Ausgabe 
4.10.1919
 
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Nr. 252 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger ^General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 4. Moder Wy

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eigentlich seit h-utc früh nichts Warmes int Ma- ! istüch halten . . . aber ich hatte int Allen ge- ____ f-nrft "

Fortsetzung 21

(Nachdruck verboten.)

nach Griechenland 85 Pf., nach Spanien 1,25 Mk., nach Portugal 1,35 Mk. usw.

Tie Grämt hatte sich aus ein kleines Sofa neben dem Kamin niedergelassen uitb Magnus -in ihre Seite gezogen.

Nun, wenn dir aber diese Dame fj wenig gefällt," sagte sie jetzt nach einer Pause nachdenklich, dann würde icP wünschen, deine Braut nähme lieber keine Gefälligkeiten von ihr an. So etwas verpflichtet dann doch für die Zukunft! . . .

Magnus seufzte.

,,Ta hast du recht, Mama. Aber es lässt sich leider nicht umgehen. Für die Hochzeit «. B. lind mir fast aus sie angewiesen. »Losensteins hab'n eine rohtaigc Wohnung und hätten auch gar nicht die Mittel, eine Hochzeit, wie Evelyn sie wünscht, aus- znrichten."

,,Bah, das spielt doch keine Rolle! Tu tonnst ja alles bestreitet."

Seiber nicht. Mama Losenstein und atuch Evelyn besitzen in diesem Puitkt einen Stolz, gegen beit ich nicht auflomme. Sic würden nie darein willigen, daß die Hochzeit auf meine Kosten statt- findet. Nun war ja Ndama dafür, dass alles so ein­fach und bescheiden arrangiert wird Trauung int Reisekleid und ein kleiiter Imbiß bei ihr da­heim, nric ihre Mittel es eben gestattet hätten. Ich hätte nichts dagegen was kümmert mich der äußere Plunder? Für dich und zwei Trauzeug en wäre ja bei Losensteins Raum genoesen, und ste irnb vortreffliche Menschen, wie ich täglich mehr erkenne. Aber . . ."

gen habe!"

Magnus sprang erschrocken auf.

Und ich Ungeheuer habe dir nicht einmal em Glas Wein angeboten! Mehr freilich ist in meiner Jnuggeselleüwirtschast nickst aufzutreibcn. Aber in- zwsi'chen kann Konrad ent Auto holen, und wrr fahren dann zu Sacher soupieren."

Er wollte fort. Tie Gräfin hielt ihn lachend

am Aermel zurück.

Nein, bleib. Es ist ja schon alles in Ordnung. Glaubst bi, ich hätte die zivei Stunden, die ich hier auf dich'wartete, nur gesaulenzt? Wtr schickten Kon­rad nach allem Nötigen aus bei euch in der Großstadt ist das ja so bequem! Und meine Jungfer hat sich in der Küche «etabliert. Es ist olles bereit du brauchst nur zu klingeln, daß Konrad den Tisch deckt, und unser Appetit kann gestillt werden."

Als dies besorgt war, wies die Gräfin Magnus seinen Platz an ihrer Seite an.

So, mein Junge. Uno nun sage mir einmal, wann irollt ihr eigentlich heiraten? Ist der Termin schon bestimmt?."

Nein. Anfangs dachten wir so bald wie mög­lich. Aber mein Chef deutete mir an, dos; meine Versetzung nach irgendeinem auswärtigen Posten sehr nahe bcoorstände. Nun meint Evelyn, 'S fei doch besser, diese erst abzuwarten, anstatt sich hier für ein paar Monate ein Heim einzurichten."

Km das klingt ja vernünftig. Aber höre mal, 'Magnus mußt du denn durchaus tm Staatsdienst bleiben? Tu bist der letzte Zander- seld nhb Rettenegg entbehrt bi- »and des Herrn sehr, von Glaversheim und Ottendorf gar nicht zu )'t*red)en. Tu darfst mich nicht für ego-

ty.'ifft ...

Sie schwieg und blickte ihn zaghaft an. Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn.

la. Schlitz, 3. Okt. Am Dienstag abend wurde zu Ehren des neuen Bürgermeisters Niepoth eine kleine aber sttmmungsvolle Be­grüßungsfeier von der Bürgersck)ast üei> ansbaltet. Fackelzug, Gesangsvorträge und An- prachen wechselten einander ab.

Aus dem Amtsverkündignngsblatt.

