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Ur. 204 Zweites Blatt Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheßen) Dienstag, 2. September |919

(Nachdruck verboten.)

Fortsetzung 48.

er des

SoldatencmsiMung den vielversprechendsten und umsaffendsten Moinf(rtimt^t?Izm bar, der bisher m Kanada unternommen worden ist.

RagnrS empor und küßte ihn leise auf die reine, weihe Stirn. ,^Jch danke dir," sagte sie, dann hatte sie das Zimmer verlassen.

Augenblicks, wo er seinem Weibe gegenüber treten sollte, von dem ihm heute der Arzt gesagt, daß ihre Stunden gezählt. Nagaras Tepesche, in der sre rhm ihre Ankunft mit dem Kinde anzeigte, hatte ihn aus seinem dumpfen Hin brüten aus- gerüttett. Tie Wunde an fernem Arm war leid­lich geheilt, da konnte er vielleicht einen Aus-

Und die alte Frau, die alle die selbstquäte- rrlchen Anklagen hörte, schleppte sich mit ihren mlldon, gelähmten Füßen hm zu Ragna, der sic nie mehr begegnen wollte und sagte mit müder, zitternder Stimme:

,^8erzeihe ihr, der Verirrten, die aus Liebe sündigte, während mich der Haß über die ver­raten»! Liebe zwang, den Weg der Sünde zu gchm. Das Leid, das du hier siehst, ist mein Werk. An des Lebens Scheideweg kann ich nicht melw sühnen ich mutz die ganze ungeheure Last mit nnr nehmen in das ferne unbekannte Land, von dem nM keiner wiedcrkam. Laß uns Frie­den machen, Ragna."

Tas junge Mädchen beugte sich tief über die vcmd der Großmutter und führte sie an ihre Lippen.

Wer bereut," sagte sie mild, und leuchtend ihre schönen, großen Augen auf die alte Frau rich­tend,dem wird die Schuld genommen."

3. Erhöhung der Pvst-, Telegra­phen- und Fernsprechgebühren.

Die Handelskammer nimmt einen Bericht des Syndikus über die der Nationalversammlung vom Reichspostministerium vorgelegten Gesetzcntwürfe

Kagna Svendburg

Montan von Anny W0the.

Uriegerstedlung in Kanaöa.

Die Frage dec Kriegeransiedlungen befckfäftigt Äkgenwättig alle die Staaten, die vor der Not­wendigkeit stehen, die große Zahl der entlassenen Soldaten auf eine für die Allgemeinheit möglichst segensreiche Weise zu versorgen. Die bedeutendste Organisation der Art, die bisher ins fielen ge­treten ist, ist wohl der große Plan der Krieger­ansiedlung in Kanada, an dessen Durchführung eifrig gearbeitet wird. Wie ein Berichterstatter derDaily News" aus Ottawa milteilt, ist der Entwurf bereits vor einiger Zeit von der gesetz­gebenden Körperschaft genehmigt und mit der Ver­wirklichung der umfassenden Maßnahmen begonnen worden. An der Spitze der Organisation steht eine SoldatenansiedlungsLommission, die dem kana­dischen Ministerium des Innern ungegliedert ist und wieder besondere Organisationen in jeder Pnovinz geschaffen hat. (Sine ihrer Hauptaufgaben besteht darin, die Befähigung der Soldaten zu raufen, *bie sich auf Grund des Kriegeranfied- lungsgesetzes niederlassen wollen. Tas Gesetz geht ausdrücklich von der Tttsache auS, daß cs in erster Linie die Kolonisationsarbeit befördert unb erst in zweiter Linie eine Belohnung für den Kriegsdienst sein soll. Da man den Ackerbau als ehre Art,,Nationaldienst" betrachtet, so fühlt man sich zu besonderen Hilfsmaschogeln für die Soldaten verpflichtet, die Jid? anfiedeln wollen. Aber sie müssen dafür auch eine gewisse Befähigung zeigen, die Erfolge in der Landarbeit gewährleistet. Die Regierung veranstaltet deshalb besondere Unter­richtskurse in der Handhabung landwirtschaftlicher Masckstnen für die Krieger und hat sich bereit erklärt, alle verwundeten Soldaten auf eine Land­wirtschaftsschule zu schicken.

