Nr. 252
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Erstes Blatt 169. Jahrgang Samstag, Oktober sysy
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
SwMingininddruck u, Verlag: vrähl'sche Univ..Vach- u. Steindruckerei R. Lange. Schristleituna, Seschästspelle u. Druckerei: Schulstr. r. ®ii®ee*
fiat, blättern sie in ihren Parteischmökern, I yj, HafiflfatiOlt Ö»$ ZriedeNS durch drangen fie dem Werden unb Wachsen ihre
künstliche Farbe auf. Wie kleinlich erscheint! JIUIIvh.
Wilson ernstlich erkrankt.
5',» ln, 4. Oft. (WTV.) Wie die „®o- feare Posk" meldet, ist die Krankheit Wilsonsernstec als man an g en om» men hatte. Es ist nötig, daß er sich von den Geschäften vollständig zurüätzieht. Demgemäß mußte der Empfang des belgischen Königspaares und des britischen Botschafters
Paris, 3. Oki. (WTB.) Havas. Nach dem „Echo de Paris" wurde die französische Regierung auf in R o m unternommene Schritte hin informiert, daß die italienische Regierung beschlossen habe, die Ratifikation des Friedensvertrages auf dem Wege eines königlichen Dekrets zu vollziehen.
Der Eisenbahnerstreik in England.
Versailles, 4. Oft. (WTB.) Infolge l>es englischen Eisenbahner st reiks ist der Besuch des Präsidenten Poincar6 in London verschoben worden.
Amerikanische AbänderungSanträge zum Friedensvcrtrag.
Haag, 4. Oft. (WTB.) Der „Nieuwe Courant" meldet aus Washington vom 2. Oktober: Am Donnerstag wird im Senat über 30 Abänderungsanträge zum Friedens v.ertrag verhandelt werden.
Aus dem Reiche«
Mandatsniederlegung.
Mannheim, 3.Oft. (Wolff.) Der demokratische Abgeordnete Emil Engelhard aus Mannheim, gewählt im 33. Wahlkreis (Baden), hat sein M a n d a t für die Nationalversammlung aus Gesundheitsrücksichten nie- dergelegt. An seine Stelle tritt in die Nationalversammlung der Ratsschreiber G. Leiser in Sindelsheim an der Elsenz ein.
Die Regierungsfrage in Bayern.
München, 4. Okt. (WTB.) Die wiederholten eingehenden Besprechungen zwischen den Koalitionsparteien des Landtages und der Regierung über die Regierungsfrage in Bayern haben zu dem einmütigen Ergebnis geführt, daß vor der endgültigen Lösung den beteiligten Fraktionen Gelegenheit gegeben werden müsse, die zuständigen, im Lande befindlichen Organisationen zu hören. Von diesem Vorgehen sind feste Grundlagen für die Klärung der politischen Lage zu erwarten.
Die bayerische Gesandtschaft am päpstlichen Stuhl.
München, 4. Okt. (WTB.) Amtlich wird mltgeteut, daß die bayerische Ge- .a n d t s ch a ft a m p äp ft l i ch en S t u h l be- tehen bleibt.
Die Berliner Streikbewegung.
