Ausgabe 
10.9.1919
 
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llr. 2U Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für lvverhessen) Mittwoch, \o. September Wg

Datum

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Höchste Temperatur am 9.9.

Niedrigste

9.9.

, Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft tätigen

in der Bahnhof- I Handlungsgehilfen, Bureauangestellten, sowie für c Henny-Porten-»bic m der Sozial- und Privatversicherung, bei Be-

kNachdrnck verboten.)

Fortsetzung 3.

Gott erhalte dir dein Glück, mein Kind!" i bat drin Niemand als Modesta hrtte tn dem Trubel, I zusagte.'

44

77

tags leicht bedeckt nachts Nebel

Letzte Nachrichten.

Zentralverband der Angestellten.

nm. abds. vm.

Emmtz .

Ihr schmales, weißes Mädchengesicht, das wie ein Schneeglöckchen unter der Flut goldbrauner Haares" hervorschimmerte, hatte sich tiflf auf die

Nein, es wäre gnxntfont und brutal gckwesm, setzt von Vernunft zu sprechen. Und ging denn nicht alles . . wenn man sich nur lieb hatte? Hatte sie selbst es einst anders gemacht?

Sie streichelte zärtlich Lottens heiße Backen.

Das Glück der andern

Original-Roman von Erich Eben st-ein. Copyright 1916 by Greiner & Comp., Berlin W 30.

Ja! Wie du neulich M amas Geburtstags- tuch so reizend hergerichtet und auch bei Tante Berta schon öfters aus Gefälligkeit für mich die Ta^el decktest, wenn große Gesellschaft dort war. und daß dann alle Tamen immer ganz weg waren vor Entzücken über dein Talent . . . kurz, ni bekam endlich den Begriff, daß nur du ihr set-t aus der Verlegenheit helfen könntest, und bat dringend um deine Hilfe, die ich ihr denn auch

. (Fortsetzung Polats

24.0

15.9

10.0

9.9.

9. 9.

10. 9.

9.8

10.4

24.3°, 10. 9. = 15.4°.

8.5°, 10. 9. --- 8.9°.

Hörden und Recklsanwätten beschäftigten Angestell ten geschaffen. o.er Verband steht beschlustgemäst aur dem Boden strengster parteipoliti- Nis e r N e u t r a l i t ät und ist mir über 350000 Mitgliedern der größte Angestelltenvcrband der Welt

Deutsche Schiffe.

Ä m st e r d a m , 9. Sept. (WTB.) Aus Lloyds neuem Register ist ersichtlich, daß 16 große deutsche Ozeandampfer von dem ameri- koniichen Schiftahrtsamt, 9 vom britischen Sckiff- sahrtskontrollenr, 6 von Italien, 2 von Brasilien lmc> einer von Chile verwaltet werben. Tie van Amerika übernommenen Sckstffe erhielten andere Namen, was darauf schließen läßt, daß sie als am.rikanische Schiffe angesehen werden. Darunter befinden sich:Vaterland",Kaiser Wilhelm II.", Kronprinzessin Cäcilie" undAmerika".

Der Anschlag auf den ägyptischen Ministerpräsidenten.

Amsterdam, 10. Sept. (WTB.) Tie Times" meldet aus Kairo, daß der Mann, der den Anschlag auf den ägyptischen Ministerpräsi- deuten verübte, 14 Mitschuldige angegeben habt, vvn Venen drei in Haft seien. Bei der Unterjuchung seren in einem Hause noch zwei Bomben gefundm worden.

Haase über die politische Lage.

