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12.9.1913 Erstes Blatt
 
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Aeitag, p. September W

Erstes Blatt

163. Jahrgang

General-Anzeiger für Oberhessen

für die Redaktion 112, Berlaq u. Expedition 51 Adresse Mr Depeschen:

Nr. 214

Ter Gieherer Anzeiger BA VT ö «ezugSprer».

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Mir die Redaktion 112. iXAr _ politischen Teil: August

Goetz; für .Feuille­ton", .Vermischtes" unb

«»zeiger «icßeu. mczvo»v^V>» V* I »J V »JJ V <- |** WVttfVJJ*'» ^Gerichtssaal": K.Reu-

mT'dl^T^esnummer RotatioHsbrwf und Verlag der Vruhl'fchen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Zchulstratze 7. Land": E.Heß; Mr den bis vormittags 9 Uhr. Geschäftzstelle Büdingen, Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfa&t 10 Seiten.

Tagcskalcndcr aus dem Aahre 1813.

12. September. Die Preußen und Russen nehmen Weißen- fels ein.

König Konstantin und die Mißstimmung in Mnkmch.

Die bekannten Trinlsp-rckche, die am Montag zwischen dem Kaiser und König Konstantin gewechselt worden sind, und in Idenen die griechische Anerkennung der deutschen mili­tärischen Lehrmeister widerklang, haben recht bemerkens­werte Nachwirkungen in Frankreich gehabt. Richt nur die dortige Presse .hat sich ü'öcr die angeblliche Zurücksetzung Frankreicl>s ereifert, spndern es scheint auch eine hochnot­peinliche diplomatische Aktion erfolgt zu sein. Wenigstens meldete gestern eine amtliche Note der Agence Havas:

Der Minister des Aeußern Pichon empfing heute (Donnerstag) vormittag den griechischen Gesandten Ro­manos, welck>er Kenntnis von einem Telegramm seiner Regierung gab, wonach Griechenland zu sehr sich dessen be­wußt sei, was es Frankreich schuldet, um nicht alles zu tun, was notwendig ist, um jedes Mißverständnis zwischen den beiden Ländern zu zerstreuen. Der Ministerpräsident V e n i s c l o s , oer von Athen ablvescnd ist, sollte heute vormittag dorthin zu- rückkehren. Man kann eine Erklärung seinerseits erwarten.

Das klingt echt französisch. Aber auch in Athen ist der amtliche s2£pparat in Bewegung gesetzt worden, und die ,,1)lgence d Athenes" verbreitet eine Erklärung, in der an dem Königswort Konstantins in höchst auffälliger Weise herum­gedeutelt wird. Es heißt darin nämlich:

Die Presse und die öffentliche Meinung ist lebhaft erregt von dem M i ß v e r st ä n d n i s, das durch die Antwort des Königs auf die Rede des deutschen Kaisers her- vorgcrufen worden ist. Griechenland wird niemals die gro­ße n Dienste, das Wohlwollen und die kostbare Mi ta rbeit vergessen, die Frankreich jederzeit (Grie­chenland geleistet hat und ebensowenig die Dienste des Gene­rals Eydoux und der französischen Militärmission. Die Presse weist nachdrücklich darauf hin, daß man den Worten des Königs nicht die Bedeutung beilegen dürfe, die man ihnen in

Frankreich beilege."

Wir haben schon bemerkt, daß d-ic Pvlitik der Trin5- sprüche, die bei der Uebcrreichung des Feldmarschallstabes an König Konstantin gewechselt worden sind, nicht unseren uneingeschränkten Beifall hatte, so angenehm auch das Lob des Königs der Hellenen in deutschen Ohren erklinge^ Imochte. Ganz und gar hat uns mißfallen die auffällige Veröffentlichung im deutschen Regierungsorgan. Deutschland hat es wahrhaftig nicht nötig, sich mit diesen fremden Lobes- federn auf^uputzen. Selbstlriiik und Selbswertrauen sind uns viel wichtiger. Dann machte die Veröffentlichung auch, äußerlich genommen, nicht gerade einen stolzen, imponieren­den Eindruck. In Frankreich, das viel auf seine guten Be­ziehungen mit Griechenland hält und eine Militärmission dorthin entsandt hatte,, die bisher anscheinend noch kein be­sonderes Lobeswort gefunden hat, gehen die Wogen um so höher, als gerade in diesen Tagen der Besuch des Königs Konstantin in Paris bevorsteht. Unter diesen Umständen ist es doch beachtenswert, daß derMatin" seine Angriffe gegen die Rede des Königs Konstantin mit Hartnäckigkeit und Hef­tigkeit fortfetzt und man darin die Absicht erblicken muß. die öffentliche Meinung Frankreichs zu Kundgebungen bei der bevorstehenden Anwesenheit des Königs in Paris aufzu­

wiegeln. Das Blatt bringt eine Erklärung des griechischen Gesandten in Paris, Athos Romianos,^in der cs heißt:

