtfranzösische Element dadurch auszuschalll'n. daß sie französische Zwangsverwalter ein setzt im.) die Deutschen Werkleiter entfernt. Es liegen sogar Nachrichten vor, daß sie die Zwangsliquidation deutscher Werke in die Wege zu leiten int Begriff steht. Endlich versucht die französisclie Negierung die Grenzen Elsaß-Lothringens dadurch zu erweitern, daß sic vom Beginn der Besetzung an Vür die Nordgrenze des Landes eine neue durchaus willkürliche Festlegung getroffen hat, die den Ein- druck erwecken muß, als ob Teile der preußischen Rheinprovinz, insbesondere des S a a r b e ck e n s ztu Elsaß-Lothringen gehörten. Diese Gebiete sind Internate Teile Elsaß-Lothringens gewesen. Der feierliche Protest der deutschen Regierung vom 21. November 1918 gegen diese Grenzfestsetzung ist bisher gänzlich unberücksichtigt geblieben. Auch an der Osttzrenze des Landes scheint die französische Regierung die klare, in Verträgen verbriefte alte Grenzscheide verwischen zu wollen, indem sie chre Okkupationstruppen an den Rheinübergängen nicht nur bis zum Talweg des Flusses, sondern bis zum . Ostufer des Rheines vorgeschoben hat. Alle diese ! Maßnahmen fanden weder eine Stütze int Waffeu- stillstcmdsvertrag, noch sind sie durch rnilftärische Notwendigkeiten dem wehrlosen Lande gegenüber, das nur Frieden zu schließen wünscht, irgendwie ■
I es richtig gestanden, ihr „Prinzip" wäre das erlösende gewesen. Die Nörgler, die llnter- wühter der Stimmung und Widerstandskraft des Volkes mögen gefälligst im Schatten bler- ben.
Ludendorff, der am Ende schleunigen Waffenstillstand gefordert hat, ist nicht der allein Schuldige an der trostlosen Art, wie das vierjährige tapfere Ringen unseres Heeres abgebrochen wurde. Die Front hätte so lange ftaudhalten können, bis vernünftige Bedingungen für das deutsche Volk, die durch Wilson zu erreichen gewesen wären, feststanden. Aber nun brachten die Gefahren im Innern hastige, verkehrte Entscheidungen, die Früchte einer zügellosen Agitation waren gereift. Die Spartakisten haben ja nicht erst von gestern auf heute die Bildfläche betreten. Lange vorher schon, ehe man äußerlich viel von ihnen merkte, haben sie ihre galligen Tropfen in das Scheidemann'sche Parteigebräu geträufelt. Eine der Grundfragen bei den b ev o rsteh e nd en Wahlen ist die, wie die Mehrheitssozialisten mit dem Sauerteig der Radikali st en fertig w e r d e n w o l l e n. Das wissen sie jetzt selbst noch nicht. Heute rufen viele nach Verhandlungen, nach einer Einigung, Andere, wie der vorwärts", wenden sich voll Abscheu von den ,/Volksverrätern", „Mordbrennern", „Banditen", und wie die Linksgruppe sonst noch genannt wird. Aber die schlechte, zaghafte, gefährliche Politik und Taktik der
gegenwärtigen Regierung legt ein beredtes Zeugnis dafür ab, daß die Mehrheitssozinl- demokratie künftighin den unabhängigen und bolschewistischen Sauerteig noch irgendwie zu vevoauen haben wird. Es wäre ihr eige- nesUuheil, wenn die Sozialdemokratie bei den Wahlen eine Mehrheit vor den bürgerlichen Parteien erhielte. Der wilde Zersetzungsprozeß würde aufs neue aufkochen, und wir kämen aus Puttchen und Krawallen nicht heraus. Oder aber der zerschossene Reichskraftwagen würde die überteuernd)ften Schnellfahrten machen, bis er gänzlich zu- ammenfiele. Wer einen soliden, stetigen Wiederaufbau will, kann von dem soztaldemo- kratischen Stimmzettel keinen Gebrauck) machen.
