arbeitet reich, sparsam und nrvertosrig
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em Gesicht?"
,^Jch erkläre ^ncn/' poltert» Tvrrtnü los, „Sie imb ^h-r Institut „PvometheuS" wnnen mir beide aesoohlen werden? Ich betrete kleben arglos den Borraum. Was geschieht? En« Notte
Der Doppelgänger.
Roman von CarlSchüler.
Fortsetzung Nr. 37.
' Hauptsache war, daß — Dorival lachte laut auf.
I vtch! Einen Emil Schnepfe fängt man so IW nicht.
[ Und wenn man ihn fängt, dann hat man fit noch lange nicht.
i Tenn er spaziert einfach rnfeber zum Fenster Mwus, klettert an der Wand herum wie eine Biege, spaziert zu einem anderen Fenster hinein, Md ist weg I Tonnerwetter, das war famos. Nun Muckte er dem ekelhasten Direktor Zahn kerne Münde zusammenzulügen, die ihn veranlaßten, 1 M Schnepfe wieder sreizugeben. Und auch ser-
"m Scheck konnte er für sich behalten.
Er klingelte an der Bortür des „Prometheus", ie öffnete sich und der kleine Tiener fragte nach fattm Begehr.
Aber noch "hatte Dorival dem Jungen seinen ilcnsch, den Direktor Zahn zu sprechen, nur zur Este geäußert, als er einen sich schnell nähern- öt Lärm hörte; laute, hastige Männerschritto, ilites Stimmengewirr, heftiges Fluchen, und mn plötzlich den vielstimmigen Ruf:
„Ta ist er!"
Dorival fühlte sich von kräftigen Fäusten ae- tdt. Ein halbes Dutzend aufgeregter Ädenschea niTmgte ihn. Em Faustfchlag traf seinen Sei- rlnit und trieb ihrr ihm brs an die Ohren über 1 ktepf. Tie Augen wurden ihm verdeckt, und
1 ’>mtte nichts mehr sehen —
»Schassköpfe!" schrie er. „Loslassen!"
1 »Lump " brüllte zemand.
Teufel. Wenn Sie wirklich den richtigen Emil Scknepft gehabt haben, so ist er Ihnen schon längst wieder durch die Lappen gegangen. Unb das Heer von Idioten, das Sie beschäftigen, hat mich mit dem "Ausreißer verivechselt und mir dir Prügel verabfolgt, die dem anderen zugedacht wahren. Ich danke! Tas ist nun schon das ttriefte Mal. daß ich von Ihren Angestellten verfolgt und mißhandelt werde. Tas mache ich nicht Hänger mit. Ich entziehe Ihnen den Auftrag. Solange ich es imt dem Schnepfe allein zu tun hatte, war der Zustand noch erträglich. Seit ich Sie zu Hilfe gerufen habe, bin ich meines Lebens nickt mehr sicher!"
Dorival schnappte nach Luft.
Herr Direktor Zahn schnappte auch nach Luft
„Herr Barmr," sagte er, „Ihre Mitteilungen überraschen mrch in hohem Grade Ich werde sofort feststrllen, ob Emil Schnepfe wirklich durck gebrannt hat Zuvor muß ich Ihnen aber be merken, daß Ihr Unwille Sie zu einer ungerechten Bemftettung des Falles verleitet. Noch vor einer Attrndc hat auf dem Platze, auf dem Sie jetzi stehen, Emil .Schnepfe gestanden. Ich lmbe ihn gesehen wie ach Sie sehe. Und ich tarnt Ihnen sagen, daß mir in meiner langjährigen Praxis, noch nie ernt solche Aehnlichikeit zwischen zwei Menschen vorgekommen ist, die sich ganz fremd sind, die ganz versäsiedenen Gesellschaftsklassen an gehören. Tiesc Aehnlichkeit macht »ine Verwette lung entschuldbar. Ich muß meine Beamten gegen Ihre Vorwürfe in Schutz nehmen. Wenn Sie selbst Gelegenheit gehabt bä ten, den Schnepfe zu sehen, wüürben Sie mir recht geben müssen. Bitte, öom- men Sic jetzt mit mir zu der Arvestselle."