Beerlin, 3. Oft. (WTB.) Bei den o . - . ---------------,-7— —,7~, , Straßeenansammlungen, die sich heute nach
^ord Grey auf unbestimmte Zeit verschoben Auflösung der Arbeiterversammlungen bil- lP€r^er^1 ! beten, wurde ein vom „Kommunistischen Ko-
1---- vtttee zur Förderung der Diktator des Pro-
uns z. B. der polemische Sturm, der jetzt Zwischen hessischen Ministern und Führern der deutschen Volkspartei in einem' Teil der hessischen Presse tobt. Wir haben über die Anfänge mit) Ursachen berichtet, aber es ging uns gegen den Strich, weiterhin Rede und Gegenrede in unser Blatt aufzunehmen. Das hessische Ministerium pocht auf seine Pensionsberechtigung, will, wenn es einmal von der schwankend bewegten parlamentarischen Bildfläche verschwinver, nicht für nichts und wieder nichts „regiert" haben. Das ist ganz recht und gut, aber über die Höhe der Pen- fionen und das Mindestmaß einer Regierungszeit läßt sich streiten. Der frühere Fi- nanzminister Becker tadelte den Erwerbstrieb seiner Nachfolger in den Ministerien und wurde dafür von den hinter ihrer Würdeschanze ziemlich frei hervor tretenden Ministern ebenfalls angegriffen und in seiner rheinhessischen Agitationstätigkeit Kritisiert. Es ging dann an ein Hauen und Stechen, als der junge Frattionsvorsitzende der hessischen deutschen Volkspartei, Rechtsanwalt Dingeldey, besonders den demokratischen ^Ministern, Herrn Henrich und Herrn Dr. Strecker, zu Leibe ging. Herrn Henrich wurde vorgehalten, sein Sol>n, der Assessor Henrich, sei von Protektionswegen zum Siedelunasamtmann in Starkenburg befördert worden, und Herrn Strecker macht man zum Vorwurf, daß er in den hohen Aemtern seines Kultusressorts nur seine guten Bekannten von der Partei unterbringe. „Dem Sieger die Beute", fpöttelte Dingeldey, der schwere Kanonen donnern ließ, wo vielleicht ein leichtes Kavalleriegefecht am Platze war. Heine hat aus Paris, unter dem o. Mai 1843 offen bekannt: „die Partei wird immer den Männern der Partei die große Schüssel vorsetzen", ob es Konservative oder Republikaner seien. Damals waren die freiheitlichen Regungen ein Säuseln gegen unseren heutigen Sturm, und dennoch gewahrte das scharfe Auge des Dichters etwas, worüber gewisse freiheitliche Propagandisten heute hinweg- stolpern. Herne schreibt nämlich:
„Die Saat der liberalen Prinzipien ist erst grünlich abstrakt empvrgeschossen, und das nuiß erst ruhig einivachsen in die kongret knorrigste Wirklichkeit. Das ist jetzt noch der leidige Irrtum so vieler Revolutionsmänner, welche sich einbilden, die Hauptsache sei, daß ein Fetzen Freiheit mehr oder weniger abgerissen werde von dem Purpurmantel der regierenden Macht: sie sind zufrieden, wenn nur die Ordonnanz, die irgend ein demokratisches Grundgesetz promulgiert, recht hübsch schwarz auf weiß abgedruckt steht im Moniteur."
„Grünlich abstrakt emporgeschossene Saaten" haben wir heute auch, Männer, die warten und ruhig reifen lassen können, weniger. In der guten, alten „Darmstädter Zeitung", dem „Moniteur" der Regierung, fliegen die Bomben der erwähnten Polemik umher, wächst ein abstraktes Gecanke, das den Boden der geschichtlichen Wendung mitunter verdeckt. Der „Purpucmantel der regierenden Macht" ist zwar für lange Zeit abgeschafft worden, aber man darf nicht glauben, daß der Fall, den unser Volk im Kriege getan hat, uns eine Verwandlung gebracht hätte, die eine stetige, ruhige politische Entwicklung ersetzen könnte. Besonders mit kulturpolitischen Neuerungen ollte man besonnen und maßvoll vorgehen!
wochenrkckblick.
Wir sind in den parlamentarischen Winter hineingesteuert, und für das wilde, wogende Meer, das gemeistert werden muß, find wohl alle Kapitäne, über die unsere Regierungsmehrheiten verfügen, unerfahren und unerprobt. Auch der kühne Taucher Erzberger gehört dazu. Er hat — aber da denkt man nicht an das weite Meer, sondern an die Jahrmarktsbude — große Maßregeln gegen die Kapitalflucht angekündigt, aber nichts ist geschehen, weder Notenumtausch, noch Abstempelung — nur die Valuta hat er verschlechtern helfen. Und jetzt steht er wieder auf der Bühne und läßt uns aufs Neue fühlen, welches Bettelvolk wir geworden sind. Mir rechnen, nachdem Holland uns ein wenig entgegengekommen