Berlin, 10. Sept. (WTB.- In der ge­strigen Nachmittagssitzung der Reichskonferenz der unabhängig.'!! Sozialdemokraten führte Haase lautFreiheit" zum ThemaTie politische Lag^>" : Tie Regierung, die sich nur mit Hüte des Belagerungszustandes an der Macht er­halten kann, behauptet zwar, die vollendetste De­mokratie zu repräsentieren. Es handelt sich aber nur um eine verkappte Diktatur der l-errschenden Klasse. Im Proletariat sei eine gewisse Gleich­gültigkeit eingetreten. Tie Kommunisten hätten recht, locntvjie von einem Abflauen der vevo- lutionäreu Stimmung sprechen. Tie starke wirt­schaftliche Not könne zwar zu einer verstärkten Revolutinrs-Chance führen. Man müsse aber auch mit einer längeren Tauer des jetzigen Zustand?- rechnen. Taher dürfe die Partei die parlamen- tarischic. Wirksamkeit nicht aus der Hand geben und die Wahlen keinesivegs boykottieren. Solange die tetzige Gesellschaft bestehe, müsse man durch Mit­arbeit in den Parlamenten für das Proletariat möglichst günstige Kampfbedingungen zu schaffen suchen. Was die Beteiligung an der Regierung an­langt, so sei für die Partei auf dem Boden der jetzigen Verfassung an eine Mitarbeit an der Reichsregierung nickst zu denken. Einer möglichen Aufforderung der Rechtssozialisten zur Beteiligung an der Regierung gegenüber könne es sich unter Umständen empfehlen, ihnen Bedingungen zu stel­len, d. h. ihnen das volle Parteiprogramm zur Annahme zu unterbreiten. Das sei aber nur eine Form frage, da die Ablehnung von vornherein fest- siehe. Ausgabe der Partei müsse es sein, das revolutionäre Bewußtsein zu.stärken und die Lage im Interesse des revolutionären Zieles auszu nützen.

Ein eigentümlicher Politiker.

Berlin, 10. Sept. Wie die Morgenblättzrr melden, ist wegen schweren Einbruchsdieb­stahls der ehemalige Vorsitzende des Arbeiter- Rotes in Schiefelbein, Gerhard Bugs, zu 1 Jahr 3 M-onaten Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt worden und 'wegen Fluchtverdachts so fort verhaftet. Er war Führer der Unabhängigen Sozialdemokratie und neuerdings zu den Kommu­nisten übergegangen.

Ein Manifest Dewets.

Amsterdam, 10. Sept.H(WTB.) -.Daily Telegraph" meldet aus Kapstadt, General Dewet habe durch Vermittlung des maximalistifchen Or­gansVolksblad" in Bboemfontain ein M a n i - fe st veröffentlicht. Er wolle über die u n g eje tz - liche Eroberung von Deutscb-Sud- west- und Ostafrika nicht länger schweigen. Er müsse jetzt, da Botha tot sei, zu seinem Leid­wesen mit der nackten Wahrheit hervortreten. Tie wirkliche Ursache für den Aufstand im Jahre 1914, an dem er test genommen habe, sei ein ungerecht fertigtcr Angriff auf das deutsche Gebiet gewesen. Er beabsichtige deshalb, eindringlich au das Volk Südafrikas zu appellieren. Es möge die Mgierung zwingen, die Kolonien ihren rechtmäßigen Eigen­tümern zurückzugeben. Er würde das nicht gesagt haben, wenn die von Botha und Shmuts sofort nach ihrer Rückkehr aus Europa verkündete Am­nestie noch nicht durchgeführt worden wäre. De­wet erklärte öffentlich, er werde, obwohl inter niert, die Regierung nicht noch einmal um Er­laubnis fragen, wann er seinen Distrikt zu ver­lassen wünsche.

Die R e i ch s v e r e i n i g u n g e h e m a l i- gerKricg^gefangener, Ortsgruppe Gießen, Mackst nochnrals alle Ausgetauschten auf die am 11 d. Mts. stattfrndende Versammlung im Hotel Felsenkeller, Bahnhofstraße, aufmerksam. In der Versammlung soll besprochen werden, toefcye Am Mücke einem ehemaligen Kriegsgefangenen von Staatsivegen zustehen.

