Ausgabe 
27.3.1913 Erstes Blatt
 
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weiter empfindet man bedauernd, daß dieser Leinwand ihr Ober«' licht fehlt. Tas ist eine Bcwciuung, die einen an den und jenen alten Meister vor der Hochrenaissance gemahnt, in diesem und jenem Zug. Doch behält dies Bild sein Sonderes. Etwas Furcht­bares scheint in den vier Gestalten dort beschlossen, ein Elend, das unsäglich ist, ohne Trost tind so schwer, daß es den Besclmuer nicht rührt, sondern uicd erd rückt. Tic Frau mit den Furchen im Antlitz und mit dem harten Greisenhaar, bet Tote, der starr an ihr Knie gestützt ist, der knochig und steif die Beine streckt, der Mann am Kreuz, der steht und weinend die Hand vors Gesicht presst, das Weh, das einsame, weltverlassene, das folgt und verfolgt einen. Woran liegt der Eindruck? Hundertmal hat man dasselbe Motiv gesehen und ist vorübcrgegangcu. Warum prägt sich dies Werk so tief in den Sinn ein? Einmal liegt dies in den Linien, ihrer Führung: Streng, ja eckig, hieratisch yicht cs sich durch das Kreuz-, zieht durch die Maunesgestalt rechts, durch die Mannesgestalt links, zieht abwärts durch die Frau und des Toten Oberkörper, zieht fast nach dem Lot von oben nach unten und weiter stehen die Linien im Winkel auf der Querlage; der starre Unterkörper, die starren Beine und das viereckige Tuck-, auf dem der Tote liegt, reißen diese Querrichtung hart und scharf. Tann liegt dies in den Farben: Tie Töne sind unvermittelt,,im. Kontrast, schroff heben sie sich, behaupten sie sich nebeneinander üni> treffen sich auf den Grund, das Blaudunkel, und das Stärkste int Vordergrund, das Rot, ist das Tuch, sckweic geradezu auf. Sv fügt sich das Ganze empor, eine Architektonik, und ihr Gesetz herrscht und bezwingt: so roirfen die Farben, und sie klingen in eins? zusammen: das Bild aber erhält jene Wucht man kann sich ihrer nicht erwehren. Manchem aber mag die Gruppe dem Empfinden nach zu viel des Mühselig und Beladenen haben: mancher mag auch sich stoßen an dem technisch Schweren nnb Schwerfälligen, an jener Gestalt rechts besonders, die nur linear cingcsügt ist aber wer will aus dieser Passionskantatc nur die Dissonanz hören? An derselben Wand hängt ein caput cruentatnm das Haupt voll Blut und Wunden. Wohl lehnt der Schreiber diesen Jesus ab und vermisst das Göttlich'. Aber wie ist das Leiden in dies Antlitz gegraben, wie das Leid, meldic Qual hält das Auge nieder! Die Stilisierung noch dazu, dieses Hauptes mit der T-ornkrone, diese Farben, das Blcmblcichc und Dunkle auf dem Rot vor dieser Technik und vor dieser Auf­fassung, vor dieser Empfiirdung beugt sich der Schreiber., Ta der Zweck dieser Zeilen mir ein Versuch sein soll, in das

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Zur Ausstellung des Gbcchessischen Aunstoereins.

Daniel Greiner von F. Como-Lauterbach.

II.

