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£ie Lachen stammen s gulam Hause, sind K M gehalten und m Teil imaeiragen. erkteigernna bestimmt Junker,
GeriLtSvolliieher, 476 Plockstraste 4.
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fröltiii Mtniil rvcar/küÄtkgnngder biilarbeitcu meiner ibtia. totfiter acfutfy. Mr. Hwbou unter rÄ2a.d.ÄMÄ. erbet. Ttärkewäschc )irb zum BügcK W lommen. Emma 'M, 1470 Willomtt.4H.
Nr. 235 Zweiter Blatt
Deutsche Nationalversammlung.
(91. Sitzung.)
Berlin, 4. Oki.
Ein Ergänzungsetat für das Rechnungsjahr 1919, der eine abermalipe Ergänzung d.'s Besvl- dungsgejetzes umfaßt, wird ohne Aussprache dem Hauptausschuß, überwiesen.
Es folgt die Beratung der
Bittschriften,
die zum großen Teil ohne Debatte erledigt werden. In einer Bittschrift, wird behauptet, ^aß keine sachgemäße Berichterstattung'über die Rcichsiags- verhcmblungen erfolge. Jeder Parteiberichterslat- ter treibe — bewußt oder imbewußt — Schönfärberei bei dem, was Angehörige seiner Partei gesagt hätten. Die Reden der gegnerischen Parteiführer dagegen würden entweder bis zur Entstel- Lung des Sinnes gekürzt oder geradezu falsch drsiedergegeben. An solche ungenauen Berichte knüpften sich dann die Auseinandersetzungen in den Leitausfätzen der Tagesblätter an und Lügen über Lügen seien die unausbleiblichen Folgen. Dadurch entstände die Verhetzung des Volkes. Ter Petent wünscht daher die Herausgabe eines amtlich gekürzten Berichtes.
Abg. Kunert (Unabh.): Eine objektive Berichterstattung gibt es tatsächlich nicht. Ausgenommen davon sind selbstverständlich die stenographischen Berichte. Die einzige Lösung int Sinne des Petenten wäre, ivenn eine volkstümliche Kürzung des stenographischen Berichts in Bvoschüren- form herausgegeben würde. Der Kostenpunkt ist nicht erheblich. Tie Verteilung könnte unentgeltliche oder zum Selbstkostenpreis erfolget!. Die Regierung mag, soweit irgend möglich, dieser Anregung folgen.
Die Bittschrift wird der Regierung als Material überwiesen.
Es folgen Berichte des Ausschusses für soziale Angelegenheiten. Soweit /sie die Arbeitszeit im Maler- und Hotelgewerbe sowie in gewerblichen Betriebrn betreffen «oder sich auf die Entfernung von Angestellten und Arbeitern über 65 Jahren aus Privatbetrieben zu Gunsten von .Kriegsteilnehmern beziehen, werden sie durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Gesuche um Gewährung von Rei/chshilfe und Ueber- tragung von Staatsaufträgen an Kriegsteilnehmer werden zur Ergänzung überwiesen, ebenso Gesuche um Schaffung von E r 'we r b s Möglichkeiten für Offiziere der Handelsmarine. lieber Gesuche um Einführung eines Arbeitszwanges unb Zulassung von Ausnahmen vom achtstündigen Arbeitstag für die Ziegelindu- ftrie in Ostpreußen geht das Haus zur Tagesordnung über.
Einem Antrag des Ausschusses für Volksbifi düng und einem Bericht über die Bildung eines Slict stoffspndikales stimmt das Haus ohne Debatte zu. In den Anträgen wird die Negierung ersucht, unter den drei vom Reichsfiskns für den Kerwaltungsrat des Syndikats vorzuschlageuden Mitgliedern mindestens ein Mitglied irr Ver- drauchergruppe vorzufchlagcn, sowie deren Einfluß im Syndikat dahin gcltciib zu machen, daß sich der Stickstoffpreis im Interesse der V'rmeh- rung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Preisgestaltung für diese soweit irgend angängig anpaßt.
Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr. (Zweite Beratung des Haushaltplanes: Reichspräsident, Reicksministerium, Reichskanzler, Justizministerium?'
Schluß 2 Uhr.
Fortsetzung 22.
