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nr. 286 Awettes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten) Samstag, 6. Dezember 1919
Unsere SrnShrungslage.
In der „Darmft. Ztg." veröffentlicht der -ßrälLöcnl bc4 wi. Landesernährungsamtes Her- mann Neumann einen Aussatz über unsere Ernährungslage, dem wir folgendes entnehmen:
Unsere Ernährungslage ist ernst, sehr ernst. Es wäre Torbeil, dieser Tatsache gegenüber die Angen zu verschließen. Am relativ günstigsten steht noch unsere Brotgetreideoersorgung. Nach den Schakungen der Reichsaetreibestelle fx- nötuien wir bis zum Ende des Wirtschaftsjahres -9 918 OOO Tonnen. Tas Ernteergebnis wird von der Rcichsgetreidestelle auf insgesamt 9 650 000 Tonnen geschätzt. Zur Streckung des Brotgetreides sollen noch etwa 200 000 Tonnen Gerste heran» gezogen werden. Cs sei bemerkt, daß bei Berechnung die nach dem Friedensoertrag abzutretenden Gebiete außer Betracht gelassen worden sind. Nach diesen Schätzungen ergibt sich, daß wir mehr wie je daraus bedach' sein müssen, die einheimische Ernte möglichst vollständig zu erfassen, um die Einfuhr vom Ausland auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Der Mangel an Transportmitteln, an Kohlen, an Benzol, an Arbeitskräften auf dem Lande, die zunehmende Abneigung der Landwirtschaft regen die Fortdauer der Zwangswirtschaft und die damit toachsende Unlust zur Erfüllung der Ablieferungspflicht sind Gefahren, die in ihrer endgültigen Auswirkung heute noch nicht richtig eingeschätzt werden können. Es kommt hinzu, daß durch den starken Valutaunterschied ein großer Anreiz zum Schmuggeln von Brotgetreide ins Ausland gegeben ist. Eine scharfe Kontrolle auf alle auszusührenden Waren ist also mit eine der Voraussetzungen für unser Durchkommen.
Ungünstiger wie die Brotgetreideversorgung steht die Kartoffelversorgung. Die Anbaufläche, die im Vorjahre noch 2 507 000 Hektar betrug, ist durch den Wegfall größerer Teile der Provinz Posen und Weitpreußen, sowie Elsaß- Lothringen um zirka 20 Prozent zurückgegangen. Sie beträgt nur noch 2 029 304 Hektar mit einem geschätzten Ertrag von 514 749 800 Zentnern. Im lausenden Wirtschaftsjahr stößt die Kartoffelver- sorgung in allen Bezirken auf Schwierigkeiten. Nach den bisher vorliegenden Liefermcldungen sind bis zum 25. Oftober 1919 auf Grund der Auflage der Rcichskartoffelstelle geliefert: 1 438 000 Zentner, das sind nur 12,88 Prozent. Soll die Wintereindeckung gelingen, so wären bis zum 25. Oktober SO3/* Prozent der Auflage zu erfüllen gewesen, das sind 33 Millionen Zentner. Der Liczerungsrückstand betrug also bts zum 25. Oktober schon 19 Millionen Zentner. Eine Besserung ist inzwischen nicht eingetreten. Bis zur gleichen Zeit vorigen Jahres waren 32 869 000 Zentner Kartoffeln, mithin 18,8 Millionen Zentner mehr, geliefert worden. Fast keine deutsche Stadt war bisher in der Lage, mit der Ansammlung von Wintervorräten zu beginnen. Ja es ist vielen Gemeinden in Ueberschußgelneten nicht einmal gelungen, den laufenden Bedarf zu befriedigen. Die Gründe ruhen in erster Linie auf den unzureichenden Transportmitteln. Von 6—7000 Wag- gvns die täglich für die Kartofselbeförderung notwendig wären, können nur 3—4000 Wagen trotz aller Maßnahmen der Eisenbahnbehörden gestellt werden. Daneben kann aber nicht geleugnet nx-rben, daß man in weiten Kreisen der Landwirtschaft versucht der Zwingswirtschaft so viel wie möglich Schwierigkeiten zu bereiten, um sie dadurch zu Fall zu bringen. Stellenweise wird auch der Kartoffelpreis für unzulänglich gehalten. Einzelne Gemeinden haben sich geschlossen geweigert, Kartoffeln zu dem festgesetzten Höchstpreis ahzu- gebeu. Es blieb kein anderer Weg, als mit Zwangs- maßnahmen vortzugehen. Weiter ist die Ernte nicht so günstig ausgefallen, wie dies vor ihrem Beginn angenommen wurde.
