Zweites Blatt
Nr. 24
165. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Oberheffen
Die „Lietzener Familienblätter" werden dem ,5lnteifler” viermal »vöcheiillich beigelegt, dar „KreisBlatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen 3eit- frageh" erscheinen monatlich zweimal.
Mittwoch, 29. Januar 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'ichen Unwersnäls • Buch- und Sieindruckereü
R. Lange, (Siefeeiu
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« sttaße 7. Expedition mid Verlag: öl.
Redaktion:e^l12. Tel.-Adr.:AiizeigerGie8en.
-ine weitgehende Mitwirkung der dort ansässigen Kaufmamttchaft )ci der Beratung wichtiger wirtschastl-cher Maßnahmen, zu denen mch Tarifsragen gehren, sichergestellt ist.
bejaht. .
Lin Redner wünscht mehr Entgegenkommen beim Pre is der überseeischen Depeschen aus deutschen Linien und für deutsche Auslandszeitungen. Der Staatssekretär spricht über die Versuche einer sunkentelegraphischen Verbindung zwisäzen Rauen und Togo. Sie sind durch den .Unfall des Rauener Turmes aufgehalten, werden aber mit größerer Kraft neu ausgenommen. 'Dadurch werden die jährlichen Kosten größer werden, sie betragen insgesamt 1157 500 Mk. Im Jahre 1914 wird dann dieVerbindungRauen-Togo-Südwestasrikain Betrieb genommen werden können. Weitere Ausdehnung des Rehes aus O st a s r i k a und die S ü d s e e k o t o n i e n ist beabsichtigt nebst Anschluß an Japan. Ferner führt der Staatssekretär aus, daß eine Einigung zwischen den verschiedenen drahtlosen 'Stifterneii betreffs des Dienstes von Schiff zu Schiff und nach dein Lande zustande gekommen ist und am 1. Juli dieses Jahres in Kraft tritt. Von versdpedenen Seiten wird der Wunsch ausgesprochen, daß zur rechten Zeit ein englisches W c l t m o n o - pol aus diesem Gebiet vermieden wird. Der Staatssekretär spricht dann weiter über Versuche aus dem Gebiete der Kabel und drahtlosen Telegraphie.
Morgen verhandelt der Ausschuß über die Reichseiienbahnen.
(ßcricbtsfaaL
Darmstadt, 28. Januar. Im Prozeß Soxhlet-- Wagner hatte seinerzeit der Staatsanwalt beantragt, das Verfahren gegen Prof, von Soxhlct einzustellen. Die Strafkammer des Landgerichts Darmstadt bat sich durch.Beschluß vom 7. Januar 1913 diesem Antrag angeschlossen. Professor Wagner, dessen Antrag aus Eröffnung des Hauptverfahrens somit abgelehnt ist, hat daraufhin das Hessische Ministerium ersucht, das seinerzeit von ihm selbst beantragte Disziplinarverfahren nunmehr durch- zuführen.______________________ _
Deutsche Kolonien.
Zur Errichtung von Eisen bahn rät en in den Kolonien.
Dem Wunsche des Reichstags, in den Schutzgebieten Organisationen nach Art des heimischen Eisenbahnrats behufs Mit- oirkung bei der 'Festsetzung der Eisenbahn- und Schiffahrtstarife zu errichten, ist die Kolonialverwaltung dadurch nachgekommen, daß sie für Südwestafrika einen Eisenbahnrat ins 2cben gerufen hat. In nächster Zeit soll eine gleiche Einrichtung 'ür Kamerun getroffen werden. Auch für Ostafrika dürfte voraussichtlich noch im Laufe bi es es Jahres ein Eisenbahnral geschaffen werden. Für die Kolonie Togo ist dagegen die Ein "ehung eines besonderen Eisenbahnrats wegen des geringen Um fanges der Kolonie nicht notwendig, zumal schon seit Jahren
Kaiffrs (TieHirtstaqsfeicrn.
= Rödgen, 28. Jan. Ter Kriegerverein feierte den Geburtstag des Kaisers bei Gastwirt Wagner. Ter Vorsitzende 1 n d e r t h a l hielt eine Ansprache, die mit einem Hoch auf den Kaiser endigte, Bürgermeister Stein brachte ebenfalls ein Hoch auf den Kaiser aus. . _ .
