Nr. I\
Zweites Blatt
165. Jahrgang
Donnerstag, 21. Mürz 1913
Eichener Anzeiger
Erscheint la-Nch trm Ausnahme des Sonntag?.
General-ÄNZeiger für Oberhesfen
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>ahre geftellt habe, das ist der Vorschlag,
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den i ch t n diesem
AÜ5 dem Darmstädter Wnstleben.
Wenn diesen Aufführungen auch die letzte Politur fehlte, uäni-
26. März.
das Bestreben anerkennen, innerhalb eines reichhaltigen Spiel
hat der neue Herr vieles und manchem
Programm soweit es voraus zu lands für Reihe von
Verein, meines
Walter Soomer u. n. Alles in allem!
Appell der Schwäche, des keuchenden Zurückbleibens, sondern
etwas gebracht, und das; ihm das möglich war, hat er nicht zuletzt seiner tapferen .Wnstlerschar zu danken.
sein wird. Es ist die jüngste Politik der fllegierung, uns möglich ist, unter allem nötigen Vorbehalt im erwägen, welche Folgen dieses Bauprogramm Timtscl)-- unseren eigenen Schiffsbau für annähernd dieselbe Jahren haben werde, und zu erklären, daß, wenn in
'< obre wiederhole. Es ist kein
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strahe 7. Expedition und Verlag: e^gsj&l. Redaktion: 112. Tel.-Ad v.: AnzeigerGießen.
irgend einem besonderen Fahr das Programm der HerauSsorde rung behindert oder aufgehoben werden sollte, unser dadurch veranlaßtes Programm unter allem nötigen Vorbehalt ebenfalls vermindert oder aufgehoben werden solle. Hätten die in dem deutschen Flottengesetz bewilligten Neubauten sich auf die erhöhte Rate von zwei Schlachtschiffen im Jahr während der nächsten sechs Jahre und die englischen Neubauten sich auf vier Schiffe be schränkt, so hätten nach Ansicht der Admiralität drei Schiffe genügt, um das Sech-zig-Prozent-Nerl-ällniS in Dreadnoughts ans recht zu erhalten. Da Deutschland seine Neubauten um zwei Schlachtschiffe in der genannten sechsjährigen Periode vermehrt hat. so werden mich die englischen Pläne für Ncnkonstruktionen um vier Schlachtschiffe erhöht werden, von denen zwei in jedem Jahr auf Stapel gelegt werden müssen. Somit werden, wie ich bereits im vorigen Juli gesagt habe, in diesem Jahr fünf Neubauten gegen drei ausgeführt werden. Das englisch.: Ban Programm der letzten sechs Jahre wird auf diese Weise, wie ich im! Unterhause im vorigen Juli erklärt lsabc, sich im ganzen aus 25 gegen 1 4 Neubauten belaufen. Zu diesen neuen Sclnffen werden für jedes der von .der deutschen Regierung auf Stapel gelegten Schiffe zwei weitere Schiffe gelegt werden. Ferner sollen hierzu noch diejenigen Schiffe kommen, die infolge der neuen Flotten- cntwicklung im Mittclmeer notwendig iverden.
Man wird sagen, das; in demselben Verhältnis wie die britische Uebcrlegenheit in Vor Dreadnoughts verschwindet und die Dreadnoughts den Hauptteil der Schlachtlinien ausmachen, die gegen wärtige allgemeine Ueberlegenheit von nahezu 2 zu 1 abgeschwächt werden würde gegen ein reines Dreadnought-Verhältnis von 16 zu 10. Aber unsere Programme ziehen das Veralten der britischen Vor-Dreadnoughts voll in Rechnung. Diese Programme bedeuten 25 Schiffe gegen 14, das ist das Verhältnis, nicht 16 z u 10, sondern 18 z u 10. Die Differenz zwischen diesen Programmen und dem Nenbauverhältnis von zwei Kielen zu einem beträgt in diesen sechs Jahren tatsächlich nur drei Schiffe. Man muss aber die Einführung der U e b c r -D r e a d u o n g b t s in Rechnung stellen. Mit dem angedeuteteu Programm, das eine Vernrehrung um 21. Schiffe für die britische und um 12 Schisse für die deutsche Gesamtzahl in sich schliefst, gelangen wir i in Jahre 1 920 dahin, das; 41 fertige oder i in Bau bc- kindliche britische Neber- Dreadnoughts, wenn man die kanadischen und malahischen Schiffe hinzuzieht, 4 5 g e g e n 24 deutsche Neber-Dreadnoughts, haben. Das heisst ein N e b e r g e w i ch hi n der mächtigsten S ck i f f s k l a s s e das dem Verhältnis von einem zu zwei Kielen sich nähert.