Um der Landwirtschaft entgegenzukommen und eine wesentliche Verstärkung der Lieferungen berbeizusühren, hat die Reichskartofselstelle mit Wirkung vom 3. November 1919 eine Frost- prämie von 2 Mark für jeden bis zum 15. Dezember 1919 abgelieferten Zentner festgesetzt. Leider hat auch diese Maßnahme bis jetzt nicht die erforderliche Wirkung gehabt.
Am traurigsten sieht es mit unserer Fleischversorgung aus. Die festgesetzten Fleischrattonen können nur durchgeführt werden, wenn zur Deckung des Bedarfs mindestens ein Drittel Aus landsfleisch mit hcrangezogen wird. Dieses AuS- landssleisch wird nach der Verbilligung durch das Reich, Staat und Kommunalverband immer noch zu 4—4,75 Mark für das Pfund an ben Verbraucher abgegeben. Die Kosten der Verbilligung betragen auf das Pfund rund 3,60 Mark, so daß im Vierteljahr bei einem Geiamtverbrauch im Deutschen Reich von 35 000 Tonnen 25 Millionen Mark auszuwenden finb. Trotz dieser großen Heranziehung von Auslandsfleisch leidet die Fleischversorgung immer stärkere Not. Es sind keine Seltenheften, daß das Lieferungssoll nur mit einem Viertel erfüllt worden ist. Soweit es sich um Lieferungen von Kleinvieh handelt, ist
die Hauptursache der geringen Ablieferung darm zu erblicken, daß viel Kleinvieh im Schleichhandel verschoben wird. Beim Großvieh findet zwar eine Verschiebung in den Schleichhandel nickt ut n> tarkem Maße statt, hier wirkt aber auf die Vieh- aufbringung besonders ungünstig ein, daß we Jungviehbestände infolge der ständigen Gingntie der letzten Jahre ganz außerordentlich stark zu- ammengeschmolzen sind. Infolgedessen kommt als Schlachtvieh hauptsächlich mir, das Milchvieh in Frage, zu dessen Abgabe sich die Bf ft-er bei den jetzigen Preisen für Schlachtvieh wcht eut- chließen formen. Der Rindviehbestand vermag eben nicht auch nur die nötig*' geringe Fleffchmenge auf die Dmier aufzubringen. Der Haupttröger der Fleischversorgung war in früheren Zeiten - und wird es auch in Zukunft sein müfien — das Sckwe in. Ehe wir nicht wieder -cnügend Schlachlschwrine haben, wirb auch eine einigermaßen ausreichende Fleischversorgung mit inländischem Vieh nicht einsetzen.
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<5erid?htfaal.
