Ausgabe 
29.11.1913 Zweites Blatt
 
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Nr. 281 Zweiter Blatt

165. Jahrgang

Erschein« ttgllch mit Ausnahme des Sonntag»,

Die6kfreiter Zamtlientzlütter" werden dem .Anzeige:' vier-mal wöchentlich deiqelegt, da» Kreisblati für den Kreis Sietzen" zweimal wöchenlttch. DieLandwirlfchaftlichen Leit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Samstag, 29. November 1913

StotatwnSbrucf und Verlag der Brüdl'fcheo Universitäls - Buch- und Sreiudnickerei.

R. Lange, Siegen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strane 7. ErpedUlon und Verlag: 51.

Redaktion:«^» 112. Tel.-Adr.: AnzeigerSleven.

Holländer.

Schauspielhaus.

Sonntag, den 30. November, nachmittags */;4 Uhr:Colberg." Abends 8 Uhr:Pygmalion.' Montag, den 1. Tezeinber, al'ends 8 Uhr: Anatol-Zyklus. Dienstag, den '2. Dezember, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: .Eine ftran ohne Bedeutung." Schauspiel in 4 Akten von Oskar Wilde. Mittwoch, den 3 Dezeiiiber, abends 8Uhr: Arbaces unb Panthea oder Die ttzeschivister." Donnerstag, den 4. Tezeinber, abends 8 Uhr:Pygmalion.' Freitag, den 5. Dezbr* abeiids 8 Uhr:Pygmalion." Samstag, den 6. Dezeniber, abends 8 Uhr:Eine Fran ohne Bedentung." Sonntag, deii 7. Dezember, nachmittags ' ,4 Uhr:Der Meineidbancr.' Abends 8 Uhr:Eine Fran ohne Bedeutung." Montag, den 8. Dezeniber, abends 8 Uhr: Dthello.' Tienstaa, den 9. Dezember, abends 8 Uhr:Arbaces und Panthea oder Tie l»eschwister.' Mittwoch, den 10. Tezeinber, abends 8 Uhr:Eine Iran ohne Bedeutung.'

Die Dueüfrage.

Berlin, 28. Nov.

Der Ausschuß zur Vorbereitung von Anträgen zur Lö­sung der Duell frage hielt heute im Reichstage eine Sitzung ab, die zum großen Teil mit einer allgemeinen Be­sprechung der bereits vorliegenden Anträge ausgcfüllt wurde. Das sind die bekannten Zentrumsanträge auf straf­rechtliche Verfolgung solcher Mitglieder militärischer Ehren­gerichte, die von einem Offizier oder Sanitätsoffizier den Zweikampf, die Herausforderung zum Zweikampf oder ihre Annahme verlangen, ferner die pflichtige Verhängung der (Gefängnisstrafe und die Anerkennung der bürgerlichen Ehrenrechte in solchen Fällen fordern, in denen der Zwei­kampf durch Ehebruch mit der Ehefrau des Gegners, durch Verführung seiner Tochter oder Schwester oder durch schwere Beleidigung verschuldet war. Hierzu kommt der sozialdemo­kratische Antrag, der die Zweikampfparagraphcn überhaupt aufheben, den Zweikampf selbst also mit den Strafen der Körperverletzung oder der Tötung bedrohen will. Neues brachte die Verhandlung erst, als von nationallibcra- l e r S e i t e heute der Antrag gestellt wurde, unter Aufrecht­erhaltung der geltenden Bestimmungen folgenden neuen Paragraphen in das Strafgesetzbuch einzuschalten:

,.Hat der Herausfordernde oder der Annehmcnde den Zwei­kampf freventlich verschuldet, so ist an Stelle der Festungshaft auf Gefängnis von gleicher Tauer zu erkennen, auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden."

Unter diesem Gesichtspunkte wurde die Frage zunächst weiter besprochen, und es schien eine gewisse Neigung zu be­stehen, sich auf Grundlagen von der Art dieses Antrages zu einigen. Von der Regierung wurde noch nicht Stellung genommen. Kurz vor Beginn der Plenarsitzung erfolgte Ver­tagung.