Der alte Staat ist zusammengebrochen, aber die Illusionen der Internationalisten ebenfalls. Der weitaus größte Teil der gegnerischen Völker denkt nicht an eine Verbrüderung ! Wir leben nicht mehr in der Dämmerung, das Licht des Tages muß die Träumer auswecken! Wir wollen Verständigung der Völker, den Völkerfrieden, aber wir dürfen nicht Hörige der Fremden werden. Der nationale Gedanke, wohl geht er jetzt still und traurig durch Deutschland, aber ein Mick durch die Fenster in die Umwelt sagt uns, daß er nicht vergessen werden darf, sondern daß man ihn pflegen und stärken muß. Wie die Revolutionsregierung ihn verspätet und mit ungenügende,t Mitteln zum Grenzschutz gegen Polen und Tschechen hinaussendet — das soll uns vor dem Wahltag zu denken geben. Wir brauchen, wie die andern Völker es haben, noch ein kraftvolles Heer, um unserer Selbstachtung und unseres Schutzes willen. Tie Fortführung der bisherigen Revolutionszu- stände wäre ganz untauglich. Vor sinnlosem Zerstören und Auseinanderreißen müssen wir uns fortan hüten. Eine soziale Entwicklung und gerechtere Verteilung der Lasten kommt auch ohne sozialdemokratische Experimente. Ausgedehnte Verstaatlichungen von Privatbetrieben würden unser Volk bald zur gänzlichen Verarmung und Verlotterung bringen. Man kann das Wort des Pnvpenheim'schen Kürassiers von der Ehre in bescheidenen Grenzen auch aufs Materielle anwenden: „Et-
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(Eilte Hofe 6es Staafsfetretärs v. Vrockdorff-Raiitzau.
Bc rlin, 13 .Jan. (WTB.) lieber die Verhältnisse in Elsaß-Lothringen unter ber französischen Besetzung würbe soeben in Span seitens ber deutschen Regierung eine Note überreicht, welrfje gleichzeitig durch Vermittlung der schweizerischen Regierung den Negierungen Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, ber Vereinigten Staaten imb Belgiens zugegangen ist. Auf Grund des WaffenstillÜanbsVertrages vom 11. November 1918 haben die französischen Armeen Teile ber preußischen Rheinprovinz, Hessens, die Pfalz und Elsaß-Lothringens besetzt, nachdem die beutfdxm Truppen innerhalb ber vereinbarten Frist das Land geräumt hatten. Vom ersten Tage ber Besetzung an hat die französische Regierung Elsaß- Lothringen gegenüber eine besondere Haltung eingenommen. Sie hat sich nicht aus das ihr zu stehen de Recht beschränkt, bas geräumte Gebiet militärisch zu besetzen und diejenigen Anordnungen zu treffen, toeldfc durch die miiitärifdjen Notweudigkri'.en imb im Interesse der Operalionstruppen geboten waren, fonbcnt sie hat in dem ganzen Gebiet des Neichs- landes einen Politische it Ausro ttungs- f am pf gegen alles eröffnet, was deutsch ist, deutsch denkt und deutsch fühlt. Ohne irgendwie durch den Waffenstill- stirndsvertrag hierzu ermächtigt zu sein, hat die französische Negierung die Richter und Verwal-
was muß er sein eigen nennen, oder der Mensch wird morden und brennen". Er muß nicht nur seine Ehre, solidem auch sein Streben, ferne Sorge um fein Glück behalten.
