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J69. Jahrgang

Donnerstag, 2. Zanuar (ysy

SwiliingsrunddruS u. Verlag: vrühl'sche Unw.vuch- u. Ztemörnckerei R. Lange. §chnft!eitung, GrschaftrsteHe u. Druckerei: Schuistr. 7.

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äxu General-Anzeiger für Gberheffen......

Ebert über die neue Regierung.

Berlin, 31. Dez. (WB.) Ebert, einer der beiden Vorsitzenden der Reichsregiernng, 1 hatte die Freundlichkeit, einen Vertreter des i Wolff schen Bureaus zu enrpfangen und 1 äußerte sich ihm gegenüber folgendermaßen; i Mrt dem Hinzutritt meiner zwei Freunde i Noske und Wissel hat Deutschland zum ' ersten Male eine reine Parteiregrerung. Wir sind uns bewußt, was das bedeutet, sowohl nach der Seite der anderen Parteien als auch nach der Verantwortung unserer eigenen Partei gegenüber. Aber Sie werden aus fast allen Blättern ersehen haben, wie sympa- ' die Kabinettsbildung begriißt wurde. ! Das bedeutet natürlich keine Zustimmung zu unserem Parteiprogramm, wohl aber zu un» 1 serern Regierungsprogramm, welche die Einheitlichkeit des Wollens und Handelns an die erste Stelle setzt. Damit wollen wir bis zur Nationalversammlung das Reich vor Erschütterungen bewahren. Tann 1 wirb die Abstimmung zeigen, ob die Mehrheit des Volkes eine andere Regierung wünscht oder hinter uns steht. Wir sind der lieber» heugung, daß nur eine Regierung, die in sich keinerlei Reibungen zu überwinden hat, also aus einem Holz geschnitzt ist, jetzt durchhelfen ckkann. Diese Regierung glauben wir zu sein. Dabei suhlen wir uns durchaus nicht als Ausschuß unserer Partei, sondern als Be- lluftragte des ganzen Volkes, eben* so wie wir keine Berliner Regierung sein wollen und formen, sondern eine deutsche. Es ist viel darüber geschrieben, ob und wel­cher Süddeittsche noch ins Kabinett zu berufen sei. Das erste, was ich noch in der Nacht tat, nachdem die Unabhängigen ihren Austritt erklärt hatten, war, daß ich an verschiedene Parteifreunde in Süddeutschland tele­graphierte, um chre etwaige Bereitwilligkeit zum Eintritt in die Regierung festzustellen. ; Aber eine Erscheinung, unter der unsere ;ganze PchTteiorganisation leidet, zeigte sich auch hier: Fast alle führenden Männer sind schorc in irgenbeiner Meise an den Regie» rungsaeschäften beteiligt, so daß wir mit un­seren Bemühungen bis jetzt noch keinen Er­folg hatten. Wir hoffen aber, daß es uns noch gelingen wird, tote überhaupt unser ganzes Bestreben sein wird, in engster Füh­lung mit den deutschen Freistaaten die Reichs- Geschäfte zu führen, um auch durch diese Iftänbige Zusammenarbeit die Reichsei ri­tz ei t klar zum Ausdruck kommen zu lassen. Darin stimmen wir mit den Regierungen Süddeutschlands vollständig überein. Unsere nächste und dringendste Aufgabe wird sein, der Regierung einen Rückhalt in der neu zu schaffenden Volkswehr zu geben. Das wird sich hauptsächlich Staatssekretär N o s k e angelegen sein lassen. Scheidemanns Aufgabe wird sein, sich der Friedens- k o n f e r e n z zu widmen, welche diplomatisch­politisch vorzubereiten uns jetzt eine so vor­zügliche Kraft wie der neue Staatssekretär >> r a f Rantzau zur Verfügung steht. Wis- . l hat dafür zu sorgen, daß das Schlagwort ',01t der sozialistischen Republik Deutschland vom Schlagwort zur Tat- -1 a cf) e werde, d.h., daß neben den politischen !Rechten auch die wirtschaftlichen und sozialen Anforderungen des arbeitenden Volks erfüllt I oerben. Ich selbst sehe meine vornehmste Uirfgabe in oer Vorbereitung derNa-- f;i ona lversammlung, von der für uns iloie drei wichtigsten Errungenschaften abhän- \m: Frieden, Freiheit und Brot! >Es muß mit allen Mittel« durch gesetzt wer­den, daß sowohl die Wählen wie nachher die Nationalversammlung selbst ab­solut ungestört und unbeeinflußt verlaufen können. Aber au$ der gewaltige Stoff, welcher der Beratung und Beschluß» saffttng unterliegen spll, muß gesichert wer­den, wenn es der Konstituante mit Erfolg gelingen soll, ihr Ziel zu erreichen: Die Der» 1 mssmtgsrechtliche Grundlage für die junge deutsche Republik zu schaffen. Mit diesem ; Willen und mit diesen Kräften gehen wir ins neue Jahr!

