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Ams Stadt und Land.

Gießen, den 5. Ang. 1919.

KochmalS die Heimkehr der Kriegsgefangenen.

®<m Dr. Schneider, Vorsitzender der Kriegs- gefangenenhilfe vom Roten Lrieuz, Gießen.

Tas Wolff-Bureau verbreitet unter dem 30. Juli in der Presse eine Notiz über den gegen­wärtigen ©taub der Kriegsgesangenenheimkehr- srage, die offenbar von Regierungsseite ausgcht, aber notwendigerweise einiger Ergänzungen bedarf. In Anbetracht der sich in den Kreisen der Ange- hv 'en von deutschen Kriegsgefangenen begreif- tic. .aveife in steigendem Maße bemerkbar machen­den Unruhe glaubt der Urheber jener Notiz zunächst darauf hrmveisen zu müssen, daß, obwohl die deutsclre Regierung leine Schreib an der andauern­den Zurückhaltung unserer Landsleute trage,von gewisser Seite" die Unruhe der Angehörigen noch verstärkt werde. Für den Fall, daß damit ein parteipolitischer Gegensatz der Fürsorgeorganisa­tionen gegen die seitherige Haltung der Regierung in der Kriegsgefangenen frage angedeutet werden roll, muß dem von vornherein entschieden wider- lprvchen werden. In der Tat gibt es aber eine Anzahl von Bedenken, ob das bis jetzt Geschehene die bedingungswse und alsbaldige Zurückführung unserer unglücklichen Kriegsgefangenen gefördert bar. Diese Bedenken müssen allein aus dem reinen Willen, den Gefangenen und ihren Angehörigen zu helfen und unter Ausschaltung jeglicher partei­politischen Stellungnahme auch hier einmal aus­gesprochen werden.

1. Die bedingungslose Unterzeichnung des Friedensvertrages wurde mit an erster Stelle durch die Rücksicht auf unsere Kriegsgefangenen begründet. Heute muß sestgestellt werden, daß die Erwartungen über diesen Punkt getäuscht worden sind und die Regierung allzusehr der Zusage im Artikel 214 des Friedensvertrages geglaubt hat. Statt eine-s Versuchs, Garantien für die Einlösung der Auslieferungszusage zu schaffen, hat die Re­gierung allzu optimistisch über die Zuver- lässigkert der Gegner gedacht.

2. Tie Bildung der gleichfalls zugesicherten schon oster erwähnten Auslieferungskom­mission hätte sofort unter allen Umständen unter Zurückstellung aller übrigen Fragen gefordert wer­den müssen und nicht erst am 21. Juli, nachdem fast ein Monat nach der Annahme des Friedens­vertrages verstrichen war. Vielleicht wären die Vorarbeiten dieser Kommission dann soweit ge­fördert gewesen, um sofort nach der notwendigen Ratifizierung, ohne jeden Aufschub die Heim­führung beginnen zu können. So steht zu fürchten, daß für diese Vorarbeiten immer noch geraume Zeit gebraucht wird, wenn der Friedensvertrag durch die Ratifizierung Rechtskraft erhalten hat.

3. Ferner muß eine Maßnahme des Reichs- ministers Erzberger, der die Feinde aufgefor­dert hat. Listen der Gefangnen nach Berufen aufzustellen, das größte Befremden Hervorrufen. Die Regierung hat stets, und so auch nrieber in der genannten Wolff-Bureau-Beröffentlichung, selbst ausdrücklich erllärt, die Auslieferung der Gefangewm stebe nach dem Friedensvertrag mit dem Wiederaufbau und der Arbeiterfrage in keiner Verbindung uno die Rückkehr dürfe mit keiner andern Frage irgendwie verknüpft werden. Die Ge­fährlichkeit solcher Listen liegt aber auf der Hand, zumal sie wirklich auf gestellt worden sind Sie können die Heimkehr lediglich erschweren.

