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Erster Blatt 169. Jahrgang L

Gießener Anzeiger

äs. General-Anzeiger für Oberhessen

Vie Eröffnung der deutschen Nationalversammlung.

Me Weimarer Eröffnungs ta-I aung konnte gestern ohire störende Zwischen-! fälle stattsinden. Wenn auch in einzelnen großen deutschen Städten nocfy die Sparta- kist-euhände auskrumpfen, z. B. in Kiel, Ham- burg, Düsseldorf, so ist doch ein Hauptherd | der Uirorduung, nämlich Bremen, von den Regie rungs truppen ausgeräumt kvordeu, und in Eisenach und Weimar selbst scheinen nun­mehr alle Siu>erungen vorhanden ru sein. Ein« Ehrenkompagnie des Landesschützen- korps in Friedens-Paradeunifarm marschierte auf dem Weimarer Theaterplatz auf, als die Molksbeauftragten beim Beginn der Sitzung voriubren. Im übrigen war das Schauspiel uacy den voriicgeirden Berichten wenig far­benprächtig; auch die Begrüßungsreden hat­ten nicht gerade etwas Schwungvolles an sich. Der Bolksbcauftragte Ebert hielt die erste Ansprache. Er hat selbst viel von den gegen- fvärtigen traurigen Wirren und kläglicl>cn p)erl)ältnisseu in Deutschland miterlebt noch vor einigen Tagen sind ihm in der Reichs­kanzlei von einem Besucher Hut, Pelz, Ueber- Lieher und Stock gestoh.en worden uno jo vermied er alles Ueberschvänglick-e und Phrasenhafte in seiner Rede, die an einigen Stellen freilich trotzdem den Widerspruch der ISRecfyten l-ervorrufen konnte. Es ist nun doch einmal nicht zu leugnen, baß die Revolution such ihre uuverknrubaren Pferdefüße gehabt hat. Im übrigen ist anzuerkennen, daß Eberts lAirsprachc würdig und sachlich gewesen ist. Seine FestsbeUuugen und Mahnungen treffen vielfach bas Wahre uni) ^Aotwekwige, und es war gut,' daß er am Anfang seiner Ausführungen mit erhobenem Tone die Feinde darauf hingcwicsen hat, daß sie mit ihren unerhörten Waffenstillstandsbedingun- gen jetzt die Grenze der deutschen Geduld er- reicht haben. Der Alterspräsident Psann- kuch /der nach Ebert das Wort ergriff, sprach einige volkstümliche Begrüßungsworte, in Lenen er gleichfalls alle Hoffnungen auf das Wirken der Nationalversammlung setzte, die dazu beitragen müsse, Deutschlands Selbst­bestimmungsrecht nach innen und außen zu retten und zu bewalden. Am heutigen Freitag findet die Wahl der Präsidenten und Schrift­führer statt.

Vie (Eröffnung der Nationalversammlung.

Weimar, 6. Febr.

Weimar prangte heute zu Ehren der bevorstehen­den Eröffnung der Nationalversammlung in vollem F'aggenschmuck. Der festliche Tag wurde durch Gottes- dienst in der katholischen und protestantischen Kirche eingeleitet. Sodann folgte eine inlerfraktionelle Be- ßprechung, in welcher dem Bernehmen nach auch die zukünftige Zusammensetzung der Reichsregierung zur Sprache gelangte. Aus parlamentarischen Kreisen hört man, daß eine Kombination der Sozialdemokraten, der Demokraten und des Zentrums nicht mehr un- wahrscheinlich sei. Später wird eine Besprechung des Seniorenkonvents mit der Reichs eitung im Schlosse stattfinden, wobei der Arbeitsplan für die nächsten Lage vereinbart werden soll.

Schon vor 2 Uhr begann die Ansammlung der Bevölkerung vor dem Nationaltheater, um die An­kunft der Abgeordneten zu erwarten. Bor dem Hause war eine Ehrcnkompagnie aufgestellt: im übrigen waren keinerlei Absperrungs- oder sonstige Dehinde- »ungsmaßregeln getroffen. 3n der dritten Stunde trafen nach und nach die Abgeordneten ein, unter denen die weiblichen Mitglieder naturgemäß beson­deres Interesse erregten. Das Haus selbst war ent­sprechend geschmückt. Die Estrade trägt sowohl vor dem Platze des Präsidenten als auch vor den Bänken der Reichsregierung und der Vertreter der Einzel­staaten reichen Blumen'chmuck, der den angenehmen Eindruck des festlichen Raumes noch erhöht.

