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Ragna Svendburg.
yiontan von Anny Wothe.
MaiMruck verboten.) Fortsetzung 50.
Das toaren schwere Tage gewesen, bitter Mtoeve. Aber nachher, als der Hügel sich über Sigrid geschlossen, da war noch Schwereres an ihn herangetreten. Ragna hatte ihm eröffnet, daß sie nach Berlin zurü^ukel>ren gedenke und ihn gebeten, ihr den kleinen Sven mitzugeben.
Ta war es in seinen Augen heiß und zornig aufgel-oht und er hatte nichts weiter et nüber t als: »Nein, das.Kind bleibt in seines Vaters Hause. Hier soll es gedeihen, hier soll es Wurzel fassen, nnd nicht draußen im fernen Land."
Noch sah Sven im Geiste den todeswehen Blick m Ragnas Au gelt, als sie ihm leise sagte: „So machst du es mir immöglich, das Versprechen, das ich Sigrid gab, zu halten, du nimmst mir das Kind?"
Wie heiße Zärtlichkeit itxzr es da in ihr emporgewallt, wie .gern hätte er die ernsten, trüben Augen sonnig aufftrahlen sehen, aber er durste nicht.
^utgrgnete er, „ich bitte dich sogar, das Versprühen, das du Sigrid gabst, zu erfüllen, ja, ich tue noch mehr, ich fl-ehe dich an, verlaß meinen Jungen nicht, nimm ihn an dein reiches, liebewarnres.Herz, und gib ihm Nur einen kleinen Teil von dem, um was sein Vater nicht bitten" darf. Bleibe frier, Ragna. Hier zu sein ist dein Recht. Laß deine Heimat auch die meines Kindes sein. Sieh," fuhr er wärmer werdend fort, „ich will dir ja nie in beit Weg kommen — ich will Svendburg, "ich will mein Kind meiden, wenn du willst, Jahr und Tag, nur bleibe in Svend- frurg."
Und sie war geblieben, und er war gegangen, denn fernab voneinander, so hatte ihm Ragna be- deuttt, mußten ihre Lahnen gehen. Ragna httte die zwei Jahve, wie er aus ihren spärlichen Briefen wußte, gut ausgcnutzt. Sie hatte nicht nur sein Kind und die alte Gräfin Svendburg. die todkrank aus dem Süden damals mit ihnen heim- gekehrt, gepflegt, sondern sie hatte auch auf Svendburg redlich gearbeitet, und Blatt um Blatt war aus ihrer Feder hinausgeflattett in die Welt.
Bor entern Jahr, da hatte auch die Großmama, die in den letzten Monaten ganz gelähmt gewesen, itoc müden Augen für immer geschlossen — Ragna als ihren Schutzengel noch im Verscheiden segnend. Sven war damals weit fort in Australien gewesen. Er wußte, daß Ragna ein stilles, weltfremdes Leben ljiec geführt, nur zweimal im Jahr unterbrochen durch den Besuch von Arne Lorenzen, mit dem Ragna im eifrigen literarischen Brief- Verkehr stand. O, nne Sven diesen Menschen haßte, der ihm nie etwas zu Leide getan, und den er kaum kannte, und nun, wo er, Sven, es endlich geivagt, heimzukehren, da würde Ragna vielleicht kommen und sagen: „Meine Mission ist hier zu Ende — ich gebe nach Berlin, da erwartet mich mein eigenes Heim, meine Freunde, mnne Arbeit. Willst du dich nicht von deinem Kinde trennen, so muß es bei dir bleiben unb jch — die Fremde — muß weiter ziehen."
Sven knirschte hörbar mit den Zähnen. Etwas wie nrillke Verzweiflung flammte in ihm auf, wenn er sich vorstellte, daß Ragna allein für sich leben sollte, nicht mehr auf Svendburg, vor allen Stürmen geborgen. Ost hatte er sich das Wiedersehen mit Ragna und mit dem Kinde ausgemalt, — süß, berauschend. Er hatte sich vorgestellt, sie würde frei seiner Ankunft am Strande stehen und in ihren Augen würde es austeuchten wie Sonnenglanz, — die Liebe, die sie einst zu ihm gehabt.
Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)
Nr. 206
Donnerstag, 4. September WY
Verdienste
Hoehschulttachrichten.
= Frankfurt a. M., 2. Sept. Aus Aw regung der Universität Frankfurt nnb anderer wissenschaftlicher Institute wurde in der Gemar kung La rn m e r s pt e l bei Offenbach a. M. ein 8000 Quadratmeter grosses Gelände erworben, auf dem eine Station fürexpcrimentell» Therapte emclftet werden soll. Die Station soll ui erster Lime der Aufzucht von Kleintteren zu wisjenschastlickten VersuckZm dienen.
O Schlitz, 2. Sept. Der hieswe Turnverein veranstaltete gestern ein Schauturnen, das sich eines starken Besuchs erfreute und dem deutschen Turnen zahlreiche neue Freunde zu- führte. Neben dem Geräteturnen und den volkstümlichen Hebungen nehmen das Keulen- und Faljnenschwingen das Interesse der Zuschauer besonders in Anspruch.
Turne».
4 Bad-Nanheim, 2. Sept. Beim Feldbergturnen errang der hiesige Männerturnverein in der Oberstufe zwei 19. Preise mit 61 Punkten, der Turnverein 1860 den 20. Preis mit 60 Punkten. Der Turnverein 1860 wird zum Besten der heimkehrenden kriegsgefangenen Turner eine turnerische Wohltätigkeitsveranstaltung abhalten, in deren Mittelpunkt der Reigen „Die vier Jahreszeiten" stehen wird, der kürzuch frei einem Jamilienabend des Vereins bereits so großen Anklang gefunden hat.
r. Leihgestern, 3. Sept. Der Turner Geometer Otto Schäfer front Turnverein 1893 errang auf dem Feldbergturnen in der Oberstufe unter 648 Mitbewerbern mit 57 Punkten den 24. Preis.
vermischte».
* Sprachreinigung im Gerich ts - s aail. Es handelt sich in einer Kölner Schöffen- gerichtssache um Veruntreuung fron Gegenständen, die sich in einem Karton befanden. Nachdem immer wieder das Wort „Karton" gebraucht wurde, sagte der Vorsitzende Amtsgerichtsrat Dr. Imhoff: „Jch weiß nicht, weshalb alle Welt „Karton" sagt, wrr haben doch das wunderbare Wort „Schachtel". ^Ja," fiel der Verteidiger ein: „Dadurch könnte unter Umständen sich jemand gekränkt fühlen."
* Der Kampf um den kurzen Rock. In der Rue de la Paix, dem Pariser Mivdv- mittelpunkt, ist jetzt ein erbitterter Kanttff entbrannt, der zwischen den Schöpfern der neuesten Modelle und den ausländischen Einkäufern aus- gewehten wird. Es ist der Kampf um den kurzen Rock und den bloßen Rücken. Tie Amerikaner verlangen, daß die Röcke länger werden, und man hat sich entschließen müssen, de nfür das Ausland hesttmmten Modellen einige Zentimeter anzu- setzen. Tie für Paris bestimmten Röcke freilich bleiben so kurz wie zuvor. Rur bei den .Abend- toiletten ist man zu einer Länge zurückgekehrt, bei der der Rock den Boden berührt. Noch gröheve Proteste erregte der Rückenausschnitt, der bis zu einer geradezu Lmwahrscheinlichen Länge hinab- steigt. In diesem Punkte aber zeigten sich die französischen Modekünstler unerbittlich; sie erklärten, daß bei der geringsten Aenderung des Rücken- ausschnittes die ganze künstlerische Wirkung bei Toiletten vernichtet würde. Die neue Mode stehe und falle mit dem bloßen Rücken.
gehend Ortsanwesenden dementsprechend verbilligt zu liefern. Der Kommunalverband des Aufenthalts- orts hat nach Anweisung des Reichsernährungs- ministeriums das auf ihn entfallende Drittel des Verbilligungsaufwandes endgülttg zu tragen.