Auch die d e u t s ch e F r a u hat es in der Hand, mit dem Stimmzettel eine Milderung der Zeitnöte zu versuchen. Sie wird eifrig umworben und umschmeichelt von denen, die sich mit früherert politischen Geschenken und Angeboten brüsten, aber sie wird nicht viel dafür geben. Wer nützliche und gute politische Arbeit leistete, der leistete sie auch für die Frau, und die Sozialdemokratie, die ihre Par- teiverdienste um die Frauen herauszustreichen sucht, rebet nur wie eine klingende Sck)elle. Daß es um Haus, Hof, Heimat, um Schutz und Pflege von Sitte, Religion und aller staatserhaltenden Kräfte geht, das wird die deutsche Frau überall ringsum gewahr, wenn sie zum erstenmal direkt und entscheidend ins politische Leben emgreift Sie steht unter dem Eindruck der sozialistischen Sturmflut und sie wird sich vermutlich überzeugt haben, daß in ber Atmosphäre des Bürgerkrieges nichts ge»
früheren Besitzern zurückerstattet werden. Für bat übrigen Teil des linksrheinischen Ufers sei zu ent» scheiden, ob gewisse Teile unter gewissen Bedingung ihre früheren Besitzer znrückzucrslatten seien..
Jedenfalls müße aber in bau FriedensprÄimi-»,
Nächsten Sonntag findet die größte Volksbewegung statt, die jemals auf der Erde innerhalb nationaler Grenzen gesehen worden ist: die Wahl zur deutschen Nationalversammlung. Einige Tage später die Erneuerung Hessens, unserer engeren Heimat, gleichfalls auf dem Boden allgemeiner Wahlen von Männern und Frauen. Jedermann kennt sein Wahlrecht und wird es gebrauchen, sobald er sich klar darüber ist, wieviel bei diesen Wahlen auch für ihn und sein Haus auf dem Spiele steht. So sehr wir in diesen Tagen trauern um unseres Volkes großes Unglück, so hilflos wir uns sahen gegenüber dem Um, heil und Verderben, dem wir auch im Innern des Reiches gegenüber standen, — so fest ballen sich doch jetzt die Fäuste und bäumen sich alle Willenskräfte auf: jetzt ist es gut und recht, daß alle Männer und Frauen von 20 Jahren an ihre Stimme in die Wagschale werfen und die einfachen, aber von so ungeheurer Bedeutung erfüllten Fragen um untere Zukunft beantworten sollen.
Die Volkskundgebungen der letzten Zeit waren nur Vorbereitungen, die mit der bevorstehenden Entscheidung nichts mehr zu tun haben. Da hieß es oft: Wir stehen hinter der Volksregierung, hinter Ebert uufr Scheide- mann! Auch wir haben diese Männer unterstützt,- die uns versprochen haben, in Ruhe und Ordnung uns der Nationalversammlung entgegenzuführen. Bis zum 19. Januar gab es lerne andere Wahl, wollte man sich nicht auf die Seite der Aufwiegler, der Zertrüm- merer des Reiches stellen. Nächsten Sonntag aber stehen wir nicht mehr bei Scheidemann, sondern am Scheide weg! Da gilt es zu prüfen, zu richten, zu wählend
Wir sind in der vierteljährigen Revolutionszeit eine erhebliche Strecke mit den so- HiaDemokratischep Führern gegangen, und es rst verständlich, daß unser Rückblick zunächst an dieser letzten Strecke Weges hängen bleibt. Seien wir gerecht: es ist nicht ausschließlich die Schuld der Mehrheitssozialisten, daß dieser Weg durch ein so leidvolles Trümmerfeld ging, das durch die spartakistischen Leichenfledderer uns von Tag zu Tag entsetzlicher wurde. Die Sozialdemokratie hört nicht auf, ihre Anklagen gegen die f»genannten bürgerlichen Parteien zu schleudern, daß diese und ihr kapitalistisches, imperialistisches System das Reich zum Absturz gebracht hätten. Sie sind weniger gerecht, diese Herrn von der 1)61111 gen Regierungspartei, und die Ober- flächlrchkeit ihrer Behauptungen wird bei reisen Wählern keinen Eindruck machen. Das Kapitel über die Schuld am Kriege ist noch nicht abgeschlossen .Es war eine schlechte, unseren