Tas Amtsverkündigungsblatt Nr.98 v. 3. Okt. enthält: Tie Lage d. Hess. Arbeitsmarktes: hier- Statistik der Erwerbslosen. Eriverbslosen- irriorge. Brenn stoffgewinnung. Feldbereini- gung in der Gemarkung Klein-Linden. Feld- berctnigung Rabertshausen; hier: ben allgemeinen Meltüratiionsplan. Tetterungszuschlag zum Ta­rif für Pjerdedrofchken.

Brcnnst 0 ffgcwinn ung. Tas Kreisamt lädt zu einer Besprechung über Braunkohlen för- dernng in der Gemeinde Münster auf Mittwoch den 8. lfd. Mts., nachmittags 3 Uhr,in den Gast­hof von Gastwirt Tamer III. in Münster ein.

Teuerungszuschlag zum Tarif für P f e r d e d r «0 s ch k e n. Tie Tvoschkensührer sind, vorbehaltlich jederz-eittgcn Widerrufs,,bis auf wei­teres bereckstigt, zu den Taxen, bi? sich aus dem Tarif für das Troschkenfuhüvesen in Gießen >vom 8. September 1915 ergeben,«einenTeuerungs- z uschla g von 150 Pr»z. M erheben.

vermischte».

** K r i e g u n d E he s chl ie ß 11 n g. Die Zahl der Eheschließungen in Berlin unb 87 Vororten hatte im letzten vollen Friedensjahre 1913 sich auf 36 439 gestalt, betrug im Jahre 1917 25 384. Ohne Zweifel infolge der Kriegsttauungen stieg sie im Jahre 1914 auf 38 670, fiel aber 1915 auf 27 640. Im Jahre 1916 ging sie noch weiter aus 24 187 zurück. 1917 zeigte sich jtmt ersten Male wieder eine kleine Zunahme auf 25 584. Bon 1914 auf 1915 hat formt eine Abnahme von 28,52 Proz., von 1915 auf 1916 eine solche von 12,49 Proz. stattgefunden, während die Zunahme von 1916 aus 1917 5,78 Proz. betrug.

* Ter Li ebenbach. lEine hessisch' Fest- ipielwoche.) Aus Kassel wirb uns geschrieben: lieber dem freundlichen Städtchen Svangmberg, zwilchen Kassel und Melsungen, thront.auf einer vulkanisch der Erde enthobenen Basaltkappe die Feste Spangenberg, die an Otto bett Schütz erin­nert und an dielinke Landgräfin" Margareta von der Sale, Philipps des Großmütigen mit Luthers Erlaubnis angetrauten Nebenfvau, die einen 65 Klafter tiefen Brunnen aufweist, den der Sage nach zwei Gefangene um den Preis ihrer Frei- keit gegraben und an deren Turmspitze einst ein Estenkäfig hing, in dem ein blonder Edelknabe nut damals noch billigem Honig bestrichen den In­sekten und dem Tode preisgegeben wurde, weil er die Augen zu ber Schloßherrin erhoben! . . . Uebermenschliche Arbeit um köstlichen Preis, Liebe und Dod, in diesen Sagen faßt die andere .Sag: -u'ammen, die den Kern des Festspiels gab, das in diesen Tagen Spangenberger Bürgerinnen und Bürger aufgeführt. Aus der ganzen Gegend ström­ten die Menschen nach dem festlich g.-schmückten Spangenberg, in Scharen aus Kassel und Bebro und anderen hessischen Städten und lauschten der

Das Glück der andern.

Original Roman von Erich E b e n st e i n. Copyright 1916 by Greiner & Comp., Berlin W 30.

für je 40 Mk.

** Eine neue Seite der Kohlen not. Man schreibt uns: Tie SOrierigikeiten des Eisen­bahnbetriebs beruhen nicht nur auf dem Mangel an Kohlen, sondern auch! auf deren schlechter Be- sckasfcnheit. Tie Kohle enthalt jetzt 1020 Proz. Steine und andere unverbrennliche Stoffe. Allein die Beförderung dieser nutzlosen Last beansprucht täglich mehrere Kohlenzüge. Die schilechte Kohle verursachet unterwegs Tampfmangel. Tie Lolmno- tiven bleiben liegen unb verursachen Betriebsstörun­gen. Jedes fahrplanmäßige Halten eines Zuges kostet einen Zentner .Kohlen. Tauert der nicht ge­plante Aufenthalt noch länger, fojlt der Verbrauch an Kohlen noch größer. Tie Stockung bet der einzelnen Zügen pflanzt sich notnoendtger Muse au die nachfolgenden fort. Bei jedem Zuge entsteht so ein Mehrverbrauch Von Kohlen. Ter schlechte Störs verdirbt auch die Roste, so daß die Maschinen bald unbrauchbar werden und aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Man nimmt an, daß die Ge'amtwirkung der schlechten Kohle ernm Mehr­verbrauch! von 4050 Prozent bedeutet. Wenn es

