Nr. 3 viertes Blatt
163. Jahrgang
Erscheint ISglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener ZamtlienblStter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krcisblatt für den Kreis Hießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen 3eit- fragen" erscheinen monatlich zwennal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Samstag, 4- Januar 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläls - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: e-^51. 9leb(ittion:e^ll2. Tel.-Adr.: AnzergerGreßen.
Aen-erungenmdenoberhesslschenOderfSrfterelbezirien
Am 1. Oktober d. I. treten in her Gebietseinteilung der ob er hessischen Oberförstereien folgende Aenderungen ein:
1. Oberförsterei Romrod. Wurde aufgeteilt.
2.0 b e r f ö r st e r e i N o m r o d R o r d. Zugang von der O b e r f ö r st e r e i Romrod: Die Gemarkungen: Angenrod; Billertshausen mit Getürms; von Heimertshausen kleine Teile an der östlichen Grenze der Gemarkung Leusel; Liederbach mit Oberrod, ausgenommen ein kleiner Teil an der südöstlichen Grenze der Gemarkung; Romrod, ausgenommen die Fluren 10, 13, 14, 15, 16, 17, 18. 19, 20 und den in Flur 8 und 9 südlich der Straße Maulbach-Romrod und den in den Fluren 11, 12, 21. 22, 23 und 24 gelegenen Domanialwald sowie die Kameraldomünen in Flur 9 und Nr. 1,97, Nr. 3,3 und Nr. 3,6 in Flur 22 (vergl. Oberförsterei Romrod Süd); von Strebendorf der nördliche Teil der Gemarkung, jedoch ausgenommen die Domanialwiesen am Löffelberg in Flur 1 und 10 und den Domanialwald ,int Distrikt Löffelberg und Bonhecke (vergl. Oberforsterei Rwmrod Süd); Zell, ausgenommen den südlich der Straße :Maulbach-Romrod gelegenen Teil der Gemarkung. — Zugang von Oberförsterei Storndorf: Die Gemarkungen: Altenburg; von Hopfgarten der nördlich der Straße Romrod—Ober-Sorg gelegene Teil; von Liederbach ein llei- ner Teil an der südöstlichen Grenze der Gemarkung; von Strebendorf Feld und Wiesen ht Flur 1 sowie im Mersch- röder Gründ der nördlich der Straße Romrod—Ober-Sorg gelogene Teil.
3. Ober försterei Romrod Süd. Zugang von der O b e r f ö r st e r e i Romrod: Die Gemarkung' n: von Ehringshausen die Fluren 16 und 18 und der Domanialwald in den Fluren 3, 14, 15, 17 und 19 östlicher Teil der Gemarkung; Nieder-Breidenbach, ausgenommen kleine Teile an der südwestlichen Grenze der Gemarkung; von Romrod die Fluren 10, 13, 14, der in Flur 8 und 9 südlich der Straße Maulbach—Romrod und der in den Fluren 11, 12, 23 und 24 gelegene sDomanialwald nebst dem Buchstolzenteich in Flur 19, sowie die Kameraldomänen in Flur 9, 19 und 20 und Nr. 1,97, Nr. 3,3 und 3,6 in Flur 22 (vergl. Ober- •jörj) ' Romrod Nord); von Strebendorf in Flur 1 und 10 die -Tonm.lialwiesen am Löffelberg und der Domanialwald im Distrikt Lüffelbera und Bonhecke (vergl. Oberförsterei Romrod Nord); von Zell der südlich der Straße Waulbach- Romrod gelegene Wald in Distrikt Lehnchen, Heinzeberg, Jünglingshecke Abt. 1—4, 11 und von 12, Gebrannte Kostf Abt. 1 b und 5 b, Hostlerberg von 2, sowie die Wiesen tn Flur 32, 33 und 34. — Zugang von der Ober försterei Windhausen: Die Gemarkungen: von Ehringshausen kleine Teile an der Ostgrenze der Gemarkung; Groß-Felda mit Klein-Felda mib Schellnhausen; Kestrich, ausgenommen den südlich der Straße Groß-Felda—Kestrich'—Windhausen gelegenen Teil der Gemarkung (vergl. Oberförsterei Storn- dors); von Nieder-Breidenbach süd-westliche Teile der Gemarkung Ober-Breidenbach, ausgenommen den .östlichen (Teil der Gemarkung; von Romrod bte Fluren 15, 4tz, 17, 18 und der Domanialwald in Flur 19, 20, 21 und 22; Windhausen, ausgenommen den südlich der Straße Kestrich-Windhausen, östlich der Straße Windstaufen—Ober-Breiderbgch und südöstlich des Distrikts Ztpsen gelegenen Teil h . Gemarkung (vergl. Oberförsterei Storndorf-; von Zell der südliche Teil der Gemarkung, begrenzt im Norden von der Mehlbacher- . trästschneise, der Rittschneise, der Eisenbahn, dem Distrikt Heinzeberg und den Wiesen int Göringer Grund.
