Ausgabe 
24.11.1913 Zweites Blatt
 
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Nr. 276

Zweites Blatt

M. Jahrgang

Giehener Anzeiger

Erscheint tigUch mtt Ausnahme deS Sonntag-.

Eeneral-Anzeiger für Vbtchefjen

DieGießener LaonllenlilLtler" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da- Kreisblett für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit- jragen" erscheinen monatlich zweimal.

Montag. 24. November sysZ

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheo Universität- - Buch- und Steiudruckerei.

R. Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition und Truderet: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:S-^112. Tel.-Adr.:Anzeiger Dießen,

Der Lnlwurs über die Wiederaufnahme eines viszipimarverfahrens für Reichsbeamle

wird in den nächsten Tagen" dem Reichstage vorgclegt werden. DrewichtigstenBestimmungendes Entwurfes sind folgende:

Die Wiederaufnahme eines Verfahrens kann zugunsten und zu ungunsten eines Beamten erfolgen, mittels Antrags eines B- antten oder seiner Erben oder mittels Antrags der Behörde. D i c Wiederaufnahme zugunsten des Verurteilten fin­det statt, »nenn aus Entfernung aus dem Amte erkannt ist, »nenn' <nne im § 399 Str.-V.-O. (Nr. 13) bezeichnete Voraussetzung vorliegt oder neues Tatt'achenmaterial beiaebracht werden kann, das beweist, -ast ifein begründeter Verdacht eines die erkannte Strafe rechtfertigenden Dienstvergehens mehr vorliegt.

Die Wiederaufnahme zu ungunsten des Be­amten findet statt in den dem § 402 St.-P.-O. entsprechenden: Fällen, roenn angenommen werden kann, dast ans Dienstentlassung zu erkennen sein wird. Das Verfahren kann jedoch nur in den folgenden 5 Jahren nach Erlast des ersten Urteils wieder aus­genommen werden. Wird ein Antrag auf Wiederaufnahme durch die Disziplinarkammer abgelehnt, so ist binnen 7 Tagen Beschwerde Zulässig.

Wird im Wiederaufnahmeverfahren ein Beamter, der entlassen war, freigesprvcheir oder ju einer geringeren Strafe verurteilt, so erhält er vom Tage der früheren Bestrafung ab nachträglich die Bezüge eines zur Disposition gestellten Beamten. Ist der Beamte bereits gestorben, so haben die Hinterbliebenen Anspruch auf gesetz­liche Hinterbliebenen-Versorgung, die vpm Todestage des Beamten nachzuzahlen ist.

Diese Vorteile treten aber nicht ein, »venn der Beamte nach dem ersten Verfahren bis zum Zeitpunkt des Wiederaufnahmever­fahrens gerichtlich bestraft worden ist oder ein Verhalten beobachtet hat, das den Verlust des Anttes nach sich (zieht. Die gerichtliche Bestrafung must so gestaltet sein, dast sie die Strafe der Dienst-; cntlassung im aktiven Dienste bewirkt hätte. Auch gegen diese Ein- weirdimgen ist der Beschwerdeweg zulässig.

Im Wiederaufnahmeverfahren Freigesvrochene werden vom Reichsfiskus cntschädiat, Minderungen des Dicnsteinkommens und Geldstrafen werdeit erstattet.

Alle bisherigen Disziplinarverfahren können wieder ausgenom­men werden, zu nnqnnsten des Beamten, also seitens der Behörde, nur 5 Jahre nach dem ersten Urteile.

politische SagerscbarL.

Die Fraktionen des Reichstags

halten am 25. und 26. November Sitzungen ab, um zu dem vorliegenden neuen Material, vor allem dem Spionagegesetz und den Anfragen Stellung zu nehmen.

