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Ur. 28

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Erster Blatt

Montag, 3 S-ebruar <919

(69. Jahrgang

SVttlingrrund-ruck u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- u. Steinbnitferet 8. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr 7<

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Günstigere Anzeichen.

Eru Loudouer ft'orrcfponbcnt eines Rot­terdamer Blattes will erfahren Haden, daß ein bcschleuniqter Vorfriede mit Teutsch- laitd in Aussicht stehe. Schon innerhalb sechs Wocheir würde ein solcher unterzeichnet werden. Frankreich müsse von zu weit- gehenden En ffchüd i gunaSuitspachen zurück­treten. Wenn dies sich bestätigt, dürf- teir wir es als ein günstiges Wor­tzeichen betrachten. Die bisherige Be­handlung der deutscheit Wünsche llißt je­doch noch erhebliches Mißtrauen gerecht­fertigt erscheinen. Näher liegt uns an­scheinend eine glücklichere Losung der Lebensmittelfrage. - Wir verwaisen auf eine der heutigen Meldungen, wonach die Entente Sicherungen für ihre Zufuhr von Lebensmitteln verlangt, nämlich in bezug auf die Bezahlung, und worin von deutscher halbamtlicher Seite wiederum die erste Voraussetzung unterstrichen wird, unter der eine Milderung der Blockade zu erwarten steht: Arbeit, Schaffung voll Wer­ten, die wir nur durch Arbeit erzeugen können.

(Ein schneller vorsriede?

Rotterdam, 2. Febr. (WB.) Dom Nieuwe Rotterdamschen Cumrant" zufolge schreibt der Londoner Korrespondent des Manchester Guardian", es bestehe Grund zu der Annahme, daß die Alliierten mit größerer Eile auf Abschluß eines W o r f r i e d e n S m i t Deutschland hcnarb-eiten und bereit sind, viel weiter zu gehen, als bisher angenommen wurde. Er, der Korrespondent, vernehme aus guter Quelle, daß mun jetzt hofft, daß der vorläufige Friedensvertrag innerhalb sechs Wachen unterzeichnet werde. Die Girierten hätten in der Frage der Entschä- digung für Frankreich zugeftimmt, daß die ganze Frage der Vergütung der Kriegs kosten und des militärischen Schadens fallen ge­lassen und die deutsche Verantwortlichkeit auf den mutwillig angerichteten Schaden be­schränkt lverde, worunter auch die Versenkung von Schissen eingerechnet werden solle.

Die Verhandlungen in Span.

