Ausgabe 
6.1.1919
 
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betrachtete die großhessische s Hauptstadt sei es nicht geeignet, da es zu sehr indu- Anschluß, imb in diesem Sinne solle auch die Neso- des Geographen uni) Eth- strialisiert sei. Wetzlar werde sich mit ganzem Herzen Ijution lediglich als Werbung für den ßkbanEeiV

lution lediglich als Werbung sur den Geoantenl Groß-Hesien bei den noch außenstehenden Landes*

] Hessen-Darmstadt mit Hessen-Nassau einschließlich rvn Waldeck und des Kreises Wetzlar zu einem

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gedanke sich gegen den französischen Militarismus durchzusetzen vermöge, der Ziele verfolge, mit bene.

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6. Januar W9 ;.ü.iui/iue von Anzeigen s. die TagesnllMlner vis zum Nachmittag vorher ohnejedcVorhmdlichkeit

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Nr. 4

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fein Hesse einverstanden sein tonne. Schon vor dem Kriege habe man in Frankreich die Aufteilung Deutschlands in Interessensphären belan.delt. Ta bei sei auch der Plan eines Groß-Hessen alisge taucht, an die Idee gebunden, daß man Vertreter von Dynastien zur Erweiterung ihres Landes und in Abhängigkeit von Frankreich bringen werde. Der gleiche schändliche Gedanke lebe auch jetzt noch nt Frankoeich. Unter Berufung auf die Wiedergut- machung von Unrecht sei man jetzt dort, namentlich imTemps'si bestvebt,den Status vor 1866,also eine völlige Zersplitterung wieder herzustellen. Das neue Groß-Heffen müsse daher ein (Bebilöe werden, das ge­nau wisse, wo es hinaus wolle. Kurhessen und das frühere Großherzogtum scheinen einig. Schwieriger sei es mit Nassau. Das Gefühl der Zusammengehörig­keit müsse sich auch auf Nassau ausdehnen, aber mit ausdrücklicher Betonung der freien Selbstbestimmung jedes Kreises auch innerhalb Groß-Hessens, um eine Abneigung gegen diese Bildung zu verhindern. Die naffauischen Teile zeigten dem Rheine zu eine Ten­denz zur rheinisch westf9lichen Republik. Deshalb sei freundschaftliches Zusammenarbeiten mit dieser erforderlich. Das Rheinland roeme sich gerne bescheiden und auf Gaue verzichten, die ihr Eigetrdasein führen wollten. Wenn es ein Rheinland vor dem Kriege gegeben hätte, und dieses seine Stimme zur Geltung habe bringen kön­nen, wäre es nicht zu dem Mißgriff mit Belgien ge­kommen. Beide Rheinland und Groß-Hessen seien berufen, im Rahmen des Deutschen Reiches unter treuem Festhalten an dessen Einheit wich­tige Kultur aus gaben nach innen uird außen zu er­füllen.

Landgerichtsrat Sch mahl-Mainz äußerte als Rheinhesse Bedenken gegen einen event. Ver­zicht Groß-Hessens auf R'l>einhessen und Starken­burg. Tas südliche Rheinhessen tendiere nach der Pstrlz. Es sei zu bedauern, wemr die beiden Landes­telle uichr zu Groß-Hessen kämen. Ter Anschluß sei aber schlecht möglich, wenn man sie von der Pfalz und Baden loslösen wolle. Tie Pfalz habe feine Neigung für Bayern, ob Mannheim und Heidel­berg bei Baden bleiben wollten, sei auch nicht sicher. Daher sei es sehr wünschenswert, die Pfalz und das nördliche Baden in den Gedanken eines Groß-Hessens ernzubeziehen. .

Geh. Rat Strahl-Gießen wen.de te sich mit aller Entschiedenheit gegen den ganzen Plan einer Republik Groß-Hessen, den er als Lostrenming von der Gesamtheit des Reiches nnb somit als Parti- kularismus bezeichnet. Tie Absicht, jedem Kreise die Selbstbeslimmung zu geben, führe noch weiter in den Partiknlarismus Ijinein.