4. Oberförster ei Storndorf. Abgang an die Oberförsterei Romrod Nord: Die Gemarkungen:
Altenburg; von Hopfgarten der nördlich der Straße Romrod—Ober-Sorg gelegene Teil der Gemarüüng; von Liederbuch ein kleiner 25,eil an der südöstlichen Grenze der Gemarkung; von Strebendorf Feld und Wiesen in Flur 1, sowie im Merschröder Grund der nördlich der Straße Romrod—Ober-Sorg gelegene Teil. — Zugang von der Oberförsterei W i n d.h a usen: Die G'Markungen: von Kestrich der südlich der Straße Gro'-Felda—Kestrich—Windhausen gelegene Teil der Gemarkung (vergl. Oberförsterei Romrod Süd); von Köddingen der Domanialwald und die Domanialwiesen nördlich der Kr.isstraße Köddingen—Meiches und der Domanialwald .Hellerstrut in Flur 20; von Meiches der Domanialwald und die Domanialwiesen im westlichen Teil, nördlich der Kreisstraße Köddingen—Meiches; von Stumpertenrod der Domanialwald an der nördlichen Grenze in Flur 8 und 10; von Windhausen der südlich der Straße Kestrich—Windhausen, östlich der Straße Windhausen—»Ober-Breidenbach und südöstlich des Distr.kts Zipfen gelegene Teil der Gemarkung (vergl. Oberförsterei Romrod Süd).
5. O b er f ö r st e r ei Windhausen. Wurde aufgeteilt.
ICercbe und Schule.
Die Freie Landeskirchliche Bereinigung für das Gro^herzogtnm Heften
hielt am 2. Januar in Frankfurt ihre 7. ordentliche Mitgliederversammlung ab, die aus allen Teilen Hessens aut besucht war. Der Vorsitzende, Professor Dr. A. E. Berger, erstattete den Jahresbericht. Dieser erwähnte den Anschluß der Bereinigung an den am 16. September letzt. Jahres zu Dortmund gegründeten Bund deutscher Protestanten, in welchem sich die 17 kirestlich-! ‘beraten Organisationen Deutschlands zu einem festen Verband und einer zielbewußten Arbeitsgemeinschaft unter dem Vorsitz von Pfarrer Traub-Dortmund zusammeng"schlossen haben. Ferner wies er auf die Gründung des Hessischen Landesverbandes d s Allgnnenen Cvang.l.scheu M ss ous- b er ein 5 hin, der im November sein erstes Jahresfest in Offenbach feiern durfte. Es wurde weiter mitgeteilt, daß Pfarrer Traub-Dortmund auf Einladung der Vereinigung am 14. Februar in Darmstadt und dann wahrscheinlich auch in Mainz und Worms sprechen wird. In der um i/24 Uhr beginnenden öffentlichen Versammlung hielt Pfarrer Kübel aus Frankfurt einen Vortrag über das Thema : „Wie hat sich die ftircfye zu dem Rückgang der Geburtenzahl zu stellen?" Der Redner brachte eine Fülle wohlgeordneten Materials, das in erschütternder Weise den Rückgang namentlich des evangelisch-germanischen Teils Deutschlands, der nun schon seit 40 Jahren stetig anhalt, nachwies und die Pflickst der Kckrche betonte, das Volk wieder zu dem sittlichen Ernst dieser Frage gegenüber zu erziehen. Denn nicht eine Erlahmung der Volks kraft oder wirtschaftliche Not ist an dem Medergang in erster Linie schuld, sondern Mangel an Idealismus, an Glaube, an Fähigkeit zur Selbstverleugnung. Freilich müsse auch die äußere Lage kinderreicher Familien vom Staate mehr als seither günstig gestaltet werden. Es folgte darauf eine lebhafte Aussprache.
