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Tatsachen und seien nickt beleidigend. Dr. Winkler versickert auch ausdrücklich, daß er eine Beleidigung nickt bcabiidmgt habe. Die beklagte Partei >var dagegen bemüht, die Bezeichnung „Schrcckensknabe" als harmlos und in der Politik üblich Innzu- stellcn Beiden Angeklagten stelle der Schub der 193 und 199 zur Seite und deshalb müsse Freisprechung crsolgen. DaS Gericht lehnte nach den beiderseitigen PlaidonerS eine weitere Beweisaufnahme ab und erkannte nach kurzer Beratung, daß das Urteil dcS Schöffengerichts Lp - penheim zutreffend und aufrecht zu erhalten fei. Die Berufung wird verworfen und die Beklagten haben auch alle Kosten der Berufungsinstanz zu tragen. Der Ausdruck „Schrcckensknabe" möge nickt auf jeden JVall beleidigend sein, im fragt. Falle sei er et aber, besonders iip Anschluff an bic weitere Bemerkung, daß „peinliche Empfindungen" erregt würden usw. Es sei zwar auch in der Rede des Äbg. Dr. Winkler ein • Bedingung enthalten, doch dürfe diese nack einer Entsch. d. NeichZger. wnt Jahre 1881 nicht ausgerechnet tverben; eine Kompensation mit einer Beleidigung im Parlament sei unzulässig bei der Immunität der Abgeordneten. Das Schöffengericht Habe die Sachlage richtig beurteilt.
Ministerium dazu, Prämieffverteilung nach der Konfession und nicht nach der Tüchtigkcii der Schüler bei einer nationalen Festfeier zu veranlassen? |
Tie „Siebener Zamtlienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da» „Kreisblatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchemlich. Tie „randwirtschaftiichen Seit- fragen" erscheinen nionatlid) zweimal.
Lttstsckifsnhrt.
Stockholm, 29. J»mi. Brindejone stieg heute nachmittag um 2 Ußr 30 Min. zum Fluge nach Kopenhagen auf. Um 4.03 Uhr sand eine Zwischenlandung in Malmstäbt statt. Der Weiterflug nach Kopenhagen erfolgte um 4.47 Uhr.
W Konstanz, 2d. Ium. Bodensee-Wasserflug 1913. Um 11 Uhr vormittags begann die Abnahme der Flugzeuge. Um 12 Ichr 17 Min. startete Steffler an Land. Beinr Wassern überschlug sich das Flugzeug. Ter Flieger wurde HerauSgeschleudert, konnte sich aber in ein Boot retten. TerApparat versackte mit nach oben gefehrtm Schwimmern. Er wurde später gehoben. Das Flugzeug ist so beschädigt, das; es an der Konkurrenz nicht weiter tednehmen sann Es sind bis jetzt zehn Flugzeuge ein- getroffen. Ein elsteö wird noch erwartet. 'JJlorgcn nachmittag 3 Uljr beginnen die Flüge itnd die Befähigungsnachweise tn Gegenwart des Grobherzogs von Baden.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straste 7. Expedition und Verlag: fc<s>51.
Redaktion: 112. Teb-Adr.: AnzrigrrGiesten,
Journaliften unö Schriftsteller beim Grasen Zeppelin.