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Sas Glück der andern
,Original-Rom<ui von Erich Eben stein.
Copyright 1916 by Greiner & Camp.. Berlin W 30.
Der Untersuchungsausschuß.
Berlin, 4. Okt. Ter Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung zur Prüfung der Kr i e gs s ck u l d f r a g c beschloß am Samstag, daß nur die Sitzungen öffentlich sein sollen, in denen Beweise erhoben Norden. Dann kam Abg. Dr. Quarck (Soz.i auf die Frage von einem Entwurf der Geschäftseinteilung zurück. Er verwies aus die Bleispiele anderer Länder. In Belgien, Frankreich und England sei es selbstverständlich, daß parlamentarische Untersuchungen keine gerichtlichen, sondern politische Untersuchun- gen wären. Alle Behörden müßten dem Ausschüsse und den Unterausschüssen ihr Material zur Verfügung stellen. Auch Privaturkunden könnten her- angezogen werden. Der Ausschuß, beschloß, als | Sachverständige zunächst Assessor Bonn und den $ Grafen Monts.zu vernehmen. Zum Vorsitzenden > des ersten Unterausfch usses (Vorgeschichte des Krieges) wurde Abgeordneter Tr. Quarck (Soz?, zum Vorsitzenden des zweiten Unterausschusses (Krieg- f führvng) Abgeordneter Warmuth (Deutschn. Volss- önrtci), zum Vorsitzenden des dritten Unterausschusses lmi'itäriche Fragen) Abgeordneter Bolz
^Nachdruck verboten.)
X.
I Evelyn hätte mit Tante Wa einen Besuch der Oper verabredet, an dem auch Emmy teilnehmen soUte, „damit sie ihren Kummer -ein bißchen vergesse." Punkt fünf Uhr wollte Dante Ada beide Mädchen abholen kommen.
Als Evelyn mit diesem Programm gegen Mittag heimkam, fand sie ein Billett von Magnus, in dem er ihr die Ankunft seiner Mutter mit- teilte und ihren Besuch für den Nachmittag ankündigte.
„Schade, nun müssen wir die Oper fahren lassen und Tante Ado ablagen!" sagte Evelyn schmollend. „Oder willst nicht du vielleicht doch gehen?" wandte sie sich an Emmy, die traurig am Fenster saß. „Soll ick Tante Ada schreiben, daß du sie abholen wirbst?"
„Um keinen Preis! Was fällt dir ein? Ich und unter Menschen gehen in meiner jetzigen Stimmung!" wehrte Emmy entrüstet ab.
tue nur um Gottes willen nicht so, als ob dir durch diesen Menschen jetzt das ganze । - Leben vernagelt sei. Tante Ada sagt auch, du wirst ihn vergessen und nachher einen anderen heiraten —"
„Nie! Wie kannst du das nur sagen, Evelyn!" rief Emmy aufgeregt. ,^Er ist und bleibt für mich der einzige Mann aus Erden. Nie werd; oder könnte ich Egon vergessen."
„Das wäre mehr als albern . . .!"
„Nein," fiel Modesta sehr bestimmt ein, „Hnriny hat rocht! Sie soll ihn auch gar nicht vergessen. Es wäre, als verlösche sie selbst das
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Montag, ü. Oktober Wy
(Ztr.) und zum Vorsitzenden des vierten Unterausschusses < wirtschaftliche Maßnahmen) Abgeordneter Landsberg (Soz.) gewählt.
Eine Anfrage wegen Aufhebung der Zwangswirtschaft.
Berlin, 4. Okt. (WTB.) JnderNatio- n a l v e r s a m m l u n g ist folgende Interpellation von sozialdemokratischer Seite eingebracht worden: Tie teilweise Aufhebung der Zuangswirtschäft führte zu einer unerhörten Preissteigerung, insbesondere von Häuten, Leder und Scharhwaren. Was gedenkt der Reichs-- läuzler gegen diese Preissteigerung zu tun? Lobe, Scfieideimmn und die ganze Fraktion..
----- » ■■»tTOa»ca»-nB.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 6. Okt. 1919.
Bramrkohlenindustrie im Westerwald.
