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Nr. 57
Der 6iefctntr Anzely« erscheint täglich, außer SonnlaaS. — Beilaaen: Gietzener Kamlliendlütter;
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Erster Blatt lby. Jahrgang Samstag,
GietzenerAnzeiger jä General-Anzeiger für Oberhessen 5t»mtngsrun»i>ru<f u. »erlag: vrühl'Iche Unlo.-Such- u. Steinöruderef B. lange.$d)riftlelt#ng, Seschästrftelle u. »ruderet: Schulftr 7.
8 März (919
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wochrnrülkbllck.
In Paris tagt wieder der Kriegsrat der Entente, und es wird berichtet, daß die Vor- , schlage Fachs, Deutschland militärisch und wirtschaftlich zu bändigen, sich nicht durchge- fefct hätten. Es wäre seltsam, wenn der große, gegen Deutschland geschmiedete Bund der Völker sich nicht bald an irgend einer Stelle lockern sollte! Die Interessengegensätze liegen doch von Tag zu Tag mehr auf der Hand. Wer spricht das gewichtigere Wort: Wilson oder Lloyd George? Es ist unwahrscheinlich, daß diese Führer großer Völker in den Fragen der Weltpolitik ein Herz und eine Seele sein sollten, aber wir können schlecht überprüfen, wie weit die allgemeine Uebereinstimmung ihrer Ziele reicht. Wesentlicher und unserem Verständnis näher ist die Frage, wie England und Amerika im Gegensatz zu Frant- reich sich den endgültigen Frieden mit uns vorstellen mögen. Man sieht und durchschaut die französische Angst- und Gewaltpolitik gegen Deutschland. Der Nachbar fürchtet den wiedererstarlenden Rivalen, der durch die Angliederung Oesterreichs einen erheblichen Zuwachs an Bevölkerung erhalten wird, und er möchte diesen mivalcn, so weit es nur geht, schwächen. Deutschland einen Maulkorb vor- bindeu, damit es nicht beißt — so lautete die charakieristisch gehässige Aufforderung eines französischen Chauvinistenorgaues. Hand in Hand mit der Furcht Frankreichs geht aber auch sein Gelüste nach Entschädigung. Es verlangt ungeheure Summen von uns und nicht nur die Kostendeckung der unmittelbaren Zerstörungen, die her Krieg in den von uns früher besetzten Teilen Frankreichs angerichtet hat. Die Tatsache dürfen wir zugeben, daß Frankreich unvergleichbar viel mehr gelitten hat^ als etwa England oder Amerika. Aber wohinaus gehen deren Interessen? Steht hinter ihrem Fricdensprogramm etwa auch die Angst vor einem sich wiederaufrichtenden Deutschland? Sicher nicht. Wir haben keine Flotte, keine Unterseeboote mehr. Heute dürfen wir uns an ein Wort Sir Edward Greys erinnern, daß er beim Ausbruch des Krieges an den Vertreter Deutschlands gerichtet hat, nämlich, daß England nicht die Vernichtung Deutschlands wünsche und geneigt sei, bei sich bietender Gelegenheit den Frieden anzubahnen. Nun hat der Weltkrieg dem Vriten- reiche doch etwas mehr und länger zu schaffen gemacht, als dieser Minister meinte, und John Bull berechnet düster seine Verluste. Wie Augustus von Varus seine Legionen, so fordert England seine Millionen und Milliarden zurück. Dabei gerät es mit Frankreich doch etwas in Zwiespalt. Wir haben in diesen Tagen die Auffassungen englischer Minister kennen gelernt. Lloyd George, Churchill und Bonar Law haben über die Zweckmäßigkeit eines baldigen Friedensschlusses gesprochen. Sie scheinen tatsächlich nicht, wie die französischen Militaristen, unseren völligen Untergang