Berlin, 1. Febr. (WTB.) Sitzungsbericht bet Wafsenstillstandskommissicn in Spaa vom 31. Januar: Die englische Regierung ließ mit­teilen, daß das Schiff, das die deutschen Truppen aus O st a f r i k a zurückbringen soll, den Weg über das Kap nehmen werbe; das Schiss sei bis Zum letzten Platz besetzt. Der deutschen Kommst sion ist ein Telegramm des französischen Admirals in Odessa zugegangen, aus dem man schließen kann, daß die Alliierten bereits ihre Zustimmung zum Abtransport der deutschen Truppen im Schwarzen-Meer-Gebiet gegeben haben. Ter fran­zösische Vorsitzende teilte jedoch aus Anfrage mit. daß er noch keine Kemttnis von einem Abtransport- Vesehl habe; er werde aber sofort genauere Mit­teilungen einfordern. Deutscherseits wurde darauf­hin dringend um baldige endgültige Entscheidung der Frage gebeten. Bei dieser Gelegenheit wieder­holte die deutsche Kommission ihr Ersuchen, mit den deutschen Kriegsgefangenen in Sibirien über Japan und Amerika in Verbindung treten zu dürfen. Sie teilte mit, daß die nach Rußland entsandte deutsche Kommission für (Yesangenenfürsorge nicht nach Si- oirien gelangen formte. Infolge der völligen Un- gewißl-eit über das Schicksal dieser Kriegsgesange- nen l-errsche in Deutschland die größte Besorgnis. -Es fci daher erwünscht, daß die Alliierten zunächst den Briesverkehr mit den Gefangenen ermöglichten und ihnen Geldsendungen sowie kleinere Pakete übermittelten. Die beutfebe Kommission über­reichte' im Auftrage ber beutschen Regierung eine Note, in der es als eine Ungerechtigkeit bezeichnet wirb, haß, während in Spaa über die deutschen Veschlagnahmungen in den ehemals besetzten Gebieten verhandelt werde, gleichzeitig im Elsaß und auch in Belg ien bte G'gner dcnt- sches Eigentum besch'aruahmLN. Die Nob- bittet die Alliierten, mwerzüg.ich Delegürte mich Spaa zu entsellden, die ber<chtiAt sind, über diese Fragen zu verhandeln. Der srauzösffche Vorsitzende erklärte hierzu, seiner persönlichen Ansicht nach lixrbe ein guter Teil diese Angelegenheit bis zu den Frie densverhand lungen znrück- gestettt werden müssen. Er bemerkte außerdem, daß die sranzösisck-en Sequestratiomm in Elsaß- Lothringen vor allem Maßnahmen zur Erhaltung verlassener Güter seien. An Hand von Sengen» auSiagen legte die deutsche Komm s'ion gegen die unwürdige intb empörende Art schärfste Vern-ah- tung ein, in der die Franzosen £xe Leibes­unter s u ch u n ge n deutscher aus Elsaß-Lo.h- ringen ansgewtejeitec oder geflüchteter Frauen vornehmen. Sie pbetreichte ferner eine größere Anzahl Noten, in denen um Aoltellnng frablrcidx» Mißstände er lucht wird, die sich aus der Absper- tung M besetzten Gebietes vom unbesetzten Teil Deulschlands ergeben haben. Die franzömchc Kom­mission gab bekannt, daß die deutschen Orte Offenburg und Achern, die infolge der Be- setzu'lg des rechtsrheinischen Straßlnrrmr Brücken- kopü-s zum Teil hi die neutrale Zone fallen, nicht als zu dieser gehörig betrachtet werden; du deutschen Garliisoien ber beiden Städte brauchten daher nicht zurückg.^gcn zu werden. Aus.eure

deutsche Anfrage teilten die Franzosen mit, daß der Verkehr zwi.chm Ludwigshafen und Mann­heim mit besonderem AuKoris gestattet sei, so­weit das Wntjchaf.sieben dieser Städte es er­fordere. Deutschen Politikern, bie zum Zwecke der Wahlen oder zur Ausübung ihr s Maitoäts bas linksrheinische Gebiet le uchen müßten, ober Be- arnten, die im öffentlichen Interesse reiften, werde die Einreise erlaubt werden.

Zur Lebensmittelversorgung.

Berlin, 2. Febr. (WTB.) Wie die Waffen- stillstandslommission berichtet, hat bas Obec Kom­mando ber Alliierten am 31. Jaimar in Spaa eine Note überreich n lassen, in der im Zusammen­hang mit der Lebe ns mittel Versorgung Deut sch lands verschiedene Angaben finanzieller Art von der bcuticben Regie­rung verlangt iverden. So soll ber Kassenbcstand ber deutschen N.ichsbank und ihre Bestände an Auslandswechseln und Wertpapieren ang>?geben werden, die an neutralen Plätzen lombardiert trerben können, ebenso werden Angaben gefordert, aus denen hervor geht, in welcher SSöbc sich Werte neutraler Staaten im Besitz der deutschen Danken und sonstiger Jnsti nte und von Privatperson.cn beftnden; ferner soll berichtet werden, welche ge­setzliche Machtbefugnis die gegenwärtige d.mstckie Regienrng h-pv Jim den Belitz deutscher Staats­angehörigen in Depositen, Wertpapieren und an­deren Werten in Deutschland und in den neutralen Ländern zu Ti.ruibieren. Daran anschließend soll eine Aufstellung ber Vorräte aller Art gegeben werden, die in Deutschland für eine sofortige Ausfuhr vorbehaltlich der Billigung ber alliierten Negierungen berei'st- hen. Die Note betonte, daß alle techni'chen Anfklärmtgen über diese Punkte möglichst schnell mitgeteilt werden müßten, damit die alliierten Regierungen imb die Vereinigten S-aaten dem deutscher Ersuchen um Versorgung mit Lebensmitteln gnb Rohstoffen Nachkommen könnten.