brennt etwas, wie ein heißes, qualvolles Begehren, chm noch einmal ins Auge zu sehen, in seinem Blick zu lesen, daß er mir vergeben, damit er einst unserm Kinde ruhig ins Ange sehen und sagen kann: Ich schied von deiner Mutter in Frieden/" Ragnas Herz erbebte. Was sie nre zu fpffetr gewagt, erfüllte sich doch. In Sigrids Herzen quoll es nach dem flüchtigen, kurzen Liebesrausch, dein sic als Strohfeuer erkannt, wie Sehnsucht nach dem fernen Watten auf. Unb dieser Gttte war nahe. Tart in: Nebenzimmer harrte Augenblicks, wo er seinem Weibe gegen übt)

gang »vagen. Unb als er Ragna auf dem Bahn- hote in Nizza gegenüberstand und seinem .Kirche, das Chaja auf dem Arme trug, in die lachenden Ta hob die Gräfin den blonden Lockenkopf dingen sah, da Eonnte er der stummen Bitte Nag« -------" *"r' " .......'nas, mit ihm zu Sigrid zu eilen, nicht wider­

stehen unb langsam zu stimmend neigte er sein blasses Antlitz, das einen tiefen Leibenszug um den Mund trug, so baß 9tagita ihre ganze Selbst­beherrschung aufbieten mußte, um nicht in Tränen auszubrechen.

Mühsam erhob sich die Greisin unb trat zu ter Enkelin, mit ihren zitternden Händerr das Vaupt der jungen Frau emporrichtend.

2u möchtest es sehen, Sigrid," sagte sie gepreßt.

wehrte Sigrid heftig, die zarten Ateckfrchtlgen Hande über die Augen deckend,nicht ^nt unschuldsdollen Kinderblick be- n.UT einmal, ach, nur einmal seine Nähe suhlen und es segnen."

Ee Gräfin Svcndburg biß die Zähne zu- S kinrschte. Tas war also das

hier sah war ihr Werk. / ;c ^ochwilt, ihr Hatz gegen Sven hatten Sigrid Ä getrieben, die sie für ben Weg

Hw Ultb der Nichts weiter war, als

? Jammerz unb des Elendes. O,

wer tue Vergangenheit hätte auslöschen können! Sigrid, faßte Jie ftebenb.Sieh mich an, nge mir, daß du glücklich warst laae mir hnü ich.mcht umsonst dich in/Srbe^og^ wo Ä meinte, bir den Himmel des Glücks zu erschließen."

Ein Lächeln glitt über die matten Mae der I.imgen Frau Zärtlich strich das Ander ndcheii über di: lvclke, bleiche Hand der Großmutter dann aber lagerte es sich wie dunkle Schitten Aber die im Augenblick so strahlenden Augen.

. ,,Tas Meer ist blau, Großmama," flüsterte sic tai-e im Traum,unb die Liebe ist so süß. sinnlos süß. Kennst du sie?"

Ein Schauer durchbebte den Körper der Grer-

über die Erhöhung der Post-, Telegraphen- und Fernsprechgebühren entgegen. Angesichts her äußerst ungünstigen Finanzlage der Reichs-, Post- und Telegraphenverwaltung stellt die Handelskammer ihre grundsätzlichen Bedenken gegen die Gesetzes­vorlagen zurück und beschränkt sich auf die Fest­stellung, daß auch in diesem Falle Handel und In­dustrie die Hauptlasten werden tragen müssen.

4. Die Hintcrlandbahn

Nach einem Bericht des Syndikus nimmt die Handelskammer einstimmig folgende Entschließung an:Die Handelskammer begrüßt lebhaft die Wic- deraufnahme der Vorarbeiten für die Herstellung einer Bahnverbindung von der oberen R u h r ü b e r A a 11 e n b e r gB iedenkopf Gladenbach nachdemLahnt-l, welche als ein neues Glied im Reichseisenbahnncu für die wer­tere wirtschaftliche Entwickelung der Stadt Gießen von der größten Bedeutung ist. Di. Handelskam­mer richtet demgemäß an die Verwaltung her Stadt Gießen die eindringliche Bitte, keinerlei Anstten- grtngen und auch keine finanziellen Opfer zu scheuen, damit diese Verkehrsftage baldigst einer Lösung entgegengeführt wird, welche den berechtig­ten Interessen der Stadt Gießen vollauf Rechnung tragt. Die Handelskammer erklärt sich auch zur Mitarbeit bei der Besckfaffung von wirtschaftlichen Unterlagen gerne bereit.

