M. Jahrgang
iehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Nr. U9 günftes Blatt
Erscheint täglich mti Ausnahme deS Sonntags.
Die „«ietzencr Famillenblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS „Hreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Di» „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Samstag, 28. Juni 1915
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gienen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« ftraße 7. Expedition und Verlag: e^5L 9iebaftien:es^ll2. Tel.-?ldr.:?lnzeigerGle8eiu
Das neue Staatsangehörigieitzgesetz.
Mit der in dritter Lesung erledigten Vorlcrge über die Reichs- und Staatsangehörigkeit ijat der Reichstag ein Gesetz verabschiedet, das von allen natronalempsindenden Kreisen als ein kräftiger Schritt zur dauernden Erhaltung unseres Volkstums cinpsunden werdest w-ird. Seit Jahrzehnten ging das Verlangen aller, denen die Förderung und Pflege des Auslandsdeutschtums am Kerzen liegt, dahin, den unerträglichen Zustand zu beseitigen, das- Hunderttauiende von Deutschen, die draußen über See sür den deutschen Namen und die deutsche Volkswirtschaft wirkten, dem Reiclw als Bürger verloren gehen und bei fremden Staaten Anschluß und Sclmtz suchen mußten. Lange "hat die Reichsleitung gezögert, diese berechttgten Forderungen zu erfüllen; erst im Jahre 1912 brachte sie eine Vorlage im Reichstage ein, die die Hoffnungen, mit denen man ihr entgegensah, in großen Zügen wahr machte.
In einjähriger gründlicher Ausschußarbeit hat das Parlament dem Regierungsentwurf die Fassung gegeben, in der er nach geringfügigen Aenderungen im Plenum nunmehr Gesetz wird.
Der Hauptpunkt des Anstoßes an dem alten Staats- angehörigkeitsgesetz war die Bestimmung, daß lNjähriger ununterbrochener Aufenthalt int Au sla n d im allgemeinen den Verlust der Reichsangehörigkeit bedeutete. Sie ist nun in das neue Gesetz nicht mehr ausgenommen worden. So können die Pioniere des Deutschtums, die im Ausland deutschem Wesen einen Weg bahnen, als wertvolle Kräfte dem Vaterland erhalten werden und seinen mächtigen Schutz genießen.
Neu ist die Besttmmung, daß den im Ausland als Kaufleute oder Gewerbetreibetide tätigen jungen Deutschen die Erfüllung ihrer Militärpflicht wesentlich erleichtert ober ganz erlassen werden Vftrm, wenn sie bei Ableistung ihrer aktiven Dienstpfticht wesentlichen finanziellen Schaden erleiden würden. Außerdem ist ihnen die Möglichkeit eröffnet, bei der Marine oder Schutztruppe zu dienen: auch für die Gestellung Jinb Erleichterungen geschaffen worden.
Die Arten des Erwerbs und V e r l u st s der Staats- angehörtgleit sind im übrigen gegenüber dem bisher geltenden Recht nicht wesentlich geändert worden. Vor allem ist auch in dem neuen Gesetz Ausländern kein Anspruch auf Aufnahme in einen deutschen Staatsverband eingeräumt worden. Der Grundsatz, daß die Zugehörigkeit zum Deutschen Reiche im allgemeinen durch die Abstammung bedingt ist, ist hier für die Entscheidung richtunggebend gewesen. Immerhin ist auch den Ausländern die Erlangung der deutschen Staatsangehörigkeit nicht unbillig erschwert. Die Einbürgerung eines Ausländers, der gewisse formale Bedingungen hierfür erfüllt hat, ist Zulässig, wrnn durch den Reichskanzler fest gestellt ist, daß keiner der übrigen Bundesstaaten dagegen Bedenken erhoben hat: in Zweifelsfällen entscheidet der Bundesrat. Die Bedenken eines Bundesstaats fönncn aber nur auf Tatsachen gestützt werden, die die Besorgnis rechtfertigen, daß die Einbürgerung des Ausländers das Wohl des Reichs oder eines Bundesstaates gefährden würde. Damit ist allen ungerechten Schikanen ein Riegel vorgeschoben.
