Ausgabe 
8.2.1919
 
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Erstes Blatt

W. Jahrgang

Samstag, 8 Hebruar

schlagen möge, senden die Alldeutschen in Steiermark. Weiter gelangte zur Verlesung eine von der deutsch, böhmischen Landesversammlung am 19. Januar be­schlossene Kundgebung an die Deutsche National­versammlung, deren Inhalt vom Hause mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen ausgenommen wurde. Ein Telegramm erbittet als ersten Beschluß der National. Versammlung die Absetzung aller Arbeiter- und Soldatenräte (Beifall rechts, Pfuirufe links und Unruhe) und zu beschließen, Generalfeldmarschall von Hindenburg zum provisorischen Präsidenten zu wählen. (Vereinzelte Bravorufe rechts.) Schließlich empfiehlt ein Telegramm im Namen vieler Ausländs­deutschen, WalterRat Henau zum Präsidenten Deutsch­lands vorzuschlagen. (Große Heiterkeit.)

Alterspräsioent Pfannkuch: Wir treten nun­mehr in die Tagesordnung ein: Wahl des Präsi­denten, der Vizepräsidenten und der Schriftführer. Für die Wahl des Präsidenten und der Vizepräsi. denten ist Paragraph 9, Abs. 2 und 3 der Geschäfts- ordnung maßgebend. Danach wird der Präsident owie jeder der drei Vizepräsidenten in besonderer Wahlhandlung durch Stimmzettel mit absoluter Stimmenmehrheit gewählt. Hat sich eine absolute Mehrheit nicht ergeben, so find diejenigen fünf Kan­didaten, welche die meisten Stimmen erhalten, auf eine engere Wahl zu bringen. Wird auch bei dieser Wahl keine absolute Mehrheit erreicht, so sind die­jenigen beiden Kandidaten, welche die meisten Stim­men in der engeren Wahl erhalten haben, auf eine zweite engere Wahl zu bringen. Tritt in dieser letzten Wahl Stimmengleichheit ein, so entscheidet das Los. Die Wahlhandlung erfolgt durch Namens­aufruf, wobei jeder Abgeordnete mit: Hier! antwortet uno seinen Stimmzettel in die Urne wirft. - Schrift- ührer Dr. Pfeifer führt die Lifte beim Namens­aufruf.

Alterspräsident Pfannkuch verkündet das Er-

Annahme von uuzelze» f. die Tagesnumurer bld zum Nachmittag vorher ohne jedcVel bm dl ichkeü 3ei!cnpreise:

für örtliche Anzeigen 25 l>f.,siirau4lvärtlge 30 Pi., für Reklamen Mk.l.-nebst 20°,Teue- rungSzus ttllag;Plaijvor' schrill 20 % An'schlag. Vauvtschri'tleiter: Aua, Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz für den übriaen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: ö. Bech sämtlich in Gießen

gebnis der Präsidentenwahl. Don den abgegebenen 399 Stimmen haben erhallen Dr. David (Soz.) 374 Stimmen (Beifall), Dr. Cohen (U. 5.) 1 Stimme, Dr. Heinze (Deutsche D.-P.) 1 Stimme, Fehren- bach (CH istl. D.-P.) 1 Stimme; 22 Stimmen wurden unbeschrieben abgegeben. (Zuruf: Ah! Die Unab­hängigen!)

Dr. David erwidert auf die Frage des Alters­präsidenten: Ich nehme die Wahl an. Er nimmt hier­auf den Präsidentensitz ein und richtet an die Der-, ammlung folgende Ansprache:

Meine Damen und Herren! Zunächst glaube ich in Ihrer aller Sinne zu handeln, wenn i'

Ur. 35

Ter Lietzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Bettaaen: Siebener.^amilirnblätter;

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Weimar, 7. Febr. (WTD.) Die Frage der Zulassung der e l s ä s s.i s ch e n Abgeordneten zur Nationalversammlung ist bis zur Stunde uw- entschieden. Wie wir aus parlamentarischen .Kreisers hären, sind gegen den Vorschlag, die elsässischew Abgcordneten an den Vollsitzungen mit beratender Stimme teilnehmen zu lassen, Bedenken aus- getaircht, die zurzeit noch Gegenstand von Bera­tungen sind. Es ist eventuell in Aussicht genom­men, di» Abgeordneten zu den Sitzungen pes Haupt- ausfchusses zuzulassen.