Landkreis Gießen.
r. Leihgestern, 3. Sept. Tas in hiesiger Gemarkung befindliche Ton werk Hütten- berg ist fron dem bisherigen Besitzer P. Wilhelm Wilfon zu Gießen an Herrn Krause aus W e il bürg übergegangen. Tie Kaussumme ist rncht bekannt. Tas Wett, das mit allen modernen Einrichtungen versehen ist, hat während der Kriegs- zett stillgetegen und konnte auch bis jetzt infolge Kohlenmangels den Bettiefr nach nicht wieder auf» nehnien. Tre vorhandenen Bestände an ungebrannt ten Lehm steinen find von dem Gießener Braunstein berg werk erworben und werden in diesem Zustand zum Bau von Beamtenwohnungen vettoanDt. Auch die ebenfalls hier befindliche Fabersche Ziegelei konnte ihren wahrend der Kriegsjahre sttllgelegten Betrieb ans Mangel an Kohlen bis jetzt nicht wieder aufnelftnen.
r- Lerhge ft e r n, 3. Sept. Die Getreideernte unserer Gemarkung ift nun völlig geborgen. Der Ertrag dürfte eine gute Mittelernte abgeben. Die Kartoffeln, die einen guten Ansatz hatten, leiden unter der anhaltenden Trockenheit. Ta die hiesigen Landwitte bis jetzt mit Kohlen nicht beliefert wurden, kann mit dem Drusch der Getreideernte noch nicht begonnen werden. Bis jetzt ift nur eine Dreschmaschine hier in Tätigkeit, die auf dem Gemeindedreschplatz für Kleinbauern drischt.
Starkenburg und Rheinhessen.
dta. Darmstadt, 3. Sept. Die neue Sprelzeitdes Landestbeaters wird am Sonntag, den 7. September, mit einer Aufführung fron Wagners „Meistersingern fron Nürnberg" eröffnet. Das Schauspiel beginnt seine Tätigkeit am Dienstag, den 9. September, mit her Erstausführung oon Walter Hasenclevers „Antigone". Für Mittwoch, den 10. September, sind Neueinstudierungen fron „Cavalletta rusticana" und „Bajazzo" angesetzt.
sw. Beerfelden, 3. Sept. Hier sowie in Sensfrach, Schöllenbach, Finkenbach, Falken-Gesäß und Hammelsbach zerstörte ein Hagel weiter die Hoffnungen, die man auf die reichliche Ernte gesetzt hat, vollständig. Die Hafer- und Gerften- ernte wie die Kartoffelernte ift ebenso vernichtet wie die vielversprechende Gemüse- und Obsternte.
Hesfrn-Nassau.
— Frankfurt a. M., 2. Sept. DieStadi- verordnetenversammlung bewilligte in ihrer heutigen Sitzung den Stadtverordneten eine jährliche Dienftaufwandsentschädigung von 600 Mark und eine Summe zur Beschaffung von Liebesgaben für die heimkehrenden 5000 Frankfutter Kriegsgefangenen, außerdem sollen jeder Familie eines Gefangenen 5 Zentner Holz unentgeltlich zu- gewiesen werden. Den stÄstischett Angestellten wurde die bisherige Teuerungszulage für weitere drei Monate bewilligt. Die Deckungsfrage für diese neue Millionenfrelastung soll vorläufig unberührt bleiben. Mit der Verstadtlichung einer Anzahl gemeinnütziger, aber finanziell leistungsschwacher, Vereine wird nunmehr der Anfang gemacht. Vorerst werden die Vereine für Kindergärten und Kinderhorte sozialisiert. Dem Magistrat wurde aufgegeben, weitere Vereine, die für die Verstadtlichung reif sind, namhaft zu machen.
ALrche und Schule.