Es ist das erste Mal, daß die Alliierten in einem offiziellen Schriftstück von der Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln und Rohstoffen sowie von der deutschen Ausfuhr sprechen, mit anderen Worten, cs gewinnt den Anschein, alS ob die Entente dem Gedanken der Auf heb ung der Blockade allmählich doch nähertreten zu müssen glaubt. Die Note beiveist aber auch zu­gleich, daß der Verband für die Werte, die er uns liefern will, unbedingte Sicherheit verlangt, b. h. er will Zahlung nicht in Reichsmark, sondern in Verteil, die wir mir durch Arbeit erzeugen können. Was wir brauchen, ist also Arbeit und nochmals Arbeit, nur so bekommen wir Lebensrnittel und Rohstoffe: mir dann ist an die Wiederaufnahme der deutschen Ausfuhr zu denken, aber dauernde Streiks und Versuche, die Ausfahrt der deutschen Schiffe zu üerlynbern, müssen uns dem Hunger- tobe entgegenführen.

(Eine Rede Lrzbergerz.

Berlin, 2. Febr. (WTB.) Staatssekretär Erzberger hielt in einer Versammlung bet Kolonialgesellschaft eine Rede, in der er u. a. sagte:Ein neues großes Blatt in der Ge- sckstchte der Völker wird aufgeschlagen; ein dauern­der Weltfriede soll vorbereitet und ein Völkerbimd aufgerichtet werben. Nach allem, was wir bis jetzt über bie Stellungnahme der Alliierten zur Kolo- brialfrage. gehört haben, liegt derzeit bie Absicht vor, Deutschland von jedem Kolonialbesitz aus- zuschließen. Man spricht Deutsch'and eine koloniale Befähigung überhaupt ab. Dabei hat Deutschland das meiste für ben Aufschluß der un­erforschten Erdteile durch Entdeckerfahrtcm getan. Die bisherigen wenigen Jahre konseguenter Kolo­nialpolitik haben dem deutschen Volke Gelegenheit geboten, ben Befähigungsnachweis für eine erfolg­reiche Kolonialpolitik zu erbringen. Alles umsonst! Die Engländer besitzen jetzt schon fünsnndzwan- zigmal so viel Koloniallanb und siebenundvierzig- mal so viel Kolonial-Eingeborene wie Deutschland vor Kriegsausbruch, bie Franzosen achtmal so viel, Koloniallanb unb achtmal so viel Kolonial- Eingeborene, und bie Portugiesen zehnmal so viel Koloniallanb und achtmal so viel Kolonial- Eingeborene wie die Deutschen! Die Deutschen sollen das Wenige, was sie hatten, verlieren, damit die Ziffern für bie Alliierten noch höher werden. Wir haben heute feine Wehr und keine Waffen, aber wir haben unser gutes altes Recht, verbrieft in neun Abkommen. Wer am Recht sich vergeht, ver­sündigt sich an ber Menschheit. Tie Alliierten haben genau so wie Deutschland bie Wilsonschen vierzehn Punkte angenommen. In Punkt 5 verlangt Wilson freie, weitherzige und unbedingt miparteiische Schlichtung aller kolonialen Ansprüche"; auf die­sem Grundsatz fand sich Deutschland auch in bet Kolonialfrage mit seinen Gegnern zusammen. Was die Alliierten aber jetzt in Paris wollen oder schon beschlossen haben, ist keine Schlichtung aller kolo­nialen Ansprüche, sondern ein M a ch t d i k t a t nur gegenüber ben beutschen Kolonien. Sie wollen nut die Schlichtung ihrer eigenen egoistischen An­sprüche ; ber Rechtsanspruch Deutschlands wird nicht einmal erwogen. Aber ein Deutschland, aller Kolonien beraubt, bringt ben Keim bes Tobes in ben Völkerbund, bevor er geboren ist. Darum muß das deutsche Volk in diesen Tagen und Wochen seine Stimme erheben; wenn cs bei den entscheidenden Vorverhandlungen nicht vertreten ist und man seine unveräußerlichen Rechte dort nicht hören will, so müssen wir hier zu Hause um so kräftiger unb ent­schiedener für diese eintreten! Präsident Wilson sieht sich einem ungeheuren Ansturm gegenüber. Wir wissen aus den Zeitungen, baß sich ein harter Kampf um bie Regelung ber Kolo­nialfrage in Paris erhoben unb baß man den Vorschlag gemacht hat, man möge ben deutschen Kolonialbesitz internationalisieren nnb dem Völkerbund zur Verwaltung unterstellen. Diese Lösung der Kölonialsrage müssen wir, .mag sie auch