Von Schopenhauer wird ein vernünftiges Wort zitiert: wir gebens deut Sinn nach und einfacher gewendet wieder: Das Kunst- werk ist ein Holter Herr, man must warten, bis es einem ums Mgl. Freilich must man wissen, ob mans mit einem hohen Herrn, mit einem Kunstwerk zu tun hat. Da eS sich hier nm öic tireinerfdjen Bilder handelt, ist die Frage gegeben: Lind den" Las Kunstwerke^ Ter Bildhauer Greiner mag Respektables leisten, rngegebcu aber der Maler? Dieses dreigetciltc Bild dort an 'ier Wand, diese Pieta, Jesus inticnn Kreuz, dieser Prometheus nit dem Geier auf dem Rücken usw., das lvidcrspricht ja fast eitern, was man sonst sicht; das ist roh, sind Farbenpatzereieu, st sckuccklich' Es ist sicher, es sei unverhohlen ausgesprochen, diese Bilder fordern, müssen den Widerspruch herausfordern. Sie sind esck.iedcu, sind losgcrissen von dem, was uns an Kunst vertraut -ilt lieb ist seit Jugcnotagen. Hier spricht anderer Geist, hicr schafft eine andmc .Hcckd, hier tritt ein anderer Stil.zutage Müssen aber deshalb diese Bilder ungenügend, schlecht sein? Sind *fic deslstilb leine Werke der Kunst, weil fic jenem' Geschmack, Der von dem Durchschiff . der.zeitgenösftscheir Maleret beciNslusst, gebildet und hcrangczogcn worden ist, nicht cntfbredfcn, lueil sie non ihm abgewiesen werden? Lebte da in Frankreich, in Parts, Km Anfang de» 19. Jahrhunderts, kaum beachtet cm Maler, malte und zeigte imch und nach seine Bilder: Die Akademie, die LWtler, die Kunsttvclt und wer irgend was von Farben und ^cinmanb tierftanb, entsetzte sich und lamentierte vom Ende des Geschmacks, der Klassifttät und noch mehr und härmte sich ab non dem erschrecklichenFlost der Meduse", der Barle Dantes nnb demGemetzel auf Chios". Kaum em Jahrzehnt spater Landen sie vor den Bildern und bewunderten das Genie. Heute stclleii sic dem einst Geachteten Denkmäler auf, heute rufen ihn Kunstkritiker und Kunsthistoriker, ob mit Recht, mag hier um «örtert bleiben, aus und feiern Delacroix als den erneueret ler neuzeitlichen Malerei. Diese eine Tatsache es könnte mit Traurigem, Tragischem, Komischem eimerwers aufgewartet werden mag vor der Hand genügen, um zu zeigen, wie widersinnig cs ist, sich, den Künstler und die Kunst, Schaffen und Sein überhaupt Huf die Höhe oder auch die Tiefe eines sagen wir einmal Jahr­

zehnts festlcgen zu wollen und von der Souveränität seines Ge­schmacks oder seiner Anschauung zu behaupten: Tas ist nicht sckchn, das gilt nicht, das ist Unfähigkeit, das ist Verirrung! Noch eine Vorfrage: Ist ein Mann, der diese Köpfe formt und der diese Plaketten schafft, ist dieser Mann nicht ernst zu nehmen? Ist dieser Künstler mit einer Handbcwcgung, mit Linksumkehrt abzulun? Man überlege, oder besser, man schaue! Da das große Triptychon Morgen, Mittag und Abend! Tic Farben, sangen sie nickt an zu leuchten? Tas Meer schimmert, blau, hell, atmet in feinem Dunst. Gleißend sprüht das Licht überm Strand: im Licht, in weisem Licht steht der Frauenleib, erglänzend über den blauen Wellen, hoch aufgerichtet, feierlich in der Bewegung der Arme, wie die Schönheit dieses Ufers feiernd, den Hochstaud der Sonne, feiernd das Glück, das im Licht der Erde geworden ist. Wie da aus violettem Tömmern das Lielst weht, herschwimmt, sich entringt, die Frauengestalt umgicstt und als Morgen neu geboren wird: wie es dort goldig die Wölkchen umbrennt, noch loht, noch glüht und um den Leib glimmt und untcrgcht - das ist ein Gesang an das Licht. Ist aber-die Dreiteilung nicht der Aufbau des Hymnus? Klingt es nicht erschauernd an, gedämpften Tons, reckt er sich nicht auf, strömt er nicht dahin, in Majestät, erhabener Ruhe bewußt, um jubelnd, feurig auszusingen? Aber man must die Rhythmik der Linien erkennen, erfahren, daß c i n großer Zug von den beiden Körpern rechts und links ausslcigt, dast dieser Linienschwung Gipfel und Höhe in Händen, Haarsträhnen und Haupt der Mittelgestalt findet, muß inne werden, dast die Be­wegung, so gebunden sie ist, Achse und Herrschaft erhält in dem Körper der Mitte. Es müßte noch mehr gesagt werden, das z. B. man könnte dcsscnthalb den Plastiker an Flag en, daß mit nichtcn die Natur vor der grostgcstelltcn Mittelfigur, die den Raum ausfüllt, versinkt, daß im Gegenteil durch den hochgenommenon Vordergrund, durch das Durchsührcu des blauen Grundes, durch das gleid^citigc Klcinhaltcu der Seitgestalten, das Betonen der Wölkchen ein Ausgleich geschaffen und Tiefe und Weite des Horizontes erreicht ist, und daß, durch den Einklang der Farben die Wesen, die Körper, mit eintauchen in die Natur, selber Natur werden und nur vielleicht führende Stimme werden in diesem Lied an die Schöpfung. Man erlasse die weitere Analyse, erlasse auch anz-ustreicl,e», was weniger gelungen scheint. Tas sei genug, nur das Recht in Anspruch zu nehmen, von einem Kunstwerk reden zu Dürfen. Tie Pieta neben Morgen, Mittag und Abend der Gegensatz wirkt schrill, sonderlich in dem engen Raum, und

Donnerstag, 21. März MZ

Bezugspreis: monatlich75Vf.,viertel­jährlich Ml. 2.20; durch Abhole- tu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellst. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pieimig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den

iftürttpiQtj nut:

ohne Widerstand Preisgaben und sich in zwei Jnnenforts konzentrierten.

