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Die heutige Nummer umfatzi 12 Seiten.
Leiten, welche die Verbündeten in Maz-edonien
Ich habe meinen Ausführungen vom 16. und 21. In
zwischen den Anhängern der Jungtürken und denjenigen
ocs früheren Kriogsministers Nazim Pascha ernste Zwi-! verübt haben sollen, Sir Grey: stigkeiten entstanden seien: Es sei sogar zu einem' 5*^ ornafiifinni
sichtig umgehen. Daß der private Wohnungsbau durch Beseitigung etlicher Erschwerungen erleichtert werden soll, ist anzuerkennen, die Beschaffung von Bauland zu mäßiger! Preisen ist aber auf diesem Wege nicht sicherzustellen. Hierzu bedarf es einer von großzügigen Ideen getragenen Bodenpolitik, irie ihre Augen auch gegen die Ausartungen einer das gesamte Baugelände beherrschenden Terrainspelnlation nicht verschließen darf. Mit ein paar dürftigen Polizeiverordnungcn lvird fermer für die Begünstigung des Kleinwohnungsbaus gegenüber dem üblichen System gar nichts getan. Die Ausgestaltung des Baupolizeirechts und die Einsetzung von Wohnungsämtern schaffen im wesentlichen nur Reglementierungen für das, was nicht sein soll, geben aber keineswegs an, wie die Verhältnisse in einer Hausbesitzer und Mieter befriedigenden Weise umgestaltet und verbessert werden sollen.
Vie Aussichten der Iungtürken.
Ucber Wien, wo man sich heute mancher früheren jungtürl'ischen Großsprechereien erinnert, kommt die Meldung, daß im türkischen Heere bei Tschataldscha ernste Zwistigkeiten auSgebrochen seien. Man darf diesen Behauptungen nicht zu viel Glauben schenken: daß es noch manche Anhänger Nazim Paschas dort geben mag, ist wahrscheinlich, aber die Funken werden bald ausgetreten sein. Und ob cs noch einmal wirklich zu blumigen Schlägen kommen wird, wer mag das heute sagen? Sir Edward Grey soll neuerdings die Anregung gegeben haben, Ad-rianopel zu internationalisieren, und 'wenn es heißt, daß die Balkandelegiertcn sich jetzt stundenlang in London unterhalten, so darf inan annehmen, daß dabei auch die Möglichkeit einer weiteren Nachgiebigkeit in Erwägung gezogen ist, zumal die Großmächte, um mit den indischen Muselmanen zu sprechen, jetzt wirklich ein „grauenvolles Schweigen" an den Tag gelegt haben, wozu in letzter Stunde noch die bedeutsame Meldung kommt, daß das europäische Konzert die Balkanstaaten zur Mäßigung ermahnt hätten.
In Sofia versucht man gegenwärtig, Rumänien unter allerlei Versprechungen in den Kriegsbund mit hineinzuziehen, und cs heißt nach einer Wiener Information, in Bukarest werde auch diese Möglichkeit, zu einem guten Abschluß zu kommen, erwogen. Das wird aber am Ende doch von der Diplomatie der Großmächte abhängen. In Berlin und Wien wird man auch noch einigen Einfluß aus die rumänischen 'Entschließungen haben. Der rumänische Ministerpräsident hat zwar an ein und demselben Tag einen deutschen und einen russischen Adlerorden bekommen: er wird sich aber darüb-er klar sein, daß er bei der endgültigen Abrechnung mehr auf die Fürsprache des Dreibundes -angewieesn ist, denn Rußland steht in zu engem Zusammenwirten mit Bulgarien. Die neue kriegerische Stimmung in Bukarest ist lediglich eine Mahnung, mit der Verzettelung der endgültigen Friedensabsichten endlich Schluß zu machen. Auch Herr Nowakowitsch, mit seinem neuen Briefe an die Pforte, wird sich das sagen müssen.
Wir erhalten folgende Meldungen:
Zwistigkeiten im türkischen Heere?
Konstantinopel, 28. Jan. Hartnäckig umlaufende Gerüchte besagen, daß in der Armee vor Tschataldscha
Wotnunosreform!