X Fr an kfUrt a. M, 3. Sept. Der Evangelische Pfarrverein für Hessen hielt gestern vormittag im Hotel Metropol-Monopot seine diesjährige Hauptversammlung ab. Ter Vor- sitzcnb: De k a n I a udt - P la n i g, der aus dem besetzten Gebiet herbeigeeilt war, begrüßte die Versammlung und erstattete den Jahresbettckft, der ■ einen erfreulichen Mitgliederzuwachs des Vereins, der jetzt fast 400 Mitglieder umfaßt, feststellen kennte. Nach den üblichen Berichten des Rechners unb Schriftleiters folgte ein Vortrag des Pfarrers Schrimpf- Hirzenl.-ain über die Organisten frage. Tie Versammlung stimmte einmütig dem Standpunkt des Vortragenden zu, daß der 8 50 des Volksschulgesetzes, der seinerzeit durch den Staat und nicht durch die Kirche geschaffen sei, baldmöglichst fallen muß und auch fallen kann, fraß, die, Kirche aber durch Einrichtung von Organistenschulen für die entsprechende Heranbildung fron geeigneten Laienkräften in solchen Gemeinden zu sorgen habe, in denen der Organist auf Grund eines freien Vertrags den Organistendicnst nicht mehr übernehmen wolle ober könne. Es folgte ein Vortrag von Pfarrer Weck-Steinfurth, der die eben wieder besonders zeitgemäße Frage des Religionsunterrichtes auf Grund von neun vorliegenden Leitsätzen behandelte. Ter Vortragende setzte sich n. a. besonders mit den Forderungen von Schulrat Scherer auseinander, verlangte die Beibehaltung des konfessionellen Religions- unterrichte in der bestehenden Simultanschule, unter Ablehnung von irgend welchem Religionsersatz, ferner Fachaufsicht für den Religionsunterricht, Zuziehung einte Vertreters der Kirche für das hessische Bildungsamt, wenn anders dieses Ami wirklich ein Ministerium für Bildung, Kunst und Wissenschaft sein wolle, Reformen ffti Katechismus, Gesangbuch und Biblischen Geschichte. Leider konnte infolge der vorgeschrittenen Zeil (eilte Besprechung des Vortrags mehr stattffnden. Tie Versammlung ettlätte sich jedoch im großen und ganzen mit den Leitsätzen einverstanden und nahm eine dementsprechende Entschließung an. Um Vs3 Uhr schloß der Vorsitzende nach einem Schluß- lieb die Tagung.
und einer neuen Wirtschaft, das er ahnte, den gewaltigsten Eindruck, der sich noch vier Jahrzehirle f Väter in „Wilhelm Ateisters Wanderjahren" wiederspiegelt. „Bereick-ert mit Erfahrung und Wissen", wie in den Tag- und Jahresheften auf- zeichnet, keh ‘c er heim, und in Bettelten an das Ilmenauer Bergbauamt suchte, er sogleich feine Beobachtungen für das heimische Hüttenwesen nutzbar zu machen. Interessant genug ist der schlesische Bergbau", schrieb er an Voigt. In dem Gedicht, das er am 4. September in das Fremdenbuch der Tarnowitzer Fttedrickisgrube erntrug, nahmen ihm die Oberschlesier es freilich sehr übel, daß er sie „fern fron gebildeten Menschen" nannte. Tvch entljält es zugleich, die goldenen Motte: „Nur Verstand und Redlichkeit helfen, es führen die beiden Schlüssel zu jdglichem Schatz, welchen die Erde verwahrt."
Die Entdeckung der oberschlesischen Industrie.
Die außerordentliche Bedeutung Oberschlefterrs für das Wirtschaftslebens wird uns gegenwärtig durch die Streiks und Unruhen sowie durch die "Furcht eines möglichen Verlustes des Landes so recht vor Augen geführt. Und doch ist es noch nickst 150 Jahre her, daß man ftch der Schätze benmftt zu werden begann, die im Boden dieses bis dahin unbeachteten und verachteten Gebietes f(flimmerten, und erst seit etioa einem Jahrhundert spielt Oberschlesien im deutschen Witt-
Büchertisch.