Wie man sich einen halben Liter besten Hnstensirup für drei Mark selbst herstellt.

Ein gutes Rezept für sparsame Hausmütter.

Anaesichtö der herrschenden, regelrechten Husten- und Erkältungs- Epidemie dürfte das folgende Rezept vielen wlUkommcn sein. Man kann es sich leicht zuhause selbst beritcücn, und es gibt nichts Besse­res gegen den Husten. Auch besitzt es eine leichte, kräftigende und stuhlregelnde Wirkung, iit vorzüglich bei Heiserkeit, zur Vorbeugung der sich aus Erkältungen häufig entwickelnden schlimmeren Er­krankungen der Atmungöwege uud bildet ein ideales Hustenmittel für die Hausapotheke. Stinber nehmen es gerne ein; ieter Mutter iei daher empfohlen, sich den Hustensirup berznstellen und ihn mäh' rend der Wintermonale bei der Hand zu halten.

Beschaffen Sie sich in der nächsten Apotheke 60 gr dreifach kon­zentrierten Ansy, fügen Sie das zuhause zu einem viertel Liter heißem Wasser und 250 gr gestoßenem weihen Zucker; umrühren, vis alles gut aufgelöst und vermischt. Viermal täglich ein bis zwei Teelöffel voll davon gibt sofortige Linderung und vertreibt gewöhn­lich innerhalb 24 Stunden den hartnäckigsten Husten. Da es io prompt wirkt und zudem eine nährende und kräftigende Wirkung be= itzt, eignet es sich auch bestens in der Rekonvaleszenz. Das Rezept ist schon wiederholt empfohlen worden und ist in viölen Familien ein hochgeschätztes Hausmittel. ss-1/11

Spielplan der vereinigten Zrantsurter Stadttheater

Vpernhaur.

Sonntag, den 30. November, nachmittags */34 Uhr:Die Fledermaus." Abends ' Uhr:Cavalleria rusticana. hieraus: Der Bajazzo." Montag, den I. Dezember, abends ' ,8 Uhr:Ter Troubadour." TienStag, den 2. Dezember, abends 7 Uhr:Tann- Hauser' Mittwoch, den 3. Dezember, abends/28 Uhr:Ter Zigeunerbaron.'' Donnerstag, den 4. Dezember, abends 1 ',8 Uhr: Der ferne Klang.' Freitag, den 5. Dezember, abends 8 Uhr:Die Braut von Messina." Samstag, den '-.Dezember, abends 7 Übe: Don Carlos.' Sonntag, den 7 Dezember, nachinitlags 1I.14 Uhr: Ter Barbier von Sevilla.' Abends */t8 Uhr;voffmanns Er­zählungen." Montag, den 8. Dezember, abends */,8 Ubr:Falstaff.' Dienstag, den 9. Dezember, abends/28 Uhr:Ter fliegende

Neue kleine Anfragen.

Die Abgg. Waldstcin und Hoff haben im Reichs­tage folgende Anfrage gesteAt:

Turch die §§ 68, 10 und 11 des Reichsgesetzes über einen einmaligen außerordentlichen Wehrbeitrag ist jedem Deutschen und den anderen in den 88 10 und 11 genannten natürlichen und juristischen Personen Freiheit von jeder landes- gesctzlichen Strafe und jeder Verpflichtung zur Steueniachzahlung gewährleistet, wenn sie bei der Veranlagung zum Wehrbeitrag oder schon zuvor bei einer Veranlagung zu einer direkten Staats- oder Gemeindesteuer Vermögen oder Einkommen angeben, das bisher der Besteuerung durch einen Bundesstaat oder eine Ge­meinde entzogen worden ist. Es ist nun die unrichtige Ausfassung hervorgetreten, daß diese Rechtswohltat des Gesetzes nur den­jenigen zukommt, deren Vermögen die im § 12 des Gesetzes be­stimmte beitragssrcie Grenze übersteigt, und die demgemäß einen Wehrbeitrag zu zahlen haben würden. Ist der Herr Reichskanzler bereit, Maßnahmen zu treffen, um dieser die Zwecke jener Gesetzes­bestimmung gefährdenden Auffassung rechtzeitig entgegenzutreten und um eine richtige und gleichmäßige Handhabung des Gesetzes zu sichern? Ist er insbesondere bereit, in die öffentliche Aufforde­rung zur Abgabe der Vermögenserklärung eine Belehrung auf» zunehmcn über das Recht jedes Deutschen und der anderen in den §§ 10 und 11 des Wehrbeitragsgesetzes genannten natürlichen und juristischen Personen ohne Unterschied des Vermögens und Einkommen- eine Vermögenserklärung abzugcben und die damit verbundenen Rechtswohltaten zu erlangen?