Es hat niemals die Absicht meines Souveräns sein können, die Gefühle dieses Landes zu verletzen, für welches er eine tiefe Bewunderung und die lebhafteste Sympathie empfindet. .Hat er nicht seine Absicht ausgesprochen, nach Paris zu kommen, um dem Präsidenten einen Besuch abzustatten, bevor er noch vor Ab­lauf der Trauerzeit ihm einen offiziellen Besuch machen kann? Indem der König bei den deutschen Manövern von militärischen Operationen sprach, die er als siegreicher Feldherr geleitet hat, wollte er vor allem der Tapferkeit seiner Truppen Anerkennung zollen. Er hat gleichzeitig vor dem deutschen Kaiser seine Be­wunderung für die deutsche M il i t ä r t a k t i k ausgesprochen, jene Taktik, die sogar in Frankreich zahlreiche Be­wunderer unter den militärischen Autoritäten zählt. Unsere Regierung dankte vor zwei Monaten der Regierung der Republik für die wertvollen Dienste, wclclie die französische Militärmission Griechenland bei dem Werke der Heereswieberherstellung erwiesen hat und verlangt, daß die tun 21. Januar 1911 geschlossene Konvention um zwei Jahre verlängert werde. Dieses Verlangen erscheint aber als unleug­barer Beweis dankbarer Anerkennung der Dienste des Generals Eydoux und seiner Mitarbeiter durch den König und die Re- nierung. Der bevorstehende Besuch des Königs ist ein glänzender Beweis der Gefühle gegen Frankreich. Gestatten Sie mir, die Hoffnung auszudrücken, daß das bedauerliche Mißver­ständnis bald verschwinden werde.

DerM atin" erachtet diese Erklärung für ungenügend und schreibt:

Hätte König Konstantin sich damit begnügt, seine Bewun­derung für die deutsche Militärtaktik auszudrücken, so hätte er niemanden in Frankreich dadurch angestoßen. Er ist viel iDetter gegangen. Seine Worte bedeuten, daß er dem General und den französischen Offizieren, welche seit drei Jahren voll Aufopferung an der Hebung der griechischen Armee gearbeitet haben, gar nichts verdankt. Diese Worte sind nicht in mitteilsamer Wärme des Banketts gesprochen, sondern auf dem Exerzierplatz in frischer Lust vor den versammelten Generälen vor dem Frühstück. Sie und nicht aus dem Stegreif gesprochen worden, sie sind mit Vorbedacht wiederholt worden, da der König sagte:Ich kann mich nicht enthalten, noch einmal laut und öffentlich zu wiederholen". Die Veröf­fentlichung dieser Worte ist nicht übereilt geschehen, son­dern es sind 48 Stunden verstrichen zwischen dem Augen­blick, da sie gesprochen und demjenigen, da sie der Presse über­geben worden sind Wir bestehen ohne Freude auf diesen Ein­zelheiten, weil man der Wahrheit immer ins Gesicht sehen muß, wenn sie auch noch so mißliebig sein mag. Wir hören die Stimmen, die sagen: Man darf keine Zwischenfälle schaffen und muß ge­schickt sein: aber für uns ist es keine Geschicklich­keit, keine Berechnung und kein Interesse, wenn es sich um Frankreichs Würde und Stolz auf das Heer han­delt. Wenn des Königs Worte nicht seinen ganzen Gedanken aus­sprechen, so soll man es sagen: wenn sie nicht die Meinung seiner Regierung ausdrückten, so soll man es kundtun: wenn sie nach Korrektur oder Ergänzung verlangen, so korrigiere oder ergänze man, aber das Mißverständnis muß beseitigt fein, bevor man s i ch am 2 1. September im Elysee an b i c Tafel setzt. Mahlzeiten, bei denen es Mißhelligkeiten gibt, bevor man sich zu Tische setzt, werden schlecht verdaut: Trinksprüche, welche man nach dem Gastmahl ausspricht, wo kein Vertrauen herrscht, verhallen ungehört.

Es wird ein Canossa-Gang sein, den der König der Hel­lenen nach 'Paris tut, oder aber er wird vielleicht, um das Mittagsmahl im Elysee verdaulich zu machen, wieder einen Trinlirruck, tun. in dem erlaut und öffentlich" wiederholt, wie glänzend erhaben die militärischen Einrichtungen Frank­reichs über alles Lob und allen Tadel sind. Dann wird der gallische Hahn aus den Spalten desMatin" heraus ein stolzes und befriedigtes Kikeriki ertönen lassen.