Churchill wandte sich daun der Stärke der Flotte zu und sagte: Im letzten Juli habe ich dem Hause die Flottenorgani sation dargeleat, wie sie durch das neue deutsche Flotten- g e s e tz vorgesehen ist. Ich bemühte mich, dem Hause und dem
um sie zu halten, mal gar nichts verdient, ist dies Erachtens immer noch kaufmännisch klug gehandelt."
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Von der Dakmstädter Hofbühne.
Darmstadt.
Notalionsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS • Buch- und Stcindruckerei. R. Lange, Gießen.
Freund Teddh", ,,Das Prinzip", „Sommer", „Anatol": von Schauspielen „Gabriel Schillings Flucht" und „Jedermann".
Aus Stadt nsrd
Greben, 27. März 1913.
Unzweckmäßige Gestaltung der Zinssätze.
Der „Ländliche Genossenschafter im Herzogtum Braunschweig" bringt nachstehende Ausführungen über unzweckinäszige Gestaltung der Zinssätze. „Bei Erledigung einer Revision in diesen Tagen fiel die Tatsache auf, das; die Svargeldbeständc zu 50 und mehr Prozent alljährlich wieder abgeflossen waren. Gründe: Offenbar der niedrige Zinsfus; von 3>, Prozent! Diese zurzeit recht ungünstige Verzinsung bewirkt, dos; der Verein nur zur vorübergehenden Anlage von Teilbeträgen benutzt wird, sobald aber runde Summen vorhanden sind, werden sie abgehoben und zu günstigerer Verwertung anderswo untergebracht, der Verein ist die Durchgangsstation! Matur uns eine derartige Betätigung des Vereins und die Rolle, welche er sich selbst zuwcist und twn der Ocffcntlichkeit zuweiscn läßt, befriedigen? Nfin! ganz gewiß nicht. Wenn ein Verein an diesei' Pwuiertätigkeit für andere Geldinstitute ein stilles Genügen findet, so beweist dies mindestens ein Schlummern seiner kaufmännischen und genossenschaftlichen Kräfte; vorhanden sind sie schon, sic müssen aber geweckt werden. Die rechte Dorsbank kann mit der ursprünglickx'n Anschauung, das; sie astsschliesjlich Mittel für das Kreditbedürsnis ihrer Mitglieder zu werben habe, nicht mehr einverstanden sein. Wohlhabende Gegenden bedürfen oft herzlich wenig fremdes Geld, weil sie durch jahrelange gute Ernten und ertragreiche Aecker vorwärts gekommen sind. Andern dagegen feh!t's am Besten, wie man sagt, wie kann ein Verein wohl besser für 'seine Bc- rufsgenossen wirken, als wenn er die reichen Mittel seines Bezirkes an sich zieht und durch die Zentralkasse den bedürftigen Brüdern zuführt! lind dabei erfüllt er eine weitere gemeinnützige Aufgabe, er verhindert, daß soundsoviel törichte, unwissende Sparer ihr Geld den Reklamestellen ausliefern, die ihnen zurzeit 41A Prozent und mehr bei dreimonatlicher Kündigung verheißen - wie mancher gutgläubige Sparer sicht sein Geld nicht wieder! — Der Verein schützt also durch seine Tätigkeit die Landbevölkerung vor Verlusten und daher darf man eine kräftige Werbetätigkeit zur Heranziehung von Mitteln auch über den inneren Bedarf hinaus mit Recht als eine dringende Aufgabe bezeichnen, welche die uwderne Entwicklung unfern Dorfbaukeu znweist. Was sie nicht bekommen, nehmen andere, und es kehrt dann so leicht nicht zurück! Schließlich braucht der Verein aber gar keine Opfer zu bringen, sondern es liegt sogar ein Geschäft in diesem Geld- verkehr! Wenn er kleinere Beträge mit 31/? und größere gegen entsprechende Kündigung mit 3s/4 Prozent verzinst, kann er bei geschickter Benutzung des Depositenkontos immer noch verdienen. 1 । Prozent bringt ihm aus 1000 Mark 2,50 Mark und auf 10 000 Mark 25 Mark, wofür er wenig zu arbeiten braucht. Derartig große Summen lassen sich oft erlangen, und wenn der.
