Ausgabe 
2.8.1919
 
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Kr. 178

Zweites Blatt

Gietzenec Anzeiger (Generai-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 2. August (9(9

Aug. Tie SeutftränationiTe

Weimar, 1

Bvlkspmtei und die Deutsche Bolkspartci haben flol*

tm

1919.

Vereine

Fortsetzung 24.

(Nachbruck verboten.)

baftion einliefen, und

Ku

>er Jnl-Kosien tri ^elterMBlVä

gende gemeinsame Interpellation in der Nationalversammlung efngcbra<I)t:

Bekannttick) ist seit dem Herbst 1918 ein großer Rückgang der Kohlenförderung ci)tgc treten. Auch heute beträgt z. B. die Kohlenförderung tr/.

Abg. Regelung besten in sationen.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

** Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 67 vom 1. August enthält: Bekanntmachung betresfend die Erhöhung der Gebühren für bie Prüfung von Kraftfahrzeugen unb von Krastfahr- zeugführern. Dom 5. ^Juli 1919., Abänderung der Bekanntmachung über den Verkehr mit Nutz-, Zucht- und Schlachtpserden aus Hessen vom 25. Januar 1919 (Reg.-Bl. S. 21). Vom 24. Juli

Allekottc (Ztr.): Tie neuzeitliche der Beamlenfragen bewirft man am Verbindung mit den Beamtcnorgani-

AllseiligesErichme-!

Rechner der Landeswaisenkasse.

es SchiehviaheS hc < em SchühenhM esbalb wegen der ta lerbunben. llebevig, d lnugsltos ücrboh 957 Ter Worinc

Verlören ;

)onnerttag nittlm m* 'toitbe mit 2»wl lotoQtaVhit.

>nuna *|

Ragna Svendburg

Roman von Anny Wothe,

Wir halten eine durchgreifende Besol­dungsreform für erforderlich. Aus die Gefahr hin, Widerspruch bei den Beamten iju finden, erkläre ich als Meinung meiner Fraktion, daß die Bc-

dann kann er berufen werden, schöpferisch zu wir- tzn. Ter Weg geht hinauf: Fnie B-alm Dem Tüchtigen! Tas neue System nimmt dem Be­amten nichts, es kairn ihm zur Freude imd rum Nutzeri werden, der Gesamtheit aber -um Wohle. (Beifall.)

Abg. Frvhme (Soz.): Es ist erstaunlich, wie die Herren von der Rechten sich jetzt auf ein­mal der Beamten annehmen. Das ist Stimmungs­mache. Wir treten für die Koalitionsfreiheit und für das Streikrecht der Beamten ein. Ferner verlangen wir eine Gesetzesvorlage über Beamten- räte.

klar zu äußern. Der Streit muß in den Beamten- organisationen ausgetragen werden.

Hierauf wird ein Schlußanttag angenommen.

Nächste Sitzung Donnerstag, 7. August, nach­mittags 4 Uhr.-

Die Kohlcnfrage.

Warmg.

Der SchUhem« siegen beginnt n August seine Uelirj -bienen. Das tzenr

sie die blauen Guckerln für immer zu, als ihre Mutter von mir ging. Na, das gehört nicht hierher, aber meine Ilse Märe jetzt fast so alt .nie Sie und vielleicht auch so schön."

Metzner sagte eS mit einer tiefen Bewegung in der Stimme, die Ragna rührte. Gern hätte sie ihm ein freundlich teilnehmendes Wort gesagt, dem sonst immer so fröhlichen Gefährten und Kollegen, aber ein unbestimmtes GesüU bannte ihre Zunge. Es waren auch nie wieder persön­liche Angelegenheiten zwischen ihnen berührt >oor- den, nur heute an dem regenschweren, nebeligen Ravembertage war Dr. Metzner fröhlich in das Redaktionszimmer getreten und hatte ihr zuge­rufen:

Fräulein Svendburg, die Welt geht unter. Sie können es in derHost'" als neueste Neuig­keit gleich aufnehmen. Unser Alter hat ein Einsehen gehabt und hat der Hilfsredakteurin Fräu­lein Ragna Svendburg wo Sie nur den roman­haften Namen her haben aus freiem Antrieb zehn Reichsmark sage und schreibe zehn Reichs­mark, monatlich zugelegt. Was sagen Sie nun?"

Ich freue mich!" sagte Ragna strahlend.