vollstümlich dramatisierten Sage Else Sinnig, eines mittelalterlichen Bürgermeisters Töchterlein, sollte ihren Jugendgeliebteu Munj Kreisch nur dann eljeiidjen, wenn erohne Gesellen und Gehilfen" binnen drei Monaten eine fern' Quelle in die Stadt leite, deren Wassernöte zu bannen. T.r iaote die Treue:Tann werde ick ihm h'lfen, denn ich bin nicht Geselle und nicht Gehilfe!" Sie gruben Tag unb Nächst ein neues Betch und zur letzten Frist sprudelte der Bach in die Stadt, uno die Glocken lauteten den Vereinten .... Grab- geiang. Erschöpfung bereitete ihnen jähen Dod. Ter Bürgermeister aber erlag einem Schlaginfftl, und ber Bach, der den Namen Liebebach erhielt, sprudelt noch, und ein Brunnendenkmal erhält die Sage den Nachwelten. Ävlckst Festspiele, die ganz: Gegenden einen unb lehren, in der Heimat Ge- fchichtsspiegel zu sehen, mögen Vorbilder sein. Sie helfen mit, Gegensätze zu überbrückm, unterhalten und belehren unb vertiefen di: Liebe zur engeren Heimat, letten über zur Neufsstigung der Liebe zum großen Vaterlande.

* WagnersParzifal" mit ameri - lanischem Text. Unter denNovitäten", die von Nennvrker Blättern für die kommende Spiel­zeit der Nenyorler Metropolitan-Oper angekündigt werden, befindet sich auch WagnersParzifal", dermit einem neuen englischen Libretto" ge­geben werden soll, das von dem Musikschrift­steller H. E. Krehbiel verfaßt ist. Der Schwaneu- gesang des Bayreuther Meisters wird in dieser Verballhornung neben LeoncavallosZaza" und einer neuen Oper des französischen Komponisten Albert Wolfs gegeben werden, deren Text Maetec-

** Speisewagen im Winter fahr- plan. Der Betrieb von Speisewagen ist belannt- litfi negen des Mangels an Kohlen und Lokomo­tiven erheblich eingeschränkt. Es ist dies überall geschehen, wo es die Rücksicht auf die Bewältigung des übrigen Verkehrs erfordert. Nur wo die Be­triebslage es gestattet, werden noch SpeisenoagOi geführt. s)Jlan hat diese vor allen auch deshalb bei- bel-alten, um den Angestellten der Speisewvgeit- betriebe ihr Brot nicht zu nehmen. So sind auch wieder int Wintersahrplan eine beschränkte Reihe von Speisewagen vorgesehnt. Sie können gefahren werden, wenn unb so lange nickst weitere Einschrän­kungen notweitdig werden. Tie Wagen sind vor­gesehen im Verkehr von Berlin mit Hannooer, Düsseldorf, Cöln, Cassel, München, Breslau. Mys- lowitz und Wirballen, ferner zwischen Hamburg und Frankfurt, Frankfurt unb Leipzig, Leipzig und Cöln, Hannover unb Dresden.

* Das Anlagenkonzert der Re­gimentsmusik des Reichswehr-Jnfanterie-Re- giments Nr. 36 (Obermusikmeister Löber) fällt morgen aus.

** G e m e i n d e st e u e r z a h l u n g. Unter den heutigen Bekanntmachungen der Stadt Äießen befindet sich auch die Mahnung »der drei ersten Steuerziele und Kanalgebühren für das Rechnungsjahr 1919. Die Zahlung der Abgabe kann noch bis cinschl. 18. Oktober d. bei der Stadtkasse oder auf deren Postscheck­oder Bankkonto erfolgen. Nach Ablauf dieser Frist beginnt die Beitreibung, wodurch Psän- dungskosten entstehen und erhoben werden.