lieber den Lustpostverrehr zwische« Berliv und Weimar

erfahren »vir folgendes: Die ersten Flugzeuge sind am 6. Febr. vormittags in Berlin um 7 Uhr 10 und 7 Uhr 12 aufgestiegen. Das erste mit 40 Brie­fen und 66 Kilo Zeitungen traf in Weimar um 10 Uhr 46, das zweite mit 53*/? Kilo Zeitungen bei einer Notlandung in Bitterfeld um 12 Uhr mittags ein. Die zweite Fahrt ab Berlin erfolgte um 12 Uhr 55 mit 105 Briefsendunaen imb 128 Kilo Zeitungen, die Ankunft in Weimar um 3 Uhr 25; da die Höchstbelastung des Flugzeuges 135 Kilo beträgt, so erreichte dieses Flug.zeug btefe Grenze beinahe. Die Rückfahrt erfolgte von Weimar um 9 Uhr 30 mit 242 Briesen, die Airkunft in Berlin um 11 Uhr, die zweite Fahrt ab Weimar 2 Uhr 35 mit 24 Briefen, Ankunft in Berlin um 4 Uhr 20. Die Flugzeit betrug also nur P/, Stun­den. Heute früh sind die beiden ersten Flugzeuge mit 152 Briefscndungen unb 60 Kilo Mungerr brd. 85 Ma Zeitungen nach Weimar abgegangm,

Versammlung sei das weithin sichtbare Zeichen des Willens der Erneuerung im Innern und des Willens zur kraftvollen Geltendmachung der Lebensinhalte unseres Volkes nach außen. (Beifall.) Möge sodann von Weimar eine Flamme ansgchcn, die die Herzen unseres Volkes" erwärmt und seine Seele erleuchtet in dieser dunkelsten Zeit natio-- tmlcn und persönlichen Neides, um mit Lebensmut und neuer .Kraft aus dem Haftern Tal der Gegen­wart den Aufftieg zu finden zu einer lichteren und glücklicheren Zukunft. (Lebhafter Beifall uni» Händeklatschen.)

Es folgt die Wahl von drei Vizepräsi­denten mit gleichen Rechten.

2lbgeordncter Gröber (Ztr.): Ich schlage vor, alle drei Vizepräsidenten in einem WaU- gang zu wählen. Da ferner eine Verständigung unter den Parteien erzielt ist, fo schlage ich vor, die Wahl durch Zuruf vorzunchmen.

Abgeordneter Haase (Unabhängig) " wider­spricht diesem Vorschlag, so daß die Wahl durch Zettelabgabc erfolgen muß.

-Das Ergebnis der Wahl ist, daß zu Vize­präsidenten gewählt werden: Abgeordneter' Fchrenbach (Zerürum) mit 374, Abgeordneter H a ußmann (Demokrat) mit 374 urrd D ie t- r i ch (Deutschnational) mit 356 Stimmen. 25 Stimmzettel waren ungi'iltig. Die gewählten Ab­geordneten erklären, daß sie die Wahl annehmen. Es folgt die Wahl von acht Schriftführern. Die Wahl findet ebenfalls durch Stimnrzettelabgabe

Der Präsident bittet dos Haus, um ixte Er­mächtigung, das Ergebnis der Abstimmung nach Schluß der Sitzung ermitteln zu lassen. Die Er­mächtigung wird erteilt.

Nächste Sitzung Samstag 3 Uhr. Entwurf eines Gesetzes über die vorläufige Reichsgewalt. Schluß nach 1/26 Uhr.

Deutsche Nationalversammlung.

Sitzung vorn Freitag den 7. Februar, nachrn. 3 Uhr.

An dem Tische für die Reichsregierung und die Vertreter der Einzelregierungen: Ebert, Noske, Wis­sel, Erzberger, Schiffer u. a.

Um 3* 4 Uhr eröffnet der Alterspräsident Ab- geordneter Pfannkuch (Soz.) die Sitzung.

