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Samstag, 4- Jaiiuar W

169. Zayrgang

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Der Sirtzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntag). - 2'eilcmen: vietzencr,?üniiliendlütter;

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WochtnrLWllck. I

Wir müssen uns immer mehr ans M-s sonderliche gclvühnen. Dieses Vierteljahr seit dem Ausbruch der Nevolution in Deutschland steckt voll buntfarbener Ereignisse, die indessen alle einen dumpfen, hölzernen Klang haben, ganz anders als sonst die großen lieber raschungen der Weltgeschichte. Es fehlt das' Ausgereifte; dafür stecken wir, ähnlich toie vor einiger Zeit Rußland, wie in einem polrtt- schen Treibhause. Alles geht im Geschwind­schritt: Die Demobilisierung und, wenn wir an die bevorstehende Nationalversamm­lung denken, die politische Erneuerung. Wir schrien sie herbei, weil ihre schleunige Ver­wirklichung unbedingt notwendig ist, und wir scheuen uns doch beinahe, die Nationalver­sammlung, die ein ehrwürdiges Glied unserer alten deutschen Geschichte sein soll, in einem Atem zu nennen mit den spukhaften Tumult­szenen der letzten Wochen, mit dem traurigen Wirrwarr, den wir um uns sehen. Zu viele unserer Volksgenossen gebärden sich noch, als wollten sic ihre Unreife recht erweisen, mit der sie in einigen Tagen den Gang an die Wahlurne antreten. Noch sind ja die Tage der Nadaulust und Arbeitsscheu. Längst sind die Geister zur großen Sache gerufen worden. Gras Brockdorff-Nantzau, der neue Staats­sekretär des Auswärtigen, hat mit aufrütteln- dcn Worten sein Programm verkündet; ie- doch einzelne Lagerfeuer terroristischer Gesel­len, wie in Bremen und Allenstein, lohen noch auf, und die neue Regierung der Mehrheits- sozialisteir ist bisher noch nicht zu flottem Han­deln gekommen. So sitzt der Berliner Polizei­präsident, Eichhorn, noch im Amte, von dem derVorwärts" berichtet, daß er am Weihnachtsabend an streikende Arbeiter zum Aufruhr die Waffen habe verteilen lassen. Er will nicht freiwillig zurücktreten, wie seine Couleur-Brüder in der Regierung, und er füllt die Kunstpausen der Mehrheitsgewalt­haber mit seinen! Trotze aus. Die Regierung hat auch noch nicht den Mut gefunden, die un­ter der Vorspiegelung falsck)er Tatsachen von Spartakus-Genossen erpreßien Beschlüsse des Kongresses der Arbeiter- und Soldatenrätc auf legalemLLege wieder zu beseitigen. Hin­denburg spricht zweifellos im Namen der großen Mehrheit des Heeres, wenn er die Ab­schaffung der Nangunterschiede für eine Un- nröglichkeit erklärt. Es ist eine üble Groteske, daß wir unter einem solchen geradezu bolsche­wistischen Zeichen der Zeit in die Wahlen für die Nationalversammlung eintreten sollen Die Mähler werden sich indessen verständigen und auch auf solche Zeitfragen entschlossen zu antworten wissen.

Die Vorsorge der Regierung für den Grenzschutz i m O st e n hat es bisher nur zu ungenügenden Maßregeln gebracht. Mit voller Hand wurden den Polen Zugeständnisse verteilt aber sie wollen die ganze Provinz Posen an sich reißen! Jetzt schlägt dem Kabi­nett Ebert doch vielleicht das nationale Ge­wissen. Man hört, daß es in Gemeinschaft mit dem Zentralrat über die Grenz Verteidi­gung Beratungen abhält. Ob es sich bestä­tigt, daß eine ansehnliche Truppenmacht von Freiwilligen den polnischen Eroberern nach Posen entgegengeschickt wird, bleibt abzuwar­ten. Es ist bezeichnend, daß der frühere Oberst Gädtke imVorwärts" einen Alarmrus ausstößt. Die Festung Posen liege nur noch 240 Kilometer östlich von Berlin; gehe mit ibr die ganze Provinz Posen verloren, so lägen unsere Ostgrenzen nur noch 120 Kilometer von Ber­lin ab. Das bedeute dann für Deutschlands Zukunft das gleiche, wie vor 400 Jahren die Schlacht von Tannenberg für die deutschen Or­den. Es sei die allerhöchste Zeit, daß genügend starke rrichsdeutsche Truppen nach dem Osten geschickt würden, um die Polen nicht nur wie­der zurückzudrängen, sondern ihnen auch die Mafien abzuuehmen und ihre Organisationen aufzulösen. Wir wollen hoffen, daß dieser mili­tärische Sachkundige in Berlin gehört wird!