Das Wohnungsproblem schließt bekanntlich eine Menge von Einzelfragen in sich, zu deren Lösung ein gesetzgeberisches Vorgehen wünschenswert ist. Bisher ist man jedoch im Reiche wie in Preußen nur mit äußerster Bedächtigkeit an die gesetzgeberische Regelung der Wohnungssrage im allgemeinen herangegangen. WoW sind Ivon einzelnen Rcichsressorts sowie den Betriebsverwaltungen in Preußen und in anderen Bundesstaaten Jahr für Jahr sehr bedeutende Mittel angewiesen worden, um die Herstellung von Wohnungen für die Beamten und Arbeiter der beteiligten Verwaltungsorgane zu fördern, doch stehen diese Baukredite, welche zudem immer nur einem eng- begrenzten Interessentenkreise zugute kommen, mit der eigentlichen Wohnungsgesetzgebung nur in mittelbarem Zusammenhang. Wohl ist von der preußischen Regierung im Jahre 1904 der Entwurf zu einem „Gesetz zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse" der Oeffentlichkeit übergeben worden, doch ist dem damaligen ersten Schritt kein weiterer gefolgt, nachdem die Versuchsarbeit wegen ihrer Anlagcfehler auf allseitigen Widerspruch gestoßen war.
Eben jetzt wurde ein neuer Entwurf zu einem preußischen Wohnungsgesetz veröffentlicht, der zweifellos durch die letzte Besprechung der Wohnungstzesetzgebung im Reichstag aus der verschwiegenen Ratsstube der hohen Bureau kratie auf das Forum der kritischen Prüfung, früher als beabsichtigt war, hinausgetrieben worden ist. Denn der Staatssekretär des Innern hatte, worauf wir schon aufmerksam machten, die Drohung verlau bart, daß. das Reich ungeachtet der Zuständigkeit der Einzelstaaten im Herbst ein Wohnungsgesetz vorlegen werde, falls bis dahin eine positive Vorlage der preußischen Landesgesetzgebung nicht erfolgt sein werde.
Der vorliegende- Wohnungsgesetzentwurf behandelt die Wohnungsfrage in vier Richtungen. Er will zunächst die private Bautätigkeit dadurch an re gen, daß einige Hindernisse, die der Erschließung von neuem Baugelände zu Bebauungszwecken im Wege stehen, durch Abänderung des Gesetzes, betreffend die Anlegung von Straßen und Plätzen in Städten und ländlichen Ortschaften, beseitigt werden.
Zweitens sollen «die baupolizeilichen Vorschriften in einzelnen Punkten gemildert- werden, damit bit unterschiedliche bauliche Gntwickeffiug und die Wohn- bcdürfnifse nach Ortsteiien und Wohnstraßen besser als bisher berücksichtigt werden können.
Drittens werden in einer Wohnungsordnumg allgemeine Richtlinien für die Benutzung der Gebäude zum Wohnen und Schlafen, im besondern auch für die Unterbringung von Arbeitern festgestellt. Die Baupolizei soll ermächtigt werden, das Bewohnen untauglicher Räume, die Uebcrfüllung der Behausungen und manches andere zu verhindern.
Endlich werden Bestimmungen über die Organisation der W o h n irrt gsaufsicht in den Gemeinden getroffen.
Wer in der Wohnungsfrage auch nur einen flüchtigen "Einblick gewonnen hat, wird nach Kenntnisnahme dieses gesetzgeberischen Planes erstaunt fragen: Ist das alles? Den Verfassern des Gesetzentwurfs ist lediglich nachzurühmen ihre Findigkeit, mit der sie die, großen ausschlaggebenden Fragen des modernen Wohnungsproblems vor-
blutigen Konflikt unter den Truppen gekommen. Die authentische Bestätigung des Gerüchtes fehlt. Talcat Bey begab sich heute morgen nach Tschataldscha.
Zwei Adlcrorden für den rumänischen Ministerpräsidenten.
Bukarest, 28. Jan. Der deutsche Kaiser verlieh dem rumänischen Ministerpräsidenten Majorescu das Großkreuz des Roten Adlerordens.
Wien, 28. Jan. Die „Neue Freie Presse" meldet aus B u k a r e st: Der russische Kaiser verlieh dem Ministerpräsidenten Majorescu den Weißen Adlerordey.