zu wünschen. Sie wollen uns soweit schonen, wie man einen Schuldner schont, aus dem man ^möglichst viel herauspressen will, der 'leben mag, um zu zahlen. Nun sind die Entschädigungsansprüche, die England stellen kann, bei weitem nicht so hoch, als diejenigen Frank- reichs. Das Rachegelüst tritt bei der Londoner Politik also etwas zutück, der Prositgeist des Handelsmannes, der das verarmte Deutschland auszunützen streben wird, tritt hervor. Wie wenig aber ein milder Sinn auf dieser Seite herrscht, geht aus Churchills Mitteilung hervor, daß die deutschen Kriegsgefangenen aus England zur Arbeit für den Wiederaufbau in Frankreich und Belgien abtransportiert würden! Das beleuchtet grell die Gesinnungsfrage, die ethische Seite des Problems! Da mag Frankreich sehen, daß es etwas einheimse, was England nichts kostet. Bei den nächsten Aufräumungsaufgaben will die britische Politik von der französischen sich nicht zu weit entfernen, denn England will unter e ng l ischer Führung einen Völkerbund! In der Frage der Lieferung von Lebensmitteln für Deutschland gesellt sich dazu das britische Verlangen, den deutschen Schiffsraum sich zu eigen zu machen. Außerdem greifen die Engländer und die Amerikaner bei diesen Lieferungen zu Frankreichs Mißvergnügen nach den verfügbaren deutschen Zahlungsmitteln. Langsam und berechnend, wie es die Taktik wuchernder Halsabschneider ist, wird das englische Geschäft gemacht, daS nicht gerade von Vernichtungswut, noch viel weniger aber von -irgendwelchen milden 'Herzensregungen diktiert ist. , t t w
Demgegenüber wird das Streben Amerikas, das im Kriege nicht so viele Schäden erlitten, aber schon sehr viel verdient hat, mehr dazu neigen, reine handelspolitische Vorteile zu sammeln. Die Entschädigungsgelder schlägt der großzügige Kaufmannsgeist auf die Warenpreise. Präsident Wilson hat, bevor er die abermalige Reise nach Frankreich antrat, in
einer doppelsinnigen Rede wieder von den für )ie ganze Menschheit zu leistenden Ausgaben und Taten gesprochen. Wir dürfen hoffen, daß er auf der Friedenskonferenz bemüht sein ein, die schwersten Gewaltakte abzuwehren oder abzuschwächen. Die deutsche Poliiik muß ihm dieses Amt erleichtern, nicht indem wir zu ihm flehen, sondern indem wir der Gewaltpolitik der andern Widerstand entgegen» etzen.
Die deutsche Regierung hat die Auslieferung der gesamten Handelsflotte als Gegen- eistung für die einmalige Lieferung von 370000 Tonnen Lebensrnitteln verweigert, und die Ausschüsse in Spaa sind auseinandergegangen. Jeder Deutsche spürt bis ins Innerste die Schmach und Schande, bic in der neuesten Zumutung gelegen war. Unsere Peiniger hatten weder Gewissensbedenken noch die Besorgnis, irgend etwas aufs Spiel zu setzen, indem sie uns so zusetzten. Ueber die ursprüng- iche Vertragsbestimmung, daß sie, soweit es ich als nötig erweise, die LebenSmittelver- örgung Deutschlands sicherstellen wollten, etzten sie sich gelassen hinweg. Seit vier Monaten wurde Deutschland planmäßig ausge- ilündert, ohne irgendwelche Nahrungsmittel zu erhalten; ja, die Blockade wurde gegen die Nordstaaten sogar verschärft. Die heutige Meldung über eine Anfrage im englischen Oberhause kann den Tatbestand nicht bemänteln. Brutal wird gefordert: erst die Schiffe, dann, soweit wir es für nötig halten, Lebensmittel für euch!