deutschen Interessen höchst abträg- liche Tat mancher der heutigen Gewalthaber, ^>aß sie an der Hand einseitiger Aktenstücke 'die deutsche Schuld am Weltkrieg in den Vordergrund stellten! Scheidern ann, Dr. David und viele andere, ' die jetzt Kandidaten der Mehrst eitssoziali st en sind, haben es einst besser gewußt! Ihre Reden und • Schriften sind unvergessen! Man lese sie nach und man wird nicht finden können, daß die ' darin gegen die Einkreisungspolitik unserer Gegner niedergelegten Argumente heute we- . Niger stichhaltig wären als im Jahre 1914 :
und 1915. Die Wahrheit ist, daß der Krieg an einer langen Kette von Ursachen hängt; die meisten dieser Ursachen Arid nach wie vor der Rachsucht, der Eifersucht und dem Imperialismus unserer Feinde zur Last zu legen. Daß unsere amtliche Politik schlecht war, haben wir nie verschwiegen, und sie ist wahrlich nicht schlechtweg den bürgerlichen Parteien anzukreiden. Auch in der politischen und militärischen Kriegführung sind schwerwiegende Fehler gemacht worden; sie treffen das alte System und haben es schließlich gestürzt. Aber wer vermöchte für diese Fehler etwa diejenigen verantwortlich zu machen, die im Toben der Schlachten die Disziplin bewahrt haben wollten! Waren die Tapferen, die im Felde den Führern folgten, etwa zu tabqjn, weil sie es nicht machten, wie jene Deserteure, die schließlich in der Reichshauptstadt Triumphe feiern wollten? Wer wäre dazu berufen gewesen, den General Luden- dorfs zu stürzen, etwa der Schreier im vordersten Gliede der Heimatsfront, der täglich feinen geistreichen Spruch: „Sie sollen Schluß machen" der Mitwelt herleierte? Schuld und Sünde sitzt nicht nur auf den Alldeutschen. Es wäre manches besser zu machen gewesen tn der Fübrung des Krieges, und wir sind überzeugt davon, er hätte sogar für uns gewonnen werden können, wenn die Berufenen mro Verantwortlichen in welthistorischen Augenblicken nicht fehlerhaft gerechnet hätten. Aber diejenigen wollen wir darum nicht zu laut rühmen, die den Parteiprogrammzettel hoch halten und sich, darauf berufen, dort habe
: Dies geht einmal ans ber Note des Generals Nu- baut vom 25. Dezember hervor, in welcher auf ' Weisung des Marschalls Foch und des Ministerpräsidenten eine Erleichterung der augenblicklichen
1 Postsperre zwischen Elsaß-Lothringen imb dem • übrigen Deutschland mit der Begründung verweigert wird („la correspvndance entve fronet et allemagne eft absolutement ürterbite"). Ferner kommt diese Auffassung zum Ausdruck in der von» der französischen Regierung amtlich mitgeteitten ■ Weigerung, in Elsaß-Lothringen die Abhaltung, von Wahlen zur deutschen Nationalversammlung' - zu gestatten. Tie Note des Generals Nndant vom : 24. Dezember ist unvereinbar mit dem Waffen-- i stillstandsvertrag, wenn die französische Regierung . ohne jede militärische Notwendigkeit die Bevölte- ■ ntng des okkupierten Gebietes des Deutschen , Reiches an der Ausübung ihrer politischen Rechte hindert. Die deutsck>e Regierung betont auf das , ko ' rücklichste, daß die Regelung ber elso.ß-loth- : ringg'chen Frage im Friedensvertrage'zu erfolgen ■ hat und legt gegen daS französische Vorgehen feier , lichst Verwahrung ein.
v. Brockborff-Rantzau, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes.
Die Greueltage in Berlin.
Berlin, 13. Jan. (WB.) Heber die Er- : ftürmung des Schlesischen Bahn- 'Hofs schreibt das „Berliner Tageblatt": , Fünf Tage lang batten Spartakisten der aller- wildesten Sorte den Schlesischen Bahnhof besetzt. Sie hausten in ihrer Umgebung wie ' oic Räuber. In der Nähe des Schlesischen Bahnhofs wurde eine Konservenfabrik ge-- 1 plündert. Das Geschäft des Jmveliers PH.
