Ausgabe 
25.10.1913 Drittes Blatt
 
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N. 251

Drittes Blatt

|63. Jahrgang

selbst I

zeli

Eine württembergische Landtagswahl

Wie wenig die Konservativen Anlaß haben, über ihren Vormarsch" im Süden zu jubeln, das hat wieder die Er­satzwahl im württembergischen Oberamt Gera­bronn, einem rein ländlichen Wahlkreis, gezeigt, den die Fortschrittspartei mit ihrem von den Nationalliberalen un­terstützten Kandidaten gegenüber dem heftigen Ansturm des Bundes der Landwirte glatt behauptete. Der liberale Kandi­dat steigerte seine Stimmenzahl gegenüber der vorjährigen Hauptwahl erheblich, während der Bund der Landwirte einen bemerkenswerten Verlust erlitt. Die liberalen Parteien W gen von 49,5 auf 56,7 vom Hundert der abgegebenen Stim­men und behaupteten den Sitz damit gleich im ersten Waf­fengang, der Bund der Landwirte dagegen gang von 39,4 auf 35 vom Hundert zurück. Mit diesem Wahlausgang ist die klerikal-konservative Macht im württembergischen Landtage

tatsächlich zurückgedrängt. k

Daß des Zentrums Baume tm Süden nicht in den Ham­mel wachsen, das zeigen immer noch die empfindlichen Nie­derlagen, die gerade ihm in letzter Zeit in Bayern und in Württemberg bei verschiedenen Ersatzwahlen beigebracht wor­den sind. ______________ _

tpotitifcbc Tagesschau.

Zur Erledigung der braunschweigischen Thronfolge bürd uns aus Braunschweig mitgeteilt, daß Prinz Ernst Augu^k eine ausdrückliche Berzichtleistung auf Hannover mit der Begründung abgelehnt habe, daß eine solche Er­klärung von ihm als Demütigung aufgefaßt werden müsse.

x Sie von ihm angebotenen Garantien (Anerkennung der Aeichsverfassung) müßten genügen, zumal Preußen auf dem Standpunkte stände, daß ein Königreich Hannover seit 47 Jahren nicht mehr bestände, eine Berzichtleistung auf die Kwone Hannovers also staatsrechtlich nicht zulässig wäre.

Bei den Verhandlungen hat das Welfenhaus wiederholt auf preußische Widerspruche aufmerksam gemacht und durch zähes Festhalten an seiner Auffassung hat es dieser Auf­fassung zum Siege verholfen. Diese Auffassung haben die Welfen bereits vor der Hochzeit mit der Kaisertochter ver­treten und kein Hehl daraus gemacht, daß die Hochzeit daran nichts ändern köufte, sondern vielmehr zeigen müsse, daß die Welfen einer Versöhnung geneigt seien, wenn diese unter ehrenvollen Bedin­gungen erfolge. Tie verantwortlichen Stellen der Reichs­regierung mögen allerdings gehofft haben, den starren Welfensinn noch umzustimmen, sie sind aber allmählich zu der Ueberzeugung gekommen, daß die angebotenen Garan­tien ausreichen, und daß ein loyaler Herzog, dem man Zu­geständnisse macht, wertvoller sei als ein gedemütigter Welfe; zumal die Welfenagitation durch den ausdrück­lichen Verzicht nicht aus der Welt geschafft werden würde, sondern sich gegen den neuen Herzog wenden würde. Der neue Herzog hat aber zu erkennen gegeben, daß er kein Förderer der Welfenagitation sein werde. Diese Agitation wird unter den gegebenen Verhältnissen allmählich einschlafen. Tie Persönlichkeit des neuen Herzogs läßt dies erhoffen.

Soweit unser Mitarbeiter. Wir meinen, unsere Reichs­spitzen hätten in dieser weittragenden Sache nicht nachgeben dürfen.