Um IViUhr nachmittags eröffnete der Volks- beauflragte Ebert die erste Sitzung der National­versammlung im Nationaltheatcr zu Weimar mit Jfeiner Ansprache, in der er u. a. sagte: Die provi­sorische Regierung verdankt ihr Mandat der Revo­lution. Sie wird cs in die Hand der National­versammlung zurücllegen. Die Negierung begrüßt in dieser Nationalversammlung den höchsten mit) «einzigen Souverän in Deutschland. Mit den alten völligen und Firsten von Gottes Gnaden ist es für immer vorbei.^ (Lebhafter Beifall links. Zischen, rechts, Rufe rechts: Abwarten!» Diese National­versammlung hat ftne große republikanische Mehr­heit. Das deutsche Volk ist frei, bleibt frei und regiert in der Zukunft sich Hbft. Wir haben den Krieg verloren. Diech Tatsache ist kei:e Folge der lRevolution Es war «die kai.erlick-e Regierung des Orinzen Max von BVden, die den Waffenstillstand ^inleitete, der uns wewrlos machte. Nach dem Zu­sammenbruch unserer/ Verbündeten und migcirchts Der militärischen und) wirtschaftlichen Lage konnte Re nicht anders handeln. Tie Revolution lehnt die NerantwrFtung ab ssür das Elend, in das die ver­kehrte Politik der atzten Gewalten und der lercht- finnige Uebermut bef. Militaristen das den tiche Volk geführt haben. Sie /st auch nicht üernnhvortlid) für unsere schwere Le'efflsmittelnot. Nicht nur uns, auch unsere Gegner hotI der K.ieg ungeheuer erschöpft. Ms dem Gefühl Erschöpfung bei unseren Geg­