Ts gelangt zunächst zur Verlesung eine große Anzahl von Begrüßungstelegrammen u d Adressen, die an die deutsche Nationalversammlung gerichtet sind. Namens der Stadt Frankfurts M., die das erste deutsche Parlament in ihren Mauern aufnahm, begrüßten Magistrat und Stadtverordneten die Nattonalversammlung. Brüderliche Grüße sendet mit der bestimmten Erwartung bald gen Anschlußes von Deutsch-Oesterreich die provisorische Landes­versammlung von Kärnten; ehrfurchtsvolle Grüße mit dem Wunsche, daß bald die Stunde der Befteiung den deutschen Brüdern in Elsaß-Lothringen, Schlesien, Posen, Westpreußen, an der Drau und an der Mur

höheres Gesellschastsideal lebt in den Massen des werktättgen Volkes. Sozialismus! Auch die­ses Wort hat für manche Leute heute noch einen schreckhaften Klang. Auch hier muß die Brücke gegenseitigen Verstehens geschlagen werden, damit wir zu fruchtbarer Zusammenarbett auch auf die­sem Gebiet kommen. Das alte Wirtschaftssystem beruhte aus dem Gegensatz zwischen .Kapitalgewimr und Arbeitsentlohnung. Die aus ihm hervor­gegangene gesellschaftliche Kultur zeigt den Gegen­satz zwischen einer dünnen kulturreichen Oberschicht und einer breiten kulturarmen, wenn nicht in direkt physischem und geistigem Elend dahinlebenoen Unterschicht. Die Idee des Sozialismus ist die Ueberbrückung dieser Gegensätze. 9hir durch Lösung dieser Probleme kann der dauernde Frieden im Innern unseres Volkes erreicht werden. (Bravo.) Die Zukunft zeigt uns ein Volk, das in allein seinen Schichten ein Kulturvolk ist. Gin solches Ideal trägt eine gewaltige Kraft in sich. Das Sehnen der Millionen nach Formen kul­tureller Gleichberechtigung findet in ihm seinen Ausdruck. Nur wer das versteht, wird ohne Haß und Furcht dem Drängen der Arbeitermassen ge­recht werden. Demokratie und soziale Gerechtigkeit vereint werden dasdeutscheGemeinschafts- g e f ü h l zum deutschen Land und zum deutschen Volk mächtig erstarken lassen. Zum deutschen Land und zum, deutschen Volke gehört bis zur Stunde auch Elsaß-Lothringen. Zu unserem Be­dauern müssen wir feststellen, daß dort die Wahlen zur Deutschen Nationalversammlung verhindert worden sind. Wir senden dem elsaß-lothringischen Volke unseren Gruß und werden nicht aufhören zu fordern, daß auch ihm das Recht der Selbstbestimmung über seine nattonale Zu­gehörigkeit gewahrt wird, wie es in den Wilson- chen Grundsätzen ausgesprochen ist. (Lebh. Beifall.) Und'zu diesem deutschen Land und Volk gehört auch der deutsch-österreichische Bruder- t a m m. (Beifall und Händeklatschen.) Die Be­geisterung^ mit der alle Kundgebungen zu feinem Wiederamchluß hier ausgenommen worden sind, legt Zeugnis ab, wie lehr diese Wiedervereinigung dem ganzen deutschen Volke Herzenssache ist. Ich gebe mich der Hoffnung hin, die Vertreter Dentich-Oesterreichs in nicht allzuferner Zeit als Kollegen in unserer Mitte willkommen heißen zu diftfen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Die Arbeit der Nationalversammlung soll die t glaube ich I Freude unseres Volkes an seinen politischen und ich unserem > sozialen Einrichtungen erhöhen. Die National-

wochenrüäblick.