ist — Einzelheiten wurden noch nicht verraten — mit Valutakrediten Amerikas und hoffen, daß die gemeinsamen Nöte der Völker zu finanziellen Regelungen führen, die auch denen willkommen sein werden, die, wie Erzberger sagte, am Fett ihrer «Valuta zu ersticken drohen. Die angerün- digte Konferenz besonderer Fachkenner wird hoffentlich auf eine gescheite Art und mit bestimmten Unternehmungen über diese Allgemeinheiten hinauskommen! Bis dahin stehen außerdem neue Männer neben den bisherigen auf der Kommandobrücke und am Steuer des Staatsschisfes, was wir ebenfalls begrüßen wollen, denn mit Schelten und Klagen ist nichts getan; da die Linke einmal die Geschicke des Volkes leitet, sollen auch ihre wesentlichen Kräfte, die Demo - traten, dabei beweisen, was sie vermögen. Won Herrn Schiffer als Reichsjustiz- minifter wissen wir, daß ein Besserer und Kundigerer für diesen Posten kaum gefunden werden Sonnte. Herrn Koch, dem bisherigen Oberbürgermeister von Kassel, können wir freilich keinerlei Vorschußlorbeeren spenden, und das Amt des Wiederaufbauministers ist uns einstweilen nicht viel mehr als ein finsterer, unerfreulicher Begriff. —
Ein Gefühl der Unsicherheit hatte wphl die regierenden Parteien der Sozialdemokraten und des Zentrums beschlichen. Im „Vorwärts" schimmert die Erwartung durch, mit Hilfe der Demokraten würde der Einfluß des Zentrums in kulturpolitischen Fragen mehr als bisher gebrochen werden, wohingegen die freilich auf benf rechten Flügel des Zentrums stehende „Köln. Volkszeitung" mit einiger Genugtuung die Möglichkeit erwähnt, durch das demokratische Oel könnten die ungestümen Wogen der Sozialdemokratie etwas geglättet werden. Einstweilen^ ist über das RegierungsprvgramM noch nichts herausgekommen.
Sonderlich imponierend ist das revolutionäre Zeitalter noch nicht aufgetreten. Das bezeugte uns besonders der Reichswehrminister Noske in seiner letzten Rede. Er hat den Hals voll von den „zwan- tzigjährigen Großmäulern", die ihm die Arbeit schwer und sauer werden lassen, er spricht von einem Stall, der auszumisten sei, wobei er an nichts Mouarchisttsches denkt. Ein hartes Wort, aber man kann es ihm nicht verdenken. Ganz weich wurde Noske, als er sagte, wie schön es gewesen wäre, wenn bei der Revolution wirklich ein großer Zug durch das Volk gegangen wäre, statt diese allgemeine Sucht, daran zu verdienen, sich mir davon zu bereichern. Seine Rückendeckung der „armen Frontoffiziere", die er nicht fort» schickt, wett er sie braucht, die ihm dienen, auf die e r sich verlassen kann — mag wohl manches bittere Gesühl bei den Betroffenen und Zitterten erzeugt haben. Kein Geringerer als General Ludendorff, der freilich Herrn Noske nicht zur Verfügung steht, hat in der „Deutschen Zeitung" Noskes Auf- <sajsungen mit einem Seitenblick auf den ^Bändiger der Revolution in Kiel" scharf rrittftert. Er habe die Ethik des Offiziers, feinen Idealismus, fein Pflichtgefühl, nie verstanden. „Die Bettelarmut als Binde- mtttel zwischen Offizierkorps und Regierung, die bittere Not als Zwangslage zum Gehorsam für die Männer, die in treuem Idealismus, trotz Gewissensskrupel, dem ^erlaube dienten, das ist die sozialdemo- krattsche Dankbarkeit und Lebensphilosophie, das ist die Dankbarkeit und Philosophie des Reichswehrmimsters, der für das Offizierkorps zu sorgen hat". Tas sind bittere Worte, aber fein „Unabhängiger", keine „Freiheit" wird daraufhin wohl behaupten können Ludendorff habe gegenrevolutionäre Tendenzen enthüllt. Sie werden aber fortan viel- • Acht für Herrn Noske ein menschliches Rühren verspüren. . . .
Es ist mehr oder weniger ein Kampf hegen Windmühlen^ den die Parteifana- : ttter, auf welcher Seite sie auch stehen mö^en 1 heute führen. (Statt im großen Buche des ßchicksals zu lesen, das unser Volk bettoffen
Ein AufNls an die im YcMnm stehenden Truppen.
. . B e r l i n, 3. Okt. (Wolff.) Wie die „Po- titisch-Parlamentar. Nachr." melden, wird die Reichsregierung am Samstag früh einen Aufruf an die im Baltikum stehen- den Truppen richten.
Berlin, 3. Oft. Die „B. Z." meldet: Eine Pariser „Daily Mail"-Meldung besagt, daß ein neues Ultimatum an Deutschland wegen Räumung des Baltikums, diesmal mit dreitägiger Frist, bevocstehe.