nern heraus wird der Ausbeutungsgedanke in das Friedenswerk hineingetragen. Diese Rache- und Vergewaltigungspläne fordern den schärfsten Pro­test heraus. (Allseitige Zustimmung.i Äueesichts des Massenelends cridxint d e Schuldsrage lei - he klein. Gleichwohl ist das deutsck-e Volk eittschwsien, alle zur Verantwortung zu ziehen, denen ein absicht' lick>es Verschulden oder eine absickfllickie 9?icberti ad>t nachgewiesen werden kann. Weshalb Halen nach ihrem eigenen Zeugnis unsere Gegner gekämpft? Um den Kaiserismus zu vernichten! Es gibt ihn 'nicht mehr. Er ist für immer erledigt. Wir haben gekämpft, um den Mlitarismus zu zerstören. Ec ist in Trümmer gestürzt und wird nicht mehr erstehen. Die Wasfenstillstandsbedingungen sind bisher un­erhört hart gewesen und schonungslos durchgeführt worden. Wir luarnen die Gegner, uns nicht zum Aeußersten zu treiben. Wie General Winterfeldt könnte jede deutsche Regierung gepvungen sein, auf die weitere Mitwirkung an den Friedensvechand- lungen zu verzichten und den Gegnern die ganze Last der VerantN'ortung für die Neugestaltung der Welt zuzuschieben. Man stelle uns nicht vor die verhäng nsoollc Wahl zwi^chm Verhungern und Schmach. Auch eilte sozialistische VoUsrcgic- rung und gerade diese muß barem fest halten: Lieber ärgste Entbehrung als Ent­ehrung! (Leohafte Zustimmung? Im Vertrauen auf die Grundsätze des Präsidenten Wilson bat Deutschland die Waffen niederg legt. Jetzt gebe man uns den Wilsonfrieden, aus den wir Anspruch haben. Unsere freie Volksrepublik, das gmize deutsche Volk, erstrebt nichts anderes als g.eich- berech.igt in den Bund der Völker ein^utreten und sich dort durch Fleiß unh Tüchligkeit' eine geachtete Stellung zu erwerben, gllgemevte Zu­stimmung.) Deutschland taim der Welt noch vieles leisten. Wir sind auf dem Wege, der Welt noch einmal sozialistisch voranzuschrcn en, indem wir dienen dem Sozmlismus, der allem Dauer haben kamt, der den Wohlstand und die Kultur des Volkes hebt, dem Sozialismus der löcrbcnben Wirklichkeit. Wir nreirden uns noch einmal an alle Völker der Welt mit dem dringenden Appell, dem deutschen Volke GerechtiBeit ntiberfahren zu lassen, durch Vergewaltigung unseres Volkes und unserer Wirtschaft nicht das zu vernichten, was sich trotzdem hoffnungsvoll bei uns an bahnt. Wir können auch nicht darauf verzichten, die ganze deutsche Nation im Itahmen eines Reiches zu einigen. Ich bin sicher, im Sinne der gesamten Nationalversammlung zu sprechen, wenn ich die Kundgebung der deutsch-österreichischen National­versammlung für den Anschluß an Deutschland aufrichtig und voll Freude begrüße und sie mit herzlicher Brüderlichkeit erwid re. Unsere Stam­mes- und Schicksalsgenossen dürfen versichert sein, daß wir sie im neuen Reiche der deutschen Nation mit offenen Armen,und Herzen willkommen heisst. Deutschland darf nicht wieder dem alten Elend oer Zersplitterung und Verengung anheimsallen. Nur eine große, einheitliche Entwicklungsfähigkeit un­seres Wirtschaftslebens, ein politisch aktionssähi- ges, festgefügtes, einiges Deutschland kann die Zukunft unseres Volkes sicherstellen. Die proviso­rische Regierung hat eine sehr üble Erbschaft an­getreten. Wir fallen, gestützt und gefördert vom Zentralrat der deutschen Arbeiter- und Soldaten­räte, unsere Kraft eingesetzt, um die Gefahren und das Elend der Uebergangszeit zu überwinden. Wir haben alles getan, um das Wirtschaftsleben wieder in Gang zu bringen. Wenn der Erfolg unserer Arbeit nicht unseren Wünschen entsprach, so müssen die Gründe gerecht gewürdigt werden. Wir richten deshalb an bte Unternehmer den dringenden Aprell, die Wiederbelebung der Produktion mit allen Kräften zu fördern. Auf der andern Sackte rufen wir die Arbeiterschaft auf, alle Kräfte n"",spannen zur Arbeit, die all in uns retten katm. Wir müsen ar eitn un> W re ch fe, IU..H gehen wir zugrunde. Soz a.is nus ijt nach innerer Auffassung nur möglich, wenn die Pro­duktion eine genügend hohe Stufe der Arbeits­leistung time hält. Sozialismus ist uns Organi­sation, Ordnung und Solidarität, nicht Eigen­mächtigkeit, Widerspenstigkeit und Zerstörung. Sorgenvoll blickt uns die Zukunft an. Wir ver­trauen aber trotzalledem aus die unverwüstlich Schaffenskraft der Rutschen Nation. Die alb.m Grundlagen der deutschen Machtstellung sind für immer zerbrochen. Die pnmßiich Hegemonie, das hohenzollernsche Heer, die Po.i.ik der schimmernden Wehr sind bei uns für alle Zukunft unmöglich gemacht.

Ebert schloß: Mr muffen hier in Weimar die Wandlung vollziehen: Rom Imperialismus zum Idealismus, von der Weltmacht zur geistigen Größe. So wollen wir an die Arbeit gehen, unsere großen Ziele fest vor Augen. Das Recht des deutschen Vol­kes zu wahren, in Deutschland eine starke Demo­kratie verankern und sie mit wahrem sozialen Geist und sozialistischer Art erfüllen. Das wollen wir wahr machen nach dem, was Fichte der deutschen Nation als ihre Bestimmung gegeben hat: Wir wollen er­richten ein Reich des Rechts und der Wahrhaftigkeit, gegründet auf Gleichheit alles dessen, was Menschen­antlitz trägt. (Lebhafter Beifall.)

Alterspräsident Pfannkuch.