werden sollen, will er herausbringen. In der kommenden Tristan-- Aufführung wird v. Barv den Tristan singen, Frau Rüsche-Eudorf die Isolde und kein Geringerer als Artur Nikisch wird die Auf-- führirng dirigieren. Weiter sind als Festspiel-Ausführungen eine Meistersinger-Vorstellung und der Ring gedacht. Hier werden uns Namen wie Leo Blech vom Berliner Kgl. Opernhaus und Bruno Walter aus München als Dirigenten genannt. Als Darsteller sind verpflichtet Rudolf Berger -'Walter Stolzing), Kammersänger Hensel (Siegfried), Vogclstrom (Siegmund'', Walter Soomer i.Hans Sacks und Wotan) u. a. Da nun auch die Inszenierungen vollständig neu sein werden, haben wir eine Reihe glanzvoller Abende
Lande die gewaltige Bedeutung dieser großen glänzenden Flotte tlarzumachen, von der beinahe vier Fünftel in höchster Kriegsbereitschaft gehalten und in nächster Nähe unserer Küsten konzentriert sein werden. Wenn wir diese bemerkenswerte .Konzentration betrachten, wie sie im Jahre 1920 sein wird, ihren heutigen Fortschritt bemerkend und sie mit der deutschen Flotte zu Anfang des Jahrhunderts vergleichen, so werden wir imstande sein, mit Gefühlen von höchster Bewunderung zu würdigen, was die lange Verwaltung des Herrn V. Tirpitz geschaffen bat. Abgesehen von ihrer politischen Bedeutung als Land- und Seemacht muß sic im Lande als eine der eindrucksvollsten Offenbarungen angesehen werden, welche deutsche Voraussicht, Entschlossenheit und Tatkraft jcnnals der Welt dargebotcn haben.
** Pferdemarkt. Die Anineldun g e n ziur Prämiierung für den am 2. Llpril hier? stattfind-enden Früh- i a h r s-P f e rÄem a r kt sind zahlreich eingegangen. Auf die als lästig empfundene Vorlage von Ursprünqszrugi- nissen für die zu Markt gebrachten Pferde ist von der Ver-« maltungsbehörde bei dem günstigen Stand der Maul- und .Klauenseuche verzichtet worden. Die Ausstellung txon1 Wagen, Maschinen und (anbiu. Geräten usw. wird gut beschickt. Der Markt verspricht, seinen Vorgängern nicht nachzustehen. Mit dem Ankauf der Gewinne für die Lotterie — soweit sie nicht auf dem Markt gekauft toetbän’
zu erwarten. Geht alles nach Wunsch, dann wird man vom Darmstädter Hofthcater wieder als einem ersten Kunstmstitut sprechen dürfen.
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— Sonde raus st ellungcn deutscher Privat- s a m m l u u g e u z u D a r m st a d t. Auf Veranlassung des Groß- Herzogs finden im städtischen Ausstellungsgebäude auf der Ma- thildenhöhe in den nächsten Monaten Sonderausstellungen deut- fcher Privatsaminlungen statt, durch die dem kunstliebenden Publikum ausgewählte Scknitze gezeigt werden sollen, die sonst der Oeffentlichkeit verschlossen sind. Die Reihe dieser Vorführungen eröffnet am 28. März die Sammlung von Dr. Karl Lanz in Mannheim, dessen reicher Besitz an Bildern der italie ■ nisck-en, holländischen, englischen und spanischen Schule durch hervorragende Werte ausgezeichnet ist. '^gcn Ende April wird als zweite Kunstschau dieser Art die Gemäldesammlung des Barmer Kunstfreundes G. F. Reber am gleichen Orte gezeigt werden, die int Gegensatz zu dem Charakter der Mannheimer Privat - sammlimg neben einigen ausgewähltcn Werken älterer Kunst vornehmlich die führenden Geister der frairzosischen Malerei des 19. Jahrhunderts in erlesenen Stücken vorführt. Man ivird es in weiten Kreisen dankbar begrüßen, daß sich eine Anzahl erster Sammler bereit gefunden hat, einer Einladung des Großherzogs nach Darmstadt zu folgen, nm damit auch im Sinne der groß- herzoglichen Kunstpflege Anregungen zu geben. Der Besuch dieser Ausstellungen ist, ausgenommen an einem Tage in der Woche, unentgeltlich. Zu der Sammlung des Herrn Dr. Lanz ist ein illustrierter Katalog erschienen, zu dem ProfessorDr. Georg B i e r ni a n n ein Vorwort geschrieben hat, das aus den Zweck dieser Vorführungen näher hinweist und den Charakter der Sammlung in knappen Strichen unrrcißt.