Es war so vieles in Schutt und Staub gesunken, so daß wir schon ein wenig Freude empfinden, luenn ein kleines Fleckchen deut­schen Bodens vom langsam wiedererwachen­den Geist der Ordnung neu geweiht wird. Weimar ist uns in bie'cm Sinne lieber als Berlin. Es ist uns, als müsse die Reichs­hauptstadt eine gute Weile dein reinigenden Luftzug ausbesetzt werden, damit die' uner- baulickfen Sttmmungsdüfte sich verziehen, die un> lange Monate das Leben sauer gemacht haben. Mit den 400 erschienenen Abgeord­neten der Nationalversammlung, den Ver­tretern der bisherigen Voltsregierung und dem spärlichen, glanzlosen Rest der fremden Diplomatie, der noch friedliche Beziehungen zum unterhält und nun das Schauspiel neuen parlamentarischen Lebens bei uns mit­macht tritt heute jeder Deutsche im Geiste in den Bannkreis einer geheiligten, glück- lieferen Erinnerung. Noch sieht es finster und traurig genug im Reiche aus! Aber die Zeit schreitet fort und der ersehnte Augen­blick ist gekommen, wo ein neuer Volkswille wieder das Recht und staatliche Ordnung auf­richtet. Die Gemüter fiinb noch beklommen und jeder tönende Feierklang fehlt: gleich­wohl dürfen wir mit der Eröffnungstagnng der deutschen Nationalversammlung zufrieden sein. Die biedere Begrüßungsansprache des Dolksbeauftragten Ebert hielt sich von über» schwang'.ich er Verherrlichung der Revolution fern, und die schwachen Seilenhiebe, Die dabei auf das alte, beseitigte System fielen loaren kaum jemandem recht schmerzhaft, wenn auch die Reckte des neuenhohen Hauses" miß- ' billigende Zwischenrufe machte. Streiten wir in dieser Stttnde nicht über oas Vergangene! Ebert sagte, was die Erfordernisse Der Gegen­wart angeht, viei Richtiges. Die National­versammlung soll nach seinen Worten jetzt der hcchste und einzige Souverän in Deutsch­land" fein. Ebenso politisch friedfertig klang auch der Satz, angesichts des Massenelendes der Völker erscheine die Schuldfrage beinahe klein. Wird uns doch gerao-e jetzt gemeldet, daß die in England ausgebrvchenen Streik- bcnvegungen bolschewistischen Charakter trü­gen, ja, daß der Bolschewismus auch in Ame­rika langsam sich 6 einer Ihar mache, so daß dort der allgemeine Wunsch sich rege, die Truppen möchten bald in die Heimat zurückkehren. Demnach wäre die bolschewistische Grippe ganz unabhängig von dem europäischen Elend auch über dem atlantischen Ozean ganz plötzlich , aufgetaucht.

Der Berner Sozialisten! ongreh.

Bern, 6. Febr. (WTB.) Am Schlüsse da heutigen Vormittagssitzung wurde die Resolution über den Völkerbund mit den von verschie­denen Diskussionsrednern vorgebrachten Abände­rungsvorschlägen und Zusatzanttägen angenommen.

Vom Bureau wird mitgeteilt, daß in An­betracht des Grundsatzes, keine Minoritäten zuzu­lassen, wenn nicht auch die Majoritäten anwesend sind, bje bisherigen Mitglieder der amerikaniscküml Delegation nicht zugelassen werden können. Die schweizerischen Grütlianer werden zügeläsen, weil sie in ihrem Programm die gemeinsame Forderung nach Klassenkamvf und proletarischer Aktion bciüd* sichtigen. Die deutschen Delegierten erklären über den Sonntag hinaus bleiben »u können. Infolge­dessen soll die Debatte erst Sonntag nachmittag geschlossen werden, wobei.als letzter Punkt der Tagesordnung Demokratie und Diktattir zur Der- Handlung kommen soll. Gleichzeitig wird die Frage einer Kommission, bestehend aus je zwei Mitglie­dern jeder Delegation, der Kommission der Kon­ferenz überwiesen.

Die Nachmittagssitzung begann mit der Er­örterung der

territorialen Fragen.

Mistral (Frankreich) legte über die terri­torialen Fragen der Konferenz folgende Resoli? tion vor:

1. Zweifellose Geltung des Rechtes her Völker, ihr Schicksal und ihre staattiche Zugehörigkeit inner­halb der Vereinigung des Völkerbundes selbst zu beftimmen.

2. In umstrittenen Gebieten Entscheid lagen über die Zugehörigkeit durch V o l k s a b si'i m - m u n g unter Kontrolle des Völkerbundes, der in letzter Instanz entscheidet.

3. Das Recht der Nationen ist gesichert vurpb ein Minimum von Recht, ausgearbeitet von der Liga der Nationen und van ihr bei seiner An­wendung garantiert.

4. Bei Neubildung von Staaten ober bei Neu- angliederung von schon bestehenden Staaten muß der Völkerbund darüber wachen, daß allen von Neu­gestaltung berührten Nationen ihre wirtschaftlichen und Lebensinteressen auf Handrck und Verkehr ge­sichert werden.