Arbeltrrberveqvng.
Ein Aufstand von 300 Bergarbeitern im Saargebiet.
Nun ist cs doch zu entern Ausstand im Saargebiet gekommen. Aus Saarbrücken wird berichtet: Aus der Grube „Velse n" sind am Freitag morgen von 160 Bergleuten der Frühschicht 300 nicht angefahren. Die Arbeitsniederlegung ist aus das Verhalten der Sicherheitsmänner dieser Grube zurück
zuführen. Diese hatten am 18. Dezember für die ganze Belegschaft und für sich selbst gekündigt. Die Kündigung war für sre selbst angenommen, für die übrige Belegschaft aber als rechtsungültig zurückgewiesen worden. Bei ihrer Anfahrt zur Mittagsschicht wurde am Donnerstag den Sicherheitsmännern gesagt, daß sie nicht ansahren könnten, bevor sie nicht ihre Kündigung zurückgenommen hätten. Sie verweigerten die Zurücknahme aus Grund einer Zusage, die der Vorsitzende der Bergwerksdirektion dem Abgeordneten Giesberts gegeben hätte und kündigten eine Beschwerde beim Vorsitzenden der Bergwerksdirektion an, was indessen bis zur Stunde noch nicht geschehen ist. Der Ausstand ist ohne weitere Erklärung erfolgt.
Zu der angeblichen Erklärung des Vorsitzenden der Bergwerksdirektion ist zu bemerken, daß der Abgeordnete Giesberts gefragt hatte, ob einzelne Bergleute wegen ihrer Beteiligung an der Ausstandsbewegung Schwierigkeiten zu befürchten hätten. Der Vorsitzende hatte erklärt, dies sei ausgeschlossen, wie ja auch der Herr Handelsminister erklärt habe.
Die Bewegung im Saargebiet.
Saarbrücken, 3. Jan. In Geislautern und Ober- völklingen sanden heute Bergarbeiterversammlungen statt, in denen mehrere christliche Gewerkschaftsführer sprachen. Es wurde ein» stimmig beschlossen, wegen der Vorgänge aus der Grube Velsen bezüglich der Sicherheitsmänner tn den Ausstand einzutreten. Die Bewegung geht allem Anschein nach von Bergleuten der Grube „Velsen" aus, welche die Bergarbeiter der benachbarten Gruben für eine Solidaritätserklärung zu gewinnen suchen. In Betracht kommen die sämtlichen Gruben der Berginspektionen 2 und 12.
Landwirtschaft.
Winterfiitterung des Geflügels.
Da die Hühner in den Wintermonaten sehr zeitig den Stall anfsuchen und wohl 13—16 Stunden in den Ställen verbleiben, sind sie vielfach den Einwirkungen der Kälte ausgesetzt und bedürfen daher am Morgen eines schnell erwärmenden Futters. Es empfiehlt sich daher, das Itor- genfutter, das aus gekochten Kartoffeln besteht, warm zu ( verabreichen. Das Morgenfutter ist keineswegs, wie dies : noch vielfach geschieht, an den Stallwänden entlang oder 1 gar auf dem Hof herum auszustreuen, sondern in Trögen ' zu verabreichen. Hierdurch wird das Futter vor dem zu schnellen Erkalten geschützt, bleibt außerdem sauber und wird auch weniger oder gar nicht von Sperlingen ange- fallen, die sich im anderen Falle in Scharen einstellen und den Löwenanteil wegfressen. Die Mittagsfütterung kann gegebenenfalls aus Küchenabfällen und geringem Hinterkorn bestehen, während das Abendfutter aus Gerste oder anderen Getreidekörnern bestehen soll. Durch die Körnerfütterung wird nicht nur eine gute Sättigung der Hühner erzielt, sondern es tritt auch eine schnellere Blutumsetzung und mithin erhöhte Körperwärme ein. Durch die erhöhte Körperwärme kann das Huhn der eindringenden Kälte einen größeren Widerstand bieten und ist daher weniger den nachteiligen Einwirkungen des Winters ausgesetzt. Besondere Vorsorge ist auf das Tränken des Geflügels anzuwenden; das Wasser darf im Tränktroge nicht einfrieren und das Geflügel darf nicht gezwungen werden, Schnee zu fressen; letzteres bewirkt sehr viele Erkrankungen. Es ist ratsam, in das Tränkwasser immer einige roftige Nägel zu legen oder ihm eine ganz geringe Menge Eisenvitriol znznsetzen.