* Oeffentliche B ü,ch erhalle. Im Septentber wurden 1652 Bände ausgegeben. Da­von tonrmen aus: Erzählende Literatur 985, Zeit- l'cbriiien 88, Jugendschriften 118, Literaturgeschichte 20, Gedichte unb Dramen 35, Länder- und Völker­kunde 45, Kulturgeschichte 34, Geschichte und Bio­graphien 68, .Kunstgeschichte 16, Naturwissenschaft unb Technologie 93, Haus- und Landwirtschaft 9, Gesimdheitslehre 15, Religion unb Philosophie 39, Staatswisseusckmft 18, Sprachwissenschaft 23, Fremdsprachliches 46 Bänd?. Nach auswärts kamen

Nun?" &

Evelyn ist dagegen. ^d> bin überzeugt, datz öwe Tante Ada gleich anfangs thr die klemlrst^. Idee in den Kopf gesetzt hat, ste must: sich vor dir ihrer bescheidenen Berhältnts,e wegen schämen. Nun ist sie fest überzeugt, daß sie memethalben nur einerstandesgemäßen Hoch zett' btier alberne Ausdruck stammt von Tante Ada be­stehen müsse."

'Ja, wo soll denn die Hochzeit dann ftalt- finden? Bei dieser Tante Ada in Wtener- Neustadt?"

Rein, sie haben die gräßliche Jk^?. gefaßt, eine .Hochzeit int Hotel zu veranstalten. Mit vt'len Gästen, feierlicher Versammlung tm Hotelfal.m, Ausiahrt in Automobilen und nachfolgendem iuter int Hotel!"

Unb du hast eingeivilligt?"

Noch nicht. Ich hoffe im stillen immer noch, es wird mir gelingen, Evelyn zu meiner UMtast z-l bekehren, daß nämlich die Hochzeit _

aemäß" ist Anfangs dachte ich an Millner^ S?cliebt io ftbr - aber bn arme

Beate ist nun schwer krank und wird nach ihrcr Genesung für längere Zeit nach b3n Süden ntuyen. Damit ist es also nichts. Und Tante Kammel-.'berg findet es für gut, gerade jetzt zu verretfen.

Tie Gräfin lächelte.

Nun, laß nur, mein Junge. Wir werben dies alles schon irgenbnne passend arrangieren- doch qnt, daß ich meiner Neugier plgte unb lMkam. Ich habe auch so allerlei Pläne tm Kopf, die ich nackl"'r mit dir besprechen will. Erst ober wollen wir nun essen; denn ich bin schon ganz schwach vor Hunger. Tu müßt wissen, daß uh mir gar nicht mehr Zeit nahm, in Nettem gg Mittag zu en en und

Au- Stadt «nd Land.

Gießen, den 4. Okt. 1919.

Die neuen Telegraphengebühren.

Die Tekegrammgebühren sind mit dem 1. Ok­tober ebenfalls erhöht worden. Der Mindestbetrag für ein gewöhnliches Telegramm beträgt im Orts­verkehr 80 Pf., sonst nach dem Jnlande wie nach dem Ausland 1 Mk. Das Wort kostet am Ort 8 Pf-, nach auswärts ist Deutschland 10 Pf., Pressetelegramme die Hälfte. Eine Telegramm­adresse kostet jetzt jährlich 60 Mk. Die Aufnahme­gebühr eines Telegramms durch den Fernsprecher beträgt 2 Pf. für das Wort, mindestens 40 Pf., das Zusprechcn durch ben Fernsprecher 20 Pb, ohne Rücksicht auf die Läng?. Dringende Tele­gramme kosten im Fernverkehr das Wort 30 Pf., Mindestens 3 Mk.. am Ort 24 Pf. unb 2,40 Mk. Für -ine briefliche Empfangsanzeige sind im innern deutschen Verkehr 20 Pf. zu entrichten, nach dem Ausland 30 Pf. Die Kostengebühr für diese Deleäramme beträgt in der Regel 30 Pf. das Wort, mindestens 3 Mk. Ein Antrag auf Erstat­tung von Telegrammgebühren kostet bei Jnlands- telegrammeu 40 Pf., bei solchen nach dem Aus­land 80 Pf. In Europa kosten Telegramme das Dort nach Trutsckiöskerreich, Luxemburg unb der ksckcchvsttwalischlM Republik 10 Vf,, nach ber Schneie 30 Pf., nach Telg n und Dänemark35 Pf., iiia'i Frankreich 40 Pf., nach NorN.gen 45 Pf., nach Italien und Jugoslawien 50 Pf., nach Finnland und Ungarn 55 Pf., nach Groß-Britanien 70 Pf.,

Arbeitrlosigieit in der TabaNndustrie.