An dem beim Jahreswechsel von der Reichs reg ierung veröffentlichten Programm über die neuen Finanzmaßnahmen und Steuern ist nicht viel auszusetzen. Auch wenn eine bürgerliche Mehrheit aus den Wahlen zur Nationalversammlung hervorgeht, wird das Steuermesser tief einschneiden müssen. Staatssekretär Schiffer würde auch in einer anderen Regierung sich nicht viel abhandeln lassen. Aber die Experimente, die die Sozial­demokratie jetzt mit stark verkürzter Arbeits­zeit, allzuweit gehender Vergesellschaftung von Betrieben usw. vornehmen möchte, werden kurze Berne haben. Da werden nationale Not­wendigkeiten milfvrechen. Auch die deutsche Ar- beit muß Riesenverluste wettmachen und neue Werte schaffen. Dem nahenden Frieden kann man nicht mit bloßen Theorien entgegengehen. Er zwingt uns, ob es ein Gewaltfriede oder ein Verständigungsfriede ist, seine Gesetze auf.

Wie auf Verabredung haben unsere Geg­

ner in unsere innere Neuordnung wenig hin­eingesprochen. Graf Brockdorff-Rantzau Hat oie törichte Unterstellung erwähnt, als sei die deutsche Revolution nurgemacht" worden, um Verpflichtungen und Verschuldungen aus­zubiegen. Auf die deutschen Wünsche in bezug auf die Wahlen in den linksrheinischen Gebie­ten hat die Entente bisher nur kurz sich ver­nehmen lassen. Die Wahlen und ihre Vorberei­tung werden, außer in Elsaß-Lotyringen, ge- 'tattet; im übrigen bleibt die Sphinx der Fremdherrschaft jenseits des Rheines stumm und unbttoeglich liegen. Wir wollen uns von den weihnachtlichen Liebenswürdigkeiten der Amerikaner in Coblenz nicht sinnlos bezau­bern lassen, denn die alsbald darauf folgende Meldung, daß vom 1. Januar ab aller Verkehr zwischen hüben und drüben-eingestellt werde und daß die ganzen Nheinlande vom übrigen Deutschland hermetisch abgesperrt würden, gibt uns ein schweres Rätsel auf. Der fran­zösische Ministerpräsident Clemenceau hat. in feiner letzten Kammerrede über seine Unterredung mit dem Präsidenten Wilson folgenden Ausspruch getan:Wilson hat mir gesagt, er werde versuchen, mich zu überzeugen, vielleicht wäre ich es aber, der ihn überzeugen würde. Nichts kann eine bessere Verständigung erhoffen lassen als diese Aeußerung." Wenn man sich vorhält, daß Clemenceau im Gegen­satz zu Wilsons Völkerbundpläne das alte System der Koalition gegen Deutschlano be­fürwortete, wobei chm die große Mehrheit der Kammer zustimmte, so muß man sich beizeiten auf eine ungünstige Konstellation hei der Frie­denskonferenz gefaßt machen. In England kann Lloyd George mit seiner Gewaltpolitik nach dem Ergebnis der Wahlen ebenfalls auf eine Mehrheit sich stützen. Clemenceau hat ferner noch geäußert, England sei mit seiner Hilfe gleich zur Stelle gewesen, während Ame­rika habe auf sich warten lassen; das müsse bei den Friedensbesprechungen zur Geltung kom­men. Man fielet, der alteTiger" fühlt sich an Englands Seite stark genug, um dem amerikanrsckien Weltfriedensrichter entgegen­zuknurren. Es kommt nur darauf an, toer de'n festeren Willen hat. Man sollte annehmen, daß die deutsche Diplomatie noch gute Trümpfe in der Hand hat, und wir sind gespannt dar­auf, wie der neue deutsche Staatssekretär des Auswärtigen sie nächstens ausspielen wird...

