nr. 160
Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderheffen)
Samstag, 12. Juli Id
lld Hagenern
Empfehlun
der
die
daS
Pikfein
Pilo
6D\\ 4tt HnwiV
SdM^pntzl
hver an-
getr-Wl»
uren
it au«- UflbJW^ d vor- M Stylen ig yicict J'grfjntM »’l
*•----il ! .—st!
sie den
yereM®
(Nachdruck verboten.)
Fortsetzung 9.
Sbcuerfc schritten
2 154 660 Mk.
177 920 „
358 800 „
67000 „
er von 40 Prozent über» Tihmen aber auch den er-
Dlt> tel h.
hmerz:
chäfer X.
Tie Erhöhung der Kinderzulage Tic Erhöhung tx-r Wittveuzulage Die Ortszulagen für StaatSdienst- amuärtcr und Sckweibgehilfen
Hierzu kommt die Fürsorge für die Hvsbeamten, Tlieoter usw.
8221D '• 2 Uhr, statt.
s guter da eö it fehlt neu »u heirat. 8VÄ
versafiunggebende Volkskammer des zreiftantes Hessen.
2 9. Sitzung.
D a r m st a o t, den 10. Juli
Präsident Adelung eröffnet um 9y3 Uftr die Sitzung. Zur ''Beratung gestellt toirb die Regierungsvorlage über die
Teuerungszulagen der Beamten ufro.
Berichterstatter Dr. Osann (D. Bp.): Der Finanzausschuß ist zu der Regieriurgsvorlagc über die laufenden Teuerungszulagen zu einer erfreue lichen Einigung aller Parteien gekommen, der auch
IFmlt ,Dnir.> frist' n<W d.
"bie
q «olrniwna,.^ «• Klieröwe^-
lldj imb
1552 eig. den inet in
en? 8530 ger.
täb- mbe anch en? 3817 iger. enb, ebeS Ml miet M
368 910 „
3 127 290 Mk.
bestellt. Ich darf die wesentlichen obren:
nstrcn lieben
Wa^r, NeHc'
Tiefen roeiiercn Aufwand Tömtcn unr nicht durch direkte Steuern der Bevölkerung Miserlegeu. Es ist an sich sckwn recht mißlich, innerhalb dcS EtatSjahreS mit einer besonderen Sleuerauslage zu kommen, insbesondere, iDcrtn sie lediglich zugunsten der Beamtengehalte erfolgt. Aber angesichts der jetzt schon eingetretenen lOprozen- tigert Steuererböbung für daS Elalsjahr 1919 und der bevorstehenden außerordentlichen Steuerlast, die uns daS Reich wie auch die Gemeinden auferlegen, darf unter keinen Umständen der
haben infolge Behinderung der Ausnutzung Latente durch den tfriea.
Unterstaatssekretär Delbrück teilt mit, daß ‘ic RcickiSregierung nicht beabsichtige, über ' Angelegenheit eine Vorlage liermlszugeben, da .... 'ine ungerechtfertigte Bevorzugung einer einzelnen ÄellSUerung>oNasse sein würde.
WM*
IlItlBüthr
Karl Bohmi'
Neuenw»^
S-i Sa
agna Gvendburg
ytoman von Anny Wothe.