noch so gut von Wilson gemeint sein, ru-nbweg ablehnen. Wenn die beutschen Kolonien inter­nationalisiert werden sollen, so kömren wir uns nur unter der Voraussetzung damit abfinben, daß der gesamte Koloniall»esiy aller Mächte internatio­nalisiert wird. Deutschland hat aber nach dem Wll- sonschn Programm ein unveräußerliches Recht auf ein eigenes, selbstä:ibiz<s Kolon ialge.iel. Man täusche sich nicht: Der Raub in Paris bringt kein Glück für bie Welt, er ist ber Raub bes Lebens bes Völkerbunbes. Darum muß unser Volk wie ein Mann sich erheben unb ehernen Protest einlegen, ben man an der Seine, an der Themse unb in Washington Höri unb beachtet!"

Au» dem Uclehe.

Das Rheinland nub die französischen Plane

Berlin, 1. Febr. (WTB.) Auf Einladunz desFrriheitsbunbes der deutschen Rheinlande" 'sanden am 30. Januar unter gewalligem Andrange der Bevölkerung von Köln zw i große Volksver-. fammlungen statt, bie von Vertretern alter Par­teien einberufen ivarcn. Aus ihnen hielt Staats­sekretär T r t m b o r n eine bc» iftert aufgenom­mene Rede, in der ansgriührt wurde, baß die Rheinland«! vor der schwersten Schicksalsfrage ihres Daseins stüiiden. Die Franzosen strebten offen bie Angliederung des ganzen linten Rhrinufers an. Der Gedanke sei unfaßbar für jeden Deutschen, der am Rhein wohne. Es sei dieser Lage gegenüber die Pflicht jedes Rheinländns, seine Treue zum Reiche zu betonen. Die Rheinlande seien ein echt deutsches Land, das wirtschaftliche Rückgrat Deutschlands. Kulturell enthielten die Kaiscrkrö- nungsstadt Aachen, das heilige Köln intb das cxd.dcirc Mainz die höchsten Güter Dmtschland-s. Würden bie französischen Anneziouspiäne durch- grführt, so luürbe für immer das Rheinland zu einer neuen Brinohung des Friedens der Welt und zu einer neuen Ursache für eine gegenseitige Völkersehde werden. Nur weirn man dem Rlxin- lanb feine Freiheit als Glied des Deutsck)en Reichs belasse könne es feine Mission erfüllen. Die Rlfeinlande wollten von dem Selbstbestim­mungsrecht der Völker Gebrauch mack-en, das auf Grml.d der Wilsonschen Grundsätze und der l-riligen Zusicherungen der Entente Deutschland ebenso zustehe wie jedem anderen Lande. Das gemeinsame Bütt, bas auf ben Schlachtfeldern vergoffen worden sei, habe die Rifeinlande unlösbar mit bem Reiche zu'ammengefchwcißt. Nach Trimborn sprachen bie Vertreter der übrigen Par- reieu. Redaltenr M eer feld lSozialdeMd?rat) be­tonte, daß gegenüber der drohenden A^nerion alle Partrigegen'ätze gurütftreten müßten. Der demokratische Redner, Justizrat Falk, betonte, UKrtu jetzt Deutschlarid das größte Unglück befallen habe, das jemals ein Volk hätte treffen können, so sei es an den Rheinländern, dieses Unglück des Kri ges mit ihren Brüd:rn zu tragen; ber Redner schloß mit bem Rufe:Sie sollen ihn nicht haben, ben freien deutschen Rhein!"