Bern, 3. Okt. (Wolff.) Ter „Temps" schreibt zu der Frage der R ä u m u n g d es B a l - tikums: Wenn hie Reicksregierung den ernsten Willen und die Machst falbe, rede weitere Zufuhr für die Armee von der Goltz zu unterbinden, dann werde diese Armee itrofyl gezwungen sein, baldigst! nach Teuts-chjland zurückzubehren. Wenn aber die teittfcfic Regierung nur Willen ohne Macht, oder Mrä,!t ohne Willen, oder wenn ,toas wahrsckein- licker ist, sie nur halben Willen oder halbe Macht habe, dann werde die Armee Goltz unter irgend nelckicn Vorwänden und Maskierungen in den bal- .tiscken Ländern bleiben. In diesem Falle hätten die Alliierten das Recht, die ihnen notwendig erscheinenden Maßnahinen gegen die deutsche Regierung zu unternehmen, der es an Aufrichtigkeit oder Autorität fehle. Die Affäre Goltz sei ein Prüfstein für den ganzen Frieden, der jetzt gemacht werde. Tie Schutz der träge mit Amettka und England seien noch nicht von militärischen Konventionen begleitet. Ter Völkerbund besitze weder Militärmacht noch habe er Einfluß auf die Streitkräfte seiner Mitglieder. Für den Schutz Frankreichs seien daher drei Garantien notwendig: In militärischer Hinsicht müsse Deutschland entwaffnet imbbie Entwaffnnirg kontrolliert Weeden, Politisch müsse Deutschland eine Demokratie werden, die man von dem preußischen Militärismns befreien müsse. Endlich müsse Deutschland von enranzipierten, durch den Sieg der Miierten vergrößerten Staaten umgeben werben, damit Deutschland feine Macht Habe, die. ihm Hilfe leisten 'mürb?, um die durch dm Fried onsvertrag von Versailles aufgettcht.'te Orb- nung umzustoßen. Tiefe bvei Garantien würden illusorisch, wenn die Armee Goltz in den baltischen Ländern bleibe. Wie könne man schließlich auch Deutschland entwaffnen, wenn in Küttand eine Armee von 60 bis 100 000 Mann stehe, ausgerüstet mit allem erforderlichen Kriegsmaterial? Man dürfe auch nicht vergessen, day Goltz mit Rußland in Verbindung stehe. Man sage, daß bedeutende russische Kräfte sich um ihn gruppierten Wenn auch der Krieg im Westen be- en''et seß in Rußland habe der Krieg zwischen den Alliierten und Deutschland niemals au'gehört. Jetzt aber, wo die Engländer Archangelsk geräumt hätten, würden die Deutschen gegen den Antibolschewisten Unterstützung leihen. Sie hoffen dadurch, sich wieder aufznrichten und die Alliierten zu verhindern, ihren Einfluß in Rußland ausz'uübcn. Sie toollen sich schließlich in Rußland eine Kundschaft bereiten. Das sei die Arbeit, die die Llrmee Goltz in beit baltischen Ländern bereiten soll. Der „Temps" fragt schließlich, was in ben baltischen Ländern geschehen solle, damit in dem Falle, daß die Armer Goltz loeg- gehe sie nicht durch die Bolschewisten ersetzt werde. Der „Temps" spricht die Ansicht aus, daß diese Gebiete von Rußland besetzt werden würden.
Die bolschewistische Krise in Polen.
A m ft e r b a m, 3. Oft. (Wolff.) Laut „Te- legraaf" meldet die „Times" ans Warschau, daß m Polen eine ernste bolsche- v istisch e Krise besteht. Die komnurnisti- chen Agitatoren machen überall für die Revolution Propaganda. Ihr Einfluß ist auch im, polnischen Heere, das bisher den Bolsche- südlich war, fühlbar. Die mächtige Sozialiftenpartei geht mit den extremen Kom- mumften zusammen.
Eine Erklärung der sozialistischen ttammersrattion Krankreichs.
