Amtlicher Teil.
Detr.. Fannlieimnterstühungen.
An die Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Sie wollen nach vorherigem Benehmen mit dem Gemeinderechner binnen 3 Tagen berichten, wieviel Empfangsbescheinigungen für Reichs- und Kreisunterstühungen für das nächste Rechnungsjahr (19191 benötigt werden. Wir machen darauf aufmerk, sam, daß der Bedarf nicht schätzungsweise, sondern im Interesse der Papierersparnis so genau wie mög. lich angegeben werden muß.
Gießen, den 6. März 1919.
Kreisamt Gießen. J.B.: Weicker,
llr. 51 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (Vberhessen)
^Samstag, 8. März (W
Aus Stadt und Land.
Gießen, 8. März 1919.
Die Seminarien der Landes-Universität.
Die Bereitstellung ausreichender Räume für die Seminarien der Landes-Universität betrifft eine Regierungsvorlage an die Volkskammer. Die Dorlage weist auf die Wichtigkeit hin, die die Seminarien im Laufe der letzten 30 Jahre gewonnen Haden. In Gießen sind alle Seminarien auf engstem Raum im Dorlesungsgebäude untergebracht. Das deutsche, romanische und englische Seminar, drei große, selbständige Seminarien verfügen z. B. über einen einzigen Raum, in dem allenfalls 20 Studenten arbeiten können, während in dem letzten Friedensjahre 140 Teilnehmer eingeschrieben waren. Aehnliche Verhältnisse bestehen in den übrigen Seminarien. Dabei ist die Studentenzahl mit 340 in 1879 bis 1914 cuf 1432 angewachsen und ist jetzt noch erheblich vergrößert. Schließlich verlangt auch der Wettbewerb der neugegründeten Nachbar • Universität Frankfurt a. M. schleunige Aenderung.
Dem Uebelstand kann abgeholfen werden durch den Apkauf von zwei Häusern, die auf bac günstigste für den fraglichen Zweck gelegen sind. Das eine Haus, Ludwigstraße 19, liegt neben dem chemischen Institut in unmittelbarer Nahe des Dorlcsungs- qebdubes; das andere Grundstück, Bismarckstraße 16, stößt an das erstere Grundstück an und bildet die Ecke der Ludwig- und Bismarckstraße. Beide Grundstücke werden den Staatsbesitz in jener Gegend aus das Wertvollste abrunden.
Regierung und Universität sind sich wohl bewußt, daß in der Zeit der drohenden Wohnungsnot es nicht unbedenklich ist, zwei im Mittelpunkt der Stadt gelegene Häuser, in denen mehrere Familien Unterkunft gefunden haben, diesem ihrem Zweck zu -ntziehen. Aber der Kauf von Häusern ist die einzige Möglichkeit, durch bie der Raumnot der Landes- Universität augenblicklich abgeholfen werden kann Bei dieser Maßnahme handelt es sich für die Landes- Universität geradezu um ein Lebensbedürfnis.
In den beiden dreistöckigen Häusern können folgende Seminarien untergebracht werden:
Ludwigstraße 19: im Erdgeschoß das germanische und sprachwiffenschaftliche Seminar; im ersten Obergeschoß das romanische Seminar und das praktische Seminar für romanische Sprachen; im zweiten Obergeschoß das englische Seminar und das praktische Seminar für Englisch.
Haus Bismarckstraße 16: im Erdgeschoß das philosophische und das historische Seminar; im ersten Obergeschoß das theologische und das Seminar für Mathematik einschließlich Dersicherungs-Mathe- matik; im zweitenObergeschoß das klassisch-philologische Seminar und das Seminar für orientalische Sprachen; im Dachgeschoß Dienerwohnung und Magazine.
Durch die -im VarlefungSgebcrude freüverdrir- den Räume Können sich dann die juristischen und liaatsirifsensclxiftlichen Seminarien lunb auch das orsiwifscnfckmftlick)« Institut sansdehncir; die tbco» l »gische Fakultät Harat dort ein Zimmer für den Dekan imb für den Stipendien-Eph»rus und das musikalische ynftititt einen Raum erhalten. Außerdem lörmcn zwei neue Hörsäle gewonnen löerben, die auch dringend notwendig sind.