Erleichtert ist die Einbürgerung für solche 'Ausländer, die früher schon die deutsche Staatsangehörigkeit besessen haben oder im Deutschen Reiche geboren und 'aufgewachsen sind. Und in einem FM muß nunmehr sogar ein Ausländer eingebürgert werden, wenn er nämlich im deutschen Heere gedient hat. Auch früheren Deutschen, die sich wieder im Reiche niederlassen, lann die Aufnahme nicht versagt werden.
Tas neue Gesetz in seiner jetzigen Fassung hat weiter im Gegensatz zu dem RegierunHsentwurf die Möglichkeit offen gelassen, daß ein Deutscher gleichzeitig die Staatsangehörigkeit in mehreren Bundesstaaten besitzt, und bringt zum Schluß noch ausführliche Bestimmungen über die unmittelbare Reichsangehörigkeit, die von den deutschen Beamten im Ausland und den Ansiedlern in den Schutzgebieten willkommen geheißen werden.
Im ganzen hat der Reichstag mit dem neuen Gesetz gute Arbeit gemacht. Die Härten und UnbiMgkeiten des früheren Rechts sind beseitigt: dafür ist ein modernes Gesetz geschaffen, das der voMichen und wirtschaftlichen Ausdehnung des Reiches Rechnung trägt.____________________________
Die Jahresringe der Srde.
Die Geologen vergleichen mitunter die einzelnen geologischen Schichten, die' den großen geologischen Zeitaltern entsprechen, mit den Jahresringen der Bäume, und wirklich kann man an .ihnen ba?’ Zeitalter der Erde ablesen, freilich nur nach Em Heiken, die ungezählte Jahrtausende umfassen. Die Geologie kenn: jedoä) auch echte Jahresringe, die wirklich die Anzahl der ^ahre, die seit ihrer Bildung verstrichen sind, erfcnncn lassen.
Cs ist her schwedische Geologe Gerard de Geer in Stock Holm." der seit etwa 30 Jahren diese Jahresringe der Erde untersucht und dabei zu erstaunlich guten chronologischen Angaben über die Postglazialzeit gelangt 'ist. Die „Naturwmerr schaftliche Wochcmsclwift" saßt die Ergebnisse Ieiner Arbeiten, wie er sie zulekt auf dem Geologenkongresse in Stockholm vorgetragen hat übersichtlich zusammen. Bei der Chronologie der Bongli^ial- zeit verwendet de Geer tatsächlich periodisch geickuchtete ^edi mente, in beiten der 9lbsatz eines jeden einzelnen James unter schieden worden ist. Längs einer Linie, die vom äußerlten ^uden Sd)A'bcn"' naä' dein zentralen Teile reicht, und an vielen Punkten die Jahresschichten mit regelmäßigen Intervallen ge zählt und Schrüt für Schritt zusa mm en gestellt . morben. Tie 3eit, die das Inlandeis gebraucht Hot, um diese, gegen hOU Kilometer lange Strecke zurückzulegen, hat bcitimmt werden können, ebenso die Dauer der Postglazialzeit seit dem Ruckgange des EiseS bis auf unsere Zeit. Das wichtig,te der 'p.Uglazml.m Sedimente ist ein glazi mariner Ton, der „varvig Icra , so genannt nach seinem „Wanven" oder )einer perwduchen Dichtung. Die einzelnen Schichten unterscheiden ,ich durch ,yarbe wie durch Struktur, und schon im Jolire 1878 wurde de Geer am die Aehnlichkeit mit den Jahresringen der Baume autmervam. Vier Jahre später hatte er den Zmammenhang zivochen der periodischen Schichtung deS Tones und bem. Jährlichen Ruck gange deS Inlandeises nachgewieien. Im <ahre 1889 konnte er im Nordwe ten von Stockholm kleine, aber lehr charakteristiiche Endmoränen verzeichnen, die in regelmäßigen Abstands von 200 300 Päetent ungeordnet find. Aom ÄÄre 1904 an
hat be^Ofcer seine Untersuchungen in großem Maßstabe mit Hilfe von totubfuten der Universität Stockholm und Uvsala durch geführt, deren jeder zuerst aus einer 200 .stilometer langen Linie die ,,Jahresringe" zu zählen hatte. Dabei wurden einzelne Warmen von großer Ausdehnung, bis zu 50 Kilometern Länge, aufge- funden, die deutlich bewiesen, daß sie keine örtlichen oder ge- legentlichen Ursachen hätten, sondern auf die klimatische Periode des Jahres zurückgingen. Es wurden also bei diesen Unter suchungen gewissermaßen die chronologischen Auszeichnungen ausgesucht, die das zurückweichende Eis und die Gletscherwasser im Laufe jedes Jahres hinterlassen hatten.