Natürlich um zehn Mark. So sind die Weiber!"

Nein, Herr Doktor, nicht um die zehn Mark, frmbern ich sehe daraus, daß unser Chef mit mir zufrieden tft."

Na das ist doch wohl das Wenigste, was er tun kann," brummte Doktor Metzner und ließ sich schwerfällig auf seinen Drehsessel fallen, um dann fortgesetzt zu schreiben, ohne Ragna rnzn- sehen bis zum Schluß, der Redaktion^

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Anzeiger n

sich dann in der kurzen Frist, die ihr für ihre Ar­beiten blieb, möglichst eigenes zu geben und Klrister- topf und Schere immer mehr aus ihrer Redaktions­tätigkeit zu verbannen. Bald hatte sie denn auch die Freude, daß hier und da Fragen nach dem Verfasse? dieses oder jenes Artikels, die alle nur mit einem9t." gezeichnet waren, bei der Rr-

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Anny Wotbe, die bekannte und frucht, bare Romanschriftstellerin, Verfasserin unseres augenblicklichen FeuilletonromansRagna Svend' bürg", ist am Mittwoch in Leipzig im 62. Lebensjahre gestorben. Geboren zu Berlin am 30. Januar 1858, heiratete sie 1885 den Verlags buchhändler Adolf Mahn in Leidig (gcst. 1915 , mit dem sie gemeinsam 1887 bis 1906 die Wochen­schriftDon Haus zu Haus" l-erausgab. Sic rät mehr als 40 Romane veröffentlicht, die zur bess reu Unterhaltungsliteratur gehören.

ihr kam und sagte:Macht sich, macht sich, Kleine. Schade, daß Sie nicht irgend so ivas, wie 'ne Grafenkr-one oder so was Aehnliches hinter sich haben, würde sich ganz schön machen, so'n bißchen NimbusTrang zur sunt ft" und so was oder Alle Schranken durchbrechend" ober fernst ähnliche schöne Sachen, die alle Tage Vorkommen."

Na, Sie brauchen nicht rot zu werden, Kindchen," begütigte er, ,chaß Sie keine Gräfin sind, es wird sich ja auch so etwas finden, wo­durch man Sie bekannt macht. Geht's mit der Vornehmheit nicht, versuchen wir es am Ende, wie Reuter sagt, mitPoverthe". Wie 'märe es denn mit 'ner Dorfschule und zehn hungrigen kleinen Geschwistern im Hintergrund? Auch 'ne schöne Sache. Na, ich sehe es Ihnen an. Sie wollen nicht. Sie haben noch den Kinderglauben, daß sich jedes wirkliche Talent Dahn bricht. Nicht wahr? Na, dann lassen Sie sich die Zeit man nicht lang werden, heutzutage brauchen wir nichts wie 'ne große Glocke und wer am lautesten läutet, der ist der Mann der Tat.

Bitte, bitte, nur nicht böse fern, .Kleine," fügte der große, starke Mann mit treuherzigem Lächeln, Ragna in die Augen sehend, fort,ich meine es gut mit Ihnen, könnte ja Ihr Vater jein. Hatte Sich mal so einen Blondkopf wie Sie ist nge her, wohl fünfzehn Jahre. Damals schloß

Und nun stand Ragna am Fenster ihres Giebelstübchens und überdachte alles und wieder tarn es über sie wie heiße, brennende Sehnsucht nach Glück, das für sie auf ewig dahin. Zwischen den Föhren der Heide schimmerte sonst die grün? Spree wie ein glänzendes Silberband lferübrr, heute war es nur ein kahler, grauer Streifen. Träumenden Auges sah sie ben Wolken zu, di? dahinjagten in wildem Fluge. Schwere, große Tropfen klatschten jetzt an die Scheiben imd ein Windstoß ließ das kleine Haus erzittern.

Tn, Prinzeßchen," sagte da plötzlich ein? Kinderstimme und der kleine vierjährige Fritz Brand steckte sein Stumpfnäschen zur Tür her­ein.Darf ich kommen?"

Nur nähtr, mein Junge," sagte Ragna, sich gewaltsam aus ihrem Sinnen ausraffend.Das hast du beim?"

Einen Brief," sagte Fritz wichtig.Einen großen Brief."

Gib her, schnell, schnell!" bat Ragna.

(Fortsetzung folgt.)

Ik-Ilt, bis zur Höchstmenge von 5000 Doppel­zentnern.

