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Intenf« «richt t&*r f^re ew&gllHge ^aZhnrg tu ber msfischen Frage schlüssig fri. Di« Boffchewiki sollen frofce IruDpenmafien am Dnjestr, nördlich Dender, )is zur galizischen Grenze konzentrieren. Die Front wird zum großen Teil von den Rumäne» gehalten, »ährend die Eisenbahnlinie Bender- Odessa von fron» Ssische» unö griechischen Divisionen besetzt ist.

Die Versetzung Clemencean».

Pari s, 7. März. (WTB.) Havas. Elemen. eeau wurde gestern neuerdings mit Röntgenstrahlen untersucht. Die Kugel befindet sich noch immer am gleichen Orte. Rach Meinung der Aerzte ist die Lage durchaus befriedigend.

Der Anschluß Oesterreich».

Wien, 7. März. (WTB.) Der Derfassungsaus- schuß hat einstimmig die Regierungsvorlage ange­nommen, mit der die Erklärung Deutsch.Oesterreichs ab «ine demokratische Republik und als ein Bestandteil der deutschen Republik feierlich bekräftigt wird.

vrllegung der Berliner Generalstreik.

Die Aborb nun» de- ®rtfhttr Vollzugsrates »etlmtgte die (Hnffl6nmg de- RStesystems und so­fortige ÄnmefHf für alle politischen Vergehen und für alle au- politischen Gründen Verurteilten oder Inhaftierten In ditcm Flugblatt wenden sich die mrhrl^ilssozralisstiscl^nlArüciterräte mit größter Schärfe gegen den Beschluß der Vollversammlung des ÄrbeiterrateS, der Bevölkerung Groß-Berlins Ga-, Wasser und Elektrizität zu sperren.Aus rein parteipolitischen Gründen ist liber die Be­völkerung Berlins, über Frauen und Kinder und Kranke selbst eine prausaine Strafmaßregel ver­hängt worden, wie sie schlimmer einunmensch- litper Feind nicht ersinnen konnte. Tie Streikleitung hat entsclneden und ohne Unterschied der Partei ihren Abscheu vor diesem Gesindel und seinen Schandtaten ausgesprochen." Mittlerweile haben auch die Unabhängigen beschlossen, die Ar­beit wieder aufzunehmen.

Verlin. 7. März. (WTB.) 7 Uhr abds

Meuter über die Lage in Deutschland.

ßonbon, 7. März (WTB.) Reuter erfährt: All« an amtlicher Stelle eingegangenen Bericht« bestätigen hie ernste Laa« in Deutschland. Man glaube nicht, daß di« schwierig« Gage durch amtliche deutsch« Bericht« zum Zweck« der Stimmungsmache übertrieben würde In Bayern werd« fett der Ermordung Eis­ners der Ientralrat, di« einzig« bestehend« Regierungs- stell«, durch eine kleine Gruppe von Bolschewisten beherrscht. Diese bolschewistische Körperschaft erkläre offen, daß Deutschland ihr gleichgültig sei; ihr ein- z»g«r Zweck sei, die Lehren der russischen Revolut on a uszubreiten. So werde zum erstenmal eine reine Bolschewisten.Regierung in Deutschland errichtet, die durch russische Sendboten beaufsichtigt werde und in enger Fühlung mit dem Hauptquartier der Dolsche. wisten in Moskau stehe. Scheidemanns Regierung betraute man allgemein als auf sehr schwachen Füßen stehend, deren einzige Stütze eine Streitmacht von 30000 Mann unter Roske sei.

Die Krage der Lebensmittelversorgung im englischen Unterhaus.