(Fortsetzung folgt.)
mir beide gestohlen werden? Ich betrete soeben arglos den Borraum. Was geschieht? Eft« Rotte von Wahnsinnigen fällt über mich her? Ick Eve mißhandelt, gestoßen, geschlagen. H«r, sehen Sie sich diesen bemitleidenswerten Hut an Er war fast neu, als ich ihn aufsetzte, um vollder schön-
ÄT hi <£V ...
der Karte, wer ich bin. Vorwärts! Führen Sie mich zu dem Direktor."
„Sie — sind der andere?"
„Jawohl, itf) bin der andere!"
Ter Marrn toagte keine Einwendungen mehr. Er öffnete die Tür und sagte sehr höflich:
„Bitte! Ein Stückchen geradeaus gel-en, dann vechter Hand um die Ecke!"
Er ließ Dorival an sich vorbei auf den Korridor treten.
„Wollen Sie nicht mitkommen?"
„Tanke sehr, Herr Baron/' wehrte der Mann ab. „Ich /habe noch Arbeit tn der anberen Abteilung." Und schon war er verschwunden. Er schien einem Zusammentreffen mit dem Direktor Zahn, im gegenwärtigen Augenblick, feinen besonderen Wert beizumessen.
Wenige Augenblicke später stand Dorival dem Direktor des „Prometheus" gegenüber. Der kam, beide Hände zur freudigen Begrüßung entgegenstreckend, mit strahlender Miene ihm entgegen.
„Meinen Glückwunsch, verehrter Herr Baron! Wir haben ihn! Sie werden cntckich von dem lästigen Doppelgänger befreit sein. Freuen Sie sich denn nicht auch? Was machen Sie denn für
sich anM'S geb.®*
„Schuft!"
„Turchbramer!"
Der Tiener des Instituts, ein ehemaliger Ringkämpfer, packte ihn. Er hatte einen festen, unangenehmen Griff, gegen den es keinen Widerstand gab. Er führte Dorival am Arm durch einen langen Gang, stieß eine Tür auf, schob ihn in ein Zimmer und rief:
„Ick werde dir Gesellschaft leisten? Dann wirfir hübsch hierbleiben!"
Er sagte den anderen Männern, daß sie unbesorgt an ihre Arbeit gehen könnten: er ga» rantierc dafür, daß der Gefangene nicht noch einmal ausreißen würde. Tann schloß er hinter sich und Dorival die Tür zu.
Jetzt erst 'fühlte Torival wieder beide Arme frei, und es gelang ilym, sich den Seidenhut vom Kopf herunterzuarbeiten. Er sah sich in einem kleinen, durch eine Gasflamme erhellten Raum, in dem in ein Tisch und zwei Stühle standen. Ties war -also die Arrestzelle des Herrn Direktors Zähn. ~ r
„Wie trifte nur aus dem Fenster 'raus und dann auf den Korridor gekommen?" fragte ihn der Athlet.
Dorival zaa seine Legitimationskarte hervor und reichte sie seinem Wächter, ohne dessen Frage zu beantworten. „Ta, Sie Hornochs, lesen S« das und dann führen Sie mich zu dem Direktor
Auf den Diener machte die scharfe Art sichtlich den besten Eindruck. Er las ine Karte, und sagte dann swtternd unb mit einem Anflug von Ber- te gelegt ftn .ilx>^ flQt „icht der Richtige?"
jSmi Sie lefcn Jwuien, fetzen Sie j« auS
Drittes Blatt
Ä.131
b-toerb armehmen.
