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Zweites Blatt

HL 155

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen)

Montag, L Jult My

ebg:

fodebeus'

Geld

Obmann" zurückzuschrauben aufPräsident".

Abg. Haußmann (Tem.): Wort Halter deckt

unserm Sprachgebrauch nicht so bekannt, daß hoffen dürsten, es werde sich bald ernbürgern.

k wird durch ein Rrichsaesetz ruhigeren Zeiten erfolgen

die Aul

Mädchens

wirtschaftliche Maßregeln zu treffen, %. B. die Fest­setzung von Höchstpreisen, die Anordnung des Ver-

Lic 8Cß?a?

Artikel 21 wird nach den Beschlüssen des Aus--

Fvrtsetzung 6.

(Nachdruck verboten.)

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t An- LreiS 10 an FoBlir j. BL

s nicht beschränkt werden.

kommissar Dr. Preuß: Die Wahl-

Zieichsta^ Reit

sicht, daß sie noch lange nicht schön genug für uns wäven."

,La," sagte der Professor,Kinder bilden sich nach den Namen."

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len das ( den Motiven,

ju erleichtern. Wir wvl- il. Im Gegensatz zu den Abg. Gröber zu seinen.

rieinem Vertrauen begegnen. Außerdem- wird sie daS Verfahren beschleunigen.

Nach kurzer Debatte wird die Fassung des Ausschusses angenommen.

Hierauf werden t*e gestern ausgesetzten Abstim­mungen über Art. 21 und 22 vorgenommen.

Zn Artikel 21 werden die Anträge der Teutsch- »ationalen und der Teutschnalionalen Volkspartei

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und u so nllig lein- 13273 lchm.

Artikel 49 m der Wendungzur Meder Herstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnun»" die Worte

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und Taw, --

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wie bei uns. Das zeigen uns die Vorgänge im Baltikum. In Riga sind allein 7000 Personen erschossen worden unter dem Vergeben, daß sie Bolschewisten fern. c

Rrichskvnrmiffar .Dr. Preu h: Die Annahme des Antrages Haase würde die Abschaffung jeder Verantwortlichkeit der führenden Stellar bedeu­ten. . Es wäre die Auflösung jeder geordneten Re­gierung und würde schließlich zu einer Diktatur führen, sei eS des Proletariats, sei es und das ist das wahrscheinlichste zu einer anders ge­arteten Diktatur.

Abg. Dr. v. Delbrück ('S. N.)7 Den Antrag Haase lehnen wir unter allen Umständen ab.

Abg. W innig (Soz.): Es ist richtig, daß es in Ost- und Westvreußen Kreise gibt, die den Gedanken einer Einigung und Verständigung mit den Polen propagieren. Aber diese Bestrebun­bungen sind von allen Organen der Regierung miß­billigt worden. Was sich jetzt in Riga abgespielt hat, kann man nur verstehen, im Zusammenhang mit dem, was sich vor dem Einmarsch dort zugetragen hat, und da möchte ich daran eriiment, daß mehr als 4000 unserer Volksgenossen ihr Leben für die deutsche Herrschast haben lassen müssen. Wenn dar­über geklagt wird, daß Menschenleben dort ver­nichtet worden sind, so llage ich meinesteils am meisten um das Leben unserer ermordeten Volks­genossen. (Lebhafter Beifall.) Der Kampf, der sich jetzt dort droben abspielt, ist der letzte Tag des großen BernichtungSkampfes, der sich gegen die letz­ten Reste des Deutschtums richtet.

Äby. Haase (U. S.) befürwortet den An- mifl ferner Partei, die Neuwahl spätestens am 30. Tage nach der Auflösung vorzuschreiben.

Reichskommissar Dr. Preuß: Für die Fest- ietrung der Frist von 60 Tagen Sind lediglich mahltechnische Gründe maßgebend gewesen.

Nach kurzer Debatte wird Artikel 25 unter Iblehnuug des Antrages Haase (U. S.) an» irato atmen.

Nach Artikel 26 wählt der Reichstag seinen Obmann, dessen Stellvertreter und seine Schrift­führer.

Abg. Haußmann (Dem.) beantragt, statt

und Ortmung" zu streichen.

Preußischer Justizminister Heine wendet sich gegen den Antrag Katzenstern auf Streichung der Worteund Drbrämg". Damit würde der Inhaber der vollziehenden Gewalt auch verhindert werden,

Schr. änflertafi!