Prof. Weber- Gießen hielt dagegen, die neue Republik vermindere die Zahl der Bundes­staaten um mindestens drei. Tadurch sei sie gegen den Anschein des Partikularismus gerechtfertigt. Weiter wünschte er neben den ethnographischen auch die wirtschaftlichen Montente bei einem Zu­sammenschluß gebührend berücksichtigt. Rickstige Propaganda müsse auch in Waldeck, Hessen-Nassau imb in der Pfalz betrieben werden, damit man der Nationalversammlung bestimmte Beschlüsse vor­legen fönnc.

Geh. Rat Behaghel bezeichnete den Grund­gedanke der stMnmlichen An tülung Deutschlands' als wissenscha tliche Phantasie. Niemand könne die Grenzen des Hessenstammes bestimmen. Ober­hessen und Starkenburg seien kein einheitliches Volk. Daher müsse die Grundlage des neuen Staatswesens wirtscha'tiick.er Nalur sein. Größere Landest rle zusammen zu assen, gehe an. Tie Pfalz gehöre jedoch geschichtlich zu Baden.

Pros. Gmelin betrachete die Frage als Slaatsrechtler. Ihm als Süddeutschem sei die Neu- biünmg an sich sympatlstsch. Er sei immer dafür gewesen, als Gegengewicht zu Psenßen die Reichs­exekutive zu verstärken. Tie Frage müsse aber allgemein deutsch behandelt werden. Tann sei kein Interesse vorhanden, daß Preußen ganz Weg­fälle. Preußen sei ein großes, lebensfähiges Staats- U'esen und das Rückgrat Teutschlauds gewesen. Die Feinde seien für eine Aufteilung, die Süddeutschen seien statt dessen für eine stärkere Reichsgewalt. Eine solche werde aber die Einzelstaaten noch mehr bebrüden. Als Nordbadener wandte sich der Redner in schärfster Weise gegen eine Aufteilung Badens. Hessen habe durch die räumliche Vertei­lung kein Staatsbewußtseur, dies sei aber in Baden sehr stark vorhanden. Baden habe mich einen wirt­schaftlichen Zilsammenlxllt, der nicht zerrissen wer­den dürfe. Es fanime beim Schaffen eines neuen Staates nicht zuerst darauf an, die Grenzen festzu- bgen, sondern seine Aufgaben zu bestintmen. Den Einzelstaaten müßten gegenüber der lleberspan- nung des Einheitsgedankens durch die Sozial­demokratie klare Ausgaben bleiben.

.Herr König- Kassel luanotc bagegen ein, So­zialisierung sei nicht identisch mit Zentralisierung. Er wolle die iveitefte Selbstbestimmung auch der wirtsthaftlick)en Elementeittheilen wahren.

Geh. Rat ©trat) l drückte nochmals seine Ab- : neignmg gegen den Plan aus und seine Befürchtung, 1 die Landesuniversilät werde bei der Entstehung 1 Groß-Hessens an Bedeutung üerliercn.

Geh. Rat Sommer veni.whrte sich gegen eine ' parti ti Zaristische Absicht und hielt im Gegeilleil das ; Schicksal der Landesuniversität durch ein Groß- 1 Hessen nicht für bedroht, sttochmals betonte er, man < )volle keinerlei Annexion, sondern nur freiwilligen '

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nisch eingeordnet ist.