Mein der Wissckmß bat durch seine weiteren Bewilligungen auch noch wettere Mittel des Staates in Anspruch genommen. Tic Erhöhung des Familienzuschusses von 1800 Mk. auf 2000Ml. und die Llesserslvtlung der Uuucrlx'iratettn erfordert ein Mehr von
Stricklump
öddiiten f ytibW ogStsi«
.in. M
civai. Ifll Höhe sirnia nanz> schäft, sir.5. csuckl
igen
11 bis i nach tabt- ihelm. 013060 lnM
Bahn zur Selbsterhaltnng, sondern nur ein Hemmnis ist. WaS die Erziehung versäumt hat, kann nichts mehr ausgleichen. WaS nützt mir all mein Ringen und Kämpfen, wo ich selbst die Mängel und Schäden meiner Erziehung, die nur auf das Aeuß.erliche gerichtet ipar, kenne. Wie soll ich zu kühnerem Flug mich aufrasfen, wo mir sckwn zur Existenz im Hause Ihrer Verwandten jede Berechtigung fehlt. O, ich weist es wohl, dast man mich duldet, um mir eine Wohltat zu erweisen^ Hätte ich nicht die (Grafenfrone aus meinem Haupte, man hätte mich trotz der demokratischen Otefinnung Ihrer Frau Schwägerin längst gehen heißen. Mir sieht man es nach, dast ich weder von der Kinderpflege noch vom Haushalt was verstehe, einer gewöhnlichen Stütze hätte man längst den Laufpast gegeben. Aber ich will diese Duldung stickst mehr, und wenn Frau Professor zehnmal sagt, ich müsse zu meinem eigenen Besten meine Lehrzeit bei ihr durchmachen, ich fühle nur daS eine, dast ich frei werden must!"
Leidenschaftlich hatte Ragna die Worte hervor- gestosten, und als jetzt ihr Auge daS des Doktors traf, zuckte sie schmerzlich zusammen. Diesen treuen und wahrhastigen Freund, der sich so selbstverständlich und schlicht vom ersten Tage ihres Ken- nenlernens in ihren Dienst gestellt hatte, und den sie heute, daS fühlte sie, ganz gewonnen, würde sie dann auch missen, "ivenn sie ging.
Er las in ihrem Antlitz alle ihre Gedanken.
„Rehmen Sie keine Rücksicht auf nticb, Ragna," sagte er, zum ersten Male voll und weich ihren Namen aussprechend, „sondern nehmen Sie meine Hilfe, die ich Ihnen von Herzen biete, an. Ich will versuchen, Ihnen die Wege zu ebnen, die Sie zum Ziele zur Selbständigkeit führen. Wollen Sie mir »erträum?"
Dents chen.
Präsident Fehrenbach: Ich würde mich stlu freuen, wenn die Versammlung sich ent- fditicfjcn könnte, ein grötzeres Gewicht aus die Tat ter Abstimmung als auf bie Länge und Schön teil der Rede zu legen. (Lebhafter Beifall und Zustimntung.)
Artikel 107 besagt: „Die Grundrechte und Krundpslicksten bilden die Rickstschnnr und Schranke str die Gesetzgebung, die Verwaltung und die kdjtdbflciiici im Reich und in den Ländern."
Abg. Dr. Heinze (D. V.) legt die schweren fcöeirfen dar, die vom Standpunkt deS Juristen, *■ des Politikers gegen die Aufnahme so um vgreicher Grundrechte in die Verfassung zu er* irden seien.Redner legt dies an einer langen Reihe ■ta Einzelbeispielen dar.
I Abg. Koch-Kassel (Dem.): In einem demo- ktffchen Staate ist jederzeit Gelegenheit gegeben, p, was hier Ttur flüchtig angedeutet werden M«, durch geordneten Mehrheitsbeschlust zum pchtz M erheben. Weiter besteht die groste Otefabr, W bie Aumahme oder Nichtausnal-me befrimmter Mundrechte nach parteipolitischen Gesichtspunkleu IMgt. Deshalb sind diese unS vorliegenden MMdttchte nach parteipolitischen Gesichtspunkten Nolqt. Tesl-alb sind diese unS vorliegenden Pcundrechte nicht ein weit in die Zukunft schauen k Werk, sondern ein Kompromiß zwischen den
em
IuerK
Pild v-
IIIIIIW
''in btn sg
.1. Der Familienzuschuß (früher durchschnittlich 900 Mk^> ist über die Regierungsvorlage von 1800 Mk. auf 2000 Mk. erhöht. Damit ist im wesentlichen der preußische und Reichssatz der laufenden DeuerungSbechilfe-.i erreicht, und dem Wunsche und Verlangen der Beamten- und Lehrer- fcftaft entsprochen. Dabei baben die preußischen Beamten noch vor den imfcrcn den Vorteil der ©teuer» freibeit für die Teuerungsbeihilsen voraus, einen Vorteil, den wir ihnen angesichts der allgemeinen Steuerpflicht nicht zugestehen. Der Ausschuß konnte aber auch höher gehen, als er ursprünglich ins Ange gefaßt hätte, da inzwischen in den benachbarten Staaten Baden und Württemberg erhebliche Aufbesserungen durchgeführt ober doch in Aussicht ge- 'nommen sind. Eine völlige Gleichstellung mit Preußen ist allerdings nicht erreicht, denn die Okbaltd«- sähe der einzelnen Beamtenklassen sind gegen uns llmd Preußen erheblich von einander verschieden, allein 'intfcrc Zulagen wirken insofern sozialer-, als bei tuns die unteren Beamimklassen in ihren Grundgehalten besser gestellt sind als in Preußen.
