Ausgabe 
25.4.1913 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

M. Jahrgang

Erstes Blatt

M. 96

ora

Die heutige Nummer umfafzt 14 Seiten.

hangen und Bangen -er Großmächte

Der englische Ministerpräsident "hat gestern in einer

Auch einige andere

Freitag, 25. April 1913

Bezugspreis: monatlich 75M., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Aik.2. uiertel- jährl. auöschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal I5Pf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: flluguft

die Triple Entente eine Truppenlandung der in den mmrtenegri- nischcn Gewässern befindlichen Kriegsschiffe verweigern würde. Die Klugheit dränge die sechs Großmächte, die vollendete Tat­sache anznerkenncn und den Montenegrinern als Ersatz für Sku- tari eine Gebictsentschädigung zu bewilligen. flr:jr; '

sich für die Beschwichtigung der aufgeregten Gemüter ein. Wenn England Lei den Dingen nm Skutari auch nur so start in Mitlerdenschaft gezogen würde, wie etwa Deutschland, würde 'er wohl -eine andere Sprache finden. Man spricht jetzt viel von einer Blamage der Großmächte, da Skutari nun doch erobert worden sei. Ist aber nicht in manchen .Haupt­städten eine geduldige und vielleicht nicht ganz absichtslose Verschleppungstaktik angewendet worden? Und sind heute Moralpredigt en, statt offenherziger politischer Reden an gebracht. Wird 'die sanftmütige Aeußerung des Herrn Asquith in Cetiuje irgend welchen Eindruck machen, und wird König Niläta daraus nicht eher einen Ansporn zum Beharren als 'eine Weisung zum Nachgeben erkennen. Dann wäre die Rede des Herrn Asquith also doch eine politische Rede gewesen, die freilich nicht mitberücksichtigen konnte, ob der lauge Eieduldsfaden Oesterreichs auch jetzt noch haltbar ist. Die Regierungen müssen heute oft tun, was ihre Völker wollen, sprach der englische Minister, und das klang gar nicht so beruhigend wie feine sonstigen Worte. Oester­reich hat, wenn Reuter recht unterrichtet ist, bereits ein geharnischtes Rundschreiben ergehen lassen und will sich anscheinend nur noch kurze Frist gedulden. Die Lage ist also gespannt, trotz der Asquithschen Rede. Internationale Flottenparade, Redereien vom Statusquo und sonstige Stil- Übungen, alles wächst stark in die Halme, aber eine Frucht will nicht ansetzen. Die-reift inzwischen auf einem anderen .Acker heran. . .

Eine Rede des englischen Ministerpräsidenten.

London, 24. April. Der Verein der auswärtigen Journalisten gab geftera abend ein Bankett zur Feier seines 25jährigen Bestehens. Unter den Ehrengästen befanden sich Premierminister Asquith, der französische, der deutsche, der österreichisch-ungarische und der italienische Botschafter, ein Sekretär der russischen Botschaft u. a.

Premierminister Asguith betonte in Beantwortung des Toastes auf die Gäste die Bedeutung der Presse als eines' wichtigen internationalen Faktors. Sie könne unter den Nationen böses

Blätter sprechen sich in diesem Sinne aus.

Jaurös schreibt in derHumanite": Die elementarste Vorsicht macht es ganz Europa zur Pflicht, das bezüglich Albanien geschaffene Abkommen nicht zu zerreißen. Oesterreich-Ungarn ivürde dies auch Kraft des ihm gegebenen europäischen Ver­sprechens niemals zugeben.

DieSüdslawische Korrespondenz" meldet aus Cetinje: Der König, der von einer jubelnden Volksmenge vor dem Kanal gefeiert wurde, sagte in einer Ansprache: Die großen Opfer, die das Land für Skutari gebracht hat, sind nicht umsonst ge­bracht worden. Skutari ist von beute ab monte­negrinisch. Der endliche Besitz dieser Stadt werde dem Lande zu neuer Blüte verhelfen.