4. Schließlich hält die Regierung mit den Berichten der Schweizer Kontroll-Kommission über die wahre Lage unserer Gefangenen in Frankreich zurück, die überaus traurig ist und jeder Beschrei­bung spottet. Erst ganz kürzlich hat sie sich zu einer Veröffentlichung entschlossen, die aber sicher­lich nicht das gesamte Material verwertet. Jeden­falls fdjeint es leider nun doch dahin zu kommen, daß die Feinde unsere Gefangenen als Druckmittel in der Hmd behalten wollen und die Regierung diese von den Kriegsgesangenen-Fürsorgestellen stets erhobenen Befürchtungen nicht ernst genug genommen hat. Tas Maß ist voll! Die Haltung unserer Feinde bedeutet Vertragsbruch, das muß mait laut in die Welt hinausrufen. Nur die reine Wahrheit brauchen wir und feine einseitige Besckwichtigungs-, Vertuschungs- und Entschuldi­gungsversuche, wie sie sich schon so ost bitter ge­rächt haben. Auf die Wahrheit haben.bte Gefan­genen und ihre Angehörigen Anspruch, denn der Geist der Wahrheit allein kann uns aus diesem Elend herausführen. In Weimar aberenthüllt" man und entrüstet sich und hat die 800000 vergessen.

** 170 Kriegsgefangene, S'rmtte und SanitLtsmannsck-aften, sind heute vormittag gegen 9 Uhr hier eingetroffen. Sie flammen aus eng» Gfdjer Gefangenschaft und lagerten ruletzt in Le Havre. Am hiesigen Bahnhof wurden sie vom Empsangsausschuß für heimkehrende Gefangene mit Musik begrüßt. Dr. Schneider, vom Roten Kreuz, hielt eine Begrüßungsimspnache. Außerdem, wurden die Leute vom Roten Kreuz mit Zigarren, Blumen, Postkarten und Scksteischeu be-chmkt. Die Zurückgekehrten sahen rm allgemeinen gut aus. Sie marschierten mit Musik und unter Glocken* getaute nach dem Durchgangslager. Ergänzend er­fahren wir noch, daß der Transport in der Nacht bereits gemeldet wurde. Die DegrüßungÄveiftn spielte die Kapelle des hiesigen ReickOwehr-Regi- ments 36. Der Zug wurde auf dem Wege durch die Stadt von der Bevölkerung aufs her^ichste begrüßt.

** Frau Berta Gebha rdt wurde gestern nachmittag unter großer Beteiligung aus allen Kreisen der Bevölkerung auf dem Alten Fririchff zur letzten Ruhe geleitet. Nach einer kirchlichen Trauerfeier in der Kapelle, bei her Pfarrer Aus­feld die GedächtuisrÄe hielt über 1. Mos. 12,2: ,Hch will dich segnen und du sollst ein Segen lein" sammelten sich die Leidtragenden beim Grabe, wo die verschiedenen Körperschaften ihrer Vor­sitzenden und Mitarbeiterin ihre letzten Grüße -nachriesen. Zunächst sprach als Vertreter der Ge- stmworganisarivn des Gießener Roten Kreuzes und Ungleich für den Hauptvor stand des Hessischen Landesvereins vom Roten Kveuz Tarmstedt, Dr. Schneider, der vor allem der unersetzlichen und treuen Mitarbeiterin gedachte. Es folgten Frau M. Kramer im Namen des Alice--Frauen- Bereins, Zweigoerern Gießen, Schwester Ebel für die Gießener Schwesternschaft vom Rotm Kreuz, Kobonnenführer Balser für die Frei­willige Samlätskoitonne Gießen mit warmen Aor­ten des Gedenkens und Blumenspenden. Namens der Stadt Gießen legte Beigeordneter Justizrat Dr. Rosenberg für die verdienstvolle Mttlfitt- gerin einen Kranz nieder, ebenso Städte. Frau M Naumann von dem Ortsausschuß für '-vm arbeit im Kriege und Stcükv. Frau M.

Kramer dvn dem Aliceschulvevein. Gegen 4 llhr i hatte die ergreifende und würdige Trauerfeier ihr I Ende erreicht.