— Birklar, 27. Jan. Am Sonntag feierte der Krieger- verein unter Mitwirkung des Gesangvereins Harmonie Kaisers Geburtstag. Morgens 9 Uhr fand Kirchenparade statt, bei der Pfarrer Toering die Festpredigt hielt. Rach der Predigt trug der Gesangverein ein patriotisches Lied vor. Hiernach bewegte sich -in Zug nach dem Kriegerdenkmal, an dem die erste Schulklasse, Ortsgeistlicher, Ortsvorstand und beide Vereine sich beteiligten. Hier hielt der Geistliche eine Ansprache und legte einen vom Kriegerverein gestifteten Kranz nieder. Am Abend fanden sich beide Vereine 'bei Gastwirt Sommer ein, wo mit Gesang und Ansprache des 1. Vorsitzenden des Kriegervereins die Feier ihren
Gießen, 29 . Jan.
= Fußball. Sonntag und Montag standen sich im Gesellschaftsspiel die 3. und die 1. Schülermannschaften des hiesigen Sportvereins von 1900 und V. f. B. gegenüber. Das erste Spiel gewann der Sportverein von 1900 mit 3: 2 Toren, während im 2. Spiel V. f. B. mit 5:3 Toren Sieger blieb.
Aus den Reichstagsansschüssen.
:: Berlin, 28. Januar.
Ablehnung der Ostmarkenzulage. Annahme der Kinderzulage für die Postunterbeamten.
Der Budgetausschuß verhandelte heute über die O st - rn a r ke n z u l a g e. Bekanntlich ist bei der vorherigen .Haushaltsberatung ein Provisorium für das jetzt ablaufende Etatjahr beschlossen worden: das Zentrum hatte erklärt, daß es die Ost- maikenzulage dem Reiche nicht weiter bewilligen werde. Der Berichterstatter beantragt, bei etwaiger Streichung der Zulagen den allgemeinen Unterstützungsfonds entsprechend zu erhöben. Der Antrag auf Streichung der Zulage liegt von de« Polen vor. Die Sozialdemokraten bekämpfen den Antrag des Berichterstatters, der die Zulage auf Umwegen wieder einführen wolle. Tas Zentrum bleibt auf seinem ablehenden Standpunkt vom vorigen Jahre 'tehen. Tie fortschrittliche Volkspartei ist, nachdem vor einigen Jahren die Widerruflichkeit beseitigt warben ist, für die Zulage, da sie erhöhten Forderungen an die Leistung der Beamten entspreche. Die Kvnservattven fordern die Beibehaltung der Zulage aus Gründen der Gerechtigkeit. Sehr dringend bittet Staatssekretär Krätke die Zulage zu gewähren, da sie lOProz. des bisherigen Gehalts von 6000 in Frage kommenden Beamten entspricht, es sich also um eine Kürzung des Gehalts um 10 Proz. handeln würde. Ein Zentrumsredner empfiehlt polnische Postbeamte in ihrer Heimat zu beschäftigen.anstatt in der Provinz Sachsen. Ein nationalliberales Mitglied brandmarkt die beabsichtigte Kürzung des Gehalts als politische Maßnahme. Von Zentrumsseite wird es als falsch bezeichnet, Zulagen anstatt Gehalt zu bewilligen. Der Redner fürchtet sich nicht vor dem demonstrativen Charakter der Streichung. Wenn für a l l e gern i s ch t s p r a ch i g e n G e g e n d e u die Forderung erhoben würde, könnte das Zentrum cs erivägen, aber so müsse es als eine rem politische Maßnahme, nicht des Staatssekretärs, aber des Bundesrats angesehen werden, wozu das Zenttum seine Zustimmung nicht geben könne. Ein Konservativer weist darauf hm, daß auch katholische deutsche Beamte durch die Stteichung geschädigt werden.
Ein fortschrittlicher Antrag will das Wort „a u fee r- ordentliche" streichen. Gemäß der Haltung dieser Partei in Bezug auf das Wort „unwiderruflich". Durch den Wegfall der Zulage würde auch der gewerbliche Mittelstand leiden, wegen verminderter Kaufkraft der Beamten. Dem gegenüber weist ein Zcntrumsredner auf den Boykott seitens der deutschen Beamten hin. Ein Pole sucht nachzuweisen, daß gerade seit Einführung der Zulage die Postbeamten politisch tätig gewesen sind. Das polnische Volk sei nicht feindlich gesinnt gegen die Beamten: Reibungen entstünden nur durch gegenseitiges Mißverstehen.