Auf eine Anftage des Abg. Kiel hat das Landes-Arbeits- unb Wirtschaftsamt an den Prä­sidenten der Volkskammer nachftehende Antwort gerichtet:

Wir haben nach Eingang des Antrages Kiel sofort die Kreisämter angewiesen, der drohenden Arbeitslosigkeft in der Tabakindustrie in Ver­bindung mit den Arbeitsnachweisen mit allen Mit­teln zu begegnen. Insbesondere haben wir auf etwaige Einführung von Notstandsarbeiten urtb auf rechtzeitige Gewährung der Erwerbslosenuntin:- fl Übungen auimerti'am gemacht. Um uns ein Bild über die Lage des Arbeitsmarktes in der Tabak- iubuitrie zu schaffen, haben wir die Kreis- ämter zu entsprechendem Berichte aufgefordert: diese sind nunmehr, bis auf denjenigen des Kreis­amts Heppenheim, sämtlich eingegangen. Kurze Lluszüge lassen wir nachstehend folgen.

Kreisamt Gießen: Im Monat Juli sind zwischen 600800 Arbeiter und Arbeiterin­nen emerbslos geworden. Ta diese Arbeiter zum größten Teil auf dem Lande wohnen, schaffen dieselben teils in eigener Wirtschaft, teils werden sie in Notstandsarbeiten beschäftigt, teils erhalten sie Erwerbslosenunterstützung. Die Unterbringung von Tabakarbeiterinnen in Tienftbotenstellen be­gegnet großen Schwierigkeiten, da sie nur Arbeiten annehmen wollen, bei denen sw abends nach ihrem Wohnort zurückkehren können.

Kreisamt Ofsenbach: Mttte Juli ivaren dort 3/U arbeitslose Arbeiter gemeldet, die die zustehende Erwerbslosenunterstützung beziehen. Von dem ftäotischen Arbeitsamt sind Verhandlungen mit der Landwirtschaftslammer für Mecklenburg- Schwerin ein geleitet worden, um arbeitslose Frauen und MüdchM aus bet Offenbacher Gegend auf den bärtigen Gütern zu beschäftigen.

Kreisamt Bensheim: In Lorsch muß­ten einige kleine Tabakfabriken wegen Mangel an Rohtabak ihren Betrieb einstellen, wodurch 36 Ar­beiter brotlos wurden. Die übrigen Fabriken hatten bzw. haben teils noch bis Anfang ds. Mts., teils bis Ende ds. Mts. Material.

Kreisamt Darmstadt: Tie früher in Darmstadt vorhanden gewesenen Zigarrensabriken haben ihren Betrieb schon seit längerer Zeit still­gelegt. Die ehemals beschäftigten Arbeiter sind in anderen Industriezweigen aufgegangen. Die Lage der Tabakindustrie in Pfungstadt hat sich deratt verbessert, daß nunmehr wieder 6 Stunden statt 4 Stimdcn täglich gearbeitet werden kann.

Kreisamt Mainz: Im Kreise Mainz be­findet sieh nur eine Zigarrenfabrik, bei der Mitte Juli noch 45 Arbeiter beschäftigt waren. Die Firma hatte zu diesem Zeitpimkt noch für einige Wochen Rohmaterial.

Nach einer kürzlichen Mitteilung der Deutschen Tabakhandels-Gesellschaft Bremen ist mit einer Verteilung von Rohtabak gegen Ende ds. Mts. oder Anfang des nächsten zu rechnen. Auch wird unserer Auficht nach die Aushebung der Blockade .günstige Wirkimgen auf die Belebung der Tabak­industrie äußern. Wir glauben daher, daß sich die Veihältnisse in der Tabakindustrie demnächst wieder besser gestalten werden.