2. Die Kin der; n läge haben wir im Aus- ßchusse von 480 Mk. auf 500 Mk. erhöht, d i. ein toesenllicher Fortschritt gegenüber der früfto ren Kinderznlage von 250 Mk Für Vollivaisen sind
8?-^ sonder» A;' Terra»^, •
Herr v. Welser stellt eine Vorentschädigung in Aussicht.
Abg. Dr. Riester (D. Bp.) bemängelte in tisct Anfrage die geschmacklose Ausführung der
Eritmerungsmarken an die Nationalversammlung.
5ane Feststellungen über die neuen Marken er» tegen andauernde stürmische Hetterkeit in ganzen hause
Ein Vertreter des Reichspostmini- fteriums teilt dazu mit, daß auf die an alle taitfd)cn Künstler ergangene Einladimg zum Wettbewerb über 4000 Entwürfe, aus Münck>en allein Mcn 200, eingegangen feien. (Zahlreiche Zwi- ibmtuf^: Da muß auch etwas Vernünftiges dabei anvesen fein!) Das aus 15 Herren bestehende Üwisaericht habe als Sachverständige neun inftter aller Richtungen, Gaul, Ernst Moritz Wci>er, Walter Gropius, Artur 5kampf. Cäsar 'klein. Emil Orlik, Bruno Paul, Max Pechstein, Ochmlte im Hofe, aufgewiesen. Als Kunstsaiiwrr- ^iiiiibiger habe ihm der Direktor deS staatlichen ilupferstichkabinetts, Dr. Friedländer, angehört. 2ec muß abgesetzt werden! Große Heiterkeit.) Äußer dem markenkundigen Lindenburg unb zwei Postbeamten feien noch die Abgg. Heine, Nuschke vld Dr. Pfeiffer Mitglieder dcS Preisgerichts grroefen. (Langandauernde stürmische Heiterkeit.) ■tte beteiligten Künstler haben ausdrücklich ver- lutgt, dah keinesfalls andere als diese in Vorschlag sibrachtrn Marken ausgeführt würden. Die Mar- Im bleiben solange im Verkehr, bis neue Marken
Ersatz für bie Germaniareihe verausgabt wer- »der können. Dafür soll ein neues Ausschreiben (erfolgen. (Zuruf: Aber schnell! Große Heiterkeit.)
Hierauf wird die
Beratung brr Verfassung
wir im Ausschuß auf 700 Mk. gegangen.
3. Aus gleicher sozialer Fürsorge heraus, wie Kindern in erhöhten Zulagen bewiesen
forderlichen Betrag von etwa 3 Millionen Mark aus den Einnahmeergebinssen des JahrvS 1919 decken, denn die Einkünfte aus birettai Steuern und Holz sind erheblich bäber, äls sie der Haupt- voransckstag für 1919 vorgesehen hatte. Somit kairu wenigstens für das EtatSirhr 1919 der für die Teuerungszulagen erforderliche Betvag «ruS biu» senden Mitteln des Jahres 1919 gedeckt werden. Wir blechen damit auf der Bahn solider kFmonzgebarnng, indem wir lausende Ausgaben auS lausenden Mitteln des Etatsjalwcs decken. Damit ergibt sich aber auch, daß mir die Teu- enmgszulage auf das Ende des Etatsjabres zcit^ lich beschränken ntllffen: d«s gefdyielyt durch die Vorsehung, haft diese Besttmmungen bis zum 31. März 1920 in Kraft zu treten haben. Für die andere Zeit muft weitere Vorsorge getroffen werden. Darnit ist aber auch die rückwirkendo Kraft der Bestimmungen für eine Zeit vor dem 1. April 1919 ausgeschlossen; c* geht nicht an, auf das am 1. April abgeschlossene Etatsjahr hinüberzugreifen, und den: Gesetz rückwirkende Kraft vvm 1. Januar 1919 zu geben.