Ä7rh!it°fn?rt'^ möchte ich für das WortPräsident" den Aus' 8WLL « »Wo-,holte-" v-rschl-g-n.

an den Gieli Anz. n! V"

Antrag geführt haben, beantragen auch wir dis Streichung des Gesetzes betr. den Völkerbund.

Abg. Dr. Quarck (Soz.): Ich bitte, beide Anträge abzukehnen . Es lohnt nicht, um ein­mal voWtümlich zu sprechen, jeden Dreck dem Reichstag vorzulegen, und wenn andererseits un­sere Feinde der Idee des Völkerbundes untreu ge­worden sind ünd eine Kvalition zur Vergewaltigung Europas beschlossen haben (hört, hört! rechts), so haben wir es gewiß nicht nötig, ihnen auf diesem Weg zu folgen.

Abg. Dr. v. Delbrück (D.-N.): In so kri- tischchi Tagen, wie sie dem Ausbruch eines Krieges vorausgehen würden, muß die Entscheidung des Reichstags genügen. Der Passus betreffend den Völkerbund muß im Interesse der Würde des deut­schen Volkes gestrichen werden. Deutschland hat es nicht nötig, nachdem seine Aufnahme in den Völker- sbund abgelehnt worden ist, bei Herrn Clemenceau gewffsermaßen seine Visitenkarte abzugeben. (Leb­haftes Bravo.)

Der Antrag Heinze (D. Vp.) und der Antrag der Unabhängigen werden abgelehnt. Der Antrag G r ö ber (Zentr.) wird angenommen.

Artikel 15 wird also in der Fassung des Aus- slchüsses unter Streichung des Absatzes betr. den Völkerbund angenommen.

Abg. Ablaß CDemJ: Das schöne Wort Ob- natm wird eine deutsche Verfassung zieren.

Mit großer Mehrhest wird der Antrag Hauß-

iitbtb. Srltet gnai nattn angenommen.

uiÄ Nach Artikel 31 soll die Wahlprüfung durch

sfrage.

Ab«. Knollmann (D. Bpt.) macht in einer Anfrage Mittriluna von einem durch das Kartell der Taten Gewerkschaften in Göttingen gefaßten unb an die Verwaltung der staatlichen Kliniken

Prüfung ist ein Akt der Rechtsprechung. Dafür ist ein pvlittsck?er Körper wenig geeignet.

Tie Entscheidung des Gerichts wird allge-

crus dem Saal entfernt)

In keinem Lande ist Maße Gehrimwisienschaft

Derjenige, welch«

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s -'M-«,

.NaL Art. 46 ernennt und entläßt der Reichs­präsident die Reichsbeamten und Offiziere. Er kann die Ernennung und Entlassung mich tnirrf) an dere Beamte aus üben lassen.

Abg. Cohn (Unabh.): Wir beantragen die Streidrung des Artikels 46.

Artikel 46 wird unverändert angenommen.

Nack) Artikel 47 hat der Reicksvräsident beit Oberbefehl über die gesamte Wehrmackü des Reichs.

Abg. Cohn (Unabh.) beantragt die Streichung auch dieses Artikels.

Artikel 47 wird unverändert angenommen.

Artikel 48 bestimmt:Wenn ein Land die ihm nach der Reidsverfassung oder dem Rrick* gesetz obliegenden Pflichten nid.t erfüllt, kann ixv RcidisPräsident es dazu mit Hilfe der l»ewaffneten Mackfl an halten."

Abg. Katzenftein 'Soz.f begründet einen Antrag, wonach der Reicks Präsident verpskickitct sein soll, unverzüglich die Genehmigung des Reids- tags einzuholen imd seine Maßnahmen ansttuheben, wenn der Rcick^stag die Genehmigung versag! Außerdem soll er seine Maßnahmen nur treffen könnenunter Beranttvorilichkeit des gesamten Reichsministeriums".

Artikel 48 wird in der Fassung des Ausschusses angenommen. Das Haus geht nunmehr zu ber gestern ausgesetzten Abstimmuttg über Artikel 41, Amt des Reichspräsidenten, über.

Vorher begründet 9£bg. Dr. v. Schulze-Gchter- nitz ehren Antrag, statt Reichspräsident zu sagen Reichswart". Der s?bttnag rotrb abgelehnt.