X. Hanau, 4. Dez. In dem Getreide- unb Viehschiebungsprozeß beantragte der Staatsanwalt gegen den Angeklagten, .( isobu- bautechniker Karl Walther in Hanau c.ne Gesamtstrafe von 1 Jahr 6 Monaien Gefängnis, 40500 Mark Geldstrafe und Einziestrng von 219 916,41 Mk.; gegen den Angeklagten Frhrn. Laur, früher Sanbroirt in Hanau, eine Gesamtstrafe von 15 000 Mk. sowie Einziehung, von 136619,65 Mk.: gegen den Angeklagten Genchts- assessor a. T. Friedrich Düringer, früher Kms- syndikuS in Hanau, 8000 M'k. Geldstrafe; gegen den Angeklagten Rentner Karl D a n n h o s "us Hers- seid 1 Jahr 4 Wonate Gefängnis, 20000 Mk. lÄldstrase und Einzielvmg von 39 460.70 Mark: gegen den Angeklagten Lagermeister Lö , ch aus Erbstadt eine Gefängnis strafe von 2 Monaten und 15 000 Mk. Geldstrafe, außerdem die Einzichung von 13 665 Mk.: gegen den Angeklagten Fruchttändler S ch e P v aus Windecken 3 Wochen Gefängnis, 1500 Mk. Geldstrafe, Einzictewg von 568,75 Mk.: gegen ben Anmvagten Landwirt Brod! II. in Ostheim 3 Monate Gefängms, 20000 Mark Geldstrafe und Einziehung von 20 108,30 Mk.; gegen den Angeklagten Joh. Phil. Baumann, Müller aus Rückingen, 2 Monate Gefängnis, 10000 Mk. Geldstrafe und Einziehung von 12 224 Mk.; gegen ben Angeklagten Konrad Baumann, Müller in Bruchköbel, 1 Monat Gefängnis und 2000 Mk. Geldstrafe: gegen den Angeklagten Viehhändler Klein aus Bremen 1 Monat Gefängnis, 15 000 Mk. Geldstrafe und Einziehung von 23 169.50 Mk.; gegen ben Tinge» lläfltcn Metzger Röll Mts Wachenbuchen 50(X) Mark Geldsttafe; gegen den Angeklagten Metzger Straußaus Wachenbuchen 2000 Mk. Geldstrafe.
Büchertisch.
— Das literarische Echo. Halbfnonats- schrift für Lüeraturfreunde. Verlag: Egon Fleische! & Eo., Berlin W9 Das 1. Dezembevhest ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Friedrich Michael: Steil: Joseph Sprengler: Hcrniann Bahrs Tagebücher- Friedrich Hirth; Zivilisation; Theodor Storm: Ein Brief aus dem Jahre 1873; H. Wolfgang Seidel: Theodor Storm und Georg Ebers; Alfred Biese: Tcrtgcstaitung und StU- gefühl bei Storm; Hugo Bieber: Stormausgaben; Walter Bähr: Der Goldene Schnitt am Sonett; Richard Meßleny: R. M. RUkes Tropik.
— Die Weltliteratur. Tie besten Romane aller Zeiten und Völker; jede Woche ein Heft für 30 Pfg. Verlag Die Weltliteratur München. Das neueste Heft ist E. v. Schönaich- Carolath gewidmet und enthält „Lichtlein sind tavc".
— Bürgertum und Revolution. Von Dr. Erwin Steinitzer. Verlag der Kulturliga G. m. b. H., Berlin W 35. Preis 1 Mk.
Handel.
Berlin, 6. Dez. Börsenstimmungs- bild. Das Hauptgeschäft zeigte sich wiederum in Schantungbahn, die sprunghaft auf 430 stiegen. Auch sonst war die Börse fest, jedoch ruhiger. Phönix, Gelsenttrchener und Deutsch-Luxemburger waren höher.