Tie beiden Däuser sind für detr in Frage ffehendcn Zweck Dadurch gesichert, daß das !oau5 Ludwigstraße 19 durch die Gießener Hochschul- gcsellsä'aft und das Hans Bismarckstrasi- 16 durch - inen Vertrauensmann gekauft wurden ist. Beide Erwerber sind bereit, dte Häuser zu den Selbsb- kosten an den Staat abzuacben. Für das HauS Ludwigsiraße 19 hat die Gießener Hochschulgesell- schast 73 000 Mk. jdaufpreis und 2783 Mk. 50 Pf. Notariatskostrn bezahlt. lUdxntom’mcn wurde das .Haus von /der Gießener Hachschulgesellschaft am l Oktober 1918.
In Anbetracht sder jetzigen Umstände müssen bre Kaufpreise late angemessen betrachtet werden. Tie beiden Häuser wären van dem Staate derart xu übernehmen, daß der Staat ber dem Hause Ludwigstraße 19 mrt Wirkung vom 1. Oktober 1918, bei dem' Hause Msmarckstraße 16 mft Mir- Tung vom 1. Januar 1919 die Rechte nnd Verbiud- lichkiten übcnrimimt, die aus dem sfausvertrage rür die derzeitigen Eigentümer erwachsen sind; den letzteren wären die eigenen Kaufpreis^hlungen bis' zuM Rückersatz mit 5 Prozent zu verzinsen.
Um beide Häuser den Zwecken der Seminarien dienstbar zu machen, müsseir einige bauliche Äende-- rungen oorgenomMen werden; außerdem sind die nötigen Eiurichrimgsgegenstände zu besätassen. Tie baulichen Aenderungen sind auf 28500 Mk., die Cinrichtungskoswn auf 66 000 Mk. veranschlagt. Die 'jährlichen Betriebskosten an Heizung, Beleuchtung, Bedienung und Reinigung sind für das Haus Lutmugffrafre 19 auf 5700 Mk., für das Haus Bis- .marckstraße 16 aus 6200 Mk. berechnet.
In der gestrigen Sitzung des Finanzausschuffes in Darmstadt wurde die Vorlage beraten und angenommen.
Einfuhr von frischen Südfrüchten.
Durch Verordnung vom 14. Januar 1919 ist die Zentralisation der Einfuhr von frischen Südfrüchten (Apfelsinen, Mandarinen, Zitronen, Pomeranzen und Bananen) aufgehoben worden. Die Einfuhr bedarf aber nach wie vor der Einfuhrbewilligung des Reichs- Kommiffars für Ein- und Ausfuhrbewilligung und der Einkaufsgenehmigung der Reichsbank. Gesuche um Einfuhrbewilligungen und Einkaufsgenehmigungen für Hessen sind bei der Landesobststelle für Hessen (Derwaltungsabteilung) Darmstadt, Sandstraße 24, einzureichen. Vordrucke werden von den Handelskammern abgegeben.
Bis auf weiteres dürfen vorwiegend nur Zitronen zur Einfuhr zugelassen werden; eine Erlaubnis zur Einfuhr von Apfelsinen (Orangen) wird nur ausnahmsweise für ganz geringe Mengen, für andere Südfrüchte überhaupt nicht erteilt. Der Gesamtwert der einzuführenden Südslüchte darf für Hessen den Betrag von 60000 Franken im Monat nicht übersteigen.
Um eine möglichst zweckmäßige Verteilung der eingeführten Südfrüchte innerhalb Heffens zu gewährleisten, werden die hierfür nötigen Anordnungen in jedem einzelnen Genehmigungsfall Vorbehalten.
•* Amtliche Personalnachrichten. Am 18. Februar d. I. wurden die Forstwarte: 1. Wilh. Aßmus aus Schwickartshausen zum Forstwart der Forstwartei Hirschborn UI, Oberförflcrei Hirschborn, 2. Hermann Klipstein aus Darmstadt zum Forstwart ber Forstwartei Seeheim, Oberförsterei Jugenheim, 3. Christian Lauber aus (Brüningen zum Forstwart Elpenrod, Oberförsterei Burg-Gemünden, 4. Nikolaus May aus Nieder-Beerbach, zur Zeit Groß-Häuser Forsthaus, zum Forstwart der Forstwartei Langwaden, Oberförsterei Zägersdurg, 5. Heinrich Pfeil aus Zell zum Forstwart den Forstwartei Heimertshausen, Ober: försterei Kirtorf, ernannt. - Am 18. Februar wurden
die Forstwarte: 1. der Forstwartei Nieder-Ohmen Kon- rab Birken stock zu Ober-Grudenbacher Hof in gleicher Diensteigenschaft in die Forstwartei Hopfgarten ber Oberförsterei Romrod-Nord, 2. der Forstwartei Köddingen Karl Eckstein zu Köddingen in gleicher Diensteigenschaft in die Forstwartei Zell, Ober- förftcrei Romrod-Nord. 3. ber Forstwartei Langwaben Philipp Jakob Guyot zu Langwaden in gleicher Diensteigenschaft in die Forstwartei Groß - Hausen, Obersörsterei Iägersburg, und 4. der Forstwartei Seligenstadt Georg Pfänder zu Seligenstadt in gleicher Diensteigenschaft in die Forstwartei Frankenstein, Oberförsterei Eberstadt, versetzt.