** Tas Fest der silbernen Hochzeit feiern heute Oberinspektor Heinrich Schmidt und Ehefrau Berta geb. Lehr.

** Oberhessischer Kun st verein. Tie Ausstellung der 11 Berliner Zeichner war am Sonntag so stark besucht, daß viele keinen Ein­laß finden konnten. Es sei darauf hiugetvsisen, daß die Ausstellung täglich mit Ausnahme Samstags von 11 lns 1 und am Mittwoch auch noch nachmittags von 35 Uhr geöffnet ist.

** Gesto bien wurden in der Nacht von Samstag auf'Sonntag mehrere Kartons ameri­kanische Schokolade im Werte von900Mk., die jedenfalls zum Verkauf angeboten wird; außer­dem in einem anderen Geschäfte 12 Zentner Zucker. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kri- ncinalabteilung entgegen.

** Tie Versteigerung des diesjüh- rigenGrummetgrasesist verboten worden. Deshalb hat die land- und forstwirtschaftliche Depu­tation beschbossen, die diesjährige Grummeternte zu dem vvrchhrigen Durchschnittspreise durch Ver­losung unter die sich anmeldeudsn Interessenten ab- zugeben. Sämtliche Tierhalter in der Stadt Gießen werden daher aufgefordert, bis zum 10. August d. I. unter Angabe ihres Viehbestandes sowie ihres eigenen und Pachtbesitzes an -Grasstücken beim Oberbürgermeister schriftlich anzugeben, welche Fläche städtischen Wiesenbesitzes sie für sicherbitten.

** Der Brennholzpreis des von der Stadt abgegebenen Holzes beträgt im Kleinverkauf für Weichkrolz 3,50 Mk., für Hartholz 4 Mk. pro Zentner. Die Scheine werden Dienstag und Donnerstag von 2 bis 6 Uhr nachmittags auf dem Tiefbauamt ausgegeben, das Holz an den übrigen Tagen. Auf den Haushalt entfallen fünf Zentner.

** Allgem. Eisenb.-Verband. In einer öffentlichen Versammlung im Felsenkeller sprach gestern Osw. Riedel, Mitgl. des preuß. Abgeordnetenhauses, überZ e i t - u n d S1 r e i t- probleme der Eisenbahner". Er führte an der Hand von zahlreichen Beispielen aus, daß unsere wirtschaftliche Lane im kommenden Winter trostlos würde. Wir hätten nach Abzug des Saar- und oberschlesischen Reviers nur iwch den vierten Teil der Steinkohlen zur Verfügung. Es müßte in weitestem Maße dazu über gegangen werden, die ^Eisenbahnen zu elektrisieren, die vorhandenen Wasserkräfte und die Kanäle auszubauen. Auf Die Finomzwirtschaft über gehend, bemerkte er, daß das voraussichtliche Defizit der preuß.-hessischen Eisen­bahnverwaltung in diesem Jahre 67 Milliarden Mark betragen würde. Eisenbahnminister Oesec habe rm preuß. Landtag erklärt, wenn dies Defizit gedeckt werden solle, müsse eine 200prvzentige Ver­teuerung im Personen- und eine 400pro;entige im Güterverkehr eintreten, was wieder eine Ver­teuerung der gesamten Lebenshaltung nach sich ziehen werde. Das Personal muffe außerdem ver­ringert werden, denn es seien 250 000 Köpfe über den Friedensbestand. Dazu hatten die ungerecht­fertigten Streiks die Lage noch weiter verschlech­tert, so daß man nicht wisse, wie aus diesen: Di­lemma herauszukommen sei. Der Redner erwähnte bann noch die Peusionskasse, die ebenfalls unter den Kriegsverhältnisseu stark gelitten habe, und kam dann zum Schluffe auf das Rätesystem zu sprechen. <5ter betonte der Redner, daß nur ein wirtschaftliches Rätesystem mit dem Mttbestim- mungsrecht der Beamten und Arbeiter zu erstre­ben, alle politischen Räte aber zu verwerfen seien. Nur politisch-neutrale Verbände könnten die Inter­essen der Eifenbahner am wirksamsten vertreten. Der Emst unserer Lage würde uns in naher Zu­kunft lehren, daß mit Streiks und Putschversuchen nichts zu erreichen fei. Die Eifenbahnbediensteten müßten alles daran setzen, das stark gesunkene An- fefren der Eisenbahner gegenüber der Allgemeinheit wieder zu heben. Der reiche Beifall am Schluß be­wies dem fRebner, daß es auch noch viele vernünf­tige Eisenbahner gibt, die mit der politischen Ver­hetzung, die von gewissen Seiten in die Eisenbah­ner meingetragen wird, nicht einverstanden sind.