Werner Weih. |t
'b-hesstns
ach Funfengerät aus Heeres- und Marine-
ftänbert angekaust, um es für die Errichtung
01W1
mgpm 1919
etzt oder beseitigt. Wer also ohne Genehmi- eiina des Neirfts eine Anlaae für drabtlos.
flung des Reichs eine Anlage für drahtlose Älrgraphie errichtet oder betreibt, setzt sich । im empfindlichen Bestrafung aus.
tfaisil
1819
Wf
i'fiern öchäser
) Thch Selber obte
Mulch j Müller lobte
Porbach h Görlach
-iglich zum Empfang bestimmten) nur mit Anel migung des Reichs zulässig ist. Dies ßründet sich auf das Telegraphengesetz vom 6 April 1892 in Verbindung mit der Notelle vom 7. März 1908. Zuwiderhandlungen fepen das Telegraphengesetz werden nach §9 tit Geldstrafe bis zu eintausendfünfhundert ?iark oder mit Haft oder mit Gefängnis bis r |u sechs Monaten bestraft. Außerdem werden al) § 11 die unbefugt errichteten oder be- riebenen Funkenanlagen außer Betrieb ge-
rftdungmtFMEin rtmami, locht» des befitzns Max ^vekstorbniniFrav onegeb.Hagrmeist«, mzvzeig».
** Private Funkenanlagen un u l ä s s 1 g. Neuerdings wird anscheinend viel
Aus Stabt unb Land.
Gießen, 7. Juni 1919.
veranftaltnng von Tierschauen.
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k'Regiment Nr. 37
Die Landwirtschaftsfemmer wird die Tier- ittoötxv, die während des Krieges ruhten, im Laufe «s Sommers wieder durchftihren. Bon größeren Veranstaltungen wie Kreis- und Bezrrksschouen muß vorläufig noch Abstand genommen werden. J6ir in S tallschauen, die allerdings für die ttkürteiümg des derzeitigen Standes unserer Vieh- »,icht besonders wertvoll sind, werden dre ober- tessishen Bie^üchter bt Wettbewerb treten. <Me und Zahl der Zuchttiere haben unter den un- lucklichen Verhältnissen sehr gelitten und die Preisrichter werden nicht denselben Maßstab an- Igtn können we vor 1914. Gerichtet wird nad) tem bekannten Purtktterverfahoen, bei dem Beschaffenheit der Stallungen, Einheitlichkeit der
unzulässiger privater Funkenan- agen zu verwenden. Dieser Umstand -gibt ^Veranlassung, erneut daraus hinzuweisen, daß - tie Errichtung und der Betrieb sämtlicher ** rahtlosen Teteg raphenanlagen (auch der le-
** Aus dem Stadttheaterbureau, ju der Aufführung der Operette „Die tolle '"omte fj" am Dienstag den 10. Ium sei noch iriZgeteitt, daß Fräulein Wossidlo, das allgemein efiebte frühere Mitglied unserer Bühne, das sich ifo(gc Verheiratung mit Schluß der Winterspielest von der Bühne zurückgezogen hatte, an diesem lbvnd als Gast tn der Rotte der „Nelly" mitwirkt.
Landkreis Gießen.
** Annerod, 6. Juni. Die hiesigen Land- tonte und die Arbeiterpartei haben sich, verständigt unb eine gemeinsame Liste mit folgenden Kan- libaten aufgestellt: 1 PH. Hahn, Landwirt, 2. L. Bette,r Lairdwirt, 3. L. Launspach, Pflasterer, t. PH. Schäfer XII., Landwirt, 5. Wilh. Halm I., ‘anbnrtrt, 6. H. Fenster II., Maurer, 7. Joh. Krä- ler, Landwirt, 8. Adam Schmück,Schreiner, 9. Lilh. Dörr, Pflasterer, 10. H. Haas I., Schmiede- Hcister, 11. L. Volk, Landwirt, 12. Wilh. Brück, inunermann, 13. L. Pfeffer VI., Maurer, 14. H.
erein hat sich fetzt im 46. Jahr seines Be- ehens aufgelöst. Viele, die meinen, daß er für ie Zukunft auch im „neuen Wiefeck" seine Auf- rn gehabt hätte, bedauern diesen Schritt.
Kreis Lauterbach.
O Aus dem Schützer Land, 5. Juni, lhver Gompf-Uetzhausen hat aus Anlaß seines
iehrum, Baubote, 15. H. Wihner, Pflasterer, 16. !. Häuser, Landwirt, 17. PH. Schäfer, Landwirt.