Friedrichshafen, 29. Juni. Gin Ex tranig von etwa 300 Teilnehmern des 21. Verbandstages deutscher Journalisten- und Schriftstellervereine in Stuttgart traf hier ein. Die zahlreiche Gesellschaft wurde von der Stadt- verwaltung zum Frühstück cingeladen. Tie Gäste mackstett unter Führung des Stadtschultheißen Maier einen Rund- gang in der Stadt und besichtigten die Hafcuanlagen. Um 12 Uhr folgten sie einer Einladung des Grafen Zeppelin zu einem Imbiß« im Kurgarteu-Lotel. Graf Zeppelin hielt eine Ansprache und führte aus:
„Leider ist keines meiner Schfsie zum Lbussahren bereit, weil wegen des Karlsruher Luftschisrunfalles die Arbeiter so in Anspruch genommen sind, daß sich die Fertigstellung des neuesten Luftschiffes um einige Tage verzögert (rat. Auch kann ich Sie nicht, >vas gewiß so viele interessiert hätte, in die Wiege meiner Luftschiffe schauen lassen. Ich darf es ja nicht. Man machte mir oft zum Vorwurf, zu wenig ober gar feine Auskunft zu geben. Ich verdanke sehr viel der Presse für die Verbreitung dessen, was ich geschaffen habe. Aber die Presse ist doch eben nur das Spiegelbild der allgemeinen Stimmung, und es ist schwer, leitend und anregend vorauszugehen. Bei der unglücklichen Landung in Luneville fragte man, wie so etwas Vorkommen könne. Als bann das Luftschiff „Spiest" nach kurzer Zeit fertiggestellt war und man mir die Photographien rorlegte, rnustte ich sagen, dast das mein Luftschiff „Schwaben" sei, nack dem Aeusteren gesehen. Sie werden also verstehen, wenn man in die Werkstätte nicht jeden; Einblick gewährt, und wenn man die Geheimnisse, die sich dort befinben, als Geheimnisse bewahrt, die dem Schutz und dem Wohle des Vaterlandes dienen. Ich bitte Sie, zu entschuldigen, mich auf alte Reiterweise verteidigt zu haben. Im übrigen aber bin ich der Presse von ganzem Herzen dankbar für das, was sie auch für mich getan bat. Ich wünsche, dast sie auch fortan und immerdar in diesem Sinne arbeiten und auf das Volk einwirken könne. In diesem Sinne leere ich mein Glas."
vermischtes.
' Schwerer E i s e n b a 1) n u n f n l (. Ans Kalkutta wird gemeldet: Bei O n b a im Bezirk Barbwan ist ein Person enzug in den Salkoflust g e ft ü t z t. Nach Meldungen der Behörden ist eine Anzahl Passagiere umgekommen. Mehrere Leichen sind bereits geborgen.
* Explosion. Der Pctroleumbampfer „Mohawk" ist int Hafen von New-Jork in bic Luft geflogen. Das Schiff ist anscheinend völlig zerstört. Es scheint, baß drei Mann der Besatzung ums Leben gekommen sind.
Deutscher Lustflottcntag.
Danzig, 28. Juni.
Mit einer geschlossenen Ausschuffsitzung begannen hier die Beratungen der 5. Mitgliederveriammlung des Deutschen Lust- flottenvereins, zu der bic sührenoen Persönlichkeiten der deutschen X.uftldiiitalyrt erschienen waren. Tie Hauptversammlung leitete Kommerzienrat Fischer 'Mannheim da der erste Vorsitzende Karl Lanz anlästlich der Regatten in Kiel weilt. Oberregierungs- rat v. Liebennann hie st die Erschienenen im Namen des £ber= regierungspräsibenten roiniommcn, Oberbürgermeister Scholtz überwachte bic Grüste ber Staat Danzig. Er gedachte in ieiner An- wrache der ycningliitten Flieger Dr. Schucht, Kapitänleutnants Ienetzlp und dessen Begleiters Tielmann. 5)ierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten. Tr. Elias iBerlin) gab einen lieber- blieE über bic Entwicklung der F1 u g z eu g t c chn i k. Er betonte, dast noch immer eine starke Rüstung das beste Mittel gewesen fei, um den Frieden zu erhalten. Tas Vorbild Frankreichs zwinge auch uns, eine starke Luftflotte zu schassen. Deute ständen wir erst am Anfang der Entwicklung der Flngzeugtechnif, und doch fei schon so vieles erreicht worden. Tie Vorzüge der Luftfahrzeuge für bic Aui'llärung im Kriege seien bereits fiar erkannt. Dast das Luftfahrzeug auch als Angriffswaffe dienen könne, habe der Triprlislrieg bewiesen. Im Vergleich zu 1908 seien bic Fortschritte inbezug auf Geschwinbigfeit unb Steuerbarkeit der Luftfahrzeuge ganz erheblich Ter Redner meinte, dast das Luftschiff sich nac! ?(rt der Schiffsfahrzeuge, das Luftfahrzeug sich aber nach Art der Automobile entwickeln werde. Wenn sich seinerzeit auf Druck' van misten hin bic 9lotroenbiglcit zur Errichtung einer starken Luftflotte gcltcnb machen sollte, werde hoffentlich das beutitbc Volk mit gleicher Begeisterung an die Sacke Herangehen wie seinerzeit an die Zeppelin spende. lLebh. Beifall.)