So reges Leben in seinem Braun- und Kohlenbergbau wie jetzt hat der Westerwald noch nicht gesehen. Nicht nur, daß die Belegschaften auf den in Betrieb befindlchen Gruben bis auf den letzten unterzubringenden Mann verstärkt sind, auch an den alten Halden und Hügeln, wo vor Jahrzehnten und Jahrhunderten bicj.ivonitenen Kohlen vor den alten Stollen und Schächten jahrelang lagerten und auf den Abruf ivarteten, wird, wie dcr> Franks. General-Anz. erfährt, gegraben, geschaufelt und emsig zum nächsten Bahnhof gefahren. Es sind die Abfallstätten, wo früher der Bauer für 30 Pf. seinen Jahres bedarf zur Heizung seines Futterkessels holte. Die Grube Wilhelmszeche bei Bach, die bedeutendste des Westerwaldes, die sich mit ihrem Grubenseld, das noch über 20 ÄLillionen Tonnen Kohlen enthält, über zwölf Gemarkungen erstreckt, ging in biefen Tagen durch! Pachzt an die Großfirma August Thyssen-Essen über. Die Kohlen werden bis letzt durch Fuhrwerk und Auto nach dem 20 Minuten entfernt liegenden Bahnhof Fehl-Ritzhausen befördert. Nach Durchbruch eines neuen Lustschachtes bei Stockhausen, welcher 40 Meter durch einen Plattenbasatt führt, soll die jetzige Belegschaft von 200 auf 400 Mann erhöht werden. Auch läßt die neue Firma in demselben Grubenseld einen zweiten Förderschacht bei Ritz- Hausen und einen dritten zwischen Emmrichenhain nick) Niederroßbach schlagen. Letzterer soll durch ein Anschlußgeleise mit Bahnhof Neustadt-Niederroßbach verbunden werden, und hofft man bald die ganze Zeche mit 1000 Mann belegen zu können. — Rechtsamoalt Häuser aus Betzdorf verkaufte seine Grube „Segen Gottes" zwischen Illfurth und Großseifen, die über 20 Jahre außer Betrieb war, an Herrn Ax aus Siegen. Letzterer läßt gegenwärtig einen neuen Förderschiacht in der Nähe des Bahnhofs Großseifen schlagen, wohin täglich durch eine Feldbahn mehrere Waggons Kohlen, vom Schachtbau gewonnen, befördert werden. Man will hier eine Jahresproduktion von 30 000 Donnen bewerkstelligen. Auch die beinahe 20 Jahre still- liegende staatliche Grube „Oranten" bei Stockhausen wird wieder in Betrieb genommen. — In den Eisensteinfeldern bei Laußenbrücken hat man durch neuere Schürfungen gute Aufschlüsse erzielt. Doch ist hier die wette Entfernung zur Bahn der Ausbeute noch hemmend. — Die Basaltsteinbrück^ können durch Wagen- und Kohlenmangcl der Anforderung nicht genügen. Während früher taufmbc Arbeiter vorn hohen Westerwald in das Siegerland gingen finden letzt alle in heimatlicher Scholle lohnende Beschäftigung, Außerdem ist ein starker Zuzug an Arbeitskräften aus Bayern, Württemberg und Sachsen bemerkbar. Die Wohnungsnot unb das Bestreben, daß jeder möglichst selbst ein bißchen Land fein eigen nennt, haben die Haus- und Bodenpreise zu ungeahnter Höhe ge- triebeit.
Gültige Lebensmittelmarken
für die Zeit vorn 6. bis 12. Oktober 1919
Brot: 2300 Gramm Brot oder 1680 Gramm Mehl. Brot Kgr. 52 Pf., Weizenbrotmehl Kgr. 58 Pf., Weißbrot Kgr. 80 Pf. Weißbrotbäcker: Hölters, Frantfurter Straße, Schilling, Bismarck- straße, Lange, Neustadt.
Butter: Marke 41, 40 Gramm Auslandsbutter zu 85 Pf.
Fleisch: Wochenabschnitt 41. Metzger für Fremde und Urlauber: Aulmann, Marktstraßc.
Nährmittel: für Oktober noch nicht ein- getrvsfen.
Zucker: für Oktober iwch nicht eingetroffen.