Universitäts-Nachrichten.
Erlangen, 28. Dez. (Todesfall.) Am Samstag abend starb nach srebenwöchigem Krankenlager Geheimrat Dr. Paul Gordan im 76. Lebensjahre. Der Verstorbene, in dem die hiesige Hochschule einen ehemaligen Lehrer von Weltruf verliert, war am 27. April 1837 zu Breslau als
Krauen-LeniUeto.
Orientalische SchönheitSgehei-unisse.
Der Orient ist gegenwärtig Trumpf, sowohl in der Politik, als auch in der Mode. Die Mode schöpft aus dem Orient die Anregung zu Neubeiten, und mit orientalischen Schönheitsmitteln erhalten sich die Pariser und Londoner „Beautss" ihre Jugend- frifdx und Geschmeidigkeit.
Orientalische Schönheitsrezepte! Von jeher hat ein geheimnisvoller Reiz sie umwoben, und manches Mägdelein wäre glücklich, wenn der Schleier auf Augenblicke gelüftet würde! Wohlan! Hier seien einige, genannt, die von geschwätzigen Haremsdamcn einer Mitarbeiterin eines Londoner Blattes t erraten worden sind. Das Geheimnis des wunderbaren Teints, > Jen Orientalinnen nachgerühmt wird, liegt nicht so sehr i 'Gebrauche der unergründlichen zahllosen Kosmetika, sonde >n erster Linie ist er darauf zurückzuführen, daß sie streng d^n Gesetzen einer gesunden, ihnen von alters überkommenen -chönheilshygiene leben. Wohl teine unserer abendländischen Damen nimmt ihr Morgenbad mit einer derartigen Sorgfalt wie die Orientalin. Tie richtige Temperatur ist das Haupkenordernts des Bades, und tn langjähriger Erfahrung hat die Orientalm herausgeklügelt, daß das lauwarme, ins Kalte hinüberspiclende Bad dem Körper am zu ttäglichsten ist. Erst wenn man geraume Zeit int Bade verweilt hat, ist es angängig, warmes Wasser nachzugießen. Und weiter soll das Wasser möglichst „fließend" sein, denn fließendes Wasser hat mehr Lebenskraft als stehendes. Aber die wunderbare Feinheit ihrer Haut verdankt die Orientalin m letzten Grade doch ihrem — Stärlebad. Ein Stärkebad versa. . nicht allein die Haut, sondetu soll auch für die Nerven von großer Bekömmlichkeit sein. Vor dem Bade wird der Körper sorgfältig mit dem erlescndsten Olivenöl aufwärts massiert, so daß die Blutzirkulation in harmo- nifdyer Weise geregelt wird. Tie Massage muß so lange fortgesetzt werden, bis auch das kleinste Parttfelchen des aufgetragenen Oels in die Poren verrieben ist. Erst dann steigt die Schöne ins Bad. Mit einer mittclwe'chen Bürste, die mit Alkohol in irgend welcher Form und Zusammensetzung (meist besonderes Geheimnis! getränkt ist, wird der Körper „geschrubbert", und zwar ebenfalls von unten nach oben. Hierauf ruht die Orientalin eine halbe Stunde im Wasser aus, nimmt eine kalte Tusche, und dann beginnt eine Trockenmassage mit dem sogenannten türkischen Hand- tnche. Ter Trockenprozeß wird beendet durch em Bestäuben des ganzen Körpers mit Schwertlilienpuder.