♦* Personalnachrichten. Durch Entschließung des Ministeriums des Innern vom 28. Februar 1919 wurden die Referendare Dr. Theodor Krebs und Dr Alfted Wolff, beide zu Darmstadt, zu Regie- rungs-Affefforen ernannt. - Uebectragen wurde am 28. Fedr. dem Lehrer Otto Sauerroem zu Seligen» stabt, Kreis Offenbach, von Beginn des neuen Schuljahres ab eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Lützelbach, Kreis Dieburg; dem Lehrer Karl Wölfe lsch neid er zu Biblis eine Lehrerstelle an ber katholischen Volksschule zu Bensheim; der Schulamts» anmärterin Maria Heeb aus Bensheim eine Lehrerinstelle an der katholischen Volksschule zu Bensheim.
* • Einbruch. In der Nacht vom 4. zum 5. März mürbem einem hiesigen Geschä t eingebrochen und eine Anzahl Mundharmonikas und Taschenmesser braunen Holzstielen und Messingbeschlägen, sowie mit mehrere Meter Kupserjeidenlihe entwendet. - In vorletzter Nacht wurde aus einem Militärpferdestall im Schiffenberger Weg ein Armeesattel gestohlen. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminal-Polizei entgegen.
* * Hessischer Dolksbund. Die Hauptleitung hat zu einer Gesamttagung des Hessischen Dolksbundes für Sonntag den 9. März, ftüh 10 Uhr, nach Gießen, Hotel Schütz, eingeladen.
* * In den Schwarz-Weiß »Lichtspielen Seltersmeg 81 kommt ab Samstag bis Montag der große Detektiv-Roman „Der gelbe Schatten" in 4 Akten mit Rolf Loer als Phantornas und das 3aktige Lustspiel „Hurra, sie hals erreicht" zur Auf- führung. In Vorbereitung steht das Kultur-Filmwerk „Keimendes Leben" 2. Teil.
Landkreis Gießen.
O Großen-Linden, 6. März, vorige Woche schloß unsere Fortbildungsschule. Sie war von 28 Schülern besucht, darunter 6 Freiwillige. Die (Belegen» beit, jeden Montag die Fortbildungsschulsparkasse zu benutzen, führte zu einer Einlage von über 100 Mk.
Starkenburg und Rheinhessen.
* * Darmstadt, 7. März. 3m Rahmen einer Humperdinck-Woche werden im Darmstädter Hof- theater am 12. März „Königskinder", am 15. März „Hänsel und (Bretel", am 18. März als Uraufführung „Gaudeamus" unter bet musikalischen Leitung Kapellmeister Erich Kleibers in persönlicher Anwesenheit des Komponisten zur Darstellung gelangen.
Hessen-Nassau.
rnr Fankfurt a. M-, 5. März. Der heutige Ar- beitspferdemarkt auf dem Gelände der landwirtschaftlichen Halle war nicht so stark besucht wie der letzte, dennoch mögen annähernd 1100 Tiere vorhanden gewesen fein. Starker Nachfrage entsprachen die hohen Preise. NamenUich in guten und besten Pferden war das Geschäft sehr stark, auch Schlachtpferde zogen gehörig im Preise an (290 - 400 Mk ). Militärpferde wechselten geschloffen ihren Besitzer. Preise gedrückt von 500 Mk. an auswärts. Der Markt war um die Mittagsstunde noch nicht völlig geräumt.
Gberhesfische Kunftausftellung.
Gießen, 6. März.