Nährmittel unb Zucker für Zugezogene unb Kranke: Jakob Häuser, Ludwigstraße 36, Äug. Noll, Bahnhofstraße, I. M. Schulhof, Marktstr. 4, L. Kalkhoff Nachf., West-Anlage 5, A. Blum Ww., Steinstraße 78.
Krankenzucker: L. Kalkhof Nachf., West- Aittage 5.
Nährmittel unb Zucker für Urlauber: S. Ziegelstein, Landgraf-Philipps-Platz 8.
Kranken mehl: Konrad Dender II, Wall- torstraße 14.
Nährmittel f ü r Är ante: Bebr. Berduz-, Bahnhofstr. 27.
Seife: Marke für Oktober 1919. Anteil 125 Gramm K.-A.-Seifenpulver zu 15 Pf.
*
* * Amtliche Per s o n a l n a ch r i ch t e n. Ernannt wurde am 27. September der Oberlehrer an der Oberrealschule am Friedrichsplatz zu Offenbach Prof. Georg Bentz mit Wirkung vom 16. Oktober 1919 ab zum Oberlehrer an der Realschule Lauterbachs — Durch Entschließung des LaudeS- amtes ft'ir das Bildungswesen wurde der Lehr- amtsreferendar Heinrich Häuser zu Alsfeld, der Lehramtsreferendar Pet:r Ger h ardzuGr. Gerau zu Lehramtsassessoren und die Lehramts- rcieumbarin Dr. Eeettie Eckler zu Fr i * b b c r g Sur Lehramtsassessorin ernannt. — Dem Schulamtsanwärter Wilhelm Rausch aus Bermuthshain wurde die Lehrer stelle an der Volksschule zu H ö r g c n a u , Kreis Lauterbach, übertragen. — Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lehrer ju besetzende Schulstelle zu Engelrod, Kreis Lauter-bach. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
Laudkrcis Gießen.
* * Allendars a. d. Ä>a., 6. Okt. Am Sonntag wurde hier eine Mette S a m m l u n g zu Gunsten unserer heimkehrenden Kriegsgefangenen veranstaltet, die folgendes Ergebnis hatte: 121 Eier, 23 Laib Vrvt, ungefähr SVa Ztr. Aepfel, verschiedene Tüten mit Mehl, Erbsen, Graupen, 2 Glas Gelee, ein Stückchen Butter und 95 Mk. in bar. Tie Gaben sind bereits dem Turchgcmgsl>rger Gießen zugegangen. Nächsten Sonntag soll die dritte Sammltmg stattfinden.
Büchertisch.
— ti" i e S n b o g c r m a n e n. Von Professor Dr. O. Sckirader. 3. verbesserte Auflage. (Wis- sensckast und Bildung Band 77.) 132 Seiten mit 6 Tafeln. Gebunden 2,50 Mk. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig.
— ® i n füTy r k ng i n fc iefRe tfi 13 m t f f erv schaf t. Von Professor Dr. Gustav R a d b r n ch. 3. burrf-gearbeitete Auflage. (Wifsenschnft und Bildung Baicd 79.) 213 Seiten. (9eb. 3 Mk. Verlag von Quelle u. Vieyer in Leipzig.
Wettervoraussage
für Dienstag:
Wolkig bis heiter. Tunstig, sonst trocken, wechselnde Winde, Temperatur wenig geändert.
Letzte Nachrichten.
Wieder eine französische Gewalttätigkeit in Ludnngshafen.
Ludwigshafen, 5. Okt. Tie Zahl der 'n der letzten Zeit sich häufenden Gewalttätigkeiten seitens der frnnz ö s i s che n Besä tz u n g ist kürzlich um einen krassen Fall vermehrt worden, über den erst jetzt Näheres bekannt wird.
Als am vorigen Donnerstag ein Straßenbahnschaffner mehrere sraazösische Soldaten, die mitsutzren, zurvchtweis, da sie seinen Anordnungen nicht Folge leisteten -und sich weigerten, ?u .-ahlen, wurde er von ihnen verprügelt und blutig geschlagen. Ein in der Straßenbahn anwesender französischer Offizier fühlte sich nichi veranlaßt, eiuzuschreiten. Schließlich wurde der schwerverletzte Beamt' von einer Patrouille fcltgenonnnen und sortgeführt. lieber seinen Verbleib ist bisher noch nichts bekannt.