Versailles, 3. Okt. (WTB.) Aus M gefangen Debatte der französischen Kammer über die Ratifizierung des Friedensvertrages verdient die Erklärung heroorgehoben zu werden, die der Slbgsordnete Ernest L a f e n t namens der sozialistischen Kammerfraktivn verlas. In dieser heißt es u. a„ Mittel- und Osteuropa bleiben die großen Unbekannten von morgen Eine Unterschrift, die von allergrößter Bedeutun-l ist, fehlt unter dem Vertrag, die Ruß, lanbs. Ohne Rußland ist es aber nicht möglich^ das Gletckigewuht Europas wiederherzustellen und Mr längere Zeit über das Sckiicksal Europas und' Astens zu verfügen. Bor den Toren Elsaß« Lothringens sei das Saar gebiet Perge walttgt worden. Unter dem Vorwande, daß das ftanzönscke industrielle Leben ohne die erfvr- berücken Kählen vernichtet werde, beraubte man 600—700000 deutscher Bürger ihver politischen Rechte u. schaffe so eine Quelle von Reibungen, btt für Frankreich nur unangenehme Folgen haben, tomtc. Durch bie Aufteilung der beut^ ' chen Kolonien, bie unter dem Deckmantel! des Mandats des Völkerbundes vollzogen werden beraube man Deutschland kostbarer Absatzquellew und der unumgänglich notwendigen Robstvffbe- zugsqucllen und zwar in demselben Augenblick, w o man alle finanziellen Hoffnungen des Friedens Vertrages auf die Entfaltung seines materiellen Auf- schwunges setze. Das sei ein schlechtes Ge- .
und eine schlechte Handlung zugleich Zum Schluß druckt die sozialistische Kammerfraktton ihr» Bedenken über den Geist aus, in dem die chaotischen schmerzlichen Anstrengungen, die bie* -^nwlratie und der Sozialismus in Deutschland und Rußland macksten, um sickji von den Fesseln de, Vergangenheit zu befreien, in hen alliierten betn auf genommen worden seien. Es sei zu be-- .sürchten, daß die gegenwärtige Politik dazu führe>p werde, überall die Reaktion zu stärken. Taher müsse dlL sozialMschje Kammerfraktivn den bürgerlichen Parteien die volle Verantwortung Mr den Frre>- densvertvag überlassen.
Paris, 3. Ott. (WTB.) Havas Die 5 3 Deputierten, die gegen den Friedens- vertrag ftimmten, umfaßen 49 Sozialisten und 4 Mitglieder verschiedener Gruppen: Franklin Bouillon und Bergeon (Radikalsozialisten, Luttew Dumont (unabhängiger Sozialist) und Marin Progressist). 73 Deputierte haben sich der Stimmen- aogabe enthalten, darunter 33 Sozialisten, 5 republikanische Sozialisten, 18 radikale Sozialisten, 2 unabhängige, 8 republikanische verschiedener Gruppen, 4 Radikale und 3 Konlervattve. 20 Deputierte waren wegen Urlaubs abwesend
Der frühere deutsche Kronprinz.
Amsterdam, 4. Oft. (WTB.) Der frühere deutsche Kronprinz reifte gestern zu einem mehrtägigen Besuche feiner E'ftern in Begleitung eines holländischen Regierungsvertteters von Wieringen nacb A m e r o n g e n. Es verlautet aus gute, Quelle, daß der Kronprinz auch im kommenden Winter auf Wieringen verbleiben wird.
Die französische Politik in den Rheinlanden.
Versailles, 2. Oft. (WTB) Mau- rice Barres verlangte gestern in der Kammer noch Maßregeln, um die Rhein- lande durch Handel- und Verkehrseinrichtungen, durch Tarife für Eisenbahnen unb Wasserwege, sowie durch ein Programm für öffentliche Arbeiten, hauptsächlich aber durch )ie Kanalisierung der Mosel und Saar, genossenschaftliche Einrichtungen, sowie Arbeiter- und soziale Gesetze Frankreich so nahe wie möglich zu bringen. Aus diesem Grunde sollten gemischte Kommis- i o n e n von Rh einländern und Franzosen eingesetzt werden. Er hoffe alsdann, >aß diese Auffassung des Friedens bei den Rheinländern und im gesamten Deutschland eine wünschenswerte Entspannung der Lage herbeiführe. Dieser Friede müsse für die beiden Völker, die Geographie und Geschichte zu Nachbarn gemacht hätte, schöpferisch fein. ।—1 Hierzu sagte oie „Henvre": Wtt dürfen also hoffen, daß die Rechts- parteeien auf die chauvinistischen und nationalisttschen Hetzkampagnen zukünfttg verzichten, die sicherlich die wünschenswerte Entspannung nicht fördern würden.