Paris, 12. Sept.Excelsior" will wissen, daß Mini­sterpräsident V e n i z e l o s den König K o n st a n t i n viel­

leicht bei feinem Besuch in Paris' begleiten werde. Der griechische Ministerpräsident Ven izelos hat an denM a- l i n" ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt:Die öffentliche Meinung in Frankreich regt sich zu unrecht Über die von König Konstantin in Berlin gesprochenen Worte auf. Seine Majestät hat nur den militärischen Einrichtungen und der Militärakademie in Berlin, wo er und die Offiziere seines Generalstabes ihre militärische Ausbildung vollenden durf­ten, seine Huldigung ausgesprochen. Eine solche Huldigung als Erwiderung auf die in Berlin bezeugten Ehren kann dem Werke nichts schaden, welches die französische Militär­mission mit großem Nutzen in Griechenland vollbringt. Nie­mand denkt daran, dieses Werk zu verkleinern oder zu ver­kennen. Die griechische Nation vergißt übrigens nicht, d a ß Fr ankreich einer der Schöpfer ihrer Unabhän­gig k e i t ist, und daß sie auch im UnMick in Frankreich beit treuen uneigennützigen Verteidiger ihrer verkannten natio­nalen Rechte gefunden hat." DerM atin" fügt hinzu: Das ist für uns ein Anfang der Genugtuung. Zweifel los werden Politiker und- Regierung diese (Genugtuung voll­enden frnub sich bemühen, schnell das Mißbehagenzu zerftrcueit, das ihr Monarch geschaffen hat.

kriegerische Kundgebungen in Japan.

Tokio, 11. Sept. Im Theater Meideidmsa sand eine von Tausenden besuchte Versammlung statt, in der eine En tscheidung über die mandschurischen und mongolischen Fragen durch Waffengewalt gefor* dert wird. Extrablätter verlangen entweder die Absendung von Truppen nach China oder die Abdankung des Kabinetts. Eine große regierungsfeindliche Kundgebung wird vorbe­reitet.

Die Japaner haben Mannschaften zum Schutz der Geschäftshäuser in Nanking gelandet.

Peking, 11. Sept. (Reutermeldung.) Japan über­reichte heute der chinesischen Regierung eine Re ihe von Forderungie n, die sich beziehen: 1. auf die Marte­rung des japanischen Leutnants Nihimira in Han-> kau am 11. August, dem die Uniform heruntergerissen und der an den Händen aufgehängt wurde, 2) auf die Verhaf­tung eines anderen Offiziers in Schantung und 3) auf die Be drückung von I ap anern in N an- ting und schließlich auf dieBeleidigungeinerjapa- Nischen Fahn e. Die Forderungen betreffen die Zahlung einer Entschädigungssumme, deren Höhe später fest­gesetzt werden wird. Man erklärt auf der japanischen Ge­sandtschaft, daß China diese Forderungen unverzüglich an­nehmen müsse, andernfalls würde eine Aktion, wie sie für notwendig gehalten wird, unternommen werden. Ohne Rück­sicht auf die maßvollen Forderungen erwartet man, daß sie China unverzüglich annehmen wird.

Die Gürtei und Bulgarien.

Wien, 11. Sept. General Sawow erklärte dem Kon­stantinopeler Korrespondenten derdöenen Freien Presse", die sogenannte Frage von Gümüldschina wird den er­folgreichen Fortgang der Verhandlungen nicht stören. Ueber die letzten türkischen Grenzvorschläge muß ich gleich den tür" tischen Delegierten strengste Verschwiegenheit bewahren. Die Verhandlungen sind diplomatisch nahezu ab­geschlossen; sie können sich höchstens wegen militärischer Einzelheiten noch einige Tage hinziehen.

Konstantinopel, 11. Sept. Da die Instruktionen für die bulgarischen Delegierten noch nicht eingetroffen sind, ist die amtliche Zusammenkunft der türkischen und bulgari-

Fürsten nach und saß ihm mehrere Male. Trubezkoi ließ daS Standbild des Dichters in Stockholm in Bronze gießen, und das jetzt vollendete Werk wird voraussichtlich in Jasnaja Poljana ausgestellt werden.

