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Nr. 24
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Die „Eietzener ZamllienblStter" werden dem gSlnAetfler* viermal wöchentlich beigelegt, dal „Kretsblott wr bev Kreis «letzen- «roetmal wöchentlich. Die „LanvwtrltchastUchev bett» tragen" erscheinen monatlich zweimal.
163. Jahrgang
Mittwoch, 29. Januar 1913
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheften
Rotationsdruck an» vertag »er Vr übliche» UnwersuätS - Buch» an» ©tetnbrudcteL ÖL Lange. Dietzen.
Redaktion. Expedition and Druckereti Schul- stratze 7. Expedition an» Verlag: Redaktion:«-^ 112. TeU-Adr^ Anzeiger Gießen.
Mb. Deutscher Reichstag.
99. Sitzung. Dienstag, den 28. Januar.
Am Tische.des Bundesrats: Dr. Delbrück, Bumm.
Präsiden Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr und teilt mit:
Sr. Majestät dem Kaiser habe ich gestern in Gemeinschaft mit den beiden Vizepräsidenten d r e Glückwünsche des Reichstags übermittelt. Se. Majestät haben dafür ihren Dank ausgesprochen.
kurze Anfragen.
Nr. 49 bis 53.
Abg. Bassermann (Natl.) fragt:
Ist dem Herrn Reichskanzler die Vergewaltigung des deutschen Ansiedlers Stössel in Marokko durch französische Truppen bekannt? Welche Schritte sind zur Wahrung der Jntercsien der Geschädigten und zu dessen Schutze geschehen?
Geheimrat Dr. Lehmann: Die erste Frage ist zu bejahen. Auf die zweite Frage die Erwiderung, daß sich Stössel in Sicherheit und Freiheit befindet. Ter Vorfall wurde sofort nach Eingang der telegraphischen Meldung ans Casablanca dem Kaiserlichen Botschafter in Paris übermittelt und seitens des Reichskanzlers bei der französischen Regierung zur Sprache gebracht. Die Verhandlungen schweben gegenwärtig und werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen, da der Tatbestand auf beiden Seiten verschieden dargestellt wird und voraussichtlich noch Erhebungen erforderlich sind.
Deutsche Sprache in China.
Zweite Frage Baflermann:
Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß die neue chinesische Elementarschulordnung Vorsicht, daß in jeder höheren Elementarschule eine fremde Sprache und zwar in der Regel die englische Sprache gelehrt werden mutz? Ist der Herr Reichskanzler bereit, bei der chinesischen Negierung für eine Gleichstellung der deutschen Sprache einzutreten?
Geheimrat Dr. Lehmann: Dem Reichskanzler ist bekannt, daß nach der chinesischen Elementarschulordnung vom September v. Js. in den höheren Schulen englischer Sprachunterricht eingeführt werden kann, nicht aber eingeführt werden in u ß. Es kann auch an Stelle der englischen eine andere Sprache gelehrt werden. Die deutsche Rgierung hat bereits die nötigen Schritte getan, um damit von dieser Möglichkeit zuGunstender deutschen Sprache ausgiebigster Gebrauch gemacht wird.
Jntercssenssphare ded Dreiverbandes in der asiatischen Türkei.
Dritte Fra-w Basicrmann:
Sind dem Reichskanzler Mitteilung darüber geworden, daß zwischen England, Frankreich und Rußland bestimmte Vereinbarungen über eine Abgrenzung der gegenseitigen Jnter- essenssphären in den armenischen, syrischen und arabischen Gebietsteilen der Türkei getroffen worden sind ,und welche Stellung gedenkt der Reichskanzler gegenüber solchen Vereinbarungen einzunehmen?
Geheimrat Dr. Lehmann:
Dem Reichskanzler sind die Gerüchte bekannt, nach denen mehrere Mächte sich über die Abgrenzung der Jnteressenssphären in der asiatischen Türkei geeinigt haben sollen. (Hört! hört!) Irgend welche amtlichen Berichte liegen darüber nicht vor. Umgekehrt laßen dagegen unzweideutige und vertrauenswürdige Erklärungen. die seitens der Vertreter der genannten Großmächte abgegeben worden sind das Vorhandensein derartiger Vereinbarungen als ausgeschlossen erscheinen. (Lachen.)
Die neue Militärvvrlage.