Finanzminister Henrich spricht dem Aus- schais; für feine Arbeiten den Dank der Regierung luitb den Beamten aus. Man hat sich auf den Antrag Reiber Und Loos geeimgt. Die finanzpoli- tifeben Bedenken der Regierung wurden dadurch beseitigt, daß die Gülttgkeit der Zulagen auf das tstochnungsjahr eingeschränkt find. Die Ausführun- lgen des Ministers decken sich im übrij^en im ivesentlichen mit den Ausführungen des Ausschuß^ berichterstatters.
l Die Tauernngsvorlage wird ohne weitere Aussprache einsttnnnig angenommen.
Tas Haus tritt sodann in die
Allgemeine Aussprache über daS Laudgcsetz.
.&a, ich will", sagte Ragna einfach unb reichte ihm die weiche Hand herüber, die er ehrfurchtsvoll einen Moment — wohl länger als nötig war — an seine Lippen zog.
Ein Leuchten flog habet über seine eckigen, fast groben Züge, so daß sie wie unterlieft verklärt erschienen. In den großen, blauen Augen glomm ein loarmrr Strahl, und in dem großen, blonden Bart, der ihm lang auf die Brust herabwallte, tanzten ebenso neckende Sonnenlichter, wie auf Ragttas Goldhaar.
„Onkel Anvc, du mußt die Blumenkette tragen." sagte Fränze, ihm daS Gewinde jubelnd um den Hals hängend, „und du den ö?ranz, Ragna^' fügte Aenne jauchzend hinzu, die frischen Seerosen in RagnaS blonde Locken drückend. „O, wie schön, wie seid Ihr schön," jubelten bie Kinder. Ta flog ein Lächeln über beider Züge, unb lächelnd schauten sie sich in die Augen. Ter Som- merwind strich leise über die stille, blaue Havel, und die ernsten Fichten nnd Tannen am Ufer neigten sich leise, die jungen Menschenkinder, die so anscheinend glückselig, blumengeschmückt im Boot dahinzogen, zu grüben.
Ragna merkte kaum etwas von der Verstimmung der Frau Professor, sie sah auch nicht die sttahlenden Augen des Referendars Below, nicht das verschmitzte Lachen TagmarS und das süß verschämte, glückselige, träumerische Lächeln Gun- hilds, sic ging nur still versonnen unb verträumt an Arne LorcnzenS Seite von Schilbhorn zurück nach der Bahnstation, burd> die stille Heide, an jeder Hand ein Kind führend, wie es ihre Pflicht :var. Tie Sowie sank tiefer unb tiefer, aber in ihrem Herzen stieg eine anbere Sonne auf. licht, klar unb rosig. Alle Sorge gab sie den Äindcu ES mußte fort aus ihrem Herzen, daS graue
Finanzminister H enrich: Seit der ersten De- ratting deS Landgesetzes hat unterhalb und außerhalb deS Hauses eine lebhafte Aussprache über oas Lanbgesctz eingesetzt. Im Ausschuß ist eine volle Verständigung erzielt nwrden, da sich die Regierung von vornherein nicht auf Einzelheiten fest- legte. Im großen und ganzen ist die Regieruuas« Vorlage angenommen worden. Größere Anträge sind nur von den Sozialdemokraten gestellt worden, von der Rechten hat nur der Abgg. Dorsch unwesentliche Anträge geflellt. Im schroffen Gegen sah zu dieser Beltandlung im Parlament stand di- beispiellose Agitation, um keinen ftärfcreu Ausdruck zu gevrauck»en, gelten.daS Landgesetz, du- von der Hess. Volkspartei im Laude betrieben mürbe, und die den Zweifel mtjkoutmen läßt, ob sie noch im Zutcresfe der .Weinbauern