Blutige Ausschceitungeu unter heimgekehrten Kriegsgefangenen.
Berlin, 5. Okt. Bellagenswerte Vorkommnisse haben sich, wie die „Tägl. Rundschau" meldet, bi dem Kriegsgesangenen-Heimkehrlager in Dülmen ereignet. Die aus der Kriegsgefangenschaft heimtehrendeii Soldaten für die nordwest deutschen Bezirke werden zunächst in das Lager in Dülmen _ geleitet. In den letzten Tagen tarnen dort verschiedene starke Gefangenentransporte an, darunter eine Kompagnie, in der sich gleich bei der Unterbringung eine sehr erregte Stimmung bemerkbar machte'. Am folgenden Tage kam es zu wüsten Ausschreitungen unter den Leu - ten. In einer Baracke zerrten die Mamischäften ihren Feldwebel, der in der Gefangenschaft chr Komvagnieführer' gewesen ist, nach draußen, fielen mit .Knütteln über ihn her und schlugen ihn tot.
Das war das Zeichen zur allgemeinen Meuterei. vMt allen Baracken fielen die Mannschaften über ihre Vorgesetzten her und mißhandelten sie in der unbarmherzigsten Weise. Den einschreitenden Offizieren und der Lagerwache gelang es schließlich, den Gewalttätigleitcn ein Ende zu machen. Acht Unteroffiziere wurden bei diesen Ausschrcitung<n lchwer, mehrere andere leichter verlegt. Die Unruhen dauerten noch zwei Tage an, ohne daß es allerdings zu weiteren ernftlidjen Ausschreitungen kam.
Die Ursache dieser bellagenswertm Vorkommnisse ist darin zu suchen, daß die Mannschaften sich an ihren Vorgesetzten rächen wollten wegen schlechter V e h a n b 1 u n g in b e r Gesa n g e n s ch a s t, die die Vorgesetzten nach der Ansicht der Mannschafien verschuldet ha'en soll en. Wie die Heimgekehrten bei ihrer Vernehmung erklärten, hätten die Vorgesetzten in der englischen Gefangenschaft stets die Interessen, der Engländer vertreten, so daß die Kompagnie schweren Leiden ausgesetzt gewesen sei. Die Hülste der Kompagnie habe bei ben schwersten Witternngsunbilden ohne Fußbekleibung zur Arbeit antreten müssen. Das Lager habe beu Winter über von Schlamm gestrotzt. Kranke Mannschaften habe der Kompagnieführer gesund geschrieben. Den rohesten Mißhandlungen seien die Leute ausgesetzt gewesen, an deren Folgen mehrere der Mißhandelten gestorben seien. Anderen seien bei der unzureichenden Kleidung im Winter Gliedmaßen erfroren usw. Die Vorgesetzten hätten allerdings ständig unter dem Druck der Engländer gestanden, die daraus drangen, daß möglichst viel Arbeit geleistet werde. Die meuternden Mannschaf ten erklärten weiter, daß sie in ihrtr Erbitterung geglaubt Hütten, die Vorgesetzten würben, in die Heimat zurückgekehrt, nicht zur Rechensckiaft gezogen. Aus diesem Grunde hätten sie sich entschlossen, zur Sclbschilse zu greifen. Der Kommandeur des Lagers hielt eine Ansprache an die meuternden Mannschaften, in der er ernstlich mahnte, die Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Er versprach ferner, sofort eine Untersuchung in der Angelegenheit veranlassen zu wollen. Es ist denn auch tatsächlich ein Offizier beauftragt worben, bie An schulbigungen bet Mannschaften auf ihren Inhalt zu unterfudjen, soweit es möglich ist, einwaiidfteie Feststellungen über bie Zustände in dem betreffenden englifdjen Gefangenenlager einzuhvlen.
Die Lage Polens.
Berlin, 6. Okt. Aus Rotterdam meldet der „Berl. Lok.-Anz.", baß nach. Warschauer Adeldun- gen die politische und wirtschaftliche Lage P-olens trostlos ist. Der Landwixt- schaitsminister und der Minister für bie Lebensrnittel sind zurückgetrelen, weil sie bi: Schwierigkeiten nicht zu überwtnb.m vermögen. S:it Juli sind hier keine Lebensmittelsmbungen aus Amerika mehr angekommen.