Frankfurt a. M., 6. Dez. Börten- stimm ungsbild. Tie heutige Börse zeigte eine vorwiegend feste Tendenz, wenn die Geschäfts- temegung auch nicht auf allen Gebieten gleichmäßig lebhaft war. Aus den heimischen Jndustric- märfteit gestaltete sich das Geschäft wesentlich ruhiger. Tie Kurse der führenden Montan werte waren behauptet, mit Ausnahme von Dentsch- Luxeniburg, die 2 Proz. höher einsetzten. Neue Kllrssortschritte erzielten Elektrische Deutsch-Ueber^ fee, die um 6 Proz. auf 612 ftiegen. Sehr still und kaum.toerändert waren Farbwerte. Electton Griesheim verloren von ihrer gestrigen Erholung
bereits wieder 6Vs Pro;. Theodor Goldschmidt waren mäßig gebessert. 'Ähifsahrtsaktien bl»?ben unverändert. Echantungbalm lagen fest (455 bis 477 gehandelt, plus 30 Proz ). Anatolier zpgen 3 Proz. an. Canadas Shares fetzten höher ein, gaben im Verlaufe aber wieder nach. Steaua Romana wurden 1078 bis 1100 genannt. Julius Sichel standen in regerer Nachfrage und zogen zirka 30 Proz. an. Kolowalwerte haben an Belebung eingebüßt. Otavl Minen lagen 5 Pro;, höbet. South West waren schwäch-r und 6 Mark h ebriger. Am Rentenmarkte war die Stimmung deutsche Anl^l-en behaitp- tet. >'Aegsanleihen 77,50. 3pwzentrge Reichs-- anlerst"? Tagen fester. In Mexikanern waren die Umsätze etwas bescheidener. Etwas reger wurden 5ptoz-ntige Mexikaner, amortiiier*», gehandelt (290, plus 2 Prvz ). 5prozentige Bosnier wurden zu höheren Kursen ge-sucht (142 genannt, plus 7i,'r Pro;.). Sonst sind zu erwähnen Zel'stoff Wald- Hos, die 41/» Proz. anzogen. Privattnskont 4 Proz.
Frankfurt a. M., 6. Dezember-
Devisenmarkt.
G^-ld «Brief Datum: t. Dez.
Hovand 1743,50 1746,50
Dänemark 86<: X) 868,50
Schweden 97 976, -
Rorm-qen 934, - 936,- Schw-iz 836,25 838,25
Wien (altes).... 35,95 36,05
Deutsch.Üsterr.abg. 30,45 30,55
Budap-st 32,45 32,55
Prag 85,30 85,70
Helsingforr ....
Spanien...... 889,25 890,75
Geld Brief
5. Dez.
1793,50 1796,50 839,- 891,- 996,50 998,50 949.- 951,- 879,25 880,25
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29,95 30,05
31,95 32,05
84,80 85,20
145,75 146,25 939,- 941, —
Vörseukurse.
Datum: S^oDeuLAriegsanL 4°/,Deut.Reichsanl. 3*/^Deut.Reichsanl. 46/0 Preuß. Konsols Darmstädter Dank Deutsche Dank. . . Disconto»Gesellsch. Dresdener Dank. . Nationalbank f. D. Mitteld.Treditbank H.«Amerik.-Pakets. NorddeutscherLloyd Boch.GußstahIwrk. D.-Luxemb.Bergw. Gelsenkirch.Bergw. Harpener. Bergbau Oberschl.Eisenb.-D. Oberschles. Lisenind. Phönix-Brgb.- Akt. Bad.Anilin-u.Soda Höchster Farbwerke Elektr. A. E. G.. . Schuckert-Werke. . FeltenLGuilleaume Daimler Äud.-Eisenw.-Akt. Adlerwerke . . . .
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5.12.
77,50
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124,50 224,- 210,- 296,- 235,-
168,50 272,- 482,- 338,-
245,- 145,25
246,75 279,- 223,- 267,-
77,50 66,87
63,-
148*50
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294,50 200,- 161,— 167,- 273,-
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Marknotterungen.
Datum: 4. 12.
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Wettervoraussage
für Sonntag:
Vorwiegend wolkig, zeitweise leichte Niederschläge, Temperatur wenig geändert
Letzte Nachrichten.
Die Förderung der Zuckkrerzcugung.
Berlin, 5. Dez. (WTB.) Die Reichsregierung legte dem Reichs rat den Entwurf einer Verordnung zur Förderung des Zucker- rübenanbaues u. der Zuckererzeugung vor, weil infolge der Witterungs-, Verkehrs- und Arbeitsverhältnisse dieses Jahres nicht nur die Gefahr bestellt, daß große Rübenmengen nicht Stet werden, und den Fabrikeri verloren gehen, m daß auch ein schlechtes Ergebnis der diesjährigen Kampagne die Anbaulust für das nächste Jahr lähmen würde. Es soll durch Ausschläge auf den Zucker preis ein Fonds gebildet werden, woraus die Rübenbauer und Fabriken für die Mehraufwendungen zu entschädigen sind. Der Aufschlag soll durch die Fabrikate von dem durch sie nach dem 31. Dezember 1919 unmittcl< bar an die Verbraucher gelieferten Zucker in Höhe von 25 Mk. für den Zentner erhoben imb an den Fonds abgeführt werden. Für das Wirtschaftsjahr 1920/21 soll ferner ein Rohzuckerpreis von 150 Mk. für den Zentner garantiert
werden. Außerdem soll für die Rübenbauer Chili- alpeter bevorzugt zur Verfügung gestellt werden. Es ist zu erwarten, daß der Reichsrat und der zuständige Ausschuß der 9!ationalversamm- lung der Regierungsvorlage bald zusttmmen werden.