London. 7 März. (WB.) Router. Im Oberhause lenkte Lord W imbo r ne die Aufmerk­samkeit auf die Frage der Leben-mittel" Versorgung Zentraleuropas. Lord ©rare» forb legte in feiner Erwiderung dar, daß die Leitung des Hilf-werke- für die Not in Europa in der Dand des Obersten Wirtschaftsrates liege. Oesterreich erhalte seine Lebensmittel teils aus den HoercSbeständen der Alliierten, teils aus den Vorräten von Italien, während eine große Menge Schinken und Milch über Rotterdam nach Deutsch­land gesandt wurden. Die Dandel-tonnage, die die Alliierten von Deutschland forderten, um der Not al»uhelfen, wurde noch nicht übergeben. Man schäpe die deutsche LurndelStonnage auf ungefähr zwet Millionen Tonnen. Obwohl sich die Alliier­ten nach den ersten Bedingungen des Waffenstill­standes bereit erklärten, Schritte zu tun, um die Not in Deutschland zu lindern, erhielten die Alli­ierten bi- heute noch keine einzige Tonne der deut­schen Dandelstonnage. Der Oberste Rat in Paris Menne den Ernst der Lage in Europa, man hoffe während der nächsten Wochen bis zur Abtretung der bcutfrften Handelsmarine Notmaßnahmen auSzudcnken.

21 us hessischer Geschichte.

Wenn heute die Frage eines Zusammenschlusses beider hessischen Gebiete, des alten Kurfürstentumes und des Großherzogtumes Hessen, zu einer Staats» einbeit nicht nur der ernstesten Betrachtung unter­liegt, sondern wohl, aus Gründen der allgemeinen ReichspoliliK, als sicher kommend, weil notwendig, angenommen wird, so schweift der Blick dabei oft­mals zurück in die Geschichte, und das Auge des Betrachters sucht sich ein Bild daraus zu machen, wie der hessische Staat, was die hessischen Staaten, geworden.

Wir dürfen wohl fügNch von den ältesten Zeiten heute absehen, von den Tagen der Disonen, der ®- ninger Grafen, und auch von der Betrachtung der Zeiten Abstand nehmen, da Hessen mit der Land­grafschaft Thüringen vereinigt war.

3n das volle Licht der Geschichte tritt die Herr- schäft Hessen, die Landgrafschaft, zuerst, als 5ophie o. Brabant, die Tochter der heiligen Elisa­beth, ihrem Sohne das hessische Erbe sicherte, und dieser die Stadt Eschwege und die Reichsfest« Boyne- bürg als Reichslehen empfing. Als Gegenspieler des Landgrafen Heinrich I. in dem Kampfe um die Herrschaft zwtschen Weser und Lahn kann man Kur- Mainz ansehen, das sich im Besitze einer Reihe fester Plätze (Amöneburg, Neustadt, Fritzlar, Naumburg, Weidelsberg und Hofgeismar) befand und in seinen Lehnsmannen einen starken Stab von Mitarbeitern zur Verfügung hatte, die sich allerdings wohl mehr des hessisch mamzischen Gegensatzes für ihre Zwecke be­dienten, als Kurmainz zuliebe. Und ähnlich lag es mit der Grafschaft Ziegenhain, die, zwilchen dem Oberfürstentum und Niederhessen eingekeilt, selbst nach der Herrschaft in Hessen strebte.

Dieses Knäuel von politischen Interessen und vegeninteressen beherrscht unbedingt das 13. und 14. Jahrhundert, es tritt besonders schön zu Tage, als einmal der hessische Einfluß auf Hersseld sich geltend machte, andererseits die Ritterschaft in ihren großen Bünden ander die sich stärkende Landesherrschaft sich wappnete zum großen Waffengange und Kur- Mainz wie Braunschweig gegen den Landgrafen Hermann den Gelehrten zu Felde zogen. Dieser bewies in dem großen Kampfe eine Geschicklichkeit und Zähigkeit, daß auch die schwersten Niederlagen die Kraft des Hessen'andes nicht zu beugen ver­mochten, und seinem militärischen und politischen Ge­schick macht namentlich die Hersfelder Angelegenheit

wr btt ©tret! tatsächlich beendet. Die Untergrundbahn nahm den Verkehr aleich wieder auf. Die Setzer und Drucker kehrten alsbald an ihre Arbeitsstätten zurück. Das Telephon wurde für den Privatverkehr frei- gegeben. Ein formeller Abschluß des Streiks liegt zur Zeit noch nicht vor, weil ein endgül­tiger Beschluß des Arbeitcrrats von Groß- Berlin noch nicht veröffentlicht worden ist. Immerhin beginnen di« Straßen, ihr gewöhn­liches Aussehen wieder anzunehmen.