Die erste Lesung des Voranschlags beginnt Anfang De­zember. D»e näheren Arbcitsdispositionen wird der Aelte- stcnrat noch festsctzen. Es ist leicht möglich, daß die Weih­nachtsferien erst am 17. oder 18. Dezember beginnen. Ob vor Weihnachten noch Wahlprüfungen vorgenommen werden sollen, wird Gegenstand von frak(ionellen Besprechun- geir sein. In der ersten Woche wird man wohl kaum zu Wahl­prüfungen kommen, weil die Zeit von der ersten Lesung des Spionagegesetzes und üon den Anfragen in Anspruch genom­men wird. Es verlautet auch, daß die Zurückverweisung ein­zelner Wahlen an den Ausschuß versucht werden soll. Der Würde des Parlaments würde dieses Hinauszerren kaum entsprechen.

Deutsches Reich.

Der Entwurf über die.Verlängerung des .Handelsprovisoriums mit England geht dem Reichstage noch in dieser Woche zu. Der Entwurf dürfte in einem Ausschuß beraten werden. Wie wir hören, wird bei dieser Gelegenheit von der Regierung Aufschluß verlangt werden, ob nicht in absehbarer Zeit auch mit England ein fester .Handelsvertrag, vielleicht 1917, abgeschlossen werden kann.

Eine Ausstellung für Städtebau und Woh­nungswesen. In Karlsruhe fand tun Samstag nach­mittag in Gegenwart des Großherzogs und der Groß­herzogin in der Festhalle die Eröffnung der Ausstellung für Städtebau, Siedelungs- und Wohnwesen statt. Eingeleitet wurde die Feierlichkeit vormittags um llVs Uhr durch einen Vortrag des Regierungsbaumeisters a. D. Langen in der Aula der Technischen '.Hochschule. Der Redner behandelte das ThemaDie Besiedelung der Erde und die Aufgaben eines Arbeitsmuseums für Siedelungswesen, Städtebau und Wohnwesen".

Das Nachspiel zum Vorgang von Zabern. Wie verlautet, ist das Dom Oberst v. Reuter voin 2. ober­rheinischen Infanterieregiment Nr. 99 cingereichte Ab­schiedsgesuch vom Kaiser nicht genehmigt worden.

Ausland.

Die Auslandsreise des österreichischen Thronfolgers. Wie das Reutersche Bureau erfährt, ist die Meldung, daß Erzherzog Franz Ferdinand auf der Rückkehr von England Paris besuchen werde, unrichtig. Nach seinem Besuche dein: .Herzog von Portland wird der Erzherzog nach London zurückkehren und dann am 30. No­vember direkt nach Wien reisen.

Der internationale Zollkongreß in Paris sprach sich in seiner Schlußsitzung dafür aus, regelmäßig wiederkchrcnde Konferenzen einzuführen und ein ständiges Surcan für die Regelung der Zollfragen zu errichten.

Eine Ministerkrisis in Frankreich. Der Ob­mann des französischen Budgetausschusses Cochery er­klärte einem Berichterstatter, daß der Anleiheentwurf vor­aussichtlich am nächsten Donnerstag in der Kammer zur Erörterung gelangen werde. In den Wandelgängen der Kammer wurde erzählt, daß Ministerpräsident Bart Hou entschlossen sei, bezüglich der vom Fmanzimmster geforder­ten Summe von 1800 Millionen, die vom Budgetartsschuß auf 900 Mill, verringert worden ist, die Vertrauens­frage zu stellen. Bon der radikalen Opposition dürfte bei dieser Gelegenheit ein sck)wrfer Ansturm gegen das Kabinett unternommen werden. Man glaubt, daß außer dem Ob­mann des Steuerausschusses, der die zur Deckung der An­leihe vorgeschlagene Kapitalerbschaftssteuer bekämpfen will.

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auch der Führer der Radikalen, der ehemalige Minister­präsident Eaillaux, das Wort ergreifen werde.