Lin Protest der Obersten Heeresleitung in Spaä.

Berlin, 2.Ion. Tie deutsche Waffen­still fta n d kom m i ssion teilt mit: Anläßlich der unerhörten Bergelvaltigamg, der die deutschem Truppen im Osten unterworfen werden sollen, hat nach den übereinstimmenden Kundgebuuc^n Per Reichsregierung imb der Wasfenstillsiandskoinmif- fton nunmehr auch die deutsche Oberste Heeresleitung in Spaa ausdrücklich u.a. erklären hissen: Artikel 12 und 13 des Was fen- still standsabkom mens forderten ursprünglich sofor­tige Zurückziehung der deutschen Truppen im Osten. Auf die därtsche Anregung, die ebenso im deutschen Interesse Ivie in dem der Allgemeinheit erfolgte, wurde der Wortlaut geändert. TeutsMland hatte damit nicht die Verpflichtung übernomme/r, uit Osten für Ordnung zu sorgen., sondern lediglich die Berechtigung erhalten, erst allmählich zu räu.- mcn. Tas Oberkommando der Alliierten bat offen* bar anfänglich diese Auffassung geteilt. Die von Deutschland freiwillig übernommene Aufgabe, im Osten für Ordnung zu sorgen, wurde erfüllt, so- langge kies möglich Ivar. Ter Rückmarsch wurde erst angeordnet, als sich die deutschen Truppen zu sch nach und auch zu unzuverlässig erwiesen. Die Alliierten wurden hiervon unterrickstet. Nachdem im Vertrag vereinbart war, daß die deutschen Trup­pen möglichst lange im Osten verbleiben sollten, mußte erwartet werden, daß die Alliierten, wenn sie wirklich Wert darauf legten, die kleinen Völker des stens zu schützen, die Deutschen nickst geradezu verhinderten, ihre Aufgabe durchzuführen. Dies i)t aber tatsächlich der Fall gewesen.

Die Alliierten erfroren sich jetzt zwar solida­risch mit der polnischen Regierung, sie haben aber z. B. nicht zu verlstndern versucht daß die Polen die Eisenbahnen nach Deutschland abschnitten und damit die Lebensiw'ig ichieic dstr l<utchu Trup­pen inrterbaitben. Aber wenn die Deutschen in der Ukraine kämpfen sollten, so müßten sie Waffen, Ddunrticm, Vorräte haben. Man dürste sie ihnen nickst, wie dies z. B. in Odessa geschehen ist, zum größten Teil wegnehmen. Durch ihre eigene Handnmgswei.se haben somit die Alliierten das von ihnen gewünschte Verbleiben der deutschen Truppen in den besetzten Gebieten des Ostens selbst in hohem Maße erschwert. Eindringlich wird ferner darauf hingewiesen ,daß durch die von den Alliierten anscheinend beabsichtigte entwürdigende Behandlung der deutschen Truppen die Gefahr des Bolschewismus für die östlichen ßänber außer­ordentlich gesteigert würde. Nicht zum mindesten gilt dies für Polen, wo bolschewistische Ideen weit verbreitet sind und keinen Widerstand wie in einem all liefest igtcn Staate finken.

Schließlich mu ßbrtont werden, daß die Deut­schen, die gezwungen werben würden, waffenlos das von feindlichen Agitatoren verhetzte Land, das einer straffen Ordnung zur Zeit völlig entbehrt, iU durchziehep, schutzlos zur Winterszeit, öcui Rauh

und Mord ausgesetzt wären. Die bisherigen Ersah- rrmgen reden hierin eine deutliche SMche. Es kann nickst Absicht der Alliierten sein, hier weitere Greuel hervorzurufen.

Die deutsche Oberste Heeresleitung erwartet daher daß in Anerkennung der vorgebrachten Gründe eine würdige Lösung für die Rückkehr der deutschen Truppen aus dem Osten gefunden wird.