Schriftsteller Kurt Jacob-Kaffel berichtet über die großhessische Bewegung in Kurhessen. Er selbst hat den Anstoß dafür gegeben und die Fühlung nach allen Seiten ausgenommen. Die Bewegung hat sich in Kurhessen schon organisiert und einen Volksbund gegründet, der als ersten Programmpunkt die Reichs­einheit aufstellt. Die Bewegung ist fern davon, sich im Pariikularismus zu verlieren. Erst die Reichs­einheit, dann die föderative Grundlage. 3m Dolks- gefühl besteht Hessen als Einheit, nur darf der Schwerpunkt nicht zu sehr nach Süden verschoben werden. Hessen-Kassel hat die hessische Tradition immer gepflegt. 3n ein Groß-Heffen wird durch frei­willige Angliederung auch das verkehrspolitisch zu­gehörige Waldeck einzugliedern sein. Der Redner ist ebenfalls gegen eine Annexionspolitik Baden gegen­über. Auch für Kurhessen verspricht er sich durch die Neubildung Groß-Hessens eine Verbesserung der Dahn- verhältnisse, deren Misere er an drastischen Beispielen erläutert. Von erster Wichtigkeit ist nach seiner An­sicht die politische Organisation, während die Erenz- regulierung, die Verwaltung, die Universitäten Fra­gen zweiter Bedeutung sind. Groß-Heffen muß sich aus dem Willen des Volkes herausbilden, Kraft des Selbstbestimmungsrechtes der Völker. Groß-Heff.n ist keine Parteisrage, seiner Bildung steht nach den Erklärungen der Regiernngssozialisten und der Un­abhängigen nichts im Wege. Aber alles, was nach Parteipolitik riecht, muß vermieden werden. Hessen- Kassel hat sich imVolk bund" schon organisiert, be­ansprucht aber für sich nichts anderes als das Pri­mat des Losschlagens. Ortsgruppen sind bereits ge­bildet in Hanau, Friedberg, Offenbach, Alsfeld, Efch- wegs, Lich'enau, Wolfenhagen, im Diemland, in Fran­kenberg Ziegenhain, Hersfeld, Schlächtern, Marburg und Frankfurt. Alle diese Organisationen müssen sich die Hände reichen. Auch in Gießen muß eine Ortsgruppe mit einer Geschäftsstelle gebildet und ein Werbefonds gesammelt werden. E ne Korrespondenz soll über die Tätigkeit des Dolksbundes Rechenschaft geben. Es ist höchste Zeit, die Arbeit aufzunehmen, damit der Volkswillen zum Ausdruck kommt und die Nationalversammlung das Selbstbesllmmungsrecht Groß-Heffen nur zu besiegeln hat.

Architekt Stück Kaffel führt aus, der beste Be­weis für die Richtigkeit des Gedankens Groß-Heffen sei die Tatsache, daß das Gefühl der Zusammengehö­rigkeit in Hessen-Kassel auch dur e.ne 50jährige Prcußenherrschaft nicht zu ertöten gewesen sei. Das Volk habe sich nie als Preuße gefühlt. Cs dürfe keine Parteipolitik getrieben werden, dafür müsse man die besondere Mission des hessischen Staates hervor­heben, zwischen Nord- und Süddeutschland als Brücke Über bte Mwnlinie zu dienen. Jede Angliederung muffe kraft des Selbstbestimmungsrechtes der Völker freiwillig geschehen. Möglich sein ein Anschluß von Unterfranken, Aschaffenburg, Miltenberg, wo auf man hort und in Frankfurter Kreisen Wert lege, nicht aber der P:alz.