Der König von Spanien ist am Samstag nach­mittag in Wien eingetroffen und am Bahnhofe von seinen Verwandten und Mitgliedern der spanischen Botschaft emp­fangen worden. Der König fuhr nach dem Palais des Erz­herzogs Friedrich. Die vor dem Bahnhofe angesammclte Menschenmenge begrüßte deit König sehr freundlich. Am Sonntag vormittag fuhr der König in der Uniform eines österreichisch-ungarischen Generals nach Schönbrunn, wo er dem Kaiser einen halbstündigen Besuch abstattete. Nach­dem er sich herzlich vom Kaiser verabschiedet hatte, fuhr der König nach der Hofburg, mittags wohnte er einem Frühstück beim Erzherzog Eugen bei. Nachmittags fuhren der König, ferner Erzherzog Friedrich mit Gemahlin und Töchtern und seinen Schwiegersöhnen, dem Prinzen Elias von Botirbon-Parma, dem Erbprinzen Emanuel zu Salm- Salm, dem Prinzen Gottfried zu Hohenlohe-Schillings­fürst, sowie dein österreichisch-ungarischen Botschafter in Madrid nach Grotzseelowitz (Mähren), wo sie um 41'2 Uhr in dem Schlosse des Erzherzogs Friedrich zum mehrtägigen Jagdaufenthalt eintrafen.

Ein Erlaß des Königs von Montenegro. Das montenegrinischeAmtsblatt" veröffentlicht einen Auf­ruf des Königs betreffend die Einverleibung der neuen Ge­biete, der besagt:

Die neuen Gebiete sind, obwohl sie zn unfern Opfern in keinem Verhältnisse stehen, und obwohl wir gezwungen waren, das uns durch die Tradition heilige Skutari, sowie das eroberte Küstengebiet int Interesse des euro­päischen Friedens unter dem Druck der Mächte aufzu­geben, immerhin bedeutend. Unser Neuerwerb gestattet unS, auf eine glänzende Zukunft zu vertrauen. Es »wird die Sorge meiner Regierung'sein, den Untertanen in den neuen Gebieten die Sicherheit der Person und des Eigentums zu verbürgen und ihnen die Wohltaten einer guten Justiz, eines modernen Unterrichts, sowie der Reli- gionS- und Geivissensfreiheit zu sichern. Der traditio­nelle Grundsatz meines Hauses, jeden als Bruder zu behandeln, weS Glaubens er immer sei, wird streng geachtet werden.

.Hinsichtlich der Verwaltung der neuen Gebiete erklärt der Aufruf, daß sie bis zur gesetzlichen Regelung unter An­wendung der bestehenden Gesetze verwaltet würden.

Aus Stabt und fand»

Gießen, 24. November 1913.

Auszeichnung. Der Grobherzog verlieh am 19. November dem Steuerboten Peter Roth in Offenbach bei feinem Ausscheiden aus dem Dienste daS Allgemeine Ehren­zeichen mit dec InschriftFür langjährige freue* Dienste^.

Schulwesen. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Hausen, Kreis Gießen Mit dec Stelle ist Organistendienst verbunden. Am 18. November wurde dem Lehrer Heinrich Brückel zu Wohn­bach, KreiS Friedberg, die 2. Lehrerstelle an der Volksschule zu Griedel in demselben Kreise übertragen.

** Maul- und Klauenseuche und Schweine- seu ch c. lieber den Stand der Maul- und Klauenseuche und Schweineseuche und Schweinepest am 15. November gibt der Reichsanzeiger" eine amtliche Veröffentlichung bekannt. Danach ist Hessen von der Maul- und Klauenseuche voll­ständig frei, auch die Schweineseuche und Schweinepest ist im Verhältnis zu den übrigen Bezirken und Bundesstaaten in Hessen ziemlich geringfügig. In Oberhessen ist die Schwcinefeuche in 9 OKhöften verbreitet, die sich auf 4 Ge­meinden und 3 Kreise verteilen, in Starkenburg in 19 Gehöften, 11 Gemeinden und 5 Kreisen und in Rhein­hessen in 4 Gehöften, 4 Gemeinden und 2 Kreisen. Neu sind davon in Oberhessen 2 Gehöfte, in Startenburg 6 Ge­höfte in 3 Gemeinden und in Rheinhessen 2 Gehöfte in 2 Gemeinden betroffen. Des Vergleiches halber fei der uns nicht allzu ferne Regierungsbezirk Wiesbaden angeführt, wo zurzeit die Schweinesenche in 47 Gehöften in 43 Gemein­den und 10 Kreisen grassiert. Im gesamten Deutschen Reiche herrscht die Maul-'und Klauenseuche auf 576, die Schweinefeuche und Schweinepest auf 3757 Gehöften.