I m September 1813 in Paris. Wie war in den Tagen, da die Sache der deutschen Freiheit mit den Schlachten bei Großbeeren und Dennewitz, an der Katzbach und bei Mulm, endlich zu triumphieren begann, wie war damals die Stim- mung in Paris? Nock) ahnte man dort nicht, wie ernst sich be­reits die Lage für die französischen Waffen gestaltet hatte. Die amtlichen Zeitungen mußten sich nach wie vor höchst zuversichtlich zeigen und veröffentlichten munter eine Lügennachricht nach der anderen. DasJournal de Paris" brachte z. B. einen ihm an­geblich aus Dresden zugegangencn Bries, worin cs u. a. hieß: Ich gebe Ihnen keine Einzelheiten, aber unsere Erfolge setzen uns selbst in Erstaunen ! Fast ohne Verluste haben mir, ober haben wir doch beinahe, dieses schreckliche österreichische Heer vernichtet. Ich glaube, daß wir wenigstens 3040 000 Gefangene von den Oesterreichern in Dresden eingcbracht haben, und immer kommen noch neue." Das österreichische Heer war aber bekanntlich nicht vernichtet, sondern sollte sich bald wieder als sehr lei- Itungsfähig erweisen. Napoleon war indeß mit Eifer bedacht, dafür zu sorgen, daß Kaiser Franz I. und seine Regierung,' mit denen er noch immer hoffte, sich einigen zu können, keinesfetls von Paris aus unnütz verletzt würden. Er schrieb von Breitenau an den Minister des Innern, Herzog von Bassano, daß jede persönliche Spitze gegen den Kaiser und gegen Metternich ver­mieden werden müsse. Man solle auch in den Kriegsberichten niefit von dem österreichischem Hofe oder Kaiserhause, sondern immer nur von dem Kabinette reden und auch ben leitenden Minister des Kabinetts lieber weglassen. In engeren Kreisen freilich konnte man damals in Paris schon wissen, daß cs mit den Franzosen on- fing. schief zu gehen. Damals hatte Ney an den Generalstab be reits einen sehr bezeichnenden Brief nach Paris geschrieben. Zum ersten Male zeigte sich derBravste der Braven" in diesem Brief mutlos; er äußerte sich folgendermaßen:Die Moral der Gene­rale und im allgemeinen auch die der Offiziere ist besonoers er schlittert: unter diesen .Verhältnissen kommandieren heißt iiber- haupt nur halb kommandieren, und ich möchte lieber einfacher Grenadier fein. Ich bitte Sie, beim Kaiser durchzusetzen: ent­weder, daß ich alleiniger oberster Befehlshaber bin und die Di- vifionsgeneräle unter meinem Befehle stellen, ober aber, daß S. M. mich aus dieser Hölle erlöse." DieHölle", von der Ney hier spricht, war Torgau, das von Flüchtlingen überfüllt, vom Feinde bedroht, von Lebensmitteln entblößt war:

Ifatifi, Wissenschaft und Leben.

H ErkesJslandforschung. Im Monat Juli unter­nahm Heinrich E r k c s aus Köln seine fünfte Jslandreise, die, obsckwn von kurzer Dauer unb ungeachtet der zum Teil ungün- ftigen Witterung, recht erfolgreich war. NachPeterm. Mttt." führte sie in teils sehr wenig bekannte, teils nie zuvor besuchte Gegenden des innem Hochlandes, zunächst von Akureyri über die Felsterrasse Vattiahjalli zum Nordolttand des großen Binnen- Ees Hoftjökull, der an dieser Stelle wegen der ihn in weitem Umkreis umlagernden Schlammassen bisher als unzugänglich galt. Oestlich vom Gleftcherendc wurden an der Höhe Häalda die nörd­lichsten Zuftußguellen der Thjörsä, des größten Flusses Islands festgeftellt Bei Durchquerung des nordwestlichen Teiles der Ge­röllwüste Sprengisandur sand Erlös die Quellen der Flüsse Bleikmyradalfä und Kidagilsä. Der zwecke ^.eck der Reise führte lz-rkes in die Lavawüste Odäkraun, deren nördlichsten Teil er in lanaen Wanderungen untersuchte; er blieb füm Tage aus dem Scknldvulkan Kerlingardyngja. Aul feiner Sudiecke erheben fich bis zu 920 Meter ü. M. die Tunberge Hvammnöll, die ebenso wie die iveiier nördlich gelegenen Schiidvulkanc Kelildyngja, Skjald- boko unb Skuggadyngja von Erkes befuckst würben. Die Rstckreif'e erfolgte über das bekannte Vulkangebiet des Mückensees (Myvatn- nach^Aku^eyrr corfer Theaterbrief: Neues von Herbert Eulenberg. Man schreibt uns aus Düsseldorf, 8 September- Gegenwärtig hält in Düfseldorfder Deutsche Mo- nistenbund seine Hauptversammlung ab. Ihm widmeten Her­tz e r t E u l e n b e r g und das S ch a u f Pi e l h au s eine Festauf­führung, in der zum ersten Male zwei kleine Werke von Eulen­berg I k a r u s u n d D ä d a l u s" undK r i e g b c m n r i c g", gegeben wurden. Ikarus und Tädalus nennt Eulenberg ein Oratorium Es ist ein Gedicht nick dramatischen Impulsen. Tie Geschickte von Dädalus unb Ikarus gibt der Dichtung den un­entbehrlichen Zusammenhang, innerlich hat sie mit ihr bis auf eine gewisse Symbolik nichts zu tun. In freien Rhythmen, wechselns mit vornehmen und strengen Versformen, schrecket das Gedicht daher, das in bisweilen etwas absichtlicher und über­ladener Form Weltanschauung vorträgt. Persönliches Weltempfin­den mildert diesen Mangel, dichterischer Impuls und Ausdruck trägt darüber im stärksten Augenblick hinweg. In der Anfführung des Schauspielhauses, die der Dichtung ein farbiges Gewand unb klangvolle Deklamationen lieh, sand das Werk starken Beifall des Publikums. Das freundliche Scherzspiel EulenbergsStieg dem Krieg", das zwecke Stück des Abends, verspottet voll graziösen Witzes die Mgst des^Publikums vor dem Kriege.