— Philipp Krämer, Ernst Ludwig Zwingenberg. Der Roman einer Kindheit. Furche-Verlag, Berlin. Preis in Steifdeckel 3,60 Mk. '
konnten in den sieben Jahren nur 180 Wock>en arbeiten. Als bann im Jahre 1768 ergiebigere Erzlager in Oberschlesien entdeckt wurden, verbot der .König die Einfuhr fron Roheisen und Rohstahl aus Oesterreich und zehn Jahre später auch die Einfuhr des schwedischen Eisens. Tie schlesischen Hütten erhielten nun eine einheitliche Leitung. Ihr erster Organisator, der Oberforstmeister Rehbantz, hatte klagen müssen, er sei zugleich Baumeister und Ingenieur, Attillettst und Mechanckus, Schmelzer und Former, Bergmann und Kvhlenschwehler in einer Person. Sein Nachfolger, der hochverbiente Graf Reden, an den freute noch die dankbare Eriimerung in Ofrerschle- sien wach ift, wurde als Direktor des Breslauer Bergamtes der Bahnbrecher für die neue Industrie. Das alte Dorutteil gegen die Festigkeit des schle- fifefren Eisens, das der Förderung hindernd ent- gegengeftanben hatte, wurde nun überwunden, und Versuche erwiesen den stauirenden Fachmännern, baß die schlesischen Barren sich schwerer zerreißen ließen, als die so viel gerühmten schwedischen. Auch die kostbaren Steinkohlenlager waren bis dahin völlig vernachlässigt worden, denn frei Dem Holzreichtum Oberschlesiens verweirdete man ferne Kohlen zur Feuerung und begnügte sich z. B. damit, aus den Plesser Steinkohlen Ruß für die Schwärzung her Wachsleinwand herzu- stellen. Noch 1786 verbrauchte man in Oberschlesien nur 50 000 Scheffel Steinkohlen, und erst der weitere Ausbau der Industrie sowie die Ver- ttngerung der Transpottkosten machten die ober- schlesische Kohle für das übrige Deutschland nutzbar. Immerhin tat schon damals der Breslauer Kammerdirektor fron Klöber den prophetischen Ausspruch, ,,die Beschaffung billiger Feuerung durch den SterTttohlenbau werde dem Lande mehr nützen, als es durch den Bau von Gold- und ©Überminen geschehen könne." Beim Tode des großen Königs waren in dem lange verachteten Oberschlesien 47 Hochöfen und 185 Eisenhämmer in Betrieb, deren Produktton auf 21819 Zentner Gußeisen, 123 840 Schmiedeeisen, 2000 Stahl und 1200 Eisenblech im Gesamtwerte von 532 000 Talern berechnet wurde.
Ten wahren Aufschwung Oberschlesiens konnte freilich erst bas Zeitatter der Dampfmaschine heran f- führen, das damals eben anbrach. Friodttch der Große hatte nvch^ kurz vor fernem Tode auf einen Bettcklt seiner nach England gesandten Techniker über James WattS Erfindung hin den Bau einer „Feuermaschiine" für die Fttedrichisgrube bei Tar- nowitz besohlen, in der die Bleisörderung Mit glänzendem Erfolge aufgauommen worden war. Diese erste TaMpsmaschine tn Deutschland wurde 1788 aufgestellt, unb zwei Jahre später frewundette sie hier Goet Heber seinem Besuch in Ofrerschlesien. 1796 erfolgte dann die Einweihung des ersten Kvkshochofens auf der Gleiwitzer Hütte, unb bannt war die Kohle erst in ihr Recht eingesetzt, konnte nun erst ihre wertezeugende Macht entfalten. In diese Frühzeit der oberschlesischen Industrie fällt die kurze Studienreise, die Goetsie mit dem Herzog unb dem Grasen flteben vom 2.—10. September 1790 unternahm. Auf den Tichter, der damals seine ganze Kraft an den Ausbau des Ilmenauer Bergwerkes setze, machtte dieses Heranwachsen einer neuen Welt
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 4. Sept. 1919.
** Amtliche Personalnachrichten. Tem Schulamtsanwärter Wilhelm R e u h l aus Gambach, Kreis Friedberg, wurde ehre Lehrerstelle an der Volksschule zu Sellnrod, Kreis Schotten, übertragen. Erledigt ist die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schstckstelle zu Her- chenhain, Kreis Schotten. Mit ifrr ift Orgr- nistendienst verbunden. Dem Inhaber der Stelle kann eilte Ortszulage bewilligt werden. Weiter ift die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulftelle zu Elbenrod, Kreis Alsfeld, erledigt. Mit der Stelle ist Organisten- und LektzoreNdicnst verbunden. Arn 29. August wurden in gleicher Trensteigenschaft der Fi-mnzamtmaun beim Finanzamt Offenbach I, Hermann Fourier, zur Zeit in Tarmstadt, an das Finanzamt Darmstadt I unb der Finanzamtmann beim Finanzamt Offenbach I, Philipp Best, an das F-inanzamt Offenbach II versetzt vom Tage ihres Dienstantritts an, dem Finanzamtmann Fritz K ü m m e l, zur Zeit in Offenbach, die Stelle eines Finanzamtmanns bei dem Finanzamt Tarmstadt I unb dem Finanzamt- mann Karl B o ck, zur Zeit in Darmstadt, die Stelle eines Finanzamttnanns bei dem Finanzamt Tarmstadt I übertragen.