** Her mann-Levi st raße in ncheu. Wir be­richteten vor einigen Tagen, daß in München zu Ehren des ver­storbenen Generalmusikdirektors Hermann Levi eine Straße mit dessen Namen benannt wurde. Hierzu wird uns aus unserem Leserkreis mitgeteilt, daß der berühmte Wagner-Interpret und Dirigent des ..Wagner-Orchesters in Baireuth Hermamr Levi als Sohu des Rabbiners Dr. Benedikt Levi in Gießen ge­boren ist, er hat hier seine Jugend verlebt und mit treuer Liebe bis zu seinem Tode an .seiner Vaterstadt gehangen. Levi hatte |in Gießen mehrere Jugendfreunde: und obgleich diese einfache Handwerker waren, hat sie dec gefeierte Künstler bis in fein Älter hinein nicht vergessen. Sein Busenfreund in der Neuen Büre hatte stets, wenn Hermann Levi in Gießen war, sich seines Besuchs zu erfreuen. Aber auch die Mutter T a m b m a n n, welch)? vor einigen Jahren im Siechenhaus verstorben ist, und die vor 12 Jahren noch ihren Obsthandel hatte, erfreute sich der besonderen Gunst des Generalmusikdirektors. Dieser war nie in seiner Vater­stadt, ohne die Alte aufzusuchen, mit ihr zu plaudern und eine Düte Obst zu Taufen, die er dann auch fürstlich bezahlte. Tie alie Tambmännin, die ja viele vornehme Gönner, besonders unter den alten Herren der Starfenburgia, hatte, war auf die Freund­schaft des Generalmusikdirektors aber besonders stolz, und'machte ihm auch häufig in seines Vaters Wohnung Gegenbesuche, wobei sie dann in Staats kl eideru erschien. Vor 20 Jahren gastierte Possart auf Veranlassung Levis zum erstenmal in Gießen im Rabbs Sichel von Erdmann Schattiert.

** T ie Stellenvermittlung des Frankfurter H a u s f r a u e n b u n d e s hat es sich auch in diesem Jahre zur Ausgabe gemacht, solche Mädchen zu prämiieren, die durch seine Vermittlung Stellung erhalten haben und ein- oder mehrjährige Zeugnisse für treugeleistete Dienste aufweisen können. Die Damen, welche auf dem Bureau der Stellenvermittlung ehrenamt­lich tätig sind, lassen es sich in qrftr Linie angelegen sein, die Mädchen, die Stellen suchen, darauf hinzuweifen, daß em häufiger Stellenwechsel für die Mädchen selbst weder materiell noch moralisch von Nutzen ist. Mit welchem Erfolg dieser Ver­ein arbeitet, beweist, daß bereits in diesem Jahre 80100 Mäd­chen prämiiert werden. Es ist zu hoffen, daß die Prämiierung,

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ein weiterer Ansporn ist und dast die stellensuchenden Mädchen einsehen, daß cs dem Verein nicht allein darum zu tun ist, Stellen zu vermitteln, als darum, daß durch die 'Tätigten deS Vereins zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein angenehmes, dauerndes, beide Teile befriedigendes Verhältnis hergestellt werde. Tie Prämienverteilung findet am 21. Dezember, nach­mittags 5 Uhr, im Alten Kaufmännischen Verein, Langestr. 26, statt.

