Drittes Statt
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Nr. 97
165. ZahrgMg
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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Die Kaiserin
und die Prinzessin Viktoria Luise trafen am Freitag vormittag mit Gefolge von Bad Homburg kommend in Potsdam ein.
TieStadtKölnunddas Kaiserjubiläum. _
Die Kölner Stadtverordnetensitzung beschloß, aus Anlaß be5 Regierungsjubiläums des Kaisers auf der rechten Rheinseite einen Park ju schaffen, für den der Name Kaiser- Wilhelm-Park in Aussicht genommen ist, ferner in den enggebau- ten Teilen der Altstadt Jugendspielplätze anzulegen. Für beide Zwecke wurde eine Million zur Verfügung gestellt. Ter Beschluß wurde einstimmig gefaßt.
Ein unterer Eisenbahnbeamter als Landtagskandidat.
Im Landtagswahlkreis Dortmund wurde der Kgl. Wagenmeister Kreuz vom Zentrum als Kandidat auf» gestellt.
Ihr Ideal ist, ggr nicht bewilligen, aber — ein dreijähriger Vertrag.
Wir geben zu, daß in mehreren Orten, großen und kleinen, die Verhältnisse momentan nicht gut sind. Wollen die Unternehmer, daß die Arbeiter da Rücksicht üben sollen, dann ist dringend eine andere Tarifpolitik notwendig. Damit wäre grundsätzlich ausgesprochen, dgß auch die Lebensverhältnisse der Arbeiter in ganz tauberer Weise berücksichtigt werden müssen. Danach müßten aber Lohn- und Arbeitszeit, wie sie heute im! Bezirk bestehen, gründlich revidiert werden. Ein 14- bis Ibstündiger Arbeitstag und noch darüber hinaus, wie er in fast allen Orten, besteht, ist einfach icin Skandal. Solche Verhältnisse sind unwürdig und unhaltbar.^ Wer sie aufrecht erhält und verteidigt, handelt nicht nur unsoziah sondern unhumän und ungerecht. >
Jetzt entsteht die Frage, was wird nun werden, wird wieder von neuem unterhandeln werden in den einzelnen Orten oder wird auf andere Weife die schwierige Frage zur Verständigung gelöst, oder wird doch nech zuletzt ein Kampf mit seinem großen Verlust für die gesamte Volkswirisckmft entbrennen? Wir wollen da nicht vorgreifen und zunächst die Maßgebenden zentralen Instanzen entscheiden lassen. Tie Arbeiter aber sind auf alles eingerichtet, deshalb wünschen sie auch nur, daß bald in dem einen oder anderen Sinne die ^Entscheidungen gefällt werden.
AusSanS
Französische Sorgen.
Aus Paris wird gemeldet: Mehrere Mitglieder des Generalrats des Departement La Manchs brachten einen Beschlußantrag ein, in dem die Aufmerksamkeit der Regierung auf die von Ausländern, namentlich von Deutschen, in der Normandie errichteten industriellen Unternehmungen gelenkt und behauptet wird, daß verschiedene wichtige Punkte der Halbinsel Cotentin deutschen Gesellschaften gehören. Die Negierung möge die Besetzung von Cherbourg verstärken und auch sonst Maßnahmen treffen, damit die fremden Unternehmungen nicht eines Tages eine Gefahr für die Sicherheit des Landes bildeten.
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Die „Gießener Hamtiienblritter" werden dem „Anzeiger" viermal möchenllich beigelegt, das „Ureisdlatl für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Zur Verständigung in der Lohnfrage machten die Urbar teil) eßen keine Vorschläge, die für die Unternehmer als unenchwmgkrch bezeichnet werden können. Demnach sollte in der dreijährigen -Vertragsperiode der Lohn in der Stunde erhöht werden
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^51. 9tebaftion:e^@112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
Samstag, 26. April 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläls - Buch- und Sreindruckerei.
R. Lange, Gießen.
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Im nachfolgenden möchten wir uns gestatten, die Verhältnisse tin Baugewerbe im Bezirk (der Hessenlande und der angrenzenden Bezirke Bayern und Baden), wo der Mitteldeutsche Arbeitgeberverband seinen Einfluß ausübt, zu beleuchten.