S- «tSsekretär Müller üE die Wirtschaftslage.

Amsterdam, 31. Dez. (WTB.) Wie der Tefegraaf" ans London meldet, hatte der Sonder­korrespondent der ilchtional News" in Berlin eine Unterredung mit dem Staatstekretär dos Reichs- wnckschaftsamts Dr. Müller. Diefer^rklärte, das ganze Wirtschaftsleben befinde Mf mcgenblicklich ut einem chaotischen Zustande. Wgchhen davon, daß ohnehin schon ungenügende/V^engen an Sc» bensmitteln und Rohstoffen rtfie Versorgung der Bevölkerung vorhanden sind, /werden die Schwie­rigkeiten noch dadurch vergMert, das; Deutsch­land so viele Lokomotiven/imd EisenbahMvagen abluifern muß. Die Entente vergißt, welche kvloisa- läc Verluüe an Eisenbabchnaterürl Deutschlcrud m

Rußland, Rumänien,' der Türkei und Oesterreich- Ungarn gehabt hat. Dazu kommt, daß das, ivas Deutschland noch besitzt, in einem derartigen Zu­stande ist, daß große Ausoefserimgen notwendig stnd. Eine weitere Schwieriglett für das SBüte schastsleben bildet die entsetzliche Steigerung der Preise für alte Artikel, nicht nur für Stab!, Eisen, Kcklpfer usw. ^sondern auch für Lebens mittel. Außer­dem fordern die Arbetter noch Aufbesserungen ihrer jetzigen Löhne. Große Streiks fteben bevor. Durch die Forderungen der Arbeiter werden die Preise der Artikel vielleicht so hoch, daß Deutschland nicht mehr auf dem Weltmarkt kon­kurrieren fann, Jo daß der Export, von tv 20 Prozent der deutschen Arbeiter früher tebr u, sich nicht wieder erholen können wird. Das Streben der deutschen Wirtschaftspolitik muß also in Zu­kunst darauf gerichtet fein, ^icht nur die Löhne, sondern auch sämtliche Preise für 9iohmareiial al er Art und für verarbeitete Produtte sowie Lebens­mittel zu drücken. Nur wenn das geschieht, ist Deutschland noch imstande, sich wieder in die Höhe zu arbeiten und z. B. Schadenvergütuuaen zu bezahlen. Wenn Deuffchlano Elsaß-Lothringen verliert und die Einfuhr von Eisen aus Luxemburg und anderen .Ländern aikstöjrt, so entstehe dadurch für Deittschland der Ausfall v on u n ge f ä h r 2 8 Millionen Tonnen Eisenerzen. Deutschlmrd würde bann nur noch Roheisen für den eigenen Bedarf erzeugen kommen. Die andere große Gefahr für die Zukunft Deutschlands ist die 5k o ; - len frage. Wenn Frankreich auch das Saarbecken annektieren sollte, so würde Deutschland jährlich 10 Millionen Tonnen Kohlen verlieren. Wenn Frankreich Kohlen aus dem Saarbecken erhielte, würden die Franzofen vermutlich selbst rerfuriyit, Erze ans Elsaß-Lothringen zu verarbeiten. Das wird aber nicht gelingen, weil Frankreich im übri­gen arm an Steinkohle ist. ,Es ioäre im Interesse beider Länder, wenn Frankreich, die Erze ans Elsaß-Lvlhringen Deutschland lieferte und diel es wiederum die nötigen .stöhlen' Frankreich v r- ischafste, das über einen viel besseren und reicheren! Erzbergbml in der NormmiAe verfügt. Durch eine solche Regelung wäre beiden Ländern geholfen. Eine andere Gefahr in der Kohlenstage find >,ie a n n e x i o,n i st i s ch e n Wünsche der Polen. lZu all diesen betrüblichen Aussichten kommt noch, daß Deutschland im Kriege fast alle Kmrden ver'or. Auf einigen Gebieten, wie z. B. auf dem Gebiet»' der Chemikalien, ist es im Augenblick noch i n - stande, zu konkurrieren. 9tber Deutschland will "r- becten. Wenn man ihm nur die Kohlendi senkte läßt imb die nötigen Rohmaterialien imb Lebensmittel verschafft, wird der fleißige, sparsame deutsche Arbetter zeigen, daß Deutschland gesonnen ist, allen Verpflichtungen nachzukommen Setzt man aber Deutschland nicht instand, für die Lieferung von F-abrikprodukten als Gegenleistung Rohstoffe zu erhalten, und nimmt man Deutschland einen Teil seiner Erze und die Koh­lendistrikte, so müssen mindestens 20 Prozent der dentschen Bevölkerung auswandern oder verhungern. Deutsch­land wird selbst mit Hilfe vom Auslande lange Zett die größten finanziellen Schwierigkeiten haben. Der Krieg kostete Deutschlarid bis jetzt ohne die Kosten für Kriegsrenten 170 bis 180 Mil­liarden Mark. Dieser Betrag bildet, trenn man nur die privaten Vermögen in Betracht zieht, das Nationalvermögen Deutschlaachs. Wenn die Entente eine Schadenvergütung von Hunderten von Milliarden Mark verlangt, daun ist's mit Deutsch­land absolut ans. Auch unsere Kriegsanleilien müssen bezahlt werden, sonst fiirb wir ebenfalls zugrunde gerichtet. Wir lind imstande, die Zinsen für die Kriegsanleihen im Betrage von 5 Milliar­den Mark pro Jahr zu bezahlen. Die bereits er» höhten Steuern liefern 21/2 Milliarden Mark, die Rüstungseinschränkungen sowie andere Erspar­nisse werden uns sicher dazu befähigen. In einigen Tagen wird das ganze deutsche Heer demobilisiert fern. Wir werden dur chkommen, venn manunsinRubelebenläßt, uns Rohstoffe gibt, unfern Bergbau uns läßt und uns nicht ver- lnndert, Kunden zu gewinnen. Wir werden der Welt zeigen, daß wir in Zukunst nicht nur für uns selbst .sondern auch für das Wohl und zum Vorteil der ganzen Welt arbeiten wollen.