KrciS Büdingen.

§ Nidda, 24. Nov. Die Firma HimmelSbach in Freiburg i. Baden, welche in Eichelsdorf ein großes Tamvf- fägewerk besitzt, erbaut in der Nähe hiesiger Stadt, an der Dauernheimer Straße eine zweite Holzschneiderei mit Jmprägnieranstalt. Die Stadtverwaltung hat der Firma ein großes Gelände (etwa 54 hessische Nocmalmorgen) zu 15 000 Mk. käuflich überlassen. Da die vor mehreren Jahren erbaute Kreisstraße das Gelände durchschneidet, muß sie ver­legt werden. Der Kreis zahlt ein Drittel zu den Baukosten.

-u- Lorbach, 22. Nov. Bei der Gemeinderats­wahl wurden die Landwirte Heinrich Faßbinder II., Heinrich May IV. und der Weißbinder Ernst Schäfer I. gewählt.

Kreis Friedberg.

r. Bad-Nauheim, 23. Nov. Eine scharfe Maßregel bat die Polizei gegen Wirtschaften mit weiblicher Bedienung ergriffen. Am Samstag erhielten die be­treffenden Wirte eine Zuschrift, nach der sie aus Gründ dec Polizeiverordnung von 1904 ihren Betrieb um 10 Uhr schließen müßten. Abends machten Polizeibeamte die Runde und verlangten, daß etwa anwesende Kellnerinnen daS Feld räumten oder daß die Wirtschaft geschlossen würde.

X. Butzbach, 21. Nov. Dii Butzbach Sieber Eisen­bahn- Aktiengesellschaft hielt, wie wir bereits kurz mit» teilten, am Freitag ihre ordentliche Hauptversarnm- lang ab. ES wurde zunächst der Herabsetzung desGrund- ka pit als um 111 000 Mark auf 1 756 000 Mark durch Ver­nichtung von 111000 Mark Aktien zur Beseitigung einer am 31. März 1912 vorhandenen Unterbilanz zugestimmt; ebenso der sinnentsprechenden Aeirdernng des § 3 des Gesellschaftsver­trages. Weiter wurde genehmigt ein zwischen den Obligations­inhabern, der Firma Lenz n. Co. in Berlin und der Butzbach L ich er Eisenbahn-Aktiengesellschaft abgeschlossener Vertrag. Neben diesem Vertrag enthält der oorgelegte Geschäftsbericht folgende Mitteilungen: Am 31. März 1912 war der Verlust bei Aufstellung der Bilanz für das Geschäftsjahr 1912/13 auf 211976 Mark angewachsen, so daß auf eine Sanierung der Aktiengesellschaft Bedacht zu nehmen war. Unter Vermittelung des Großh. Hess. Ministeriums wurde mit den von der Bahn berührten Gemeinden als Inhabern der Obligationen und mit dec Firma Lenz u. Co in Berlin ein Vertrag abgeschlossen, durch welchen der Zinsfuß der Obligationen auf 2% Prozent herabgesetzt ist, während von dem Aktienkapital 111 Aktien zu 1000 Mark vernichtet werden. Ferner hat sich die Firma Lenz u. Co. in Berlin verpflichtet, von ihrer Forderrmg an die Aktiengesellschaft den Teilbettag vvn 1^0 976 Mark zu erlassen und für den Restbettag der 'Forderung bte Zinsen auf 2>, Prozent herabzusetzen, auch auf die vertraglich vereinbarte Pauschalentschädigung von 6000 Mark p. a. für die Betriebsführung bis auf weiteres zn verzichten Außerdem über­nimmt sie den Inhabern der Schuldverschreibungen gegenüber selbstschuldnerische Bürgschaft für eie Zahlung der Zinsen- und Tilgungsbeträge." Auf G3runb dieses Vertrages, der, wie ge­meldet, von der Generalversammlung genehmigt worden ist, ist die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr ausgestellt und das Aktienkapital ist nunmehr auf 1756 000 Mark, das Obligations- kapttal auf 1 554 000 Mark festgesetzt. Die Bilanz wurde geneh- jnigt. Ter Verlust im abgelaufenen Berichtsjahr beträgt nach der Gewinn- und Verlustrechnung 7617,42 Mk. Dieser Betrag wird auf neue Rechnung vorgetragen. Weiter wurde von der Hauptversammlung die Erhöhung der Zahl der Auf- s irlz t s ra t sm i t gli e d e r von 5 auf 7 beschlossen und Me­dizinalrat Tr. Vogt-Butzbach, sowie Bürgermeister Tr. Kay ser-Bad<Nauheim zu Aufsichtsratsmitgliedern neugewählt. lieber die Vertehrsverhältnisse und Betttebsergebnisse siird folgende Angaben bemerkenswert: der Personen - unb Gepäck­verkehr hat eine Mehreinnahme von 7234 Mark ergeben. Es wurden im Berichtsjahre 43 500 Personen mehr befördert wie im Vorjahre. Diese Vermehrung ist auf den allgemeinen Ver- kehrszuwack>s und die bessere Zugverbindung zurückzuführen. Die Mehreinnahmen aus dem Güterverkehr sind durch die gut: Ernte, die Entwickelung der Kalkwerke in Ebergöns und Oberkleen und größere Verfrachtungen von Quarzit herbeigeführt. Tie Betriebs­rechnung ergibt eine Einnahme von 268 741,55 Mark, eine Aus-» gäbe von 209 406,66 Mark. Danach beträgt der Betriebsüber­schuß 59 334,89 Mark gegen 51 236,40 Mark im Vorjahre.