Entsprechend dem Antrag Siehr (Tem. be­schließt das Daus die Fcffsung, daß zum Reichs Präsident wählbar istjeder Deutsche, der das 35. Lebensjahr vollendet hat".

Nach Artikel 49 kann der Reichspräsident bei Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung unter Verantwortinig des gesamten Reichsministe- riumS mit Hilfe dec bewaffneten Mccht ein Meriten und die zur Wiederherstellung der Sicherheit und Ordnung erforderlichen Maßnahmen treffen, zu einem bestimmten Teile aud) die Grundrechte außer Kraft setzen. Die Genehmigung des Reichstags ist rinzuholeit; die Maßnahmen sind anfznhebeu, toenn der Reichstag die Genehmigung versagt.

Abg. Frau Agnes (Soz.) beantragt Streichung deS Artikels. Ein gemeinsamer Antrag der Ab geordneten Beyerle (Z.), v. Delbrück (D.-Notl. . Haas (Dem.) und Heinze (D. BpZ schlägt eine For- mulierung vor, nach der ber Reichspräsident die nötiMn Maßnahmen treffen, erforderlichenfalls mit Hilfe der bewaffneten Mackfl einschreiten" kann, sowie den Zusatz:Bei Gefahr rm Verzüge kann die Landesregierung für ihr Gebiet einstweilige Maßnahmen treffen. Tw Maßnahmen find auf Verlangen des Reichspräsidenten außer- Shxift zu setzen". Hierzu beantragt Abg. Katzenstein (Soz. , hinterauf Verlangen des Reichspräsidenten" zu setzen: ^vder des Reichstags".

Reichstommissar Dr. Preuß: Aud) Herr Dr. Cohn könnte ohne den Belagerungszustand nicht ausvonunen. Tas haben seine Parteifreunde in Bremen und München jmb an anderen Stellen

tElSE igkeit!

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kaufs von Nahrungsmitteln, also Maßregeln, die an sich zweckmäßig und notwendig sein können, aber sich nicht ohne weheres unter den Begriff der Sicherheit" subsumieren lassen.

Artikel 49 wird in der Fassung des Antrages Beyerle mit der Einfügung nach dem Anträge Katzenstein angenommen. Ter Antrag Katzenstem auf Streichung der Worteund Ordnung" wird abgelehnt.

Tre Arttkel 51 (Gegenzeichnung), Artikel 52 (Vertretung des Reichspräsidenten), Artikel 53 (Reichsregiertmg) werden ohne Erörterung ange­nommen.

Tie Arttkel 54 und 55 werden verbunden zur Beratung gestellt. Sie bestimmen:Ter Reichs-' k a n z l e r und auf seinen Vorschlag die Reichs- minister werden vom Reichspräsidenten er­nannt und entlassen. Ter Reichskanzler und die Reichsminister bebürfen zu ihrer Ausführung des Vertrauens des Reichstages. Jeder von ihnen muß zurücktreten, wenn ihm derReichs-

Ragna Svendburg

Roman von Anny Wothe.

Art. 35 wird unter Ablehnung aller Abändc- rungsantiäge angenommen.

Heber den Abschnitt Reichspräsident und Reichsregierung referiert Berichterstatter Dr. v. Delbrück.

Art. 41 bestimmt: Der Reichspräsident wird vom ganzen deutschen Boll gewühlt. Wählbar ist, wer das 35. Lebensjahr vollendet hat und seit min­destens 10 Jahren Deutscher ist. Gewählt ist, wer die meisten Stimmen erhält. Das Nähere bestimmt rin Reichsgesetz.

Die Abgg. Arnstadt (D.-N.) u. Gen. be­antragen stattseit mindestens 10 Jahren Deut­scher ist" zu setzen:als Deutsck)er geboren ist" und einzufügen:Bei Stimmengleichheit entschei- des das Los".

Die Abg. Frau Agnes (U. S.) und Gen. be­antragen, das Amt des Reichspräsidenten über­haupt zu beseitigen.

Abg. Haas (Dem.) beantragt, eventuell, wenn keiner der Bewerber die Hülste der abgegebenen Stimmen erhält, hat nodj eine zweite Wahl statt- yufinben. Bei dieser ist gewählt, wer die meisten Stimmen hat. Bei der zweiten Wahl können auch neue Bewerber zugelassen werden.

Abg. Dr. Philipp (D.-N.): Wir halten es für unbedingt notwendig, einen Reichspräsidenten einzuführen.