Die preußischen Minister.

Berlin, 31. Dez. (WTB.) Der preußfche Mi­nister Ströbel erklärt zugleich im Auftrage von Dr. Breitscheidt, Hofer, Simon und Dr. Nosenfeld (Slöolf und Paul Hoffmann waren ihm nicht erreich­bar) in einer Mitteilung an den Ientralrch daß sie durchaus auf dem Boden der Auffaffungm stehen, welche Barth, Dittmann und Haase zum Arstritt aus dem Rat der Volksbeauftragten veranlagt hätten und ersucht demnach, um eine Klärung ihrer Stellung als preußische Minister herbeizuführen un) über ihr weiteres Verbleiben im Amte schlüssig werden zu kön­nen, um eine Besprechung mit dem Ienttalrat her­beizuführen.

Gegen den Bolschewismus.

Berlin, 31. Dez. (WTB.) Die Vereinigung zur Bekämpfung des Bolschewismus zu Berlin, Schel- lingstraße 2, beabsichtigt, gegen terroristische Akte der deutschen Bolschewisten eine energische Gegenagitation zu entfalten. Sie bittet die Anhänger der Ordnung und Sicherheit um Uebermittlung des einschlägigen Materials, das auf Wunsch vertraulich behandelt wird. Die Vereinigung ist parteipolitisch völlig neu- trnl. Ohre einzige Aufgabe ist, an der Aiedereinfüh- rung geordneter Zustände mitzuarbeiten, gleichgültig unter welcher Regierung.

Die Bedrohung im Osten.

Polnischer Anmarsch aus Berlin?