liegt Der Minister erörtert die Gründe, iDarum das Landgesetz eingebrachl laurbc unb warum Fibeikgmmiftgefetz zurückgestellt wirb. Zit Nibda wurde behauptet, die demokrattschen Minister wollen das Fideilommißm'setz nicht mehr cinbringeu, weil zu ihrer Partei ein Prinz gehört. (Heiterkeit ) Das Reichssieblungsgeseß wäre für unter Land wirkungslos, da der gesamte liessische Osroßgrunbbcsitz nicht unter die Betttmmungen des Reickr>siedlnngs- gesctzeS fallen würde. Wir Ixtlvn uns übrigens in Berlin verlässigt, daß unser eigenes Landgesetz von Reichs menen zulässig ist. Die Hetze gegen das Landgesetz wurde bis in die letzte Zeit fortgesetzt, aud) nadfbcni bct'mmt war, daß alle irgatbivie anstößigen Bestimmungen al»gcänbert waren, e. wurde weiter behauptet, daß das Bauernland sozialisiert werden solle, während gerade bn- Gegenteil der Fall ist. Der Rürncr wendet sich gegen eine Verdrehung feiner Worte. Ich stehe seit Iahreir auf dem (hcsichtspnnkt der Boden resorm, die keineswegs bas Eigenttim an Grund und Boden aufgehoben selnm will. Sachliclte Kritik märe rutS sehr lieb gewesen. Wir verstehen and' die agitatorische Ausnützung, um bie gelichteten Anhängerscharen mieber zu füllen, ober sie muß ihre Grenze an ber Wahrhafttgkeit I>abeu. Leidci haben fick) aud) Vertreter des Hauses daran br teiligt. Der Redner verliest ZeitungsmrSsdmittc über Versammlungsrebeu der Herren Dorsch, Fenchel unb Dehlinger. (Zurufe links imd Widersprird) rechts.) Feiner macht die „Wormser Seitung" des Freiherrn v. Hehl Opposition. Sie erklärt bat Antrag Bornemanu einfach als eine Regierungserklärung. Richt red)t verständlich ist der Einspruch des Herrn Dr. Becker in ber Nationalversammlung. Wirb ihm in ber Natton.il- Versammlung stattgegeben, (es wirb hatte beraten^ so wird unS die Moglidsteit genommen, bat Landhunger zu befriedigen. Den Antrag Bornemaun ans Enteigikung von Bauernland würdat mir anfS schärfste bekämpfen. Er hat nur Wasser auf die larlaufenden Mühlen der Rechtat geliefert. Tie Landlvirtsd^aftskammer hat wenigstrue den Versuch der sachlickfeu Kritik gemacht. Sie beklagt sich, baß sie nicht qcnügcnb gehört mürbe Wir haben ihre Sachverständigen stets gehört, obwohl wir uns bemuftt sind, daß bie Kamma durchaus nicht das 33ertrauen der gesamtat land- wirtschastlickien Kreise besitzt. Der Vorwurf, daß die Regtevung fid) von polittschen Gesicht-»punkten habe leiten lassen, geben mir auS Höflichkeit irid)l zurück. Der Minister bespricht im einzelnen die Abänderungen des Ausschusses (die wesentlickisten finb ja bereits in der Presse bekannt gegeben worben). Tas Gesetz, wie es vorliegt, ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit gerade für den Klein- bauernstaud. Wir wissen, daß sich nicht alle btt wettgehenden Landwünsche erfüllen lassen. ®tnf Mchtzustandekommen des Gesetzes würbe irf manchen Landesteilen zur Katastrophe führen. Ter Aussdptst hat fid) überzeugt, daß die Vollmachteit der Regierung nidjt entbehrt werden können. Durchs die Koittrollbesttmmungen ist ihnen bas Bedeitl- lidie genommen.