Zu der rumänisch-bulgarischen Frage schreibt die Wiener „Reichspost": Maßgebende bulgarische Rreise scheinen bereit, den Wünschen Rumäniens unter der Voraussetzung zu entsprechen, daßRumänien aktiven Anteil an den Kriegsoperationen nimmt, wenn es zur Wiederaufnahme des Krieges mit der Türkei kommen sollte. Der vorgestrige rumänische Kronrat soll sich, wie wir erfahren, mit dieser Möglichkeit befaßt haben. Bereits vor Ausbruch des Krieges richtete Bulgarien an Rumänien die Aufforderung zu gemeinsamem Vorgehen Diese Aufforderung wurde aber von der rumänischen Re- gierung abgelehnt. Heute soll man jedoch auch diese Möglichkeit ernstlich ins Auge gefaßt habe n.
Die „Neue Freie Presse" meldet aus Bukarest: Morgen (Mittwoch) findet abermals ein Ministerrat unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Majorescu statt, in dem der Stand der'bülgarisch-rumänischen Differenzen besprochen wird. Auch die Kammer hält Mittwoch eine Sitzung ab, nachdem die für gestern anberaumte Sitzung wegen der Beschlußfähigkeit des Hauses nicht stattfinden konnte. Die Anfragen der Konservativen über die auswärtige Lage wird infolgedessen erst in der morgigen Sitzung eingebracht.
Gute Friedcnsausstchten.
Lo nd on, 29. Jan. (Priv.-Tel.). Es ist f raglich, ob Bulgarien A d r i a n o p e l erhält. Die Großmächte haben die Staaten des Balkanbundes zur Mäßigung ermahnt und nach Aeußerungen der Vertreter der Bcttkan- staaten ist anzunehmen, daß der Bund nur im äußersten Falle den Krieg wieder beginnen wird. Namentlich sind die Griechen und Serben, die erreicht haben, was sie wollten, sehr wenig kriegslustig.
Eine Konferenz der Baltandelegierten.
Wie das Reuterbureau erfährt, traten die Balkandelegierten heute nachmittag 23/4 Uhr zusammen und konferierten über drei Stunden. Während dieser Konferenz entwarfen und unterzeichneten sie eine Note, die sie den Türken zu überreichen beabsichtigen.
Wie das Reuterbureau erfährt, Übergaben die Delegierten der Balkanverbündeten die Note dem ältesten der Delegierten, Nowakowitsch, der sie R e s ch i d Pascha überreichen soll, sobald er es für angebracht hält. Es ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß die Note am Mittwoch überreicht wird.
Die Ausschreitungen der Balkantruppen vor dem englischen Unterhaus.
London, 28. Jan. Im englischen Unterhause sagte in Erwiderung auf eine Anfrage wegen der Grausam-
Ur. 1\ Erstes Blatt 163. Jahrgang Mittwoch, 29. Januar 1913
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Der Spa,Verenger nacp Syrakus.
(Zu Seumes 150. Geburtstag, 29. Januar.)
Johann Gottfried Seumes männlich ernste, charaktervolle Gestalt lebt in unserm Gedenken hauptsächlich fort als die des rüstig-mnntcrn Spaziergängers, der uns seine Wanderung von Grimma bis Syrakus in freimütig anschaulicher Weise erzählt hat. Ein ..Freiluftmensch" war dieser Zeitgenosse Kants, der aus furchtbar harten Schicksalen sich zu einer streng moralischen, patriotisch stolzen Wcltansicht durcharbcitete. Das Elend der Kleinstaaterei, die Greuel des Menschenhandels hatte der von hessischen Werbern gepreßte, als Soldat nach Amerika geschleppte Student am eigenen Leibe erfahren; tief grämte er sich über Deutschlands Erniedrigung, sprach in seinem Reisebericht freimütig über die despotischen Anmaßungen Napoleons und trat in seinem, von sittlicher Energie getragenen „Apokryphen" furchtlos für die Menschenrechte seiner Nation ein. Mit Fichtes Reden vereinte er sein patriotisches Wort zur Abwehr des französischen Tyrannen, und so erscheint er uns in diesem Erinnerungsjahre der Befreiung, das zugleich den Gedenktag seiner Geburt bringt, als einer jener frühen Märtyrer, die mit heißer Sehnsucht die Erfüllung ihrer Hoffnungen erstrebten und vor dem Anbruch der neuen Morgenröte weit- und schicksalsmüde dahingegangen