Nach längerer Debatte werden die Abstimmun­gen hierüber auf morgen vertagt.

Nächste Sitzung: Samstag 2 Uhr.

Erlaube, lieber Mann, das verstehst du nicht, so was steht bloß gefdjrieben, aber in ber Praxis ist die Sache anders," sagte die kleine Frau Prv- fessor.Na, gute Nacht, Fräulein, schlafen Sie wohl. Morgen will ich Sie mit Ihrer Arbeit und Ihren Pflichten bekannt machen"--

Ragna stand am Fenster ihres Stübchens und blickte auf das Menschengewirr zn ihren Füßen. Sie hörte das Rollen der'Wagen und das Klingeln der Pferdebahn mit angsthaftem Grauen, und wenn sie in ihrem Zimmer Umschau hielt, schloß sie entsetzt die Augen. Wo war das herrliche Zimmer mit dem großen Himmelbett, mit den seidenen Gardinen, die ihr zu Hause immer nicht schön genug erschienen. Wo waren die stolzen SÄe, das kostbare, alte Gerät und wo, wo war der weite, große offene See, die sie so geliebt, der freie Blick übers Meer, alles, alles für sie versunken versunken in alle Ewigkeit, weil sie selbst es gewollt.

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erkennungszrichen sein sollte, daß sie es recht ge­macht.

Der Herr Professor, ein wortkarger Mann, der zufrieden war, wenn man ihn in Ruhe ließ, hatte sie kaum beachtet, .die Frau Professor da­gegen hatte schon unausgesetzt geredet und ihr tausend Verhaltungsmaßregeln gegeben, was sie tun und was sie lassen sollte, so daß Ragna un­fähig war, aus diesem Wirrwarr sich herauszu- finden.

Sa, wissen Sie, Fräulein," rief die Pro­fessorin lebhaft^Sic dürfen, wenn Sie sich im Leben nützlich machen wollen, vor allen Dingen nicht daran denken, ob es sich für Sie paßt oder schickt, wie es leider immer Ihre Vorgängerinnen taten, sondern Sie müssen stets darauf bedacht sein, Ihre Stellung ganz auszufüllen. Tas heißt, seine Pflicht tun bis zur Grenze des Möglichen. Arbett adelt einen anderen Adel als den einer anftänbigen Gesinnung erkenne ich nicht an den kann sich jedermann erwerben, aber der er­erbte Adel, das ist kein Vorzug, sondern in vielen Füllen rirte Saft"

Aber Therese," wandte der Herr Professor fast schüchtern ein,laß doch Fräulein von Svend- birrg in Ruhe mit deinen Ansichten, die sie krän­ken muffen."

Kränker:, das wäre ia noch schöner ich will Fräulein Svendburg nur meinen Standpunkt klar machen, was ich übrigens auch schriftlich tat. In unser schlichtes, bürgerliches Haus paßt keine Gräfin und da Sie, mein Fräulein, auf die Be­dingungen, die ich stellte, ringegangen sind, brauche ich mid> wohl nicht mehr erst zu entschuldigen, daß Sie für uns nur Fräulein Svendburg sind."

Gewiß nicht, gnädige Frau," sagte 9?agna, ich kenne mehre Stellung und meine Pflichten."

Tas gefällt mir," sagte die llrine, energische Professorin, behaglich die Hände über den Magen falte ab und das junge Mädchen mit etwas indis­kretem Wohlgefallen betrachterrd.Ter Mensch soll nie mehr scheinen wollen als er ist, das heißt.

als er leisten kann, und zu Ihren Leistungen habe ich bis jetzt, nehmen Sie es mir nicht Übel, noch gar kein Zutrauen."

,Lch werde mir Mühe geben, gnäbtge Frau zusrredenzu stellen. Mein Lehrer sagte mir, daß ich gerade in Ihrem Hause Gelegenheit hätte, das zu lernen, was mir fehlt."

,^Jhr Lehrer, der alte Lars, nehmen Sie es mir nicht übel, der redet wie der Blinde von der Farbe. Er kennt mich ja gar nicht daß er mit meinem Mann früher zusammen studiert hat, ist doch kein Grund, über unser Haus zu urteilen. Das ist gerade so, als wenn mein Mann von Norwegen schwärmt, das er seit seinen Kinder­tagen nicht wieder gesehen. Er hält sich nämlich für einen Nordländer, wie er im Buche steht, und dabei ist er ein Berliner geworden, so gut wie ich eine bin, trotzdem ich hier in der Nahe auf dem Lande groß gewordrii."