Die augenblickliche Ausstellung muß jedem Freunde des Heffenlandes besondere Freude machen, da eine kraftvolleKünstlerpersönlichkeit, W.Thielmann- Willinashausen, sie mit einer reichen Auswahl von Oelbildern und Zeichnungen beschickt hat. Wir hatten schon mehrfach Gelegenheit, auf die im Volkstümlichen wurzelnde, malerisch und ethnographisch wertvolle Art Thielmanns hinzuweisen. Was er bietet, weist weit über leere Trachtenmalerei hinaus und führt mit künstlerischer Reife einen Dolksstamm vor Augen, in deffen Gefühlswelt er tiefe Einblicke gewonnen hat. Einzelne Arbeiten hervorzuheben, verbietet leider die sich ständig verschlimmernde Papierknappheit. Eine noch stärkere Künstlernatur verraten die Bilder von R. Kaiser-München. Hier ist eine künstlerisch gebändigte männliche Kraft am Werke, die in der Sicherheit jedes einzelnen Pinselstriches nachzuspüren fft. Technisch außerordentlich geschickt in der Wiedergabe von Meeresstimmungen ist F C. Morgenstern- Frankfurt. Was die Ausstellung nebenher noch birgt, tritt erheblich hinter dem Genannten zurück. R. E ck e r t - Darmstadt ist in seinen Arbeiten ziemlich ungleich, wertig. Der Künstler, der noch ziemlich jung scheint, ist aber auf gutem Wege. Einzelne Bilder sind be- retts überraschend formsicher. Aufmerksam sei nochmals auf einige neue Arbeiten von Beyer-Witting- Obersdorf gemacht. Don W. Barthel-Gießen befriedigt ein Aquarell aus Oberfranken. Säuberliche Federzeichnungen stellt R. Baß-Gießen aus. Don besonderem Reiz sind die Tuschesilhouetten von Lisel Dittmann-Gießen, die sehr treffend zu charakteri- fieren wissen. zz.
Eingesandt.
(Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Die Mietschraube.
Gießen, 8. März 1919.
Dem Herrn Einsender vom 4. ds. Mts. zur Erwiderung.
Der Hausbesitzeroerein darf nur seine Interessen vertreten, ein Mieteroerein wird es ebenso machen. Vermieten von Wohnungen ist nur ein Geschäft. So sollte jeder Hausbesitzer denken, denn die Mieter haben schon von jeher so gedacht. Die Mieter waren von ieher die befferen Geschäftsleute. Die Mieten muffen (teigen, auch ohne daß der Hausherr sich bereichert. Meine Dierzimmerwohnungen kosteten vor dem Kriege durchschnittlich 620 Mk. im Jahr, dabei habe ich nie einen Ueberschuß gehabt. Heute sind größere Instandsetzungen notwendig. Dor dernKriege kostete für eine Wohnung: das Streichen der Fußböden, Weißen und Tapezieren von nur 2 Zimmern und Anstrich der Küche 150 Mk. Heute kostet die Ausführung dieser Arbetten, mit wenig haltbaren Ersatzstoffen, mindestens das Dreifache, also 450 Mk. Der Mieter hat die Wohnung verwohnt, infolgedeffen muh er auch diese Kosten aufbringen, denn ein Ueberschuß ist mir an den Wohnungen nie verblieben. Rechne ich nun, daß ich mit diesen Her- stellungsarbeiten für 3 Jahre von weiteren Ausgaben
für diese eine Wohnung verschont bleibe, so hat der Mieter jährlich 150 Mk. = 25"'. vom seit- herigen Mietpreis aufzubringen. Also mindestens 257„ Steigerung der Miete ohne Berücksichtigung aller übrigen erhöhten Ausgaben des Hausherrn. Dabei ind 3 Jahre als sehr reichlich angenommen. Auch wird mancher Mieter doch schon nach einem Jahr ausziehen und der Hausherr hat bann neue Ausgaben, denn den Hausherrn schützt das Mieteinigungs- amt nicht gegen solche Verluste. Deswegen sind 30 „ Steigerung nicht zu hoch, denn bis dahin wird sich ein Vorteil für den Hausherrn nicht nachweisen laffen. Wer ist denn für den Hausbesitzer eingetreten als im Anfang des Krieges allenthalben Mietnachläffe erzwungen wurden? Wer hat auf die mißliche Lage des Hausbesitzers Rücksicht genommen, als man im Frühjahr 1915 die Gemeindesteuer erhöhen muhte? Man hat ihm damals haltblütig sogar den Sah von 22 Pf. von 100 Mk. Grundvermögen auf 26' ,n Pf. erhöht, das waren für manche Hausbesitzer bedeutende Summen. Für mich mit einem Haus machte dies allein 20 Mk. aus. Man hat ihn die Kanalgebühren und das Waffergeld geduldig weiter allein aufbringen laffen. Wer hat damals dazu geraten, die Mieten zu erhöhen? Wer hat dem Hausbesitzer eine angemessene Entschädigung für enteignete Kupferwaschkessel, Türdrücker ober Blitzableiter gegeben ? Der Raum ist nur knapp bemessen, deswegen kann ich auf die anderen Punkte nicht eingeben, aber die Mieten müssen steigen. Vermieten ist nur ein Geschäft.