Der Eisenbahnerstrcik in England.
London, 5. Okt. (WB.) Reuter. Es verlautet, daß bie Bedingungen, auf denen eine Einigung erzielt werben kömtte, auf der heute abend stattfindenden Massenversammlung der Eisenbahner bekanntgegeben werden. Tie Arbeiter Ij-afan die Weisung «erhalten, bie Arbeit sofort wieder aufzunehmen.
Ein dänischer Sozialistentag.
Kopenhagen, 3. Okt. (WTB.) Ter dä nische s o z ia l d e m o k r a t i s che Parteitag wurde in Gegenwart von 406 delegiertem bie 111000 Mitglieder vertreten, eröffnet. Aus Teutschiland sind als eingefabenc Gäste erschienen: Adolf Ritter, Otto Wels. Ter Vorsitzende, Reichistagsinitglied Olsen, eröffnete den Kongreß mit einer Begrüßungsansprack,>e, in der er mitteilte, daß die Partei seit 1915 15 000 neue Mitglieder erhalten habe. Er schloß mit folgenden Worten: Ich heiße namentlich u n se r e d e n t schen Gä st e ninBommen, indem ich der Hebersaugung Ausdruck gebe, daß die Losung der nprbschleswigschen Frage gute nachbarliche Beziehungen zwischen unseren Ländern sckpfsen wird. Wir begleiten mit lebhafter Sympathie die Arbeit unserer Brüder, die Wunden des Sieges zu heilen. Ter beutschje So^ zialdemokrat Wels bankte für den Empfang unb erklärte, daß cs den deutschen Arbettern währetrb des Krieges allein durch die Treue der dänischien: Sozialdemiokratic zur internationalen Brüderschaft möglich gewesen sei, eine Verbrndmrg mit den Arbetterllassen der übrigen Welt zu unterhalten. Tie Losung der norbschilcswigschrn Frage wcree j-eben Grund zur Mißstimmung zwischei: Deutschland unb Dänemark entfernen. Er weise mit Freuden daraus hin, daß zwischen der dänischien und deutschen Sozialdemokratte Einigkeit darüber bestanden habe, eine gercrfjte Losung der Frage zu erstreben. Tarauf erstattete Parteivorsitzender Minister Staulfig den Parteibericht.
Licktt aus ihrem Leben. Liebe ist doch nicht an den Befitz der bestimmten Person gefettet! Eines ^.aber ist »Le, wenn sie überhaupt echt war: Unsterblich!"
Evelyn drehte sich um und maß sie mit spöttischem Blick.
„Schau, schau, unsere Kleine meldet sich in Licbesfachen zum Wort! Aber freilich — sie muß es ja wissen! Siebzehnjährige Backfische „lieben" ja immer irgendeinen Helden insgeheim, und ich glaube, ich weiß sogar, wer momentan Modestas Held ist!"
Modesta errötete unb verließ zornig das 3immer, worauf Evelyn ihre Absage an Tante Ada schrieb.
Magnus brachte feine Mutter gegen vier Uhr.
Mama Loßenstein hatte trotz Evelyns Protest in richtigem Taktgefühl alles vermieden, w^s nach beünberen Borbereitungen aussah. Es fiel ihr gar nicht ein, „imponieren" zu wollen.
Scklicht und natürlich, aber voll warmer Herzlichkeit empfing sie die Gräfin mit der ihr in allen Lebenslagen eigenen Würde am einfach, aber sauber gedeckten Jauj-nttisch, dem Modesta durch Frühlingsblumen ein trauliches Ansehen gegeben hatte.
Aber gerade das gefiel der Gräfin, und bewirkte, daß sie sich sogleich wie zu Hause fühlte.
Gottlob, das waren wirklich reine Menschen, die Not und Sorgen auf ein kleinliches Niveau herabgedrückl hatten! Magnus hatte sie ganz richtig geschildert, als er sagte: „Du wirst dich ihrer nie zu schämen haben, Mama, wenn bu sie einst in Rettcnegg unseren Freunden vorstellen willst."
Ja, und das wollte sie. Viel eher noch als Magnus selbst erwartete! Nun konnte sie all ihre Pläne getrost ausführen!