dlbg. Feldmann (Dem.): Als rlyeinftcffb' f!d>cr Landwirt gebe ich dem Gesetz sehr gern meine Zustimmung, damit unsere Kollegen in Oberhessen ttnd Starkenburg das erhalten, tvas wir bereits seit 100 Zähren haben und tvas faft bort bewährt ljat. Wir sind bereit, bei ber Spezialdelxttte 3verbcffe- Nlngsvorsd!l,äl)e anzunehmen. Das Landgrsttz wird die Möglichkeit geben, die Landwirte aivässig zu mad>en. Bei uns in Rheinhessen kommt bie Vorlage kaum in Bettacht, umso unverständlicher ist bü maßlose Hetze gerabe in Rlieinliessen, besonders unter deut ^Gesichtspunkte der pottlisdien Lage. Auch mir sind für den Zusmnmerrsdstuft der Landwirte aus Hrnpolitischer, geiwssenschaftlid)er Olrunblagv. Die Bauernschaft wird sich nicht von dem Großgnmd- bcsitz einfangen lasien.
Abg. Brauer (H. B.): Ick) habe für meine Person nie agitatorisch gewirkt. Ich habe öffcntlfd) erklärt, ber derzeitige)! Regierung solche Vollmachten zu geben, aber wir wissen incht, wnS für eine Regierung sie ablösen wird. Auch hab»' id) offen Zugegeben, daß beredstigten Forderungen ber Bodenreform nachgegeben werden NLuft, aber daß
AL
datteianschMlungen, ein interfraktionelles '43arttprogramm mit allen Schwächen und Unklarheiten. (<sehr richtig!) 92ad>bcni aber nun einmal im Regienmgsenttourf Grundrechte enthalten waren, war eS schwer, ganz ohne sie auSzu- lommot.
ReichSkommissar Tr Preuß: Die ReichS- regienmg nimmt jedenfalls allen Airre,7unaen auf Erweiterung ber Grundrechte gegenüber eine ablehnende Stellung ein. Wenn es nicht möglich sein sollte, fid) furjerftanö mit gegenseitiger Bescheidung über die Grundrechte zu verständigen, so möckste ich Ihnen im Interesse der ftoften Ausgabe, bie dieser Versammlung den Namen gegeben bat, dringend an Heimgeben, den konstruktiven Teil dieies Entwurfes in dritter Lesung zu rwrabsdiieden und bie Grunbrechte zunächst zurückzustellen. Lassen oic sich warnen durch daS Beispiel der Frankfurter Poulsttrche. (Beifall.)
Abg. Tr. Be perle (Ztr.): Zd) möchte die Grundrechte in der Verfassimg nicht missen: sie müssen als widstige Grnndla.n.' der Erziehung imseres Volkes zum stoatsbürgerlidien Leben erhalten bleiben. (Lebhafter Beifall im Zentrum.)
Abg. Dr. Quarck (Soz.): Der- Abgeordnete Beperle hat sich um die Grundrechte zweifellos verdient gemacht, zu einer tiefgehenden erziehe- rifdjen Wirkung ist aber ein einbeitlidKd Ganzes notwendig. Der vorliegende Entwurf der Grnnd- red)te macht aber einen uneinheitlichen Eindruck. Er crfdycint mir, verzeihen Sie den harten Aus-- druck, als salatähnliche Komposition. Wir sckstießen uns dem Vorschläge des Herrn Regierungskommissars Dr. Preuß an. (Beifall bei den Sozialdemokraten.)
Abg. Dr. Cohn (llnabft.): Die hier gebotenen OJmunbrecfttc sind eigentlich die von 1848. Ein so schal gewordenes Gericht mundet nicht. Man hätte uns weniger geben sollen, das Wenige müßte aber in Wahrhaftigkeit anjumenben sein.
Abg. Haußmann (Dem.) beantragt, die Verhandlung abzubreckten. Eine von der Recksten gegebene Anregmlg sei von der Reichsvegierung wohlwollend angenommen worden und die größte Partei habe sie beinahe in einen Antrag verwandelt. Damit fei für die einzelnen Parteien eine neue Lage gefdjaffen, zu der sie Stellung nehmen müßten.