Die „Eichener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Die, „Landwirtschaftlichen Seih fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Eine Rede öcs englischen Marineministers.
Der englische Marineminister Churchill hat int Unter- pause wieder eine bemerkenswerte Flottenprogrammrede gehalten. Er wiederholt darin feinen eilten Vorschlag, daß aUc Marinen für ein Jahr im Schiffsbau Feiertag machen sollten. Herr Churchill redet immer schöne Worte, aber er eifert int Grunde nur immer zn neuen Anstrengungen an. Er spricht selbst von her neuen Flottenentwicklung im Mittelmeer, die Englands Rüstungen steigern müsse. Da kann man natürlich verschied-ener Ansicht sein, und Deutschland tonnte nichts sagen, wenn England hinter Schein- gründen uns immer weiter überflügelte. Es ist bei dieser Sachlage aber doch immerhin erfreulich, daß auch Churchill den ruhigen tlnd freundlichen Ton der deutschen Besprechungen begrüßte. Vielleicht hat die deutsche Politik, als sie sich durch die schönen, aber egoistischen Gesänge Englands in den letzten Jahren nicht auS der Fassung bringen ließ, doch schon einige Vorteile errungen. Der englische Vetter muß uns ernst nehmen: das beiderseitige Verhältnis ist freundschaftlicher geworden. Deutschland kann mit der Flottenpolitik seiner Regierung, die Staatssekretär v. Tirpitz jüngst trefflich vorgezeichnet hat, zufrieden fein.
Wir bringen hier die Einzelheiten der Rede Churchills:
Bei der Einbringung des Flottenvoranschlags im englischen Unterl-auS hielt der Erste Lord der Admiralität Churchill eine Rede, in der er sagte: Die Ursache der Steigerung der Flottcnansgaben liegt nicht in der Anzahl der im letzten Jahre begonnenen und für dieses Jahr geplanten neuen Schiffe verschiedener Klassen. Die Steigerung dcr früheren, des jetzigen und des künftigen Etats rührt vielmehr her ans fünf Hauptgründen: Erstens aus dem politischen Entschluß, die Zahl dcr kriegsfertigen in Dienst gehaltenen Schiffe infolge des neuen deutschen F to t t e n g e s e tz cs zu erhöhen, und aus dem Entschluß, die Zahl der Schiffe und des besoldeten Personals zu erhöhen: zweitens: aus dcr Steigerung der größeren Schnelligkeit, Armierung und Ausrüstung und der Her stellungskosten von Kriegsschiffen aller Art. Es ist notwendig, mit ähnlichen in der ganzen Welt int Bau befindlichen Kriegsschiffen Schritt -zu halten: drittens aus der Einführung und Ausgestaltung dienstlicher Neuerungen, hauptsächlich in der Verwendung von Rohöl als Heizmaterial, ans der Heranziehung her Luftfahrt und der drahtlosen Telegraphie: viertens: aus dem allgemeinen Anwachsen dcr Preise und Löhne, besonders dcr Kosten für Kohle, Ocl, Stahl und alle Materialien, die beim Schiffsbau gebraucht werden: fünftens: aus dem Zurückbleiben des Schi ff sb au es während her letzten zwei Jahre, das sich ergab aus dem Nnvermögcu der Lieferanten, ihre Termine cinzubalten, und das sich in den Verzögerungen bei der Ausfüllung des laufenden Flottenprogramms zeigte. DasBud - g c t würde noch viel höher fein, wenn nicht eine Heber- lastung der Schiffswerften bestände, die sich ans den anßerordent- lichen Anforderungen au die technischen Anlagen, besonders hinsichtlich des Ersatzes gualifizierter Arbeiter ergibt. Wenn die Ausführ:!ug des Progranuns besser fortlchrcitet, werde ich im Verlaufe des Jahres weitere E r g ä n z n n g s k r c d i t e for- bent müssen. Die Flotte gelst jetzt durch eine Periode, nicht lediglich der Expansion, sondern auch schneller und unaufhörlicher Entwicklung. Der Umstand, daß Deutschland, Amerika und Jta Iren bei ihrer Hauptarmierung größere Geschütze und bei der zweitklassigen Armierung größere und zahlreichere Geschütze ein geführt haben, machen ein weiteres Fortschreiten bei uns not wendig.