Bergrat Grob ter-Wetzlar bekennt sich als Alt- preuße, erklärt aber, schon 1912 in Wetzlar den Ge­danken vorgefuilden zu haben, Wetzlar Hessen- Nassau zu schlagen, einen Gedanken, dem die dortige Handelskammer stets nachgegangen sei. Gutachten hätten den Zusammenschluß als wünschenswert, aber kaum durchführbar erklärt. Der Gedanke, Wetzlar bei der Aufteilung Preußens loszulösen, habe starkes Echo gefunden. Bei der Bildung-eines Groß-Hessens sei aber vor allem das wirtschaftliche Moment zu berücksichtigen. Wetzlar sei rings von Heffen- Nassau umschlossen, mit dem es wirtschaftliche und kulturelle Gemeinschaft habe. Die nassauischen Eisen­erze zögen sich von Diez bis hinter den Vogelsberg und bildeten die Grundlage einer ausgedehnten Eisen- industlie, die dem künftigen Staate ein Rückgrat geben könne. Mit Elsaß-Lothring n verliere Deutschland 1 % Millionen Tonnen seiner Eisenerze, nurl Million Tonnen verblieben ihm. Mit diesem Derliist werde Deutschland arm, da es keine Rohstoffe habe. Die nassauischen Eisenerze würden jedoch an Bedeu­tung gewinnen. Sache des künftigen Hessenstaates sei es, die wirtschaftlichen und kulturellen Interessen scstzuhalien und auszunühen. Streng muffe dabei geschieden werden, was dem Reiche gehöre und was den Völkern verbleibe. Wenn die Zentralisation weiter durchgeführt werde, lohne es sich nicht, Einzel- staaten zu bilden. Wenn Groß-Hessen bestehen wolle, müffe es festhalten, was es habe. Seiner Ansicht nach müsse Frankfurt mit ernbezogen werden, frag­lich sei es jedoch, ob es Anspruch darauf erhebe. Als

Horn seines Amtes entlassen. Kaum ivitrbe dies bekannt, schwoll der Strom der ausrüh- rischen Kundgebungen wieder an. Unab­hängige und Spartakusleule organisierten den Zug: der Pöbel wirkte freiwillig mit. So kam es nicht nur zu stürmischen Straßenszenen, öffentlichen Beschimpfungen der 'Reichsregie­rung, sondern auch wieder zu Gewaltakten ge­gen dasVorwärts"-Gebäudc, gegen das Wolff--Bureau und andere bürgerliche Zei- tuugsuuteruehmungen. Auch das Berliner Tageblatt wurde nicht verschont; demokrati­sche Akten und Flugblätter wurden auf der Straße verbrannt.

Soweit gelten die Meldungen. Ob irgend ein Sicherheitsdienst eingegriffen oder auch nur den Versuch gemacht hat, einzugreifen, davon verlautet bis jetzt nichts. Alle Welt stellt sich wieder vor die Frage: Was geschieht, um Ruhe vor der kleinen Minderheit zu be­kommen? Es gibt außer der Reichshauptstadt im Reiche nur noch wenige solcherHexen­kessel". Einer befindet sich noch in Braun­schweig, wo soeben die Landesversammlung der Arbeiter- und Soldatenräte beschlossen hat, unter allen Umständen die Herrschaft der Soldatenrä:e aufrechtzuerhalten, auch g^gen die Nationalversammlung aufzutreten, wenn diese ein gegenteiliges Ergebnis haben sollte. Es könnte, wenn die Reichsregierung energi­sche Maßregeln ergreifen wollte, nicht schwer fallen, solch,' Kundgebungen auf ihre Bedeu­tungslosigkeit zurückzuschrauben. Die Stim­mung im Lande geht wirklich nicht mehr mit dem Radikalismus der Linken. In Baden haben die Wahlen zur konstituierenden Lan­desversammlung nach dem bisherigen Ergeb­nis einen beträchtlichen Sieg der bürgerlichen Parteien gezeitigt. Die ftürmischn Vorgänge in Berlin werden auch die Bestrebungen wie­der stützen und stärken, die darauf zielen, kraft­volle, lebensfähige Bundesftaatest neben Preußen zu gestalten und aufzubauen. Der Gedanke einer Republik Groß-Heffen z. B. ist rüstig auf dem Marsche, wie eine eindrucksvolle Versammlung in Gießen gestern gezeigt hat, bei der besonders auch Vertreter von Kurhesfen zum Worte kamen. Es ist kein Parti.u.arismus, keine Eigenbrödelei, die daraus spricht, sondern ein plan­volles Besinnen auf Notwendigkeiten, der Heimatliebe und Vaterlandsliebe einen neuen Grund zu geben. Die Vorteile, die eine einzelne Stabt etwa haben tonnte, treten zurück vor den gemeinsamen Interessen Derer, die mit Liebe und Begeisterung das Auge auf eine gesicherte, lebensfähige Heimat richten und damit auch dem Reiche am besten dienen wollen. Durch alle Reden der gestrigen Versammlung ging der Grund- Ion, treu zum Reiche zu halten, auch nicht etwa Einverleibungsgelüsten nachzu­gehen, sondern nur alle diejenigen zur Mitwirkung aufzurufen, die sich durch Bande der Zugehörigkeit zu unsrem neu zu begrün­denden Mittelstaate angezogen fühlen.