Münchener Musi kb rief: Eine neue Operette. Aus München wird uns geschrieben: Die Uraufführung der drei- akttgen OperetteFlora Bella" im r t n e r t h e a t e r in Anwesenheit des Komponisten Charles Cuvillier und des Autors Felix Doermann l-atte rauschenden Erfolg. Nach kühler Ausnahme der Ansangsszene, deren hölzerner Dialog wenig gutes für den weiteren Verlauf des Abends versprach, trat schnell ein Stimmungsumschlag durch die ersten Tanzkuplets ein, an denen die Operette sehr reich ist. Der zweite Akt entschied das Schicksal der Novität, deren nirgends besonders originell, aber immer gefällig ansprechende Musik sich durchaus in den her­gebrachten Bahnen der Wiener Operette bewegt. Nach den meisten Gesangsnummern, mit denen sich das neue Mitglied Fräulein von Moosburg trefflich einführte, das in den Herren Gruber, Ludl, Seibold, sowie Fräulein Menari gute Partner sand, wurde der Beiiall so stürmisch, daß die Sänger zur Wiederholung veranlaßt wurden. Viel trug zu dem Erfolge die äußerst glänzende Aus- ftattungjiei, die an das Stück verwendet war. Namentlich kam bei vielen Tänzen der künstlerische Wurf und die Farbenpracht der Frauengewänder zur Geltung.

Ein neuer Thoma. Ludwig Thoma hat ein neues Stück geschrieben^ das im Manuskript von Direktor Barnowski für das Lessing Theater und noch für zahlreiche andere Bühnen erworben worden ist. Tas Stück heißtDie Sippe" und behandelt die Geschichte einer jungen Liebesehe zwischen einer bekannten Münchener Künstlerin unb einem Professor, der bie Künstlerin in München kennen unb lieben lernte. Das junge Ehepaar, bie Schwester des Professors, ber Privatgelehrte, der unter ber Strenge bcs Gesetzes zu leiden hatte unb auswanderte, um sich in Amerika als Privatlehrer, Journalist, Kellner, Por­tier unb durch noch anbere Stellungen ehrlich durchzuringen, bas sind die Hauptrollen, bereu Darsteller Thoma vor dankbare Aufgaben gestellt haben soll.

Zwei Denkmäler für Tolstoi. Leo Tolstoi soll nun zwei Denkmäler auf einmal erhalten. In ber Moskauer Stadtbuma beantragte ber Stabtoerorbnete N. A. Schamin ben auf ben 9. September fallenden 85. Geburtstag L. N. Tolstois durch Aufftellung einer von dem Bildhauer Merkulow herge- stellten Statue des Dichters auf dem Hose des Hauses auszu­zeichnen, das früher L. N. Tolstoi gehörte unb von der Stabt erworben würbe. Die zweite Tolstoistatue stammt von dem Fürsten Trubezkoi, dem bekannten russischen Bildhauer. Dieser war, vor einigen Jahren in Jasnaja Poljana zum Besuch beim Grafen Tolstoi unb faßte ben Plan, eine Porträtbüste bes greifen Dichters herzustellen. Tolstoi gab schließlich dem Drängen des