Natürlich sind diese Aufzeichnungen nicht so lückenlos, wie etwa die eines Registrierbarometers, doch hat de Eleer mit feinen Mitarbeitern zu ia mm en genug Material für sichere Schlüsse zusammengebracht. Beispielsweise hat der feit 1796 völlig trockene Ragnnde See 400 spätglaziale Tonlagen, von 700 Lagen eines schwarzgcbänderten postglazialen Fjordtones überlagert, ergeben. Das Ergebnis in Bezug auf die Chronologie der Postglazialzeit, zu dem de Geer durch feine Methoden gelangt ist, lautet un gefähr: die ganze gotiglaziale Subepoche oder die Zeit, während der das Eis von Zentralschonen über das alte Gotia bis zu den Fennoskandischen Moränen zurückging, beträgt nicht mehr al-5 3000 Jahre. Das Ende der letzten Eiszeit oder die siniglaziale Subepoche Fann auf nahezu 2000 Jahre geschätzt werden. Danach haben die beiden letzten Siwepochen der letzten RückzugSperiode des Eises, die gotiglaziale und die siniglaziale Zeit, zusammen chua 5000 Jahre erreicht, aber wahrscheinlich nicht überschritt, n.' Zur Entstehung der ganzen postglazialen Schichtenserie mögen etwa 7000 . Jahre nötig gewesen sein. Dieses letzte Ergebnis ist noch nicht endgültig. Somit liefert de Geers Methode der Zeitbestimmung nach „Jahresringen" eine Chronologie für die spät auartärc, den spätglazialen und den postglazialen Abschnitt umfassende, Zeitstrecke von 12 000 Jahren.
Line schauerliche Mordtat.
Sl Ko ttbns, 26. Juni.
Unter großem Andrange des Publikums begann beute vor dem hiesigen Schwurgericht die Verhandlung gegen die 35jährige Witwe Köckeritz, deren verstorbener Mann Karussellbesitzer war und zuletzt in der Grünstraße in Drebkau wohnte. Der Mann wurde vor etwa sieben Jähren von einem Eisenbahnznge zermalmt tat anfgesunden. Schon damals schwirrten allerhand mrdäckäige Gerüchte über die Frau umher, es gelang aber nicht, ihr etwas uad nuveisen. In der Folgezeit versuchte sie einmal bei einem! 'Streit mit ihrem Hauswirt, diesen mit der Axt nieder zu schlagen In Tebkan stand Fran Köckeritz in dem Rus, einen wicht gerade untadeligen Lebenswandel zu fuhren. In letzter Zeit war ein gewisser Karl Fröhlich bei ihr Kostgänger, lieber bie Person dieses Mannes — er war etwa 25 Jahre alt — ist bis jetzt' noch nichts Genaues bekannt Ungefähr Mitte März wurde'Fröhlich vermißt. Auf Befragen einiger Nachbarinnen gab die Köckeritz zur Antwort, daß er für immer verreist sei. Mitte März inndye sich in der Umgebung der Wohnung der Fran Köckeritz ein übler Geruch bemerkbar, der schließlich das ganze Arbeiterviertel vor- pestete. Eine Frau machte den Gendarmen darauf aurmerffam, daß es na>ch verbranntem Fleisch und Knochen rieche. Däs Haus der Witwe, dessen Tür verschlossen und dessen Fenster mit Brettern vernagelt waren, wurde jetzt beobachtet. Gegen 11 Uhr abends entschloß sich der Gendarm, mit Hilfe eines "Polizisten einzudringen. Die Frau weigerte sich zu öffnen« weshalb der Gendarm ein Fenster erbrach und mit schußbereitem Revolver einstteg.