(Eine RepublikGrotz-hessen".

zz. Gießen, 5. Jan.

Die für heute morgen im Großherzog angesagte Besprechung der FrageGroß-Heffen" gestaltete sich zu einer eindrucksvollen politischen Kundgebung. Außer zahlreichen bekannten Persönlichkeiten der Gießener Bürgerschaft hatten sich auch Vertreter aus Kurhessen, R -einheffen und dem Kreise Wetzlar eingefunden und die Anwesenden, die das Wort ergriffen, sprachen fast ausnahmslos den Wunsch und Willen aller hessischen Landesteile aus, sich zu einem einheitlichen, wirtschaft­lich starken Groß-Heffen im Rahmen des deutschen Vaterlandes zusammenzuschließen.

Geh. Rat Sommer, der in Gießen zuerst den Gedanken der Gründung einer Republik Groß-Heffen Raum gegeben hat, leitete als Vorsitzender die Ver­sammlung. 3m Anschluß an seine früheren Ausfüh­rungen imGießener Anzeiger" beleuchtete er noch­mals dis FrageGroß-Heffen" vom ethnographischen, geschichtlichen und w'.rtschasllichen Standpunkte aus. Besonders eindringlich behandelte er die unhaltbaren Eisenbahnverhültnisse von Gießen und Oberheffcn und die Universitälenfrage. Er war der Ansicht, wie die Landesuniversität Gießen vom Großherzogtum erhal­ten werden konnte, so könne Heffen-Kaffel Marburg erhalten. Trete Frankfurt dem neuen Staatsgebilde bei, so mache die dortige Universität als Stiftungs- uni.iersität keine Schwierigkeiten. Er wendete sich aber gegen einen Vorschlag, der Republik Groß-Heffen außerdem noch Mannheim, Heidelberg und die Rheinpfalz zuzuteilen, wodurch Groß-Hessen die Kosten einer weiteren Universität aufgebürdet wer­den sollten. Viel besser sei es, die Pfalz durch neue Rheinbrücken fest an Baden anzugliedern. 3n der großhessifchen Frage sei es die Hauptaufgabe, die hier r.nd in Kaffel zutage getretene Bewegung zu kombi­nieren und den Eindruck fernzuhalten, als wolle man nach Silben hin annektieren. Hierauf wurde eine Resolution verlesen, die späterhin infolge der Aus­sprache einige Abänderungen erfuhr.

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wärts Kaffel, südwärts Treysa, dazu den Lahngau, den sächsisch-hessischen Gau an der Diemel i ____________ .. ... .

Süden die Wetterau. Die Grenzen haben sich im Laufe s greß der Rechtsstcmbyimkt und der ^Völkerbunds der späteren Jahrhunderte vielfach verschoben: einJ Doppelstaat Niederheffen-Oberheffen blieb aber fast stets. 3m 15. Zahrh. wurden Katzenellnbogen und Naffau hinzu erworben, auch gegen Darmstadt und Mannheim hin ergaben sich wichtige Verschiebungen. Bei der In ammmfaffung der hessischen Landesteile ist es grundfalsch, Landesteile hinzuzunehmen, die nicht hinzugehören, oder etwa Rheinhessen abzutrennen. Eine Zusammonfaffung der Stämme ist aber entschie­den zu begrüßen und wird ein lebensfähiges Staats­gebilde ergeben. An Umfang werden Kurheffen, das Großherzogtum, die Provinz Heffen-Raffau, Wetzlar und Waldeck 20000 Quadratkilometer umfaffen (Würt­temberg 19000). Die Bevölkerung sei mit 3 , Mil­lionen höher als die von Württemberg und Vaden.