Wollen Sie es glauben," lachte die Pro­fessorin in sich hinein,daß mein guter Manu, als unsere Kinder geboren wurden, glaubte, echte Norweger zu erziehrii. Na und nun sehen Sie sich die Balger mal an, trotz der schönen Namen. Gunhild, Geerd, Dagmar, sehen sie alle aus wie die Zigeuner. Nichts Lichtes, wie Sie es haben, wie cs sich für die Nordländer ziemt, blauäugig und blond. Dreimal habe ich mit Angst und Zittern gesehen, wie die Haare meiner drei Aelte- sten, die ja zuerst so was ähnliches, wie blond wallen, dunller und immer dunkler wurden, bis sie in braun und schwarz übergingen, bei den Jüngsten habe ich mir die Pein erspart, darauf zu warten, daß ihr Aussehen sich dem Namen anpaßte. Ta habe ich über die Namen bestimmt und ich meine, Peter, .Fränze und Aenne passen immer."

Alle lachten und Geerd sagte dann leise zu Ragna:Mama meint, unsere Namen wecken zu vielx Erwartungen, die wir weder äußerlich noch simerltch erfüllen können, und Papa ist der An-

rat WahlprÜfnngsge richt vorgenommen ►erbat, das aus Mitgliedern des Reichstages fcrib Mitgliedern deS Rrichsverwaltungsgerichts b tlrbt.

Die Agnes (U. SJ und Gen. bean­tragen, die Wahlprüstmg wie bisher durch den slc-chstag vornehmen zu lassen.

Abg. Haase (U. S.): In einer Zett, die so viel neues Volksrecht sucht, soll das Recht des

(47. Sitzung.)

Weimar, den 5. Juli.

Eingegangen ist ber Gesetzentwurf über die Ra­tifikation des Friedensvertrags. Die zweite

Veratting des Verfasfungsenttvurfs wttd fortgesetzt.

Die Besttrnmungen über das Amt des Reichs­präsidenten werden entgegen dem Antrag der Un­abhängigen angenommen bis auf Arttkel 41, über den später namentlich abgestimmt wird.

Nack, Artikel 45 schließt der Reichspräsident Mindnisse und Verträge mit auswärtigen Mäch­ten. Kriegserklänmg und Friedensschluß erfolgen) durch Reichsgesetz. Sobald ein Völkerbund mit dem Ziel des Ausschlusses aller Gehrimverträge abge- Üd)Ioffen ist, bedürfen alle Verträge mit den Bölker- bunbftaaten der Zustimmung des Reichstags.

Abg. Dr. H c i n z e (D. Vp.) befürwortet einen Antrag seiner Partei auf andere Formulierung., Das Verfahren eines Reichsgesetzes ist viel zu kom- plisiert und erfordert so lange Zeit, daß eine Kriegserklärung vielleicht gemeinsam mit dem Frie­densschluß erfolgen könnte. (Heiterkeit.) Es genügt, wenn für Kriegserklärungen einfach Die Entschei­dung des Reichstags erforderlich ist Ferner können Bündnisse in Frage kommen, bei baten die frem­den Staaten Geheimhaltung fordern.

Ein Anttag Gröber (Ztr.) will gleichfalls die Bestimmung über den Völkerbund streichen, idbriifo rin Antrag der Unabhängigen.

Reichskommissar Dr. Preuß: Die Kompli­kationen, die ber Abg. Dr. Heintze befürchtet, sind prattisch ganz und gar ausgeschlossen.

Abg. Gröber (Ztr.) befürwortet den toitrog betreffend bat Völkerbund zu streichen.

2ibg. Dr. Cohn (Unabh.): Der Antrag Heinze hat bte Tendenz, die Kriegserklärmtg zu

waltnng erheblich über die Gehälter der »nteren und sogar ber mittleren Beamten emporgeschnellt sind, und fragt bte Regierung noch ihrer Stellungnahme zu tiefcr Umkehrung der Verhältnisse.