Kirchliche Nachrichten
Gottesdienst am Sonntag den 9. März (Inookavit). Evangelische Gemeinde.
In der Stadt Kirche. 9'/, : Pfr Mahr; 11: Kinderk. f. d. Matth.-Gem. Pft. Mahr; 6: Pfr.-Aff. Schaefer. - In der Iohanneskirche. 9",: Pfr. Bechtols- heirner; 11: Kinderk. f. d. Luk. Gern. Pfr. Bechtols- heirner; 6: Dfr. Ausfeld. — Mittwoch den 12. März, abbs. 6: Passionsgottesb. Pfr. Ausfeld.-Kirchberg. Dorrn. 10. - Mainzlar. Dorrn. 10. - Kirchberg. Nachm. 4: Das Schicksal unserer Kriegsgefangenen. Dr. Schneider-Gießen.
Katholische Gemeinde.
6' ,: Beichtgel.; 7: Hl. Messe; 8: Austeil. d. hl. Komm.; 9: Hochamt m. Pred.; 11: HI Messe m. Preb.; 4'Iüngl.-Kongreg.; 6: Christen!, barauf And. - Dienstag, abbs 6: Fastenanb. - Donnerstag, abbs 8: Fastenpredigt. - Samtag, nachm. 5 u. abbs. 8: Beicht- gel. - Diaspora-Gottesd. am 9. März: (Brünberg 91/,, Hungen 9’ ..
Airche und Schule.
Eiusührung der Einheitsschule.
Darmstadt, 4. März.
Tas Landesamt.für das Bildungswesen gibt bekannt:
Tie deutsche Revolution bedeutet nicht nur arte demokratische, sondern zugleich eine soriale Umbildung unseres Lebens. Neben der wirtschasr- licfan Sozialisierung ist auch die geistige, du: vor allem in der Forderung der Einheitsschule schon feit langem ihren Ausdruck fand, unsere 9Iujgibe geworden. Ter Ausbau der Einheitsschule uni rät* keinen ist freilich rät Problem, dessen Durchführung Jahre erfordert und dessen Lösung üt verschiedenen Formen verwirklicht toerbtu kann. Der erste Schritt aber zum guosten Ziele hin soll Ostern 1919 geschrhen, indem die uitterfbe Vorschulklasse (1. Sämljahr) an allen höheren Lehranstalten und Mittelschulen Heftens hiermit auf» aehobcn wird. Die Direktionen haben keine neuen Borschüler mehr aufzunehmen. Die für die bisherige unterste Vor sck-ul Hasse in Betracht kommenden Schüler sind in die öffentlichen Volksschulen ein zu reihen nach denselben Grundsätzen, die für die Vollsschüler der Gemeinden gelten. Soweit cs den S.ädten an geeigneten Räumlichkeiten fehlt, sind die freiwerdendcn Vorschulklassen zur Verfügung der Volksschule zu stellen mit der Maßgabe, bai'ii die Schüler lediglich mit Rücksicht auf ihren Wohnbezirk der nächstgelegenen Anstalt Überwiesen werden.
