Montag, 4- August 1919
169. Jahrgang
Erster Blatt
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Ter Prinz erklärt weiter, er könne sich einen Ge-1 Wendel sich an die gesamte Bevölkerung des Landes
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Von einer mit den Verhältnissen in Wiesbaden auf das genaueste vertrauten, aus dem besetzten Gebiete zurückgekchrten Persön-
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Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, allster Sonn- und Feiertags.
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Berlin, 2. Aug. (Wolff.) Die Reichsregierung wird, wie wir erfahren, erst Anfang der nächsten Woche nach Berlin zurückkehren.
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kälten zu der Mistachtung der Souveränität bayerischen Volkes beigetragen zu haben.
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Rückkehr der Reichsregierung nach Berlin.
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zrankreich und der Zriedensvertrag.
Versailles, 2. Aug. (Wolff.) Ter Frie- dei-Sausschust der französischen Kammer ratifizierte gestern nachmittag den Friedens- Vertrag mit 35 gegen eine Stimme (Abg. Louis Narin) und zwei Stimmenthaltungen (Abgg. Gro- bct, Taniel-Vineent). Ter Frierensausschust besteht aus 60 Mitgliedern.
Paris, 2. Aug. (Wolff.) Havas. Tie eriebenskorninission der Kammer hat mit 34 Stimmen bei zwei Stimmentl-altungeu beschlossen, für tic Ratifikation des Fricdensvertrages einzutreten.
Amerika und der Friede.
Amsterdam, 2. Aug. (WTB.) Pressebureau Rn!io. Ter Reuyartcr „World" meloet, tast Wilson dem Senat kurz vor der Vertagung kine Botschaft übersandte, die, wie angmommen vird, oorschlägt, den Frieden mit Deutschland h.'rbeizufülwcri, ohne dast erst die Geneh- ; ntiginig des Friedensrer tragest abgewartst wird, i Ter Vl'rtagungeantrag schweb e noch, als die Dot- Maft eintraf. Sie nnrv erst heute verlesen. — Tas Blatt meldet, dieser Plan verfolge das Ziel, bie Bereinigten Staaten aus dec Verlegenheit zu ^freien, die dadurch entsteht, dast sie sich noch -'n Kriege befinden, während der übrige Teil der I tLelt den Frieden geschlossen habe. Er l»czwecke Iuch, die Lage in Europa, die nach der Ansickft es Präsidenten gefahrdrohend ist, zu festigen.
Wilson und der Völkerbund.
Amsterdam, 2. Aug. (WTB.) Der „Tele- ^aaf" schreibt: Die „Times" melden aus Vashington: Wilson beriet gestern und heute mit republikanischen Führern, die erklärten, der > Mkerbundvertrag könne nicht vorbehaltlos än- teirommen werden. Der Präsident soll geantwortet ijLben, daß es für die Alliierten ernten ' brigend sein würde, neuerlich mit Deutsch- [ 1 _mnh zu verhandeln und es zu ersuchen, s®er Abänderung zuzustimmen.
Kaiser Wilhelms II. Abstand zu nehmen.
Kronprinz Rupprecht gegen den Gerichtshof der Entente.
München, 2. Ang. (Wolff.) Die „Müw- detter Zeitung" veröffentlicht folgendes Schreiben, das der ehemalige Kronprinz Rupp- re d)t von Bayern an den Präsidenten des bayerischen Landtages gerichtet hat:
Sxrr Präsident! Bis zur Stunde toartcte 14,- auf die Einsetzung eines deutschen Staatsgericht s h 0 s e s, der die Verantwortung aller Führer des deutschen Volkes für die politische Leiwng der letzten Fahre und für die militärpolitischen Führer während des Krieges seststcllen soll. Durch die Bildung eines fotdjen deutschen Staat sgerichts- hoses wäre die Gemeinsamkeit der Verantwortung für alle deutschen Stämme und damit die innere Geschlossenheit in der Erfassung ihres einheitlichen) Schicksals aufs neue festgclcgt worden. Es ist nickst zu diesem Akte der klarer! Betonung der Volks- soirv-cränität gekommen. Tie deutsche Regierung hat sich in der traurigen Zwangslage gesehen, gemäß dem Friedensvertrag die Auslieferung aller jener Personen an die feindlichen Mächte
Aus dem besetzten Gebiet.