DaS Haus beschließt demgemäß.
Schluß: 12.20 Uhr.
Nächste Sitzung: Samstag 9.30 Uhr. Berichte der GeschästsordmrngS- und der Wahlprüfnngs- kommission, erste und zweite Beratung des Gesetzes über die Anrechnung der Militärdienstzeit, dritte Beratung des Reichssiebelimgsgesetzes und Heine Vorlagen.
| „Nein, Sie stehen nur am falschen Platze. Es Wtörichl von Ihnen, zu glauben, daß Sie, wie so Wie Mädchen, nur im Haus und ber Familie Mn Fähigkeiten betätigen können. Ter Augenblick M es mir gezeigt, wo Sie hmgehören, als man T>- neulich den armen überfahrenen Jungen mit Mwchcnen Beinen ins Haus brachte. Da standen ®-, Sie mir helfend zur Seite und Ihre Assistenz Mder Anlegung der Verbände roar mir die wirk Kpfc Hilfe, die mir je geworden. Warum quälen
^ch unnütz ab mit dem kleinlichen Treiben M meines Bruders Haufe, warum werfen Sie ÄJJt- kühn wie einst alle Vorurteile ab und gehen EWn, tooftin Ihr Herz Sie treibt, warum stu- Mkrn, Sie nicht, sich und Ihren Mitschwestern Glm Segen?"
iRagna hatte die dunkelbewimperten Augen tief W^nkt. Aus ihrem Blondhaar spielte die Sonne ,F- goldenen Lichtern.
m. "Weil id? noch lernen muft," gab sie mit fast EM?«’ Stimme zurück. „Mit tausend Wünschen Mw .Wffnungen zog ich aus, leidst dachte id) es G'-, «rudere zu leben, für andere zu fdjaffen lin^ fröhlichem Willen und ganzem, tt Maisem und vollem Herzerr. Ich mußte nur zu ■ u° "wehen, baft id) meine Kemttnisse und Fähig I überschätzt, da all mein Wissen, mit dem l H’-7" Salons glänzen würde und könnte, im
I 11 "^ben Stückwerk ist, daß die nwderne i ^dcherrerziehung, die nur alles halb, aber nicksts k w lernen läftt, rricht ein Fortschritt auf der
ckn«rde, soll treu Witwen eine Beidttse von 70c) Mk. tzuflreßen anstatt der rvgierringsseittg vorgeschlage- nen von 500 Mk.; dies auch oamr, wenn die Witirie ^rnen eigenen Haushalt führt. Daß »Vindern von DoamtOi. und Lehrerwttwen der Zuschuß von 50t) Mark zugewendet wird, und hier keine Kürzimg an tritt, rst nicht Wetter zu bcgrünbai.
4. Den unverheirateten Beamten, Veh- rern und Lehrerinnen find 80 Proz. des Familien- ^usdmsseS zugesprochen, während die Regierung für )ic mir 70 Prozent borgcfcl)cu hatte. Damit soll deiven, die ihren Lebensunterhalt in Gasthäusern suchen Müsjeu, entspred^.md den dort erl)eblich gc- ftiogxmcit Preisen geholfen werden.
5. Den imRuhestandbefindlichen Beamten usw. ist eine mcfentlidjc Aufbessernim von 600 mbf 1200 Mk. bereits durch die Regierunas-' Vorlage geworden. Wir sind einem alten Wunsdie der Penswnäre baburd) entgegen gekommen, daß die Zabttrng dieser Teu.erungszUlage nickst mehr auf An fordern, sondern von selbst geschieht.
ES find in der Tat für unseren Staat riesige Summen, die diese Fürsorge für die Beautten erfordern. Sckion die Regierungsvorlage hatte einen Bedarf von 20 249 000 Mk. vorgesehen, von welckien für 1919 bewilligt sind 10 250000 Mark, es bleiben also noch aufjubringen rund 10 000 000 Mk.