X Wieseck, 6. Juni. Der hiesige Krieger-
d, Lollar und Hungen statt.
Tie Anmeldungen .für Ziegenstatt schauen sind (ns zum 13. Juni, für Rindvieh bis zum 28. Juni tnb für Schweine bis zum 20. Juni an den L-and- ^irtsckastsLrmNter-'Ausscknlß für Oberhessen, Gießen richten. An den Rrndvieh- jnti> Ziegenstall- Üuucn können sich nur Mitglieder der Vereine be- ]ctligai. Anmeldeformulare und der Prämiierungsq plan sind, im Besitze der Vertrauensmänner der Pererne, die ebenfalls Anmeldungen zum Preis-
.uchtrichttmg, Gesundheüs-. und Ernährungszu- aiid der Tiere, Haut- und Stattpflege, sowie die Altung und Ausstellung des Jungviehes bewertet gerben.
sim Kreise Gießen finden Stallfchaueir für \ Riegen in dem Bezirk Gießen, für Simmentaler jljeh in dem Bezirk Ober-Hörgern—Laug-Göns, l Vogelsberger Vieh in dem Bezirk Gießen , und £ für Schweine in den Bezirken Gießen, Alten-Bu-
vjährigen Dienstjubiläums der Schule Uetzhausen DO Mk. gestiftet, die dazu Dertoanbt werden sol-
1 it, den Schülern alljährlich einen frohen Tag zu v» täten. — Lehrer Stephan in Willofs hat anläß- h seines goldenen Dienstjubiläums seiner Ge-
*** ►rätoe die Summe von 1000 Mk. gestiftet, die für
Samstag, l. Jmtt 1919
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverheffen)
„Daily Herald"
Amsterdam,
pfingftwetter.
Wettervoraussage für Somttag: Wechselnd betvölkt, meist trocken, wärmer, südweUickn Winde.
AMBI- Dachstein-Maschine für Handbetrieb
vüchertisch.
— Das Buch des früheren Reichskanzlers Dr. Theodor von Bethmann-Hollweg wird Anfang Juni unter dem Titel „Betracktun gen zum Weltkriegs im Verlag von Reimar Hobbing, Berlin, zur Ausgabe gelangen.
meldet, daß verläßlichen Nach^richteu aus Aegypten zufolge die dortigen britischen Expedilions- streitkräfte, 'weil ihre Ford?rungeu von feiten des Kriegsamtes unberiteksichligl geblieben sind, die An- Mlegenbeiten selbst in die Spänbe genommen haben. Um die Erfüllung der screrlichst gegebener Versprechungen bezüglich der Temvbilisierung zu er* zwingen, wurden Soldatenräte gebubet. — In der Unterhaussitzung vom Dienstag fragte der Arbeitervertveter William Lunn den Staatssekretär für den Krieg, ob ihm bekannt sei, daß unter den Truppen in Aegypteir Soldatenräte gebildet worden sind, daß in Kanda r a solche Körperschaften beschlossen, welche Wachen und Strapazen zulässig sind, daß das Artille- rie k0 r ps in Kairo am 12. Mai in deni Ausstand getreten ist und ein Munitronsab- ladeplatz in Brand gesteckt wurde, ob ihm außer- denr bekannt sei, daß eine Massenversammlung der Truppen -am 13. Mai in Kairo stattfand, um gegen die zwangsweise Zurückhaltung von Soldaten zu ^protestieren, die freiwillig in den Militärdienst getreten sind, daß ein allgemeiner Ausstand der in Aegypten dienenden Leute drohe nnd ab der Staatssekretär fein Aeu- ßerstes tun würde, um durch Beschleunigung der Temobilffierung die .Unruhen zu beschwichttgen.
Eine neue Protestnote ErzbergerS an Frankreich.