Die Frage der künftigen Hauptstadt ist aber sehr schwierig und nur durch das Volk selbst zu lösen. Kassel und Darmstadt liegen zu exzentrisch. Der Anschluß Frankfurts ist noch in keiner Weise ent­schieden. Wichtig wird das gute Verhältnis zu den anderen Bundesstaaten fein, in die Groß-Heffen orga-

169. Jahrgang Montag,

Gießener Anzeiger . General-Anzeiger für Oberheffen...... ZVllttngsrnnd-rnck u. Verlag: Srühl'sche Unw.-Vrrch- u. Zteindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschästsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7.

freien Staat Groß-Hesstm vom ethrlologisck>en und irirtschaftlichen Stmrdpunkt bei dem Wiederaufbau des Reiches notwendig.

Es wird dadurch ein lebenskräftiger mitteldeut­scher Staat, der das Gebiet nördlich inti> südlich des Maines sonne östlich und westlich des Rheines verbindet, entstehen.

2. Die Wahl der Zentrale des Staates Groß-- Hefserr muß nach demokratischen Grwrdsätzen der Entscheidung der beteiligten Volkskreise anheim- Mstellt bleiben und soll nicht eingn Beschluß der Berliner Regierung unter liegen, Ba es sich even­tuell um eine innere Angelegenheit des im Rahmen des Deuftchen Reiches selbständigen Staates Groß- &ej}en unter eventueller Billigung der National­versammlung handelt.

3. Tie Versammlung beschließt die Errichtung einer Ortsgruppe Gießen des hessischen Volksbun­des zur weiteren Behandlung der unter 12 ge­faßten Beschlüsse.

Die Resolution wurde gegen eine Stimme an­genommen.

Ferner imtrbe die Bildung einer Orts­gruppe Gießen mit einem Mitgliedsaeitrage. 'von 2 Mk. beschlossen. Viele der Amvesenden er* klärten ihren Beitritt.

Hierauf schloß Geh. Rat Sommer die ein­drucksvolle Versammlung mit einem begeistert auf- igenontmenen Ho chaufdie Republik Groß- Hessen.

Gras herllim -J-.

Ruhpo ld ing (Oberbahern), 5. Jan. (WTB.) Der frühere Reichskanzler Graf Bertling ist gestern abend 93/< Uhr nach fechstägigem Krankenlager hier verschieden- Die Beisetzung findet in München statt.

(Eichhorn als Berliner Polizeipräsident entlassen.

Berlin, 5. Jan. (WTB.) Tas Ent­lassung s s ch reiben an Eichhorn bat, der Freiheit" znwlge, folgenden Woicklaut: Wir ent­lassen Sie hierdurch mit dem heutigen Tage bei Aushändigung dieses Erlasses aus der kommissari- Id^n Verwaltung des Polfteipräsidiri ms von Berlin. Minister Ernst hat sich bereit erklärt, bis auf weiteres neben feinen bisherigen Funktionen die Leitung des hiefigen Polizeipräsidiums zu über­nehmen und wirb den Tienst noch heute antreten.

2lttsfchreitur»:ren der Nuabhängigen und Spartakuslentckt.