Es wurde gemeldet, die deutsche Regierung habe in der Vollversammlung in Spaa noch einmal alle deutschen Klagen zusammengefaßt. Aber Klagen und Proteste allein helfen nichts. Wir haben doch noch einige andere Mittel, um den Uebermut der Feinde in Verlegenheit zu bringen. Wollen sie uns in den Abgrund stürzen, so sollen sie mit hinein! Wir können zusehen, ob sie Luft und Mut haben, noch weitere Gebiete Deutschlands zu besetzen, nachdem schon einige bolschewistische Flammen daraus emporgeschlagen sind. Will und kann Frankreich den Einmarsch Höheren? Und wie stellen sich seine Verbündeten dazu? Mit Willenskraft und Beharrlichkeit könnten wir die „Sieger" doch noch einmal in Schreck und Verlegenheit setzen! Manche Warnungsrufe vor der bolschewistischen Gefahr sind aus ihren Kreisen bereits aufgestiegen. England und Amerika sind darin ausrichtig, daß sie den baldigen Fric- densschluß wünschen. Nun, dabei können wir doch ein Wort mitsprechen. So sehr auch wir uns nach einem baldigen Frieden sehnen, so wenig Eile bür feg wir haben, uns politisch und wirtschaftlich ruinieren zu lassen. Wenn die Ueberlegungen richtig finb, bie wir über bie verschiedenartigen Interessen der Franzosen, Engländer und Amerikaner angestellt haben, so verspricht uns bie Taktik passiven Widerstandes demnächst vielleicht interessante Aufschlüsse! Es geht ein grimmer Ernst, ein verzweifelter Fatalismus durch die deutschen Lande. Die innere Lage des Reiches ist so krisenhaft wi,e nur je. Noch ist der 'Berliner Generalstreik nicht beendet, noch flammt an vielen Orten der Aufruhr. Die Regierung hat durch Verhandlungen versucht, die Ruhe herbeizuführen. Sie hat große Zugeständnisse gemacht und Gesetze in nahe Aussicht gestellt, deren Durchdringung in der Nationalversammlung keineswegs gesichert erscheint. Der Parteitag der Unabhängigen stellt einen noch radikaleren Wunschzettel auf. Mit einer großen Gruppe Streikender und Aufrührer ist keine Einigung erzielt worden. So dürfen wir uns nicht verhehlen, daß mit wachsender Lebensmittelnot neue, schwere innere Unruhen bevorstehen. Nach innen und nach außen wanken die Ideale: draußen, im Rate des Völkerbundes überall ein ernüchternder, kalter Egoismus; — int Innern eine zunehmende Verwirrung unb Verwilberung ber Geister, bie uns an Geibels Ausruf lebhaft erinnert:
Tie Freiheit hab' ich stets hn Sinn getragen, Doch hasst ich eins noch grimmer als Tespoten: Tas ist ber Pöbel, meint er sich den roten Zerfetzten Königsmantel umgrschlagen."
Retten könnte uns eine Umkehr unserer äußeren Feinbe, wenn sie von ihrer Erpresserpolitik in ihrem eigenen Interesse ablassen und durch Ermöglichung einer ausreichenden Ernährung des deutschen Volkes dem Bolschewismus den Boden entziehen. Der Gedanke ist einleuchtend; vielleicht wird er in den Pariser Beratungen zum siegreichen Durchbruch kommen. Bei der deutschen Politik liegt es, mit diesem Gedanken nicht nur Ernährungsschwierigkeiten der nächsten Wochen zu überwinden, sondern einen dauerhaften Frieden des Rechtes zu verketten. Fester Wille und leidenschaftlicher Entschluß müssen uns das Mitbestimmungsrecht beim Fritdcnsschluß er» ■ zwingen.
Deutsche Nationalversammlung. I
Sitzung vom 7. März 1919.