** DieselbstündigenPvl st erer, Ta­pezierer und Möbelhändler veranstel- ten Mittwoch den 6 August, abends 7 Uhr, im 6tett*erbeljairfe eine Versammlung, in der Sekretär Kirchner über aktuelle Handwerksfragen, ge­meinschaftlichen Einkauf, einheitliche Preise ufto. sprechen wird. Nach dem Vorträge findet freie Aussprache statt.

** Preußisch-Süddeutsche Klassen- Lvtterie. Die Einlösung der Lose zur zweiten Klaffe muß unter Vorlegung des Vorklaffen-Loses bis zum 8. August abends 6 Uhr geschehen. Ainl) müssen die Freilose gegen Rückgabe der Ge­winnlose bis dahin in Empfang genommen '.werden.

** Im Lichtspielhaus tritt ab heute bis einschl. Freitag Biggio Larsen inEr rechts. Sie links"", Lustspiel in 3 Akten, auf; ferner Paul Heidemann in seinem ausgezeichneten Lustspiel in 3 Akten,Der Weiberfeind".

** Die Schwarz-Weih-Lichtspiele bringen ab beute das große Wiener Kunstfilmwerk So fallen die Lose des Lebens", Drama in 4 Attm und das LustspielSenta als Paukeumamsell" in 2 Akten.

Landkreis Gießen.

As. Burkhardsfelden, 4. .Aug. Am 2. August versammelten sich die Landwirte der Ge­meinde Burkhardsfelden und gründeten eine 60 Mann starke Ortsgruppe des Hess. Bauern­bundes. Es wird ein gemeinschaftliche Zu­sammenarbeiten und gemeinschaftlicher Bezug und M»satz von Warm angestrebt. Der Vorstand besteht aus einem Vorsitzenden, dessen Stellvertreter sowie drei Beisitzern.

O Grünberg, 4. Aug. Um dem Feld­frevel etwas zu steuern, hat der Stadtvorstanü beschlossen, probeweise am'3 Monate einen dritten Flrrrschütz zu bestellen. Ferner sollen die Namen der ertappten Frevler an die Ortstafel am Rat­hause angeschlagen werden. So kann man seit eini­gen Tagen die Namen zweier Kleediebe am schwar­zen Brett prangen sehen.

-ch. Hungen, 5. Ang. Der im 41. Lebens­jahr stehrnde Buchbinder Hermann Schmidt, ein wegen seines lauteren Wesens und guten Charaktereigensck)aften allseitig beliebter Mann, ist in Belgrcw am 29. Mai d. I. gestorben. Die Nachricht kam durch Vermittlung des Dänischen Roten Kreuzes vom Kriegsministerium, ohne nähere Angaben über die Krankheit und den Tod. Der Verstorbene war seinerzeit bei der Arm« Mackensen in Kwnstadt in Ungarn interniert wor­den, kam dann nach Bvaila in Rumänien und zuletzt nach Belgrad, wo ihn der Tod ereilte. Er ist ein weiteres und hoffentlich das letzte Opfer dieses Krieges. Seiner Frau und seinen Kinde wendet sich allgemeine Teilnahme zu.