Weimar, 7. Mörz. Tie Verhandlun­gen mit der Abordnung des Berliner BollkugS- rats find gestern abend ergebnislos ab- gebrochen worden. Tie Delogier Sen sind nach Äerlin zurückarkchrt; sie bestanden fast ausschließ­lich aus Unabhängigen. Ihr Führer war das be­kannte unabhängige Arbeiterratsmitglird Wrg» mann.

Berlin, 7. März. (WTB.) Nach Mel­dungen eines Privatberichterstatters sind bei den gestrigen Abendkämpfen um den Alcxanderplatz und das Polizeipräsi­dium 150 Matrosen gefangen genommen wor­den. Alle Gebäude, die in der Umgebung des Alexanderplatzes von Spartakisten besetzt wa­ren, so auch daS Warenhaus Tietz, befinden sich fest in den Händen der Regierungstrup- pen. Die Spartakisten, die teilweise in Häu­ser geflüchtet waren, eröffneten aus diesen ein lebhaftes Gewehrfeuer, das bis in die heuti­gen Vormittagsstunden andauerte.

Zwischenfälle in Spandau.

Spandau, 7. März. (WTP.) In Span­dau, das vom Freikorps Hülsen besetzt ist, kam es in der vergangenen Nacht zu Zwischen^ fällen. Zn der Havelstrahe wurden RogiertuigS- truppen von Spartakisten mit Hand­granaten beworfen; die Häuser, von denen aus dies geschah, wurden gesäubert. Zwei FrnueN wurden getötet. Um 9V, Uhr wurde das Rat­haus, wv sich General v. Hülsen mit seinem Stabe aufhält, von der Artilleriewerkstatt-Sud aus mit Geschütz- mtd Masännenfeuer belegt. Die Fabrik wurde von Regierungstruppen besetzt. Infolge der Vorfälle macht General v. Hülsen bekannt, daß von jetzt ab gegen jede Ansammlung rücksiättslos mit Waffengewalt vorgegangen wird. Die Span - dauer Pton iere, die sich als unzuverlässige Trirvpe in letzter Zeit gezeigt haben, wurden ge­zwungen, die Waffen abzugeben. Ter Streik dauert zwar noch an, doch machen sich Anzeichen zur Wiederausnastme der Arbeit bemerkbar; so wurde in einer Munitionsfabrik mit 1200 gegen 70 Stim­men die Wiederaufnahme der Arbeit beftlilossen. Das Kraftwerk steht vollständig still; Spandau ist alpte elektriscl)es Licht.

Der Streit in Mitteldeutschland.

Weimar, 7. März. (WTB.) Die Streiklage in Leipzig ist unverändert; es macht sich aber eine starke Strömung für die Beendigung des Generalstreiks bemerkbar. Bei der Verlagsfirma Reclam stimmten von zirka 600 Arbeitern nur 6 für die Forst- führung des Generalstreiks.

Gestern vormittag fand hier eine große Sitzung der Arbeiter- und Sowatenräte statt, in welcher sich der frühere Vorsitzende des Ar­beiterrates, Seger, gegen den Generalstreik aussprach. Im Verlaufe der Aussprache teilte Dr. Kurt Geher mit; er fcabc soeben ein Telegramm erhalten, wonach die Regie- rungstruppenbeiMarkranstädtan- gelangt seien. lieber diese Mitteilung bemäch­tigte sich der Versammlung große Erregung. Die Anwesenden stürmten mit dem Rufe: ;,©c6t uns Waffen!" auseinander. Auf diese Weise konnte es heute zu keiner Klärung der politischen Lage kommen. In der gestrigen Sitzung des Leipziger Bürgerausschusses ttmrde einstimmig der Beschluß gefaßt, den Bürgerstreik tatkräftig fvrtzusetzen.