Reichsminister Wissel: Tie Regierung nniß' unerfüllbaren Wünsck>en gegenüber bart fern, »je wlttifdx Umwälzung gab dem tverftätigen Volke die Zuversicht, es werde in naher Zukunft audj seine wirtschaftliche Zukunftsideale verwirklicht eben. Tas werktätige Volk will jetzt Taten sehm und schrei et überall selbst zu Taten. Schm droht die Auarckrie, die zu Tod und Untergang führt. In dieser Wirrnis hält es die Reichsregierung etr> wütig für ihre Pflicht, durch die Gesetzgebung dem sozialistischen Streben ein legales Feld der Betätigung zu eröffnen. Aber die neue Zeit kann nicht nur Freiheit bringen, sie muß auch Pflichten; auferlegen. Tem entspricht das Recht aut Arbeit unb die Pflicht der Gesamtl^cit, arbeitswilligen! Arbeitslosen den notwendigen Unterhalt zu gewähren. Tem .Gesetz über die Ko hlenwirt- d) a f t wirb unmittelbar eines über bie Kalr- wirtschaft folgen. Zur gesetzlichen Regelung reif ist die Kohlenwirtschaft. Als Sachwalter ber Allgemeinheit werden die unmittelbar beteiligten Kreise zur Verwaltung herarrgezogen. Fimmzpolte tisch muß man möglichst hohe Einnahmen des Reiches aus der Koylemvirtschast erstreben, ^as Reich wird sich nickst scheuen, in die sogenannten: wohlerworbenen Rechte ober in bie privaten Bergregale einzugreifen. In ber Kokerei unb bei! Ersen- und Stahlindustrie,\bie mit den 3ed)cn eng verbunden sind, sind überstürzte lautliche Eingriffe zu vermeiden, da ie zu Mißerfolgen führen könnten. Die Voraus!- ehring für die Wettbewerbsfähigkeit auf dein Sk'Itlt markt ist bie möglichste Steigerung ber Wirtschaft- lichteit. Tie neue Organisation wird den Aufstieg der Tüchtigsten fördern. Sie werben Wunder erleben, welche Energien Sie zuM Wohle unserer wirtsck>aftlichcn Zukunft freimachen. (Lebh. Beifall.)
Abg. Hu 6 (Soz.): Von einer fogenannten Verstaatlichung ber Kohlemvirtsch.ift ist abzufthen, um die Schäden ber Bureau kratisierung zu vermeiden. Tie wilde Sozialisierung in einzelnen Betrieben ist das Gegenteil von Sozialismus. Betriebs- ober Zechenräte zur Kontrolle des ganzen Produktionsprozesses halten wir für durchaus notwendig. Eine Kommissionsberatung halten wir nicht für erforderlich. Tas Privatiirteresse muß sich dem Gemeininteresse beugen.
Abg. Tr. Brau ns (Ztr.): Die private Gewinnsucht hat im Kriege wahre Orgien gefeiert. Als Gegenströmung gegen bie)en Geilt des Mam- monismus ist eine gewisse Sozialisierung durchaus berechtigt. Tie Sozialisierung bebeutet für bie Arbeiter nicht bloß eine Gelbftage, sondern ber Mensch will als solcher geachtet werden im Pro- buklwnsprozest. Sofern die Gesetzentwürfe diese ökbanFcn zur Geltung bringen, stimmen wir ihnen zu. Dem an zweiter Stelle stehenden Gesetz fehlt der praktische Nackstwuck. Tie Erfahrungen der Kriegswirftckiast ermutigen nickst dazu, alles in den großen Topf ber Reickjswirtsckmft zu werfen. Tic Annahme des Sozialisierungsgesetzes wirb als eine Tat in der Kulturgeschichte der Menschheit verzeichnet werben.
Abg. Kempkes ldeuftchnational):, Wir können uns von ber Sozialisierung für die Produktion wie für die Arbeiter wesentliche Vorteile nickst: versprechen. Unsere Bedenken erhöhen sich dadurch, baß die Sozialisierung gerade in der jetzigen Zeit gemackst wird. Mit dem Mautelgesetz wird der erste Schritt auf einer Bahn getan, von der wir nicht wissen, wohin sie führt. Die Regierung scheint ge- w'.sse Rücksichten nehmen zu müssen vor den an- ftürmenben Massen draußen. Das Gesetz ist eine Kapitulation ber Regierung.
WirftckxlftSmiiftster W issel: Die Regierung bat dieses Gesetz aus eigenem: Antrieb eingebracht. Unbegründeten und unerfüllbaren Fvrberungm wird mit aller Entschiedenheit entgegengetreteiä werden.
Abg. Dr. Dernburg (Demokrat): Das Rückgrat unserer Wirtschaft hat die Privatinitiative und die Privatwirtschaft zu bilden. Sozialisiert können nur bie hierzu geeigneten .Unternehm mungen werden. Von diesem Gesichtspunkt ans haben wir gegen den Entwurf schwere Bedenken. Von ber Mitarbeit der Arbeiter in den Selbst- venraltungskörpern erwarten wir sehr Gittes.