Der Gcßlerhut von Oestrich.
— Oestrich a. Rh., 31. Juli. Unbekannte Täter hatten kürzlich die auf dem .Hause beä fränkischen Ortskommandanten wehende Fahne durch Ucbergiesten mit Salzsäure beschädigt.. Zur Sühne für diese Tat mußte die Gemeinde binnen 24 Stunden eine neue Fahne besorgen. Unter Musik zog die ganze Besatzung vor dem Hause auf. Bürgermeister Becker mußte barhäuptig eigenhändig die Flagge hissen, und sämtliche Gemeindevertreter mußten entblößten Hauptes dem Sühneakte beiwohnen.
Amerikaner und Franzosen.
hl. Mainz, 2. Aug. Vor einigen Wochen meldeten mehrere Blätter, daß die amerikanS». schen Truppen eigene Flugzeuge verbrannt haben. Von ameribrnischen Offizieren erfährt man jetzt auch die Gründe. Wegen Mangel an Schiffsraum zum Rücktransport sollte Amerika diese Flugzeuge den Franzosen überlassen. Die Soldaten der Union sagten aber: nein, eher verbrennen wir die Flugzeuge. Und so taten sie es.
Französische Justiz.
hl. Mainz, 2. Aug. In einem einzigen Stadtteil von Mainz beffnden sich seit 3 Wochen 12 junge Leute in hast, die der Handlung des „Z op sa bsck neidens" an ehrvergessenen Frauenzimmern geübt beschuldigt werden. Tie Franzosen bezeichnen das wls ,,Sittlichkeitsver- brechen". Gegen Sittlichkeitsvergehen einzusckr eiten besitzen aber die Besatzungstruppen kein Recht, das ist Sache der Zivilbehörden. Daher gibt man neuerdings den Zopfabschnaidern die Deutung eines „Komplotts gegen die französische Arm«". Jetzt will man sogar die Bürgermeister haftbar machen, wenn sich ein solches „Komplott" bemerkbar macht.
Das Singen wieder erlaubt.
kp. h ö ch st, 2. Aug. In höchst dürfen wieder Gesangsstunden ftattfinden, aber Siebet politischen und nationalen Inhalts sind streng verboten.
Erntestreik in Rheinhessen?
hl. Worms, 2. Aug. Die landwirtschaft^ lichen Taglöhuer und Winzer Rhein-* Hessens, zum größten Teil fölitglieber des christlich-nationalen Zentralverbandes der Forst-, Sanb- und Weinbergsarbeiter Deutschlands, haben Lohnforderungen eingereicht und bie SSermitthmg des Kreisamtes Oppenheim an gerufen unb gleichzeitig die Angelegenheit dem Schlichtungsausschuß in Worms unterbreitet. Tie Mehrzahl der Arbeitgeber verhält sich den Forderungen gegenüber ablehnend. Tie Arbeiter wollen in den Ernte, streik treten, falls ihre Forderungen nicht in den nächsten Tagen bewilligt werden.
Mainzer Handküsemarkt.
dt. Mainz, 2. Ang. Ein Zeichen befferer Lebensmittelversorgung ist der Beschluß einer Anzahl Käsehändler aus Finthen, in Mainz einen regelmäßigen Handkäsemarkt zu eröffnen. Auf Verfügung des Amts für .Kriegswirtschaft ist der Höchstpreis für handkäse auf 38 Pf. festgesetzt. — In Frankfurt sind Handkäse im freien handel für 60 Pf. massenhaft zu haben.