Berlin, 7. Juni. Reichsminister Erz- berge r hat in einer neuen Note an Frankreich protestiert gegen die ben inzwischen wieder frei gelassenen hessischen Volkskamme r- mitglredern mit deren Präsidenten widerfahrene Behandlung und gleichzeitig mitgeteilt, daß einzelne der verhaftet gewesenen, sowie auch mehrere verhaftete Volksschullehver und Arbetter von Franzosen tätlich mrßhandelt und persönlich bestraft worden seien, wogegen er Ver
wahrung einlegt. Auch gegen die Verhaftung be* bayerischen Landtagsabgcordneten Clemens tu Kaiserslautern gelegentlich einer Versammlung wird protestiert und die Freilassung des Verhaft toten gefordert.
Das große Maul ChmchillS.
Amsterdam, 6. Juni. Englischen Blättern zufolge erklärte Churchill in der Unter- haussitzung vom Dienstag auf eine diesbezügliche Anfrage, er sehe nicht ein, weshalb nach der Unterzeichnung des ^Friedens die Teutschm tm. besetzten Gebiet nicht weiterhin den Hut ab nehmen sollten, wenn sie mtt einem brrti schen O ffizrersprächen? , Der Fragesteller Wedgewvod machte Clmcchitt darauf ausmerk sam, daß dieser Grußbefehl bet den englischen« Osfizieren äußerst mnbeltebt ist und bei dem am? rikanischen Besatzungsheere nicht liesteht.
Der Generalstreik in Berlin.
Berlin, 7. Juni, (WDB.) Der für gestern nachmittag von 3 Uhr ab vis heute nachmittag um 6 Uhr proklamierte General st reit für Berti n Tarn verhältnismäßig überraschend, nur daß viele, besonders kleinere Betriebe, die Arbeit gestern nicht eingestellt Hatton, iveil es nicht möglich Ivar, alle Stetten zu benachrichtigen. Die Straßenbahn stellte pünktlich um 3 Uhr den Betrieb ein, während die Hock^ und Untergrundbahn den Verkehr weiter aufrecht erhielt und die Kraft- und Pferde Omnibusse bis 9 Uhr abends die Beförderung de-> Publikums fortsetzten. Besonders die großen Fabriken, wie die A. E. G., Hatton srühzeittg den Betrieb eingestellt. In der Brunnenstraße streikten nicht mir die Arbeiter der A. E. G„ sondern auch ein Teil der Bureauangestellten. In der Acker- sttaße erschienen die Arbeiter zwar alle in ihren Werkstätten, übten aber passive Ressistenz aus. In den Zeitunasbetrieben zeigte sich dasselbe Bild. Das technische Personal bei Moste, Scherl und lltl stein legte die Arbeit nieder, während die llcineren Zeittingen erschienen. So konnte man das „Acht nhr-Abendblatt" noch allenthalben auf der Straße kaufen. An den Brennpunkten Berlins, besonders am Potsdamer und Anhalter Bahnhof, tauchten wieder zahlreiche Fuhrwerke aller Art auft die ebenfo wie die Droschken und Autos fabelhafte Preise verlangten. Auch die wilden Händler sowie die fliegenden Musikanten mit ihren Leierkästen tauchten in Massen auf und nutzten die unsichere Situation nach Kräften aus.
Berlin, 7. Jmü. (WTB.) Infolge des Ausstandes sind heute nur zwei Morgenblätter erschienen, und auch diese nur in beschräirktem Umfange. Von einem Generalstreik kann bis her nicht gesprochen werden. Es handelt sich nur um größere Teilstreiks. Der Stra ßenba hu verkehr ruht «völlig, doch ist die Stadtbahn in Betriebs Tie Angestellten dürf ton sich dem Ausstand nW anschließen.
KlagenfurtI) von den Südslawen besetzt.
W i e n, 7. Juni. (WDB.) Den Abendblättern zufolge verlautet in parlamentarischen Kreisen, daß gestern abend südffawische Pattouillen in Kl a genfürth eingetroffen sind. Trotz der wider staildslosen ttebergabe und ttotz des Waffensttll- standes haben die südslawifchen Soldaten P l ü p berungen und Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung begangen
Letzte Nacheichten.
Was ist in Toulouse vorgegaugeu?