Es ist feine Aussicht vorhanden, die gewaltigen dauernden und wachsenden Kosten in den Flottcnetats dcr künftigen Jahr» zu vermeiden, wenn nicht die Periode der Rivalität und de- technischen Fortschritts zu einem Ende kommt. Die Frage, di sich die Großmächte und nicht nur die Großmächte, sondern di großen Natione.n vorlegen sollten, ist diese: Wenn für den Zeit raum eines Jahres kein neues Schiff für irgend eine Flotte gebaut worden wäre, würden unsere Floltenintcrcssen oder die nationale Sicherheit in irgend einer erkennbaren Weise gefährdet werden? Das ist die Frage, die ich im vori-
planes und mit so außerordentlich stark beschäftigten Künstlern abgerundete Vorstellungen herauszubringen. Ein Stadttheater muß sich ja damit absinden, auf die letzten Feinheiten zu verzichten: sicher nicht zur Freude seines Leiters.
Aus den genannten Stücken kann man ersehen, daß aber das Lustspiel fast ausschließlich das Feld behauptete. Ein Zugeständnis an das Publikum, das man jedem Direktor zugute halten muß. Freilich muß man berücksichtigen, daß die Auslese neuer Dramen und Schauspiele nicht eben reich ist.
Im Vergleich zum modernen Lustspiel sind unsere Klassiker eigentlich etwas zu kurz gekonrmen, obwohl mir das Personal der Darmstädter Bühne aerobe hierfür besonders befähigt zu sein scheint. Das haben die beiden glänzenden Einstudierungen der -Hcbbelschen „Nibelungen" und der Schillerschen Wallenstein-Triologe bewiesen. Auch eine Hamlet-Aufführung auf der Stilbübne mag man dazu rechnen. Vielleicht versucht Dr. Eger in der nächsten Spielzeit den sicherlich berechtigten Wünschen nach neuen Shakespeare-Inszenierungen gerecht zu werden. Hier stellen sich einem modernen Regisseur sehr lohnende Aufgaben.
Die Operette hat in dieser Saison zahlenmäßig recht gut ab- geschnitleu. Die „Schöne Helena" konnte oft wiederholt werden, was als Ersatz für,die darauf verwandte Mühe berechtigt war. Daneben machten sich aber auch „Schlager" wie der „Liebe Augustin" und „Eva" breit. Auch die „Lustige Witwe" machte uns einen zweimaligen Besuch. Nun: Chacun ä son goüt! Indem ich dieses niederschreibe, muß ich einer „Fledermaus" Ausführung gedenken, die mir in ihrer ganzen Aufmachung völlig verfehlt erschien. Es herrschte ein Kunterbunt in Kostümen und Dekorationen, wie man es zum Glück selten zu sehen bekommt. Als ebenso verfehlt muß man die Verwendung von dramatischen Sängerinnen in der Operette überhaupt bezeichnen. Eine gute Elsa ober Elisabeth wird nur in ganz vereinzelten Fällen auch eine gute Rosalinde sein.
Amüsante Abwechslungen boten die „Bunten Abende" der Hofbühne an denen sich auch Damen und Herren des Theaters beteiligten, die sich sonst nur der hoben dramatischen Kunst verschrieben haben. Ihre Vielseitigkeit verdient alle Anerkennung.
Einige Gastspiele machten volle Häuser: Baklanoff, Moissi,
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I Die Festspiele, die nun sein erstes Semester schließen sollen,, versprechen nach den Ankündigungen recht glanzvoll zu werden. ..... _ . . . | Nicht nur mit berühmten Gästen will der Generaldirektor prunken, lick die (Entfernung alles Schausvielerhasten, so muß. man, b.orf), fonbern einheitliche Vorstellungen, die in allem neu geschaffen
ein Appell der Stärke des in der Front Streitenden, den mir an alle Nationen richten und an keine Nation mit größerer Aufrichtigkeit als an unseren groficn Nachbar jenseits der Nordsee..