Weiterberatung Samstag vormittag 10 Uhr. Schluß 71/2 Uhr.
Die wahrscheinlicher! Iteilung der Türke
Bern, 7.Märi. (WTB.) Tas „Journal de Gönöve" veröffentlicht einige Informationen über die trahrsckieinlickie Austeilung der Türkei. Tas türkische Gebiet rtirb demnach auf das Hochplateau von Anatolien beschränkt bleiben. Tie Westküste von Kleinasien zwischen Aivala und dem Golf von Kos erhält Griechenland einschl. des Hinterländer bis zum Wilajet Aidin. Smyrnr, Pergamon und Ephesus fallen ebenfalls an Grieckrenland. Italien erhält zusammen mit der Provinz Ddalia das internationale Mandat über den ganzen Teil von Kleinasien, der der Türkei verbleibt. Tas Wilajet von Adana, das von den Armeniern aus wirtschaftlichen Gründen beansprucht wird, aber eine zweifellos reintürkischs Bevölkerung hat, wird zum türkischen Reich geschlagen werden, das demnach zwei Ausgänge zum Mittelmeer in Gestalt der Häfen von Abalia und Merftna haben würde. Tas östtiche Kleinasien erhält Armenien unter der wahrscheinlichen Kontrolle der Vereinigten Staaten. Die armenischen Wilajets von ErscruM, Wan und Tiflis, werden wahrscheinlich mit dem Wilajet Trapezunt vereinigt locrben, das pvar von einer griechis che 4 Bevölkerung, die ihre Unabhängigkeit Ioerlangt, bewohnt wird, aber nicht genügend- Bedingungen für ferne Lebensfähigkeit gibt. Außerdem ist Trapezunt für Armenien wichtig, weil das
Land einen Zugang zum Meer erhält. Im Süden wird Armenien durch Arabien von der Türkei losgelöst, ohne daß man jetzt schon sagen könnte, welckiern Staat es zugetcilt und welche Form bicfe Zuteilung erhalten würde. Konstantinopel und bie Dardanellen werden internatro- it a I i f i c r t nxrben. Die einzige fdyivrmge Frage, die zu lösen bleibt, ist die Frage von L>rnyr na. Smyrna wird von einer türtifd>en Bevölkerung Awohnl und diese türkische Jrredenta kömtte umfo gefäljrlieber werden, wenn sic von einer europäischen Macht unterstützt würde, wobei das Blatt auf die bereits auf ber Konferenz von <st. Jan de Mvriennc von Sonnino bei Ridot angemeldeten Ansprüche Italiens auf Smyrna hinweist.
Die ttonfcrenz in Pari».
Paris, 7.März. (WTB.) Havas. Dipko- matischer Situationsbericht. Tie Sitzung des Obersten Kriegsrates vom Donnerstag mittag hinterließ in der Unserenz einen ausgezcickmeten Einbruch. Ll 0 yb George roolynte der Sitzung bei. Er drang besonders darauf, daß bie Alliierten Teutsckstand gegenüber klar, eft mnb schnell Ijanbcln sollen. Er legte bar, bi& ber Waffenstillstand nicht nur militärisck)e, sondern auch pofttisckic Folgen habe, für die die Leiter ber Regierungen verantwortlich feien. Er verlangte netter eine Verschärfung der von den mitte tärifrfien Sackwerstänbigen ausgearbeiteten Bedingungen, besonders bezüglich der von Deutsch- laich zu haltenden Truppen bestände. Die Besprechung der militärisckrcn Bchingungen wurde bes- balb auf Freitag vertagt. Die maritimen Bedingungen des Waffenstttlstwrdes mürben angenommen, aber die Frage des Schicksals der benschen Flotte unb ihrer Verteilung unter bte Alliierten verschoben. Die Sitzung zeigte ein voll- konmrenes Einvernehmen der Alliierten über bie Entwaffnung Deutschlands.
Nach einem Lvnboircr HavaSbericht der „T-aily Matt" werden bie brutschen Unterband- l e r zum' 20. März nach Versailles konrmen fönnen. Ter Pr äliminar fr jede würde bann Anfang April unterzeichnet werden.