*

Austrag komm

scheu aus Hanau, die seit längerer Zett gräbst

Goldstück 7580

erzielte Mehrgewinn gehörte ihnen. Sie bfttn

Beamten der Necherchenabteilung, die

geraume Zeit auf der Spur waren, das Sl

furter Beamten, die sich als Muser ausgegetei hatten, beschlagnahmt und heute der ReiclObank W geführt. In die Affäre ist als Goldlieferrmt aeä der Hanauer Bankier Bacharach verwickelt. ££ kein Fluchtverdacht vorliegt, wurde die Gesillsckiil wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die Kellner streiken weiter.

Hochsä

dl Frankfi «nbtn Wmtersem Mksucker Unter stsireu Sean Mw »vollen, & MiMtlich in bei ti mitsuarbeiten.

UMarburg Zwischen Klinik Ä. Alfred P o n g ütt bti ttm: MM Mw Tii

Frankfurt a.M., 4. Aug. In em« fünfstündigen stürmischen Versammlung hacer heute die streikenden Kellner mit 600 gejfl 400 Stimmen die Ver mittlungsvor' schlage des Gewerkschafts kartells abgelehm

** Ober-Seibertenrod, 3. Aug. Die Täter, welche vor kurzem abends vor jntferem Dorfein Attentat auf das P o stau to Mücke- Ulrichstein verübten, indem sie schwere Steine quer über die Straße legten, wodurch am Auto ein Federbruch entstand, wurden in einigen 13jah- rigen Jungen dahier ermittelt. Tie Lausbuben werden außer einer gehörigen Tracht Prügel, welck)« sie bereits in der Schule empfingen, noch eine empfindliche Strafe erhalten, da die Sache zur Anzeige kam. Dieser Vorfall zeigt wieder, wie nötig es ist, daß Schule und Elternhaus streng darauf feben, daß die Kinder bei Einbrecher! der Dunkelheit ihre Belmusung auffuchen.

B. Burkhards, 4. Äug. In einer von hiesigen Bauern abgehaltenen Versammlung im Gasthaus Schmidt traten 60 Landwirte dem hes - sisichen Bauernbund bei.

Kreis Friedberg.

Reformbund der Gutshöfe.

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Mengen Goldmmrzen mit dem üblichen erhebliche» Aufgeld in Franffurt zu tierftntfen suchten. T« Schieber mußten ihrem .Lieferanten" für

"Sportt 'pytgattii Sonnt toter 1. mtö 2. ; *7® foielftarfer gekannt, der feilt «Wii ihm daber i

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zu Gunsten der Großbetriebe verschiebe. Er be­dauerte, daß diese Tatsachen nur in engen Fach­kreisen bekannt feien und forderte die Versamm­lung auf, dahin zu wirken, daß von den amt­lichen Stellen, die hierzu in Betracht kommen, baldigst die notwendigen Schritte zur Erhebung des erforderlichen stattstischen Materials getan wer­den. Nur bann werde man wissen, wie das neue Siedlur.gsgesetz richtig anzuwenden sei. Andern­falls bestehe die Gefahr, daß ohne Rücksicht auf volkswrrtsclmftliclre Notwendigkeiten alle größeren Güter ^erfdüngen und damit bte Bevölkerung in den Städten katastrophal geschädigt würden. In der von einem Mitglied der Hessischen Volks­kammer eröffneten und sehr anregend verlaufenen Aussprache wurden die angeschnittenen Fragen von verschiedenen Setten beleuchtet, die Wichtig­keit der größeren laudwirtschaftlid)en Betriebe als Muster für die kleinen Wirtschaften und als Er­nährer der Städte allseittg anertonnt und dem Wunsche des Vortragenden nach amtlicher Er- Ibebung der Leistungsfälfigkeit der verschiedenen ländlichen Berufsgruppen Beifall, gespendet. Mit der einstimmigen Annahme der folgenden Ent­schließung endigte die in jeder Hinsicht tvürdig verlaufene Versammlung:Die Teilnehmer der heute in Friedberg auf Einladung des Reform­bundes der Gntslwfe abftehaltenen Versammlung haben sich davon überzeugt daß im Interesse der Ernährunsssicherung der städtisthen Bevölkerung sachliche Erhebungen darüber unerläßlich find, welche Fvlgcu eine Auftcillnrg der größeren Guts­betriebe für die Volksmrährung haben wird. Ohne die soziale Notwendigkett wohlverstandener Siede- lungsmaßnahmen zu verkennen, halt es die Ver­sammlung auf Grund der heute zahlenmäßig er­brachten überwältigenden Belege für erwiesen, daß das Verschwinderr der größeren Gutsbetriebe von