Wohnungsenteignung für französische Offiziersfamilien.
dt. Ludwigshafen, 2. Aug. Die Wohnungsnot wird durch die Bereitstellung von 40 eingerichteten Offizierswohnungen durch die Stadt immer größer. Es kommen meist Wohnungen für verheiratete Offiziere in Betracht, die bezüglich Umfang und Ausstattung der Wohnungen nicht geringe Ansprüche stellen. Dabei Hot die Stadt, um 800 bis 1000 Familien aus Notwohnungen allmählich in menschenwürdige und hygienisch einwandfreie Raume zu bringen, Mittel zum Ausbau von zunächst 100 Mansarden usw. zu Dachwohnungen bewilligt.
fg. Höch ft a. M., 1. Aug. Die Einwohner- schaft befindet sich in großer Erregung, denn die Franzosen verlangen bis morgen
mit einem Aufruf, worin es heißt: Der regierende Rat ist in Konsequenz der mit der Entente gepflogenen Verhandlungen zurückgetreten. _ Tut Regierungsgewalt übernahmen alterprobte Führer der Arbeiter und Gewerkschaften. Jeder Arbeiterrat bleibt auf seinem Platze. Bei der Entente wurden die notwendigen Schritte im Interesse des Abschlusses eines Waffenstillstandes gemacht. Die Wiederaufrichtung des aus tausend Wunden blutenden Landes, die Schaffung des Friedens und die Sicherung der Ernährung der Bevölkerung
Prinz Heinrich an den König von England.
Hamburg. 3. Aug. (Wolff.) Die „Hamburger Nachrichten" veröffentlick-en einen offenen Brief des Prinzenheinrich an den König von England. Darin heißt es u.a.:
Da die Stimmen in der Ententepresse bezüglich der Auslieferung Kaiser Wilhelm II. nicht verstummen wollen, richte ich folgenden offenen Brief im Anschluß an meine bis heute unbeantwortet gebliebene Depesche vom 7. Juli an Eure Majestät, indem ich nochmals an das Gerechtigkeitsgefühl Eurer Majestät appelliere. Sollten sich Eure Majestät und Ihre verantwortlichen Ratgeber noch nnrklich im Unklaren befinden über die Ursache und Schuld am Weltkriege, so bitte ich zu bedenken. daß vorhandene Dokumente sowie Tatsachen zweifelsfrei darauf hindeuten, daß einzig die-englische Regierung es war, welche seit Jahren diesen Weltkrieg vorbereitete,. um Deutschland als lästigen Mitbewerber auszuschalten. daß somit diese Regierung allein die Schuld für die Entstehung d?s Krieges, sowie dessen Folgen trägt. Ich möchte noch erinnern an die Begegnung Eurer Majestät mit Sassonow im September 191- in Valmoral und an jene von Eurer Majestät bei dieser Gelegenheit gemachten Aeußerungen über das Schicksal, welches der deutschen Handels- und Kriegsmarine zu- gedacht war. Trägt somit England die haupt- jckuld an ixt Herbeiführung des furchtbarsten aller Kriege so tragen Mitschuld auch alle jene Nationen, welche sich als mit England verbündet betrachten. Wollte man in der unerhörten Forderung der Auslieferung eines Souveräns den Wunsch erblicken, der Wahrheit der Kriegsursache näherzukommen — ich vermag dies nicht — müßte man folgerichtig den Schluß ziehen, daß auch jene vor das Forum gestellt werden, die in erster Linie sich der Schuld am Kriege dringend verdächtig macksten. Dazu gehören die leitenden Stoatsmänner der britischen Regierung, sowie die der mit England verbündeten Staaten.
Internationale Sozialistcn-Konserenz.
Bern, 2. Aug. (Wolff.) Tie am Samstag in Luzern zusammen getretene internationale Sozialistenkonferenz wird voraussichtlich bis zum 10. August dauern. Die Konferenz wird sich vor allem mit folgenden zwei Fragen befassen: Jnternattonale politische Sage und Wiederherstellung der Internationale. Für beide Fragen werden Kommissionen eingesetzt, die dem Kongreß bis Mittwoch Berichte und Anfragen cinzurcichen haben. Bis jetzt sind aus folgenden Ländern Delegierte angenreldet: Groß-Brilannien, Frankreich, Holland, Dänemark, Ukraine, Tschccha-Slowakri, Georgien, Rußland, Teutsch-Oesterrrich, Deutsck>- land, Bulgarien. Italien, Luxemburg, Litauen, Schweden, Lettland, Norwegen, Portugal und Spanien.
Die neue Lage in Ungarn.