Hierauf bestieg der Mehrheitssozialist Abg. Pfann­kuch den Präsidentenstuhl und richtete als Alters­präsident an die Versammlung eine Ansprache, in der er u. a. sagte: Jetzt ist das deutsche Volk sein eigner Herr, seine eigene oberste Gewalt geworden. Es muß die große Prüfung bestehen, ob es reif ist, in Freiheit zu leben, oder ob es wiederum unter die brutale Gewaltherrschaft einer Minderheit sich beugen muß. Die Nationalversammlung ist der Ausdruck des Willens dr deutschen Nation. Sie allein hat von

heule ab in Deutschland zu entscheiden. Wer ihr die unumschränkte Gewalt zu schmälern versucht, der frevelt an des deutschen Volkes Majestät und Freiheit. Die ganze deutsche Nation, innerhalb und außerhalb der alten Reichsgrenzen, blickt erwartungs­voll auf diese Versammlung. Seien wir würdig unserer ungeheueren Aufgabe und tun wir olle unsere Pflicht in Liebe zum deutschen Volk und zur deutschen Freiheit, die unsere Herzen und Köpfe er­füllt. Deutschland soll wieder groß werden in der Welt, nicht mit Gewalttaten von Kriegen, sondern durch die befreiende Gewalt des Friedens. Lassen Sie sich in Ihren Beratungen und B schlußsaffungen stets leiten von dem Grund atz: Alles für das Volk und olles durch das Volk Das ist der Segens­wunsch, mit dem ich die Tagung der Nationalversamm­lung eröffne.

Sodann wurde die Geschäftsordnung des Reichsiages als provisorischer Vorschlag des Alters- Präsidenten angenommen. Beim bann erfolgenden Namensaufruf ergab sich die Anwesenheit von 397 Abgeordneten. Alterspräsident Pfannkuch beraumte die nächste Sitzung auf Freitag 3 Uhr nachmit­tags an.

Tagesordnung: Wahl des Präsidenten, der Vize- Präsidenten und der Geschäftsführer.

Die Aemterverteilung.

Berlin, 6. Febr. Tie fozialdemokra- tische Mehrheitspartei macht laut V.Z. auf die drei leitenden Stellen Anspruch, auf den provisorischen Reichspräsidenten (Evert), die Mi­nisterpräsidentschaft (Schidemami) und den ersten Vorsitz in der Nationalversammlung, wofür neben Heine und 2 ö be noch der bayrische Minister Auer genannt wird. Falls es gelingen sollte, ci-.cn Arbeitsplan der drei großen Parteien Sozialdemo­kraten, Zentrum und Deutsche Demokratische Par­tei zu schaffen, wäre unter Umstünden eine Eini­gung in der Richtung zu erzielen, daß die Sozial­demokraten auf das Präsidium in der National­versammlung verzichten. In diesem Falle würde das Zentrum auf diese Stellung Anspruch erheben und Fehrenbach Vorschlägen. lieber die Konstituie­rung der einzelnen Fraktionen wird mitgetcilt, daß als Fralcionsvorsitzender der Christlichen Volks­partei (Zentrum! Gröber gewählt wurde. Die Rehrheitssozialisten wählten Dr. David zum Fraktionsvorsitzendeu. Die Deutsch-nationale Volkspariei hat den Grafen Posadows- k y zum Vorsitzenden gewählt, zu des­sen Stellvertretern S ch u l z-Broml erg und Beh­rens. Vorsitzender der Deutsäien Volkspartei ist der frühere sächsische Staatsminisler Heinze. Tie deutsch-demokratische Fraktion ernannte einstwci en zum Vorsitzenden v. Payer. Als weitere Mit­glieder des Vorstandes werden u. a. genannt der sächsische Minister a D. Nitzschke, Oberbürgermeister Koch-Cassel, Friedrich Naumann und Friherr von Richthofen. Nach dem L. As fei noch nicht sicher, ob Payer oder Dernburg endgültig Fraktionsvor­sitzeiloer der Deutscki-Temokraien fein solle, nachdem Fischbeck dies Amt ab.selehnt hat. Bei. deir aus­schlaggebenden Mehrheitsparteien scheint, wie dem B. T. berichtet wird, die Abftcht zu besteheit, ein Gesamtreichskabinett von vieczehn politischen Mitgliedern zu bilden, das voraussichtlich aus sieden So'ialdemokraten und sieben Mitgliedern der Demokratischen Partei und be5 Zentrums gebildet werden dürfte. Das flieichs- ^chatzamt würde von Erzberger geleitet wer­den. An die Spitze eines neuzubildende.! Reichs- sinanzministeriums würde Schiffer treten. Als aussichtsreicher Kandidat für das Kolorialministe- rium wird Richt Höf pH' genannt. Die Leitung deS Reichsjustizamtes solle Landsberg über­tragen werden. Die '21 tut ahnte, bdj die beiden sozialdemokratischen Fraktionen sich auf der Nationalversammlung vereinigen würden, gilt als irrig.

