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postschecktonlo:

Krankfurt a. M. U686

169. Jahrgang

5amstag, J. November 1919

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

SwlMngzrunddruck u.Verlag: vrühl'sche Unio.-Vuch- u. Zteindruckerei N. Lange.Zchristleitung, Geschäftsstelle ».Druckerei: Zchulstr. 7.

Annahme von Anzeigen s. tue <aqesnuminer bi? zum Nachmittag vorher oynejebeBerbmdlichkeit Preis für 1 mm hohe für An meinen v.34mrn Breite örtlich 15 Bf, auswärts 18 M., für Reklame' anzeigen von 70 mm Bre ie 48 Vf. Bei Vlatz- vor'chri'!20'/ Auifchlag. Hauvtfchriitleiter: Ang Goeg. Verautivortlici. für Politik: Ang. Goetz, für den übrigen Teil: Dr Reinhold Zen-; für den Anzeigenieil: H. Beck; fämilich m Gießen

tvochenrvübllck.

Die schtocrrzrotgoldene Flagge weht hoch im Winde des parlamentarischen Systems. Schwarz das Zentrum, rot die Sozialdemo­kratie, und die dritte Farbe das Symbol des neuen goldenen Zeitalters der von unse­ren Feinden gepredigten und gepriesenen De­mokratie. Innerhalb unseres eigenen deut­schen, schlecht durchwärmten Hauses ist der Kampf für das demokratische Prinzip noch in erfolgreichem Vordringen, aber wenn-wir die Fenster öffnen und den Kopf in die Welt­atmosphäre hinausstrecken, schrecken wir vor einer schwefelgescbwängerten Lust zurück: da draußen bläst allenthalben der zerstörende Wind der herrschenden Schichten einzel­ner Völker, die sich von Glück und Macht, aber nicht von Gerechtigkeit und Völker­freundschaft treiben lassen. Und nun ist es nicht ganz ungerecht, wenn wir im eigenen Hause Umschau halten und den Regierungs­parteien, die so fest auf die bessere Seele des Auslandes bauten, unsere Enttäuschung klagen. Besonders wenn wir die armen Trümmer unseres früher so stolzen Heeres überblicken, tut uns das Herz weh. Die ande­ren Völker, die uns jetzt den Fuß auf den 'Nacken setzen, haben noch ihren Militaris­mus, der von dem unserigen gar nicht so verschieden war, um die heftigen Anschuldi- s'.ungen zu rechtfertigen, die uns Deutschen immer entgegengeworsen wurden. Mächen l«nn unsere Gegiier irgendwelche Miene, im wahrhaft pazisistisck)en Sinne abzurüsten? Es ist ja wahr, sie werden jetzt mit weniger Mitteln für ihre militaristischen Zwecke aus­kommen, nachdem Mitteleuropa zusammen- gebrochen ist. Aber es ist nach tote vor der imperialistische Geist, der sich bei ihnen den Körper baut. Wir sehen französische Truppen rächt nur in Polen, sondern auch in Syrien, ivo sie die Trikolore aufziehen und sich wenig darum scheren, was die Eingeborenen für Völkersclbstbestimmunasgedanken haben. Englische Offiziere aber leiten den Kampf lociter gegen die Bolschewisten, und die bri- nschen Machtmittel zur See führen zwar äußerlich ein harmlos pazifistisches Dasein, aber dieses Dasein genügt eben, um in allen Breitengraden den britischen Willen durch- rusetzen und neue Stützpunkte undEinfluß- sphär-en", wie in Persien, zu sichern. Bon der Methode, den Frieden in Europa ein- zuläuten, später noch einige Worte.