Budapest, 2. Aug. (Wolff.) Ungarisches Korr.-Bureau. In der Stadt lrerrscht musterhafte Ruhe und Ordnung. Die neue Regierung
Annahme von Anzeigen f. die -lagesnummer vis zumNackmiltag vorher oynejedeVertnndlichkett Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v.34mmBreite örrli ch 15 Pf., auswärts 18 Pi., für Reklame- anzeigen von 70 mm Breite 48 Pf. Bei Platz- Dorid)rm20°/c9Iuffd)lag. Hanptschriitleiter: Aug. Goetz. Beraukivortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Auzelgeuleil: ö. Beck; sämtlich ui Gießen
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhefftn
ZwillingrrnnbdruS u.verlag: vriihl'sche Univ.-Such- u. Steinörnderd R. Lange. 5christleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei- Schulstr. 7.
Spanien und der Völkerbund.
Madrid, 2. Aug. (WTB.) havas. Der Senat genehmigte den Entwurf, durch den sich Spanien * dem Völkerbund anschließt. Ter Minister des Aeußern legte die Rolle dar, die Spanien zufalle, welches eingeladen worden sei, im Ausschuß für den Völkerbund teilzunehmen.
Polen ratifiziert.
Paris, 2. Aug. (WTB.) Reuter. Das polnische Parlament genehmigte den Friebe nsvertrag mit Deutschland gestern mit 285 gegen 41 Stimmen. Bezüglich des Rücktritts ber Tschechio-Slowaken von ben Derhand-i hingen mit ben Polen in Krakau über das Herzogtum Teschen verlautet, daß bie Polen eine Anzahl Vorschläge machten, von denen jedoch keiner 6er Prager Regierung zusagte. Es erscheine wenig wahrscheinlich, daß bie Verhandlungen darüber •*(=> neuert w«den. Die Frage wird zweifellos vom Obersten Rat in Paris geregelt werden müssen.
Danzig.
Amsterdam, 2. 9(ug. (WTB.) Reuter meldet aus Paris: Ter Oberste Rat hat beschlossen, daß die deuts chen Truppen aus Dan- z i g zurückgezogen werden sollen. Den poluischrn Truppen wird es untersagt, Danzig zu betreten. Tas Gebiet - wird drei Abgrenzungskommiffron^n übergeben. — Tie Kommission für Lustschisfahrt hat der Konferenz Vorschläge unterbreite, nach denen ber Verkauf von Luftschiffahrtsmaterial an neutrale Länder beschränkt werden soll.
Amerikanische Kredite für Belgien.
Rotterdam, 2. Aug. (Wolff.) Laut „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet der Brüsseler „Soir", daß die belgische Negierung mit der Bank von PrerPont Morgan Besprechungen über die Beschaffung der von Belgien benötigten Kredite begann.
Der Wiederaufbau Nordfrankreichs.
Berlin, 2. Aug. (Wolff.) Amtlich. Am 30. Juli abends ist, wie schon mitgeteilt wurde, die aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammengesetzte Kommission nach Versailles abgefahren, um dort unter Leitung des Geheimrats Schmidt vom Auswärttgen Amt und von Le Suirc t*m Rrichswirtschastsministerium mit der Ententekommission die Bedingungen für die Gestellung heu t- scher Arbeiter für den Wiederaufbau Nordfrankreichs festzulegen. Erst nach dem Abschluß ber Verhandlungen und ber notwendigen Vorarbeiten kann die Entsendung von Arbeitern von Reicks wegen in Frage kommen. Es wird ausdrücklich davor gewarnt, daß Arbeiter sich fdyort jetzt von irgendwelchen Agenten für den Wiederaufbau anwerben itnb nach Frankreich schicken lassen, ba die in Versailles zu vereinbarenden Bedingungen nattirgemäß nur für solche Arbeiter Anwendung finden können, die auf Veranlassung des Deutschen Reiches für die Wiederaufbauarbeiten gewonnen werden. Zugleich wird darauf hin- gewiesen, daß Bewerbungen von Arbeitern, Architekten und Unternehmern um Beschäftigung bei den Wiederaufbauarbeiten zur Zeit zwecklos sind, und nur eine erhebliche Belastung der Behörden zur Folge haben. Sobald die Vorarbeiten abgeschlossen sind, werden die Reichsbehöckden odeS die von ihr beauftragten Stellen mit ber Werbetätigkeit einsetzen. Die Durchführung ber eigentlichen Arbeiten wirb einer besonderen, dem Rrichs- wirtschaftsministerium cmzugjiedernden Behörde unter einem Reichskommissar übertragen werden, worin den Arbeitgebern ein weitgehendes Mistbestimmungsrecht eingeräumt wird.