Es folgt die Interpellation Dr. Heinze (T. Vp.i und Arnstadt (D. Ntl.) betreffend Kohlenvers orgung.

Reichsministcr Schmidt bit'et mit Rücksicht darauf, daß Derho d u:g n über Maßnahmen zur Belebung der Äol)ieimai im Gange seien, die Be­ratung der Interpellation auszusetzen.

Tie Interpellation wird abgesetzt.

Es folgt die Interpellation A r n st a d t (D.-N.), Dr. Heinze (T. B.) über Beamten fragen. Die Interpellation bittet um Aus­kunft, ob die Verordnung der preußischen Regie­rung vom 26. Februar betreffend die einstweilige Versetzung der unmittelbaren Beamten in den Rn heft and auch auf die Reichsbeamten ausgedehnt werden soll, und fordert eine Neuregelung der Besoldungs- und Pensionsverhältnisse und die Schaffung eines freiheitlichen Beamten- und Diszi- plinarrechts sowie Gewährleistung von Mindest­forderungen hinsichtlich der Besoldung, der Ruhe­gehälter und der Hinterbliebenenbezüge der un­mittelbaren und mittelbaren Staatsbeamten, ins­besondere auch der Gemeindebeamten und der Lehrer durch Reichsgesetz.

Abg. Tr. M o st (D. V.) begründet die Inter­pellation damit, daß der Beamte Zeit seines Lebens an den Staat und an sein Amt gefesselt sei, so daß der Staat die Verpflichtung übernehmen müsse, ihn vor wirtschaftlicher Not zu schützen. Hieraus ergebe sich, daß den Beamten das Streik- recht nicht zustehe. Streikende Beamte träten ein Widerspruch zu sich selbst (Sehr richtig! rechts.) Wir wünschen auch einen Schutz des Beamten vor dem Uebetmaß der Parlamentarisierung und der Polittsierung (Beifall rechts), weshalb wir die Schaffung eines neuen Beamtenvecksts durch das Reich mit Ausgestaltung der Beamtenausschüsse, Regelung der Urlaubsperl)ältttisse, Reform des Tisziplinarwesens, Aufhebung gewisser einschrän­kender Bestimmungen der Residenzhflicht, Verbot der Nebenbesiräftigung usw. verlangen, vor allem aber eine Errettung des Beamten aus wirtschaft­licher Not. RÄmer führt die Gehaltssätze einzelner Beamtenklassen an und ziM zum Vergleich die Lohnsätze verschiedener Arbriterkategorien an. Als eine Folge dieser wirtschaftlichen Not kon­statiert der Redner einen bedauerlichen Rückgang der Moral. Eine rasche und durchgreifende Be­soldungsreform für alle Beamtenklassen muß kommen, wenn auf die Tauer das Moment der standesgemäßen Lebenshaltung überhaupt noch auf­rechterhalten werden soll.

Neichsminister Tr. David dankt der deut­schen Beamtenschaft für ihre überaus pflichttreue und aufopfernde Arbeit und fährt fort: Auf der Pflichttreue von unten beruht die Stärke der Demokratie. Mit dem Finanzminister bin ich der Ansicht, daß eine Neuordnung der Besoldung und des Pensionswesens sowie der Hinterbliebenen- Fürsorge unbedingt notwendig ist. Eine durch­greifende Reform der Beamtmbesoldung tvar schon vor dem Kriege fällig. Sckftvere Not eines großen Teils der Beamten bedeutet eine große Gefahr für deren physische und moralische Gesundheit. Tie Regierung ist sich des Ernstes der Lage durch­aus bewußt, so daß sie, sobald erst einmal Klar­heit geschaffen ist, hier einsetzen und die Besol- dungsresorm möglichst schnell durchführen wird. Zunächst werden wir durch Teuerungszulagen der Not errtgegentreten, soweit es mit der Finanzlage irgendwie vereinbar ist. Durch eine wesentliche Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage wäre auch die Der Beamten zu erreichen. Inwieweit eine einmalige Entschuldungsbeihilfe der Beamten vor­gesehen werden kann, wird eine am 12. August in Berlin statt findende Besprechung mit den Beamtenvertretern seitens der Reichs- und Landes­regierungen ergeben. Im Reichsministerium ist seit dem 1. August ein Rat für Beamten fragen eingesetzt, auf dessen Arbeitsplan auch die Rege­lung des Beamten-Disziplinarrechts steht. Dieses Tiszipli narrecht wird nicht nur freiheit­licher gestaltet, sondern auch einheitlich für alle Beamten entsprechend den Richtlinien m der Reichsversassung. Durch ihre Maßnahmen hofft die Reichs re gierung die Dienstfveudigkeit der Be­amten und ine Einsicht in die engeren Zusammen­hänge des Staates zu heben. Tas neu? parla­mentarische System wird die Gewähr dafür bieten, daß fortan die Beamten ihre berechtigten For­derungen leichter und rascher zur Geltung bringen können. Ein großer Vorzug des neuen Systems ist, daß die Beamten nichts mehr zu fürchten haben. Der Beamte wird den Segen des parlamentarischen Systems immer mehr empfinden. Neben der Mög­lichkeit, an allem Krittk zu üben, auch an dem obersten Vorgesetzten hat der Beamte das Recht, sein politisches Bekenntnis abzulegen. Wenn er sich innerlich verbunden fühlt mit dem Schicksal der Gesamtheit, roenn er die Veranlagung besitzt, Un­lust und UnlustgesüHle seiner eigenen Interessen beiseitezuschieben, um für das Ganze zu arbeiten.