. Berlin, 31. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Das Kriegsministerium teilt mit: Wie wir von unterrich­teter Seite erfahren, entspricht die Nachricht, die wäh­rend der gestrigen Vollsitzung der Groß-Berliner Sol- datenrüte allgemeine Beunruhigung erregt hat, daß 30000 Polen bereits auf Berlin anmarschieren und daß sie schon bei Deutschen ständen, glücklicherweise nicht den Tatsachen. Die Dinge haben zwar in Posen eine sehr bedenkliche Entwicklung angenommen und stad geeignet, jedes deutsche Herz mit bangster Sorge vor der Zukunft zu erfüllen Jedenfalls muß es völlig ausgeschlossen sein und bleiben, daß auch nur eine mittelbare Bedrohung Berlins durch polnische Streitkräfte zur Tatsache wird. Wie der Delegierte Krc-t 5 in der Sitzung der Soldatenräte sehr richtig ist der Grenzschutz Ost außerordentlich wichtig. Es fehlt aber noch an Mannschaften, es heißt also: Freiwillige vor!" Gediente ausgebildete Soldaten, die zur Zeit beschäftigungslos sind, sollten sich zur Aufnahme als Freiwillige für Formationen des Grenzschutzes Ost melden. Die General- und Garni- son-Konimandos geben Auskunft über die Aufnahme­bedingungen. Vor allem fehlt es auch an Aerzten und Sanitätspersonal. >

Freiwillige für den Osten!

Bad-Nauheim, 31. Dez. Das Generalkom­mando des 18. A. K. erläßt folgende Bekanntmachung: Nach Mitteilung des Kriegsministerinms ist die Lage im Osten derart, daß nur sofortiger Zufiuß von Frei­willigen Abhilfe schaffen kann. Das vaterländische Unterere erfordert es daher dringend, daß sich Frei­willige für den Grenzschutz Oft nicht nur in möglichst großer Zahl, sondern auch sofort bereit finden, um deutschen Boden gegen fremde Einfälle und Erobe­rungssucht zu schützen. Meldungen nehmen sämtliche im Bereich des Generalkommandos eingerichteten Werbestellen entgegen. Die Bedingungen für die An­nahme sind günstig (Unteroffiziere und Mannschaften mobile Löhnung nach den Dienstgraden, mindestens 30 Mark monattich und mobile Verpflegung, außer­dem 5 Mark tägliche Zulage und bei Verwendung außerhalb des Reiches eine besondere Treuprämie, für den ersten Monat 30 Mark, für jeden weiteren Monat um 5 Mark steigend bis zum Höchstsatz von 50 Mark, bei endgültiger Entlassung 50 Mark Ent­lassungsgeld, 15 Mark Marschgcld und ein Entlas- sungsanzug). Jeder, der in der Lage ist, diesem Ruf zu folgen, melde sich sofort, es kommt auf jeden ein­zelnen Mann an ' insbesondere denen, die vorüber­gehend keine Arbeit finden, bietet sich hiermit eine Gelegenheit zu vorläufiger guter Versorgung und zur Behebung der Arbeitslosigkeit. Wer sich selbst nicht stellen kann, werbe in seinem Kreise, damit unserer Ostmark ein eherner Schutzwall erstehe. Eile tut Not!

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Der Anschluß Deutfch-OestcrreichS an das Deutsche Reich.

Wien, 1. Jan. Eine amtliche Mitteilung besagt: Es besteht in Deutsch-Oesterreich völlige Uebereinstimmung darüber, daß es im Interesse unserer Volkswirtschaft ist, gemeinsam das Wirtschaftsgebietmitden anderen auf dem Boden Oesterreich-Ungarns entstandenen Na­tionalstaaten zu erhalten. Sollte Deutsch-Oester­reich ein ernster konkreter Vorschlag einer solchen Aterbindung mit den neuen Na i w ölst raten gemacht Treiben, so wird die deutsch-österreichische Regier rtmg selbstverständlich in Verhandlungen über diesen Gegenstand eintreten unb sie gewissenhaft und loyal mit dem Bestreben führen, zu einem positiven Ergebnis zu gelangen. Zu solchen Ver­handlungen sind aber dieanderenNational- staaten nicht bereit. Dagegen sollen sich rrach Erörterungen in der Presse unsere Nachbar­staaten, zunächst die Südslawischen National­staaten zu einer Föderation zusammen­schließen, deren Spitze gegen Deutsch- Oe st erreich gerichtet wäre, und es soll dann Deutsch-Oesterreich gezwungen werden, dieser Föderation beizutreten, ohne daß ihm ein Einfluß auf den Inhalt des Bun­des zugestanden würde. Bei dieser Sachlage ist es die Pflicht der deutsch-österreichischen Regierung, fäwohl unsere dLachbarstanten, als auch die anderen Mächte nickt im Unklaren darüber zu lassen, daß Deutsch-Oesterreich aus zwingenden fvirtschaftlichen Gründen nicht allein besteheu kann, und daß auch nicht jede Form des wirtschaftlichen Zu­sammenschlusses mit anderen Nachbarstaaten un­seren Bedürfnissen entsprechen könne. Daher kann Teuffch-Oesterreich nur in einem Anschluß andas Deutsche Reich eine Sicherung seiner wirtschaftlichen und nationalen Zukunft suchen und finden. Es besteht kein G-rmtd, anzunehmen, daß die verbündeten Brächte und die Vereinigten Staa­ten über Teuffch-Oesterreich verfügen werden, ohne den Willen des deutsch-österreichischrn Volkes zu berücksichtigen. Wenn auch die Entfiheidung niete von unserem Willen allein abhängt, so wird sie doch durch unseren Willen mitbestimmt irerbai. Es liegt daher nicht im Interesse Tentsck>--Oesterreichs, die Aenßerungen des Wttlens unseres Volkes ari­deren Nationen gegenüber al^nschwächen.