.** Im Lichtspielhaus i..

strafje 34 geht zur Zeit ein neuer Henny-Portew

.^ck denke, du hättest die Annehmlichkeiten dieser aussichtslosen Warterei nun schon zur Ge­nüge genossen! Warna soll lieber beizeiten ein Machtwort sprechen. Es wäre ja zu albern, wenn Lotte deinem Beispiel folgte. Wir sind doch alle Mer.hübsch genug, um gute Partien zu machen, mstatt solcher i^tielheiraten! Nur muß mau bei- *?J?'_n klug sein. Arme Mädchen haben nur ihre ockonheit als Kapital, das darf man doch nicht verschleudern! Es ist der einzige Weg für unser- cmen, sich Geltung in der Welt zu verschäften." Niemand antwortete darauf. Tie Mütter war m ocachdenkm versunken. Man schweigend Derartige Auffassungen Evelyns waren nichts Neues.

Plötzlich legt? Modesta Messer und Gabel bei» mte und sagte erregt:Nein, das ist nicht wahr! 4.as wäre ja schmählich!"

,/Was denn?" st agte Cvelyn, sie belustigt von der Sette antehmd. Was bringt dich denn so m Harnisch, Kl-eme?"

*-r sollen als unser biß-

chcn L>a>onhkNt . . . Tag wir nur warten müssen aus eme Heirat.' a.as kannst du doch selbst nickt glauben?!"

Aa haben wir denn etwa sonst noch etwas?"

Weimar, 9. Sept. (WTB.) Die zwischen dem Verband der Handlungsgehilfen und dem Ver- band.der deutschen Versickerungsbeamten geführ­ten Verhandlungen führten auf der Tagung am 8. und 9. September in Weimar zu der Vereini- gimg zum Zentralverband der An ge­lt e l l t e n. Somit ist die freigewerkschastliche Ein- heltsorganisation für all« im Handel, Vertehr,

Traußen läutete es. Emmy eilte hinaus. Man hörte Flüstern im Flur, dann einen Ausruf Em­mys, und jetzt wurde die Tür ungestüm aufge- rrssen.

Lotte, das dunkle lockige Haar etwas zerzaust, die blauen Augen voll strahlenden Glanzes, stürmte herein und warf sich der bestürzten Mutter direkt an die Brust.

Nicht böse sein, Mammh," stammelte sie atemlos,ich konnte nicht früher kommen. Bertie ließ mich nicht fort . . O, Mammy, ich bin so namenlos, so ioahnsmnig glücklich! Wir haben uns verlobt. . und morgen kommt Bertie dir!"

Frau Losenstein stand stumm da. Also war es bereits geschehen . . . auch diese Tochter hatte gewäh-lt!

Lotte drückte und küßte die Mutter wie närrisch.

Ich hab ihn so lieb! Er ist der beste, ge­scheiteste und schönste Mann der Welt, Mammy! Heute will er es noch seiner Mutter sagen, obwohl K. «s gewiß schon ahnt . . . Freust du dich mit mtc VtJ®1'* b11 denn nicht auch glücklich, Mammy?"

Was sollte die Mutter sagen? Sie blickte in das strahlende junge Gesicht der Tochter, und

rws, was trotz Sorgen und Kummer nie in ttzr gestorben war die Erinnerung an eigenes Glück, der Glaube an das Göttliche solch einer ersten hertzen Liebe machten sie weich.

d... Lottens stürmischer Bericht begleitete, auf ein l-ises Klopfen an der Wand> geachtet.

Sie eilte unbeachtet hinaus. Tiefes .Klvpftn an der Wand war ein Zeichen, daß Äist>a Sattler noch^mit. ihr sprechen wollte.

Tie Freundin stand auch bereits wartend am Flur.

Liebste, beste Modesta, ich habe eine furcht bar große Bitte an dich! Ich hatte heute Stund bei den Kammelsbergschen Kindern du weißt, mein vornehmstes, bestbezahltes Haus dort habe ick beute etwas für dich versprochen, das du nun mir zuliebe halten mußt!"

Ich?" sagte Modesta sehr betroffen.Was könnte ich bei deir mir ganz fremden Kammels bergs . . ."