Dr. Gradnauer (So- ) fragt-
Ist der Herr Reichskanzler in der Lage, Auskunft zu erteilen ob und inwieweit die angeblich auf amtlichen Informationen beruhenden Zeitungsmeldungen der Wahrheit entsprechen, daß die verbündeten Regierungen neue um fassende Militärforderungen, auch abgesehen von dem Ausbau der Luftflotte, durchzuführen beab- sickitigen? Entspricht es im besonderen der Wahrheit, daß die Absicht besteht 1. die Mannsckafisstärke der Kompagnien zu erhöben; 2. dritte Bataillone, soweit sie noch nicht vorhanden sind, aufzustellen; 3. die Eisatzreserve zur Ausbildung mit der Waffe einzuberufen; 4. Kavulleriedivisionen schon in der Friedenszeit anfzustellen; 5. selbstständige Radfahrerkompagnien zu bilden; 6 die Artillerie zu vermehrn?
Major Hoffmann: Die verantwortlichen Stellen der Reichsregierung sind sich darüber einig, daß unsere Rüstung zu Lande erneut einer Verstärkung bedarf. (Hörtl hört!) lieber den Umfang der vorzuschlagenden Verstärkung können zur Zeit noch keine Mitteilungen gemacht werden, da der Bundesrat noch nicht darüber beschlossen ha:. (Lachen der Soz.)
Ela! des AeiSisamles des Znneien.
(Elfter Tag.)
Die Beratung wird fortgesetzt beim Reichsgesund- h e i t s a m t.
Abg. Tr. van Calker (Natl.):
Hebet die Arbeitszeit des K r a n k e n p f l e g e p e r s o n a l s sind Erhebungen veranstaltet worden, die ergeben haben, daß die Arbeitszeit im Durchschnitt über 14 Stunden dauert. (Hört! Hört!) Das legt uns die Pflicht auf, hier gesetzgeberisch vorzugehen Im Ausland ist auf diesem Gebiet schon viel mehr als bei uns geschehen. Man kann hier zunächst auf Grund der Gewerbeordnung vorgehen, aber damit würde man nur einen sehr kleinen Teil des Personals treffen. Weiter hat man eine landcsgesehliche Regelung vorgeschlagen. Aber die Grund- gcdanlen müssen reichsgesctzlich geordnet werden Das gehlen solcher Bestimmungen hat es mit sich gebracht, daß man heute das Personal zum Zimmerreinigen, Fensterputzen usw. verwendet. Tas verhindert, daß sich die Mädchen aus gebildeten Kreisen diesem Beruf zuwenden, die bei entsprechender Regelung des Dienstes diese Tätigkeit gern auS- üben würden. (Beifall.)
Abg. Baron Knigge (Kons.) spricht über die Säuglingssterblichkeit und oerlangt für ihre Bekämpfung größere Mittel im nächsten Etat. Notwendig ist auch die Förderung des Hebammenwesens. Di e deutschen Großstädte verlieren alljährlich mehr Menschen als geboren
werden. Sie muffen sich ergänzen durch den frischen Zusttom vom Lande Der Geburtenrückgang in Deutschland bildet eine große Gefahr für die Zukunft. Am meisten sorgen die Sozialdemokraten für den Geburtenrückgang: sie empfehlen fortgesetzt die Enthaltsamkeit in ihren Schriften und preisen Schuhmaßregeln gegen allzu reichen Kindersegen an. Das Volk ist dem Untergang geweiht, wo die Frauen nicht mehr stolz darauf sind, der Welt Kinder geschenkt zu haben. (Beifall rechts.)
Abg. Gunsier (Vp.):
Es ist erfreulich, daß durch dos letzte Weingesetz die Wein- verfälschungen stark abgenommen haben. Der Winzerstand, der vor dem Ruin itanb, hat sich wieder langsam erholt. Eine neue Gefahr entsteht ihm aber in der vermehrten Einfuhr ausländischer Weine. Sebr bedauerlich wäre die Einführung einer Reichsweinsteuer. Die württembergische Landessteuer wirkt bei uns schon sehr drückend.
Abg. Sosinski (Pole) verlangt eine Untersuchung d-r gesundheitlichen Verhältniffe der B e r g a r b e i t e r und der gesundheitlichen Vorkehrungen auf den Bergwerken Oberschlesiens. Zuchthäusler haben es bester als die Arbeiter in den oberschlesischen Gruben.
Abg. Dr. Burckhardt (Wirtschl. Vgg.):'
Auch wir verlangen eine obligatorische Ausbildung des Kran- kenpflegerpersonals. Besonderes Augenmerk sollte die Regierung den Masseusen zuwenden, die vielfach eine recht zweifelhafte Nebenbeschäftigung treiben. An private Krankenanstalten darf eine Konzession nur erteilt werden, wenn die Gewähr ausreichender Fürsorge für das Pflegepersonal gegeben ist. In den sogenannten Da men hei men wird geradezu ein Mädchenhandel getrieben. Ans dem Gebiete des Apothekenwesens würde eine Verstaatlichung das Beste sein, nachdem eine reichsgesetzliche Regelung abgelehnt ist. Im übrigen sind die Apotheken Deutschlands die besten der Welt.