Oesterreichs Lebensmittelversorgung.

Bern, 30. Dez. (WTB.) Sch:reiz. Dep.-Ag. jrxncte mittag begibt sich von hier aus eine Entente- lßommission, bestehend ans Vertretern der Verein. Staaten, Englcmds, Frankreichs und Italiens, ins­gesamt 14 Delegierte und deren Begleitung, zum Studium der Lebensmittelfrage Deutsch - Oester­reichs nach Wim. In dem gleick-en Zuge reifen auch einige Mitglieder der deuffckr-österreichischen. Delegation, die in der letzten Zeit mtt der Entente- Kommission Beratungen gepflogen hatten, nach Mien zurück^

Außer den vorzugsweise durch die Schweiz zu liefmünni Waggons mit Lebensmitteln aus fefavei» zerischen Beständen bewilligte die Entente.Kom­mission bis jetzt weitere 4000 Donnen Lelxmsmittel für Deutsch-Oesterreich, die von Italien in reit nächsten Tagen aufgekauft und über Innsbruck nach Wien befördert tueroeu sollen.

(Eilte Rede Wilson;.

Amsterdam, 1. Fanü> Nach einer Reutermel- dung ous Manchester sag^ Wilson in einer Rede folgendes: Jenes Gefühl, oas wir mit dem weihe­vollen AusdruckFreundschaft" bezeichnen, entsteht nicht nur aus Liebe, sondern auch aus gemeinsamen Intereffen. Bisher wurde die Welt von Jntereffen- gemeinschasten regiert, aber Interessen trennen die Menschen. Von dem Tage an, da von der sorgfäl­tigen Anordnung der Intereffen abgewichen wird, be­ginnen die Eifersüchteleien. Es gibt nur eins, was die Volker aneinander fesseln kann, und das ist die gemeinsame Hingabe an das Recht. Kein anderer Gedanke als dieser, darf uns leiten. Die Vereinigten Staaten haben von Anbeginn ihrer Geschichte immer das Gefühl gehabt, daß sie sich von jeder (Ein­mengung in die europäische Politik fernhalten müssen. Sie sind auch jetzt nicht an der euro­päischen Politik interessiert, sondern an der auf das Recht gerichteten Gemeinschaft Ameri­kas und (Europas; denn sie wollen keiner Macht­kombination beitreten, die nicht die Vereinigung aller ist. Die iß,reinigten Staaten sind nicht nur am euro­päischen, sondern auch am Weltfrieden interessiert. Deshalb scheint es mir, daß die eben vor uns lie­gende Regelung etwa- Schwierigeres zustande zu bringen hat, als je vorher versucht wurde, nämlich die wahre Uebereinstimmung der Geister und Ziele. Aber wenn diese Aufgabe auch schwer ist, so ist doch ein (Element vorhanden, das sie leicht.macht. Nie zu­vor in der Geschichte bestand eine so strenge internatio­nale Gewissenhaftigkeit wie jetzt. Es erhebt sich gerade jetzt in der Weitem lauter Ruf nach Menschlichkeit, und wer ihn nicht zu hören vermag, ist taub. Es be- steht jetzt ein großer Zusammenhang des gemeinsamen, Gewissens und ein Staatsmann, der ihm widerstrebt, würde eine sehr wenig beneidenswerte Stellung in der Weltgeschichte einnehmen. Ich rechne nicht darauf, daß jede Einzelheit der Abmachungen, die wtt an- streben wollen, in jeder Richtung befriedigend sein wird. Man braucht nur an irgendeine der Fragen der Abgrenzungen und der veränderten Souveränität zu b ent en und an die nationalen Bestrebungen, um mit ziemlicher Sicherheit sagen zu können, daß es keinen Menschen und auch keine Gruppe von