,,Tie Baronin gibt morgen ihr letztes Feit in.dieser Saison und war heute ganz außer sich, weil Monsieur Francois, der Dafeldecker, der bei all diesen Herrsckjaften das Tafelarrangemeitt über­nimmt, plötzlich, erkrankt ist. Sie behauptete, nun zrewiß vor ihren Gästen blamiert zu sein, denn tlr- Leute verständen es nicht, die Tafel dick herzurichten, und Francois habe immer so nette Inen gehabt. Ta habe). ihr von dir erzählt.. "

Hilda?!" Modesta wich förmlich entsetzt zurück.

2lu$ Stadt und Land.

Gießen, den 10. Sept. 1919.

** Das deutsche Binnenfunkennetz. Mit der Eröffnung der Leipziger Messe wird ein funken telegraphischer Schnellver- k e h r zwischen Leipzig Telegrapbenamt und Ber­lin HauptteleiTraphenamt vom Reichspostministe­rium eingerichtet. Dadurch erfährt das im Bau begriffene deutsche Biitnenfunkennetz innen willkom­menen Zuwachs. Oesfentliche Funkstellen, die un­mittelbar mit Berlin verkebren können, finb außer­dem in Hamburg, Königsberg (Pr.), Leipzig, Han­nover, Frankfurt (Main), Darmstadt und Dortmund geschaffen worden. Die Arbeiten für die Errichtmrg weiterer Funkstellen in Breslau, 51on- stmiz, Stettin und Braunschweig beftnden sich im Gange. Für den internen deutschen Luft.schiff- v e r k e h r ist eine besondere Linie BerlinFried­richshafen errichtet worden. Außerdem waren bis­her für die Zwecke der Nationalversammlung zwei Verbitrdungen mit Schnellverkehr zwischen Berlin im?d Weimar in Tätigkeit. Um den Verkehr mit allen^diesen Funkstellen bewältigen zu können, sind die Funkeinrichtung-en beim Haupttelegraphenamt in Berlin erheblich erweitert worden. Ueber Ber­lin erhalten die Funkstellen des Reiches Anschluß an die Großstationen für den beftebenben inter­nationalen Verkehr.

** Tie Telegravhenleitungen, be­sonders diejenigen zur Verbindung der großen Städte, sind noch immer dauernd überlastet, so daß nn" größeren Verzögerungen in der Beförderung der Telegramme gerechnet werden muß. Unter den gegemvärtrgen Verhältnissen Mmtgel an Appa­raten, an Baustoffen usw. zur .Herstellung neuer Verbindungen kann eine Besserung nur all­mählich herbeigeführt werden. Es entpfiehlt sich daher, in minder wichtigen und nickt eiligen Fällen (Begkückwüntchungen und bergt.) vom Telegraph«! nicht Gebrauch zu mochpn, besonders wichtige Tele­gramme aber alsdringend" aufzugeben. Der Brauch, möglichst unmittelbar nach der Aufgabe eines Telegramms eine Abschrift als Brief mit der Poft an dem Empfänger äbzusenden, ist gegenwärtig besonders am Platze. '

Ja! Viel! . . Mödestos Augen, die noch dunkler und samtartiger waren als die Evelyns, nahmen einen verträumten Ausdruck an.All da-;', »aares yervo was in ims liegt ... Tie Seele erst bestimmt | Brust gesenkt.

Der Viehbestand der Deutschen Reicher.

Ti: vorläuftgen Ergebnisse der Zählung von Rindern, Schweinen und Schafen am 2. Juni 1919 bat ergeben bei den Rindern den Bestand von 16 798 815 Stück, davon entfallen auf Kälber unter 3 Monate 2116 920, Jungvieh 4 843 865, Bullen, Stiere und Ochsen 994187, Kühe, auch Färsen und Kalbinnetr 8 843 843, Milchkühe 7 850 298, Rinder über 3 Monate im ganzen 14 681895.