16 Bände. .

** Auch neue Gebühren sur Pakete und Postanweisungen nach dem Aus­land. Tie Olebübren für Postpakete nack dem Ausland werden ebenso wie die inländisckkil nn 1. Oktober erhöht. Als Postpakete gelten hier nur solchie bis zum Getvichc von 5 Kg. Die tnlaiimiriien (Sätze werden in der Fern- wie in der Nahzone nad.i Luxemburg angewandt. Tie Ferngebühr von 1,25 Mark wird auf alle Entsermmgen nach Teutsch- öfterreid' und der Tlchnhosl'owakiscknn Republik erhoben. Pakete nach Dänemark mit Grönland, den Niederlanden und der Schweiz kosten 1,60 Mk., Nach Norwegen 2,80 Mk., nach Schweden, Gcvn- britaunien und Irland 3,20 Mk., nach Finnland über Saßnitz 3,60 Mk., über Tänemark 4 Mk. Nack den Vereinigten Staaten von Amerika kosten jetzt Pakete bis 2 Kg. 5,50 Mk., 3 Kg. 6,50 Mk., 4 Kg. 7,50 Mk., 5 Kg. 8,50 Mk. Sie gehen von Hamburg unmittelbar. Nachnahmen sind zulässig mit Ausnahme von Tentschösterreich, der Tschecho- slonakisckch-i Republik, Luxemburg, Finnland,Groß­britannien und Irland und den Bereinigiten Staa­ten. Für Postftachitstücke wird auf der deutschen Strecke die inländische Gebühr erhoben. Nach dem übrigen Ausland sind Pakete mxfj nicht zulässig. Postanweisungen Losten nach Tentschösterreich bis 5 Mk. 20 Pf., bis 100 Mk. 40 Pf., nach Däne­mark mit Färöer und Island 10 Pf. für je 20 Mk., mindestens 20 Pf., nach Ungarn, den Niederlanden, Norwegen, Schwan und der Schweiz 20 Pf

Ich dachte auch schon daran, Mama," ant­wortete er dann zögernd.Du weißt, wie s'hrich Rettenegg liebe das Landlebm überbauet! Aber Evelyn meint, ich sei jung unb tüchtig, und es wäre einerseits meine Pflicht, mich nicht schon jetzt auf die faule Haut zu legen, anderseits eine Sünde, meine Karriere aufzugeben."

Nun ja auch darin hat sie im Grunde ja nur Reckt. Dennoch"

Ich habe mir daher die Sache m dieser Weise zurecktgelegt: Schickt man mich an irgend­einen annehmbaren Ort, gut. Will man mich aber etwa auf den Balkan verbannen oder gar nach China schicken, wo ich mein liebes Rettenegg und dich jahrelang nicht sehen tarnt, dann reiche ich mein Gesuch um Entlassung em Um fo mehr, als mir oie steife Art, in der mein Chef meine Ber- lwimg ouhtal-nt, gar nicht gefallen bat. Es scheint/ fügte er bitter ! inzu,daß gewisse Leut: sich nicht darein finden können, mich eine Bürgerlich', bet­raten zu sehen."

Tie (ytähn streichelte beschwichtigend seine seine .Hand.Tu mußt dich iftcht ärgern darüber, Liebling Gewiß.berührt es dich peinlich, solchen Vorurteilen zu begegnen. Aber du barfft nicht vergefsen, daß sie einerseits in der Diplomatie einen gewissen praktischen Wert haben, anderstits in unseren Kreisen ^ben mit ber Muttermilch ein> gesogen werden. Tie Hmiptsächc ist ja aber dick, daß du glücklich wirst. Und nun erzähle mir von ihr von deiner Evelyn!"

(Fortsetzung folgt.)

nieder wie früher möglicki n>äre£ eine gute Be- sckasfenhcit der Kohle sicher zu ftrllen, so würde dies allein ausreick'en, um dem jetzigen Kohlen- mangel abzul>elfen.

Kreis Büdingen.

4 Orten berg, 2. Okt. Heute morgen lehrte als erster unserer Kriegsgefangenen Karl Suhl in die Heimat zurück. Ihm zu Ehren hatten die Häuser Fahnen- und Blumen- ckmuck angelegt. Als Vertreter des Volksbundes zum Sckmtz der deutsckfen Kriegsgefangenen bc* gab.it sich Pfarrer Kahn und Bahnmeister Petri bald nach Ankunft in das Haus, begrüßten den Zurückgekehrten im Namen der gmizen Gemeinde und üöerreickften mehrere Geschenke. Tas Haupt­geschenk, ein schön gerahmtes Bild des Hcimat- 'tädtchens, soll erst nach der Rückkelw aller Ge- angenen bei einem Begrüßungsabcnd übergeben werden. Suhl kam vor Jahresftist in englische Ge'angcnschaft und war zuletzt in Nordfrankreich leim Wiederaufbau der zerstörten Gebiete tätig. Als nächsten Gejmigeuen erwartet die Gemeinde H e r m a n it Fre ck>, der bereits auch schon auf deutschem Bod^n eingetroffen ist.