Reichelsheim, 24. Nov. Durch die heftigen Regengüße mitte November bekamen viele Bewohner Wasser in die Keller. Diesem Mißstände wird durch die Kanalisierung gesteuert, die in nächster Zeit vor­genommen wird.

Hessen-Nassau.

b. Biedenkopf, 23. Nov. Die Schlußrechnung für die Erbauung des AuSsichtSturmeS auf derSackpfeife* hat einen Fehlbetrag von 1700 Mk. ergeben. Die hiesige Sparkaffe ist bereit, für dessen Deckung ein Darlehen zu 41/2 Prozent zu gewähren. Für den Besuch deS Turmes kommt von jetzt ab eine Gebühr von 25 Pfg. zur Er­hebung ; gleichzeitig gelangen mehrere Schlüffelstellen zur Einführung.

[1 Marburg, 24. Nov. Arn letzten Sonntag gelang es zwei in einer hiesigen Anstatt untergebrachten Mädchen zu entfliehen. Während das eine feftgeirommen werden konnte, ist der Aufenthalt des anderen Mädchens noch nicht ermittelt. Man vermutet, daß es sich ein Leid angetan hat.

0 Wetter, 24. Nov. Am Dienstag wird die Auto­mobilverbindung durch das Treisbachtal über Amönau, Treisbach, Egelsbach, Deebach, Eifa, Ludwigshütte nach Bieden­kopf und zurück eröffnet. In Niederwetter wurde vor­gestern ein neues Schulhaus eingeweiht.

[1 Laasphe, 24. Nov. Hier stürzte ein an epileptischen Anfällen leidender junger Arbeiter in den an seinem Hause vorbei fließenden Mühlgraben und ertranf.

, h. Königstein i. T., 23. Nov Arn Sonntag nachmittag geriet im Nachbarort Neuenhain ein Frankfurter Au10 m 0 - bii in Brand urtb lwurde völlig vernichtet. Menschenleben kamen nicht in Gefahr. Wie verlautet, sollen Kinder das dem stillstehenden Wagen eittttäufelnde Benzkn entzündet und dadurch den Brand verursacht haben.