Gin Telegramm Essad Paschas.

Konstantinopel, 24. April. Das Kriegs Mini­sterium hat Don dem Kommandanten der Festung Skutari, Essad Pascha, auf dem Wege über Cetinje ein Tele­gramm erhalten, wonach der Kommandant infolge der Erschöpfung der L eb en s m i t t e l v o r r ä t e genötigt gewesen sei, die SBcfeftigungrn zu räumen und die Festung imter lggewissen Bedingungen dem Kommandanten der montenegrini)"cbeu Armee auszuliefern. Die Linientruppen und die Reservisten hätten die Feld-, G e b i r g s - und S ch n e l l s e u e r g e f ch ü tz e mit sämtlichen Muni- tionsVorräten mit sich genommen und würden über San Giovanni di Medua und Tirana abmarschieren.

Wie die Uebergabc von Skutari zustande kam.

Cetiuje, 24. April. (Amtlich.) Die Verhandlungen über die llebergabe von Skutari dauerten zwei Tage. Am 21. April entsandte der türkische Kommandant E s f a d P a s ch a einen Parla­mentär zum Kronprinzen Danilo und seblng die Kapitu­lation mit der Bitte vor, in Verhandlungen darüber ein»

Der ßiehever Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SichenerLamMenblatter: zwennal möchentl.Breis- blatt siir den Ureis Sieben (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. £cni): wirtschaftliche Acitjrayen Fernsprech - Anschlüsse:

General-Anzeiger für Gberhesse«

Annahme von Anzeigen Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. Land" :^E.üeb- "für den bis vormittags"s'uhr. Büdingen: Fernsprecher Hr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck.

die nötige Energie bisher gefehlt bat, daß Europa nicht die für die Durchführung seiner einheitlich gefaßten Beschlüsse not- wendigen Mittel in Anwendung gebracht bat. Der Fall von Skutari bilde einen Affront des europäisänm Konzerts ohne­gleichen. Die Erregung, welche die öffentliche Meinung der Monarchie hierüber bekundet, ist gewiß nicht unbegründet. Unser Publikum empfindet die Niederlage, welche die europäische Politik ieftt erlitten hat, um so schmerzlicher, je größer und zahl­reicher die Beweise von Langmut gewesen sind, welche die Mo­narchie in dieser Krise bereits geliefert hat. Die Mächte haben sich dadurch, daß sie sich damit einverstanden erklärten, den Widerstand Montenegros zu brechen, aber vor der Anwendung jener Mittel zurückschreckten, die hierfür erforderlich sind, in einen für unsere öffentliche Meinung unverständlichen Wider­spruch begeben. DasFremdenblatt^ gibt sich der bestimmten Erwartung hin, daß sich Europa nunmehr endlich entschließen werde, nach dem Versagen der bisherigen Maßnahmen auch schärfere Mittel anzuwenden, um für das verletzte Prestige Remedur zu schaffen und den Widerstand Montenegros zu brechen.

Die halsstarrigen Montenegriner.

P aris, 24. April. Der m o nten egrinrsch c Delegierte bei der Pariser Finanzkonferenz, Miusch- k o w i t s ch , erklärte einem Berichterstatter des ,Matin": Mari sagt, Oesterreich-Ungarn wolle uns Skutari wieder abnehmen. Wenn Europa dies zugibt, dann wird man über die Leichen unserer ganzen männlichen Bevölkerung hinweg schreiten müssen. Wir werden Skutari Oesterreich nicht geben. Bor einigen fragen haben wir, bevor wir noch die letzten Opfer brachten, die Mächte ersucht, .uns für die Aufhebung der Belagerung von Skutari eine Ge- bietsentschädigung" zu gewähren. Es handelte sich nur um' eine kleine Grcnzberichttgung. Unser Ansuchen wurde von den Botschaftern brutal zurückgewicsen.