Die aus dem Baltikum heimkchrenden Truppe».
Berlin, 6. Dez. Heber die Stellung der Reichsregierung zu den aus dem Balttkum heim- kehrenden Truppen erklärte N o s k e, es sei mög lich, daß manckier von den Heimkehrenden, wenn er sich zu zwölfjähriger Dienstzeit verpflichte, Aus naljnte in der ReichSwekr fände. Für Offiziere habe er sich in ,edem einzelnen Fall die Ent,- cheidung Vorbehalten.
Dozialistischk Stadtverordnete in Solingen.
Solingen, 6. Dez. (WTB.) Die neu- gewählte Stadtverordnetenversammlung mit sozialistischer Mehrheit ist ruhig und kurz verlausen. Der Oberbürgermeister erklärte, daß die Verwaltung dem neuen Kollegium mit Vertrauen gegen über stehe und das gleiche auch von ihm für die Verwaltung erbitte. Mit sozia listtscker Mehrheit wurde gegen die Stimmen der Bürgerlichen beschlossen, daß für jede Stadtverordneten- und Kommissionssitzung einem jeden Teilnehmer eine Auswandsentsck-ädigung von 5 Mk. und für entgangenen Arbeitsverdienst eine Entschädigung von 3,50 Mk. für die Stunde bezahlt wird.
Helfferichs Ordmrngsstraft.
L e i p z i g, 4. Dez. In einer Besprechung der Verhandlungen des Untersuchungsausschusses kommt der ehemalige Strasrcchtslehrer der Universität Leipzig, Dr. Karl B i n d in g, in einem Artikel der „L. N. N." zu dem Schluß, daß das Strafurteil gegen H e l f f e r i ch, weil er Cohns Fragen nicht bo antworten zu können erklärte, nicht aufrecht zu erhalten sei und Zeugnisverweigerung seitens Hclfferichs nicht borliege. Infolgedessen sei das Strafurteil nichtig. Eine Aussagepflicht der Zeugen und Sachverständigen bestehe nur gegenüber dem Gericht, d. h. gegenüber dem Ausschuß als Ganzes.
Das Urteil im Prozeß Vieweg.
Berlin. 6. Dez. (WTB.) Im Vieweg- Prozeß verurteilte das Gericht Hauptmann Neubad zu 3 Tagen Stubenarrest, Leutnant Werbelmann zu einer Geldstrafe von 35 Mk. und Leutnant Thierry zu einer Geldstrafe von 60 Mark.
Finanzielle Erwägungen des Obersten Rates in Paris.
Paris, 5. Dez. (WTB.) Der „Fntran- figeant" glaubt bestätigen zu können, daß der' Oberste Rat der Friedenskonferenz sich gegenwärtig damit beschäftigt, unverzüglich Maßnahmen zu treffen, um den f i n an z ie l leit Schwierigkeiten, inbegriffen unsere fr ü he-4 ren Feinde, jentgegeniutreten. Man spreche von der Schaffung ausgedehnter internationaler Kreditgewährung, um vor allem der Lage in Oesterreich zu begegnen, wo Hilfe dringend nötig ist.
Die neuen Besprechungen in Paris.