sind Ausgaben, welche die Regierung nur unter Aufrechterhaltung des inneren Friedens, der Ruhe und Ochnung erfolgreich lösen kann. Die Regierung erblickt in der Lösung dieser Fragen ihre ersten und wichtigsten Aufgaben. Sie bittet die gesamte Bevölkerung des Landes eindringlich, die Ruhe zu wahren und die weiteren Verfügungen her Regierung mit Vertrauen abzuwarten.
Wien, 2. Aug. (WTB.) Korr.-Bur. Vel a K h u n, der die Ausenthaltsbewilligung für Deutsch-Oesterreich erhielt, traf in Wien ein. Er wird in einem Internierungslager untergebracht werden.
Budapest, 3. Aug. (WTB.) Ung. Korr.- Bureau. Die amtliche Bezeichnung des ungarischen Staates ist: Ungarische Volksrepublik, unb bie Bezeichnung ber Regierung: Regierung deck ungarischen Volksrepublik. Sie wird eine vollstäw bige Amnestie für politische Delikte erlassen, welche während der Herrschaft der Räteregierung be* gangen worden sind.
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schen Nachrichten folgende Mitteilungen über den Zweck der Neisc Dr. Dortens: „Die Deutsche Oeffentlichkeit sollte auf die Reise Dr. Törtens nach Paris ein scharfes Auge haben, hängt doch von ihrem Ausgang mehr ab, als der Uneingeweihte ahnen kann. Dorten ist in Begleitung französischer Offiziere und dreier Persönlichkeiten feines „Kabinetts" zunächst nach Aachen gegangen und begibt sich dann nach Paris, wo er etwa acht Tage zu bleiben gedenkt. Am Niederrhein sucht Dorten zunäckift ;u erfahren, wie weit die Stimmung der Bevölkerung der Errichtung einer rheinischen Republik günstig ist. Wenn er die Gewißheit erhält, daß die Volksmeinung am Niederrhein >ich für die rheinische Republik ausspricht, wird er zu General Mangin, der zur Zeit in .Wnigsstein weilt, zurückkehren, um ihm Bericht zu erstatten.
Es wird immer offenbarer, daß Genera l M a n g i n die treibende Kraft in der rheinischen Loslöfungsbewe- gung ist, und daß er vor aAem seine schut- .ende Hand über Dorten und seine Gesinw- rningsgenossen hält. Er ist es auch, der für den Fall, daß vom Niederrhein ebenso wie bisher aus Teilen Nassaus und des Mittelrheins günstige Nachrichten hinsickitlich der sofortigen Durchführbarkeit der rheinischen Republik kommen, eine Zusammenkunft wischen Elemeuceau und Dorten in Versailles herbeizuführen gedenkt.
Mangins Sympathie für die Dortensche Republik beruht, daran kann, nach den Poli- lisch-Parlamentarischen Nachrichten, kein Zweifel sein, auf feiner N e i g ung zumKa- lholizismus. Er hat sich damit im Gegensatz zu OLerstseutnant Pinau gesetzt, xr der Auffassung ist, daß gegen die Sozialdemokratie nicht gearbeitet werden könne, und dgh die Franzosen mit den Sozialdemokraten । in Deutschland rechnen müßten, um feste Ber- bältnisfe zu fd)affen. Es sei dem General Man- Igin jetzt gelungen, feiner Auffassung zum 1 Siege zu verhelfen und Clemeneeau davon zu überzeugen, daß die rheinische Bewegung sich überwiegend auf den Katholizismus stutze, daß l Frankreich mit diesem also Hand in Hand arbeiten müsse. Sicheren Nachrichten aus Dor- | lens nächster Umgebung zufolge, wird Cle- I menceau infolgedessen and) bereit sein, Pinaud I fallen zu lassen, sobald Mangin den Nachweis I erbringt, daß die rheinische Republik mit vilfe katholischer Kreise gebildet werden könne. Die Unterredung Dortens mit Clemeneeau I soll dem Zweck dienen, die Entente zu veraiv- lassen, auf die deutschen Unterhändler und Ministerien in der Richtung zu drücken, daß rie Sperrfrist hinsichtlich der Ab- stimmung über bie politische Gestaltung de r rheinischen Lande fal- rn gelassenwird.