DerMatin" fügt hinzu, daß seinen Nachrichten zufolge

nationales Wohlwollen gebeiben könnte.

England und die Frage von Skutari.

DieTimes" schreibt über den Fall von Skutari:

Die Mächte, einschließlich Rußland und besonders auch Eng­land haben mit bemerkenswertem guten Glauben gegen Oesterreich gehandelt. Oesterreich darf sich darauf verlassen, daß die Mächte es auch in der Frage von Skutari tun werden. Tie Haltung Englands bleibt selbstverständlich dieselbe, wie sie nach den Er­klärungen Sir Edward Greys vorgezeichnet ist. Wir sind mit den anderen Mächten Uxne.ngekommen, daß ein autonomes Al­banien bestehen soll, zck dem Skutari gehört. Wir beabsichtigen, an diesem Abkommen festM halten. Europa wird die Mittel finden, um das wohlüberlegte und einstimmige Urteil gegen alle, die ihm widerstreben möchten, du rckMl führen.

DieW c st m i n st er Gazett e" schreibt: Die Verbündeten nahmen grundsätzlich die Vermittlung der Mächte an.~ Die Vermittlung kann nur auf die Abgrenzung Albaniens, die Skutari einschließt, basiert werden. Wenn König Nikolaus auf Skutari bestehen sollte, würde er nickt Ipek und Serbien nicht D j a k o w a bekommen. Oesterreich würde vielleicht den Sandschak Novibazar wieder besetzen. Tie Mächte sind demnach nickt ohne Hilfsmittel. Wenn sie zusammenhalten, erreichen sie das Ziel ohne große Schwierigkeit. Die Lage duldet keinen weiteren Aufschub. Natürlich wären wir der Anwendung von Gewalt gegen Montenegro äußerst abgeneigt, aber das An­sehen Europas steht auf dem Spiele. Wenn König Nikolaus den Mächten erfolgreich Trotz bietet, müßten wir für diese Generation auf jede weitere Kooperation zur Erhaltung des Friedens verzichten.

Ein Rundschreiben Oesterreichs an die (Großmächte.

London, 24. Älpril. Das Rcutersche Bureau erfährt: Die Zirkularnote Oesterreich-Nngnrns au die Mächte besagt: Oesterreich-Ungarn kann es nicht gestatten, daß die La g e, die durch den Einzug der Montenegriner in Skutari geschaffen ist, so dteivt, wie sie ist. Da das Prestige der Mächte verletzt worden ist, so lädt Oester­reich-Ungarn die Mächte ein, einen Entschluß zu fassen über die Schritte, die zur Wiederherstellung des Prestiges unter­nommen werden sollen. Oesterreich-Ungarn erklärt, falls die Mächte einen schnellen Entschluß nicht fassen könnten, so würde es gezwungen sein, selb st Sicherhei­ten dafür zu schaffen, daß die Entscheidungen der Mächte respektiert würden und daß Montenegro Skutari räume.

Ministerpräsident Asquith hatte noch keine Kenntnis von der Note, als er auf dem Bankett der ausländischen Presse- Vereinigung sprach.

Unmut in der österreichischen P esse.

Wien, 24. April. Sämtliche Blätter befassen sich mit der durch die Besetzung von Skutari geschaffene Lage und verlangen von der Regierung sofortige energische Maßnahmen gegen Montenegro, entweder mit oder ohne Europa.