EH

Kriegsgesangenenheimkehr. Flrischbesck)au. Abschluß von Kaufverträgen über Brotgetreide und Gerste. Statistik des Wein- unb Obstertrages int Jahre 1919. Schweinerotlauf.

Tie Gebühren für die Prüfung von Kraftfahrzeugen und von Kraftsahr­zeugführer n werden bis auf ireitcreS um 60 v. H für die Prüfung von Krasttädern und Kraftradfahrern um 30 v. H. erhöht.

Zum Rechner der Landeswaisen- taffe ist an Stelle des verstorbenen Rechnungs­rats Weitzel Kreisamtsbureauvorsteher Rech- nungsrat Schneider von Heppenheim mit Wir­kung vom 1. d. Mts. an, ernannt worden.

Tie erhöhten Fleischbeschaugeb üh- ren sind vom Anfang des Rechnungsjahres, also vom 1. April 1919 an zu erheben bzw. anszu- zahlen.

Kaufverträge über Brotgetreide und Gerste dürfen vor Trennung der Früchte vom Boden nicht abgeschlossen ro erben, wenn nicht der Kommunalverband schriftlich seine Zustimmung er­klärt hat. Verträge, die vor Inkrafttreten der Reichsgetreideordnung abgeschlossen worden sind, sind nichtig. Zuwiderhandlungen werden mit Ge­fängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu 50000 .Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft, sofern nicht die Voraussetzungen für eine schärfere Bestrafung nach § 81 a. a. Ö. vorliegen.

Schweinerotlauf ist in dem Gehöfte des Wilhelm Schmidt III. zu Göbelnrod festgestellt worden.

Deutsche Nationalversammlung.

72. Sitzung. Freitag, 1. August.

Am Regierung stisch: Tr. Tavid, Erzberger.

Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung am 9,30 Uhr.

Tas Haus erledigt zunächst eine Anzahl Aw­kragen.

Abg. Tr. Mittelmann (T. B.-P.) tnacht in einer Anfrage auf die bittere 9h>t der Veteranen von 1870/71 aufmerksam und fordert unverzüglich Abhilfe.

Ein Vertreter des Reichssinanzministeriums erwidert, daß die Regierung beabsichtige, den Ve­teranen eine einmalige Zuwendung in der Höhe des doppelten Bettages wie in den Jahren 1917 und 1918 zu machen. Ter Haushaltailsschiuß hat am 28. Juli die Genehmigung zur sofortigen Aus­zahlung erteilt, so daß nichts mehr im Wege steht.

Abg. Erkelenz (Tem.) regt in einer An­frage an, den infolge der Herabsetzung der Stärke der Reichswehr zur Entlassung kommenden Reichs- nehrangehörigen den Uebergang ins Zivilleben zu erleichtern.

(Mebeimrat Tr. Tiburtius teilt mit, daß die Unterbringung der Reichswehrangehörigen in Verbindung mit der Reichszenttale für Arbeits­nachweise geschehen wird.