5. Neuordnung des Deutschen In­dustrie- und Handelstags.

Die Handelskammer erklärt ihre Zustimmung zu bem von der Handelskammer Frankfurt a Wt vorgelegten Entwürfe einer Satzung des Deutschen Industrie- und Handelstags.

6. Errichtung von Berufs ämte rn. , dem Vorgänge in Preußen beabsichtigt die hessische Regierung die Errichtung von Bemfs- änitcrn, deren Aufgabe es vornehmlich sein soll, Personen, die neu ins Berufsleben eintreten oder ihren Beruf wechseln wollen, sowie die gesetzlichen Vertreter von Jugendlichen bei der Berufswahl zu beraten. Tie Handelskammer tarnt ein dringendes Bedürfnis für die Schaffung solcher Bemfsbera- tungsamter nicht anerkennen. Sollte gleichwohl regierungsseitig an diesem Gedanken fcstgehalten wsroen dann befürwortet die Handelskammer die Angliederung oieser Behörden an die bereits be- fteherrdcn Arbeitsnachwcisorganisatioi' 1

7. Eingänge.

a) Auf Anregung der Herren Mitglieder von Alsfeld und Lauterbach beschließt die Handels- ramntcr, bei dem Landes-Arbeits- unb Wittsckfasts-- amt die Errichtung eines Schlichtungs- aus schusses für die Kreise Msseld und Lauter­bach in Anregung au bringen.

b) Auf Wunsch der Herren Mitglieder von Alsfeld, und Lauterbach wird die Handelskammer der Eisenbahndirektion Frankfurt am Main die Bitte vortragen, daß bei der bevorstehenden Ein- schränkungdcs Personenverkehrs von crner Verminderung der an sich schon geringen unb den Verletz rsbebürfnissen kaum genügenden Anzahl von Personenzügen auf der Strecke Gießen- Fulda nach Möglichkeit Abstand genommen werden möge.

Bis zum 21. Juni 1919 hoben sich 18 938 ehemalige Soldaten zum Genuß der durch das .«Gesetz in Aussicht gestellten Vorrechte gemeldet, imb nach der Prüfung durch die Ansiedlungs- lommiffion wurden 13 799 für geeignet erklärt, eine Siedlung zu erhalten. Nachdem der Soldat das Befähigungszeugnis erhalten hat, kann er sich entweder selbst Land auswählen ober sich an die Kommission wenden mit der Bitte, sie möge ihm eine Farm nachweisen. Die Kommission kauft durch ihre Vertreter, die in jeder Provinz aus Sachverständigen bestehen, die Ländereien nach sorgfälttger Schätzung auf und gibt sie an den Krieger-Ansiedler zum Selbstkostenpreise weiter. Der letztere muß eine Mindestsumme von 10 Proz. des Kaufpreises anzahlen und darf nicht mehr als 4500 Dollar der Regierung schuldig bleiben. Die Schuld, die der Ansiedler auf sich nimmt, muß in 25 jährlichen Raten abgezahlt werden, und zwar Zinsen sowie Amortisierungsquote. Außerdem leiht die Ansiüstungskominission dem Ansiedler noch 2000 Twllar zur Anschaffung von Ha»srat und Geräten unb 1000 Dollar zur Er- 'Nchtimg von Gebäuden. Diese letzteren Vorschüsse wnd unter denselben Bedingungen zurückzuzahlen, wie die für das Land geliehene Summe. Dock) muß die Anleihe für die Geräte, da es abnutzbare Dinge sind, in vier jährlichen Zahlungen getilgt werden, beginnend mit dem dritten Jahre der Ansiedlung. Dabei braucht der Ansiedler für die ersten zwei Jahre bei dieser Summe keine Zinsen au imhlcn. Die Höchftsumme, die der Krieger von der Regierung erhalten rann, veiauir ita) auf 7500 Dollar. Aber die durchschnittliche Höhe der Anleihen hat bisher nur die Summe von 3394 Dollars erreicht. Die bis zum 21. Juni für die Ansiedlungen ausgeliehene Summe be­läuft sich auf 16 484 186 Dollars, und man glaubt daß die Gesamtsumme 60 Millionen Dollars nie# überschreiten wird. Aber auch wenn der Sieder