Bekanntlich ist auch in diesem Bezirk, wie oben bereits erwähnt, am Samstag, dem 29. April, trotz lebhafter und fleißiger Bemühungen der Unparteiischen die Verständigung gescheitert. Es Mag dabei ruhig zugegeben werden, daß Vergleichsvorschlage, die von den Unparteiischen gemacht worden sind, keine leichte Arbeit darstellen. Besonders noch in einem! Bezirk mit so ausgeprägten Gegensätzen. Dabei waren die Vorschläge keineswegs besonders arbeiterfreundlich, sondern nach ernsthafter Beachtung läßt sick fast, wenn Man die materielle Wirkung der Vorschläge berechnet, das Gegenteil feststellen. Neben den mehr formalen Bestimmungen zürn Vertragsmuster, bildet die tägliche Arbeitszeit und der Sttmdeiilohn doch den Kern des Streites der Vertragsparteien. Aber bis zu diesenr Kem sind die Verhandlungen nickst einmal gekommen. Trotz aller Bemühung ist es dem Herrn Bürgermeister nicht gelungen, die Dergleichsvorschläge durch! die Klippen hindurckHUschiffem Als die Unternehmer durch den Mund des Herrn Lüscher erklären ließen, wir können eine Verkürzung der Arbeitszeit nirgends z u g e ste h e u und noch viel weniger sind wir geneigt, den Wechsel auf die Zukunft anz-uerkennen und für die nächste Vertragsperiode in Frankffrrt a. M., Offenbach, Mannheim und Ludwigshafen einer Arbeitsverkürzung auf 9 Stunden zuzustimmen: da ioar die Geduld der Unparteiischen, die volle acht Tage ihr Amt treu und gewissenhaft erfüllt hatten, zu Ende. Verärgert und verbittert erklärte der Vorsitzende:
M eine Herren, machen wir der Sache ein Ende, eshat keinen Zweck Mehr, Siewollennicht! So rief er dcn Unternehmern zu. Damit hatte er die Wahrheit gesagt, ° ^Gerade t>on diesem! Standpunkt sind' die Einigungsvorschläge der Unparteiischen sehr iitteressant. Wie sehen nun eigentlich die Vorsckstäge in Punkto der Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöhung 'aus? Waren sie wirklich vernichtend für die Unternehmer und „segenspendend" für die Arbeiter? O nein ! Es wurde für Kassel, Darmstadt und Mainz Arbeitszettverkürzung vorgefchlagen. Hier wurde gewiß nur mäßig den langjährigen und berechtigten Wünschen der Arbeiter Rechnung getragen. Besonders bann nicht, wenn mkm bedenkt, daß die Entwicklung des Baugewerbes in dem Bezirk besonders stark auf dem Lande (rund 70 Prozent) ist und der Arbeitstag immer noch eine Ausdehnung täglich von 14 bis 15 und mehr Stunden erfährt. Das wissen auch die Unternehmer, aber sie stehen nach wie vor auf einem unsozialen Standpunkt.
Zechzigjähnges Dienftjudüäum des Grasen haese!er.
Der volkstümlichste unter Preußens lebenden Generalen, Feldmarschall Graf Gottlieb v. Haeseler, begeht heute die Feier seines vor 60 Jahren erfolgten Eintritts in das preußische Heer. Etwas mehr als neun Jahre ist es jetzt ber, daß Graf Haeseler von feinem1 Posten als kommandierender General des 16. Armeekorps 3urü<fgetreten ist; doch hat seine Gestalt in dieser Zeit der Ruhe noch nichts von der Größe unt> Eigenart verloren. Mit der sie allenthalben im deutschen Volke lebt, und trotz seiner stark gebückten Gestalt gilt er allenthalben noch heute als die Personifikation der eisernen Energie. Dieser vor allem hat Graf Haeseler, der im Heere nie anders als mit seinem Vornamen „Gottlieb" bezeichnet wurde, seine glänzende und erfolgreick>e Lauf- bal)U izu danken. Schon als junger Offizier tat er sich in feinem? Regiment, dem Zielenhiisarenregiment, hervor. Im dritten Leutnantsjahr mürbe er schon zum Regimentsadjutanlen ernannt.