Die Gewaltherrschaft in Allenstein.

Allenstein, 1. Ian. (WTB.) Nach derNllen- steiner Zeituna" gestaltete sich die Uebersiihrung der Leiche des am Montag bei dem blutigen Empfang des Feldartillerie-Regiments 73 gefallenen Haupt­manns Platz zum Bahnhof heute um die Mittags­stunde 3u einer stummen, aber um so eindrucksvolle­ren Kundgebung der Allensteiner Bevölkerung gegen dis in der Stadt herrschende Gewaltherrschaft. Tausende von Männern und Frauen geleiteten den Sarg durch die Straßen. Reden wurden nicht gehalten.

Die Allensteiner Verhältnisse kennzeichnet eine Erklärung des Bevollmächtigten des hiesigen Voll­zugsausschusses Referendars Döbberks, wonach die Anordnungen des Zentralrats oder des Rates der Volksbeauftragten Mr Allenstein nicht maßgebend seien. Man tue, was man für zweckmäßig halte. Ins­besondere in der Preßfreiheit werde man sich um die Politik der Zentralregierung nicht kümmern. Letzteres spiegelt sich in der hiesigen Presse wider, die über die Ereignisse keinen Bericht bringt und zwangsweise nur die Darstellung des Vollzugsausschusses veröffentlicht Die blutigen Vorgänge am Bahnhof sind noch nicht geklärt. Der Vollzugsausschuß schiebt in den Aussagen der beteiligten Dolkswehrleute die Schuld Ser Artillerie zu, die unvermittelt abgeprotzt habe. Dem widersprechen übereinstimmende Berichte von Augenzeugen. Hiernach stürmte auf die zum Einzug formierten Truppenteile plötzlich eine größere, bisher verborgen gebliebene Abteilung der Volkswehr ein, im Laufe die Gewehre ladend. Hierauf ließ der ge­fallene Hauptmann abprotzen. Die Maschinengewehre feuerten nicht. Die Schießerei entwickelte sich in dem dem Ansturm der Volkswehr folgenden Handgemenge. Die Zahl der verwundeten Artilleristen ist noch un­bekannt. Die Dolkswehr hat keine Verluste.

Znm SrrrfenthalL Radeks in Deutschland.

Berlin, 2. Jan. Aus Anlaß des unbefugten (Einbringens von Radek und Genossen nach Deutschland hat die deutsche Regierung fol­genden Funkspruch nach Moskau gerichtet: Vor einigen Tagen tst Karl Radek, der Chef der'russt- schen Propaganda, nebst einigen Genossen unter Um­gehung der Grenzkontrolle in Berlin eingetroffen. Er ist in einer Versammlung für den Bürgerkrieg in Deutschland und die Wiederaufnahme des Kampfes gegen die (Entente eingetreten. Radek und seine Ge­nossen werden die Folgen ihres unerlaubten Schrittes zu tragen haben. Die deutsche Regieruckg aber sieht sich genötigt, gegen das Eindringen der russischen 1 Vertreter nachdrücklichst Einspruch zu erheben. Das Verhalten Radeks wird sie darin bestärken, der Zu­lassung von Vertretern der russischen Sowjetregierung auch fernerhin Widerstand zu leisten.

Kümpfe in Estland.

Stockholm, 2. Ian. Amtlicher Bericht aus Est­land vorn 30. Dezember: Unsere Truppen bombar­diertem am Morgen die feindlichen Batterien des Dorfes Kolga, die zum Schweigen gebracht wurden. Kontingente landeten in Iumunde und Parispen, säuberten sie vom Feinde und brachten Gefangene ein, daruntet einen Major.

Ein bayrisch-österreichischer Zwischenfall.