Vor unserer Nationalversamm­lung aber stand zuerst Herr N o s k e, der Neichswehrminister, um seinen Etat zu ver­teidigen, sich selbst und den Reichswehrtrup- pen die Mittel zum Leben zu sichern. Man kann es verstehen, wenn ein alter preußi­scher Offizier, wie der Abgeordnete v. Gräfe von der deutschnationalen Partei, beim An­blick der Veränderungen seinem gequälten und empörten Herzen Luft machte. Aber man darf nicht bloß Vergleiche zwischen Einst und Jetzt anstellen. Hinter der heutigen Zwangslage sitzen vielerlei Ursachen. Und diese Schuldurfachen zu gruppieren, sie den ?lUdeutschen, voreiligen oder vorlauten Frie­densmachern, oder den Trägern der Umsturz­idee aufzurechnen, ist ein wenig fruchtbares Beginnen. Man muß praktische Arbeit leisten, darf sich dem Wiederaufbau nicht versagen, und muß berücksichtigen, was nröglich und was unmöglich ist. Was kann man von Noske vernünftigerweise fordern? Selbst wenn sein Sitz nicht im Lager der Internationale wäre, könnte man ihm die Rolle eines Scharnhorst unmöglich zu teilen. Wir müssen zufrieden sein, wenn es ijjm gelingt, auf den Trüm- niern der Revolution die arg gefährdete und zerstörte Ordnung wieder herzustellen. Das war und ist schon eine große Ausgabe, seit den sich bald jäbrenden unglückseligen No­vembertagen. Und muß er denn nicht ein bißchen etwas von einem Januskopf haben, Lieser Noske, der die Fachoffiziere nicht ent­behren kann und sich stets des Vorwurfs der Unabhängigen zu versehen hat, er gehe mit diesen Offizieren im Fahrwasser einer monarchistischen Reaktion? Man darf die Ab­stimmung in der Nationalversammlung, wo­bei die Deutschnationalen zusammen mit den Unabhängigen den Heeresetat ablehnten, nicht zu tragisch nehmen. Es ist nicht weise uno wohl auch nicht nützlich, wenn einzelne Zeitungsorgane der Regierungsmehrheit we­gen Oppesitionsreden aus dem Lager der Rechten aus dem Häuschen geraten und die politische Entwicklung durch wilde Schmäh- tntb Hetzartikel zu befeuern suchen. Nament­lich dieFrankfurter Zeitung" hat darin dies Guten zu viel getan. Wenn wir den Deutschnationalen vom Schlage des Herrn v_ Gräfe entgegenhalten, daß sie die Ereig­nisse, die neue Zeit, nicht gebührend in Rcch- iritng stellen, so muß man auch die Heiß­sporne der Regierungsmitte daran erinnern,

das deutsche Sott zwar einen Liefen Fall

getan hat, daß aber der große Schicksals- Wechsel nicht lediglich ein Sieg der Links­parteien gewesen ist. Am langsamen Um­lernen müffen wir a lle beteiligt sein. Wenn man gegen die Politik der Deutschnationalen Partei, deren Einfluß doch nicht überwiegend ist, allzu laut ins Horn stößt ruft man gerade die Militaristen der Entente herbei, die sich allerdings gerne gegen den preußi schen Militarismus scharf machen lassen. Bei der Klärung der Meinungen lassen sich par­teipolitische Kämpfe nicht vermeiden, aber wer die Alarmrufe über die ganze Erde ertönen läßt, besorgt die Geschäfte der Gegner...