Die Versammlung nahm unter bem tosenden Beifall einer nach Tausenden zählenden Menschen­menge folgende Entschließung an:Tau­sende Rhriilländer, die im alten Gürzenich der Stadt Köln versammelt sind, bekunden den festen, nnabänd rlichm Wcklen, an bem deutschen Vater­lande festzuhalten. Die gemeinschaftliche Abstam­mung. ein gemeinschfftlich.s Kultur- unb Wirt­schaf Sieben verbi lden das rheinische Volk unlösbar mit dem gesamten deutschen Volke. Jeder Eingriff in diese Gemeinschaft bi'butct eine Vergewaltigung ferner Grundrechte, die völlige Vernichtung drs a(igetrennten Landrsteiles seiner Bevölkerung, seiner Ku'tur u ib tetier Wirtschaft. Wir Rh.i -- läicher lehren daher jede aus Abtrennung des Rheinlandes ober des linken Rh- iimsers von Deutschland g-ericktete Bestrebung mit aller Ent- fchiedeuheit ab. Niemals werden wir uns mit einer Staatsform, welche auf einer solchen Ab­trennung beruht, ab'i iben, und werl/en alle uns zu Gebote stchenden Mittel ergreifen, eine solche Ver­gewaltigung des uns nach ewigem Naturgesetz zustehenden Rech s auf Selbstbestimmung zu ver­hindern und uns selbst und unser Land dem brutschen Vaterland.' zu erbatten. Wir halten es für unsere Pflicht, biesen festen, unabänderlichen Willen mit dieser Entschließung zu bekunden und richteil an die Regierung das Ersuchen, unsere be­rechtigten Ansprüche zur Gelrung zu bringen."

Köln, 1. Febr. Im Aansasaal des hiesigen Rathmises tagte heute unter dem Vorsitz des Oberbürgermersters Aben auer eine Versamm­lung von Abgeordneten derbeutschenundber preußischen Nationalversammluitg und von Bürgermeistern aus dem beietzten rheinischen Gebiet. Adenauer entwickelte, wie bie Internationale Telegraphen-Agentur" zu mel­den rveiß, in längerem Vortrag die Größe ber annexionislijchen Gefahr für bie linlsrheiniscdn Gebiete unb erörterte die Bestrebungen zur Errich- timg einer lvestdmtfchen Republik im Rahmen brs Deutscheir Rriches. Nach eingehenden Beratun­gen der Fraktionen und eines interfraktionellen Ausschusses wurde einstimmig folgende Ent­schließung angenommen:Wir unterzeichneten Vertreter des rheinischen Volkes im besetzteir preußischen Gebiet erheben lauten, feierlichen E i n- sprach gegen die in der auÄänbischen Presse hervortreterrden Bestreburigen auf Loslösung des linken Rhrinufers ober einzelner seiner Teile oon Deutschland. Wir stützen uns auf bas in der ganzen Welt anerkannte Selbstbestimmungsrecht der Völker und verlangen, mit unseren Lanbes- genossen im Deutschen Reich vereint zu bleiben. Da die Teilun g Preußens ernstlich erwogen tvirb, übertragen wir dem von mis gewählten Ausschuß die weitere Beratung der Pläne an f Errichtung einer westbeut- f die n Republik tm Verband oes Deutfchcm R-?iches und aus dem Boden ber von der deutschen 9iationaläeriammlunfl m zchaffcndc» Veichsver-