Die Abreise des Königs Ferdinand nach Adrianopel.

Sofia, 26. März. König Ferdinand in Be­gleitung des Kronprinzen Boris und des Prinzen Kyrill sind nach Adrianopel abgereist. Der Kronprinz wird den König bei den Leichenfeicrlichkeiten für den Konto Georg Port Griechenland vertreten.

Sofia, 26. März. Nach Informationen aus nicht­amtlicher Quelle soll ein bulgarisches Regiment heute vormittag Adrianopel betreten haben.

Die Zukunft Adrianopels.

Ein Bal kau kenn er schreibt uns:

Als Handelsplatz stand Adrianopel mit seinen 12 Millionen Mark Einfuhr und 'Ausfuhr von jeher merkwürdig weit hinter vielen anderen türkischen Plätzen zurück, obivolst infolge ferner denkbar günstigen Lage an der Mündung der Tundscha und Arda in die Maritza, im Knotenpunkt der Hauptverkchrssttasten, dtc von den Pässen des Balkans, vom Bosporus, Marmarameer und den Dardanellen fühenn, alle Bedingtmgen einer austerordentttchen Entwicklung vorlicgcn. Tie Flüsse, die in Adrianopel zusainmcn- fließen, sind nicht korrigiert; wenn das Wasser steigt, verursachen sie großen Sck>aden, besonders in den niedrigen Teilen der Stadt. Bulgarien wird ziemlich tief in den Beutel greifen müssen, um hier Wandel zu schaffen.

Tiefer Umstand berechtigt auch zu der Frage, ob und wie bc der Ncuansgestaltung Adrianopels die deutschen, Interessen gc- tralyrt werd eit. Im Stadtteil Karagatsch befand sich bis zum Ausbruche dcs Krieges eine deutsche Kolonie. Sie muhte sich auslösen. Ein Teil der Teutsclicn flüchtete nach^Konstaittuwpcl oder Fedeagatsch Ter in Karagatsch verbleibende Teil ist an Zahl und wirtsclnfftlichcm Vermögen sehr geschwächt worden. Tie nach Konstantinopel geflüchteten Familien haben bei der dortigen Teuerung sehr viel gelitten und faum noch die Kraft, Mtt eigenen Mitteln nach. Adrianopel zurückzukehren, und ihre Existenz wieder auszunehinen. Hier tut tatkräftige Hilfe not, und uc deut s ch c Regierung sollte die Vermittlung übernehmen. Die deutsche Orientbank hat zwar ihre große Zwciganstalt wettcr- arbeiten lassen. Aber die Schule wurde geschlossen und diente während des Krieges als Spital. Sic war von der Direktion bei Orientalischen Eisenbahnen eingerichtet und hatte sich infolge tatkräftiger llnterstützung des deutschen Reiches rasch erweitert und die Konkurrenz einer französischen Propagandaschule besiegt. Es ist Ehrensache und Kulturpflicht, daß diese Schule unter der bulgarischen Herrschaft wieder- geöffnet und unterstützt wird. Auch die deutschen Kommissionshäuser, das deutsche Restaurant, die Konditorei und die Pensionen müssen ihre Wiederauferstehung erleben. Wir appellieren an die deutsche Diplomatie!

Begeisterte Hurra-Ruse in der russischen Duma.

Petersburg, 26. März. (Petersburger Telegr.-AgJ1 Dem Präsidenten der Reichsduma ist 'heute nachmittag 4 Uhr eine Depesche überreicht worden, daß Adrianopel gefallen ist. Tie Nachricht wurde sofort im Saale bekannt und rief begeisterte Hurra-Rufe hervor. Der Redner hielt inne und der Abgeordnete K r u p e n s ky betrat die Tribüne und rief aus:Adrianopel ist gefallen! Hurra!" Stür­mischer Beifall erfüllte den Saal. Die Abgeordneten und das Publikum erhoben sich und brachen in langanhaltende Hurra-Rufe aus.