Freundlich in der Großen Frankfurter Str. 27 wurde vollständig ausgeräubert unb für mehr als 300 000 Mark Ware gestohlen. Die Kon- sumgerwssenschafteu der ganzen Umgebung geplündert und die Brote, das Stück für 5—7 Mark, an das Publikum verkauft. Aus den Zigarrenläden holten sich die Spartakisten beständig neue Vorräte. Sie besetzten die Dä^ cher der Privathäuser, um dauernd auf die Regierungssoldaten und Zivilpersonen in ber Köppenslraße, Andreasstraße,Krautstraße imb Umgegend zu schießen. Das Treiben derSpar- takisten war so schlimm, daß sich in der Dunkelheit kaum noch ein Mensch aus dem Hause wagte. Eine geringfügige Ursache brachte die Räumung des Schlesischen Bahnhofs und die Flucht ber Revolutionäre. Gegen 9Vs Uhr vormittags hielten zwei Beamte und der Bahnhofsvorsteher einen SpartakuSmann, der sich ftech benahm, an und entwaffneten ihn. Der Verhaftete versuchte, Hilfe herbei- zurufen. Statt der Spartakisten erschienen etwa 50 Mamr Regierungsttupperr, die den Bahnhof von verschiedenen Seiten stürmten und die Revolutionäre überraschten. Gewehrschüsse und Handgranaten verrichteten ihri Werk, so daß der Bahnhof tu kurzer Zeit befreit war. Von den Spartakisten wurde mit Dum-Dum-Patrouen geschossen. HeberOO Personen, darunter viele Frauen, wurden genügen. Die Beschädigungen an den techrächen Einrichtungen des Bahnhofs unb an den Gleisen sind nur gering. An die Stationen des Ostens gingen bereits Telegramme hinaus, daß der Fernverkehr während der Nacht zum Montag wieder aufgeiwnnnen werden kann. Heute vorrnittag wird auch der Bahnverkehr auf der Stadtbahn wieder auf» genommen.
Die Sricöenstonfertn).
Paris, 12. Jan. Das „Echo bc Paris" mel*. (bet: Die Friedenskonferenz wirb ossiziell iam 20. Januar mit ihren Arbeiten beginnen. Nach vorheriger Annahme des Grundsatzes des Völter-, lbundes in Anwesenheit Fochs und der Bevollmächtigten der fünf Großmächte^, zu denen wahrscheinlich diejenigen Belgiens hinzutrrten werden, wird sie sich der Erörterungen ber Friebcnsbedingimgeni Tür Deutschland zuwenden und die Denkschrift prü- Ttot, die für Fjrankreich djas Saarbecken bei ansprucht und die Internationalisierung der Rheinschifsahrt mit besonderen Vorrechten für die Anwohner des Flusses vorsieht.
Paris, 13. Jan. Das „Journal des Ts- bats" veröffentlichte gestern einen Leitartikel, in ' dem es heißt: Das deutsche Volk darf und kann snicht vernichtet werden, aber in den Friedens Präliminarien muß sestgestellt werden, daßPreußen verschwindet. Meußen muß vor allem die von ihm nacheinander gestohlenen Gebiete l^eraus- igeben, so daß dementsprechend die litauischen und polnischen Teile Ostpreußens, die polnisck>en und tschechischen Teile Schlesiens, ganz Preußisck^Polen und Dänisch-Schleswig, sowie die wallonischer Teile des Rheinlandes Preußen genommen und den
Hellen nicht mit allzu besttmmtem Programm I scheint sich sogar auf bm Standpunkt über die Schwelle der neuen Zeit hinaustteten zu stellen, als ob die Loslösung Elsaß-Lothringens und mancher Wandlungen fähig sind. Große vo.m^Deutschen Reich eine ^vollzogene Tatiache,ser Glücksgüter wird sich unser Land voraussichtlich in naher Zukunft nicht erobern können,
sty. Jahrgang ,
GlehenerAnzeiger
StanIfutta.in.U686 General-Anzeiger für Oberhessen