Präsident des Kaiserlichen Gesundheitsamtes Bumm:
Ueber das H e b a m m e n w e se n hat eine Umfrage bei den Bundesregierungen stattgefnnden, die ergeben hat, daß eine reichsgesetzliche Regelung nicht als zweckmäßig erachtet wird. Es soll der Versuch gemacht werden, durch Aufstellung einheitlicher Grundsätze über Ausbildung und Zulassung Der Hebammen eine gewisse Uebereinstimmung in der landesrechtlichen Regelung herbeizuführen. Diese Grundsätze sind bereits ausgearbeitet und werden im Februar int Reichsgesundheitsamt beraten werden. Dazu werden auch Vertreter des Hebammenberufes und der betreffenden Lehranstalten zugezogen werden. Die Ausdehnung der Jnvaliditätsversicheruntz auf die Hebammen war bisher deshalb schwierig, weil kein Arbeitgeber, der zur Beitragspflicht herangezogen werden konnte, vorhanden war. Diese Schwierigkeit ist durch Die Reichsversicherunasordnung beseitigt. Es ist eine Umfrage bei den Regierungen hierüber neuerdings erfolgt. Von den einlaufenden Antworten wird es abhängen, ob die I n - validitätsversichernng auch auf die Hebammen ausgedehnt wird.
Die Ausübung des Krankenpflegerberufs erfordert ein solches Maß von körperlicher Leistung und Ausdauer, von moralischer und sittlicher Pflichterfüllung, daß man vor diesem Beruf nur Hochachtung, in vieler Fällen sogar Bewunderung haben muß. «Bravo!) Das K-ankenpflegerpersonal vor Ueberanstrengung zu fchüuen, liegt nichc nur in seinem Interesse, sondern auch im Interesse der Kranken. Ueber die Arbeitszeit des Krankenpflegerpersonals hat der Reichskanzler am 31. März 1910 an 5000 Krankeuanstalien mit 430 ÖOO Betten und 64 000 Krankenpfleger und -Pflegerinmn Fragebogen gesandt. Das preußische Material ist ich, n veröffentlicht. Das Reichsgesund- heitsamt ist mit der Bearbeitung des Materials der außer- preußischen Anstalten beaultraat tooröen. Dieses Material ist dem Reichskanzler im vorigen Jabre übergeben worden. Es hat sich ergeben, daß tatsächlich i in Krankenpflegeberuf im allgemeinen eine starke Arbeitsüber- l a st u n g besteht. Im Diirchsckni't kommen auf einen Krankenpfleger 6 Betten, in Sanatorien ist die Zahl größer. Die Zeit der Arebitsbereitschaft beträgt durchschnittlich 14 Stunden, in einzelnen Fällen 16 Stund n. Di eigentliche Arbeitszeit erstreckt sich auf 11 Stunden, in einzelnen Fällen auf 12—13 Stunden. Die dienstfreie Zeit und der Jahresurlaub sind im allgemeinen nur kurz bemessen. Die ireibtichen Krank-npfleger stehen schlechter da als die männlichen. Der größ.'e Teil der weiblichen Kranken- bfleger sind keine gewerblichen Pflegerinnen. Diese Verhältnisse für das ganze Reich einheitlich ?u regeln, stößt auf Schwierigkeiten wegen der Verschiedenheit der Anstalten.
Trotz dieser Verschiedenartigkeit muß versucht werden, Abhilfe zu schaffen. Das Reichsgesundheitsamt hat Vorschläge gemacht bezüglich einer grundsätzlichen Regelung des Tag- und Nachtdienstes, der Festsetzung einer Mindestruhezeit und des frühesten Beginnes und spätesten Schluffes des Tagesdienstes, sowie des Jahreserholungsurlaubes Das Reichsamt des Innern hat diese Vorschläge den Eiuzelsiaaten übermittelt und auf Grund der Vorschläge der Einz^lstaai-n wird eine Regelung versucht werden. Cb d'>rcki Reichsgesetz, durch Bundesratsverordnung oder durch Landesgesetz wird von den Aeußerungen der Einzelstaaten ab- hängen. Auf Grund der Gewerbeordnung wird sich nur eine einheitliche Regelung für sie gewerblichen Krankenpflegerinnen erreichen kaffen aber riebt für die Krankenpflegerinnen der Reli- giok^verbändk und ähnlicher Vereinigungen. Will man auch hier eine Regelung eintret-u lassen, so kann man das nur durch Reichsgesetz tu:. J"denfi llL darf man in seinen Vorschlägen nicht zu weit gehen, taubem muß schrittweise vorgehen. Das Wichtigste ist zunächst die Re; ein na der Arbeitszeit. Bezüglich der Prüfung des K'antanpflegepersonals ist schon in 15 Bundesstaaten auf Grund eines Bundesratsbeschlusses eine einheitliche Regelung durchgeführt.