DasF r e m b c n M a 11" findet eine Erklärung dafür, daß Skutari in den Besitz Montenegros übergehen konnte, darin, daß der europäischen Politik zwar nicht die Einheitlichkeit, wohl aber

Blut machen, sie könne aber auch gegenseitige 'Freundschaft und gegenseitiges Wohlwollen fördern. Asquith fuhr fort: Außer mir smd die Botschafter der europäischen Großmächte Ihre Gäste. Wir haben heute nachmittag an einem Tisch gesessen, um das große Ziel der Versöhnung in gemeinsamer Beschlußfassung gu verfolgen, wobei sie unter dem Vorsitz meines Kollegen Sir Ed­ward Grey seit Monaten engagiert sind. Seichte und ungeduldige Kritiker sind schnell genug bei der Hand, darüber zu spotten, was sieumständliche und zaudernde Methode des europäischen Kon­zerts" nennen. Aber die Ergebnisse, die langsam und sicher erreicht wurden, sind meines Erachtens der Zeit, der Energie und des Taktes wohl wert, die so aufopfernd dem' Ziele gewidmet worden sind. Tie Großmächte, von denen mehr als eine bei der Umwälzung des alten Regimes in der Türkei stark und direkt interessiert sind, haben gemeinsam für einen ehrenvollen Frieden gewirkt und so weit erfolgreich gewirkt. Ihre Vermittlung ist, wie wir hoffen, heute wenigstens im Prinzip von den. kriegführenden Parteien angenommen worden. I ch sage' nicht, daß nicht schwierige Punkte aus tauchen können und werden ein solcher Punkt steht heute sehr augenfällig vor uns Punkte, die auch heute noch dieselben Eigenschaften der Nachsicht, der Verständigung und An­passung und der Bereitwillkeit bedürfen,. spezielle Interessen und

v Empfindlichkeiten einem beherrschenden Ziele der gemeinsamen I Erzielung eines dauerhaften Friedens unterzuorduen, und ick denke, wir können ohne übertriebenen Optimismus hoffen, daß

früher oder später oder lieber früher als später wir .das Ziel erreichen werden, nach deM wir so lange und so mülwvoll gestrebt haben. Der Premierminister schloß, inbem er diese Mellwden und ~ - .. n - . 3 . . .. diesen Geist den Vertretern der Presse zum Vorbild .empfahl:

Festsitzung der auswärtigen Journalisten Londons eine poli- Die Regierungen der Großmächte sind von einer gemeinsamen Ab­tische Rede gehalten, in der er fast nur die Balkanfragen be- sicht beseelt, die die eigenen egoisttsckm und speziellen Interessen handelte. 5Aerr Asquith predigt die Mäßigung und setzt j hintansetzt. Aber in diesem demokratisckzen Zeitalter n n e u bi c 'Regierungen bi e Führung nur behalten, wenn bic Völker folgen wollen, und niemand mehr als die Presse kann die Atmospl)äre sckxlffeu oder vernichten, in der inter-

Arno Holz und seine Einnahmen.

Wir haben in unserer Nr. 94 einen Aufruf für den schon fast vergessenen Dichter Arno Holz veröffentlicht und daran die Demerkung geknüpft, daß das deutsche, Volk feine, Schuld an seiner Notlage treffen könne, da es seine Bücher itark getauft habe. Heute sind wir nun in der Lage, den Verdienst des Tochters mitzuteilen, und aus dieser Aufstellung geht hervor, daß Holz für seine Werke allerdings nur sehr wenig gelöst hat, fast gar nichts im Verhältnis zu anderen Sckfriftstellern, wie Cl. Viebig, R. Herzog u. a., die eben in der Mode sind.