Abg. Wetzl ich (T.-Natl.) macht in einer kleinen Anfrage auf die Beuittuhigung der Ange­hörigen der Kriegsgefangenen aufmerksam, infolge der unwiderspvochenen Nachricht, daß die deutschen Vertreter für die Kommission der Heimbeförderung der Kriegsgefangenen und Zivilintemietten, seit Wochen in Versattles vergeblich auf die Ernennung der gegnerischen Mttglieder warten.

Abg. S t ü ck l e n (©08.) erklärt dazu als Kvm- vnssar der Reichsregierung: Der Friedensvertrag tritt erst bann in Kraft, ivenn seine Ratifikation, durch Deutschland einerseits Und drei der alliierten unb assoziierten Mächte anbererseits erfolgt ist. Erst dann kann formell auch die Durchführung der Be­stimmungen über die Heimbeförberung der Kriegs- frefangenen erfolgen. Die beutsche Regierung hat in zwei befonberen Noten vom 28. Juni und 21. Inti die (Ansetzung von Kommissionen zür Vor­bereitung des Abtransportes der Gefangenen er- bften, bis jetzt aber noch keine zusagende Antwort erhalten. Die deutsche Regierung ist unablässig be­müht, den raschen Heimtransport herbeizuführen, hat aber weder die Möglichkeit noch die Macht, den Fortgang der Verl-rMungen zu beschleunigen. Auch der dlbtransport der in Sibirien befindlichen Kriegsgefangenen ist von der Entscheibung der alli­ierten unb assoziierten Mächte abhängig. Die In­ternierung in der Schweiz ist erfreulicherweise bank der Bemühungen der Schweiz aufgehoben. Am 1 6., 8. unb 12. August treffen in Konstanz je 200 Offiziere und 500 Mannschaften ein. Die Presse­nachricht, wonach der Abtransport der Gefangenen unmittelbar bevorstehe oder bereits im Gange sei, ist irrtümlich unb geeignet, die Beunruhigung in der Bevölkerung noch zu steigern. Die dieser Tage aus Deutschlarw nach Versailles abgereifte Kom­mission zwecks unmittelbarer Verhandlungen mit Frankreich über den Wiederaufbau, hatte ebenfalls keinen Erfolg. Sobald die erwähnte Kommission mit den fianzösischen Bevollmächtigten die Löhne, die Arbeitsbedingungen, die Sicherung der persön­lichen Freiheit unb den ungehinderten Verkehr mit der HerMat festgesetzt haben, wird ein Aufruf an die deutschen Arbeiter ergehen, sich zur Arbeit in ben zerstörten Gebieten zu Melden. Mit der Aus­lieferung der Gefangenen steht der WiederaufbaUI nach dem Friedensverttag in keiner Verbindung. Die vielfach verbreitete Ansicht, als ob freie Ar­beiter zum Austausch gegen Kriegsgefangene an­geboten werden könnten ober müßten ist irrtümlich. Die Fürsorge für bie Kriegsgefangenen wird bis zu ihrer Heimkehr in jeder nur erbaiHidjen Weise ohne Rücksicht auf die Kosten fortgesetzt.

Abg. Kuhnert (U. S. P.) verlangt in einer Anfrage Maßnahmen von der Regierung, wodurch alles in Frage kommende Obst, auch Südfrüchde, ausschließlich zur Vvlksernährung verwendet wer­den sollen. Er erwartet ferner die Unterlassung der Bewilligung von Zuckerzuwendungen für die Mostherstellmig und Verbot und Bergähmng des diesjährigen Obstes.

Geheimrat Dr. Beherlein . Nur ein ver­hältnismäßig kleiner Teil der Obsternte soll für inc Marmeladeindustrie verwendet werden. Für die Mostherstellung wird kein Zucker zur Verfü­gung gestellt werden. (Beifall.) Tie uneingeschränkte Herstellung von Mostwein wird nicht gestattet. Tie Herstellung ist vielmehr bei Weinen aus Beeren unb Kirschen auf 30 Prvz. der durchschnittlichen Bcrarbeitimg in den Jahren 191416 unb bei Apfel- und Birnen wein auf 70 Proz. der durch­schnittlichen Verarbeitung in ben Jahren 1914 und 1915 beschränkt. Inländischer Zucker wird nur für die Herstellung des für medizinische Zwecke imentbehrlichen Heibelbeerweins zur Verfügung ge»