Weimar, 7. März. (WTB.) Wie wir hören, führten die Verharzungen zwischen der Regierung und der Streikleitung in Halle zu einem befriedigenden Ergebnis. Es dürfte in der allernächsten Zeit mit der Wiederaufnahme der Arbeit gerechnet werden.

all« Ehre. Militärisch nach dem Mißgeschick vor dem Herzberg«, als er in geschickter Diversion die Graf- ichaft Ziegenhain durcheilte und heimsuchte, politisch durch den ungebrochenen Einfluß auf die Stadt Hers- seid im Gegensätze zu dem Fürstabte.

Die Entscheidung aber in dem großen Kampfe mit Mainz fiel erst unter Hermanns Sohne und Nachfolger, unter Ludwig I. Bei Englis, vor Fritz, lars Toren, wo der junge Landgraf selbst mit dem Rufe: .Heute Landgraf oder keiner mehr!- seine Hessen zum Sturm und Siege geführt, ward der Streit:Hessen oder Mainz' ausgetragen, und der zweite Sieg, 18 Tage später, am 10. August auf dem Fuldaer Münlterfelde, bestätigte nur die unwiderruf­liche erste Entscheidung. Nach solcher Probe in harter Je t konnte Landgraf Ludwig wohl der Princepi Poclm, der Friedsame, fein, und fein politisches Ge- schick sicherte ihm und seinem Lande auch noch das Ziegenhainer (Erbe, mit Nidda und Staufenberg. Sein öohn Heinrich JII. erwarb dann mit der Hand der Erbtochter des letzten Kahenelnboger Grafen dieses reiche Erbe, inbeffen im Norden, im Diemellande Hofgeismar und die Besten Schöneberg und Iranbel« bürg in engste Beziehungen zu Hessen kamen.

Als dann in Landgraf Wilhelms II. Hand die gesamte hessische Landgrafschaft sich einte, um die Wende des 15. Jahrhunderts, war er schon ein kran­ker Mann, und um seinen Sarg, um die Verwaltung des Landes, um seines unmündigen Sohnes Philipp Vormundschaft tobte häßlichster Kampf.

(Eine neue Zeit war am Werden. Soziale Re­formgedanken lebten in der Welt, die Bauernschaft war im Begriffe, sich als Stand Anerkennung zu er­zwingen, die letzten Anstrengungen der Ritterschaft, gegen die immer stärker (unter dem Einflüsse des römischen Rechte») sich ftab fierenb« Landesherrschaft, sah jene Zeit; der Humanismus blühte und die Re­formation bereitete sich vor, begann! Und m dies« gärenden Tage hinein trat der junge Feuerkopf Philipp. Durch Fugendleid geh Net, durch Sih- hingen» Auftreten in seiner politischen Existenz be­droht, und mit dem von beiden Ettern ererbten De- wußtseln feiner fürstlichen Würde. Der Sonnenflug eines jungen Adlers: fein (Eintreten für die neue, reine Lehre, fein Kampf gegen die Vergewaltigung des Württemberger Landes und feines Herzogs. Wie war er, stolz ferner Kraft, von Gießen ans nach Pfungstadt gezogen, halte in Überraschendem Zuge den Odenwald überstiegen und stand im Rücken, in der Flanke des kaiserlichen Heeres bei Laufen, zog

Setmar, 7. Mär». (WTB.) Dtt Zugverkehr nach Erfurt unb Eise­nach ist wieder ausgenommen worden; nach München wird er voraussichtlich morgen wieder betriebsfähig.

Die Lage in München.