Geheiwrat Sämisch gibt den in der An­frage erwähnten Zustand als richtig zu. Die xcgenwärtigen Verhältnisse müßten als vorüber- (icbenb angesehen werden, denn der Abbau der flrbetterlöhne stehe beim Sinken der Preise außer

Der Antrag Auer (So».): Der Wahltag muß ein Sonntag oder öffentlicher Ruhetag sein, wird gegen tue Stimmen der beidrn Rechtspartrien, des Zentrums und eines Teiles ber Demokraten angenommen

In Arli^l 22 werd die dreijährige Legis­laturperiode in wuncntlicher Abstimmung mit 159 gegen 142 Stimmen abgelehnt unb mit einfacher Abstimmung die fünfjährige Periode ge­gen Vie Stimmen der beiden sozialdemokratischen Parteien und eines Teiles ber Demokraten an­genommen.

Artikel 32 über die Beschlußfähig­keit des Reichstages wird durch einen gemein­samen Antrag der Sozialdemokraten, des Zen­trums und bet Demokraten dahin abgeändert, daß Vie int Entwurf ovrhandene Bestimmung von der Notwendigkeit ber Hälfte bet Mitgliederzahl ge­strichen tvitd und die Beschlltßfähigkett durch die Geschäftsordnung geregelt Iverden soll.

Art. 34 bestimmt bie Berechtigung des Reichs­tages zur Einsetzung von Untersuckwi'gsmisichusieii unb macht ihre Einsetzung zur Pflickst aus An­trag von einem Fünftel seiner Mitglieder.

Art. 34 wird in der Fassung des Entwurfes mit großer Mehrheit angenommen.

Art. 35 bestimmt die Bestellung eines stän­digen Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten unb eines Ausschusses zur Ueberwachung ber Tätig­keit ber Rrichsvegierung.

Abg Heintze (D. Bpt.) unb Gen bean­tragen bie Streichung des ganzen Artikels, Abg. Schücking (Dem.) die Streichung des Uebet- wachu n gLausschusses.

D« Unabhängigen beantragen noch einen Art. 35 a über die Verpflichtung der Rcichs- regierung zur Vorlage der über die Beziehungen des Reiches zu auswärtigen Staaten geführten Verhandlungen.

Abg. Heintze (D. Bpt.): Unter allen Um­ständen würde durch einen solchen Ausschuß Un­sicherheit in die Außenpolitik getragen werden und die Möglichkeit von Jndiskrettonen bestehen. (Beifall.). Ter Absatz des Artikels über den Ueber- wachungsauSschuß ist ein Ausdruck des Miß­trauens. i

Abg. Katzenstein (Soz.): Was wir hier verlangen, ist fein MißtvauensNotum, sondern es ist lediglich die Anerkennung ber Notwendigkeit, daß die Vvlksverttetung dem Volk gegenüber ver­antwortlich ist. (Als Redner eine kleine Pause macht, versucht eine Dame, die schon einige Zeit sich neben dem Redner au fgehalten hat, zu der Versamm­lung zu sprechen. Sie wird aber, nad)bcm sie nur bte Worte ,^Zon der Maß bis zu der Memel" gesprochen hat, vom Präsidenten aufejefortert, den Platz zu verlaffen. Nach einigem Zögern verläßt sie den Platz und nimmt am Ministertisch Platz. Der Schriftfülwer Abw Dr. Neumann-Hofer redet ihr anscheinend gütlich zu, um sie zum Verlassen des Platzes zu veranlassen. Schließlich ivird sie auf Anordnung des Präsidenten durch einen Diener

shvm Mit «bftilwig ber Kejfyn ftettt' «wrbt(teile eg NW-foe

Ragna schauderte. Wer doch nicht wieder auf­zuwachen brauchte in diesem elenden Gemach, wer sie doch nicht wiederzusehen brauchte die taktlose Frau dort unten, die so hart und hochmütig war und so ungebildet, daß sie ihren eigenen Mann nicht mal zu Worte kommen ließ, wenn sie redete. Unb der sollte sie, Ragna, Gräfin Svendburg, dienen? Deren Kinder sollte sie erziehen, sic lieben, Tür sie sorgen / Die ganze Schwere der Verant­wortung ihrer Pflichten senkte sich auf Ragnas Herz. Ties aufstöhnend drückte sie das lockige Haupt in die Kissen, imd heiße Tränen flössen unauf­haltsam über ihre bleichen Wangen.

Traußen flutete das großstädtische Leben da­hin, und Ragna fühlte zum erstenmal in ihrem Leben, daß sie rinNichts" war.