Eine besondere Pflege erfährt das Gencht. Zur Waschung des Gesichts wird nach Möglichkeit ausschließlich Regenwasser benutzt, das mit elivas Petersilie versetzt wird. Im Frühling und Sommer wird auch ein wenig Rosen- und Lilienöl lnnzugetan. Eines der beliebtesten Kosvietika zur Pflege des Gesicksts ift eine Mischung von Zitronensaft und Sahne, die täglich von der Orientalin eigenhändig bereitet wird. Das' beliebteste Mittel gegen Runzeln ist „Gerstenwasser", das folgendermaßen herge- ,stellt wird. Eine Handvoll Perlgerste wird in Wasser geschüttet.
Sind die Körner durchweicht, so wird die Flüssigkeit durch feines Musseline hindurchgefiebt, einige Tropfen Benzoesäure werden hinzugefügt, und das Ganze hierauf gut geschüttelt.
Zur Haarpflege gebrauckst die Orientalin eine Buchsbaumlösung, die besonders den Haarausfall verhindert. Den Haar- wuchs befördert eine Lösung, die aus Nesselwurzeln bereitet wird. Die sprichwörtlich gewordene Weiße ilyrer Hände aber erhält sie dadurch, daß sie sie häufig in einem Wasser wuscht, das mit einer Handvoll Mais und ein wenig Sägespänen versetzt ist.
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!r. Finnlands Frauen in Kirchen Sintern. In Finnland, wo die Frauenbewegung an Erfolgen so außerordentlich reich ist, haben die Frauen wieder einen neuen Fortschritt zu verzeichnen. Wie aus Helsingfors berichtet wird, hat jüngst der Kirchengesetzaussckmß entschieden, daß zu den Kirchenämtern Frauen in beschränkter Zahl zugelassen werden sollen. Tie Aemter, zu deneir die Frauen gewählt werden können, sind vorläufig ausschließlich Laien- und Verwaltungsposten.
ff- Dichtungen einer ägyptischen Prinzessin vor 3000 Jahren. Die ägyptische Abteilung des Britischen Museums in London ist jüngst um ein wertvolles Stück bc reichert worden, nämlich um eine thebanische Abschrift des T o t e n- buches. Der Papyrus lat eine Länge von 123 Fuß und eine Breite von etwa 18 Zoll: er enthält außer Dingen, die sckwn aus anderen Papyri wöhlbelannt sind, fine ganze Reihe von Hymnen und Litaneien, die vollkvmnren neu sind. Bislang (er ist vor dem Jahre 1881 in der königlichen Grabstätte Deir-el- Bahari gefunden worden) gehörte er einer Frau Mary Greenfield; diese hatte ihn dem Museum geschenkt, und jetzt hat sich Dr. Budge von der ägyptischen Abteilung des Museums mit dem Texte näher besaßt. Tie Texte sind von einer ägyptischen Prinzessin, vielleicht jedoch nur für sie abgefaßt worden. Es handelt sich um die Prinzessin Nesi-ta-nebt Ashern, eine Tochter des letzten Priesterkönigs der 21. Dynastie, Painetchem II. Der ganze Papyrus ist von einer Hand geschrieben, anscheinend von einer weiblichen Hand. Durchweg ist die hieratische 'Schrift an- gewendet; nur einzelne Kapitel sind gleick^zeitig auch in Hieroglyphen abgefaßt. Ferner zeichnet sich der Papyrus durch felyr sein ausgeführte Vigneten aus. Der Inhalt der Hymnen und anderen Dichtungen ist den älteren thebanischen Schriften des TotcubucheS entnommen, und die Verfasserin muß eine 'gründliche Kenntnis der Theologie des neitcit Reiches gehabt haben. Im Text selbst wird die Sckweiberin als „Arbeiter oder Verfaiser der „Rollen" (Bücher) Amen-Ras, des Königs der Götter", bezeichnet. Ferner verrät der Text, daß sie auch bei dem musikalischen Teile des .Kultes zu hm hatte. Man kennt die Prinzessin nicht nur aus diesem Schriftstück, sondern ihre Mumie ist aus- gefunden worden und ist im Museum zu Kairo ausgestellt. Bei der Auswicklung zeigte sich, daß sie ein schmales Gesicht und eine wohlgeformte Stirn hatte; das Haar war dunklebraun und »vellig, die Augen lichtbraun, wenn nämlich die eingcfetüen Glasaugen lebenSwalw sind. Nach dem Erhaltttng^ustande der Zähne
ist auf ein Alter zwischen 35 und 40 Jahren zu schließen. Die ganze Körperlänge der Prinzessin betrug beinahe 1,70 Meter.