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geforderten Erhebungen dürfte das Mindeste fein, was von den verantwortlichen Stellen zu ver langen ist, zur 23crmeibmtg einer sch,veren Vor sorgungsgefährdung der Allgemcmhett." Geständnis und Fluchtversuch des Bad-Nmr.

Heimer Aiörders.

Q. Bad-Nauheim, 4. Aug. Der wegen Mordverdachts im hiesigen Gerichtsgesäug. nis in Haft befindliche Drogist Karl Friedrich Voß aus Barmen legte gestern nachmtttag das Geständnis ab, daß er den Kaufmann Loutt Roger vor mehreren Nächten hinterrücks er schossen und beraubt habe, acute früh machte V»h in dem Augenblick, wo feine Zelle zum Reinigen geöffnet werden sollte, einen beinahe geglückiev Bluchtversuch. Er enttiß dem Ausseher bi? chlüssel, sperrte diesen unb dessen Familie in bi? Dienstwohnung ein unb erreichte ben Gefängnis. Hof, beffen Mauer er zu übersteigen versuchte. T« Gefängnisaufseher schoß aus bem Fenster ber Woh­nung auf ben Flüchtling, und auf der Mauer tret ihm ein Schutzmann entgegen, ber ben Verbrecher, ber am Unterarm durch einen Schuß verletzt war. überwältigte unb in bie Zelle zurückschaffte. Vos, hat übrigens einverstanden, daß er verschiedene Unterschlagungen und sonstige Vergehen hinter sich hat und von verschiedenen Gerichten schon gesuch wird.

Starkenburg und Rheinhessen.

Die Bauernbemegung im Landkreise Offenbach.

oz. Dietzenbach, 4. Aug. Die Bauern­bewegung. die jüngst auf den Kreis Friedberg Übergriff, hat ihre Wellen auch in den Landkreis Offenbach geschleudert. Die Bewegung ist durch­aus ernst zu nehmen; sie ist kraftvoll und plan­mäßig. Der Bund der Landwirte hatte für gestern nachmittag zu einer öffentlichen landwirtschäft- lichen Versammlung nach Dietzenbach, Gasthaus Zur Linde", aufgerufen. Es waren etwa 400 Vertreter aller Ortschaften aus der näheren und wetteren Umgegend, sogar aus dem besetzten Ge­biet, erschienen, die dem Berichte des Haupt- redners Dr. Müller (Frankfurt a. M.) mit größter Aufmerksamkeit folgten. Kampf gegen die Zwangswirtschaft, Protest gegen bie Entziehung ber Mahlkarte, Organisation ber LandwirtsMfi Das war bie Losung des Tages. Für die aller­nächste Zett steht die Organisation des hessischen Bauernbundes bevor, ber alle Bauern Hessens umfassen soll. Es würbe die Gründung von Orts­gruppen in ben einzelnen Bezirken empfohlen. Unter allgemeiner Zustimmung wurde die nach­folgende Entschließung einstimmig angenommen:

Wir erklären zu ber Frage der Mahlkarte, daß nrir Getreide nicht eher abliefern, bis allen, die ihrer Ablieferungspflicht nach, bestem Willen nachgekvmmen sind, die Mahlkarte wieder ausgestellt ist. Wir fordern: Ausübung des Mühlenzwanges, freie Wahl ber Mühle. Abschas. fung der Viehkataster. Abschaffung der Wiege­meister und fonftiger Revisoren und Kontrolleure. Erlaß ber Strafen für diejenigen, die zu Unrecht bestraft sind, aber nur für inefe, nicht für 4>ie, bie ihre Pflicht durch Wucher und Profitgier vernacklässigt haben. Aufhebung der Eierzwangs- ^wirtschaft. Abschaffung der Haichelsverbände. Ab- lieferung durch Erzeugergenoffenschaften. Erhö­hung der Selbstverforgerrativn.