safsung." Der Ausschuß besteht aus Oberbürger- meister Adenauer (Köln) als Vorsitzend n und aus den Abgeordneten Äaas (Trier), deß (Ahrweiler), Schmtttmann (Köln), Trimborn illnlel), Mcer!elb (Köln), Sollmaim (Köln), Falk (Köln- unb Weid­mann (Aachen).

Die RcichStreue der Pfaszer.

München, 2. Febr. (WTB.) 3m großen Saal der Universität München versammelten sich gestern gegen 1500 Pfälzer unb Pfälzerinnen ju einer fturibgebung für die Erhaltung ber Pfalz. Dr. Pfeiffer, Mitglieb ber Nationalversammlung, gab in seinen Ausführungen bekannt, baß die Franzosen wieder, wie früher so auch heute, sich anschicken, sich in ber Pfalz auf lange Jahre einzurichten. Den Ab« trennungsgelüsten, bie in ber Pfalz keinen Anklang änben, setzte der Ncbner ein starkesNein!" ent­gegen. Den mit stürmischem Beifall aufgenommene» Ausführungen bes Redners folgte die einstimmige Annahme einer Entschließung, bie sich mit bem Sinne ber Ausführungen Dr. Pfeiffers beckte.

Die Sich.rhcit

der deutschen Nationalversnmmlnnst.

Eisenach, 1. ftebr. Gegen die Regierung Ebert-Sck)ribemann richtete sich ein Beschluß der gestern hier tagenben Solbatenräte beS 11. und 15. Armeekorps, rtt bem mit 62 yget 52 Stimmen entschieden wurde, daß von ihnen der Nationalversammlung in Weimar und somit! der jetzigen Regierung kein Schutz gernährt* werde. Gleichzeitig sprach man sich gegen dis Heranziehung von Garbetruppen aus. Mm: glaubte auch, baß Halle, Gotl)a und Erfurt ben Tnippenzug nach Weimar verhindern würden. ^Die Uetermitt- lang des Beschlusses an den Oberbefehlshaber Nosk« in Berlin verhinderten Unabhängige durch Be­setzung des hiesigen Telegrapherramtes, das äugen« blicttich noch immer unter Kontrolle steht.

DerReichsanzeigeri' veröffentlicht eine Vev ordnung über die Beschränkungen des Au feilt« Halles in Weimar während der Dauer der beutschen verfassunggebenden Nationalversamm­lung. §1 besagt:Wer in bas Gebiet ber Stobt Weimar eintritt oder sich dort aufhält, ist ver­pflichtet, sich über seine Person durch! einen Paß auszuweisen, in dem ihm von ber zuständigen Be­hörde die Erlaubnis zum Eintritt unb Aufenthalt in Weimar erteilt ist. Diese Bestimmung findet keine Anwendung auf Personen, die im Gebiete der Stadt Weimar ihren Wohnsitz ober seit der Zett vor dem 20. Januar 1919 ihren gewöhnlichen Aufenthalt dort haben. Zum Gebiet ber Stadt Weimar im Srmre dieser Vorschrift gehören bie* fertigen Telle der näheren Umgebung, bie durch Verordnung des Staatssekretärs des Innern be* zeichnet werden. Ausnahmen sind vorgesehen. Ueberschreitungen werden mit Geldstrafen bis 150 Mark ober mit Hast bestraft; auch kann zwangs­weise Abschiebung erfolgen. In einer ausführlichen Anweisung des Reick)samts des Jimern wird an­gegeben, welche Kategorien von Personen von ber Beibringung eines Passes befreit finb und welche Ausweise diese zu führen haben. Zur Entsckfeidrmg über die Erteilung ber Eintritts- ober Aufenthalts­erlaubnis wirb in Weimar eine Reichsstelle, bie Fremdenstelle Weimar" errichtet. Diese Verord­nung tritt am 5. Februar in Kraft.