Die Unterscheidung von nationaler und nationalistischer Idee, die Gras Bernstorff, unser früherer Botschafter in Washington, in einem öffentlichen Vortrag betont hat, ist beherzigenswert. Nationa­listische Propaganda in der früheren all­deutschen Richtung ist heute unmöglich, denn um derlei hochfliegende Unternehmungen zu beginnen, fehlt uns jegliches moralische und materielle Kapital. Wohl aber muß der na­tionale Gedanke hock)gehalten werden. Er geht ja durch alle unsere Sorgen, und die Entente weist uns durch ihre brutale Politik selber darauf hin. So steckt in den Noten unserer gegenwärtigen Regierung gegen die Blockade in der Ostsee und gegen die Teil­nahme an der wirtschaftlichen Ab­sperrung Rußlands ein beinahe scham­voller, bettelarmer, aber doch aus der Tiefe aufquellender Vaterlandsgedanke. Wir wer­den ja nicht als Menschen, sondern als ver­haßte Deutsche behandelt. In Amerika ver­bietet man Opernaufsührungen in deutscher Sprache. Nicht nur Haß und Rache regieren, sondern auch vorwiegend jener von keinen ethischen Rücksichten gezügelte Bereicherungs- drang, der sich nicht mehr versteckt, sondern über der zerrissenen Decke der früheren Sta- tus-quo-Politik sein grinsendes Haupt er­hebt. Trauer und Verzweiflung liegen über der langen deutschen Auseinandersetzung, mit der unsere Regierung die feindlichen Unholde und dieganze 2BeIt" auf die grausame Vernichtung des aufkeimenden Verkehrs­lebens an unserem Ostseebestade hintveist. Wir sehen uns durch Willkür und Tyrannei, die nichts fragen nach den mühsamen An­fängen unserer wirtschaftlichen Wiederherstel­lung, auf das Bitterste genarrt. Und welche Verhöhnung unserer düstersten Erfahrungen daneben, daß uns zugemutet wird, die Ab­schnürung und Erdrosselung Rußlands tätig mitzumachen! Wenn uns, wie zu erwarten ist, Die energische Verwahrung vor der ganzen Welt schwerlich viel helfen wird, so muß dafür die Wirkung mehr nach innen gehen, Aunt Ziele nationaler Selbstbesinnung. In der entschiedenen Ablehnung aller Mithilfe in der Blockade gegen Rußland sind sich wohl alle Parteien einig.

Neben der Prüfung des Militäretats hat das parlamentarische System noch eine andere Probe aufs Exempel gemacht. Der Kreis der Gegner des Reichsfinanzministers Erzberger ist noch viel größer als derjenige des Herrn Noske. ErzbergersEtatist nicht nur von den Deutschnationalen und den Unabhängigen sondern auch von der Deutschen Volkspartei abgelehnt worden. Daß wir zu einer Schulden­last von über 200 Milliarden Mark gelangt sind, hat dabei weniger mitgesprochen als die Tatsache, daß zu der Persönlichkeit des Laien- finanziers das allgemeine Vertrauen fehlt. Man härte, so wurde entgegengehalten, sich darauf beschränken können, dem mißli-bigen Zentrumspolitiker einige Abstriche zu machen, um auf diese Weise gegen ihn zu deinow- strieren, aber die Rednc«W>ec Deutschen Volks- Partei lehnten mil einer temperamentvollen Gereiztheit jede Belehrung darin ab, und zwar gerade mit Berufung auf das jetzt gültige parlamentarische System, das die Mitte! an die Hand gibt, ein Ministerium zu beseitigen. Verfügte die Regierungsmehrheit über keinen anderen, besseren Sachkenner als den Mann, der weitesten Volkskreisen als mit Schuld an unserem nationalen Elend schwer belastet er­scheint? Die allgemeinen finanz- und wirt­schaftspolitischen Weisheiten, diö er zur He­bung unserer Valuta vorbrachte, erinnern an die Pfauenfedern, mit denen in der Fabel der Häher sich schmückte, ohne damit beliebt zu werden. Daß der neue Rechshaushalt einige Milliarden weniger beansprucht als derjenige des abgelaufenen Revolutionsjahres liefert auch noch keinen Befähigungsnachweis des Herrn Erzberger. Die Opposition zollte ihm ein VorschußmißLrauen für alles, was er noch zur Regelung unserer Finanzoerhältnisse zu tun gedenkt. Die Ablehnung des Etats durch eine beträchtliche Minderheit schafft keinerlei Regierungskrisis, die auch im gegenwärtigen Augenblick durchaus nicht zu wünschen wäre. Wenn aber Herr Erzberger in dem Prozeß

gegen Helfferich straucheln und zu Fall kom­men sollte, wird es der Negierungsmehrheit wohl nicht schwer fallen, einen geeigneten Er­satzmann auf seinen Platz zu stellen.

Die Vernehmung vethmann yollwegr.