Die Kolonialsrage.
Amsterdam, 7. März. (WTB.) In der radikale» englischen Wochenschrift ,Nation" behandelt Moret nochmals das afrikanische Problem und fragt: „Mit welchem Recht wird eigentlich Deutschland aller seiner Kolonien beraubt? Es hat grohe Kapi» talien hineingesteckt. Drei von den vier Kolonien sind in größter Blüte und mehr wert als di« ganze europäische Kriegsschuld. Man kann diesen Raub nicht unter dem Dorwand begehen, daß die deutsche Verwaltung so besonders schlecht gewesen sei, da diese Beschuldigung vor einem Gercchtshof nicht standhalten würde. Was man als Argument anführen kann, ist das alte Vae victis! Aber das paßt nicht mehr in die neue Weltordnung." Abgesehen von der Rechtsfrage müsse man sich auch fragen, ob mit dieser Politik ein dauerhafter Friede erreicht werde. Das werde natürlich nicht der Fall sein, denn ein großes Volk werde dann ganz vom a'rikanischen Markt abgeschnitten, wahrend ein anderes viel Klei» neres Volk, das bereits großen afrikanischen Besitz habe, diesen noch ausbreite.
Paris, 7. März. (W.D.) Reuter. Man erwartet, daß die Bedingungen für den Präliminarfrieden am 22. Mai zur Vorlage für die Deutschen bereit seien und darauf von Deutschland unterzeichnet werden.
Die Verhandlungen über die Ostfrage.
Berlin, 7. März. (WTB.) Die deutsche^ Kommission für bie Ostfraaen war am 5. März morgens von Berlin nach Kreuz abgereift, irm dort mit ber interalliierte^ Kommission aus Warschau zusammenzutreffen unb sich bann gemeinsam mit ihr nach Brom berg, dem vereinbarten Verhaublungsort, zu begeben. Kurz nach bem Eintreffen in Kteeuz tanb eine Zusammenkunft ber beiderseitigen Kommissionen statt Von bcutfdjer Seite nahmen daran teil: als 93orfit«ni>2r Frhr. v. Rechenberg, Mit- qlteb ber deutschen Watsenstillstanl^kommission, Steatsminister a. D. Dr. Drews für bic preußische Regierung, Generalmajor von Tommes für Die Oberste Heeresleitung; als Referenten: Rcgie- rutigsassesior Krahmer-Möllenberg für bie preu- hisckx Regierung, Major v. Falkenhausen und' Major Böhm für bic Oberste Heeresleitung, .Hauptmann Schumack)er für bas Kriegsministerium, Rittmeister v. Brentano für bie deutsche Wasftn- stillstandskom'mission u. a. Tie Alliierten warea französisckierseits vertreten durch den Botick^astei; dioulens als Vorsitzeirben unb General Niessel. Von englischer Sette nahmen teil Gesandter Sir Howard unb General Faston be Varl, von amerikanischer Seite Generalmujor Kernen und Professor Lord, von italienischer Seite Minister Montagns unb Generalmajor Fomet Longirena. Im Laufe ber Sitzung weigerten sich bie Entenlevertretcck trotz der getroffenen Vereinbarung, in Bromberg xu verhandeln. Man einigte sich schließlich au? Posen als VcrHandlungsort. T<ort werben bie Verhandlungen wahrscheinlich am 6. März beginnen.
BolschewistengefahrauderDnjcstr-Front.
Amsterdam, 7. März. (WTB.) „Chicago Tribüne" meldet aus Bukarest, daß General Derthelot, der Kommandant der alliierten Don-Armee, einen, großen Angriff der Bolschewiki gegen Bessarabien für die nächste Woche erwarte. Die Bolschewiki treffe« große Vorbereitungen und wollen an der Dnjestr« Front durchbrechen. Sie sollen Unterstützung von bolschewistijchen Banden in Ostgalizien erhallen haben und die Erstürmung von Bukarest planen. Der General soll sich besorgt über die Lage in Südruß» land und an der bessarabischen Grenze ausgesprochen haben, da er nichts gegen die bolithe* wiftische Armee unternehmen könne, solange sich di.