Line Unndgebung der heff. Doltsbunbes.

Der hessische Volksbund, der seine Hauptleitung nach Marburg verlegt hat, versendet an seine An­hänger folgendes Rundschreiben:

Heute tritt in Weimar die Nationalversammlung zusammen. Unter dem Vorwand, ein starkes, großes Preußen aufrechterhalten zu wollen, verbergen bei der Bekämpfung des Regierungsentwurfs für die Neichsverfassung süddeutsche Kreise gefährliche Sonberintereffen. Partikularistischer Machtwille imStaatenhause" möchte dem Selbstbestimmungs­recht des deutschen Volkes bei der Neuordnung des Reiches Fesseln anlegen! Pariser und Londoner Ver­nichtungspolitiker sehen damit Dinge Wirklichkeit werden, die sie seit Monaten als ihre Hoffnung ver­kündet haben. Freunde, dagegen erhebt Eure Stimme! Für die Einheit und Geschlossenheit des Reiches! Gegen partikularistische Eigenwege und Hemmungen! Wir fordern, wie der Reichs- regierungsentrourf, starke Reichsgewalt, Verständnis für heimische ßanbesintereffen und darum freie Dahn für eine gesunde Neueinteilung des Reichs! Die sächsische Regierung hat in diesem Sinne jeden Partikularismus scharf abgelehnt! Die hessische Re­gierung möge den gleichen Weg einschlagen!

Hessische Landleute! Arbeitet als Bürger unseres künftigen großen Freistaates Hessen, der wie Sachsen ein Bindeglied zwischen Nord und Süd und ein Hüter der Reichseinheit sein wird, an der Sicherstellung einer wahrhaft vaterlänbisck-deut^kM^fung der Reichs- verfaffungsfrage.

vk wassE, Ä^en.

Berlin, 6. Febck^ (£'<!&. rutsche Dampfer, die mit französi.Un "ach

Cherbourg ausliefen, find Ver Verabredung

nicht zurückgekehrt. Auf die deutsche Nachfrage erklärte der französische Vorfihenbe, der alliierte Schisfahrtsrat in Paris werde demnächst über die weitere Verwendung dieser fünf Dampfer befinden.

Das Oberkommando der Alliierten ließ auf eine deutsche Anfrage hin bekanntgeben, daß weder in der neutralen, noch in der besetzten Jone Arbeiter­und Soldatenräte bestehen dürfen.

Die sranzösischen Besahungsbehörden in der Pfalz haben 10000 Doppelzentner und 200 Waggon- ladungen raffinierten Jucker, die für die Jucker, fabrik in Frankenthal bestimmt waren, beschlag­nahmt und nach Llsaß-Lothringen befördert. Die Zuckerversorgung Deutschlands durch die Reichs- zuckerstelle ist infolgedessen stark gefährdet. Die deutsche Waffenstillstandskommission fordert die sofor- tige Rückgabe des beschlagnahmten Juckers, da die Alliierten nur das Recht Haden, für den unmittel­baren Unterhalt der Besatzungstruppen Requisitionen vorzunehmen, und rationierte Lebensrnittel überhaupt nicht dem Requisitionsrecht unterworfen werden sollen.

Die deutsche Kommiffion erhob gegen das Dor- gehen des französischen Gesandten im Haag Einspruch, welcher der niederländischen Regierung das Abkommen über die Verlängerung des Waffenstillstandes voll­kommen unzutreffend übermittelte, so daß die nieder­ländischen Banken falsch unterrichtet wurden.

Der stellvertretende Vorsitzende der deutschen Kommission erhob beim belgischen Vertreter Vor- Heilungen wegen Vergehen der belgischen Be­satzungstruppen gegen die deutsche Bevölkerung Der belgische Vertreter versprach die belgischen D sahungsbehörden sofort von der deutschen Beschwerde in Kenntnis zu setzen.