München, 7. März. (WTB.) Der Kongreß der Arbeiter- und Sol­dat e n r 2 te Bayerns nahm einen Antrag Süßheim auf sofortige Freilassung der verhafteten Geiseln an, soweit nicht nachweisbare Derdachtsgründe vocliegen.

Aus Württemberg.

Stuttgart, 7. März T« verfassung­gebende Lande-oersammlung wählte Ivute den Mini sterprä sidenten Blos mit 100 Stimmen dan 129 zum Staatspräsidenten. 28 Stimmen waren ungültig, eite firi auf den Mi­nister des Innern Dr. L i ndemann.

Au» Hessen.

An- der Sitzung des KinanzanssÄnffe» vorn 6. März. Bei Kap. 64, Staatsunterstühung, wurde angeregt, daß aus Elsaß-Lothringen ausgewie- jene Beamte, Lehrer ufw. früherer hessisch er Staats­angehörigkeit in Hessen als Beamte aufgenommen werden sollten. Die dringliche Vorlage der Regie- rung über den Ankauf zweier Häuser in Gießen zu Zwecken der Unioersitätsseminare wurde genehmigt, auch der Voranschlag der Landesuniversität mit der Maßgabe, daß nicht ein Lehrauftrag für nieder, ländische Sprache, sondern nur ein Lektor für diese bewilligt wurde.

Anträge in der VollS'timmer.

Der Hessischen Volkskammer ist ein Antrag der Abgeordneten Ur ftab t und Genossen zuge- gangen, betreffend: Die Förderung der land­wirtschaftlichen Gütererze ngung und die Siärerslellung der Ernährung der Bevölkerung. ES wird beantragt, daß die Regierung den Anbau von Frühkartoffeln durch rechtzeitige Bereitstellung von Saatkartofseln nach Möglichkeit fördert und daß durch eine cntsprecktcnde Preispolitik zu denn verstärktem Anbau der nötiae Anreiz gegeben wird. Dann werden u. a. folgende Forderungen ausge­stellt: Obst und Gemüse sind aus der öffentlichen Bewirtschaftung freizugeben. Die Ablieferungs­pflicht für Eier ist weniger nach dem Gesichtspunkt mechanischer Gleichmäßigkeit festzulegcn und aus diejenigen Mengen zu beschränken, welche für die Versorgung der Kranken unbedingt notwendia sind. Für die Abschätzung des Ertrage- und die Er­fassung der landwirtschaftlichen Produkte soll grundsätzlich die Selbstverwaltung herongezoaen werden. Zur Verringerung der Produktionskosten der Landwirtschaft wären, wenn nötig, Zuschüsse in angemessener Höhe zu leisten, und zwar in erster Linie aus den Ueberschüssen der Kommunal- vcrbände.

Der Volkskammer sind noch folgende Druck­sachen zugegangen: Antrag der Abgg. Schildbach und Genossen, betreffend Förderung des Klein- wohnungSoaues; Antrag der Abgg. Delp und Gen., betreffend Einführung deS Achtstunden-Tages; An­frage der Abgg. Notz, Hartmann und Gen., betr. Kettenhandel mit Pferden; Dringliche Anfrage der Abgg. Dorsch und Gen., betr. den Mangel an Arbeitskräften In der Landwirtschaft; Anfrage der Abgg. Dingeldey und Dr. Osann, betr. Hebung der allgemeinen Volksbildung.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 8. März 1919. Lebensmittel.

* * Ausgabe von Kunsthonlg. Von Montag den 10. bis 'Donnerslag den 13. ds. Mts einschließ­lich gelangen in den Kleinhandelsgeschästen 125 Gramm Kunsthonig zum Preise von 20 Pfennig zur Ausgabe. Siehe Bekanntmachung.

* * Seefisch«. Am Montag den 10. ds. Mts. erhalten die Inhaber der Lebensmittelkarten, die in der linken oberen Ecke mit den Nrn. 1, 2, 3 und 4 versehen sind, gegen Vorlage der Lebensmittelkarte und Ablieferung des Dezugsabschnitts Nr. 15 je 7* Pfund Seefisch. Siehe Bekanntmachung.