Tiefe will die Regierung durch eine E t -• höhnngder Einkommensteuer von 127 aus 18 0 Prozent und der Vermögenssteuer von 1 Markaus 1.20 Mark für je 1 0 0 0 Mark aufbringen. Eine andere Möglid^- teit, diesen Bedarf zu decken, als durck) Steuer- erhölnrng, ist nickst gegeben. Mnbcrc Mittel stellen unS nicht mehr zur Vcrßigimg, die Restefonds sind erschöpft. Terartige lausende Ausgaben dürfen aber grundsätzlich nur ans lausenden Einnahmen, nickst etwa mis Anleihen gedeckt luertxn.
Gespenst, denn sie hatte ja ehten Freund gelovn* non, einen Freund fürs Leben.
Tie Tannen dufteten, unb die Blumen in dew übigen Moose schlossen sdstveratincnd ihre Kelckse, Ter Tag neigte sich settiem Ende. ~ ---
Am späten Abend, als Ragna ihr beschcide,tes Stübckxn aufsuchte, fand sie zu ihrer groften Hebet- raschnng einen dicken Brief an ihrem Heinen Nähtisch liegen, der die groben, ungeleitfigcn Schriftzüge der allen Ehaja trug.
„Tas erste Lebenszeichen aud der Heimat, nach langen, bangen Monaten des Wartens!"
Ragna griff begierig danach. Mit bebenden Fingen: öffnete sie dm Umschlag. Zwei Briese fielen ihr daraus entgegen. Ter eine Ivar von ürn-i Wärterin und dec andere — von ihrem Herzens- liebling Sigrid.
schluchzte laut auf imb preßte de» Snef, ber einem dicken Manuskript glich, leiben- schaftttch an ihre Lippen.
Sigrids Scftreiben lautete:
Meine geliebte, süße, närrische Schwester!
Gwftinama hat es erlaubt, daß ich Dir schreibe. Glaube doch, bitte, nicht, baft es mein Wille war, Dir aus Deine lieben Briese nicht zu anluunsten, aber Großmama sagte: Wenn Tu uns nicht einmal leinen Aufenthalt angibst, so brauchten wir Dir auch keine Briefe zu schreiben. Die Vermittelung der alten Ehaja anzunehmen, wäre imfer unwürdig. Sonst hat Großmama überhaupt nickst mehr von Tir gesprochen, weisst Du, gerade als ob Tu gestorben wärst. Doch nein, an die Verstorbenen denkt man doch, wie ich zuweilen an btr guten Papa.
(Fortsetzung folgt)
liefen sofort Pb'?*<>mmerL __dleichsttatz« ll
Zigarren-Band Steuer vor 4er Zigarren x Tabaken m ?l n das Stück.|M;
Pro besendg. nach Pn unt. Nachnahme fnd Albert Suh Hamberg 11 Grindel-Allee 17
deutsch« Nationalversammlung.
Weimar, 11. Juli.
Eine Reihe kleiner Anfragen wird zunächst
Beidt (D.-Nat.) wiederholt die <ttn 1 Juli nicht beantwortete Anfrage über den Überfall auf den Ka^itänleutnant von üücke während eines Sdstilervorttages in 'Frank- stlrt a M.
Negierungsvertreter Frhr. v. Welser bestätigt die in der Anfrage mitgcteilten Tatsachen. Die preußische Negierung soll ersucht werden, für bessere Sicku'rheit der Personen in Frankfurt a. M. Sorge zu tragen.
Eine Anfrage deS Dbg. Dr. Becker (D. Vp.) lenkt die Airfmerksamkeit auf die Notlage der in den mfolge des Friedens Vertrages von Deutschland ciuctrvuittcii Gebieten stellungslos werdenden Ae i chs bea m te n.
Negierungsvertreter Frhr. v. Welser sagt u, daß die Regierung nicht nur der vorübergehen- btn Not steuern würde, sondern den betreffenden .^ichsbeamten auch wieder Stcllnngen verschaffen nill.
Eine Anfrage des Älbg. Dr. Becker (D. Vp.) itgt gesetzlickte Maßnahmen zur Entschädigung von Patentinhabern an, die Verluste erlitten