Bern, 7. Juni. Ein von dem französischen Zensor gestrichener.Artikel der „Humanits" trägt die Ueberschrift '„Was ist in Toulouse vorge- gangtn ?" Nach dem Berner Tagekckatt verlautet in Gens, daß am Sonntagabend ern Regiment des 1 7. Armeekorps gemeutert habe,, weil es zur Besetzung des linken Rhein-I ufers nach Mainz befördert werden sollte. ( Aus dem Protest der „englischen Arbeiterpartei".
Rotterdam 7. Juni. Dem „N. Rotterd. Courant" zufolge sind in den von der Arbeiterpartei im Parlament und der Leftung der Partei verfaßten Manifesten gegen die Friedensbedingungen noch folgende Sätze enthalten : Dec Vertrag bedeutet die Schändung der Grundsätze, die in den Beschlüssen der Arbetter und Sozialisten enthalten sind. Er schändet auch den Vertrag, auf Grund dessen der Waffenstillstand unterzeichnet wurde, ist daher eine Verneinung des Geistes und des Buchstabens der Erllärung Wilsons, Lloyd Georges und anderer Staatsmänner der Alliierten. Im Vertrag wird an Frankreich der vollständige Besitz der Kohlenbergwerke im Saarbecken abgetreten. Die Bedingungen im Waffen stillst andsvertrag haben niemals auf diese Möglichkeit hingewiesen. Frankreich muß zweifellos von Deutschland Kohlenvorräte erhalten, damit es für den zeitigen Verlust seiner eigenen Hilfsquellen entschädigt wird. Diesem Anspruch kann Genüge getan werden, ohne daß die Bevölkerung der Saargebiete auch nur unter eine neue Verwaltung gestellt wird.
Die sranzöfischen Sozialisten für Aenderung des FriedensverlrageS.
P a r i s, 7. Juni. (WTB.) Die sozialistische Gruppe des Parlaments äußerte sich in einer Motion zum Friedensvertrag und verlangt, daß die Alliierten im Friedensvertrag Aenderungeni vornehmen, die zu einem gerechten Frieden führen können.
Die rheinische Angelegenheit.
V e r s a i l l e s , 6. Juni. Heute vormittag traf hier eine rheinische Abordnung ein, um mit dem Grafen Brockdorfs-Rantzau und der Frie-- densdelegation die das Rheinland betreffenden Fragen zu besprechen. Graf Brock- borff beabsichtigte heute abend in der gleichen Angelegenheit zum Besuch deS Kardinals v. Hartmann auf einige Tage nach Köln zu reisen.
Zugeständnisse in Obcrschlesien-
Versailles, 6. Juni. Einige Aätter äußern ihr starkes Mißbehagen darüber, daß der Viererrat Deutschland Zugeständnisse in Oberschlesien machen will
Soldatcnräte in Aegypten.
Errichtung einer Kirchhofsmauer zum Gedächtnis seines gefallenen Sohnes beftimmt sind. — Zum Polizeidiener der Gemeinde Ober-Wegfurth wurde Johannes Riegelmamr vom Kreisamt Lauterbach ernannt und verpflichtet.
Hessen^Nassau.
--Franksurt a. M , 5. Juni. T« ersten reifen Kirschen ^werden feit heute für 5 Mk. das Pfund in hiesigen Geschäften fett geboten.
h. Marburg, 5. Juni. Das Schöffengericht verurteilte beute eine Gutsinhaberin aus Bernsdorf, die sich wiederholt der Getreidelfinterziehung schuldig gemacht hatte, zu 1000 Mk. Geldstrafe.
Der SchlichtungSauSschutz der Provinz Oberhessen.
Verhandlung am 3. Juni 1919.