Berlin, 1. Februar. (W. B.). Am Dienstag vormittag 10 Uhr tritt in Weimar im Dolkshaus die Fraktion der Mehrheitssozialiften zu­sammen.

Es ist eine Verordnung erlassen worden, um un­erwünschte Elemente von Weimar fernzuhalten. Diese Verordnung wurde mit veranlaßt durch einen fparta- kistischen Putsch auf das Telegraphenamt in Eisenach.

Die Ncuorglinlsallon dts Heeres.

Berlin, 30. Fan. (WTB.) Ein vom Kriegs« Minister Reinhard und Unrerstaatssekretär Göhre unterzeichneter amtlicher Erlaß betreffend Offiziersv erwendung besagt: Besondere Umstände legen an zahlreichen Stellen des Heeres die Tätigkeit der Offiziere lahm. Die schlechten Derkehrsverhält- niffe verhindern bei den durch die Demobilmachung hervorgerufenen Verschiebungen vielfach ein schnelles Eintreffen am neuen Bestimmungsort. Ganz beson­ders aber entstehen durch Postoerzögerungen Warte Zeiten, die Offiziere zur Untätigkeit verurteilen. Schließ lich haben die aufzulösenden Kriegsformationen häufi, Offiziere und Unteroffiziere längere Zeit auf Urlaui geschickt, die abscndende Stelle ist eingegangen unb neue Befehle erreichen den Beurlaubten nicht mehr. Diese Derhältniffe bergen schwere Gefahren. Die Zeiten sind viel zu ernst, um lange Untätigkeit zu erlauben. Daher haben sämtliche am 7. Februar 1919 nicht zum Dienst bei ihren Dienststellen anwesenden Offiziere und Unteroffiziere durch Postkarte ihrer Dienststelle - oder wenn sie nach Auflösung ihrer Kriegsdienststelle ihre neue Friedensstelle noch nicht kennen - ihrem früheren Friedens-Generalkommando Wohnort und ge­gebenenfalls Urlaubsdauer zu melden. Diese Dienststellen kürzen den Urlaub nach den Erfoi der- niffen des Dienstes ab ober bestätigen ihn. Wer bis 28. Februar 1919 keine Bestätigung erhalten hat, kehrt zu seiner jetzt zuständigen Dienststelle zurück. Feder nicht aus Gesundheitsrücksichten Beurlaubte und jeder aus besonderen Umständen vorübergehend dienstfteie Offizier hat seine Kriegserfahrung in einem gründlichen Bericht niederzulegcn und diesen unter deutlicher Namens- und kurzer Inhaltsangabe bem Generalstabe des Feldheeres Kriegsgesch chtljchen Abteilung einzusenden. Die Generalkommandos haben sich mit allen Mitteln Uebersicht über den Be­stand an Offizieren ihrer Formaiionen und Truppen zu verschaffen, Ausgleiche im eigenen Bereiche vor­zunehmen und entbehrliche Offiziere summarisch, ge­trennt nach Dienstgraden, dem Kriegsminislerium (Personalamt) für den Osten anzubieten.

Die Uuverlctzlichkril dkS Rechts. t

Berlin, 30. Jan Die berufenen Vertreter der deutschen Juristen, der Prästdent de» Reichsgerichts