selbst möglich. Tie Vervielfältigung der Vorlagen durch einzelne Körperschaften ist nicht nirr außer­ordentlich zeitraubend, sondern auch unwirtschaft­lich und lützt sich mit den Forderungen der Zeit mcht vereinbaren. Tie Folge des jetzt geübten Verfahrens, nur wenige Eremplare von Regie­rungsvorlagen einzelnen Körperschaften wie zu­fällig zu überlassen, fft die, daß die heute erforder­lichen, tief in das Wirtschaftsleben einschneiden­den Steuer- und Gesetzentwürfe nicht mit der Gründlichkeit behandelt werden können, die ihnen entgegengcbracht werden muß. Els wäre für die Ankunft dringend zu toünfajcn, daß sämtliche Ver­öffentlichungen des Ministeriums, soweit sie Handel und Industrie betreffen, in der erforderlichen An­zahl dem Deutschen Jndusttic- und Handelstag überlassen werden, der sie bann seinen Mitgliedern fawrt zugänglich machen kann. Nur wenn dieses Verfahren beobachtet wird, erscheint uns Gewähr geboten, daß alle Interessenten in der ihnen zukommenden Weise zu Gehör lommen."

vermischtes.

* Gin Dokument der Verrohung. Tie Braut des bei den Clfemnitzer Straßen- kämpfen gefallenen Reichswehrsoldaten Weiß er bieit folgenden Brief:Hochverehrtes Fräulein! Wir fragen hiermit an, ob Sie den freiwilligen Grenziäger Hans Weiß kennen. Er war nämlich mit bei den Nosketruppen in Chemnitz und hat auf dem Hauptbahnhof gegen die Arbeitcrsckiafk gekämpft. Liebes Fräulein! Sie brauchen keine Hoffmuig auf ihn zu setzen, da wir ihm mit dem Gewehrkolben den Schcfoel gespalten haben. Sein letzter Ruf warmeine lieben Eltern und meine liebe Helene!" Sic brauchen sich aber nicht zu wundern, wo wir Ihre Adresse her haben. Wir haben nämlich in der rechten Settentasche seine Brieftasche gefunden. Tie Karten legen wir Ihnen hiermit bei. Uns ist folgendes in die Hände ge­fallen : 150 Mark bares Geld, 20 Stück Ziga­retten, 5 Stück Zigarren, eine Uhr mit Kette, ein Revolver, ein Dolch, und zuletzt haben wir dem Schuft die Stiesel ausgezogen. Das war der Tank für feine treuen Dienste im Vaterland. Hochachtungsvoll P. R. M. F, Chemnitz, Ver­brecherstraße 17, Wohnung im Keller."

ma. Junggesellen hinaus! Um die Wohnungsnot zu lindern, ist die Gemeinde Grün au auf einen originellen Gedanken gekom­men. In Grünau selbst sind zur Zeit 30 Fa­milien obdachlos. Tie Gemeindevertretung fasste daher den Entschluß, zugunsten der obdachlosen Fa- Milien die Junggesellen auf die Straße zu setzen. Ler Wohnungskommissar entsprach dem Ersuchen der Grünauer Gemcindevertreter und so tyaben die unbeweibten männlichen Einwohner dieses Mainzer Vorortes den Befehl bekommen, ihre Wohnungen zum 1. Oktober zu verlassen. Tic Gemeinde hat sich anheischig gemacht, die von dem Ausziehverbot ^Betroffenen alsmöbliert- Herren" anderweitig unterzubringen.

* Das Zep Pelin-Marine-Ries en- lugschiff im Dienste des Films. Der bekannte Forscher und Weltreisende, Karl Heinz Heiland, ließ kürzlich, ftir seinen neuesten Fttm von einem Marinc-Riesenftugschisf Aufnahmen machen. Zum Schluß wurde aus großer Hol« von Bord eine menschenähnliche Pitppe mit Fall- chftm abgeworfcn. Auf der Erde die Puppe fiel ausgerechnet in Prinz Eitel Friedrichs Gatten wurde eine Matrosenwache alarmiert, die slu- chend feststellte, daß es fitf.i mir um eine Puppe und um Kientopp handelte.