Berlin, 31. OKI. (Wolff.) Der zweite Un­terausschuß des parlamentarischen Untersuchungs­ausschusses, der die Friedensmöglichkeiten untersuchen soll, nahm heute seine Arbeiten mit der Verneh­mung des früheren Reichskanzlers von Vethmann Hollweg wieder auf. Die Verhandlungen fanden diesmal im großen Saale drs Hauptausschustes im Reichstagsgebäude statt. Um 10* 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Abgeordneter Warmuth, die Sitzung, nahm zuerst die Vereidigung des früheren Reichskanzlers, der in Begleitung seines einstigen Unterstaatssekretärs Wahn sch affe er­schienen war, vor und richtete dann an Vethmann Hollweg folgende drei Kernfragen: 1. Aus wel­chen Gründen ist das Friedensangebot vom 12. De­zember durch die Ientralmächte erfolgt, trotzdem eine Friedensaktion Wilsons durch Deutschland angeregt und bis spätestens Ende Dezember in sichere Aussicht gestellt war? 2. Aus welchen Gründen sind Wilson die konkreten Friedensbedingungen nicht mitgeteilt worden? 3. Aus welchen GrünLrcn hat die politische Reichsleitung die von ihr angeregte Friedensaktion Wissons nicht weiter betrieben und statt ihrer ihre Zustimmung zur Führung des rück­sichtslosen U-Boolkrieges gegeben?

Berlin, 31. OKI. (Wolff.) Der frühere Reichs­kanzler v. Dethmann Hollweg, der gegenüber des Vorsitzenden am Ieugentisch Platz genommen hat, ging in längeren, weit ausholenden Darlegungen auf den gesamten Fragenkomplex ein und faßte seine Antwort dahin zusammen: Der Berliner Zentralstelle war zweifelhaft, ob der Friedensschritt: Wil. s o n s überhaupt erfolgen werde und ob er »och in eine günstige militärische Lage fallen würde. Die Berliner Zentralstelle zog daher, um den militärischen Zeitpunkt nicht zu verpassen, um durch eine öffentliche Aktion zu den Völkern der Entente vorzudringen, den Weg des öffentlichen Friedensangebots vor. Zu der zweiten Frage äußert sich der frühere Kanzler dahin, daß die positiv ausgesprochene Bitte um vertrauliche Mit« teilung der F r i e d « n s b e d i n g u n g e n erst in die allerletzte Periode vor dem Bruch mit Amerika gefallen sei. Einen breiten Raum in feinen Betrachtungen nahm die Frage der Zustimmung zum U»Bootkri.eg ein. Die Ober ft e Heeresleitung forderte den U-Bootkrieg mit voller Entschiedenheit. Hintxi dieser Forderung der Obersten Heeresleitung stand ein ge­waltiger Teil des Volkes. Mit erhobener Stimme schloß er, daß die Mehrheit des deutschen Vo Kes und feine gesetzliche Vertretung das Ucbergewicht der militärischen Leitung gewollt habe, und daß es wohl nur einem Manne non der Autorität Bismarcks möglich gewesen wäre, auch in einer solchen Lage einheitliche Führung zu erzielen. Die weiteren Verhandlungen wurden auf nachmittags 4 Uhr vertagt.