* * Sicherheitswachmann Böhm, das Opfer der Bluttat in der Ost-Anlage, wurde gestern nachmittag zu Grabe getra­gen. Unter dem zahlreichen Trauergefolgc ver­

trat Beigeordneter Zkrenzien die Stadt Gießen. Er legte einen Kranz am Grabe nie- der und betonte, daß es Ehrenpflicht der Stabt Gießen sei, für die Hinterbliebenen des Er- mordeten zu sorgen. Regierungsrat Gebhard legte im Namen des Poltzciamtes einen Lran­kt jeder; desgleichen der Haoallerieverein, dem Böhm angehörte. Unter den Leidtragenden war die Sicherheitswache vollzählig vertre­ten, ebenso folgte ein großer Teil der Schutz- Mannschaft. Es sei gleichzeitig bemerkt, daß die eigentlich als Täter in Frage kommenden Friedrich Maus und Wigand Wilhelm Wal­deck sich immer noch auf freiem Fuße befinden und sich wahrscheinlich im Industrie­gebiet aufhalten. Ihr verhafteter Genosse Heinr. Stichler hat den Schuß nicht ab­gegeben.

* Aus bem Stadttheaterbureau. Auf bk heutige Erstaufführung von Müller-Schlöster» .Der ©lüdishanbibat unter der SpieUeiluna be» Herrn Karl Volck sei nochmals ausbrücklich hingewiesen. Da Herr (Boll erkrankt ist, mußte für bi« Rolle bes Domkapellmeisters in ber Sonntag Aufführung von Schwarz waldmädel" ein Gast verpflichtet werben. Es ist bies Herr (Emil Nothmann, ber Direktor be» Sdju- mann-Operetten.Theaters In Frankfurt a. M.

Oberhessischer Kun ft verein. Die gegen­wärtige Ausstellung zu ber noch Oelgemälbe und Zeichnungen von Professor Morgenstern unb R. Ecken hinzugekommen sinb, verbleibt nur noch acht Tag, ausgestellt. 3m übrigen verweisen wir auf bi« Le- fprechung in heutiger Nummer be» .Gieß Hnj.*.

Der Evangelische Arbeiterverein ver- anftaltet am Sonntag ben 16. März im Maukussaah Kirchstraß«, einen Kamrnermusikabenb, bei bem bewährte Kräfte mitwirken werben. (Siehe Anzeige.)

Bezirk-sparkasse Gießen. Mit Rücksicht auf die von auSwlrt- kommenden Sporn si d die Kasse-(GeschäftS')Stunden bet hiesigen Sparkasse v.mt 17. d Mt ab wieder auf werktäglich 8 bis 1 Uhr vortnittag» und 3 bi! 4 Uhr nacimtfttagS, SamStags nur auf 8 b i 1 1 Uhr vormittag- festgesetzt (s. Bekanntmachung). Die «Einleger aus der Stadt Gießen werden ge­beten, ihre G.schäfte wie seither möglichst in bar Vormittagsstunden zu erledigen.

Der Volks bunt» für Freiheit unb Vater- lanb hält am Sonnabenb ben 8. März, 7' Uhr, im Saal bes Fürstenhofes eine öffentliche Versammlung ab, in ber Direktor Roller über bie Einheitsschule sprechen wirb.

* Schafzucht erversammlung. Wie aus bem Inseratenteil ersichtlich, hält ber Oberh. Schaf Achter, verein Freitag ben 14. bs. Mt». im Hotel Großherzog zu (bichen eine Versammlung ab. Die Mitglieder bes Oberh. Schafzüchteroereins werben zu biefer Ver­sammlung eingelaben. Freunde unb Gönner ber Schaft zücht sind willkommen.