Sowohl int Feldzug von 1866 wie in dem von 1870/71 finden wir den Grasen Haeseler beim Stabe des Prinzen Friedrich Karl, der ihn stets zu den gefahrvollsten und wichtigsten Diensten verwendete. Seine Haupttätigkett im' Feldzuge gegen Frankreich erstteckte sich jedoch! auf die Ausarbeitung der Be^hle des Prinzen Friedrich Karl. Tie knappe und klare Form dieser. Mmeebefehle war durckwus sein Werk. Die Anerkennung, bic Graf Haeseler für seine hervorragenden Leistungen während des' Feldzuges gegen Frankreich und nachher als Oberguartiermeiftev der Okkupationsarmee erhielt, gipfelten in der Verleihung des Eisernen Kreuzes 1. Klasse und des Ordens pour le mente, den er Anfang 1873 bekam.
7 Tie Tätigkeit Haeselers von seiner Rückkehr aus Frankreich im Jalfre 1873 bis zu seiner Ernennung zunt Konnnandierenden General wechselten zwischen Dienst in der Front unb im Genaral- stabe ab. Diesem gehörte er zuletzt von 1889 ab ein Jahr als Oberquartievmeister an, nachdem er vorher Mitglied der Kommission zur Priffung und Feststellung eines Lmtwurfs zur Felddienstordnung gewesen war und erheblich auf den Beschluß dieser Kommission eingewirtt Hütte. 1890 wurde er bann Kommandierender General des 16. Üttmeekorps, an .dessen Spitze er bis 1904 stand. Die Macht 'seiner Persönlichkeit konnte sich auf diesem Posten, hart an der französischen Grenze, aufs höchste entwickeln Dre Art, wie er seine Soldaten behandelte, sttcng bis zum äußersten Und doch durchaus gerecht, sowie fürsorglich für jedes einzelnen Schicksal bedacht, ist vorbildlich geworden und wird stets etn von jedem Truppenführer zu erstrebendes Ideal sein. Zahllos ffnd die Anekdoten, wie er ber mißbräuchlichen Verwendung bet Soldaten, vor allem der Offizierbursckxm, zu steuern suchte unb wie er, für ferne Person vollkommen bedürfnislos, jedem Luxus int Offizierkorps entgegentrat. Schlagfertigkeit und stete Bereitschaft waren die Haupterfordernisfe, die er an fein Korps stellte unb die aufs höchste zu entwickeln ihm auch gelang.
Seit 1904 im Ruhestand, hat Gras 'Haeseler mich seitdem an allen militärischen wie politisckum Ereignissen stets lebhaftesten Anteil genommen. Hat er in militärischen Fragen auch mit öffentlichen Meinungsäußerungen zurückgelwlten, so hat er doch über Politisch nächtige Ereignisse nncberbclt int preußischen Herrenhaus, dessen Mitglied er seit 1903 ist, feine Ansicht in' .temperamentvoller unb eindrucksvoller Rede vertreten. Wie er an allem Anteil nimmt, so ist er auch von Anfang an ein mäch tigei Förderer der Pfabfiuderbewegung gewesen, deren Angehörige er wiederholt auf seinem Gute Harnccap empfangen hat.
6 Lohngebieten uM 3 Pfg., in 9 Lohngebieten uni 4 Pfg.
1 Lohngebiet um 4Hz Pfg., in 6 Lohngebieten UM 5 Pfg.
1 Lohngebiet uM 5V_> Pfg., in 4 Lohngebneten inrt 6 Pfg.
1 Lohngebiet um 7 Pfg., in 1 Lohngebiet um 8 Pfg.
Doch gewiß ganz bescheidene Vorschläge.^ In ber Vertragsperiode würde im Durchschnitt um 4,6 Pfg. ber Lohn im Bezirk erhöht. Das sind nicht einmal 10 Prozent Erhöhung. Nach unseren Ermittelungen hat die Preissteigerung der Lebens- intittcl in den letzten Jahren 25 bis 33 Prozent im Durchschnitt erreicht. Nach den amtlichen Feststellungen der Stadtverwaltungen ftiegen im! Durchschnitt die Preise für 24 verschiedene aber notwendige Konsumwaren für den Arbeiterhaushalt in den nachfolgenden Orten: Kassel 30,4, Frankfurt a. M. 29,6, Mainz 27,6, Mannheim 23,4, Wiesbaden 27,0, Darmstadt 28,2, Gießen 29,7, Hanau 31,5, Offenbach 30,4, Worms 23,0, Aschaffenburg 32,8, Homburg v. d. H. 35,7, Bab-Krenznach 25,7, Marburg 32,6, Tschwege 37,9, F-riedberg i. H. 27,4, Fulda 34,0, Hersfeld 42,4, Heppeiiheim 15,8, Mühlheim a. M. 27,2, Allendorf 30,5, Bad- Orb 26,5, Weilburg 29,5 und in Witzenhaüsen 52,9 Prozent.