Wie uns aus parlamentarischen Kreisen mitgeteilt wird, beabsichtigt der Reichs kanzl er kurz vor dem Zu­sammentritt des Reichstags mit den Füh r ern d er bür­gerlichen R e i ch s t a g s f r a k t i o n e n Fühlung zu nehmen, um ihnen den Standpunkt der Reichsregierung in der braunschweigischen T h r o n f o l g e f r a g e klar zu legen angesichts der zu erwartenden Reichstags- 'besprechungen. Sollte der neue Herzog ohne direkte Erben sterben, so werden die weiteren Th ro n an r t e r zur Thronfolge nur berechtigt sein, wenn sie auch ihrerseits die Reichsverfassung anerkennen. Mehr konnte nicht erreicht werden.

auch in der nächsten Woche wieder mehrere Fraktionen zu beson­deren Beratungen zusammenkommen, so das Zentrum und voraussichtlich auch die N a t i o n a l l i b e r a l e n am Freitag, und die Wirtschaftliche Vereinigung am Donnerstag, den 30. Oktober.

Ein fortschrittlicher Antrag zur GenosscnschaftSkrisis.

rb. T a r m st a d t, 24. Okt. In Sachen der h c s s ischen Genossenschaftskrisis 'fiat die fortschrittliche Volkspartei in ihrer gestrigen Fraklionssitzung einen Antrag Reh an die Zweite Kammer beschlossen, worin die Regierung ersucht wird, der Kammer baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegcn, in welchem bestimmt wird, daß denjenigen in Hessen wohnenden Mitgliedern hessischer Genossenschaften, die infolge ihrer Mitglied­schaft bei einer derselben einen erheblichen Vermögensverlust er­litten haben, aus der Großh. Landeskreditkasse oder aus andern staatlichen Mitteln Darlehen bis zu 85 Prozent der beliehenen Objekte gewährt werden und zwar zu den für die Beleihung von Geldern an der Landcskredilkasse bestehenden Bedingungen.

Die Begründung i ieses Antrages weist daraus hin, daß für alle diejenigen Mitglieder der in Zahlungsschwierigkeiten geratenen oder zusammengcbrochenen Genossenschaften, welche in­folge ihrer Haftverbindlichkeiten vollständig an den Ruin gebracht worden sind, eine staatliche Hilfe dringend notwendig sei, da die bisher in der Kammer beschlossenen Anträge bczw. Maßnahmen zur Abwendung der Gefahr nicht ausreichten. Bielen dieser Mit­glieder drohe int Falle einer Zwangsvcräußerung der Verlust ihres ganzen Besitztums. Zn ähnlicher Lage befänden fich, io wird Weiler ausgesührt, auch diejenigen Genossenschaftsmitglieder, die zwecks Rettung ihres Instituts auf Grund ihrer Vermögens­werte weitgehende Zahlungsverpflichtungen übernommen hatten. In der Mehrzahl oller dieser Fälle scheitere die Erfüllung der eingegangcnen Vcrpslichtungeit an der Unmöglichkeit, die JJcittel hierfür aufzubringen, einmal wegen der allgemein erschwerten Geldbeschaffung, besonders aber deswegen, weil die genötigte Summe zumeist die für erste Hypotheken übliche Belcrhungs- grenze überschreite. Ter Staat habe ein erhebliches In­teresse daran, der drohenden Vernichtung einer beträchtlichen Zahl von Existenzen nach Möglichkeit cntgegenzuwirken. Dabei scheide die Befürchtung, daß aus einem derartigen Ein­greifen des Staates unerwünschte Konseguenzen gezogen werden könnten, vollständig aus, da hier ein ganz außergewöhnlicher, |lch wohl nicht wiederholender Anlaß vorliege. Man habe es für ge­rechtfertigt gehalten, bis 1902 aus der Landeskreditkaye an alle Landwirte in Hessen Darlehen zu gewähren, ohne den Nachweis einer besonderen Notlage zu verlangen, und deshalb dürste auch die in dem Antrag verlangte Staatshilfe als durchaus gerechtfertigt erscheinen. _______

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Bismarckstraße 6

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGiehener Zamilienblätler" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblott für den Kreis Netzen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Juno nds. r, durch los biW£

2Iu$ Mexiko.