Was die Bekämpfung der Säuglingssterb- l i ch k e 11 anlangt, so ist auf diesem Gebiete in den letzten Jahren von Staat, Gemeinden nud Privaten ja sehr viel geschehen, was dankbar anzuerkennen ist. Es muß gewiß noch viel mehr geschehen, aber der Erfolg i st doch bereits offensicht- l i ch. Die Säuglingssterblichkeit ist von 20 auf 100 int Jahre 1907 auf 16 gesunken. Die Mißstände auf dem Gebiete des Geheimmittelwesens werden fortgesetzt weiter bekämpft.
Abg. Antrick (Soz.):
Schon vor zwölf Jahren habe ich hier die Mißstände in der Krankenpflege besprochen und bin dafür in der niederträchtigsten und g e m c i n ft e n Weise angegriffen worden. Das geschah namentlich in der nationalliberalen Presse.
Vizepräsident Tove:
Diese Charakterisierung bezieht sich doch wohl nur auf d i e Presse?
Abg. Antrick (Soz.):
Sic bezieht sich auf alle, die in dieser schäbigen Weise den Kampf gegen mich geführt haben, innerhalb und außerhalb des Hauses.
Vizepräsident Tove:
Dann rufe ich Sie zur Ordnung.
Abg. Antrick (Soz.):
Jetzt kommt die Regierung mit genau denselben Einwänden, die damals von der Presse angeführt wurden. Und dabei müffen heute nach zwölf Jahren alle bürgerlichen Parteien und auch die Regierung selbst zugeben, daß die Verhältnisse so liegen, wie ich sie damals geschildert habe. Geschehen ist aber in Wirklichkeit nichts.
Abg. Giesberts (Zentr.)l
schildert die gesundheitsschädigenden Zustände in der Groß- etsenindustrie: Zu lange Arbeitszeit, Ueberstunden u. a. m. Auch die erlassene Bundesratsordnung hat nur wenig Wandel geschaffen. Auch die Unfallziffer ist noch wie vorher unverhält- nismäßia hoch. Die Arbeitgeber und wir im Hause, b i e N a tional liberalen, machen für diese hohe Unsallziffer die Unaufmerksamkeit der Arbeiter verantwortlich. Die Schuldfrage an diesen Unfällen ist aber ein sehr diffiziles Kapitel. Viel mehr als eine Unachtsamkeit der Arbeiter kommen mangel hafti Sicherheitsvorschriften und Ueberanstrengung infolge zu langer Arbeitszeit als Ursachen in Betracht. Zwar die Eisen- industriellen bestreiten, daß die Arbeitszeit zu lang sei. und sie behaupten in einer Denkschrift, es würde nicht länger als 8 Stun- den täglich gearbeitet. Wenn das richtig wäre, weshalb weigern sich denn dann die Eisen- und Stahlindustriellen gegen die Einführung des Achtstundentages? (Sehr gut! i. Ztr.) Aber die Angaben der Denkschrift entsprechen eben nicht der Wahrheit und daher sollte das Kaiserliche Gesundheitsamt einmal nad dem Rechten sehen. Auch der Arbeiter hat ein Recht aus Luft und Licht und aus die Errungenschaften unserer Kultur. Nennenswert ist es, daß das Reichsamt des Innern die Bestrebungen der internationalen Vereinigung für gesetzlicher Arbeiterschutz bisher so lebhaft unterstützt hat,
Abg. Blankenhorn (Natl.):
Ich will keine Weindebatte Hervorrufen, aber ich muß mich doch gegen ein reichsgesetzliches Urteil wenden, wonach Obst- und Beerenwein nicht zum Haustrunk zugesetzt werden darf. Das widerspricht dem Sinn des Weingesetzes. Nach den Verhandlungen in der Kommission des Weingesetzes kann darüber gar fein Zweifel fein. Der Bundesrat sollte eine Interpretation erlassen, bie die Sache regelt ober in den Ausführungsbestimmungen sagen: Obstwein darf zum Haustrunk zugesetzt werden.