Tatsächlich sind die Löhne in den Hessenländern mit die schlechtesten im ganzen Reiche, und nur in Schlesien, Posen, Thüringen und Baden stehen sie noch tiefer. Die Löhne sind aber nicht nur etwa schlecht in den .Großstädten, sondern in allen Ortsgrößenklassen, Gewiß zwei sehr wichtige Momente, die höhere Vorschläge in jeder Beziehung rechtfertigen. Wir dürfen ^danach wohl ohne Uebertreibung sagen, in den Vorschlägen toar den ff nternehMerwünschen viel zu stark Rechnung getragen unb um so stärker hatten die 9frbeiter ffrfache, darüber unzu fricben zu sein. Dabei soll nicht gemeint fein, daß nicht auch annehmbare Vorschläge für einzelne Lohubczirke vorhanden waren. Ja noch mehr. Mit einigen ernsthaften Korrekturen Hütte die ganze Liste sich für die Arbeiter annehmbar machen lassen. Aber wweit sollten die Verhandlungen nicht koMmen, die Unternehmer Wollten nicht, die Vorschläge gingen diesen Herren schon zu weit.
Deutsches Rei«H.
Ueber die Erhöhung der Gehälter einiger Klassen der mittleren und unteren Postbeamten fanden im Reichstage Besprechungen unter den Parteien statt. Ter Reichstag hatte bekanntlich in ber 2. Lesung des Voranschlags für das 'älteste Drittel der Postassistenten eine Zulage von 300 Mk., für die Unterbeamten eine solche von 100 Mk. bewilligt. Die Reichspostverwaltung hatte gegen diese Erhöhungen Bedenken erhoben. Auf Grund der geführten Besprechungen soll den Wünschen des Reichspostamtes in einigen Punkten nachgegeben werden unb die Erhöhungen sich auf der mittleren Linie bewegen. .Es handelt sich um eine Summe von 8Vs, Millionen Mark, die in der 3. Lesung in den Voranschlag eingesetzt werden soll. Ein diesbezüglicher Antrag ist eingebracht worden. Man nimmt an, daß die Reichspostverwaltung und das Reichsschatzamt sich mit den Vorschlägen der Fraktionen einverstanben erllären wird.
Ein Bittschriftenverzeichnis
ist im R e i chs t age ausgegeben worden. Von den Bittschriften, die zur Wehrvorlage und den Steuervorlagen gestellt sind, seien folgende genannt: Eine Reihe von Haus- und Grundbesitzervereinen bittet, bei ber Erhebung des Wehrbeittags die Grenze bei Vermögen auf 30 000 Mark herauf zusetzen und die Einkommen von 10 000 Mark ab zu den Wehrbeiträgen heranzuziehen. Weiter wird gebeten, Witwen über 30 Jahre, deren einzige ober überwiegende Einnahme in den Zinsen eines Ver- Niögens bis zu 20000 Mk. besteht, auf ihren Antrag vom Wehrbeitrage zu befreien und von einer Besteuerung der kleinen Rentner überhaupt abzusehen. Die vom Militärdienste Befreiten unb die kinderlosen Ehegatten sollen nach anderen Vorschlägen zu höheren Wehrbeiträgen herangezogen werden. Der Bund der Industriellen in Berlin bittet, die Grundsätze der kaufmännischen Finanzierung bei der Bewettung des Vermögens für die Erhebung des Wehrbeittags zugrunde zu legen, die ZaUung des Wehrbeitrags nur im Verhältnis zu den für das Reich erforderlichen Mitteln erfolgen zu lassen und Aktiengesellschaften nicht zum Wehrbeitrag heranzuziehen, statt der Besteuerung ber Ge- sellschaftsvetträge und ber Feuerversicherungen eine Reichs- er bs ch a f ts st eu er einzuführen, der vorgeschlagenen Veredelung der Mattikularbeittäge nicht zuzustimmen. Ferner sind Bittschriften eingegangen betreffend Regelung ber Verhältnisse des Krankenpflegepersonals burch ein Fürsorgegesetz, Schaffung eines Tarifgesetzes für Kassenärzte und Errichtung von besonderen mit Ingenieuren besetzten Gerichtshöfen für Prozesse in maschinentechnischen Fragen.