Tschechischer Jubel über den Fall von Adrianopel

Prag, 27. März. Wie aus Kolin gemeldet wird, ' herrscht dort über den Fall von Adrianopel Jubel. Alle Hauser tragen Flagg en sch muck in den böhmischen Landesfarben. Böllerschüsse werden abgefeuert. Am Abend war die Stadt festlich beleuchtet. Um V28 Uhr zog ein Festzug durch die Stadt. Ueberall er- ; schollen Hochrufe auf Bulgarien, Serbien und Montenegro. : Aehnliche Nachrichten kommen auch aus anderen Orten des böhmischen Flachlandes, in Prag allerdings herrscht : Ruhe.

Sir Edward Grey hatte Recht, daß die in Kleinasien inter- essicrteu Mächte auf das Verhalten der bisherigen Sieger ein wachsames Auge hätten. Möchte die Einigkeit der Groß- . möchte nur ungetrübt bleiben und das neue Gerücht von russischen Schwierigkeiten sich als haltlos Herausstellen.

Wir erhalten folgende Meldungen: 1

Sofia, 26. März. Die achte Division aus T u n d j a besetzte den südlichen Sektor vor Adrianopel und die vor­geschobenen Stellungen des Feindes, nachdem sie zwanzig Kanonen und Maschinengewehre erbeutet und 800 Türken gefangen genommen hatte. Gegen 5 Uhr nachmittags näher­ten sich die Truppen auf 300 Schritte den Forts, die anzu- greifen sie sich anschicktcn.

Bei dem Stur in auf Adrianopel waren bis morgens etwa 1300 Türken von den Bulgaren gefan­gen genommen worden. Die Bulgaren erbeuteten 21 Kanonen und s e ch s Maschinengewehre mit voller Ausrüstung und richteten sie gegen deu^Fcind. Nachts fanden auch um die Forts Tokathei int Südsettor und Papastepe im Westsektor erbitterte Kämpfe statt. Der im Nordwestsektor befestigte Punkt Ekmektschila wurde von den Bulgaren besetzt.

Sofia, 26. März. Die Einnahme Adrianopels wurde durch 21 Kanonenschüsse der Stadt verkündet und mit großer Begeisterung ausgenommen. Eine ungeheure Menschenmenge bewegt sich durch die Straßen und alle Kirchenglocken läuten. General Iwanow teilte dem Generalissimus Sawow telegraphisch mit, daß sich S ch ü k r i Pascha und dessen G e u e r a l st a b ihm ergeben hätten. Er, Iwanow, bestellte den Komman­danten der Stadt und den Chef der Garnison, der die nö­tigen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung tref­fen werde. Morgen wird Jwan'o.w seinen Ein­zug in Adrianopel halten. Im ganzen Lande werden morgen für das Seelenheil der gefallenen Sol­daten und für die Verherrlichung' des Sieges Gottes­dienste abgehalten werden.

Drei Korrespondenten statt eines von jedem Lande haben die Bewilligung erhalten, sich nach Ardianopel zu begeben. Das Hauptquartier ist heute mittag von Dimotika nach Adrianopel abgegangen.

Ministerpräsident Geschow sandte eine Te- pcsche an den Generalissimus Sawow, in der er ihn und die tapfere Armee zu dem glänzenden Erfolge von Adria- uopel b e gl ii d w ü it s ch t, der den siegreichen Feldzug der bulgarischen Armee würdig kröne. In einem Aul wort- telegramm dankte Sawow für die Glückwünsche und hob hervor, jeder, vom einfachen Soldaten bis zum Gene­ral, bemühte sich, die Aufgabe zu erfüllen, die ihm von dem König und der Regierung anvertraut war.

Wien, 26. März. DieNeue Freie Presse" meldet aus Sofia: lieber die Erstürmung Adrianopels wird noch gemeldet: Nachdem gepanzerte Soldaten die D r a h t z ä u n e durchs ch n i 11 e n halten, jagten s i e wegen der M in enge fahr eine große Vieh- menge vorauf. Die 11 Meter hohen, beto­nierten Forts wurden i in Bajonettangriff genommen. Auch die Serben im nordwestlichen Sek­tor kämpften heldenhaft. Bei T s ch a t a l d s ch a dauern die .-rbitterten Kämpfe umtnterbrocheit an. Resultate von Ver­lusten find bisher nicht bekannt.

Das Schicksal Schuckri-Paschas.

Berlin, 27. März. DasTageblatt" meldet aus Sofia: General S ch u e t r i P a s ch a wurde mit feinem Stabe von bulgarischer Kavallerie umzingelt und zur Er­gebung gezwungen. Ten Türken kam der unmittel- bar nach dem Bombardement unternommene Sturm aus : Adrianopel unerwartet, weshalb sie die äußeren Forts fast

Adrianopel gefallen.