Seume war kein Dichter: wenn auch noch in vielen Lesebüchern seine Parabel nach Rousseau „Der Wilde" steht, deren zum gestügelten Wort gewordener Vers „Seht, wir Wilde sind doch bessere Menschen" nichts von seinen Erfahrungen in den amerikanischen Urwäldern verrät, wenn man auch noch seine Devise im Munde führt: „Wo man singet, laß dich ruhig nieder", so leiden seine lyrischen Gedichte doch unter einer moralisierten Schwere und der bittere Lebenskraft verleiht seiner herben harten Sprache eine knorrige, ungefüge Rauheit. Sein Drama „Miltiades" hat nur Bedeutung durch die Energie des Gedankens und der Gesinnung, ist ohne jede dramatische Geltaltung. Aber der Mensch Seume, wie er sich in seiner so schlicht erzählenden, von seinem Freunde Ctodius zu Ende geführten Selbstbiographie ausprägt, behält auch heute noch seinen vorbildlichen,, seinen ergreifenden Wert durch seine Schicksale imb die mannhafte Art, mit der er sic getragm. „Mit dem Hubertusburger Frieden, in einem entsetzlich kalten Winter," kam er auf die Welt, und ob- IüoIjI er nach dem glücklichen Ereignis Gottfried genannt wurde, hat er doch viele Kämpfe durchmacheii müssen.. Das große Landes- clend der Hungersnot brach über Sachsen herein; der Vater starb in Gram Und Not: die Freigebigkeit eines gutmütigen Grafen gab dem jungen Seume Gelegenheit, eine gute Ausbildung aus den Gymnasien zu erhalten und danach Theologie zu studieren. Tann kamen die religiösen Zweifel, die in dieser Zett
des siegenden Rationalismus nur wenig ernsteren Naturen erspart blieben; in einem Anfall sentimentaler Weltbürgersehnsucht „lief er mit 18 Jahren als theologischer Pflegling von der Akademie in die Welt hinein" und — den Werbern in die Hände. „Der Landgraf von Kassel, der damalige große Menschenmäkler, übernahm durch seine Werber die Besorgung meiner ferneren Nachtquartiere": an England verkauft, mußte er, der begeisterte Frci- heitsfreund, gegen die um ihre Unabhängigkeit ringenden Amerikaner kämpfen. Klassisch bleiben seine Schilderungen des Soldatcn- elends, des Transportes über den Ozean, „gedrückt, geschichtet und gepökelt iuic, die Heringe". Neben den andern zum Dienst gezwungenen Studenten der Literatur, neben dem Magister Laukhard und dem pietistisch fanatischen Neubauer, steht er als der in seinem Menschenrecht aufs tiefste gekränkte Philosoph.
Nach Deutschland zurückgebracht, entspringt er bei Bremen seinen Häschern und rettet sich in einen Fischcrkahn. „Der mitleidige Fischer, der der Menschenjagd zugesehcn hatte, hieß ihn, sich gleich auf den Boden niedcrlegen, und stieß augenbhiülich vom Lande ab. Nun kamen auch die Jäger und schossen: aber die Kugeln flogen über das Schiff, und der gleichmütige Schiffer arbeitet ruhig durch die Gefahr, bis er glücklich das jenseitige Ufer erreichte. „Hier, Freund," sagte der Mann, „seyd Ihr frei und aus oldenburgischem Grund und Boden. Gott Helf' Euch weiter." Aber nun fällt er in die Hände preußischer Werber, und er, der schon Sergeant war, wird als gemeiner Soldat nach Emden geschleppt. Bei weiteren Fluchtversuchen rettet ihn einmal ein Virgil vers und dann die flehentliche Bitte der Kinder des Generals Courbiere, der sich seiner annimmt, vor der Zerfleischung durch die Spießruten. Endlich erhält er Urlaub auf die Bürgschaft von 80 Talern hin, die ihm ein wackerer Bürger gibt. Er kehrt nicht wieder, die Stunde der Freiheit ist da. Als Magister in Leipzig, als Sekretär des russischen Generals Jgelström, als Leutnant in russischen Diensten l>at er sich dann durchgeschlagen, bis er endlich einen Ruheposten als Korrektor bei dem Verleger Göschen fand. Aber auch hier hielt es ihn nicht lange. „Zwei Jahre will ich sitzen," sagte er, „dann muß ich aber wieder ein wenig laufen. Ich will dann nach Syrakus." Und mit dem letzten Tage der zwei Jahre trat er die Reise an, „um mir das Zwerchfell auseinander, zu wandeln, das ich mir über dem Druck von Klopstocks Oden etwas zusammengesessen hatte."