Die Abgg. Dr. Hoppe und Held fragen an:

Sind dem Herrn Reichskanzler die Gründe bekannt, die die Militärverwaltung veranlaßt haben, im vergangenen Sommer 1. für den Bezirk der fünften Remonteankaufskommission die An­forderungen an die zu kaufenden Remonten, wesentlich zu ändern; 2. diese Aenderungcn so plötzlich imd rücksichtslos durch- zuführcn, daß an einem Tage (etwa Mitte Juli) der bisherige Präsis noch nach der früheren Methode kaufte, am nächsten Tage aber sein Nachfolger ein völlig anderes Pferd verlangte, imb daß infolgedessen die Remontemärkte für die Züchter außerordent­lich ungünstig ausfielen?

Spielplan der Giehener Stadtthealerr.

Direktion: Hermann Steingoetter.

Sonntag, den 30. November, nachm. 3/? Uhr, bei Volkspreiien (unter Mitwirkung der Kapelle des hiesigen Inf.-ReqimentS): Kinder- Vorstellung. Zum letzten Riale:Sneewittchen uüb die lieben Zwerge." Ende 5* . Uhr. Abends 7*|, Uhr, bei gewöhnlichen Preisen (unter Mitwirkung der Kapelle des hiesigen Fnianlerie- Regiments):FUmzanber.' Ende gegen 10'/, Uhr. Tieuslag, den 2. Dezember, abends 8 Uhr (8. Dienstag - Abonnements - Vor­stellung) : Letzte Aufführung:Jugend." Ende 107, Uhr. Mitt­woch, den 3. Dezember, abends 8 Uhr (außer Abonnenient, erhöhte Preise, Abonnenten genießen Ermäßigung gegen Vorweis des 3. Ermäßigungskupons): Einmaliges Gastsviel von Friedrich Kayßler und Helene Fehdmer vom Lessing-Theater in Ber­lin .Rosmersholm" Echausptel in 4 Akten von Henrik Ibsen. Ende gegen 11 Uhr. Freitag, den 5. Dezember, abends 8 Uhr (9. Freitag-Abonnements - Vorstellung):Pygmalion." (Neuheit!) Komödie in 5 Akten von Bernard Shaw. Ende 10 X Uhr. Sonn­tag, den 7. Dezember, abends 7'/, Uhr, bei gewöhnlichen Preisen (unter Mitwirkung der Kapelle des hiesigen Infanterie-Regiments): Filmzauber." Ende gegen 10'/, Uhr.

politische Tagesschau.

Die Dienstbotenvcrficherung und der Reichstag.