In ber Besprechung wurde noch die Mitteünng gemacht, daß für dieses Jahr die AusmalLung des Getreides auf 81 Prozent herabgesetzt wurde. Die Behörde möchte den Forderungen Der Landwirte Verständnis entgegenbringen und die alte BuaM> hatte von sich werfen. Am flommenden Somtdtz wird in Groß-Umstadt eine gleiche SSeriammlung abgehalten.

Kreis Wetzlar.

ra. Wetzlar, 4. Aug. In der letzten Stadt- verorbnetenvrisammlung galt es in der Haupt, fache, bie Festlegung ber diesjährigen Steuer. Zuschläge unter Dach und Fach zu bringen. Dahingehende Vorschläge des Haushaltsausschusscs sanden einstimmige Annahme: Gememde-Eiii- kommensteuer 325 Prvz., Gewerbesteuer: Klasse l unb 2 350 Proz., Klasse 3 300 Proz., Betriebs­steuer 250 Proz. Die Gewerbesteuerklasse 4 bleibt nach Annahme eines Antrages des Stabtv. Kyrmj« auf 225 Prozent stehen.

Hessen-Nassau.

Hanau derVerkauf" zustande. Gerade als te Schieber 600 Goldmünzen aufgezählt hatte' und dafür das Geld in Empfang nehmen wolllcr, drang die Hanauer Kriminalpolizei, die benrch richtigt war, in das Zimmer ein und verhaftete 3i( Schieber. Tie Goldmünzen wurden von den Fr art

Eine neue Goldschiebergesellschaft. _ wul

Frankfurt a. M., 4. Aug. Dir Rechn- werde:

cftenabteilimg des Polizeipräfidiums hat imrerbab '' ^.Sportpiasirc einer Woche eine zweite Goldschieberbande i die Ver^nüü entlarirt. Diesmal handelt es sich um 16 Persons', wn beginnen meistens 2022Mrigr junge arbeitsscheue Dv- -

LVerkS^T

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a. Hungen, 4. Aug. Jetzt bringen die Früh- züge täglich Scharen (nicht nur kleine Trupps) Kartoffelhamstercr, die die Umgegend ab» streifen und alle erreichbaren Frühkar toffeln auftaufeiL Tie Preise siird verschieden und haben keinen .feststehenden Satz,wie man ankomntt", meistens sind sie hoch. Ter Kardvffelmangel ist aber nicht nur im Siegerland, woher die Ham­sterer kommen, er ist auch bei uns. Wer, keine FrühkartosfÄn draußen hat, der hat eben keine zu elfen ober er muß auch Hamstern gehen und teure Preise bezahlen. Es ist niemand zu verdenken, daß er sich bei ber Knappheit für Kartoffeln sorgt, ob aber diese Zu stände mit ber Hamsterei haltbar sind, ist zLvrifelhaft; es ist sogar nicht ausgeschlossen., daß falls der Zuzug nod;i größer wird, und bas ist wahr'scheinlich, Unruhen entstehen. Die Lebens-- mtttelknapphett ist hier auch sonst jetzt größer wie z. Z. in Frankfurt, jedenfalls sind die aus dem besetzten Gebiet heveinkommenden Sacken, wie Speck und S<hmalz, Oel usw. hier auf bem Lande viel teurer wie in Frankfurt. Es lohnt sich also, diesbezüglich nach Frankfurt Hamstern zu fahren. Die Kartoffelversorgung scheint einer großen Ge­fährdung eittgegenzus.'hen. Tie wilde Hamsterei führt zu keinem guten Ende.

Kreis Vüdingen.

* SB üb in gen, 3. August. Die Dörfer Michelnau, Fauerbach und Ober-Lais erhalten jetzt Anschluß an das Elektrizitätswerk ber Provinz Oberhessen. Am Bahnübergang bei Haingründau verunglückten zrvei Leute mit einem Motorrad. Beide trugen äußere und innere Verletzungen davon.