Möchtest du ihn sehen, Liebling," fragte sie teste rmd zärtlich Sigrid, um deren Augen sich wied'r dunkle Schatten lagerten

, .-'Sfl hi-r?" rief Sigrid unb ihre Augen strahlten aus tote zwei flammende Sterne

Ja, Sigrid, mein Süßes, Kleines und noch lemand, ahnst du, wen ich meine?"

(Fortsetzung folgt.)

seine Farrn erhalten und die nötigen Summen zum Betrieb empfangen hat, wird er nicht,^mem Schicksal überlassen. Die Vertreter der Aiified- lungskommission verkaufen ihm die nolvendtgen Maschinen intb alles, was er sonst z"" Betriebe der Landwirtschaft braucht, zu mäfaten Preifen, wie sie beim Einkauf im Großen ^rzrelt werden können. In dec Landwirtschaft -chfahcere Lehrer befugen die Ansiedler in rer.\mil?T9cn Bettab­ständen und unterstützen fie/ft Rat und Tat. Die Kommission versorgt te9.fP.en Ansiedler mtt kostenlosen Bauplänen f? bttlige Hauser und Scheunen und sorgt brv' ?r bte GJcbäubc zu einem bestimmten mc<irr^Eurz,

alles wird getan, u' vJJ ^N^Anstedler den besten Gebrauch ^^nem Gelde zu ermög­lichen und ihn Bedrngungcn

feine Laufbahn^ .Landwitt Rinnen zu lassen. Soldaten, d2^?^. vorl^r Landbesitz hatten, erhalten V ^^^'rrichtung ihres Betriebes te aTnu- »n WM D°ll-rs »°rMstr-ckt. Di- 2lusn>aL®eE Siedler war bisher so gut vor- tjenon- ' nur 90 der Angcsiedeltcn ihre Beverlassen haben. Jedenfalls stellt die

sm.. Ja, sie kannte die Liebe und das einzige 2156101, das il/r im Leben teuer war, büßte die- telbe. 2,as BibelwottIch will die Sünden der Väter heimsuckten an den Kindeni bis ins britte lmd vierte Glied" brauste vor ihren Ohren und sassimgslos brach sie zum ersten.Mal nach langen Jahren tn Tränen ans.

. //®roßniamtt," bat Sigrid erschreckt, sanft das Jfafate Gcsrch-t der Gräfin streichelnd,beruhige dich doch. Ich bin wirklich nicht so krank tote der Doktor sagt. Das bißchen Husten ist bald vorbei und dann"

Und dann eine bange, schwere, schwüle Paute das Meer rauschte geheimnisvoll und die Palmen .flüsterten im Wttide.

"Großmama, Nagna kommt, ich fühle ihre Nahe bitte, bitte, laß sie herein," rief plötzlich Sigrid, sich hoch auftichtend,gewiß, sic kommt sic verläßt ihre kleine Sckfwester nickst, gftoiß nicht."

Erschöpft von der Ansttengung fiel sic matt m die Kissen zurück, aber glänzend hing ihr Blick an der Tür, auf bereit Schwelle soeben Ragnas hohe Gestalt mild wie ein Engel des Friedens stand.

Im nächsten Auaenblick hielt Ragna Sigrid an ihrem Herzen und all das Weh und all das Leid der jungen Frau, das löste sich unter den sanft trö­stenden Worten der Schwester, ohne Vorwurf unb ohne Klage, in Tränen auf.

Und bann begann sie zu reden nichts, nichts blieb Ragna Der borgen, all ihr Kämpfen und Ringen, all die brennende Sehnsucht noch Glück und Liebe, all der brennende Sck)merz b:r Entsagung, des Verrats, all die Borwitrfc, all die i wühlende Reue, die Sigrids Herz belegten, di; i bittere Scham über sich selbst und ihre betrogene I < Liebe. 11