Tiefe Zahlen beziehen sich auf die Ergebnisse der Zahlung im Reich mit Ausnahme der Provinz .Posen, der Bayerischen Pfalz und Elsaß-Lothrin- gms. Em Vergleich mit der Zählung vom 1 März 1919 zeigt, daß die Zahl der Kälber unter 3 Mo­naten in den gleichen Zählbezirken um 28,2 Proz. ff-meaert rft, und daß der Bestand an Jungvieh Don 3 Monaten bis 2 Jahren eine Verringerung von 3,1 Pvoz. erfahren hat. Auch die Zahl der Brülen, Strere und Ochsen hat sich vermindert, je­doch nur um 0,1 Pvoz. Tie Zahl der Kühe, Färsen und Kalbinnen hat sich, wenn auch un­bedeutend, nämlich um 0,03 Pvoz., vermehrt Die dabei eingezählten Milchkühe zeigen eine Zunahme von 1,9 Pvoz. Tie für die Fleischversorgung in Betracht kommenden Rinder über 3 Monate haben rm ganzen um 1 Proz. ab genommen: dahingegen t|t bei den Rindern überhaupt infolge der er^'b- llchw Zunahme der Kälber eine Zunahme von 1,9 Proz. festzustellen. Gegenüber der letzten Frie- denszählung am 1. Dezember 1913 finden wir bei den Kälbern unter 3 Monaten eine Zu- nabm« von 21,4 Pvoz., bei den übrigen 3 d r, t uh * :n eine Abnahme und zwar bei Jungvreh um 14,5, bei den Bullen, Stieren und Ochsen 29,4, bei den Kühen, Färsen und Kalbin- wen 14,6, bei den Rindern über 3 Monate 15,7

5tlm über die Leinwand, ein Lustspiel mit dem verheißungsvollen TitelTie beiden Gatten der Frau Ruth" von Heinrich Galeen. Henny Porten spielt mit dem ihr eigenen Charme die Rolle des Backfisches und ^der jungen Ehefrau. Ihr Partner ttt. Kurt Götz. Ferner bringt der gut zusammen- §e,teilte Sptelpla i einen Kriminal- und Dete.tir- Lchlagee in 4 Akten, betiteltExtrablatt, Fred Lorst ermordet". Ein Besuch dieses vorzüglichen Programms kann nur empfohlen werden.

Kreis Friedberg.

4- Bad-Nauheim, 9. Schrt. Ter Ver­bau d der Schuhmacher meist er für Hessen melt gestern unter dem Vorsitz von Schuhmacher- meiltet Weber (Darmstadt) im GasthausZur guten Quelle" seinen dritten Berbanostag ab, der von 150 Vertretern besucht war; besonders stark vertreten war der Bezirk Gießen, i'luf.der Tages­ordnung sbanden ivichtige Berufsfragei'.. Beson­deren Ani'lang fanden die Ausführungen von Öandwerkskammersyudikus Schöttler (Tarm- üadte, der sehr für die Selbständigkeit der kleinen Handwerker eintrat. Eine Sozialisierung auf diesem Gebiete bedeute den Untergang des Handwerks, das neben dem Bauernstand der älteste Berufsstand in unserem Volte sei. Eine lebhafte llussprache schloß sich an den Vortrag an, wobei auch die Lehrlings- und Fortbildungsschulfrage eingehend erörtert wurde. Die hiesige Schuhmackrer- innung hatte durch ihren Vorsitzenden, Schuh- machermeister Mink, bett auswärtigen Gästen nach den Verhandlungen nock) Gelegenheit zur Besichtigung des Bades geboten.

O Friedberg, 9. Sept. Tie hiesige Orts­gruppe der Teutschen demokratijchen .Partei ver- anitaltetc heute einen gut besuckften Gedacht- 111gabenb für Friedrich Naumann. Tie tief- <mwundene Gedächtnisrede war von passenden mu- ftkollschc.n Tarbietungen umrahmt. Tie gonze F^er nahm einen würdigen und schlichten Verlaus.

Kreis Wrtzlar.

rc.. ~ .^Mar' 0. S^t. Die Buderusschen ttnfenwerke haben wegen Kphlenmangel bern Hochofenbetrieb der Georgshütte bei Burg- io!ms und das Stahlwerk der hiesigen Sophien- Hütte stillgelegt. Die Arbeiter wurden vorerst nicht entlassen.

Lin erneuter valutafturz.