New York, 24. Okt. Nach einer Depesche aus Mexiko er­klärte Huerta vor dem diplomatischen Korps und den Mi­nistern, daß er von seiner Amtsgewalt als interimiitischer Präsi­dent keinen anderen Gebrauch machen würde, als, den Frieden herzustellen, sich in Uebcreinstimmung mit dem Gesetz zu halten, gerechte Wahlen zu sichern und den vom Volk gewählten Kandi- >aten in die Präsidentschaft einzuführen. Die Regierung sei ent- chlossen, das Leben und die Interessen der Frem­den zu schützen. Sie bestehe ebenso fest darauf, daß die inne­ren Angelegenheiten Mexikos durch Mexikaner geordnet wurden. Tie Wahlen würden am 26. Oktober stattftnden, wenn das Wahlergebnis zeige, daß die Zahl der an der Wchl teilnehmenden Bezirke geringer sei, als das Gesetz es fordere, so würden gemäß dem Gesetze Anordnungen getroffen werden, um neue Wahlen abzuhalten. Inzwischen würde die im Besitze der Gewalt besind- liche Regierung weiter amtieren. Er hoffe, daß m diesem «fall die Regierung in Washington seine Regierung anerkennen und ihre Hilfe zur Herstellung des Friedens im Lande leihen wurde.

Samstag, 25. Moder 19J5

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Exvedition und Verlag: 51.

Redaktion:^^112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

XI. Internationale Cuberrulov-rronserenz.

Z Berlin, 24. Okt.

In der heutigen zweiten Sitzung der 11. Internationalen Tuberkulosekouserenz stand als Hauptthema die Bedeutung, des Versicherungswesens für die Bekämpfung der Tuberkulose auf oer Tagesordnung. Zunächst sprach Prof. Fufter (Paris) überDie Versicherung auf Gegenseitigkeit". , '

Sodann hielt der Präsident des Reichsversicheriingsanttes Dr. Kaufmann (Berlin) einen Vortrag über die ^euticye SUbcitemerf idferung im Kampf .gegen die Tuberkulose . Der Redner führte u. a. aus, daß Bernthard Frankel auf den ersten Internationalen Tuberkulosekonferenz rn Verlnim seinem Bericht über die Entwicklung des Kampfes gegen die -Lubcrruloic als Volkskrankheit auf die innige Verbindung der damals in den, Anfängen stehenden Heilstättenbewegung mck der sozialen Geietz- gebung des Deutschen Reiches hingewiestn habe 189o 0t die eilte Lungenheilstätte der Invalidenversicherung errichtet worden und von'nun an entwickelte sich die Heilstättenbewegung, in ständig zu­nehmendem Maße, so daß im Zähre 1912 39 Heilstätten mit insgesamt fast 5000 Betten vorhanden waren, gleichen ^ahre betrug der Kostenaufwand 19,2 Mill. M!l, und es würden ins­gesamt über 50 000 Lungenkranke behandelt. Auch die Behandlungs- Weise hat sich gegen früher erheblich verbessert. Wahrend im Jahrs lOO9 78"o der behandelten Kranken als loroett gebenert entlaßen werden konnten, daß Invalidität in absehbarer Zeck mäst zu be­sorgen war, stieg die Zahl auf 92(,'o im Jähre 1912. solche Erfolge sprechen für die hohe Bedeutung der Heilfuriorge und den großen Wert der Heilbel/andlung. Nicht zu unterschätzen ,ei ferner, daß die hygienische Erziehung, die, den Pfleglingen zu Teil wurde allmählich in das Vollsbewu,stiem ubergegaugcn ist. Der Redner besprich: dann die Walderholungsstätten, in denen Tuberkulo>e- verdächtige ohne Bazillenbefund, also im ersten Stadcum unter- aebracht werden. Ter Gciamtauiwand für die Fürsorge,tatten be- trna 1912 392 000 Mk. Auch der Hautttiberkulose wenden die Landesversicherungsanstalten neuerdings ein erhöhtes Unterene zu.