Ruhr bezirk weniger a l s zweibrittel ber Friebensförderuny. Es kommt hinzu, baß im Friebensvertrag bie Lieferung großer Mengen von Kohlen an ben Feind übernommen ist. Außer­dem reicht schon jetzt in der besten Jalfteszeit die Leistungsfähigkeit ber Eisenbahnen nicht aus, um auch nur bie heule geringe Förderung an die VerbrauckBstellen zu schaffen. Menn nicht rechtzeitig für die Beseitigmrg dieser Uebelstäirde gesorgt wird, ist zu befürchten, baß im bevorstehenden Winter die deutsche Industrie in großem Umfange wegen Kvhlenmangels fei ein muß unb dadurch die Arbeitslosigkeit von Millionen, her* beigeführt wirb, in den Städten unb auf dem Lande bie Brennstoffe in bisher nicht dagewesanem. Hur fange fehlen unb die (rinährimg der Bcvölterimg durch die Unmöglichkeit des Kott>ens gefährdet, und ebenso die Versorgimg mit Gas unb Elektrizität unb bie Aufrechterl-altung des Verkehrs aufs Sck)werste beeinträchtigt wirb.

Was gedenkt bie Regierung zu tun, um dm uni» <nhcmren Gefahren rechtzeitig zu begegnen, bie ber Wirtschaft unb inneren Ruhe des Landes aus die­sem Zustande drohen?"

Die Ausgaben der Arbeiter- und Eoldatcn- räte.

Weimar, 1. Aug. Der demokratische Abge« ordnete Schifter fragt in der Nationalverfamm- lung an: Nach bet Verordnung über bas Finanz- gebühren ber Arbeiter- unb Soldatenräte vom 13. Januar 1919 haben bie Arbeiter- unb Solda tenr äte bis spätestens 31. Jmmar 1919 über ihre sämtlichen Einnahmen unb Ausgabe n unter Erläuterung der Herkunft des Geldes Rechnung zu legen. Die Verpflichtung zur Rechnungslegung erstteckt sich auch auf alle Verfügungen über Verpflegungs-, BekleidungS-, Geräte- und Materialbestänbe. Für unzulässige Ausgaben und Berfützungen haften die Mitglieder ber Arbeiter- unb Soldatenräte, soweit sie nach­weislich schuldhaft gehandelt haben. Ist die Reichs- regieiung bereit, darüber Auskunft zu erteilen, welches Ergebnis diese Nechnungslegungen gehabt haben unb in welchem Umfange bie Haftbarkeit einzelner Mitglieder eingetreten ist?

Aber ich verstehe von allem kein Wort, bester Toktor," wagte Ragna zaghaft einzu'wenben.

Ist auch gar nicht nötig, ich verstehe auch nichts davon. Aber dieT.-Zeitung" nimmt den Mund so voll undTre Biene", dieses schöne Blatt, hebt ja den Professor bis in den Himmel. Hier haben Sie Kleistertopf uni) Schere unb nun man los. Verbindenden Text schreiben Sie, und über den Unsinn, den der VLann gesagt hat, machen Sie Ihre Bemerkungen. Verstanden?"

Ja, aber mein Gott, was soll ich denn dazu lagen," fragte Ragna ängstlich.

Was Sic wollen, was Ihnen Ihr gesunder Menschenverstand sagt. Beste. Darum haben wir Sic ja engagiert, daß Sie so'n verrücktes Zeug lieber in Ordmmg bringen. Presto, presto, Ber- chrteste, in einer Viertelstunde wird der Setzer- junge hier sein, um Ihr Machverk einzuheimsen, unb morgen werden unsere Leser staunend die Worte ber Weisheit lesen, die mit Hilfe von Mstcr intb Schere, den Verrücktheiten des Pro- >ssors und Ihrer gesunden Anschauung schwarz auf weiß gedruckt sehen wir das Vergnügen haben."