Der Staat wird sich darum bemühen und die Gemeinden sind mit aller Entschiedenheit dazu anzuhalten, dafür.zu sorgen, dah die pLmgogischen nie die hygienischen Bedingungen des Volksscbul- unterrichts allen billigerweise zu stellenden Anforderungen genügen. Zur inneren Ausgestaltung und Labung der Volksschule wird ferner dringend empfohlen, überall, wo mehrere .Bassen desselben Jahrgangs nebeneinander bestehen, BegabungS- grttvpen im Sinne des Mannheimer Systems zu bild n. Es muß mit allen Mitteln dahin gestrebt werden, daß künftig nichts anderes Mehr als Eigenart und Begabung, der intellektuelle wie moralische Gesamlimrt der wertenden Persönlichkeit über die Besonderheit des ferneren Schulweges entscheidet. Tas liegt nicht nur im Interesse der Gesamtheit, sondern dient zugleich dem wahren Besten des Kindes selbst. Die weitere Ausgestaltung wird deshalb von uns in der Richtung erstrebt werden, dast von dem Stamm der gemein- lamen Grundschule aus in wrä gehender Verzweigung der oberen Stufen der Besonderheit der Anlagen nach Moglickckeit Rechnung getragen werden kann. Die Rettung unseres so tief damederliegen- den Vaterlandes hängt davon ab, datz wir einerseits eine starke Gemeinschaftsgesmnung, andererseits Quali^Ltsmenschen und Qualitätsarbeit hervorbringen.
Um die Durchführung dieser Neuorganisation in dm ersten Jahren ihrer Entwickelung nicht zu stören, muh die Neueröftrtung von prüxLcit Unterrichtsanstalten, di: den Unterricht für die ersten Schuljahre erwerbsmLstig betreiben, zunächst unter«’ bleib«:. Bereits genehmigte Privatunterricktsan- stalten dürfen irrt Bereich der drei ersten Schul- lahre in ihrer Schülerzahl die Höchstrahil der letzten 10 Jahre ohne Genehmigung der Sckmlbehörde nicht über)feilen. Wir appellieren zugleich an das christliche, an das soziale und an das vaterländische Gewissen der Eltern, dem furchtbaren Ernst der Stunde wie der Größe unserer Aufgabe Rechnung zu tragen und sich der hier vorliegenden sittlichen Pflicht nicht zu entziehen. Tenn nur wer jetzt willig dazu mithilft, das Gefühl der Volksgemeinschaft $u stärken, das unter den Einwirkungen von Kriegs- und Revolutionswirt- fdjaft so schweren Schaden genommen hat, nur der hilft eine neue, gesunde Zukunft Deutschlands bauen. _______________________
letzte Nachrichten.
Ein« neue deutsche Protestnote.
Berlin, 7. März. (WTB.) Die beutfche Waffen, stillslandskommisston teilt mit: In ber Vollsitzung ber
Waffen ftillstanbskomrntssion in Spaa vom 8 März ist im Auftrage ber deutschen Regierung ben alliierten Regierungen folgende Note übergeben worben: Die deutsche Regierung hat davon Kenntnis erhalten, daß diplomatische Vertreter der (Entente- taaten nicht nur in neutralen Staaten (Europas, sondern auch in überseeischen Ländern darauf hinwirken, die deutschen Bankguthaben unb Effekten zu perren und somit den Angehörigen des Deutschen Reiches das ihnen nach den Landesgesetzen zuftehende Derfügungsrecht über ihren ausländischen Besitz chmälern. Alle diese Versuche werden unter Hinweis auf das am 13. Dezember 1918 in Trier gdroffenc Finanzabkommen unternommen, wobei jedoch zur Bc grünbung ein Wortlaut angeführt wird, der ganz un zutreffend gekürzt ist. Es handelt sich dabei um eine durchaus unrichtige Wiedergabe der von Deutschland bezüglich des Besitzes von Privaten unb Gesellschaften übernommenen Verpflichtungen, eine Wiedergabe, die ben Schritt zur Sperrung von Werten eine Hand habe zu bieten geeignet erscheint. Mit Rücksicht auf dieses Vorgehen und im Hinblick auf die dadurch unter den Betreffenden hervorgerufene Beunruhigung, sieht sich die deutsche Regierung veranlaßt, ausdrücklich zu erklären, bah ihre Vertreter in Trier keinerlei Verpflichtungen eingeqan; gen sinb, durch die das Verfügungsrecht der deutschen Reichsangehörigen über ihre Guthaben und ihre Wert: papiere im Ausland irgendwie eingeschränkt wird. Es würde ber beutschen Negierung übrigens auch aus rechtlichen Gründen durchaus unmöglich gewesen sein, diese Verpflichtungen einzugehen. Sie sieht sich aber auch zu ihrem Bedauern genötigt, darauf hinzuweisen, daß es ihr bei Fortsetzung jener Sperrversuche Schwie- rigkeiten bereiten würde, ihrerseits die Verpflichtungen einzuhalten, die sie übernommen hat unb denen fic nachzukommen bestrebt ist.