Arna Holz verdiente mit seinemBuch der Zeit" 25 Mark. Tie tzweite Auflage bracküe dem' Dichter ein Honorar von 250 Mark. Als 'bann schließlich bie letzte noch jetzt im Buchhandel erhältliche in 10 000 Exemplaren erschien, die ihm ein Honorar von 1000 Mark brachte, mußte er 500 Mark davon als Wlösuug für bas Verlagsrecht an den zweiteir Verleger seines Buches entrichten, her ihm für dieses Recht nichts gezahlt hatte. Zusammen 775 Mark für 12 000 Exemplare! TieNeuen Gleise", gemein­sam' Mit Johannes Schlaf, brachten Arno .Holz rund 150 Mark. Der geschundene Pegasus", ebeiifalls mit Johannes Schlaf, 750 Mark.Tie Kunst, ich' Wesen und ihre Gesetze", zwei Teile, rund 300 Mark.Soziabrrisiokraten", zwei Auflagen, nichts. Fcmtasus", zwei Hefte, rund 200 Mark,Revolution der Lyrik" nichts. Zwei weitere kritische Schriften nichts. TieBlech­schmiede" nichits.Tafnis", im ganzen 32000 Exemplare, 5000 Mark. Fünf Dramen, zusammen mit Oskar Jerschke, darunter Traumickus" nabBichl", rund 45 000 Mark.Sonnenfinster­nis" nichts.JgnorabiMus" 1200 Mark. Gesamtsumme aus 20 Werken in 30 Jahren 53 375 Mark. Das macht pro Jahr eine Einnahiiw von noch nicht annähernd 2000 Mark. Also weniger als feilte im! Durchschnitt eingelernter Arbeiter" ver dient. Wobei noch zu bent'crfeu: bis zumTraumulus" hatte sich das ,/Einkommen" des Dichters nach der obigen Aufftellu'ng auf nur etwas über 100 Mark ünJ Jahr belaufen. Zwanzig Jahr laug!

Bei dieser Aufstellung darf mktn jedoch nicht übersehen, daß die Einnahmen wesentlich höher wären, wenn Holz den Erlös aus einer Anzahl seiner Werke nicht mit seinen Mitarbeitern hätte 'teilen Müssen. So unkünstlerisch ein derartiges Znsammeir arbeiten aber auch ist und so wenig bic letzten Werke des Dichters für unser heutiges Geistesleben bebcuteit, so darf doch nicht ver Tonnt werden, batz sich Holz als der Bater des Naturalis­

mus nicht hock^ geimg zu schätzende Berbienste erworben bat, wenn auch diese Verdienste vorzugsweise im Stofflichen zu! suchen sind. Er hat die Großstadt mit ihrem grauen Asvlwlt, er hat das Armen- und Arbeiterviertel entdeckt und hat die Melodie der damäligen neuen Zeit als erster erkannt. Darin besteht sein großes Verdienst, und wenn ihml im dllter von 18 Jahren für sein Liederbuch Kling in ö herz der Preis der Augs­burger Schillersliftung zugesprocki-rm wurde, so Muß man sich fragen, wo denn heute eigentlich die Deutsche S ch i l l e r st i f t u u g bleibt, die schon so mäuck^eir unterstützt hat, der es nicht so sehr verdient hat wie Arno Holz.

Gin preisgekröntes Motto. Ein Sieg über 11 000 .Konkurrenten. Wie erinnerlich, bat im Vorjahre das KomiteePro Vnrezia" aus Anlaß der Inauguration des neuen Kampanile von Sau Marco einen Preis ausgeschrieben, der dem glücklichen Finder eines Mottos zufallen sollte, welches in ge­drängten, suggestiven und leicht übersetzbaren Worten die ewige Schönheit und den untiergänglid.iien Zauber zum Ausdruck brächte, den diese steinerne Märchenstxrdt auf Italiener und Fremde aus- übt. 11000 war die Zahl der eingelaufenen Mottos. Aus dieser ansehnliclien Ziffer bie ihr würdig erscheinenden anszn- wählen, war für die Kommission keine leichte Aufgabe. Im nach­stehenden eine Heine Auslese:

Unwiderstehliche italienische Sirene!"

Venus ex undis.

Stadt des SckWeigens und des Traum'es."

Tie Welle küßt dir den Fuß, der Ruhm die Stirne." Venedig ins Meer gefallener Stern!"

Venedig, die Stadt, wo man träumend erwacht und er- wackwnb träumt!"

Venedig, die marmorne Geliebte!"

Italien: Edelstein der Welt: Venedig: Edelstein Italiens."