General a. D. v. Eckenbrccher erstattete den Jahresbericht. Einleitend wird darauf hmgewiesen, dast ber Deutsche Suftflottcnverein ein .gut Teil bes Erfolges bezüglich der nationalen Flugipende für sich in Anspruch nehmen könne. Der Verein habe auch im verflossenen Jahre trotz aller Schwierigkeiten ein erfreuliches Wachstum gezeigt. Es gehören ihm jetzt 11750 Einzelmitglicder unb gegen 4500 korporative Mitglieder an. Um bic nationalen Ziele bes Vereins schärfer zu betonen, haben bic Satzungen einen Paragraphen erhalten, ber besagt: „Der Verein erstrebt im vaterländischen Interesse bic Förderung des deutschen Luflfahrwesens und die Schaffung einer starken deutschen Luftflotte. Um für den Verein nach aust.m hin zu agitieren, wurde bic Einführung eines Mützenabzeichens und von Bricfvcrjchluf marken beschlossen. Der Kassenbericht ergibt, dast sich die finanziellen Verhältnisse des Vereins gegen das Vorjahr erheblich verbessert haben, so dast für das komnuendc Jahr mit einem Ucderschust zu rechnen ist. Ter ursprüngliche Sitz des Vereins war Mannheim. Es wurde beschlossen, den Sitz nach Berlin zu verlegen, um hier mit mafegebenben Behörden besser in Fühlung bleiben können. Zum Ort der nächsten Tagung des Deutschen LustslottenvereinS wurde Rostock gewählt. Damit war bic Tagesordnung erschöpft unb ber stellvertretende Vorsitzende schloff bic Versammlung mit Tankesworten an die Teilnehmer. Es folgte ein Ausflug ber Teilnehmer mit einem Dampfer nach L>ela.
Montag, 50. )nni 1915
Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen UniversitätS - Buch- und Eteinbruckerei.
R. Lange, Diesten.
Ein Zustizrat wegen Unterschlagung verurteilt.
Ans Tort mund wirb uns berichtet: Unter der Anklage der Urkunbensälschtmg unb Unterschlagung halte sich vor der hiesigen 1. Strafkammer der frühere Rechtsanwalt unb Notar Iusnzrat Benzel ztt verantworten. Ter geftänbige Angeklagte, der int Alter von 54 Jahren steht, hatte in ben Jahren 1910 bis 1913 in seiner Eigenschaft als Notar Beträge, die er für Stempelgebickren vereinnahmt hatte, im ganzen 30 000 Mark, nickt an den vreusti- schen Diskus abgeführt. Tie angefünbigten Revisionen wusste er mehrfach dadurch zu verhindern, baff er um Aufschub bat mit der Begrünbtmg, bic Akten seien noch nickt in Orbmmg. Dieser Aufschub würbe ihm auch verschiedene Male anstandslos gewährt, da man natürlich nicht annahm, das; der angesehene Jusiizrat sich einer Unterschlagung schuldig gemacht haben könne. Als der WngcUagtc oic Revisionen aber immer weiter hinauSzuschiebcn suchte, wurde mau doch stutzig und nahm Anfang März b. I. bennod) die Revision vor. Es stellte sich babet heraus, dast Gelber m der angegebenen Höhe fehlten. In der Hauptverhanblung erklärte der Angeklagte, der einen sehr niedergeschlagenen Eindruck machte, er habe durch den Zusammenbruch ber Nicberbeutschen Bank unb besonders bei der Pötter-Aktiengesellschaft eine große Summe verloren, trotzdem sei eS ihm selbst ganz unbegreiflich, wie er zii den Straftaten gekommen sei. Rad; den Zeugenaussagen ist der Ai'qellagte erblich schwer belastet, emiae seiner Verwandten sind geisteskrank. Ter medizinische Eachverstäirdiae ivnr ebenfalls ber Ansicht, das; bur-f? den Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank eine groste Energie losigkeit sich des Angeklagten bemächiigt hätte, die Voraussetzungen bc§ § 51 träfen aber nicht zu. Das Urteil larrtete ails zehn Monate Wcfä ngiuS.
md deutsch lang (IÜI 0.95, 0.75, 0.50, V'1V schwarz, farjigQj^ und beige und ß afl . . Hk. V,JU
or-Wir bringen, wie > WarenfärGeschenk- Aussuchen ausgelegt
politische Tagesschau.