Von einem Beschluß wird zunächst abgesehen und über den Antrag auf Gewährung von Kinderzulagen an die Unterbeamten in Verbindung mit den Wohnungsgelbzuschüssen verhandelt. Alle Parteien sind mit dem Grundgedanken einverstanden, es wird aber von verschiedenen Seiten nur eine Entschließung! gewünscht, da die finanzielle Tragweite des Antrages noch nicht feststehe.
Es wird dann ab gestimmt. Der Antrag auf Streichung des Wortes „außerordentlich" wird abgelehnt und hierauf die O st m a r k e u z u l a g e selbst g l e i ch f a H ? abgelehnt; die Mehrheit besteht aus Zentrum, Polen und Sozialdemokraten. Tie Kinderzulagen für Unterb eamlte wurden einstimmig angenommen. Tie Entschließung wegen Zulagen für in andere Bundesstaaten Versetzte wird abgelehnt. In der Fortsetzung der Beratung des Postetats fragt ein Zentrumsredner, ob aus den Titeln über den Bau und die Unterhaltung der Telegraphenlinien auch Linien in den Kolonien gebaut werden. Tas wird von Regierungsseite für die meisten Kolonien
Versammlung der Zchreibgehilsen.
Man schreibt uns:
Gestern tagte in Frankfurt der Verband der Schreibgehilfen bei den hessisclwn Staatsbehörden, um nochmals übet die Gehalts und Anstellungsverhältnisse zu beraten, insbesondere um auch nochmals Stellung gegen den Regierungsbeschluß zu nehmen, wo- imref) das Alter für die Anstellung erhöht und die Anstellungsvordienstzeit verlängert werden soll. Dem wichtigen Zweck der Zusammenkunft entsprach auch der sehr starke Besuch. Zwei Abgeordnete des Finanzausschusses waren auch erschienen, die Herren 'H e n r i ch und Ulrich, um sich über die Lage der Schreibgehilfen und ihrer Wünsche des näheren zu informieren.
Bei den Verhandlungen konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier ein Verzwciflnngskampf geführt wird. Die Erregung, die die Gemüter der Schreibgehilfen fesselt, findet man begreiflich, wenn man bedenkt, daß ihre Existenz aufs äußerste gefährdet ist, daß in einer kurzen Spanne Zeit über ihr Schickjal für längere Zeit beschieden sein wird. Seither waren die Anstellungsverhältnisse der Sch-reibgehilfen geregelt, die Zeit einer künftigen dekretmäßigen Ernennung so positiv fest gelegt, w*e selten bei einer anderen Beamtengruppe (dies mag hier ausdrücklich betont sein) nach 10 Dienstjahren in Staats-, Kommunal-, Kircheii- u,fn>. Dienst und zurückgelegtem 30. Lebensjahr konnten sie die Anstellung erhalten. Daß durch diefe günstigen Verhältnisse viele junge Leute, auch solche mit höherer Intelligenz als für einen Schreibgehilfen erforderlich ist, zum Eintritt in den Staatsdienst veranlaßt worden sind, braucht nicht besonders betont zu werden, denn es drängt doch alle nach einer sicheren Existenz. Solche, die bereits im Staatsdienst beschäftigt waren, blieben, selbst wenn sie int Privatdienst hatten höheres Einkommen erreichen können, in ihm. Und sie alle verblieben seither im Dienste des Staates bei n n a u s k ö m m - lichein Gehalt ausschließlich wegen 'der Erreichung der definitiven Anstellung.
Hat man nun den Schreibgehilfen bereits im Jahre 1907 ihre Aussichten zur Anstellung, das zuerst so bestimmt Abgemessene, bereits beschnitten, indem man die Kommunal dienstzeit nur ausnahmsweise anrcchnete, so sollte es damit nicht genug sein. Man will ihnen nun durch den neuen Regierungs- vorsclstag die Anstellungsniöglichkrit nicht nur lhnausschieben, nein noch mehr, man will sie ihnen überhaupt hinwegnehmen und zwar dies in einer Weise, wie es drastischer Michl geschehen könnte.
Der weitaus größte Teil der Schreibgehilfen, mindestens 70 Prozent, kann die Anstellung nach diesem Vorschlag wicht mehr erreichen. Mit ihm, der übrigens schon beinahe 2 Jahre in der Schwede hangt, sind somit alle Hoffnungen vernichtet, schwere Wunden geschlagen. 20 Prozent der Hofsnungsfrohen haben das Ziel bereits erreicht, (es ist dies die Quote, die die Regierung anzustellen beabsichtigt), weitere 10 Prozent können es vielleicht, wenn Mgänge durch Pensionierungen oder Stevbefälle erfolgen, in 20 bis 25 Jahren erreichen.