Berlin, 6. Dez. Im ,,Berl. Tageblatt" beißt es: Zu den neuen Besprechungen in Paris stebt noch nicht fest, welche Persckr- lichkeiten deutscherseits teilnehmen. Es gilt indessen für möglich, daß zu ihnen der Leiter eines großen Jrckustrieuntenrchmens gehören wird, her etenfo als Schriftsteller außerordentlich bekannt ist.
Lloyd George über die Auslieferungen.
Amsterdam, 6. Dez. (WTB.) Laut „Tv- legraaf" erklärte Lloyd George im englischen Unterhause in Beantwortung verschiedener Anfragen : Augenblicklich wird die letzte Liste gv- prüft, die die Personen enthält, deren Auslieferung wegen ziviler und militärischer Verbrechen von den Feinden verlangt werden muß.
Teuerungsunruhcn nn Innsbruck.
Berlin 6. Dez. Ans Wien wird berichtet daß bei den geftrigen Teuerungsunruhen in Innsbruck die Gendarmerie und Polizei den Demonstranten nicht gewachsen waren. Eine italienische Grenadier ab teilung schritt ein und die italienischen Soldaten gingen mit auf- gepflanztem Bajonett und die Offtziere mit vorgehaltenem Revolver gegen die Menge vor. Ein italienischer Offizier und mehrere Soldaten wurden dabei durch Stockhiebe verletzt.
Neuapostolische Gemeinde
Gottesdienste: Sonntag nachmittag 3'/, Uhr 7905 Mittwoch abend 8 Uhr.
0eegefpen1ter.
Roman von AnnyWothe.
Amerikanisches Copyright 1918 by Anny Wothe-Mnta, Leipzig (Nachdruck verboten.) Fortsetzung 4.
Wohl dem Schiff, das einen Klabautermann hat. Er heißt nämlich „Courage", schöne Frau."
„Ihr wollt Euch über mich lustig machen.
„Wte iveröc ich mir das erlauben!"
Ter Kapitän verneigte sich und legte die Hand beteuernd aus sein Herz. , .
„Erzählt weiter," bat Estrid, und ihr blondes Haupt, von bem sie die weiße Friesenhaube genommen, die sie lei dem Gang getragen, wairdte sich ihm wißbegierig zu.
Bent Bonkcn lächelte.
„Ta ist noch der Schatten von Uwe Lornsen, der um die Mitternachtsstunde aus dem Mew steigt und aus den vom Meer überschüttetm Dünen das Friesenland segnet, auf dem er einst für seine Freiheit so schwer gelitten."
„Weiter, weiter, Bent Banken, das wollte ich nicht hören. Der alte Hüne mag ruhig in seinem Grabe schlafen."
Ter Kapitän sah lerne ichone Schwägerin prü- ^.^Vielleicht denkt Ihr an das unselige Run- gold,"*) meinte er mit leisem Spott.
„Tie ungläubigen Männer und die schönen Frauen, die dort, als die Stadt unter ging, lachend
*> Tas friesische Vineta, das vor 600 Jahren in ine Meeresflut verjquj.
in den Tod tanzten, sollen ja oft in Mondschein- nächten auf dem Meer ihr Wesen treiben, namentlich bann, wenn Frauen treulos sind, wie die versunkene Stadt. c t
Alle sieben Jahre hebt sich die Stadt einmal aus dem Meeresgrund. Sie sucht den Schiffer, der es wagt, an das Ufer zu springen, um sie zu erlösen, aber nie zeigt sich ein Segel. Nur graue Nebel steigen, und in ihre dichten Schleier gehüllt, sinkt die Ungetreue wieder in die Tiefe."
Estrid erschauerte leise.
„Erzählt mehr, Bent Banken."
„Ich weiß nicht mehr. Ten Heidemann kennt Ihr ja und die verdammte Margret, die drüben im Moor sitzt, oder die unselige Spinnerin, die aus den Dünen hockt und aufs Meer starrt, das den zurückführen soll, den sie betrogen."
Wie daS Blut in das zartgetonte Antlitz der Fran stieg, und wie ihre halbverschleierten Augen dunkel glühten. m t
„Es gibt noch andere Gespenster, Bent Bon-
' „Tausende, schönste Frau Schwägerin. Da ist der Geigenmann, der den Hochzeitsheller stahl, und noch viele andere."