** Telegrammverkehr mit dem besetzten Gebiet. Nach^ einer neueren Anordnung der französischen Besatzungsbehörde ist der Telegrammverkehr zwischen dem mrbesetz- ten Deutschland unb der französischen Besatzungs-- zone nunmehr vollständig freigegeben, doch ift die Benutzung der Vorkriegs-Ehiffresevdes noch nicht zugelassen. Tie Telegramme sind über Mainz ober Ludwigshafen (Rhein) au leiten, weil sie d-ott kontrolliert werden. Wegen derUusammen- brängung des Verkehrs auf die beiden Zrvairgs- sammelstellen muß mit Verzögerungen in der Beförderung gerechnet werden.
** Die Post gibt Kredit. Zur Förderung des bargelbl>ojen Zahlurrgsverfehrs treten im Betriebe der Post am 1. Okdsber eine Reihe von weiteren Erleichterungen ein. Der Meiftfr'trag der Wertzeichen, die vor Gutschrift der lieber» Weisung oder des Schecks perabsiolgt werden, wird von 100 auf 300 Mk. erhöht. Nachnahmesendungen können bis zu jedem für Nachnahme ^lässigen Betrag mit Ueberroeifung ober Scheck eingelöft werden. Bisher durfte dies nur bis zu 300 Mk. zu gleicher Zeit geschehen. Auch frei Postanfträgm braucht die Gutschrift nicht mehr abgekartet zu werden. Ausgenommen bleiben Postpootestauf- träge und Postaufttäge mit dem Vermerk „Sofort äurücf" usw. Ein Vorschuß als Sicherheit für gestundete Telegramm gebühren wird nicht mehr verlangt. Tie Telegramme müssen nur noch mit dem Namen ober Stempel der Firma versehen werden. Auch auf die Sicherheit für die Mindesteinnahme aus Fernsprechstellen mit Automaten kann verzichtet werden.
**Auslandslefrensmittel für Kurgäste usw. Der preußische Staatskommissar für Volksernährung! hat am lo. Juli verfügt, daß Anträgen von Kur- und Badegästen und anderen nur vorübergehend Ortsanwesenden auf Belieferung mit Auslandslebensmitteln stets stattzugeben ist, wenn aus den Abmeldebescheinigungen des Heimatsortes der Kur- unb Badegäste hervorgeht, daß sie die in Betracht kommenden AuslandslÄensmittel-Zu- ätzkarten "bei ihrer Abmeldung abgegeben haben. Diese Anordnung, die auch der Auffassung des Reichsernährungsministers entspttcht, deckt sich mit dem Grundsatz, daß der vorübergehend Orts- ann>efenbe, falls er in die Lebensmittelversorgung des Aufenthaltsortes ausgenommen ist, hinsichtlich der Zuteilung aller Lebensmittel genau so zu behandeln ift, wie der einheimische Bewohner. Die Auslandslebensmittel sind auch den nur vorüber-
schaftsleben eine Rolle. Es ist eines jener unvergänglichen Verdienste Friedrich des Großen, daß er die ungeheuren Zukunftsmöglichkeiten wenigstens ahnte, die sich in diesem entferntesten Teile der ncuenoorbenen Provinz darbst en, und so ist er zum eigentlichen Entdecker der oberschlefiscken Industrie geworben.
Die ersten ftaatlitfxm Hochöfen, die in Schlesien 1753 errichtet wurden, sollten nicht nur dazu dienen, Geschütze für den drohenden Krieg zu ver- fertigen, sondern der König erklärte gleich anfangs: „Die Wette sind nicht dazu da, um ewig Bomben zu gießen." Es sollte sogleich mit der Herstellung fron Guß- und Schmiedewaren, fron Stahl, Draht und Blech begonnen werden. Im Siebenjährigen Kriege mußten dann allerdings diese frühesten oberschlesischen Werke Munition her- ftellen, doch wurden sie wiederholt vom Feinde verwüstet, und die beiden wichtigsten Hochöfen, die oon Malapane und der Kreuzburger Hütte,
würde, alte Schranken nicht achtend, in ftam- mender Leidenschaft hervvrbrechar, und er würde die Hohe, Reine an seinem Herzen halten unb jubelnd zu ihr sprschen, loffen unb ahne Scheu: „Ragna, ich liebe dich!"