Die englische Kommiffion teilte mit, daß Sir John Beale am 6. Februar in Spaa als britischer Bevollmächtigter eintreffe, der im Auftrage der Alli­ierten die Frage der Lebensmittelversorgung des links- und rechtsrheinischen Gebiets untersuchen soll. Es werde gebeten, deutsche Sachoerständige namhaft zu machen, die ihm über Einzelheiten Auf- fchluß geben können.

vir Verner Sozialiftentonfereiy.

Eine Etaigung in der Schaldfrage.

Bern, 5. Fevr. (WTB.) Branting edhv terte die Erklärung bet deutschen Mehrdeitssvzial- demokraten und fuhr fort: Die Kommission schlägt einstimmig folgende Entschließung zur An­nahme vor:

Die Konferenz in Bern erkennt an, daß für sie die Frage der unmittelbaren BewantN'vrtlichleit am Krieg geklärt ist, svnwhl durch die Aussprack)e als durch die Erklärung der deutschen Mehrhcits- sozialisten, die den revolutionären 6>.ist des revo­lutionären Deutschlmtd und dessen völlige Los­lösung von dem für den Krieg verantwortlichen alten System bekundet hat. Jtldem die Konferenz, die deutsche Revolution und die demokratischen und sozialisüschen Einrichtmig-m, die sie herdeigesührl bat, begrüßt, sieht sie die Bahn frei sür die gemeinsame Arbeit d.r Internatio­nale. Die weitere Erklärung, die die deutschen Dele­gierten in der Debatte über den Völkerbundl abgegeben haben, überzeugt die Konferenz, daß von tmn an die vereinigten Arbeitzermassen der ganzen Welt die stärksten Mittel zur Ni/.derhaltung des Militarismus uird aller Versuche, die Inter­nationale zu vernichten, verbürgen und gewähren nerden. Die Konferenz sicht in oen geführten De-- batten eine fruchtbare Vorarbeit und überläßt es einer künft^g.m internationalen Konferenz, deren Einberufung unter normalen Verhältnissen erfolgen kann, über die ivelrgcsch chlliche Frage der Verant­wortlichkeit das Urteil der Internat tonale zu fällen. (Äbbafter, lviederhol ter Beifall.)

Nach kurzer Aussprack)e nnrd die Resolutioni, gegen wenige Stimmenangenommen.

Bern, 6. Febr. (WTB.) In der heutigen Morgensitzung der internationalen Sozialistenkon­ferenz teilte Hnysmans mit, daß bisher 97 Delegierte von 26 Ländern anwesend seien. Hen­derson brachte folgende

R.solution der englischen Delegation ein: Tie Konferenz belchneßt, daß ihre Arbeiten so fortg?setzt werden müsseir, wie es im Iittercise der Arbeiterschaft aller Länder liegt, daß wir einen großen Einfluß auf die Pariser Venya>ü>lungen ausüben könneil. Die Konferenz drückt die Hoff­nung ans, daß sich die Arbeiter bald wieder auf die Internationale vereinigen werden. Die Konfe­renz setzt eine Kommission ein aus yi>.'i Vertretern Deutschlands, Oesterreichs, Böhmens, Frankreichs uub Eng ands mit Branting, Henderwn und Huvs- mans als Beisitzern, die die Ausführung der Be­schlüsse der Konferenz zu überwachen und eine nevf Konferenz ei izuberufen hat, wenn es der Gang der Pariser Verhandlungen nötig machen sollte.

Renaudel empfiehlt Berw.iiung der Reso­lution an eine Kommission. Die Diskussion fährt' mit der Besprechung der Völkerbundsfrage fort.

Eisner verlangt, daß die Internationale al ­ler Länder jetzt bereits prattisä>e Vorarbeiten- den Völkerbund leisten müsse. Erste Vorbed'-> ung sei, daß die öffentliche Meiitung, die mit die Haupt- Verantwortung für den Krieg trage, entgiftet werde. Ueberall müsse ein Organ gesck>afsen werdan, das die öffentliche Meinung beherrscht. Eisner weist daraus hin, daß nad) allgemein ver­breiteter Ansicht der Völkerbund immer »wch für, eine Schutzeinrichtung gehalten iverde. Vötlerbmid. und Kapitalismus seien unvereinbar, und der Völ--, kerbunü habe, selbst wenn er zustande tarne, so lang«, keinen Einfluß, als immer noch das Recht durch» Macht gebrochen werden lmme. Für den Süds,