Kreis Lauterbach.

O Landenhausen, 2. Aug. Unsere Ge­meinde bekommt jetzt auch elektrisches Licht. Die elettrische Kraft wird von Bad Salzschlirf bezogen. Bis zum Herbst wird die Anlage fertig sein.

Kreis Schotten.

Bauernaufrnhr im Kreise Schotten.

f. Gonterskirchen, 4. Aug. Dem Bei­spiel anderer Ortschaften folgend schärte sich hier gestern abend um 9 Uhr bte ganze Einwohnerschaft zusammen unb veranstaltete eure Demonstra­tion. Die Menge zog zum Inhaber des Vieh- katasters sowie zur Bürgermeisterei und er- zivang die Herausgabe unb Vernichtung der Eier­abgabeliste unbdes Viehkatasters. Vom«Bür­germeister wurden folgenbe Forderungen zu Protokoll genommen: Aufhebung des Kommu- nalverbandes, Beseitigung ber Eierzwangswirtschaft jund des Biehkatasters, Freigabe der Schlachtung, bzw. gemeütfame Schlachtung mit der Gemeinde Ruppertsburg, Besettigiung ber zwangsweisenMilch- abUefenmg, sowie des Wiegemeisters bei dem Aus­drusch des Getreides, sowie bei den Hausschlachtun­gen. Die Bürger sind bereit, ihr überschüssiges Ge­treide abzuliefern, verlangen. jedoch, daß die un­versorgte Bevölkenmg soweit wie müglich von der hiesigen Gemeinde selbst versorgt und das Getreide in ber hiesigen Mühle »ermayLen wirb.

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83 Mark an. Am letzten Samstag kam nun v ititlerinM v , «CHTTDnu Nn-Knick" Iiiftmrhp ßk*mtw> n\8> bii 1^^_ 11 ««01

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aber auf Gewährung einer Teuerungszulage 50 Pwzent des Monatseinkommens, Währeiw Arbeitgeber nur 20 Prozent zugestehen wo Der Streik, der von der gesamten Dotierung fdtärffte verurteilt wird, schneidet tief in das schaftsleben der Stadt ein. Mit Ausnahme eini Wirtschaften sind sämtliche Lokale geschlossen, den Hotels müssen bie Gäste ihre ßtmirrer fc in Ordnung bringen, da auch die Zimmermabcha sich der Bewegung angeschlossen haben. Der FrM denverkehr, in diesen Wochen der stärkste des ganz^ Jahres, ruht vollständig. Wer hier mcht binngM zu tun hat, kehrt dem ungastlichen FranksM-

__________________ _______________ ben Rücken. Alle Anzeichen deute latastropl-alen Folgen für die benachbarten Städte daß in bem Streck es sitzt bewe sein rorib. Die beschteunigte Durchführung ber | eure Machtprobe ankommen W i

Friedberg. 2. Aug. Am 31. Juli fand im großen Saale des Hotels Trapp eine vom Reform bund der Guts höfe ein» berufene Versammlung statt, der neben Guts­besitzern und Pächtern auch alle Mttglieder der VolMarnmer, die nächstgelegenen Stadtverwal­tungen und die Presse geladen waren. In ber gut besuchten Versammlung sprach Dr. Krantz (Bad-Nauhemi) über die Ziele und Aufgaben des Reformbundes und anschließend daran über die Ernährungslage der ftädttschen Bevölkerung. Er wies in längerer, wirkungsvoll durch statisüsches Material unterstützter Rede nach, daß für bie ^Ernährung der Städte die Gutshöfe ganz beson­dere Bedeutung haben. Er zeigte an Beispielen, daß der landwirtschaftliche Großbetrieb bedeutend mehr aus der Flächeneinhett des bebauten Bodens herauswirtschafte als der Kleinbetrieb, und daß dresis Verhältnis, wenn es zur Ablieferung an die Kommunalverbände kommt, sich noch weiter

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