, So ging es täglich. Ragna hatte oft ein wfüljl des Ekels vor dieser Arbeit, die sie hin­derte, ihren Geist frei zu entfalten, aber ihre ge- pbe Auffassungsgabe sagte ihr, daß bei einer Mlidj erscheinenden Zeitung nicht alles so sein tomte, nnc es ihr Ideal toar, und sie bemühte

amten das Streikrecht nicht verlangen dürsen. Ti: Nationalversammlung hat sich, entgegen einer vtt!-- fach in Beamtenkreisen verbreiteten anderen Auf­fassung, bemüht, im Verfassungswerk die Wünsche der Beamten zu verlvirklick>en und vor allem ihre Grundrechte zu sichern. Wir sind überzeugt, daß den Beamten unter allen Umständen durch eine nochmalige Teuerungszulage unter die

Arme gegriffen 'werden muß. Tie Be­soldungsreform muß schleunigst in An-

ssrift genommen werden. Bei der Schaffung des Beamtenrechts muß mit dem ©ebanfen des alten preußischen Staatsbiener-Verhältnisses gründlich aufgeräumt werben. Das Ziel loirb fein, mit möglichst wenigen, aber gut geschulten, leistungs­fähigen Beamten zu arbeiten. Sehr viel bleibt noch zu tun in ber Frage des Mitbestimmungsrechts. Was man ber Arbeiterschaft gewährt rät, darf man der Beamtenschaft nicht vorenthalten. Nur in Zusammenarbeit mit ber großen einheitlichen Organisation, bie sich die Beamten im Deutsck>en Beamtenbrmbe geschaffen haben, wird es ber Re­gierung gelingen, bas, was früher vergeblich an- gesttebt worben ist, ein zufriedenes Beamtentum zu )d)affcn.

Abg. Deglerk (D.-N.): Infolge von Aeuße- rimgen von Mimstern können bie Beamten be­fürchten, baß ihnen die Pensionsberechtigung und die unkündbare Anstellung abgeftjrock)en werden soll. Wenn 4virklick)- einmal bie Sozialdemokraten eine Mehrheit bekommen sollten, so werben den Beamten auch die Besttmmungen über das Be­amtenrecht in ber Verfassung nichts nützen. Die Not unter ben Beamten ist so groß, daß ihnen unbedingt eine einmalige Zulage gegeben werden muß. Ber der Regelung der Teuerungszulage müsseir auch die Pensionäre berücksichttgt werden. Von ber Güte des parlamentarischen Systems, bas Dr. Tavib in -en höchsten Tönen gefeiert hat, haben wir uns bisher noch nicht überzeugen könrren. Das dis jetzt aufgeräute Haus ist ein Kartenhaus, das von dem nächsten Windstoß um- gestürzt werben kann. (Zustimmung rechts, Wider­spruch links?

Reichsminister des Innern Dr. David wen­det sich gegen eine Reihe von Bemerkungen des Vorredners. Solche Gepflogenheiten würden fort­an zur protokollarischen Aufnahme von derarti­gen Verhandlungen zwingen. Ferner bat der Vor­redner noch die Behauptung aufgestellt, unter den Mitgliriiern der Regierung befänden sich dekorative Figuren, bie Gehalt ohne Gegenleistungen bezögen. Meines Wissens sind sämtliche Mitglieder der Re­gierung Wit Arbeit überlastet. Geradezu naiv muß es wirken, wenn sich der Redner gegen dekorative Figuren wendet, die er in der alten Regierung unterstützt rät- Damals gab es in Preußen eine dekorative Natur mit der Krone auf dem Kopfe, bie ein jährliches Einkommen von 18 Millionen hatte unb ebenso war es in den Einzelstaaten. Der Vorrebner und seine Freunde mögen sich gesagt sein lassen, baß heule außerordentlich viel billiger re­giert wird als unter dem alten System.

Abg. D ü w e l l (Unabh.): Auch bie heutige Re­gierung hat angeblich im Einverständnis mit den Vertretern ber Beamten ihnen bie Koalitionsfrei­heit beschränkt.

Abg. Dr. M i t t e l M a n n (D. Bp.): Wie steht der Minister zu dem, Stveikvecht der Beamten? Die Bemerkung, baß der oberste Beamte in Preußen 18 Millionen Gehalt bezogen habe, war recht wenig geschmackvoll. Die Blüte unter dem alten System war nicht zuletzt seiner mustergülttgen Und pflicht­treuen Beamtenschaft zu verdanken. Die Brücken zur Vergangenheit sind von biefem Hause be.vußt abgebrochen worden. Das Reich treibt einer un­gewissen Zukunft entgegen. Eins aber steht fest, ivenn jemals gehofft werden kann, daß das Schfts eine gute Fahrt fährt, dann wahrlich nur bann, wenn es gelingt, den alten Geist der alten Beamten­schaft hineinzuttagen m bie neue Zeit.

Minister David: lieber das Streikrecht der Beamten bin ich nicht in ber Lage, mich klipp unb

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