Eine seltsame Verfügung des prentzischen Kultusministeriums. Wir lesen in ber „Natiouallib. Korrespondenz".
Am 30. Mai hat das Kultusministerium zum Kaiserjubiläum die Festschrift von Profefsor Stoewer „Kaiser Wilhelm II. und bic Marine", nu§ dem Verlag Scherl, Berliner höheren Lehranstalten mit der Verfügung übersendet, dieses Buch einem katholischen Schüler als Prämie zu übergeben. Prämien tDerben nach der Leistung und -nicht nach der Konfession erteilt. Diesen Standpunkt nehmen auch die Verfügungen des Miniftcrimns bei anderen Schriften ein, die einem würdigen Schüler als Prämie überwiesen werden sollen. Zur Entlastung des Kultusministeriums hat man angenommen, das; der Verlag Scherl als Geschenkgeber diese konsessionestc Bestimmung veranlafft habe. Ta aus einer Notiz im .NeichSboten" hervorzugehen scheint, daß dies nicht der Fall ist, so erhebt sich die Frage: wie kommt das Kultus-
GerichtssaaU
Der Abg. Dr. Winkler und die „Frankfurter Zeitung".
rb. Mainz, 29. Juni. Tic bekannte Beleidigungsklage des nationallib. Landtagsabgeordneten Dr. Winkler gegen die Frankfurter Zeitung kam gestern vor der hiesigen Strafkammer als Berufungsinstanz zur Verhandlung. Der Darnrstädter Korrespondent des Blattes, foerr G. Anhäu - fer, hatte in einer Kritik der Landtagsverhandlung vom 12. Dezember v. Js. den Abgeordneten sckarf angegriffen, ihn als den „Schreckensknaben" seiner Partei bezeichnet und behauptet, daß seine Fraktionsgenossen ihm zum Teil mit „peinlichen Empfindungen" gegenüberständen. In der Verhandlung vor dem Schöfsew- gericht Oppenheim machten der beflagte Redakteur Dr. Brandet und ber Tarrnstäbter Korrespondent geltend, dast dieser Artikel ber Frks. Ztg. nur eine Erwiberung auf bic Angriffe Dr. Winklers in ber Kammer sei, ber bem Blatt in jener Sitzung vorgeworfen habe, daß es seinen Stanbpunkt zur Sozialdemokratie je nach den Umständen wechsele, z. B. in ber allgemeinen Politik mit ihr liebäugele, in Frankfurt aber bei ben Stabtverordnetcnwahlen sie aufs ärgste befehde: Er kann schreiben rechts unb er kann schreiben links, ganz, wie es in ben Kram passe, unb bic Korrespondenten würben bann einfach zurückgepsissen. Gegen bas schössen- gerichtliche Urteil, bas Rcbakteur Branbel zu 50 unb Anhäuser zu 80 Mark Geldstrafe verurteilte, hatten die Beklagten Berufung eingelegt. In ber Vcrhanblung vor ber Strafkammer wurde bei Kläger vom Rechtsanwalc Tr. B o x h e i m e r - Worms assistiert, bic beiden Beklagten durch Rechtsanwalt Dr. tz e r z - Frankfurt vertreten; als Sachverständiger war Redakteur D a n n c m a n n - Tarmstadt geladen. Tic klägerische Partei machte gellend, dast die Klage nicht wegen des Ausdrucks „Schreckensrnabc", sondern ivegen ber Verdächtigung, das; Tr. Winkler im Gegensatz zu seinen Fraktionsgenossen stehe unb der Tarmstädter Vertreter sich seit Jahren bemühe, den Abgeordneten lächerlich zu machen, erhoben ivorben sei. Tie Bemerkungen des Abgeordneten tn der Kammer über die Frankfurter Zeitung entsprächen durchaus den
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Smettes Blatt 165. Jahrgang
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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