Evelyns Schönheit ftappierte die Gräfin geradezu und ihr Benehmen war ja auch von tadel
loser Vollkommenheit, daß es unbedingt nur einnehmen konnte.
Denn Evelyn, die eine sehr geschmeidige Natur be^ß,^venn sie nur ivvllte, hatte sich vor genommen, die „Schwiegermutter" heute zu „b-'zanbern".
„Es ist immer besser, ich habe sie auf meiner Seite, als ich muß mir jeden Schritt erst er- fämpfen," dachte sic. „Der erste Eindruck ist ja entscheidend. Später habe ich bann um so freiere Hand."
Sie war also genau .so, wie sie erriet, daß es bie Gräfin wünschte: bescheiden, liebenswürdig uno zärtlich gegen Magnus.
Aber auch Emmy, Lotte uno Mobesta gefielen der Gräfin ausnehmenb. Sie liebte schöne Menschen und diese Mädchen waren ja jedes in seiner Art wirkliche Schönheiten.
Trotzdem gefiel ihr die Mutter am allerbfiten. Sie >aß denn auch bald mit ihr im traulichsten Gespräch und.hörte mit warmer Teilnahme alles über das Schicksal der vier Mädchen, was Magnus ihr noch nicht erzählt hatte. Emmys Kummer ging ihr besonders nahe, und sie gab Mama L'-senstein ganz recht, daß für eine so tief: Herzens- nninöc nur die Zeit und liebevollste Sch-onung Heilung bringen könne.
Als man bann beim Tee saß, wurde auch über Hochzeit gesprochen, und nun begann die Gräfin m sehr zarter, taktvoller Weise ihre diesbezüglichen Pläne zu entivickeln.
Matt war damit eben halbwegs fertig, als es klingelte und Tanta Ada in einem schweren luisenblaueit Seidenlleid mit strahlender Miene hcreingeraificht tarn.
Eine Wolke von Parfüm umgab sie, Brillanten blitzten bei jeder Bewegung überall an ihr auf, die Seide raschelte und der neue Lockenchignon, von einer Friseurin kunstvoll aufgebaut, wippte auf und ab.
Sie tat sehr erstaunt, außer „unserem lieben Magmis" noch Besuch zu finden.
„Meine Mutter, Wräfin Sanderfeld," stellte Magnus vor, „Frau Ada Losenstein."
„Notarsgattin aus Wiener-stieustadt," ergänzte Tante Ada mit einem Hosknix vor der Gräfin, bie plötzlich eine sehr förmliche Miene angenommen hatte.
. Evelyn stand wie auf Nabeln.
„Hast bu benn mein Billett nicht bekommen?" raunte sie der Tante zu.
„Nein," log Frau Ada mit der harmlosesten Miene, obivohl sie Evelyns Absage in der Tasche trug unb eben barum ja erst recht gekommen war. Wie durfte sie — bie Hauptperson — bei dem Debüt vor der Gräfin denn fehlen? Es war abscheulich undankbar von Evelyn, sie da ausschließen zu wollen.
Aber nun war sie ja doch da und hatte sich ungeniert neben bie Gräfin gesetzt, inbem sie den Stuhl ihrer Schwägerin mit einem „Du erlaubst schon, liebe Berta?" einfach weiterschab.
Die „liebe Berta" sagte nichts dazu. Sie war noch ganz stumm vor Verblüffung über Tante Abas imenoartetes Erscheinen.
Uebrigens waren auch bie anderen verstummt, denn Tante Aba hatte fich mit bem ihr eigenen Selbstbewußtsein bes Wortes bemächtigt.
Daß sie gern protzte unb trotz aller gegenteiligen Bemühungen die beschränkte Provmzlerin nicht verleugnen konnte, wußte Evelyn.
Aber so schreierrd gewöhnlich, taktlos unb unfein hatte sie bie Tante doch noch nie gesehen.
Das war ja, als ob das Bemühen, her Gräfin zu imponieren, sie um allen Verstand gebracht hätte!
In fünf Minuten hatte sie der Gräfin alles erzählt, was geeignet war, sie als bie Hauptperson erscheinen zu lassen. (Fortsetzung folgt.)