Unendlich genügsam in seinen Bedürfnissen, war er ein begeisterter Anhänger jeder körperlichen Uebung und jeder Stählung des Leibes. Etwas von dieser Liebe zu Sonne und Sturni, von dieser Freude an frischer Lust und freiem Leben, beseelt von dem strengen Festhalten an dem sittlichen Gebot der Pflicht, lebt in seinen besten Schriften und macht sie noch heute lesenswert.
Hk. D r. A l fr e d H a f k e - S t i f t u n g. Der Rentier Carl H a f k e und seine Gemahlin A n n a Hafke aus Breslau haben zum Andenken an ihren am 16. Juni d. I. verstorbenen Sohn, dem Zahnarzt Dr. Alfred Haske, der Schlesischen Friedrich- Wilhclms-Universität Breslau ein .Kapital von 10 000 Mark gestiftet mit der Bestimmung, daß diese Schenkung unter dem Namen „Zahnarzt D r. Alfred H a s k c - S t i f t u n g" geführt werde und die Zinsen an bedürftige Studierende der Zayn- heilkunde, die sich durch besonderen Fleiß auszeichnen, vergeben werden.
kf. Ein Buch, das niemals fertig wird. Im Jahre 1897 erschien der erste Baud eines Werkes, das in der gelehrten Welt, bffonders aber in allen am Bücher- und Bibliothekswesen interessierten Kreisen den größten Anteil erregte. Es war der erste Band des Katalogcs der Bestände der Pariser Nationalbibliothek, der natürlich bei dem ungeheuren Reichtum dieser Sammlung überhaupt zu einem bibliographischen Nach- schlagewcrk von höchstem Werte sich gestalten mußte. Nach zwei Jahren kamen weitere zwei Bände heraus, 1908 war man mit dem Buchstaben C fertig geworden: später gelang cs auch,, die ungeheuren Wälder j)cr von den Dubois und Durand verfaßten Bücher zu durchqueren (die beiden Namen füllen allein beinahe einen ganzen Band) und gegenwärtig hält man beim Buchstaben F. Aber das Zeitmaß hat sich in den jüngsten Jalwen sehr verlangsamt, und schließlich ist der Katalog ganz in Llillstand geraten. Der Grund ist der, daß die mit der Druckausführung beauftragte französische Nationaldruckerei zu beschäftigt ist, während sie zugleich nicht ihre Zustimmung .bn-u erteilen will, daß die Drucklegung des Werkes einer anderen Preise übertragen wird. Hatten sich also die Optimisten beim Beginne des Unternehmens in bent frohen Gedanken gewiegt, daß das ganze Riesenwerk spätestens um 1920 bis 1925 beendet sein würde, so ist jetzt die Aussicht auf den Abschluß des Werkes weit, weit hinausgcrückt. Oder vielmehr die Sachen stehen so, daß dieser Katalog niemals fertig werden kann. Denn da der jährliche Bücherzuwachs bei der National- bibliothek etwa 20 000 Bände beträgt, so sammeln sich, wälwend der Katalog langsam vorrückt, bereits wieder viele Tausende, vielleicht Hunderttausende von Bänden an, die in Nachträgen katalogisiert sein wollen, und hinter diesen Nachträgen marschieren wieder andere auf und so fort. Frankreich hat also die Ehre, sich zweier Werke rühmen zu können, die nie fertig werden. Denn an die Vollendung des Wörterbuches der Akademie glaubt ja auch kein Mensch mehr.
— Verbesserung der Fernphotographie. Der „Umschau" zufolge hat der französische Physiker .Edouard 23 et in eine Verbesserung der Fernphotographie erfunden, bei der kein Selen zur Anwendung gelangt. Die Aufgabestation enthält ein