Schuldfrage auf einer mittleren Linie. Man will von einer Entscheidung in der Schuld­frage jetzt absehen und zum Aufbau der In­ternationale sich wieder die Hände reifen. Da- bei wurden sogar einige Forderungen Wil­sons in einem uns Deutschen günstigen Sinne interpretiert, so die Frage des Völkerbundes. In der Frage territorialer Veränderungen soll das Selbstbestimmungsrecht der Völker hochgehalten und dem Imperialismus auf der Pariser Konferenz entgegntgetreten iverden. Die deutschen Mehrheitssozialisten traten in dieser Beziehung, besonders in der elsaß- lothringischen Sache, mit vernünftigen For­derungen auf. Alles in allem braucht die Berner Konferenz nicht, wie anfänglich be­fürchtet werden mußte, als ein unwillkomme­nes oder schädliches Vorspiel zur Friedenskon­ferenz bewertet zu werden. Freilich hätte man wünschen müssen, daß die deutschen Vertreter eine noch lebhaftere Aktion gegen den Be- drückergeijt führten, wie er sich in den Waffen- stillstundsverhandlungen auf oer Seite un­serer Gegner noch immer von Tag zu Tag breit macht. Auch die schmachvolle Zurück­haltung der deutschen Gefangenen hätte in der internationalen Konferenz ein noch lebhafteres Echo tvecken müssen. Die deutsche National­versammlung wird bei diesen Fragen in ern­sten Erwägungen und Beratungen zu neuen Entschlüssen kommen müssen. Wilson soll in einer Pariser Sitzung am Montag die.Hoff­nung ausgesprochen haben, daß nach seiner Rückiehr aus Amerika diedirektenFrie- ) c n s v e r Handlungen begim en und daß ne nächsten zwei Monate die Befreiung der Menschheit von den Kciegsgräueln bringen würden. Wem: wir büfe Hoffnung teilen sollen, so müssen wir uns gleichwohl beizeiten dagegen wappnen, daß bei der nächsten Waf^enstillstandsverlängerung etwa Fach wic- darum mit neuen Airsprüchen und Plackereien kommt. Das Maß ist voll, die Nationalver­sammlung muß solchen Aussichten vorbauen.

Es war durchaus dankenswert, daß Ebert den westlichen Waffenstttlstandsverhänolern einmal ganr offen und nachdrücklich mit dem Abbruche jeder weiteren Unterhaltung gedroht hat! Mögen sie in diesem Falle dann die tzanze Verantwortung für die Zukunft tragen! In einer Privatunterhaltung soll Ebert noch erklärt haben, er für seine Person würde keinen Frieden unterzeichnen, der nicht die bekannten von Deutschlcmd angenommenen Wilson'schen Bedingungen erfülle. Auch das war ein gutes Wort. Wenn Evert das deutsche Volk zur Arbeit, Organisation, Ordnung und Solidarität aufforderte, so hat er Die nächst­liegenden wichtigsten Erfordernisse berührt. Es gibt jetzt in der öffentlichen Ausspracl)e keine hochfliegenden P äne. Immerhin klang es ein bißchen stark nach Phrase, wenn Ebert beit Satz prägte:Wir müssen hier in Weimar die Wandlung vollziehen vom Imperialismus Lchn Idealismus, von der Weltmacht zur gei­stigen Größe." Mephisto möchte einwenden: ^Doch dürft Ihr Euch nicht zerstreuen lassen." Zurgeisttgen Größe" genügt oft der beste Wrlle nicht. . .

Noskes Besen hat die Stadt Bremen vom spartakistischen Spuk gereinigt, und er vird mit den übrigen Aufruhrnestern wohl auch noch fertig werden. In Düsseldorf hat ein Beamtenftreik die toll gewordenen Radi- kalrsten zur Besinnung gebracht. Es herrschr Sort vorläufig wieder einmal Uebcreinstim- mung auf nnelange, kann niemand voraus­wissen. Auch dis letzten Wahlentscheidungcn haben die Ultrarevolutionäre doch ein wenig bescheidener gemacht. Ihre geistigen Waffen sind stumpf geworden. Nur auf dem inter­nationalen Berner Sozialistenkon- greß erhob sich derunabhängige" Partei­gedanke in Gestalt einer Eisner'schen Rede noch einmal zu stolzer Höhe. Es schien datier anfangs, als werde das Erscheinen der deutschen Sozialdemokratie auf der Berner Tagung zu einem Cannofsagang vor der In­ternationale werden. Mittlerweile ist es doch mcht ganz so schlimm geworden. Eisners Ef.cktkwscherci und Rechthaberei blieb auf der einen Seite, des Franzosen Thomas finsteres Werdammuugsurteil gegen die deutscl-enBiehr- hcitssozialisten auf der andern Seile stehen. Dazwischen einigte man sich nach dem Zu­reden englischer Genossen und einer beschwich­tigenden Erklärung der Deutschen in der