DnS Ende des Streiks in Berlin.
Berlin, 8. März. Der Schaben, ber burch die Kämpfe an ben Häusern und Läden in der betroffenen Gegend angerichtet wurde, übertrifft bei weitem denjenigen der früheren Kämpfe, ber etwa 40 Millionen Mark betrug. Am schwersten beschädigt wurde das Polizeipräsidium. Das Warenhaus Tietz wurde völlig ausgeplündert, das Warenhaus Wertheim schwer heimgesucht.
Berlin, 7. März. (WTB.) Die Vollversamr.i lung der Arbeiterräte Groß-Berlins beschloß heute, unter Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages den Streik bedingungslos adzubrechen, baß ber Streik unter folgenden wer Bedingungen beendet werden soll: 1. Keine Maßregelungen, 2. Zurückziehung des Militärs aus den besetzten Betrieben, 3. Freilassung der wegen Streikbeteiligung Verhafte» ten, 4. Zurückziehung der freiwilligen Truppen aus Berlin. Der Vorwärts meint, es könne kein Zweifel daran bestehen, daß dieser etwas verklausterie Beschluß den tatsächlichen Abschluß des Streiks bedeutet und baß spätestens am Montag morgen die Arbeit überall in vollem Umfange wieber aufgenontmen werden wird.
Die Krise in Bayern.
München, 7. März. (WTB.) In ber heutigen Sitzung des Rätekongresses erstatteten die Mit- glieber ber Kommission, die mit ben sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten in Einigungsverhandlungen getreten sind, ihren Bericht zur Lösung der politischen Krise. Man einigte sich auf folgende Punkte:
1. Sofortige (Einberufung des Land tags zu einer kurzen Tagung. Bildung eines sorialistrschen Ministeriums durch die beiden sozialisttschen Parteien mit Errichtung eines land- und forstwirtschaftlichen Ministeriums und Besetzung durch einen Bauern- bünbler. Anerkennung des Ministeriums durch den gewählten Landtag. Schaffung einer Notverfassung.
2. Uebertragung weitgehender Vollmachten durch den Landtag auf das Ministerium für di« Leitung ber Regierungsgeschäfte.
3. Zusammenfassung und Ausbau ber Propa- ganbaabteilung für Dolksaufklärung.
4. Die gesetzgebende unb vollziehenbe Gewalt liegt während der Zeit bes Provisoriums allein in ben Händen des Ministeriums. Je ein Vertreter der Arbeiter», Soldaten- unb Bauemräle kann mit beratender Stimme an ben Sitzungen bes Ministeriums teilnehmen.
5. Sofortige Schaffung eines freiwilligen Volksheeres aus gewerkschaftlich organisierten Arbeitern. Sofortige Ablösung bes stehenben Heeres.
6. In den Vertretungen ber Gemeinden, Bezirke und Kreise unb bei staatlichen Behörden steht ben Arbeiter-, Bauern» unb Solbatenräten bas Recht der praktischen Mitarbeit durch Abordnungen in diese Körperschaften zu. 3m Ministerium bes Innern ist ein Referat für bte Räteorganisationen zu errichten und im Benehmen mit dem Funktionsausschuß zu besetzen.
7. Den Räten steht ferner bas Recht zu, beim Landtag unb bei den Regierungen Beschwerden, Eingaben unb Gesetzentwürfe einzureichen und letztere jeweils durch bte Beauftragten vertreten zu laffen. Den neugewähtten Räten steht die Berufung gegen bi« Be schlöffe des ßanbtages an die Volksgesamtheit zu (Re. ferenoum).
8. Die Neuwahlen ber Räte sinb im ganzer Lanbe nach dem Gmnbsatz ber Verhältniswahl bald, möglichst anzuordnen.
9. Die Rechte ber Räte sinb unter Berücksichtigung von Punkt 6 unb 7 burch ein besonderes Gesetz festzulegen.
Am Samstag wird der Kongreß in die (Erörterung des Kommissionsberichts eintreten.
Riga zarückeroberl.
Haag, 7. Mär^. Reuter meldet aus London: Nach dem „Datlg Telegraph" haben die deutschen Truppen in der Ostseeprovinz den Bolschewiki eine schwere Niederlage beigebracht und Riga wiedererobert.