Nach dem Gesetzentwurf über eine außerordent­liche Kriegsabgabe für 1919 ist die Abgabe pflicht ür den Mehrgewinn aus dem Jahre 1918 00n 60 Proz. auf 80 Proz. erhöht worden. Da die Gesellschaften (Attiengcsellschaften usw.) auf diesen Mehrgewinn auch noch die landesgesetzlichen Steuern (Staats-, Gemeinbecinkommenfteuer, Ge­werbesteuer usw.) zu zahlen haben, ist ihnen in- ofern ein Schutz zuteil geworden, als diese Ab­gabe zusammen mtt den laiwcsgcsetzlichen Steuern «nicht mehr als 90 Proz. des Mehrgewinns betraget oll. Auf Einhelunternohnrungen findet diese Ver- nimQinimry f/'ine

. <yerner lollen nach dem Gesetzentwürfe über die Neichsvermögensabgabe die Aktiengesellfchaften nur Mit 10 Prozent des Reinvermögens nach Abzug des Grund-und Stammkapitals bereu* gesogen werden, wahrend bei den Privattmter- nchmungen das gesamte Vermögen der Turch- stasflung bis zu 65 Prozent untenoorfan wird.

^-urch eine so wettgeheiide steuerliche Bevor­zugung her Aktiengesellschaften werden die Privat- betricbe an ihrer Konkurrenzfähigkeit gegenüber bteien Gesellfchasten außerordentlich gcschfiväckst und tn ihrer Existenz schwer bedroht. Unter dieser stcuerllchen Uncileichhett würden auch die Braucrri- bettlebe im Cinzelbesitz sehr zu leibAt haben, da lie vielfach große Kapitalien in Jmmobttien sest- gelcgt und ttotz der hohen Bierpreise infolge der außergewöhnlich hohen Material- und Futterpreise und der nicht minder hohen Arbeitslöhne nur einen genügen Verdienst haben. Im Interesse des m nyrem Bezirke vertretenen Brauereigewerbes muß daher die .Handelskammer die Forderung erheben, daß dlese unterschiedliche Behandlung von «Geiellschaftekapital und Privatkapital durch Ge­währung gleicher im ersten Falle bzw. ent- preck/ender. Steuervergünstigung' tm zweiten Falle beseitigt wird.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubriks stellenden Artikel übernimmt die Redaktion denk Publikum gegenüber keinerlei Verantn>ottung.)

In einer der letzten Nummern desGieß. Anz." lese ich, daß vor dem Abschluß von Kar­toffellieferungsverträgen gewarnt wird. Ich bin derselben Ansicht, aber nur inso- wett, als cs sich um große Ankäufe zwecks spä­teren Wiederverkaufs bandelt. Meine Meinung geht, dahin, daß man sogar allen Familien sehr empfehlen soll, ihren Bedarf an Kartoffeln bis zur nächsten Ernte, soweit es die Kellcrverhält- nisse gestatten, einzudecken, denn die Karwffel ist m Bezug auf ihre Aufbewahrung ein sehr emp­findliches Gewächs. Es würden bann bis zum Frühjahr nicht so viele Kartoffeln durch Erfrieren in den Mieten und sonstigen zweifelhaften Aufbe-^ wahrungsräumlichkeiten zugrunde gehen. Auch^ durch den Tranport im Frühjahr werden die Kar­toffeln schtoarz und infolgedessen ungenießbar. Auch sehen wir einer guten Kartoffelernte entgegen.

L. L.

. J&u gehst nicht wieder fort, du bleibst bei Sigrid, angstvoll mit ihrer Deinen fteoerglühenden Hand Ragna umDimmernb ,piicht wahr, du bleibst bis" hier brach sie ab und dann sagte sie leise in heißem Flüsterton r ,A>u darfst Nichts sagen aber ich sorge mich um Sven er war so gut zu mir und nun hat l Ulcht nennen mag, bis auf

^.^0 verwundet. Großmama sagte mir zwar, datz fie sich nach Sveii erkundigt, daß sie täglich m _Jem Hotel senvet, um Nachrichten über sein Befinden ettizuziehen, aber hier im Herzen, da

c) Die unhaltbaren Zustände auf dem Oel- unb Fett markte haben der Handels'kammer Veranlasfung gegeben, das Landes-Arbeits- unb WittsckMsamt zu bitten, sich für eine baldige Ausübung per Zwangsbewirtsckwftung dieses Witt- schaftsgebiets einzusetzen.

o < d) .521 einem Schreiben an den Deutschen Industrie- unb Handelstag hat sich die Handels­kammer gegen die Aufhebung des Aus- v e r k a u f v e r b 01 e s ar ^sprachen.