Berlin, 5. Januar. Infolge eines gemein­samen Ausrufes der Unabhängigen Unit der Spart a kusleute versammelten sich üt der Siiegesallee ihre Anhänger zu einer Massenkundgebung gegen die Ab­setzung Eichhorns. Alle Redirer forderten 'iricht nur zur Bewafsimng des Proletariats auf, sondern erklärten unter dem Beifall ihrer Zuhörer, daß sic entschlossen feien, die Nationalversammlung M verhindern. Die Redirer forderten dann die Atassen auf, sofort zum Reichsamt zu stürmen und Ebert und Sdx-tbfnmnn zu massakrieren. Tann farmte sich der Zug und zog durch das Branden­burger Tor vor das Ministerium des' Junern. Am Brandenburger Tor verbrannte man auf einem Scheiterhaufen eine Unmenge von Negiemngsflug- blätteim. Vor dem Ministerium wartete bereits Liebknecht in einem Kraftwagen auf den Zug. Von dem Verdeck hielt er eine Ansprache an die Menge, hwrin er sagte, daß an der Spitze des Reick)es Verbrecher stünden. Auf dem Balkon des Polizei­präsidiums erschien Eichhorn in Begleitung Lieb- knechts intb Ledebours. Eichhorn gab vom Balkon «aus die ckörklärung ab, daß er so lange auf seinem Posten bleiben würde, wie es das Berliner Prole­tariat verlange, uni) daß er seine ganze Macht dazu bcnu&en würde, um die Errungenschaften der Ne- ic-üution zu sichern. Nachdem auch Liebknecht d-is Work ergriffen hatte, zog die Menge gegen 5 Uhr Heiter. Ein Teil der Demonstranten zog vor das Gebäude desVorwärts" .das erstürmt tu n b besetzt wurde. Wahrend der Vorgänge tm ^Vorwärts"-Gcbäude hatte sich vor dem Hause eine ino&c Menge angesammett. Plötzlich entdeckte ie- ktanb, daß in dem gegenüberliegenden Gebame sich das Propagandobureau Groß-Berlin der sozial- bemokratascknn Partei befand. Ties Gebäude wurde g-ftürmt imb bie ganze Einrichtung des Bureaus «auf bie Straße geworfen, wo sie berbnumt wurde. In später Abendstunde zogen die Demonstranten bann nach der El-arlottenstvaße und besetzten dort die Zentrale des W o l s f - B u r e a ir s.

Ter Lcrlincr SicherhcitSd:enst.

Berlin, 4. Jan. Der Kassenchef des Ber­liner Sicherheitsdienstes, Bantzer, wurde gestern lautVorwärts" unter der Beschuldigung verhaftet, 45000 Mark veruntreut zu haben. 3n die Lln- gelegenheil sei noch eine Reihe weiterer Personen der Sicherheitsdienstes verwickelt.

Rüdck und Joffe noch immer in Berlin?

Berlin, 4. Jan. Wie verschiedene Blätter zv verlässig hören, hält sich der bekannte Bolschewisten führer Radek noch immer in Berlin auf. Auch der ehemalige Gesandte der Sowjetrepublik Joffe hab« sich wider den Willen der Regierung in Beilin ehr- gefunden. Dazu schreibt die demokratische Dolkv" zeitung: Daß Radek immer noch da ist, sollte m<M kaum für möglich halten, daß aber auch Joffe zurü-.-' gekommen ist, grenzt ans Unglaubliche. Wenn di« Regierung sich dieses russische Gesindel ni<:

der Republik Groß-Heffen anschließen.

Legationsrat Weber-Gießen betonte: Ter steilen gedacht sein.

Volkswille zur Bildung einer Republik Gros;- Die Re so lut io n hat folgenden Wortlaut:

.Hessen sei unbedingt vorhanden und ernst zu not)- 1. Unter Wahrung der Einheit des Deutsck^n

men. Man müsse aber darauf Bedacht nehmen, ^Reiches ist der freinnllige Zusammenschluß von ahngau, daß dieser Wille sich nicht an Realitäten stoße. r*-rr - und im Man müsse abivarten, ob auf dem Friedenskan- m ßaufe arefc her Rerht.^ftmTOirmPt und der Völkerbund

Ein neuer Aufruhr in Berlin. "

Die Berliner Volksregierung hat einen nographen. (Er führte aus, daß die Chatten, deren Ansatz gemacht, um Ordnung und Einheitlich- l Nachfahren die Hessen sein sollen, mit unbestimmter - *....... - - - - Ausdehnung nach Süden hin die Gegend von Kaffel

und Fritzlar bewohnten. Die im 8. Jahrh. erwähnten Haffi bevölkerten das Land der unteren Eder, nord-