Aber die anderen 70 Prozent könnten trüben Herzens davon- Hiehen, wollten sie nicht weiterhin für geringes Gehalt, das jetzt durch den Beittag zur Angestellten-Versicherilng noch weiter gekürzt wird, und ohne angestellt zu fein, neben ihren angestellten Wllegen mit weit höherem Einkommen arbeiten.
Welch bittere Enttäuschung müßten diejenigen erfahren, die die Anstellung bereits in der Tasche zu hüben glaubten, die ihre Anstellungsvordienstzeit, wie im früheren Gesetz gefordert, bereits erfüllt oder gar überschritten haben. Haben denn diese 70 bezw. 80 Prozent nicht das gleiche Recht mir die übrigen 20 Prozent? Sind sie nicht unter den gleichen Gesichtspunkten, wie ihre Kollegen in den Staatsdienst eingetreten ? Viele haben die besten ihrer Lebensjahre dem Staate treu geopfert, haben dabei selbst noch ein finanzielles Opfer gebracht, indem sie bei dem geringen Gehalt ihr vor ihrem Eintritt erspartes Privatvermögen zusetzten, und nun werden sie schließlich gezwungen, zum Teil in einem Mter, in dem kaum ein Privatbeamter, geschweige ein Staatsbünen- steter noch an Stellenwechsel denkt, sich andere Stellung zu suchen wollten sie das zur richtigen und vollständigen Erhaltung ihrer Familie (welch letztere alljährlich höhere Anforderungen an den Ernährer stellt) nötige Einkommen herbeischafsen. Hier sei aber auch bemerkt, daß ihnen andere Stellen auch nicht gerade offen
Abschluß fand.
Garbenteich, 28. Jan. Der Krieg er verein hielt am Sonntag seine Hauptversammlung ab. Zur Eröffnung her Versammlung wurde dem Shiffer ein Hoch ausgebracht. Der Verein beschloß, am 25. und 26. Mai sein 37jäbrlges Bestehen zu feiern und damit das Bezirksfest des Hassia-Bezirks Gießen zu finden. Von den Gründern des Vereins sind noch drei q m cfxc h
= Grüningen, 28. Jan. Am Samstag hielt der Tu rn- ü er ein unter Mitwirkung des Gesangvereins eine Kaiser Geburtstagseier ab. Besonders gefielen die Gedichte und pattio- tischen Gespräche einiger Schüler. Reichen Beifall ernteten die Darsteller des .Kriegsbildes „Tie Lützower von 1813 . Der Vorsitzende brachte ein „Gut Heil" auf den Kaper aus. Mit zwei humoristischeii Ausführungen schloß das Programm cm. Der Krieg er verein hielt am Montag seine Kaisers-Geburtstagsfeier ab, in deren Mittelpunkt ein Vortrag des Lehrers M o m b c r g c r stand: „Die Rapoleoner von 1812."
(ri Trais - Hor 1 off, 28. Jan. Eine schöne Kaisersgeburt^ tagsfeier veranstaltete unsere Gemeinde. Tie Lehrer Reuhl und Kraushaar luden die Eltern zu einem Elternabend ein. Tic in dem Schulsaale von den Kindern und Fortbildungsschulern sehr schön vorgettaaenen Gedichte. Lieder und Theaterstückchen hielten Eltern und Freunde der Schule zwei Stunden lang in Spannung. Die Geburtstaasfcier wurde durch eine Festrede des Lehrers Reu h l eröffnet. Der zweite Teil des Abends beschäftigte sich mit Tierschutz: m diesem Mittelpunkte itanb ein Vortrag über den Tierschutz von Lehrer Kraushaar. Iw.' dritten Teil kam der Humor zu seinem Rechte. , .... < *
+ Eckartshausen, 27. Jan. Heute abend feierte der Kriegerverein im „Hessischen Hof" Kaisers Geburtstag. Pfarrcw Pabst hielt die Festrebe. Unter Gesang patriotischer Lieder unb Deklamationen verlief der Abend.