O, nur einen Moment wenigstens die Liebe in ihren Augen austeuchten sehen, nur einen Augenblick ihr bbondes Haupt, in seliger Versunkenheit an seine Brust pressen.
So hatte er geträumt, gehofft, noch während der > Uefrerffahtt hatte ein Lächeln seinen Mund getonnt, weil die Hoffnung ihm süße SBurte zu- ftüsterte, die er selbst wünschte.
Unb bann war alles so anders gekommen. Ragna hatte allewings am Strande gestanden, als ihn boS Schiff über bas Ddeer trug, aber ihre Hand hatte die des lleinen Sven, der im weißen Kleidchen wichttg ihr zur Seite trippelte, nicht losgelassen und als er mit einem Satz ans Ufer sprang, ba hatte sie das Kind hoch emporgehoben und in feine ausgebreiteten Arme gelegt. Da batte er die kleine, weiche Kindergesiatt, die sich erst fdjeu unb dann zutraulich an ihn schmiegte, fest an feine heftig pochende Brust gedrückt und Ragnas Hand hatte er nur ehrfurchtsvoll an seine Lippen gezogen, unb dann waren sie, das Kind zwischen sich, langsam zur Svendburg durch dunllen Wald emporgestiegen. Uefrer alles mögliche hatten sie den Nachmittag geplaudett, gemeinsam mit dem Kinde yttpielt, aber ein jeder hatte vermieden, tiefer liegende Fragen aufzuwerfen. Tazwischen hatte Sven heimlich sich an Ragnas Schönheit berauscht. Wie trunken waren chr oft seine Blicke gefolgt, wenn sie sich zu dem Kinde liebreich Hemieder beugte. Wie herrlich war ihre Gestalt, wie hlütensttsch ihre Wangen, wie gesponnenes Gold ihr Haar. Nur in den Augen, da lag, es zuweilen ifrie unergründliches Leid, und als hätte „Sehnsucht sie meinen gelehrt".
Unb als sie fron ter Abendtafel aufffcntben, da hatte Ragna mit fast, wie es schien, hartem Tone zu ihm gesagt: „Darf ich dich, wenn ©frtr schläft, noch einen Augenblick im Wohnzimmer sprechen?"
Er hatte wohl gesehen, wie bitter schmerzlich es da in ihren Augen aufgezuckt war, aber er hatte Lescfevregen.
Und nun stand er hier unb wartete. O. er wußte ja, was sie ihm sagen wollte, sagen mußte und doch überkam es ihn, als müßte er alles nieten treten und Ragna an sich reißen, denn es war ihm, als ginge mit Ragna fein Leben.
Grollend flog sein Blick über die Tafel. DK alte Ehaja war wohl närttsch. Was sollte der Wein, was die Blumen und die Früchte, wo es galt Abschied zu nehmen, Abschiü» fürs Leben? Wie empörend die Kerzen hell aufflackerten. War es nicht, als hielten sie Totenfeier?
Er hatte immer geglaubt und gehofft, daß der flammende Blitzstrahl, dieser einzigen, großen Leidenschaft, der in sein Herz gefallen, und den Ragna empfunden, mit ihr eng verwachsen war, daß nur ihr Zartgefühl, das Anbenfen an die geliebte Schwester sie die Scheidewand ausrichten ließ, aber seitdem er Ragna wiedergesehen, ba glaubte er nicht, daß es nur Stolz war, der sie von ihm trennte, sondern —
Er kam nicht weiter. Tie, von der sr wachend gettäumt, stand fror ihm. In der hellen Tämmerung, die trotz der brennenden Kerzen im tztemach herrschte, schimmerte ihr weißes Kleid tote Schwanen gffieder.
(Schluß folgt.)