Lassen Sie mich sofort und unreservicrt im Namen der Re gierung sagen, wie sehr wir den r u h i g c n u n d f r e u ndli cß. e n Ton u n b b i e Stirn in nng bei den letzten deutschen M a r in ebebatten begrüßen. Wir dürfen nicl.t versuchen, die deutsche Marinepolitik unseren Wünschen anzupassen durch eine zu genaue Interpretation der freundlichen Sprache, die in Deutschland mit der Absicht zu beruhigen geführt worden ist. Wenn z. B. gesagt würde, Herr v. Tirpitz habe anerkannt, daß Englands H e b c r g c w i ch t von 1 6 ?, n 1 0 an Dreadnoughts das Einverständnis von Deutschland habe — und dieses lieber» gewicht besteht tatsächlich bereits jetzt fast genau — Deutschland dürfe daher folgerichtig nicht beginnen, ein neues Schlachtschiff zu bauen, bevor wir es tun, so würde dies sehr schaden, und wenn der Staatssekretär des Acußcrn in diesem Punkt auf die deutsckw Regierung einen Druck ausüben und sic auf divlomatischem Wege drängen würde, in diesem Jahre feine neuen Scknffe zu bauen, so würde dies nur zu Rekriminationen führen. Tatsächlich ist das deutsche LKiuprogramm von drei neuen Schiffen für das Jahr 1913 bereits vom Reichstag angenommen worden und man kann annehmcn, daß der Bau dieser Schiffe unverzüglich begonnen werden wird.
Es ist lange die Politik Deutschlands' gewesen, im1 voraus für eine Reihe von Jahren anzukündigen, welches fein Flotten
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Die Darmstädter .Hofbühne wird ihre erste Spielzeit mit Wagner-Festspielen krönen, die nächsten Sonntag mit einer Aufführung von „Tristan und Isolde" ihren Anfang nehmen werden. Einer Äufzäblnng dieser „Frühlingsfestspielc", wie der amtliche Titel lautet, möge ein kurzer Rückblick auf die zu Ende gehende Saison vorhergehen.
Dem neuen Leiter der Darmstadter Buhne, Dr. Eger, wurde von Beginn seiner Tätigkeit an ein großes Vertrauen entgegengcbracht. Er hatte einen Svielplan bcröffentlieot, dosten Einhaltung außerordentliche künstlerische und —- was oazu nun einmal gehört — finanzielle Mittel erfordert. Daß nicht alles erfüllt wurde oder werden konnte, mag an Widerstanden liegen, deren Bedeutung ein Außenstehender nicht recht abzufchätzen vermag Besonders in der Oper blieb manches Versprechen urtein- gelöst „Ariadne aus Naxos" kam nickst: Debussys „Peleas und Melisande" fehlt, ebenso Mozarts „Entfül/rung". Aber ein so reichhaltiger Spielplan konnte eben nicht ohne Rest inne gehalten werden, wir loaien auf Lücken vorbereitet, und mancksts tvird sich Dr Eger für das nächste Jahr zurückbehalten haben. Daiur brachte er aber zwei interessante Neuinszenierungen: „Lohengrin" und „Fliegender- Holländer". Ich sage interessante Ausführungen: denn über Einzelheite- läßt sich streiten. Das ist aber gutes Recht des Theaterleiters und des Publikums. In der Kunst ist das Interessante immer reizvoll und bedeutet einen Forstchwitt. Daß. rms Eger Straußens neuestes Werk schickbig blieb, wird, feinen Grund in der Frankfurter Aufführung haben. Mit dieser Bühne muß man in Darmstadt ebenso rechnen hnc vielleicht auch nmgekelnck Wenn anderen OpernaufsülTrungen der Erfolg vielleicht versagt blieb, so ist das auch nicht immer btc Schuld des Bühnenleiters: Glucks „Iphigenie" stt zu klastisch, und mit der Aufführung dieses Werkes, daS die Spielzeit er öffnete, war auch wohl nur eine Referenz vor dem Klassizismus I>eabsichstgt. Auch die „Drei Pintos" brachten es nicht - ich fllaube über zwei Abende. Um dieses Werk ist es menigrr schade. Das ist Spezialkost. Für Feinschmecker ist auch „Onkel dazumal" berechnet gemefen. Kaviar . . . Was sonst noch der .^pern- fpielplan brachte, war Reportoirelvare. Das ist fern Vorwuis. Man kann einem neuen Leiter nicht .zumuten, gleich an allen Ecken und Enden zu refomtiercu. ,
Scheinbar mit weit größerer Liebe hat man sich des Lustspiels <mgenommen. Hier gab es eine Reihe in ihrer Gesamtheit guter Aufführungen: „Der Lcibgardift", die „Fünf Frankfurter", „Mein
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