Bei der darauf vorgenommenen Haussuchung wurde eine grausige Entdeckung gemacht. In der Feuerung des Küchenherdes fand man die Ucbcrrei'te verkohlter und verbrannter Knochen. Fe> wr wurden ein blutbeflecktes Messer, ein Beil und ein blutiger Sack gefunden. In der Schlafkammer entdeckte man eine große Blut lache, die durch daraus gestreute Erde zu beseitigen versucht worden war. Unter dem dringenden Verbackt, ihren Kostgänger Karl Fröhlich ermorbet, zerstückelt und verbrannt zu haben, wurde Frau Köckeritz verhaftet.
Den Vorsitz im Gerichtshöfe führt Landgerichtsdckekwr Robe, die Staatsanwaltschaft wird durch den Ersten Staatsanwalt Dr. Rickardi vertreten: die Verteidigung liegt in den Händen des Rechtsanwalts Schiernäng. Zu der Verhandlung sind 43 Zeugen und vier Zack verständige geladen.
Die Angcklagte erklärt bei ihrer Vernehmung, daß sie am 17. April 1877 in Tübrichen im Kreise Luckau geboren sei. Sie ivar verheiratet mit einem Schrankenwärter, der im September 1905 starb, und tat eine Tochter von 13 Jahren. Der Erbst- nungsbeschkuß lautet auf Mord an dem Arbeiter Fröhlich und Beiseitesckastung der Leiche. Vorsitzender: Sie sollen den Arbeiter Fröhlich, mit dem sie in wilder Ehe lebten, getötet, die Leich" zerteilt und teilweise im Ofen verbrannt haben Angeklagte: Er war bei mir Arbeiter, schon als ich in Rehnsdorf wohnte. Bors.: Fröhlich war also bet Ihnen Arbeiter, waren Sie mit ihm zufrieden? Angekl : Rein, er hatte keine rechte Lust zum Arbeiten. Im Februar kam dann ein anderer Arbeiter, Hoick, yu mir Bors.: War das derselbe, mit dem Sie einige Jahre vorher in wilder Ehe gelebt hatten? Angekl.: Ja. Hoick kam zu mir in das Schlafzimmer, als ich das Bett machte. Fröhlich tarn hinzu, er war sehr eifersüchtig und hat nun sofort den Hoick mit einem Beil erschlagen, weil er glaubte, wir hätten miteinander verfcTrrt. Bors.: Das ist ja wieder etwas ganz Neues. Angekl.: Es ist aber wahr. Fröhlich hat dann die Ltiche im Ofen verbrannt. Bors : Er muß sie dock erst zetteilt haben ? Angekl.: Das hat er auch getan
Die Angeklagte erzählt dann von einem Streit, den sie eines Tages mit Fröhlich hatte. Sie floh bal r in die Küche, in der sie sich einschloß,. Als sie nach längerer Zeit wieder in die Stube Farn, habe Fröhlich mit durchschnittener Kehle auf der Erde gelegen. Auf dem Tistb befanb sich ein Zettel, auf dem er lmit- teilte, er habe Selbstmord begangen, weil er den Hoick erschlagen habe. Bors.: Sie haben in der Untersuchung angegeben. Sie hatten, als Sie die Leicbe zerteilten, das Her; des getöteten Fröhlich aus der Brust geschnitten, gebraten und gegessen. Sie haben dem Untersuchungsrichter sogar erklärt, es hätte Ihnen sehr gut geschmeckt. fGroße Bewegung. Angekl.: Das habe ich nicht getan. Bors.: Sie haben es aber doch dem Unterfuchunas- röf ter erMhlt. Die Angeklagte schweigt. Bors.: Wollen Sic daS heute beitreiten ? Die Angeklagte i'cksveigt werter. Vmst.: ES stech ausdrücklich in dem Protokoll, daß Sie das dem Unter suckungsrichter freiwillig erzählt haben, ohne daß er Sie danach fragte. Aus welchem Grunde haben Sie das Herz gegessen^ Angekl.: Ich habe es nicht gegessen, dos ist nicht wabr. Ter Vorsitzende bemüht sich nun, aus der '.'Ingcffagtcn bn-auszu bringen, weshalb sie in ihren Aussagen so häufig gewechselt habe. Tie Sache läßt sich aber nicht n-eiter aufklären.