2$. Orten berg, 2. Okt. Von Montag den 27. bis Donnerstag den 30. Oktober findet der neithm bekannteKalten Markt" statt, im ersten Tage kommen namentlich Pferde und Fohlen, am zweiten Tage Rindvieh und Schweine zum Auftrieb, am dritten findet Krämer markt statt. Tie Plätze zu letzterem ^werden Montag den 27. Ok­tober verlost. Schon jetzt scheinen die Anmel­dungen sehr zahlreich einzulaufen.

Kreis Lauterbach.

lincksBlauem Vogel" entstammt.

* Pelze für Kinobesucher? Erneu eigenartigen Ausweg aus der drohenden Kvhlen- not des Winters kündigt ein Kino in Berlin W. seinen Besuchern an. Es will, wie gemeldet 'nxirb, ans Heeresbeständen tausend Pelze und Fuß- säcke ansck-aften und jedem Besuche gegen eine mäßige Leihgebühr, die zum Einttittspreis a< fcklaaen werden soll, zur Verfügung stellen. Auf diese Weise hat es sicherlich wenigstens eine ori> ginellc Rellame.

Büchertisch.

Wann werden die deutschen Kriegsgefangenen befreit? Die Ant­wort auf diese Frage finden wir in Jskra-Permskys BuchDas Elend in deutschen Gefangenenlagern Frankreichs", 5. Tausend, 3.50 Mk. Verlag von Otto Wigand, Leipzig. Dieses Buch des bc launten amcritanifdien Schriftstellers gehört zu den ergreifendsten Anklageschriften unserer Zeit, gegen die unmenschlich Behandlung unserer ge­fangenen Brüder. Mosaikartig reiht er Einzel­beschreibungen nebeneinander. Das Buch lieft sich so spannend wie der hinreißendste Roman. Hier spricht em Amerikaner vom deutschen Leben, das unter französischer Knute fristet. Jedes Wort eine Klage, jede Zeile eine Anklage. Das Buch zeichnet sich durch seinen erpressionisttschn Stil aus. Wort- und Bildschatz wetteifern mit Farbenpracht, Phan­tasie, Fülle und Eigenart seiner Gedanken, -sein Hilferuf befaßt sich mit den unglücklichen Kriegs­gefangenen. Diese Unglücklichen bilden eine neue Schöpfung dieses fürchterlichen Krieges, denn kein internationaler Vertrag schützt sie. Die Tendenz feines Buches ist vom Verfasser selbst in die Worte gefaßt:Ich habe japanische Menschen geseben, wie unterernährt sie sind, ich habe ab» gemagerte Inder zu Gesicht bekommen, aber noch nie habe ich solche elende, abgemagerte Gestalten gesehen, wie diese armen deutschen Kriegsgefange­nen !" Wie auch Frankreich au§ diesem Kriege herausgehen wird, es bleibt auf seiner, Trikolore das größte Schandmal unserer Zeit ausgebrannt: die barbaritoe Behandlung der deutschen Kriegs­gefangenen.800 000 Deutsche liegen in Frank­reich gefangen. Keine Maßnahmen sind getroffen worden, um sie zu befreien; heute ignoriert man sie, als seien sie gar nicht vorlfanden. Wann beginnt man mit ihrer Heimschafsimg?" Dem Autor gab Cleinenceau auf seine Frage: Wann gedenken Sie die deutschen Gefangenen freizugeben?" die Antwort:Zierst müssen wir Garantien haben! Je cl)er Deutschland die erste Rate seiner Kriegsentschädigung zahlen wird, desto eher wird es seine Gefangenen zurückerhalten!" Erst am 31. Dezember 1920 ist die erste Raten­zahlung fällig . . . Wie aber? Ist das nicht viel zu lange und viel zu unmenschlich?

Neuapostolifche Gemeinde

Gottesdienste: Sonntag nachmittag 31/? Uhr 7905_____________Mittwoch abend 8'/- Uhr._________

Stadtmisfion Gießen, Löberstt. U

Jeden Sonntag Abend 8*/2 Uhr Religiöser Vortrag

Mittwoch 8'/, Bibelstunde

Jedermann herzlich willkommen.