1. Ju der Alsfelder Holzindustrie waren im März Lohnstreitigkeiten entstanden, die zunächst nur bei zwei Firmen ausbrachen, aber alsbald beigelegt wurden. Anfang April gewann die Bewegung größeren Boden: man verlangte nunmehr Gleichstellung mit den inzwischen bekannt gewordenen höheren LvlMsätzen der Firmen Hirn- melsbach in Nidda und Nuhn in Lollar. Bei den hierüber gepflogenen Verhandlungen mit dem Holzarbeiterverband kam eine Vereinbarung zustande, die in der Folge zu Meinungsverschiedenheit führte und wiederlwlte Erörterungen vor dem Schlichtungsausschuß notwendig machte. Die Arbeitnehmer verlangten den Achtstundentag ohne Lohnverkürzung, die für Lollar und Nidda durch Schfedsspriit vom 14. 3. 1919 zuerkannten Sätze mit einem Ausschlag von 25 Pfennig pro Stunde, ferner einen Lohnausgleich für die seit 26. November 1918, d. i. Verkündung der Anordnung vom 23. November 1918 über die Regelung der Arbeitszeit gewerblicher Arbeiter (Reichsgesetzblatt S. 1334 ff. v. 1918), über die gesetzliche achtstündige Arbeitszeit hinaus geleistete tägliche Stunde, endlich Rückgängigmachung von als Maßregelung aufzufassender Arbeiterentlassung. Tie Arbeitgeber behaupteten, eine vom Reichsarbeitsamt für gültig erklärte, bis 1. Oktober 1919 bindende Lohnvereinbarung getroffen zu haben. Der achtstündige Arbeitstag sei in den betr. Betrieben vom 2. Mai 1919 eingeführt. Bis dahin habe man, da die fragliche Anordnung vom 23. November 1918 in den Alsfelder Amtsblättern nicht veröffentlicht worden sei, nicht annehmen können, daß der Achtstunventag Gesetzeskraft erlangt habe. Bei erneuter Lohnerhöhung werde bei den betroffenen Betrieben die Konkurrenzfähigkeit ernstlich in Frage gestellt. Grundsätzlich sei man wohl einer Lohnaufbesserung in mäßigen Grenzen nicht abgeneigt, jedoch müsse eine Regelung hierüber die Bttligung des jüngst in Vein Alsfelder Bezirk gebildeten Ärbeitgeberverband-es finden, so daß man heute nur in Aussicht stellen könne, in aller Kürze in Verhandlungen von Verband zu Verband zu tariflicher Abmachung eintreten zu wollen
Die bis dahin zu treffende vorläufige Regelung überließen die Parteien dem SchlichtungsauSschuß, der durch vorläufigen Schiedsspruch da- hrin erkannte, daß den beteüigten Arbeitern b i ö zur endgültigen Verständigung eine Zulage von 25 Pf. zum Stundenlohn oorti Tag der Ärbeitswiederaufnahme an gewährt werden soll, wobei die im Schiedsspruch vom 14. März 1919 für Himmelsbach in Nidda und Nuhn in Lollar bestimmten Lohnsätze die Höchstgrenze der Aufbes- feruug bilden sollen, schon bestehende günstiger« Lohnbebingungen hiervon jedoch nicht berührt werden.
Da die Parteien sich nicht sofort über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs er Hären wollten, wird der Schiedsspruch mtt Fristsetzmrg ihnen zugestellt werden. Inzwischen ist die tarifliche Verständigung von beiden Seiten dadurch bereits angebahnt worden, daß die Vorverhandlungen hierzu von Verband zu Verband in den nächsten Tagen aufgenommen werden sollen.
2. Die Arbeiter des B. Nuhnschen Sägewerks und Zimmergeschäfts in Lollar hatten den Antrag gestellt, daß ihnen die kürzlich zwischen den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen für die Holzindustrie vereinbarte Teuerungszulage von 40 bis 60 Pfennig Stundenlohnzulage (je nach Tarisklasse^ zu den vom Schlichtungsausschuß im Schiedsspruch vom 14. Mävz 1919 zuerkannten Lohnsätzen von 1,05 bis 1,23 Mk. derart ebenfalls zugute kommen möge, daß ihnen eine Efthöhung von 45 Pfennig zugebrl- ligt werde.
Auch in diesem Fall wurde eine tarifliche Regelung durch Verhandlungen von Organisation zu Organisation in Aussicht genommen und bis dahin vom Tag der Wiederaufnahme der Arbeit an eine Stundenlohnzulage von 17 bis SO Pfennig durch Parteiübereinkunft zu vorläufiger Beilegung der schwebenden Lohnstreitigkeit festgesetzt.