Ein „parlamentarisches Essen" beim Reichskanzler.
Am gestrigen Freitag sand, dem „Berliner Lokalanzeiger" zufolge, beim Reichskanzler ein parlamentarisches Essen statt, zu dem die Führer der bürgerlichen Parteien des Reichstages geladen waren. Den Mittelpunkt der Tifchunterhaltung bildete die Frage der Deckung der dauernden Kosten für die Heeres Verstärkung, insbesondere der Befitzsteuer.
Die Ll rb eiterv erhältnif se in der Heeres- und M a r i n e v e r w a l t u n g.
Eine Ueberficht über !bie Arbeiterverhültnisse in den Betrieben der Heeresverwaltung und der Marineverwalttmg für die Jahre 1909 bis 1911 ist dem Reichstage zugegangen. Die Ueberficht macht Angaben über die ArbettsZeiten unb die Verdienste der einzelnen Arbeitergattungen. Aus der Ueberficht läßt sich erkennen, daß in den Betrieben der Heeresverwaltung den im Reichstage geäußerten Wünschen in vielen Punkten nachgekommen worden ist. Die normale Arbeitszeit beträgt neun Stunden. Feiertagsdrenst wird grundsätzlich vermieden. Ter Verdienst der Arbeiter wird so geregelt, daß er weder hinter der üblichen Entlohnung der in gewerblichen gleichartigen Betrieben beschäftigten Arbeiter, noch hinter dem von der höheren Verwaltungsbehörde festgesetzten Betrag des ortsüblichen Tagelohns gewöhnlicher Tagesarbeiter zurückbleibt.
Der einmalige Wehrb'eikrag.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Aus Paragraph 44 Absatz 3 des Entwurf des Gesetzes über den einmaligen außerordentlichen Wehrbeitrag scheint die irrtümliche Schlußfolgerung gezogen #u werden, daß den p r i v a t e n B a n k u n t e r n e h m u n g e n eine Aus- ku n f t s p s l i ch t den Veranlagungsbehörden gegenüber auferlegt werden soll. Dies ist keineswegs der Fall. Die ermähnte Vorschrift ist lediglich eine Ausnahme der Vorschrift des Paragraph 44 Absatz 1, wonach die Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden verpflichtet sind, den Veranlagungsbehörden auf Ersuchen Auskunft über die Vermögensverhältnisse des Beeitragspflichtigen zu erteilen.
Der Entwurf über die Gewährung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer
ist dem Reick>stage zugegangen. Sein Inhalt ist bereits bekannt. Äe Begründung gibt eine nähere Erläuterung ber neuen Bestimmungen. Ter Entwurf cmtspiicbt ht den Hauptpunkten den Wünschen des Reichstags. Er soll sofort nach Wiederaufflahme der Beratungen nach Pfingsten zur ersten Lesung gestellt und möglichst bald verabschiedet werden.
Freie Eisenb ahn fah rt für die Reichstagsabgeordneten.
Der dem Bundesrat zugegangene Entwurf über die Gewährung freier Eisenbahnfahrt an die Mitglieder des Reichstags während der ganzen Legislatt"-periode wird dem Retchdstage bereits in den nächsten Dogen zugehen.
_9er Abschluß öe§ vsrfmöem.
Sofia, 25. April. Morgen oder übermorgen wird der gemeinsame Schritt der Gesandten der Großmächte betreffend den Abschluß eines Vorfriedens erwartet. Der Vorfrieden soll in London von den dortigen Balkaudcle-' gierten oder den Gesandten unterzeichnet werden.
Die „Kölnische Zeitung'" meldet aus Berlin: Die B o t- schaftervereinigung hat den Bcllkanregierungen vorgeschlagen, die Namen der Friedensunterhändler und den Ort für die Friedensverhandlungen anzugeben.
Die Montenegriner in Stutari.