(Fortsetzung folgt)

DaS war also der Anfang des neuen Lebens ? kas Pivfefforenhaus, in welches sie durch die kmvsehlung eines alten Lehrers gekommen, um >v Haushalt zu Helsen, die Kinder zu unterrichten mb zu erziehen, war gewiß recht und gut. Es tat hübsch und bequem und zeigte auch ange- rhmen Komfort. Die Leute befanden sich gewiß in den glücklichsten äußerlichen Verhältnissen, und ikch fülstte Ragna es wie Bleigewichte, daß dieses ärgerliche Haus nickst die Sphäre war, in der in Mensch wie sie leben unb gedeihen konnte.

Und doch war ihr keine andere Wahl ge- ii-tSm. Ein Examen hatte sie nie bestanden, ine Erzieherinnriistelle in vornehmen Häusern, tf welche sie erst gerechnet hatte, blieb ihr ver­alt, da hieß es denn sugreifen, toenn sie nicht mch länger das Brot ihres Vetters essen wollte, mb nun mußte sie eben durch.Licker in ärgster Dürftigkeit leben," sagte sie, langsam Hut und Zickett ablegend,lieber täglich die ärgsten De- ®Tilgungen ertragen, als das Gnadenbrot dieses Hannes effen, dem ich niemals ein Recht der fylimmung über mich rinränmen kann unb darf."

Und dann saß sie am Abend an dem Teetisch itta der großen Hängelampe des Eßzimmers unb Wtt Butterbrote, weil es der Herr Professor so pte. und Dagmar eine unzählige Menge ver- konnte, und sie wagte die Augen nicht auf- f-iFben, ans Furcht, Geerd Lorenzen, der den -Äal!' m den Augen hatte, könnte über ihre Un­schicklichkeit lachrii. Aber Geerd lachte nid#, er nur lange zu, und endlich bat er fast -Wern, ihm auch ein Brötchen zurechtzumachen, fw tat es mit toarmem Dantesblick, fühlte sie daß es für sie. die arme Dienende, ein An-

Deutsche Nationalversammlung.

Weimar, 4. Juli.

P«tfS>eut Fe hrenbach eröffnet die Sitzung nm S Uhr 15 Min.

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SchrislI. Sinnebott i

7931 an den Gieg. I

Darlehen

.Obmann" wieder einzusetzen:Präsident".

aus 1.Hyvochekober Abg. Be verle (Ztr.): Wir haben uns Sicherbeil auc-wleüt überall bemüht, in der Verfassung ein gutes GruudstückSansius volkstümliches und gemeinverständliches Deutsch anxustreben, ohne dadurch in den Fehler der Deutschtümelei zu verfallen. Nachdem nun soeben .'er Antrag Haußmann eingegangen ist, das Wort

9Irtito 25 sieht die Auflösung des Reichstages durch den Reichspräsidenten vor. Die Neuwahl soll spätestens am 60. Tage nach ber 1 Auflösung stattsindeu.

«er nimmt si üt voll den Begriff, der ist vor allen Dingeri 'N unferm Sprachgebrauch nicht Jo bekannt, daß wir hoffen dürften, es werde sich bald ernbürgern.

Schristi. Ang. iraL u

a. b. Giehenei äny;i

.WahlntttndjgkritSaltcr von 20 Jahren zu streichen mb dessen Feststellung in das Wahlgesetz zu oer- mgate M gep reisen ober es auf 24 Jahre sestzusetzrii) gegen A Anz. cm"«., aus eteil sie Stimmen der Antragsteller abgelehnt. rTw MMl q.Artikel 21 wird nach den Beschlüssen de- »8er stitn E tuffH mit ber Wahlmün gkrit oon 20 Jahren

in Göttingen gerichteten Beschluß, wonach die dort beschäftigten Arbeiter bei Androhung mit sofortiger lsittlassung sich einer freien Gewerkschaft an» 'Meßen sollen.

RegierungsVertreter Dr. Löwe bezeichnet im Auftrage des Reichsarbettsministeriums den.Be- __ sihluß als mizulässige Beschränkung ber Koali- '»riiew nouÄreihett. Es sei beabsichtigt, in dem Gesetz- Vivb* »fiwrtf über Betriebsräte diesen die Wahrung der stoalittousfreihett zur Pflicht zu machen.

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Wg. Bauermann (D. Bpt.) stellt in einer nilc,6t rlrineu Anfrage fest, daß die Löhne der Ar- beiterin der Post-und Eisen bahn ver-

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