Sofia, 26. März. Die Agcnce Telegraphique meldet: Die Bulgaren haben Adrianopel eingenommen. Schiikri Pascha hat sich um 2 Uhr nachmittags dem General Jwauoff ergeben.

Die Türken in Adrianopel haben alle Depots in Baschiuk, Kemer, Hadilik, Kaik und Karahkoi, das Arsenal und das Artilleriedepot, ferner die kleinen Kasernen zwischen Janik und Kischla und die Spitäler sowie die Kasernen im Norden der Stadt in Brand gesteckt. Die Flammen ver­heeren an zahlreiche «.Punkten die Stadt. Die Bevölkerung flüchtet in wahnsinniger Aufregung längs der Bcfestignngslinien.

So sind denn die letzten Zweifel beseitigt. Die Festung, die sich fast sechs Monate lang unter schwierigen Verhält­nissen und für die Türken deprimierenden Ereignissen stand- fqaft gehalten hatte, ist in die Hände der Bulgaren gefallen. Ss heißt in einer Meldung der Sieger, die Türken feien auf den Sturm nicht vorbereitet .gewesen. Allein das ist rine billige Behauptung; über die näheren Einzelheiten her Kämpfe weiß man so viel wie nichts. Schuekri. Pascha, der türkische Kommandant, dessen Ruhm ungef^niälert ist, s oll von bulgarischen Kavalleristen umzingelt worden sein 1 >nd sich dem General Jwanosf ergeben haben. Einen Ein­blick in die Herzen der bisherigen Belagerten und Ver­teidiger der Festung gibt der Umstand, daß sie die Stadt an allen Ecken und Enden angezündet haben. Ein solcher tziotziger Stolz beseitigt doch wohl das Märchen von der Unaufmerksamkeit der Türken vor dem Sturm. Schon fange hatte man sich darüber gewundert, Ivie es den Ein- gcschlossenen möglich war, sich zu nähren, zu verprovian­tieren und Munitionsvorräte zu erhalten. Die höchste Not i_mt> Entblößung der Türken von allen diesen Hilfsmitteln ist den Bulgaren zu Hilfe gekommen. Noch hört man nur den Jubel der Sieger, in den sich, bezeichnender und merk­würdiger Weise, auch ein Triumphgeschrei von Russen und Tschechen mischt. Noch hört man aber nichts von den blutigen Verlusten auf den Festungswällen, nichts von den Schrecken und Nöten der ärmsten Bewohner. Wie um- firittcn bic ersten Siegesschilderungen sind, geht daraus hervor, daß der Mitarbeiter derFranks. Ztg.^in Sofia cgleichzeitig mit den anderen Meldungen aus Sofia fest- siellte, Adrianopel sei noch nicht voNständig in den Händen der Vulgaren und Schuekri Pascha habe noch vormittags nötigen Widerstand geleistet. Damit würde es freilich glaubhaft fein, daß er später, um 2 Uhr, sich ergeben habe.

An der Tschataldscha-Linie wird gleichfalls heftig ge- skämpst, und es wird versichert, die Bulgaren hätten das Städtchen erobert. Wenn nun den Bulgaren von Adria- 1 opel her Verstärkungen nahen, werden die Türken auch -u f diesem Schlachtfeld.' zurückgehen müssen. DerFriede äst nahe! Werden aber die Großmächte angesichts der 1 neuen bulgarischen Erfolge die Bedingungen des Friedens, i.üe sie den Baitanstaaten vorgelegt worden sind, und wie fite noch Staatssekretär Greh 'in seiner Unterhausrede als irnumstößlich dargelegt hat, aufrecht erhalten? Die Türkei muß in Asien lebensfähig bleiben, das war der Leitgedanke. Dann wird man ihr aber nicht mehr nehmen tflninen, als d:e Großmächte bisher zugegeben haben. Tie Taten der Bulgaren vor Adrianopel in allen Ehren: aber (General Sowof'f wußte ganz genau, was er bei dem Sturme riskieren und was er seinem Lande nicht gewinnen könnte. Die blutgetränkten alten Sultansgräber gehen mit der Zuinenstadt Adrianopel in bulgarischen Besitz über, aber

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aptuieilerlage: Firma wack&SohD,Gies:i MW ... 31) - Telephon' inffieblt sich in Anfertg * r-r ,nen. Forderung: S^rGerich^Si

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politischen Teil: August

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Annahme von Anzeigen Retationsörud und Verlag der vruhl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. Nedaltion, Expedition »nd Druckerei: Lchulstrahe 7. Land": E.Heb;^ur den bL !S Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle vahnhofstrahe |6a. Wigenieii: H. B-ctt