"Der Berliner Hausfrauen verein hat an den Reichstag eine Bittschrift -g.eridytet, in der gebeten wird, den für das Inkrafttreten der 'Dienstbotenversicherung vorgesehe­nen Termin vom 1. Januar 1914 aufzuheben. In der Be­gründung der Bittschrift wird darauf hingewiesen, das; der Fall der Aufhebung eines Gesetzes vor seinen: Inkrafttreten' nicht beispiellos sei. Es sei besser, di? Bestimmung über die Dienstbotenversicherung vorläufig nicht in Kraft treten zu lasse»:, als sie später abzuändern. Es wird weiter behauptet, das; das Gesetz der Eigenart des Dienst'botenverhältnisses un- aeirüaeud Rechnung tragen. Die Dienstboten stehen als Teil der Hausgemeinschaft ihrer Dienstherrschaft ungleich näher als gewerbliches Arbeiterpersonal gegenüber dem Fabrik- bcrrn Die Dienstboten sind in der Hausgemeinschaft des Ar­beitgebers vor Krar:kl;eiten und Unfällen besser geschützt, so daß sie für die Krankenversicherung eine ungleich kleinere Belastung darsteNen als gewerbliche Arbeiter. Es dürfte da­her mit einer geringeren als der vorgesehenen Belastung der gme<k des Gesetzes vollständig erreicht werden. Die neue Dienstbotenversicherung wird viele Familien nötigen, in Zu­kunft ohne Dienstboten hauszühalten, wodurch die Arbetts- losigkeit vermehrt werden wird.

VomReichsamtdes Innern wird ein Teil dieser «3phpnfcn geteilt, obwohl an eine Aufhebung der Bestimmun- aen nicht gedacht werden kann. Man ist der Meinung, daß die Wüngel nicht im Gesetze liegen sondern in den Aus- Mrungsbestimnmngen. Man wird also dahm streben müssen die Krankenkassen pi veranlas,-n, die angebotenen

Börsen-Wochenbericht.

Frankfurt a. M., 28. November.

In der Haltung der Börse hat sich in dieser Woche ein Um­schwung zum Besseren vollzogen. Handelt es sich üorerft auch im wesentlichen mehr um börsentechnisck)e Momente, die den Anstoß zu einer Befestigung der Tendenz gegeben haben, so ist doch auch die allgemeine Stimmung zweifellos etwas zuverstcht kicher geworden. Das Vorgehen der Paissespekulation in letzter Zeit hat nach und nach ein beträchtliches Decouvert in den tonan­gebenden Papierei: hervorgernfen und bei der diesmaligen Ultimo regulierung hat sich im Zusammenhang damit in einer ganzen Reihe von Werten Stückemangel herausgestellt. Vielfach sah man sich infolgedessen veranlaßt, Eindeckungen vorzunehmen, die noch gefördert wurden durch den Geldüberfluß am heinnschen Markte und einen etwas zuversichtlicheren Ton in der Beurteilung der Konjunkturentwicklung, beides Umstände, die auf der anderen Seite die Abgeber zur Zurückhaltung veranlaßten, und damit eine Aufwärlsbewegung der Kurse herbeiführten. Dies alles spielte sich aber auch jetzt wieder nur innerhalb der berufsmäßigen Spekulation ab, während das Privat Publikum sich vorerst noch weniger am Geschäft beteiligte. An Anzeichen, die auf ein Fort­schreiten der Besserung der wirtschaftlichen Verhält­nisse schließen lassen, war in dieser Woche kein Mangel. Für die Beurteilung der Lage des Eisenmarktes fiel zunächst die Tat-