München, 2. Ian. Der Minister des Aeußern Kurt Eisner teilt mit, daß vorn Ministerium des Aeußern eine Depesche an den Staatssekretär des Auswärtigen in Wien abgefanbt worden ist des In­halts: In der Nacht zum 2. Januar habe der Ge­schäftsführer des Bundes der Deutsch-Oesterreicher in München, Karl Mandel, mit Hilfe bayerischer poli­zeilicher und militärischer Wachmannschaften sowohl die österreichische Gesandtschaft und das Kon. sulat besetzt. Er - Eisner - habe noch in der Nacht persönlich die Befreiung der Gesandtschaft unter seinen Schutz gestellt. 2Begen dieser Völkerrechts­verletzung bitte er die Regierung Deutsch-Oesterreichs um Entschuldigung. Die von ihm verfügte Verhaftung Mandels sei wieder aufgehoben worden, da der bis­herige österreichische Gesandte Graf Drusselle selbst er­klärt habe, er lege auf die Verhaftung keinen Wert.

Die Berkehrssperve zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet.

Mannheim, 2. Ian. Der Rheinbrücken- verkehr zwischen Mannheim und Ludwigs­hafen ist seit 1. Januar morgens gesperrt. Die Brücke darf nur gegen Ausweis passiert werden.

Ausstand in Kopenhagen.

Kopenhagen, 3. Ian. (WB.) Havas. Die Zahl der Ausständigen wächst in beunruhigender Weise. (Es feiern gegenwärtig 55000 Mann.

Kopenhagen, 3. Jan. (WB.) Havas. Die dä­nischen Eisenbahnen verzeichnen in der Zeit vom April bis November 1918 ein Defizit von 41990000 Kronen.

Die britische Friedenödeiegation.

London, 3. Ian. (WB.) Reuter. (Eine amtliche Meldung besagt, daß die gestern in mehreren Morgen- btättern erschienene Ankündigung über die Auswahl der britischen Delegierten und beratenden Beamten zur Friedenskonferenz nicht authentisch und nicht richtig ist. Der Premierminister und das Reichskricgs- kabinctt haben noch nicht über die Zusammen­setzung der Delegation des britischen Reiches entschieden. Bis dies bestimmt ist und die Dele­gierten zusammengetreten sind, kann keine Ankündi- gunfl über bit beratenden Beamten gemacht werden.

Ein Besuch Wilson» beim Papst.

Bern, 3. Ian. Agenzia Stefan: melderi aur Rom:Corriere della Sella" vernimmt, daß Wilson den Papst und den Kardinal Gaspari am 4. Januar besuchen wird.

Rrrs dem AeZche.

Der neue KriegSmm'.fLer-

Berlin, 3. Ian. Wie derL. A." erfährt, 'st zum Nachfolger des Kriegsministers Scheuch, der den von ihm erbetenen Abschied erhalten habe, der württembergische Oberst Rheinhardt er­nannt worden. 3m Krieg war er zuletzt Chef des Stabes eines Armeeoberkommandos, bei Beginn oer Demobilvation übernahm er das neue Demobil­machungs-Departement im preußischen Kriegsmini­sterium.

Zusammenkunft der duitschen FmanzuünjsLer im Reichsschatzamt.

Berlin, 2. Januar. Der Staatssekretär des R eich s sch atz am t s hat die Chefs der einzelstaat- lichen Finanzresjorts zu einer, gemeinsamen Erörterung der schwebenden Finanzftagen auf Frniag den 10. Januar in das Reichsschatz, amt eingeladen. 3n vertraulicher Ausspache sollen insbesondere die bisherigen Maßnahmen dec Reichs- leitung und ihre Steuerpläne, das Verhältnis zwischen Reich und Einzelstaaten, die Aufgaben der Nationalversammlung und die finanzpolitischen Teile der zukünftigen Reichsversassung behandelt werden.

Vom Zentrale.

Berlin, 2. Jan. 3n der heutigen Sitzung des Zentralrates der sozialistischen Republik Deutsch­land wurde zunächst die Frage erörtert, ob eine An- zahl vom Reiche erbauter Dampfer an private Reedereien verkauft oder zum Zwecke der Gründung einer staatlichen Seefischerei zurückbehalten werden sollen. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Frage wurde eine Kommission mit der Weiterberatung be­traut. Diese hat die Aufgabe, mit dem Reichsmarine, amt in Verbindung zu treten, um geeignete Vor- chläge unterbreiten zu können. Weiter wurde be- chloffen, daß die von dem bisherigen Vollzugsrat ge. chaffenen Einrichtungen vom Zentralrat nicht über- nommen werden.

Die Agitation Barths.