zuzugestehen, bie von diesen angeklagt sind, Hand-- ; Lungen gegen die Gesetze und Gebräuche des Krieges < begangen zu haben. Ich bin mir solcher Hanblun- < gen nicht bewußt. Sollte dennoch meine Aus- , lieferung begehrt werden, lege ich hiermit feier- - liehst Verwahrung ein, ein GerickF anzuerkennen, 1 xxt dem derKlägerzugleich Rich ter ist unb welches in Wirklicl^eit als Instrument der Befrie- •bigung des Rachebedürfmffes dient ober zur Osten- tation der angeblich reinen Kriegs moral unserer bisherigen Gegner. Tiefe Friedensbedingung verletzt das Selbstbeftiminungsreckt des deutschen Staates in einem wesentlichen Punkte, ein Beweis, . daß wieder einmal die mit Machtüberlegenheit . gegebene Möglichkeit, schwache Völker zu vergewaltigen, über eine internationale Rechtsidee gesiegt hat: beim ohne den klaren Willen und das zähe Festhalten an dem internationalen Selbftbeftiiw- mungsrecht in jedem Volke ist die Verwirklichung ber sittlichen, auf Rech>t unb nicht auf Gewalt begründeten Weltordnung und damit die so erstrebenswerte Versöhnung der Völker undenkbar. Die Sieger haben damit bekundet, daß sie nicht die Träger der sittlichen Idee sein wollen, sondern die Vollstrecker plutokratischer Weltge- roalt. Ich beuge mich nicht freiwillig einer solchen Tyrannei unb werde unter keinen Umständen ber Aufforderung, vor einem außerdeutschen Staatsgerichtshose Rede und Antwort zu stehen, gutwillig Folge leisten. Aber ich erkläre hiermit feierlich: Nachdem meine Erwartung auf die Einsetzung eines deutschen Staatsgeridchshofes nicht mehr erfüllbar ist, bin ich bereit, dem bayerischen Volke vor einem bayerischen Staatsge- richtshofe mich zu stellen, weil die Wahrung des vollen Selbstbestimmungsrechts und ber damit verbundenen Souveränität des bayerischen Volkes mir am Herzen liegt. Darum, Herr Präsident, überantworte ich mid) hiermit dem bayerischen Landtag, als dem derzeitigen einzigen Träger der bayerischen Staatshoheit. Sollte der bayerisdie Landtag, für den Fall, daß meine Auslieferung an einen interalliierten Gerichtshof verlangt wird, solchem Verlangen Rechnung tragen, so werde ich mich diesem Bescheide fügen, und ich bin dann wenigstens der Verant- nortung enthoben, durch mein persöllliches Ver-
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richts!-of vorstellen, zusammengesetzt aus Männern I neutraler Staaten, mit dem Sitz in Madrid, der Hauptstadt jenes Landes, das einen rechtlich denkenden Souverän besitze, der redlich bemüht gewesen sei, unbedingte Neutralität zu wahren. Der Prinz schildert bann, wie Deutschland nicht burd) bie Waffen der Entente, sondern durch „silberne Kugeln" und durch die Hungerblockade, dem humanen Werkzeug englifd)er Kriegskunst, bezwungen würbe unb wehrlos der. Rache unb Habgier der erbarmungslosen Gegner ausgeliefert sei. Deutsck)- Kanb sei schwer getroffen, aber nicht tot. Der deutsche Grift, ber zur Zeit schwer umnachtet erscheine, lebe nxiter und werbe dermaleinst! Red^en- schast von seinen Feinden fordern. Damm bitte ich, schließt der Prinz, in zwölfter Stunde nochmals, von einer Vorgeridststellung Seiner Majestät