Der gestrige Montag hat eine erneute, erschreckende Erschütterung der Deut- s ch e u R e i ch s m a r k gebracht; bis auf 23.75 sank der Kurs in der Schweiz nach 25 ain Samstag. In Holland stellte sich die Notie­rung auf 11.45 nach 11.95 usw. Entsprechend der Entwertung der Mart im Ausland ist der Kurs für die maßgebenden fremden Wäh­rungen bei uns geradezu ins Phantastische ge­stiegen. So berechnet sich beispielsweise der Dollar bei uns zur Zett aus fast 24 Mart(!!), das Pfund Sterling auf beinahe 100 Mark. In Anbetracht dieser Verhältnisse ist es nur ein geringer Trost, daß neuerdings auch manche Valuten aus dem Lager der Entente anhaltend zur Schwäche neigen. (Frkf. Ztg.)

Vielleicht hängt der neue Sturz der Va­luta mit der von uns besprochenen Rede des französischen Finanzminifters Klotz zusam- !men, über die in der Köln. Ztg. folgende Be­merkungen gemacht werden:

Du sollst dem Ochsen, bet da drischt, das Maul nicht verbinden!" Herr Klotz hat in seiner Rede auch ausgeführt, daß Frankreich Deutschland behllflich sei müfte, seine Erzeugungskraft zu ent­falten, um die Schuld dann tatsächlich abtragen tzu können. Lassen wir die schwindelnde Höhe der von Klotz genannten Ziffern, was Nachprüfung ihrer Erfüllungsmöglichkeit anlangt, einmal ganz ruhig beiseite. Nehmen wir an, daß an eine tatsächlick>e Erfüllungsmöglichkeit überhaupt nicht gedacht wurde, sondern daß nur der Zweck vorlag, gegen alle Absichten desAuskneifens" unswie eilt In­sekt zwischen den Fingerspitzen" zu batten, so ist oaß eine festzuhalten: dieBonität" Frankreichs hängt von unfern Zahlungsleistungen ab. Diese Leisrimgen haben aber auch unsre Erholung, be­sonders die Erholung unsrer Valuta zur Voraus­setzung. Genügt aber nickt schon der moralische Ein­druck, den die Ziffern des Herrn Klotz in der ganzen Welt Hervorrufen müssen, eine derartige Erholung imter einer normalen Entwicklung des durch den Friedensvertrag vorgesehenen geschichtlichen Ganges der Dinge als aussichtslos erscheinen zu lassen? Es bliebe also nur die Hoffnung auf eine doch kaum anders als katastrophal zu denkende Kor­rektur. Wahrlich eine ebensowenig tröfttiefre Aus­sicht, die sicher von jedem vernünftigen Deittsch.m angesichts unsrer tatsächlichen Erschöpfung, an­gesichts der Unfähigkeit, noch weitere Belastungs­proben dieser An auszuhalten, verworfen wird; eine Aussicht, durch die übrigens die ganze Welt aufs neue und noch stärker in fine Be­unruhigung versetzt würde, wie ilft doch durch? den Frieden ein Ende gemacht werden sollte! Denn am Tore eines derartigenAuswegs" stünde nichts anders ols der Bolschewismus, wenn auch viel­leicht tn einer andern Form als der, mit dem Ruß­land die Staatsmoral vergiftet hat.

doch unseren wahren Wert! Wäre es nur ein glatte^ Gesicht, bann . . dann wären wir ja nur Ware für den Meistbietenden! Wie schändlich zu denken, daß wir nur da sind für den Mann!" Halt, Kleine! Tu verdrehst die Dinge wieder einmal in deiner Ueberspanntheit. Nicht wir sivd für die Männer da, sondern sie für uns! Tas eben ist es, was Emmy und Lotte nicht begreifen können. Sie sollen verliebt sein, nicht wir! TanN können wir alles von ihnen verlangen, w«S wir wollen. Merke dir das beizeiten: Verliebe dich nicht kopflos, sondern heirate mit Verstand!"

Modesta fuhr entrüftet auf.

Heiraten, bloß um sich zu versorgen, ist einfach gemein!"