Berlin, 2. Ian. (Amtlich) Der frühere Dolksbeauftragte Barth hat nach Zeitungshr. richten in einer Versammlung gesagt, während seiner Zugehörigkeit zur Regierung habe er eine Kriegs­erklärung an die russische Räterepublik verhindert - Wie Herr Barth zu dieser Aeußerung kommt, ist völlig unerklärlich, denn eine solche Kriegserklärung ist weder je beabsichtigt gewesen, noch erörtert worden.

Ein Streich der Bremer Radikalen.

.Bremen, 2. Ian. Am Sonntagmorgen zog das Infanterie-RegimentBremen" in die Stadt ein, nachdem es mit dem A.- u. S.-Rat einen Vertrag geschlossen hatte, in dem u. a. auch von der Wieder­einsetzung von Senat und Bürgerschaft nach hambur­gischem Muster die Rede war und in dem die Ver­treter des Regiments und des A.- u. S.-Rates Bremen sich einander völligen gegenseitigen Vertrauens vor- sicherten. Nach großer vaterländischer Feier auf dem Marktplatz wurde das nichtsahnende Regiment in seinem Quartier in der Schule an der Kornstraße von Marinesoldaten und bewaffneten Proleta­riern überfallen. Aus den Fenstern der Schule und im Rücken der auf dem Schulhof bereits weg­getretenen Soldaten, die auch ihre Waffen schon zur Seite gestellt hatten, drohten plötzlich mehr als tausend Geweh laufe und auch Maschinengewehre waren gegen die Soldaten in Stellung gebracht Die Vertrauens­männer des Regiments mußten sich zu einem Vertrage verstehen, nach dem die Truppe ihre Waffen ab» liefern mußte. Das Regiment war im Vertrauen auf das am Abend vorher gegebene Wort in eine wohlvorbereitete Falls gegangen.

llcdcr die Ansdrcitll-'g der Deutschen Bslköpartei gibt dieNationallib. Korrespondenz" folgende Dar. stellung: Von den alten Organisationen der National- liberalen Partei haben sich für die Deutsche Volks­partei ziemlich geschlossen erklärt die Organ: ationen in Ostp'.eußen, Teile von Westpreußen, Posen, Pom- mern, Brandenburg, Hannover, Braunschweig, 'West­falen, Hamburg^Wchleswig-Holstein, Frankfurt a.M., Hessen-Nassau und Großherzogtum Hessen. Ader auch in denjenigen Landesteilen, in denen zunächst eine Verschmelzung der Nationalliberalen mit der Demo- brauschen Partei stattfand, beginn n die de. lokrati- fegen Wellen bedeutend zurückzufluten. Im König, reich Sachsen baut sich unter Führung der Nalionai- [iberolcn Reichsvereine in Dresden die Organisation der Deutschen Dolkspartei neu auf. Auch in der Pro­vinz Sachsen ist bereits ein neues Sekretariat der Deutschen Volkspartei mit dem Sitze in Magdeburg gebildet worden. In Schlesien hat der Göilitzer Na- ilorw (liberale Verein mit dreiviertel der Anwesenden i - Anschluß an die Deutsche Volkspartei erklärt. In Ü: utiigen ist der Jenaer Verein zur Deutschen Dolks­partei 'übergegangen. Auch aus Baden und Würt­temberg gelangen zahlreiche Schreiben an die Deutsche Volkspartei, in denen geradezu die Empörung dar- über zum Ausdruck gebracht wird, h vki t Weife man die alten Grundsätze der NationalliberM nl Partei preisgegeben hätte. Von den 102 national« liberalen Reichstags- und Landtag- Abge­ordneten sind 81 zur Deutschen Volk. , rtei übergetreten.

Jllteiessen-Berttetungen deutscher Onfticic.

In Berlin hat fiel) icuter Bdcsitz des meral- leutuant? Voll l-recht einN ativnalv; r nand de u t f che r Of fi z ic r c" gebildet. Cry erstrebt den Aufbau des großdentsclren N<rti:malstaatcs, Er- faffinig der gesamten Volkstrujt für die 9taibübunq

Wehrmacht. Wieder herstelluuL der. Berchlsge,