.ipc ins Gewicht, daß in den Preisen für Stabeisen und Bleche heinisch-westfäl.scher Provenienz eine abermalige Besserung ein- ictretcn ist und daß auch auf den: französischen Eisenmarkte ein anftcs Anziehen der Preise sich fühlbar inadjt Größere Hoff- tungen setzt man allerdings daraus, daß von der: leichteren tzeldverhältmssen aus im nächsten Frühjahr eine Belebung der ge- chäftlichen Tätigkeit einsetzen wird, und zwar ausgehend vom Baumarkt. Die Ansichten ernsthaster Börsenkreise begegneten sich xl mit dem, was Herr Stinncs dieser Tage in der Generalver­sammlung von Deutsch-Luxemburg ausführte. Die Erl eich- . c r u n g an: Geldmärkte hat inzwischen weitere Fortschritte jcmadit, «richt nur bei uns, sondern auch in London, Paris und Wien. An letzterem Platze hat die Leitung der Oesterreichiscch- Ungarischen Bank sich jetzt entschlossen, den offiziellen Diskontsatz um 1,/2°o auf 5\/»% herabzusetzen. Hierdurch erhielt die Hoff­nung, daß auch die Bank von Frankreich ihren bisherigen Satz von 4o/o nicht mehr lange in Kraft lassen würde, neue Nahrung. Am heimischen Geldmattte herrscht zurzeit geradezu ein lieber- fluß an Geld und bic Geldgeber haben Schwierigkeiten, ine ver­fügbaren Mittel unterzubringen. Schiebungsgeld stand zu etwa 4 2o/o .reichlich zur Verfügung und für tägliches Geld, das etwa 2o/o bringt, ist überhaupt kaum Nachfrage vorhanden. Der An­lage markt hat von der Geldslüfsigkeit bis jetzt nur wenig profitiert, immerhin konnten sich heimische Fonds und auch ein­zelne fremde Renten etwas befestigen. Schwächer lagen nur Mexi­kaner, auf die immer noch ungelösten mexikanischen Fragen. Am Montanmarkte erfuhren die Kurse infolge zahlreicher Teekungs- und Meinungskäufe Besserungen bis 6o/0. Andere Jndustriepapiere waren ebenfalls vielfach gefragt und er­zielten zum Teil beträchtliche Avancen. So stiegen Mannesmann Nvhrmwerke auf das Zustandekommen eines Nöhrensyndikais 8%, Dürkopp 8^/o0/0, Daimler 11% und Kleyer 23%. Von Aktien chemischer Fabriken gewannen Anilin 61 _2%, Albert 12%, Scheide­anstalt 19%. Schramm Lackfabriken flieget: 11% und Enzinger Filter 12°/o. Eine Steigerung von 250/0 erzielten die Aktien der Türkischen Tabakregie im Hinblick auf deren befriedigende Entwick­lung im laufenden Jahre. Bankaktien stellten sich ebenfalls meist etwas höher, ebenso Bahnen, nur Schiffahrtswerte lagen schwach, da man die Aussichten am Frachtenmarkt weniger gut beurteilt. Privatdiskonto 48/16o/o.

Leistungen für Dienstboten herabzusetzen und infolgedcsst auch die Höhe der Beitrage. Die Beitragsstufen müßten als: in Zukunft wesentlich erweitert werden und die großen Schwankungen vermieden werden. Unter diesen Umständet wird es manchen Familien möglich fein, sich auch in Zulünsl üngerc Dienstboten halten zu können. Da ein Teil der Bei­träge von den Dienstboten getragen werden sott, dies in den meisten Fällen also einem Abzüge vom Lohn gleichlommt, so werden sich viele Herrschaften veranlaßt fühlen, entweder die Beiträge aus eigener Tasche zu zahlen, dafür aber Gehalts­erhöhungen nicht mehr vorzunehmen.

Römische Kitöcriafiungen in Der wcttcrau.

Frankfurt a. M., 28. Nov.

Durch den uralten Kulturboden der Wetterau führte ein Vor trag, den Prof. Dr. Anthes Darmstadt) vor den Mügliedern des Vogelsberg-Höhenklubs und zahlreichen bekannten Archäologen hielt. Tie Wetterau wurde von den Römern aus militärisch-poli- tischm Rücksichten besetzt, um gegen die lieberrurnpelungen der kriegerischen Kalten gesichert zu sein. Dieser Germanenstamm be­herrschte die nahen Waldgebirge, wo er sich in dm festen Ring- wällm auf dem Altkönig, in: Heidtränktal, der Altenburg usw. sichere Wehrbauten geschaffen hatte.