„Ihr müht mir mehr erzählen. Es gibt See- gespenster, die des Nachts kommen, uns den Tod eines Schissers zu künden. Sind sie euch schon einmal begegnet?",
„Ach, Ihr memt den Gonger, Fran Estrrd? Nein, ich habe ihn noch nie gesehen. Die Seefahrer reden davon."
„Nicht wahr, wenn er uns erscheint mit hem Angesicht, dessen, an den man denkt, dann ist der Betreiiende gestorben! So erzählt man es in den
Spinnstuben. Viele haben ihn gesehen auf der Insel, in jebem Schifferhaus hat er sich gezeigt, wenn einer draußen auf dem Meere blieb."
Der Kapitän neigte mit einem leisen, überlegenen Lächeln, das sehr an Peter erinnerte, dm dunkclbloicken Köpf und sagte:
„Es mag sein, wenn sich jemand sehr um etjvas Liebes sorgt, daß ihm der Gonger in der Nacht erscheint, wo der Bctresfende .vom Leben Ab- schnd nimmt. Meine Kameraden erzählen es indessen anders. Die Seefahrer meinen, wenn einer ein ungetreues Lieb in der .®smat hat, bann erscheint ihr der ^Betrogene, fo 'er sie wahr und ainrichttg lieb gehabt, jede Nacht, bis er es an der Zett hält, sie selbst zur ©träfe für ihre Treulosigkeit mit in den Meeresgrund zu ziehm."
Estrid schrie leise auf.
„Was seid Ihr schreckhaft," scherzte Bent, „liatt doch den Gespensterkrempel. Ich meine, cme junge Frau hat anderes zu denken, als an solchen Unfug."
Estrid Banken nickte zerstreut. Eine fliegende Röte huschte über ihr zartes Gesicht mit der durchsichtigen Haut, unter der so heiß das rote, warme Bttit rann.
Seltsam forschend richtete sie ihren Blick aur ihr Gegenüber, dessen Augen leuchtend an ihrem Antlitz hingen.
Und wieder zitterte das eigene Lächeln um ihre feingeschwungenen, roten Lippen. Um dreies Lächeln, so glaubte Estrid, hatte Peter Banken sie gefreit. Ein schwerer Schritt klang vorn Veiel und mit fröhlichem Zuruf trat Peter in Schifferkleidung, den Südwester im Nacken, auf Die Holz- gater.U mit dem kunstvoll geschnitzten Güter.
„Potztausend," neckte er, sich den Schweiß von der erhitzten Sttrn wischend, „Ihr seid mir eine Gesellschaft, tut Euch gütlich bei roter Grütze und dickem Rahm und an mich denkt kein Mensch. Na, nu mal ran, Estrid, und aufgetifdjt. Der Rest ist mir zu wenig."
Akte kam schon uni> brachte neuen Vorrat, bem Peter herzhaft zusprach.
„Habt Ihr Euch vergnügt?" fragte er Frau und Bruder und ließ seine hellen Augen freundlich über beide hingleiten.
„Es war ein wundervollSk Weg," antwortete der Kapitän.
„Aber ich habe das nicht bekommen, was ich wollte," meinte Estrid, „ich werde wohl nach Westerland müssen."
„Du kannst den Wagen zu jeder Stunde haben. Estrid."
„Tante, ich will es überlegen. Hattest du einen guten Fang, Peter?"
„Besser, als ich dachte, Kind. Zwei prachtvolle Robben. Ihr Fell soll einen weichen Teppich für dich geben."
„Warst du in List, Peter?"
„Ja, flüchtig. Tentt mal, da ist mir etwas Schnurriges passiert. Ihr kennt doch den „Schwar-- zen Falken", das Schiff von Jngewart Fcrks, der seit Jahren als verschollen gilt?"
Estrid war aufgesprungen.
„Was ist mit ihm?" fragte sie leichenblaß.
(Fortsetzung folgt.)