Bah, spiele nicht mit Worten, die du noch gar nicht verstehst. Es ist doch überall so auf der Welt. Oder willst du etwa eine alte Jungfer werden?"

Tausendmal lieber, als mich verkaufen ohne Stete! Und gerade du solltest nicht so. . ."

Du bist ein kleines Schaf. Warum sollst du dich nicht nachher auch inihn" verlieben? Nur mußt du ihn zuerst haben! Was wolltest du denn übrigens anfangen als alte Jungfer ge­rade du, die zu fchüchtern ist zur Lehrerin und keinerlei Talente hat? Meinst du, mit deinem Geschmack für Tischdecken und Blumenarrangieren könntest du dich einmal selbständig erhalten?"

Modesta schwieg beschämt. Es war ja wahr sie war p schrecklich schüchtern und hatte gar keine Talente. Nicht einmal für Kleidemähen, wie

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Wettervoraussage

für Donnerstag:

Morgens Nebel, wolkig bis beiter, meist trocken, Temperatur wenig geändert, Winde vorwiegend aus westlichen Richtungen.

und hft den Rindern insgesamt 12,4 Pvoz. Tie Zahl d:r Milchkühe, die in den Friedenszeiten letzt­mals ant- 2. Tezember 1912 festgestellt wurde, bat um 15,8 Proz. abgenoinrnen.

Die Zählung der Schweine hat am 2. Juni 1919 einen Gesamtbestand von 8 837 464 Stück ergeben. Davon entfallen auf Ferkel unter 8 Wochen 2 387 894, 8 Wochen bis ein halbes Jahr alte Schweine 3 889 793, int ganzen Schweine unter einem halben Jahr 6 277 677, ein halbes Zabr bis noch nicht ein Jahr alte Schweine 1524 640, ein Jahr und ältere Schweine 1 085 147.

Gegenüber den vorhergegangenen Zählungen vom 1. März 1919 hat die Zahl der Ferkel sich um 23/> Prozent vermehrt, die der 8 Wochen bis uock nicht ein halbes Jahr alten Schweine um 25,6, die der Schweine unter einem halben Jahr also um 24,8. Auch bei den Schweinen von einem halben bis noch nicht ein Jahr ist eine Zunahme von 37,3 Prozent und bei den ein Jahr und älteren Schweinen eine Zunahme von 17 Proz. festzustellen. Im ganzen hat die Zalst der Schweine eine Zunahme um 25,7 Prozent gehabt. Diese all­gemeine Zunahme findet ihre Erklärung in der alten Beobachtung, daß auf die im Winter ein­tretende Verringerung des Bestandes infolge der ^auSschlachtungen durch die Ausstellung junger ^ch-ocine im Sommer die Zahl dieser Tiere erheb­lich steigt. Gegenüber der letzten Friedenszählung am 1. Dezember 1913 bleibt das Ergebnis der Zählung bei den Schweinen von unter einem halben Jahr um 55,3, bei denen von einem halben Jahr bis noch nicht ein Jahr um 77,9, bei den ein Jahr alten und älteren um 58,8 und der gesamte Bestand an Schweinen um 62,3 Prozent zurück.

Die Zählung der Schafe hat einen Bestand von 6 423 036 Stück ergeben; das bedeutet gegen­über der Zählung vom Mär; eine Zunahme von 8,2 Prozent, gegenüber der Zählung vom 1. Juni 1918 um 4,5 Prozent. Bei der letzten Friedens­zählung cmt^l. Dezember 1913 betrug der gesamte Bestand an Schafen 23,5 Prozent weniger, die Zu­nahme ist also erheblich.

Die rtommunalwahlen.

. g. Rüddingshausen, 8. Sept. Bei der gestern hier abgehaltenen Beigeordneten-

tT to a b l machten 310 Stimmberechtigte von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Es entfielen auf den Kandidaten Heinrich Theis IV., Briefträger, 165 und auf den Kandidaten Heinrich Reitz II., Land­wirt, 141 Stimmen; 4 Stimmen waren ungültig. Somit ist Heinrich Theiß IV. als Beigeordneter gewählt.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.