6) In der Zeit vom 1. bis 15. Oktober 1919 fandet rn Frankfurt a. M. eine internatio­nale Einsuhrmesse statt. Das Meßamt hat der Haichelskammer Werbematerial zugesandt, welches auf dem Sekretariat von Interessenten crngeschen werden kann.

. k) Die Handelskammer Mannheim hat namens der Vereinigung südwestdeutscher Handelskam­mern, welcher die .Handelskammer Gießen al« korperschaftliches Mttglieb angehört, das nach^ folMude Schreiben an die Reichsministerien ge­richtet:

., ,'Ten^ Handelskammern wird die Erfüllung ihrer Ausgaben gegenüber der Regierung und gegenüber ben von ihnen vertretenen Firmen Dadurch erschwert, baß sie nicht m ausreick>endem Maße Gelegenheit haben, sich zu ben von ber Regierung geplanten Maßnahmen unb Gesetzent­würfen zu äußern. Es mich vor allem beanstandet werben, daß die Veröffentlichungen der einzelnen Mrnlstetten ber berufenen Vertretung von Handel nnb Jndusttte, dem Deutschen Industrie- und Handclstag, nicht in erforderlicher Zahl und nicht frühzeitig genug zur Verfügung gestellt toerden. Eine gleichmäßige und rasche Bedienung aller Jittcressenten ist nur durch die Regierimgsstellen

4. Sitzung der Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach vom 19. August 1919.

Auszug aus bem Sitzungsbericht.

Anweseilb find die Herren: Kommerzienrat Schirmer, Kommerzieirrat Grifiicwalb, Tiehm, rat Grünewald als 2. Stellv. Vorsitzcnber, Tiehm, Kommerzienrat Hovs, Jhring, Noll, Kommerzien­rat Ramipcck, Röhr, 8tül/l, Stammler, Willach, Wenner unb ber Syndikus.

1. Entwurf eines Umsatzsteuer- ge s e tze s.

Nach rincm ausfilhickichen Bericht des Syn­dikus erhebt die HandelsPammer die folgende Er- Härung zum Beschluß:

Ter der Nationalversammlung trorgelegte Ent­wurf cmcs Umsatzfteuergesetzcs stellt eine schwere Belästigung der Geschästsivelt bar. Er wird ferner statt ber so dringend irotneenbigen Vcrbilligiung eine we;entliehe und bauernde Verteuerung der Lebenshaltung herbeiführen, welche wiederum eine Steigerung der Löhne und Gehälter unb letzten llmdes eine Erhöhmrg ber ProduktiionSSosten zur dOlge haben muß. Somit wirb das Gesetz nicht zur Gesundung des so tief barniederliegendenWitt- schas'tslebens beitragen. Wenn auch die Handels­kammer angesichts ber finanziellen Notlage des Reichs die Notwendigkeit der Einbringung einer solchen Gesetzesvorlage nicht verkennt, so dürfen doch hierfür nicht allein fmanzpolitische Gesichts­punkte eiitscheidend sein, sondern sie muß von der nottoenbigen Rücksicht auf die gesamte Volkswirt­schaft getragen sein. Diese Rücksicht läßt aber der Gesetzentwurf vermissen. Es muß baber gefordert werden, daß die Nationalversammlung den Entwurf nach Anhörung von Sachverständiaen aus Handel Und Industrie einer gründlichen Prüfung unter­zieht. Dabei dürfte die Frage ernstlich zu erwägen sein, ob nicht zur Vermeidung von steuerlickfon Ein- citigteiten und Härten von einer Besteuerung der einzelnen Umsätze innerhalb des Produkttonspro- zesscs ganz abzusehen und dafür die Steuer nur einmal bei dem letzten Umsatz zu erheben ist. Es müsse weiter gefordert werden, daß unter allen Um- tänben die rationierten Artikel, für welche ja durch­weg Höchstpreise festgesetzt seien, bis zur Aufhebmig der Zwangsbewirtschaftung von der Umsatzsteuer überhaupt beftett bleiben.

2. Außerordentliche Kriegsab gäbe undNeichspermögensabgabe(Reichs- n 0 t v v f e r).