Die Reste dieser Volksburgen sind beute noch teilweise treff­lich erhalten. Zum andern lockten die unvergleichlick)e Fruchtbarkeit der Wetterau und ihre Mineralguellen Roms Kohorten mächtig An. Die Römer sanden eine dichte Besiedlung des Landes vor, die sich beute bis in die jüngere Steinzeit verfolget: laßt Aus der Latme-Zeit, unmittelbar vor den Römern, sind zahllofe E:nzel- siedlungen mit kostbaren Funden, alte Wege und Gräber fteige- legt: so z. B. ein Depotfund von 80 Bronzen bei Friedberg, die Gußsachm von L i n d e n st r u t b , die seltenen Bronzen von Schotten und endlich das kostbarste Stück, das je in Hessen gefunden wurde, die beiden bronzenen Atbleten von B 0 r s d 0 r f. In Bad- Nau b e i rn an den Sattauellen lebte eine besonders b^chmtwickelte Lateue-Kültttr, die attshörte, als die Römer eindrangen. Die Rodberger Funde zeigen bann schon den römischen Einfluß. Archäologisch unberührt ist bis beule noch der Vogelsberg und seine Wälder. Hier barren der Forschung zweifellos große Ueber- raschungm. Nur nmerdings wandle man sich der Erforschung der zahlreichen künstlichen Terrassen und den dazu gebärende:: Podien zu. Man vermutet in ihnen Reste ehemals bebauter Ländereim, deren Siedlungen heute die ungezähltm Wüstungen bildm. Ten Römern wurde die Wetterau unter dem Kaiser Domitian erschlossm, zuerst aus militärischen Maßnahmen, bann aus kolo­nisatorischen Gründen. Tie Greifen der Wetterau deckten bte tüchtigen flavischm Kaiser durch den Limes, eine aus einer Straße mit Kastellen und Türmen bestehende Grenzlinie, die öst­lich bei Großkrotzenburg am Main beginnt und über Rückingen, Marköbel nach Altenstadt zieht, und west­lich durch dm Taunuslimes-Feldberg, Saalburg, Kapersburg dar­gestellt wird. In dieser Umwallung entstanden die großen Ka­stelle Okarben, Friedberg, Heddernheim, Helden- b er gen und das gewaltigste bisher aufgedeckte Lager von Kessel st adt. Nach Porden hinaus konnte die Linie nicht ge- nau festgelegt werden, "Weil bei Butzbach und Langmhain früher nicht sorgfältig gearbeitet wurde.

Ursprünglich war der Limes eine Waldschneise von 30 Metern Breite. Kaiser Hadrian schob die Truppen aus dem Jnnenlande an den Limes heran, und führte eine völlige Neuordnung der Verwaltung ein. Es entstanden am Limes Steinbauten, Kastelle, in regelmäßigen Abständen Ihren Höhepunkt erreichte die Be­siedlung unter Antoninus Pius; das Land war dicht mit Land­gütern und Gehöftm bedeckt, deren Reste in bett letzten Jahren ausgedeckt wurden und immer neu gefunden werden. Sttaßen durchzogen in dichtem Netz das Land. Von der Verfeinerung der Römer in der Wetterau legen u. a. die vielen Austernschalm Zeug­nis ab, bann die Badeanlagen bei jeder Villa, vor allem in den Kastellen.

So reich und dicht die Wetterau von den Römern besiedelt war und so zahlreich die baulidzm Reste sind, so kärglich sind die Funde an Kleinstäckm. Zweifellos habet: die Römer bei ihrem Abzug alles mitgenommen. Nur bei Friedberg sand man einen Orden, ein Amulett unb den bekannten Offiziershelm. In diesem Sommer legte man bei Gettenau ein Depot von 50 Geräten frei, die einer Landwirtschaft entstammm: Schippm, Spaten. Pflugeisen, Beile, Gabeln und 10 scherartige Gegenstände, bereit Bedeutung noch nicht ermittelt ist. Der Gettmauer Fund ist einer der wichtigsten von den Wetterauer Ausgrabungen. Von besonderem Interesse ist bas feste Raubschloß bei Erbstadt und schließlich der herrliche Mosaikbvden von Vilbel.

Der Sitz der Behörden der römischm Wetterauer Siedlungm war die Stadt Nidda. Der Winter 25960 sah den Untergang der Römerherrschast in der Wetterau, unb damit fand auch eine reiche segenbringende Kultur hier ihr Ende, deren Zmgm jetzt nach 1600 Jahren Bewunderung abringen.

Der Vortrag wurde durch eine Fülle prächtiger Lichtbilder unterstützt. P- H-