verehrten Alterspräsidenten unseren herzlichsten Dank für seine Tätigkeit ausspreche. (Beifall.) Ich danke Ihnen für das große Vertrauen, daß Sie mir durch die Wahl zum Präsidenten bewiesen haben. Es ist ein schweres, verantwortungsvolles Amt,- ich will es gerecht und unparteiisch verwalten. (Bravo.) Ich will mit besten Kräften bemüht sein, der schwierigen Aufgabe gerecht zu werden, die Geschäfte dieses Hauses zu betreuen und zu fördern. Ich könnte es aber nicht wagen, das zu übernehmen, wenn ich nicht dabei auf Ihren gu:en Willen und auf Ihre kolle­giale Mithilfe rechnen dürfte. Nur im Verttauen auf diese übernehme ich die Führung der Geschäfte. Ge­waltige Aufgaben harren unser. Krieg und Revo­lution haben das alte Negierungssystem zermürbt und zettrümmert. Der alte Dau ist zusammengestürzt, wir sollen einen neuen errichten. Dieser Neubau soll ein besseres, wohnlicheres Haus für unser politisches Zu­sammenleben sein als das alte es war. Anstelle des früheren, auf Vorrechte einzelner und der staatsbürgerlichen Bevorzugung einer Minderheit auf­gebauten Systems soll eine auf voller staatsbürger­licher Gleichberechtigung beruhende Demo­kratie treten. (Lebhaftes Bravo.) Demokratie, das war bis vor Kurzem in Deutschland noch ein recht übel beleumundetes Wott. Es mag noch heute einen ober den anderen rückwärts gerichteten Geist geben, den ein unbehagliches Gefühl beschleicht beim Klange dieses Wortes. Und doch ist Demokratie der Aus­druck des höchsten polnischen Ideals. Das Volk als Ganzes wird hier von jeder Bevormundung frei, Herr über feine eigenen Geschicke. Der Wille der M e h r h e i t ist die letzte Entscheidung in allen Meinungs­und Intereffengegensätzen innerhalb des Ganzen. Nur das uncrschütlerlichc Festhalten an diesem Grundsatz kann die Gefahr beschwören, die sonst uns drohen, die aus den inneren Gegensätzen uno Kämpfen ent­springen können. So legt die Demokratie, indem sie dem Volke das hohe Recht der SeGstbestimmung gibt, auch die hohe Pflicht der politischen Selbstzucht jedem einzelnen auf. (Sehr gut!) Das demokratische Recht des einzelnen findet seine Grenzen in dem demo­kratischen Rechte der anderen. Nur auf gegenseitiger, {Dotier Achtung der demokratischen Rechte kann ein olches Staatswesen gedeihen. Auch in diesem Hause muß die Pflicht derDemokratie gelten. Dieses Haus soll eine Stätte des freien Worts fein. Ihr Prä­sident hat darüber zu wachen, daß dem so ist. Aber auch soll dieses Haus eine Stätte der freien Unter­ordnung fein des einzelnen unte" den Willen und das Werd der Gesamtheit. Lasten Sie uns alle bestrebt fein, durch unsere Arbeit den Beweis zu erbringen, daß Deutschland ein für bie Demokratie reifes Land ist. (Beifall) Hart werden die Meinungen aufeinander­platzen, aber nie sollen wir vergesten, daß die Augen der Millionen, die uns hierher gesandt haben, ja die Augen der ganzen Well auf uns gerichtet sind, und feien wir auch besten wohl bewußt: Nicht Worte nur erwartet unser in Not und Qual seufzende Volk von uns, sondern Taten! (Lebhafte Zustimmung.) Rur durch rasch es, schöpf er isches Wkrken werden wir das Vertrauen rechtferttgen, das man auf uns letzt.

Meine Herren mtb Darnrn! Neben der großen Aufgabe des Verfassunysneubaues sollen unb müssen mir noch schwierigere Aufgaben be-5 wirtschaftlichen Wieberausbaues in Angriff nehmen. Auch hier soll Neues, Besseres an bie Stelle bes Alten gesetzt werden. Die deutsche Revolution ist nicht nur eine politische, sie ist auch eine Wirtsckwftlichc unb soziale Revolution. Cs wäre verhängnisvoll, bas zu verkennen. Ein neues.

«ä. General-Anzeiger für Gberheffen

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