— Di e weibliche ir Geschworenen und das Mittagessen. Die erften weiblichen Geschworenen, die jetzt in Twin Falls im Staate Idaho über eine des Mordes angeklagte Frau Butts zu Gericht saßen, haben ihre Tätigkeit im Dienste der Gerechtigkeit gleich mit einer Neuerung begonnen, die eine Bresche in das amerikanische Dogma von der Klausur der Ge- schivorenen legt. Die Verlxandlung hatte begonnen und verlief auch ordnungsgemäß, als plötzlich die älteste von den weiblichen tzKschworenm sich bemerkbar machte. Sie bediente sich dabei einer Gebärde, die ihr aus ihren Schicktagen noch in der Erinnerung geblieben sein mochte, sie hob den Finger wie eine Schülerin, die. sich meldet. Ter Präsident richtete an die Frau Geschworene die Frage, was sie zit bemerken habe inti) als Antwort wurde seelenruhig der Wunsch ausgesprochen, die Verhandlung nunmehr zu imterbrechen und erst am Nachmittage wieder fortzusetzen. „Sie müssen wissen, Herr Präsident," so erklärte die pflichtbewußte Frau seelennrhig, „daß wir jetzt nach Hause gehen müssen, unt für unsere Männer das Mittagessen zu kochen, denn es ist gleich 12 Uhr." Ter Präsident erklärte bett Geschworenen, daß das Gesetz den Angehörigen eines Geschtrorenengerichtes nicht gestatte, das Gerickstsgebäude zu verlassen, es sei beim in Begleitung eines Gerichtsbieners. Aber die Frauen Geschworenen erhoben sich gemächlich von ihren Plätzen, setzten sich ihre Hüte auf und verließen zur mafrtofen Verblüffung aller Anwesenden den Ver- ltanblungssaal. Eine Stunde später kehrten sie mit derselben ruhigen Selbstverständlichkeit zurück, legten ihre Hüte wieder ab und nahmen ihren Platz wieder ein, woraus die Verhandlung ihren Fortgang nahm. Ms die Beweisaufnahme geschlossen und die Plädoyers gesprochen waren, zogen sich die Damen in das Beratungszimmer zurück und feljrten bald daraus mit ihrem Verdikt wieder, das auf schtckdig lautete. Der Präsident aber fügte sich wohl ober übel: um einen Skandal zu vermeiden, sah er davon ab, die zur Mittagsstunde so einhellig verscktvundenen Frauen Geschworenen verhaften zu lassen, und er ignorierte bte Verletzung des Gesetzes, da es sich ja um Damen lwadelte, und ganz Amerika eifersüchtig darauf hält, die ihnen gebührende Ritterlichkeit nicht zu verletzen.
f*f. Heirat als Strafe Im Süden Englands gibt cs eine Gegend, in der sich ein mittelalterlicher Brauch bis in die jüngste Zeit hinein erhalten hat. Hat ein junger Mann tun ent Mädchen das Ebeversprechen gegeben, und wird er wortbrüchig, so erhält die Maid von dem stttchter des Ortes drei Dinge aus- gefywbigt, mit denen sie den Ungetreuen entweder bestrafen ober wieder an sich fetten kann Die drei Tinge sind: ein Schwert, ein Strick imb ein Ring. Mit dein Schwert soll sie ihin den Kopf abschlagen, mit dem Strick ihn aufhängen Will sie ihm aber bas Leben lassen, so überreicht sie ilpu den Ring^ und — der Ungetreue muß sie zur Strafe für deit Treubruck» lieimführen. (?)