Berlin, 31. Okt. (WB.) In der Nachmittags- sitzung des Untersuchungsausschuffes wurde mit der Vernehmung Bethmann-HoUwegs fortgefahr^n. Auf eine Reihe von Fragen antwortete von Bethmann- Hollweg, daß er konkrete Bedingungen seines Wissens Graf Dernstorff nicht mitgeteilt habe, Oester­reich-Ungarn sei über die Wilsonsche Friedens- aktton orientiert worden, er sei aber im Moment außerstande, genauere Auskunft zn geben. Auf den Hinweis, daß er die Friedensvermittlung W^ons an­geregt auf der anderen Seite aber Wilson nicht mit­geteilt habe, daß wir selbst eine Friedansaktion unternehmen wollten, erklärte Dethmann, er habe beide Aktionen gegeneinander abgewogen und geglauot, zwei Eisen im Feuer haben zu sollen. Er könne nur wiederholen, daß bie Friedensaktton Wilsons durch unser Friedenangebot nicht beeinträchttgt worden sei. Auf die Frage, daß ein Gegensatz zwischen der Obersten Heeresleitung und dem Reichskanzler hinsichtlich der Zensur bestanden habe, erwiderte von Bethmann-Hollweg, daß weite Kreise des deutschen Landes der ehrlichen Ueberzcugung gemein seien, daß der unbeschränkte U-Bootkneg das einzige Mit­tel sei, uns zu retten, und solche Ueberzeugung lasse sich oud) nicht durch Iensurmaßnahmen totmachen. Auf den Einwurf, daß er damals pessimistisch über den Kriegsausgang dachte, erwiderte v. Bethmann mit Nachdruck, daß er niemals pessimistisch gewesen sei. (Er habe vom ersten Tage an die Lage als ernst auf- gefaßt L Ernst und Pessimismus seien ihm aber zwei ganz verschiedene Dinge. Hätte er im Reichstag den Pessimismus vertreten, dann wären wir sofort zu- sammengebrochen. Da sei es seine Pflicht gegenüber dem Volke und der Armee gewesen, den Mut auf­rechtzuerhalten. Auf die Frage Dr. Davids, ob nichts geschehen sei, die deutsche Presse auf die Friedensaktion Wilsons einzustellen, sagte Vethmann, daß es seine Aufgabe war, nachdem der U-Bootkrieg einmal beschlossen war, die Wirkung dieser Waffe nicht irgendwie in Zweifel zu ziehen. Nächste Sitzung 4. November.

Japan und der Friedensvertrag.

Amsterdam, 31. Okt. (Wolff.) DioTimes" meldet, daß der japanische geheime Staatsrat den Friedensv ertrag mit Deutschland angenommen hat.

Tokio, 31. Okt. (WTB.) Der Friedensver- trag ist heute ratifiziert worden.

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Die Arbeiterschutzkonfcrenz in Washington.

Amsterdam, 31. Okt. (Wolff.) Das Preß­büro Radio meldet aus Annapolis über die inter­nationale Arbeiterschuhkonfereuz in Wa­shington: Alfonso (Balas legte eine Entschließung vor, daß Deutschland und Oesterreich von der Kon­

ferenz über internationale Gesetzgebung nicht aus« geschloffen werden können. Ein italienischer Dele­gierter erklärte, die Nichtteilnahme beider Länder würde wahrscheinlich eine nachteilige Wirkung Haden. Carlier-Belgien sagte, aus moralischen Gründen könne er nicht für die Entschließung stimmen, aus wirtschaftlichen nicht dagegen. Maiham-Belgicn sagte, er und Cenis stimmten dafür aus wirtschaft­lichen Gründen. Auf Anttag des holländischen Dele­gierten Dr. Nelens wurde die Debatte geschloffen. Die Entschließung wurde mit 47 gegen 1 Stimme an» genommen. Die Konferenz genehmigte als Mitglieder des Ausschusses zur Prüfung der Beglaubigungs­schreiben Sir Malcolm Delevigne-England, Carlier- Belgien und Quedegeest-Holland.

Washington, 31. Okt. (Wolff.) Havas. Die internationale Arbeiterschutzkonferenz hat mit allen gegen eine Stimme der Zulassung der deutschen und österreichischen Delegierten zur Konferenz zu- gestimmt.

Frauenrecht in England.

London, 31. Okt. (Wolff.) Das Unter- haus hat mit 171 gegen 81 Stimmen beschlossen, daß auch Frauen künftig in der Lordkammer Sitze haben können. ,

Deutsch-litauische Vereinbarung.

Kowno, 31. Okt. (Wolff.) Zwischen den deutschen und litauischen Behörden ist eine Ver-- einbarnng mit Wirksamkeit vom 2. November über folgende Punkte zustande gekommen: 1. Festlegung einer neutralen Z o n e, 2. der^Bahnkwf Radzi- wilischki bleibt für die Räumungszxut deutsch, 3. zur Untersuchung der Zusammenstöße zwischen den litauischen und den deutschen Truppen tritt am 2. November eine gemischte Kommission in Roft sieni zusammen.

Der Verteidiger von Maubeuge vor Gericht.