Abg. Leube (Vp.)
wünscht Ausdehnung der Ausnahme des Fleischbeschaugesetzes von den Vierkilostücken auf leicht zu untersuchende Organe, auch wenn sie weniger wiegen.
Abg. Jäckel (Soz.):
In der Weberei werden zahlreiche Krankheiten durch das Schiffchen übertragen, das, ohne gereinigt und desinfiziert zu werden, jahrelang von Hand zu Hand geht. Hier muß das Neichs- gesundheitsamt Abhilfe schaffen. Die Baumwollweberei zahlt überhaupt zu den ungesündesten Gewerben. Vor allem sollte das Lumpenlesen in der Heimarbeit verboten werden.
Abg. Dr. Thoma (Natl.):
Als Vertreter des größten m i l ch w i r t s ch a f t l i ch e n Bezirks begrüße ich mit Freuden die fortschrittliche Resolution, die die Errichtung eines Instituts für wissenschaftliche Erforschung der Milchwirtschaft empfiehlt. Die ganze Milchproduktior geht heute weit in die Millionen hinein. Das Molkereigewerbc hat sich innerhalb einer verhältnismäßig kurzen Frist außerordentlich entwickelt. Vor 30 Jahren wurde an der Milchverarbeitungsstätte noch ausschließlich alles mit der Hand gemadjt, während es heute ein durchaus fabrikmäßiger Betrieb ist. Dieses rasche Emporblühen des Molkereigewerbes ist sowohl der technischen wie der chemischen und bakteriologischer Wiffenschaft zu verdanken. Die Entwicklung hat heute ihren Höhepunkt in der Verwendung von gewissen Bakterien 5«r Bereitung aromatischer und haltbarer Präparate aus der Milch erreicht. Ein solches Gewerbe bedarf der dauernden Pflege und Unterhaltung seitens der Wissenschaft
Die wissenschaftlichen Institute dieser Art muffen unabhängig gestellt werden von der Einnahme aus Schulgeldern und dürfen durch die Einrichtungen eines landläufigen Schulbetriebes nicht gestört werden. Deshalb empfiehlt sicheinedasganzeReich umfassende Anstalt, die alle auftauchenden Fragen auf Grund eigener Forschungen und Beobachtungen zu beantworten imstande ist. In anderen Ländern ist in dieser Beziehung besser vorgesorgt als in Deutschland. In Amerika und Kanada sind solche Lehranstalten den Universitäten angegliedert. Musterhaft sind die Einrichtungen in der Schweiz und in Schweden. Die Kosten müssen aufzubringen sein. Es ist geradezu sündhaft, wie viel Geld für solche Eiweißstoffe bei uns ins Ausland gehen. Das Reichsamt des Innern wird eine dankenswerte Unterstützung bei der Wissenschaftlichen Gesellschaft im AUgan finden.
Namens meiner politischen Freunde weise ich die scharfen Vorwürfe, die der Abgeordnete Antrick gegen ihre Haltung im Jahre 1900 erhoben hat, zurück. Ter Redner verliest das Stenogramm der damaligen Verhandlungen und schließt: Entweder bat der Abgeordnete Antrick diese Verhandlungen nicht durchgelesen, bann war es mehr als fahrläffig, berartige Infamie r e n b e Vorwürfe gegen meine Freunde zu erheben, ober er hat es nicht getan, bann überlasse ich bie Qualifizierung eines solchen Verhaltens dem Urteil des Hauses. (Beifall.)
Abg. Dr. Blunck (Vp.):
Wir sind dem Abg. Thoma für seine anerkennenden Worte dankbar. In der Tat ist ein Institut, wie wir es Vorschlägen, dringend notwendig.
Aba. Hocsch (Kons.):
Mit der fortschrittlichen Resolution können wir, namentlich bei ihrer vorsichtigen Faffu.ig, ganz einverstanden sein.
Präsident Bumm:
Wir haben bie Maul- und Klauenseuche mit allem Nachdruck bekämpft. Die Landwirtschaft darf nicht irre werden an den jetzt getroffenen Maßnahmen. Der Schaden, den bie Seuche angerichtet hat, beläuft sich auf Millionen. Das von Prof. Hoffmann vorgeschlagene Mittel hot, wie bie amtliche Untersuchung ergeben hat, in jeder Hinsicht versagt. Es bleibt nichts übrig, als mit den bisherigen Handhaben weiter zu arbeiten.
Mittwoch 1 Uhr: Polnische Interpellation über das Enteign ungsgefetz.
Schluß 6< Uhr.