x Schlitz, 28. Jan. Unter starker Beteiligung beging in der Turnhalle der Militär- und Veteranenverein dm Geburtstag des Kaisers. Bürgermeister Zinßer hielt die Begrüßungsansprache. Rach einem von einer Schülerin hübsch vorgetragenen Prolog sprach Kreisrat v. Bechtold über die Ziele und Aufgaben' der Kriegervereine und überreichte dem Veteranenverein anläßlich seines 25 jährigen Stiftungsfestes eine vom Kaiser gewidmete Fahnenschleife. Im Ramen des Veteranenvereins dankte Geh. Justtzrat Wahl, ein Mitkämpfer von 1870/71 für den verliehenen Fahnenschmuck. Tie Festrede hielt Fabrikant Wilhelm Zoller. Auf den Veteranenverein sprach der Vorsitzende des Hassiabezirks LauterbackEchlitz, Rendant Fries. Rach einem flott gespielten Theaterstück: „Tas Volk steht auf, der Sturm bricht los" fand der offizielle Teil sein Ende^ , c . ,
R. Bobenhausen II, 28. Jan. Am Sonntag abend feierte unser Kriegerverein Kaisers Geburtstag beim Gastwirt Keller Ter Präsident des Kriegcrvereins hielt eine Ansprache, die mit einem Hoch auf den Kaiser- endigte. Lehrers au er hielt einen Vertrag über die geschichtliche Entwicklung Deutschlands seit den Befreiungskriegen bis 1870. Der Posaunenchor sowie der Gesangverein trugen unter Leitung des Pfarrers Büller zur Verherrlichung der Feier bei.
X Ridda, 27. Jan. Kaisers Geburtstag wurde dieses Jahr in besonderer Weise bei uns gefeiert. Die höhere Bürgerschule veranstaltete in Krafts Saalbau unter unaemeinem Andrang eine Schulfeier. Ein Schülerguartett. ein Mäbckwnreigen und ein Festgedicht, die die Rede des Rektors umrahmten, bildeten den ersten Teil der Veranstaltung. Den zweiten Teil bildete ..Tie Huldignng der Stände", ein Schülerfestspiel von Schonfelder. Am Abenb sand ein Festkommers im Gambrinus itatt.
(?) Bad-Rauheim, 27. Jan. Kaisers Geburtstag wurde heute in der herk mmlichen Weise festlich begangen. Tie städtischen und staatlichen öffentlichen Gebäude trugen Flaggenschmuck. Von der Stadt wurde abends im Sprudelhotel ein Kommers veranstaltet, der aus allen Kreisen gut besucht war und unter Leitung von Bürgermeister Dr. Kavser stand. Die Festansprache hielt Tr. med H ahn. Allgemeine Gesänge, Musikoorträge. turnerische , Aufführungen und gesangliche Darbietungen des Gesangvereins ' „Frohsinn" trugen zur Unterhaltung bei.
. = 91 bad), 28. Jan. Kaisers Geburtstag wurde
I gestern nachmittag durch einen Gottesdienst festlich begangen. Wäh- rend die Schulfeier am Morgen erfolgte, feierte der Kriegerverein am Abend Auch in der Gemeinde Dorlar wurde die Feier durch
stehen.
Es ist bis jetzt noch keiner Beamtcnkategorie passiert, daß ihr ein zuerst zu gestandenes Recht, eine Vergünstigung k. H. mit so großer Härte, wie sie hier einsetzen würde, wenn der Voranschlag der Regierung Gesetz würde, entzogen worden wäre. Selbst die neue Beamtenbesoldungsvorlage betont ausdrücklich, daß mit ihr bestehend e Härten beseitigt und Beamte, soweit ihner vorher ein höheres Gehalt oder ein sonstiger Vorteil zuteil geworden ist, was nun die Vorlage nicht vorsieht, unter keinen Umständen geschädigt werden sollten. Rur bei den Schreibgehilfen will man anscheinend eine Ausnahme machen. Tie Regierung wiN den Schreibgehilfen noch nicht einmal die Hälfte von dem- geben, was sie ilmen,z. Z. versprochen hat. Aber sie Fann sich von ihrer Verpflichtung, die .vor bem 1. Llpml 1912 eingetretenen Schreibgehilfen mit den bet ihrem Eintritt bestandenen Bedingungen aiizustelleii, nicht frei machen. Und deshalb wird sie aud) 'für alle Folgen, die aus der Umänderung des Gesriies entstehen, vollauf verantwortlid) gernadü werden müssen. Ganz besonders aber hat sie, wenn es wirklich unmöglich sein sollte, ihr früher gemachtes Gesetz auf die Dauer durch;u- fübren, die volle Verpflichtung, erträgliche und tue Schrcibge- bilfeit nickt allzusehr schädigende Uebergangsbesttrnmungen zu schaffen, durch die die obengenannten Härten nicht hervorgerusen werden. Tie Schreibgehilfen mußten bei ihrem Eintritt doch annehmen, daß, wenn der Staar ein Gesetz macht, _cr aud) bannt beabsichtigt, dies auf die Dauer durchzuf ähren. iz'ie Regierung bat seither solche GesetzesbcstimMungen, selbst wenn sie auch nur formen ansgebrückt sinb, vielleicht barin gesagt ist, eS „rann etwas gegeben werden, doch immer so gehandhabt, daß sich im Volk der Gedanke gebildet W, daß man. wenn man einmal im Staatsdienste ist, dort auch sein Fortkommen hat und daß. man dort auch das crrcidten wird, was iw.Aussicht gestellt worden ist. Die Regiei-ung htt aber mit dieser Tradition gebrochen und läßt es die Schreibgehilfen bitter fühlen.