Die Vernehmmig der Angeklagten ist damit beendet und es tritt eine kurze Pause ein.
In der NachmittagS''itzung trat das Gericht nochmals in die Vernehnmng der Angeklagten ein, um die verschiedenen Widerspräche auftuklären. Die Angellogte .behauptet jetzt, sie habe den Fröhlich nur verbrannt, aber nicht getötet. Verbrannt habe sie ihn, weil nc die Aicke immer bei 'ich haben.tvollte.
Es wird daun in bie Bewersoufmchmc eurgstreien, die nichts VLfQülich- Lenes yttage vnteL
Nach einer abermaligen Pause wurde di" Angcklaatt wiederum in ein Kreuzverhör genommen, um vcrscküedenc Widerspruche in ihren Aussagen fei tzu stell en. Darauf wurden die Berltzind- lungen auf morgen vettagt
4 Kottbus, 27. Juni
Heute vormittag war zunächst ein Lokaltermin tu der Wohnung der Angeiiagten in dem etwa 11 Kilometer von Kott- bus entfernten Städtchen Drebkau angesetzt.
')iatb Eröffnung der heutigen Sitzung wurde die AngeNaate wiederum in ein kurzes Kreuzverhör genommen. Hierauf wurde in der Zeugenvernehmung sortgeiahren. 2ie Verhandlung wird fortgesetzt.
vermischte».
__ — Vögel und F l u g m a i d> i n c u Daß ein genaues Studium des Bvgclftugs wichtige Ausschlüsse rür die Konstruktion der Flugmaschinc geben kann, ist eine Ueberzeugung, die alle Bahnbrecher auf diesem Gebiete gehabt haben, die ihre Arbeit stets mit einer eingehenden Beobachtung der fliegenden Vögel' begannen. Auch die Wissenschaft hat sich dieses Problems In’- mäcktigt, und neuerdings hat besonders der französische Forscher Magnan eine Reihe von Untersuchungen an Vögeln durchgeführt, hie, bemerkenswerte Ergcbniisc gezeitigt haben. Er hat icstgcstellt, daß bei allen fliegenden Vögeln die Vcrhaltnifsc ihrer Körpermaße gleich bleiben und einer regelmäßigen Beziehung zu dem Guvicht, das sie zu befördern haben, stehen. Die Natur würbe danach einen wertvollen Fingerzeig für die Flugkunst liefern, da man die Maßberechnung der Vögel auf den Dau der Flugmaschinc übertragen könnte Magnan hat 200 Vögel, die zu 76. Arten Mhörten, untersucht, und zwar im Naturzustände, ohne daß sie im Käfig gelebt Härten: alle wurden mit der Büchse aus der Luft herunicrgeholi und sofort nach dem Tobe genau gewogen und ausgcmessen. Tic Oberfläche ihrer Flügel wurde genau in Quadratzentimetern bestimmt, die Länge und Breite des Flügels und des Schwanzes in Zentimetern aingc.ncidmct und auch die Einzelgewichte genau in Grammen tcftgcitcllt. Tabei zeigte sich, daß die charakteristischen Merkmale tx’S Vogels variieren je nachdem er den Gleitslug, den Scgetilug obcr~ den Rudererslug ausübt, daß aber bicir Merkmale bei den Individuen derselben Gruppe so gleichmäßig itncber[ehren, bau mart sie sür die Praxis als konstant anncbnicn kann Magnan Hain« fixiert dabei die Vögel folgendermaßen: Raubv-igel, die. vor allem den Gleitftwg ausführcu, Schwimmvögel, die den. Segel- flug audüben, und Ruderervögel, wie Sperlinge und Hühiiw- a-icn. Es sind nun die Vogel der ersten Grupvc, deren Flug sich am mcisteii dem der Flugmaschinen, und zwar der Eindecker, nähert. Ta nun in dieser