Wie also vorauözuseheu war, ist die Zahl der Einsettder schöner, sinniger Sprück'e wahrlich nicht gering geivesen. Doch: ist es auch nur einem' einzigen geglückt, den Anforderungen des Komitees gered;t zu werden, das ist: das Unfaßbare in Worte zu fassen? In dieser Erkenntnis hat das Koinitee keinem der zahlreichen Einsender den Preis zugesprochen, bereit Bemühen daraus gerichtet war, durch! Geist zu blenden, sondern der Preis ist einem zugefallen, belfen Motto nur aus einem einzigen Wort besteht und das ganz einfach lautet:Venedig!"

-- Eine m ißglÜckte Bilderschrift. 'An lustiges japanisches Reiseabenteuer erzählt ein Engländer in einer Londoner

Woätensck-rift. Er besnckcke in Begleitung eines Freundes, eines Zeichners, ein japanisches Teehaus und wurde von einer Geisha in ein einfach möbliertes Gemach geführt. Tas Mädckxm ging hinaus Und kehrte bald mit einem lackierten Servierbrett wieder, auf dein zwei sehr kleine, niedrige Tassen farblosen ungesüßten japanischen Tees prangten. Kitiettd reicht sie uns das Getränk. Wir versuchten ihr auf Englisch, Französisch, "Deutsch und Russisch und schließlick> mit der Zeichensprache klar zu inarftnt, baß wir sehr hungrig seien und evoas efsen möchten. ?l!ber je ausbrncks- voller und temperamentvoller unsere Gebärdensprache wurde, um so verlegener blickte die kleine Japanerin drein. Mir kam plötz­lich eine Idee.Versuckw es mit einer Zeichnung", sagte ich zu meinem Freunde,endlich kannst du mal dein Talent ver­nünftig anwenden. Male einen Fisch und eine Flasche Bier, und ich werde dazu bie- und Trinlbewegungen machen." Und also gesckiah cs. Ein Strahl der ^Erkenntnis ging über das Gesicht der kleinen Geislia, sie lächelte, nickte, stand auf und eilte mit der Zeichnung davon, um den anderen Mädchen diese künst­lerische Beslellkarte zu zeigen. Eine halbe Stunde nerftridi. Mer endlich, endlich unsere Magen knurrten febou bedenklich lehrte sie wieder. Und sie brachte uns zwei fentbere. sorgsam' gefaltete Badeanzüge, ein paar Handtücher und Seife. Man sieht: Fisch und Flasche Ixxttcn ihre Wirkung getan . . .

Preisfrage. Die vor Weihnachten 1912 zum erftcnmal erschienenenMitteilungen" der Deutsckwn Dickster Ged'ichttiis- Stiftting werden auch künftig in znmngloser Folge mit reicherem Inhalt herauSgegeben und allen Mitgliedern unentgeltlich zu- gesandt. Sie sollen n. a. einenSprechsaal für die Mitglieder der Deutsckten Dickt er -Gcbädutnis Stifttmg" enthalten. Für bas nächste Heft derMitteilungen" sind Einsendungen zu folgender Preisfrage ettminscht:Wie tarnt m-an am besten in einer klein en Stabt oder auf dem! Lunde im Sinne der Deutschen Dichter Ge' dächtniS-Stifttmg wirken?" Jede Anregung darf in der flieget nicht "länger als 20 Druckzeilen fein. Auch muß sich die Stiftung in jedem einzelnen Falle die Eirtscheiduitg darüber Vorbehalten, ob eine Anregung in beitMitteiluitgen" abgedruckt werden kann. Für den Einsender der besten flhn-egnng, die in einem! Hefte derMitteilimgeit" verüsfentlickst wird, ist ein Preis von 20HmiS- bücherei"-Bänden nach freier Wahl ausgesetzt.

12 3 7 0 Mark für einen alten Schweizer Tale r. Ans einer Münzauktion in F ranIsurt a. M. wurde ein in Bellirvzona geprägter Dicktaler der Urläntone mit 12 370 Mark bezahlt.