Mer darüber müßte sich die Regierung auch klar sein und war sie sid) Wohl auch klar, daß mit Festlegung von Anstellungv- beftiminmigen für die Schreibgehilfen ein neuer etanb eine neue Beam!t.'ngruppe ins Leben treten wirb. Die Sclweibgehilsen bilden heute ein nicht zu unterschätzendes Glied in der ^>taatsverivaltung, ihre Stellen sind keine Übergangsstellen mehr, folglich dürfen Mich sie erwarten, daß sie ähnlid) wie andere Beamtenkategoncn behandelt werden. Tafe die Regierung einwendet, ine Zahl der Schreibgehilfen sei eine zu große und es könne deshalb wenig fui sie getan werden, ist ungerechtfertigt. Es gibt Beamt eng ruppe n die weit größer sind als die der Schreibgchllfen und doch in der gleichen Weise ivie aud) die kleinste behandelt werden.
Vor einigen Tagen ist nun im Finanza u s , chu ß b er Z w e i t e n K a m- m e r, ber sich über bic Angelegenheit der Schreib gehilfen sehr unterhielt, ein Antrag zur Festsetzung der ^0 Prozeii auf 30 Prozent zu Ungunsten der Schreibgehüfen entichiede? ioorben. Mit Stimmengleichheit mürbe der dahingehende Aptrac abgele^it.
Vermifcbkf.
ff. P oincares Toppelgcin g er. Alle bisherigen Präsidenten der französischen Republik haben ihre Doppelgänger gehabt, und and) Poinoars, ber jüngstgewählte Präsident, kann seinem Schicksale nicht entgehen. Ter „Gil Blas" fec-t- den Doppelgänger Poinearös ausfindig g-macht. Er freiet tz B Lepage n.id ist seines Zeichens Architekt. Seine F. -ifie i't übrigens' in Frankreich ziemlich bekannt,
Run kommt die Angelegenheit zum letzteii Mahlgange, zui KaMmerverhandlung. .Fällt sie hier unter den Tisch, bann ist um die armen Schreibgehilfen geschehen, und sicher für lange Zeit Ter Einsender wendet sich deshalb nunmehr an die Oefsentlich leit, an das Volk, bezw. an die von diesem und somit auch von den Sd)reibgehilfen erwählten Vertreter mit der dringenden Bitte dod) dazu beitragen zu wollen, daß eine Aenderuug der Besttm mungen nicht stattsindet oder dod) nur in der Weise, daß es der Schrcibgehilfen mög(id) wird, diese Last ohne größeren Schade, zu tragen. Gerade diese Schultern, die fast durdiweg schivacl sind, können am 'wenigsten Druck vertragen. Es dürfte für einen Staat, der seine Beamten auch bis auf den letzten mit einer organischen Besoldungsresorm befriedigen will, and) nicht schwe' sein, für seine Schreibgehilfen noch einige Tausend Mark auf zubringen, falls guter Wille vorhanden ist. Tiefe für einen Staat geringe Summe wird den Staatsbankrott fid)er nicht herbei führen.
Rach Ansicht des Einsenders konnte ein goldener Mittelweg gesunden werden, wodurd) wenigstens die größten Härten bei- mieden würden, wenn man den Prozentsatz, von 20 auf 40 bi? 45 Prozent erhöht. Er glaubt mit seiner dringenden Bitte an die Herren Abgeordneten nicht fehl zu gehen, zumal diese in hoher Zweiter Kammer bereits im vorigen Jahre die Anstellung der Schreibgchilfen wie in der früheren Weise besckstossen hatten.
Gottesdienst cingeleitet.
Sport.