Menschen gibt, die genau sagen können, wie diese Fragen geregelt werden müssen. Wer wenn wir schon nicht befriedigende Regelungen treffen, so müssen wir wenigstens darauf achten, daß sie durch die späteren Korrekturen immer befriedigender werden. Wir müssen deshalb für einen Mechanismus der Wiederherstellung sorgen, um einen Mechanismus des guten Willens und der Freundschaft zu haben. Wenn die Welt eine Gemeinde von Freunden bleiben soll, so muß sie über Mittel zur Freundschaft und zum beständigen .freundschaftlichen Verkehr verfügen, über die Mittel zu beständiger Wachsamkeit über das gemeinsame In­teresse, und über eine einfache und dauernde Methode von Konferenzen, die es ermöglichen, die Schwie­rigkeiten dann in Angriff zu nehmen, wenn sie noch klein sind. Der gute Wille ist der Vorläufer des Handelns, und der Handel ist das große Freund­schaftsinstrument der Welt. Ich wünsche, daß nicht nur Großbritannien und die Vereinigten Staaten, sondern auch Frankreich und Italien und die ganze Welt in die große Liga eintreten, daß w r uns zu allererst als Freunde der Menschheit erklären und uns vereinigen zur Aufrechterhaltung und zum Triumph des Rechts.

Die Wahlen in England.

London, 30. Dez. (WTB.) Havas. Bei den Wahlen in England wurden 366 Anhänger der Koa­lition gewählt, nämlich 270 Unionisten, 90 Liberale, 6 Arbeckerparteiler; unter den Gegnern der Koalition zählt man 21 Unionisten, 15 Liberale, 19 Arbeiter- parteiler und 18 Sinnfeiner

London, 31. Dez. (WTB.) Havas. Nach der Plenarsitzung des Kriegskabinetts wurde Lloyd George vom König empfangen.

AuS der französischen Kammer.

Pa ris^ 30. Dez. (WTB.) Öavas. fficnmibd rertangt, daß die Kammer nur für einen statt für drei Monate Kvetüte betoillige. Fttnrn'Minister Klotz bekampite diesen Antrag unb stellte die Btrtrauens- sragc. Albert Thomas verlangte roit der Regierung die Wiederaufnahme der normalen parlamentari­schen Methoden und die Becuttivortung der ge» stellten Fragen.

Ministerpräsident Clemenceau antirortetc2 Die Regierung hat auf alle Fragen geantwortet, aber sie hat das Recht, ihre Grunde zu mahlen^ Die i chige Methode war nicht schlecht, da der Krieg zur allgemeinen Zufriedenheit bearbet wurde. Die Regierung hat dos Recht, unter den Intervttla- tunten auszuwählen. Es gibt solche, die unnütz sind, frirtb andere, die in dieser Periode des Leidens und der Angst gefährlich sind. Wir haben vom Parla­ment die Vertagung der Diskussion über gewisse I-ragen verlangt. Das Parlament hat inte das Ver­trauen gtigt und aus dem Lande ist uns nichts zug'komme? -as einer Klage oder Beschuldigung gleichkäme. Tie Opposition u imint ihre Tattn? wieder auf. Ich verlange von der Kammer, daß sie dieselbe zurückweist. Die Friedensfrage ist eine der schoiorigsten Fragen, die der Nation unter- breitet wurden. In toemgen Tagen wird sich tti Paris eine Konferenz von Politikern versammeln^ die das Schicksal der Nationen allvr Erdteile regeln wird. Frankreich befindet sich, fuhr Clemeueean frort, in einer besonders schwierigen Lage. Es ist das Land, das Deutschland am nächsten liegt.