Cetinje, 25. April. (Amtlich.) Die Montenegriner halten alle Stellungeri besetzt. In Skri-, tari befanden sich 26 000 Nizarns und 5000 Baschiboz-nkS, welche ihre Stellungen ruhig aber bedrückt verließen. Gestern wurde in Cettnje ein Fackelzug veranstaltet, wobei dem König begeisterte Kundgebungerr dargebracht wurden. Das Hauptquartier des Erbprinzen ist in dem Dorfe SchiK roka ^crufgeschlagen.
Die Blockade der atbanifchen Küste.
Cetinje, 25. April. Wie das Preßbureau, mitteilt, benachrichttgite der englische Gesandte auf Ersuchen des Kommandierenden der intermrtionalen Flotte heute' die Regierung Montenegros, daß die Blockade bis zum Hafer: von Dnrazzo ausgedehnt wird. Die Schiffe, die sich in ben betroffenen Gewässeim befinden, würden 24 Stunden Zeit habeir, auszulaufen.
Amtlich wird gemeldet: General Janko Wukotitsch ist zum Militärgouve.rneur von Skutari und der frühere Geschäftsträger in Konstantinopel Peter Pleme- nutz zum Ziviladlatus ernannt wordcm.
Die Verhandlungen im Baugewerbe.
Vom Gau Frankfurt des Tatschen Bauarbeiter-Verbandes erhalten wir folgende Zuschrift:
Bis zum 19. April sollten die örtlichen bezw., bezirklichen Verhairdlungen int Baugewerbe beendet unb bereit Ergebnis zu- sammengestellt fein. Das aus ben Verhandlungen gewonnene Ergebnis wirb bann wahrscheinlich dazu bienen, um bic Untenagcn für weitere Verhandlungen zu sinben. Ob dies nach ben Ergebnissen leicht zu erreiche ist, läßt sich int gegenwärtigen Augenblick nur schwer sagen, da immerhin eine klare Ueberficht nur in den Organisationszentralen möglich ist. Soweit wir tmstande sind, ein Urteil aozugeben, dürfte kaum für ein viertel ber beteiligten Otte unb Bezirke eine Verständigung erreicht fein Unb noch sehr erhebliche Schwierigkeiten^ stehen einer vollkommenen Einigung entgegen. Mit einem Konflikt ist also nach wie vor zu rechnen. Wenn wir auch gerne zugeben wollen, daß bei ben Unternehmern ber reaktionäre Geist bestimmter Scharfmacher seit 1910 zurückgedrängt worden ist, so ist er doch heule keineswegs überwunden. Vielleicht sind die SckMrsmacher durch die Erfal>rungen nur vottichtiger geworden, UM ber Oefsentlichkeit nicht M verraten, wohin sie steuern wollen. Deim selbst dann, wenn sie durch die ganze wirtschaftliche Lage im Moment zur Vorsicht und Zuruckhaltung gedrängt werden, so darf sich die OeffentlichkeZ und vor allen Dingen die Bauarbeiterschaft nicht täuschen laffen. -tafi diese Mahnung nickt unberechtigt ist, beweisen am schärf,ten^nud klarsten die Ergebnisse der Verhandlungen iM Westen unb ^ud- westen des Landes. Zwar sind eine Anzahl Personen heute in diesen Arbeitgeberverbänden nicht mehr am Ruder, die 1910 dott das Kommando führten, aber die „Scharfmacher z- D." sind so schleckt wie die „a. D.". Die Verhandlungsergebnisse in Rheinland-Westfalen unb Hessen sind gleich Null. Genau dasselbe Ergebnis wurde erzielt wie im' Jahve 1910. Es ist doch bezeichnend 'für die Bezirke, daß trotz der unerhörten und ungeheuerlichen Belastung ber Arbeiter durch die Lebensmittelteuerung, die Unternehmer für bte wirtschaftliche und soziale Wirkung dieses Zustandes durchaus gar kein Verständnis zeigen. Es ist doch kein Zuchll, wenii in ganz Rheinland-Westfalen in keinem Ott eine Verständigung erzielt wurde und ebenso für die hessischen Laudesteile bie Ver- gleick)svorsckläge, die von den Herren Unpatteiischien, welche, die Verhandlungen leiteten, unter deM Vorsitz des Herrn Bürgermeisters Dr. Luppe in Frankfurt a. M. gemacht würden, zu keiner Eim-