Paris 31. Okt. (Wolff.) Havas. Heute hatte sich vor einem besonderen, aus Generälen gebildeten und von Divisionsgcneral Iaistro präsidierten Kriegsgericht General C o u r b i e r, der Verteidiger von Maubeuge, ang-cklagt der Kapitulation und Uebergabe des Platzes, zu ver­antworten. Acht höhere Offiziere und Subaltern­offiziere hatten ßch gleichzeitig wegen Verlassen des Ortes zu verantworten. General Courbier hat im Ium und Juli d. I. Aussagen gemacht, die zu bem Beschluß führten, den General vor ein Kriegsgericht zu stellen. Bekanntlich hat Mau­beuge am 7. September nach 14tägiger Belage­rung kapituliert. Damals gab General v. Zwehl dem General Eourbier den Säbel zurück in An­erkennung des guten Widerstandes. In der Ge­richtsverhandlung werden lediglich die Akten zur Verlesung gelangen, und sodann wird die Ver­tagung ausgesprochen werden, um dem unter­suchenden Offizier die Beendigung der Ermitt­lungen zu ermöglichen.

Staattzkanzler Renner über die Lage Oesterreichs.

Wien, 31. OKI. (Wolff.) Den Blättern zu- folge hielt StaptsKanzler Renner in einer Wählerversammlung eine Rede, wobei es zu heftigen Szenen mit Kommunisten kam, von denen eine Anzahl bei Versuchen, den Staats* Kanzler zu unterbrechen, mit Gewalt aus der Der- fammlung entfernt wurde. Nach Wiederherstellung der Ruhe erklärte Renner gegenüber den Kommunisten: Sie wollen die Vergewaltigung, wir die Demokratie. Die Kommunisten verlangen von mir, daß ich eine Diktatur a.ifrichte und Andersdenkenden meinen Wil­len aufnötige. Das ist ungerecht und unmöglich. (Lebhafte Zustimmung.) - Der Staatskanzler erklärte hierauf über die Zukunft Oesterreichs: Wenn uns keine Möglichkeit gegeben wird, zu le­ben, dann werden die Massen, jeden Widerstand brechend, den Anschluß an Deutschland stürmisch for­dern. Das sage ich im vollen Bewußtsein meiner Verantwortlichkeit. Es muß nicht so kommen, und ich darf h ffen, daß die Ententemächte ihre Pflicht tun werden. 3d) habe meine Politik darauf einge­richtet: Wir werden künftighin Völkerbundspolitik, nicht Anschluß- und nicht Revanchepolitik machen.

Die Maizzutcilung an die Branereieu.

Der verfassunggebenden Deutschen National­versammlung folgende Anfrage unterbreitet worden:

Die nicktbayerischen Brauereien des Reichs befinden sich zur Zeit in einer großen Notlaae. Tie Malzbestande sind fast restlos abgezehrt und es bestehl noch keine Aussicht, in absehbarer Zett eilte Zuteilung an Gerste letzter Ernte zu erlangen, obwohl dieselbe sowohl nach Menge wie nach Oua- li'ät gut ausgefallen ist. Wird.den Brauereten du Gerste weiterhin vorenthalten, so mutz die Lrchltc- ßung der meisten derselben erfolgen, womit viele Angestellte und Arbeiter des Brauerei- und Gast- wirt^gewerbes brotlos würden, An den icßtcio sind die Gerstezuteilungen immer geringer (ytoorLxn; die norddeutschen Brauereien erhalten nur fünf vom Hundert des Friedensvcrbrauchs, Wahrend die bayerischen bevorzugt wurden, zur Zeit fünfzehn vom Hundert des Malzverbrauchs ein gelagert haben sollen und weitere Ansprüche erheben. Den großen bayerischen Brauereien fom men außerdem die Konti:mente für das früher in das Ausland exportierte Bier zu statten.

Wir fragen, ob der Reichsrcgierung bieft Zurücksetzung der nich.tbaperischcn Brauereien be­kannt ist und welche Schritte sie zu er­greifen gedenkt, um die drohende Sin- stell ung der Betriebe und die schwere Schädigung der Konsumenten, deren Genußmittel beschränkt sind, zu ver­hindern?