-m. Aus de m Kreise Gießen, 8 Mörz. Ein übler Streich würbe dem Bürgermeister eines Ortes im Landkreis gespielt. Wie an anderen Orte» wurden auch dort bie einquartierten Truppen bei ihrem Abgang neu eingekleibet unb bie alten Uniform- stücke auf ber Bürgermeisterei ausbewahrt. Dieser Tag« erschienen nun bei dem Bürgermeister zwei Sol­daten mit dem Dorgeben, sie seien vom 5o (baten- rat beauftragt, dies« alten Kleider versteigern zu kaffen. Die Versteigerung dauerte zwei Tage unb ge­schah unter Aufsicht ber beiden Solbaten, Denen kein preis zu hoch unb keiner zu niedrig war. Rach Schluß ber Versteigerung strichen sie das Geld, den Betrag von etwa 2000 Mk., ein unb v ersetz wanden. Nach nunmehr angestellten Ermittelungen ist mau zwei Schwindlern in die Hände gefallen, über deren Persönlichkeit nicht bas geringste bekannt ift

Aus hem besetzen Nheingebiet.

= Cron berg, 6. März. Drei hiesige (t inwohner plünderten die französische Mannschaftsküche im Frankfurter Hof aus. Die Täter würben ermittelt unb zu ihrer Bestrafung nach bem Innern des be­setzten Gebietes abgeführt.

Königstein, 7. März. Aus ben Urteilen bes hiesigen Militärgerichtshofes: Georg Stamm von hier erhielt 200 Mk. Geldstrafe, weil sein Säge­werk böswillig" arbeitete, Postschaffner Stephan jus Eppstein hat wegen NichtgrÜßens eines Osfiziers öOMk zu zahlen, Gastwirt Bierbrauer aus Neuentzain wurde mit 300 Mk. bestraft, weil er einen öffentlichen Ball in seinem Lokal duldete, 300 Mk. mußte Gastwirt Krauß aus Schwalbach wegen Ueberfdjrettung ber Polizeistunde erlegen.

bald als Sieger in Stuttgart ein Dem kaiserlichen Wunsche, die deutschen Fürsten ebenso zuGranden" zu machen, wie es in Spanien bie Standesherren waren, hatte er getrotzt, hatte ben ben beutfdjen Fürsten hingeworfenen Fehbehanbschuh aufgenommen, und so auch nur. nicht als reinen Reliqionsstreit, kann man ben Schmalkalbilchen Krieg verstehen, wie ben Haß, mit bem ber Kaiser Karl V. ben zu Halle verratenen unb gefangenen ßanbgrafen verfolgte. Hessens Festungen geschleift, bas Beschütz verloren, ber Canbgraf gefangen in Mecheln: ein tragischer Sturz! - Unb boch erholte sich bas Heffenlanb ba- von wieder, Halle warb gerächt, als Hessen unb Sach, fen bie Ehrenberger Klause stürmten, Mecheln gerächt in Karls V. Flucht aus Innsbruck. Aber ein 91 obere» hat bas Heffenlanb nie oerwunben: bas un- selige Testament, bas seine tiefsten Wurzeln in ber Nebenehe Phtlipps hat, ba» Testament der Landes- teilung.

Aus diesem Testamente sproßt« bie bittere Saat, bie in ben Jahren des Heffenkrieges zu voller Reife kam, als um Marburg um Alsfeld Hessen gegen Hessen rangen, als Hessen Kassel zwar in politisch.militärischer Hinsicht einen neuen, glänzenden Aufstieg nahm, unb ßanbgraf Wilhelm V., nicht zuletzt mit ben durch seinen unglücklichen Vater geschmiedeten Waffen, dem Lanbesausschuffe, seine Siege erfocht.