Gruppe ein Vogel von 500 Gramm bicicfben Verhältnisse in seinen Körpermaßen atmveist, wie ein Vogel von 10 Kilogramm, so muß man annehmen, daß auch ein Vogel dieses Typs der Gleitftieger, der 500 Kilo wiegen mürbe, btefefben Verhältnisse zeigen würde. Auf Grund dieser Annahme hat Magnan berechnet, welche Maße ein solcher Ricsen- vvgel von 500 .Stile, der also etwa das Gewicht eines Eindeckers hätte, haben müßte, und er ist zu folgenden Zahlen gelaunt: Flügeloberflache 14,970 Quadratmeter, Gewicht der Flügel 98,5 Kilogramm, Spannweite 10,5 Bieter, Breite des Flügels 1,87 Meter, Länge des Sckiwanzes 2,06 Meter, Lange des Apparates 4,67 Meter. Abgesehen von der Länge, die erheblich geringer ist als die unserer heutigen Flugmasckcknm, linb diese Maße in der Tat nicht sehr verschieden von denen der üblichm Typen. Das Gewicht ist freilich sehr verschieden, je nach den Baustoffm, und man sucht natürlich zu einer immer größeren Leichtigkeit der Maschinen, bei gleichbleibender Wider- itandskraft, zu gelangen, da ein lieberschuß an Kraft eine Vermehrung der Sicherheit bedeuten würde.
vüchertifch.
— Gin guter R a t für Wanderer. Jeder Wanderer ttiuß mit einer guten Karte ausgerüstet sein TieS haben die Wandervereine längst erkannt und ihren Mitgliedern zu billigen Preisen Karten der von ihnen bevorzugten Gebiete zugängttch gemacht. Auch die deutsche Reichskatte 1 : 100000 wird, da sie sehr zuverlässig und billig ist, letzt von vielen Tausenden von Wanderern benützt. All diese Karten vermögen dem Touristen vieles zu sagen, allerdings nur dem, der sie lesen kann: denn das Verstehen einer Katte ist ztvar nicht schwer, aber unter den Hunderttausenden von Wanderfreimoen sind doch viele, die sich nur recht und schleckst in dem Wegenetz ihrer Katte zurechtfinden. Was sonst die Katte zu sagen weiß und ivodurck die Wanderungen erst interessant werden, das können die meisten nicht aus ihr herauslesen. Ta ist es denn sehr zu begrüßen, baß ein Fachmann, der seit vielen Jahren in der kartographischen Werssiatt sitzt und an der Karte des Deutschen Reiches seine Praxis ausübt, üdi zur Herausgabe eines Schlüssels zum klaren Verständnis einer topogravhftchen Katte entschlossen fat. W i e liest in a n eine Karte? Einführung in das Verständnis topographnd-er Starten. Bearbeitet und herans^egeben von Ernst Steinau, Vcatto- gravb im Württ. Kriegsminftterium. Mit sechs erlänternoen Tackln. Preis nur 50 Pfg. Bei ^Partiebezügen von Vereinen, Sdiulen nfw billiger. Verlag von Strecker u. Schröder in Stuttgart. Wir können bie Arbeit, die auch das Hochgebirge beruck- sicktigt, auss beste empfehlen.
Verantwortlich für „Ans Stadt und Land" i. V.: K. N e u r a t h.
Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.
Juni
Wetter
191;
27. 2‘6
748,0
17,2
9,1
62
W
2
8
Sonnenschein
27. S’4
750,2
12,1
9,8
.3
w
2
10
Regen
28. 7 "*
752,2
11,8
8,7
84
w
2
9
Beiv. Himmel
Höchste Temperatur am 26« bis 27. Juni --- + 17,8 • C.
Niedrigste , , 26. , 27. , — 4- 11,9 * C.
Niederschlag: 7,2 mm»
MotorV<igeii-Fa hmider
Mao Preisliste.