Während Heffen-Darmstadt eine ruhiger«, stetiger« fiutturentwidtlung nahm, entfaltet« dagegen Hessen- Kaffe! eine Politik, bie die hessischen Fahnen auf fast allen Kriegsschauplätzen des ausgehenden 17. unb des 18. Jahrhunderts, hüben unb drüben bes Weltmeeres, wehen ließ, unb welche namentlich im spanischen (Erb­folgekriege unb im fiebeniährigen Kriege eine enorme Leistung bes Canbes barstellt Allerdings war diese Politik nur denkbar, angesichts des boch kleinen Landes, mit Hilfe ber Sudsibienoerträge, aber es ist <jn Ehrenblatt bes Heffenlanbes, daß es nie im Solde des Reichsfeindes gestanden, wie z. B. Friedrich Wilhelm von Brandenburg, ber für jährlich 100000 Livres, Ludwig XIV ben Besitz von Straß, bürg garantierte! Unb auch das Bündnis mit Eng- lanb, bas 17000 Hessen nach Amerika führte, im Sofb« Englands, trug seine Spitze gegen bas mit ben Nordamerikanern verbündete Frankreich.

Tie Fortsetzung dieser antifranzösischen Politik auch war es, die den Kurfürsten Wilhelm IX. von Hessen-Kassel, der so ganz und gar im Vanne der alten Rechstraditionen unb der Traditionen seiner Familie stand, den eingetretenen Wandel der Zeiten

verkennen ließ. Während Heffen-Darmstadt zur Er­haltung seiner Existenz in den Rheinbund trat unb während dieser Zeit namentlich durch Westfalen ver­größert ward, das es 1815 gegen Rheinhessen ver- tauschte, trotzte der Kurfürst von Hessen-Kassel dem »General Bonaparte- unb ging, nachdem er durch die schmähliche zweideutige preußisch« Politik im Stich« gelösten war, nachdem allerdings auch er seinerseits dadurch ins Schwanken gekommen, in die Verbannung nach Prag, indessen sein Land ein Teil des neuge­backenen Königreiches Westfalen, mit Napoleon» jüngstem Bruder Jerome als König, warb.

Interessant ist, wie bie in beiden Teilen Hesse» noch vor der napoleonischen Zeit inugurierte Politik auch ferner wirkte. In Heffen-Darmstadt bie ruhig- stetige Entwicklung »um modernen Verfaffungssiaaä, den auch die hochgehenden Wellen der deutschen Re- oolutlon von 1848 nicht ins Schwanken brachten, der gerade in seinen modernen Formen einen Hein­rich v. (Bagern dem Reiche, bem beutschen Volke,gab; in Kurheffen dagegen ein ruckwetse»,unstetes DorstürmeR des Volkes, ein Iurückhalten bir Reg erung, und in be» Krisenlagen, bie namentlich für bie deutsche Frag« der Sommer und Herbst 1850 brockte «in« zwischen eisernem Starrsinne, altfürstlicher Große und ängst­lichstem Zagen schwankend« Regie ung. Denn ba« dürfen wir nid t verkennen. Da» Schicksal Kurtzesten» war eigentlich schon damal» besiegelt, als bi« heimisch« Regierung nickt imstande gewesen, die Staalsbiener- revolution,bie Revolution in Schlafrock unb Pan­toffeln' mit eigener Macht zu unterdrücken. Da» ein­zige Mittel, bas rabihale, da» einst in ähnlich stür­mischen Tagen, als bie aristokratischen Stadtverwal­tungen ihm bas Le en schwer gemacht, Landgraf Hermann ergriffen, die (Entfettung ber demokratische» Kräfte, bas hatte Kurfürst Friedrich Wilhelm I nicht vermocht.

Was Heffen-Darmstadt, auch wieder al» einer der großen deutschen Kristallisierungspunkte der deut­schen Kultur, durch einen modernen Regenten ge­worden, braucht wohl kaum heut« erin, ert zu werden. Es ist die» noch nicht genug Geschichte, um beut* sch^n davon zu sprechen an einer Stell«, die nur oo» Hessens Geschichte zu zeugen bestimmt war.

Aber aus Geschichte kann, ja soll, Dolitik wer­ben! - Sonst ist das Studium der Geschichte ver­lorene Mühe, verlorene Zeit. Bruno Jacob.