Sodann sprach Gel). Oberregierungsrat Koch (Berlin', der Präsident des Direktoriums der Neick)sverttchernngsani.alt für Angestellte überA n g e stel l t e n v e r s i ch e r u n g und Tu­be r k u l o s e" Der Redner hob hervor, daß die gesetzgebenden Körperschaften bei der Schaffung des, Gesetzes mtt Rechtgroßen Wert darauf gelegt haben, daß die dreiem Geietz unterstellteii Pri­vatbeamten in gleicher Weise die Wohltaten der Heil,tattensuriorge genießen müßten wie die Arbeiter. Die Behandlungswei,e ist die­selbe wie in den übrigen Heilstätten doch werden die Kranken an­gesichts ihrer gesellschaftlichen Stellung in derzwecken Vnp le­gungsklasse untergebracht. Dadurch wird die Schatmng von Mittel­standssanatorien begünstigt, die eine große Notwendigkeit, smd. Neben der Behandlung kommt Vorbeugung (Prophylaxe, in Be­tracht die l-auptsäcklich dadurch geübt wird, daß auch Blutarmen und Bleichsüchtigen das Heilverfahren gewährt wird. Zur Aufgabe der Prophylaxe gehört auch die Unterstützung der gemeinnützigen Baugenossenschaften. Hierauf sprach Reg.-Rat Dr. Franz, der Vorsitzende der buchgewerblichen Abteilung des Volksheilstatten- vereins vom Roten Kreuz in Hohenlychen überBerufsschulen für tuberkulosegefährdete Kinder". ..

Die Nachmittags,itzung wurde mtt winen,chaftlichen Vortragen aus verschiedenen Gebieten ausgefüllt. Dr. A. Bruck (Berluck und Stabsarzt Dr. P a n w i tz (Hohenlychen) sprac^n über die ,Bedeutung der Heilstättenkuren für tirberfulo,c Kinder .

2 \aUCh dcn a»er. n sehr großes Lager Materialien ter Auswahl

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

*

Veränderungen im Schulwesen, lieber* tragen wurde dem Lehrer Wilhelm Kirsch zu Westhofen eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Mainz; der Schulamte- aspirantin 9lmia Zöller aus Biblis eine Lehrerinstelle an der Volksschule zu Heusenstamm (Kr. Offenbach). In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Vorschule zu Leiselheim (Kreis WormS) Johannes Hotte? auf fein Nach- suchen, unter Anerkennung feiner langjährigen treuen Dienste, vom 1. November 1913 an; die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz-Kostheim Maria Volk auf ihr Nachsuchen, unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste, vom 1. De­zember 1913 an.

**DieLandwirtschaftlicheViehverwertungs- Genossenschafts-Vertretung in. Gießen, welche ihren Sitz in Nordheim in Hannover hat, hat ihren Vertreter Rie­menschneider aus Gießen abberufen. Seit IV2 Jahren hat die Genossenschaft unfern Platz mit schlachtreifen Schweinen versorgt, dabei aber, wie man versichert, schlecht abgeschnckten, weck der Ver­rechnungsmodus in Gießen jede Kalkulation au, gejunber Grund­lage unmöglich macht, auch zu umständlich wegen der Kontrotte ich gestaltet und daher Spesen verursacht, welche die Genoßen,chatt chensowenig tragen kann, wie der SbanbcL In Gießen wird Vieh mir nach Schlachtgewicht gehandelt, während der Handel nut jetten Schweinen auf dem Lande in der Hauptsache nach Lebendgewicht erfolgt. ,

Kreis Lauterbach.

R. Schadges, 24. Okt. Unsere über 100 Einwohner zählende Gemeinde, welche von jeher mit Stockhausen ru einer Bürgermeisterei mit dem Sitze 111 Stock­hausen vereinigt war, ist auf ein Gesuch des Gemeiydevor- standes und nach dem Wünschender meisten Einwohner von der Bürgermeisterei Stockhausen l 0 s g e t r e n n t wor­den und erhält vom 1. November d. I. ab eine eigene Bürgermeisterei.

R. Metzlos-Gehaag, 24. Okt. Tie gegen die Bur­germeisterwahl eingelegte Reklamatioii wegen Frei­bierspende ist von den Reklamanten z u r ü ck g e n 0 m m e n worden, so das; wir bald unfern ersten selbständigen Bürger­meister erhalten werden; seither war die Gemeinde mit Metz los vereinigt.

Kreis Wetzlar.

w Wetzlar, 24. Okt. In diesen Tagen werden es nach der Aufschrift der Tafel an der hiesigen Haupt­apotheke 160 Jahre, daß diese ohne Unterbrechung im Besitze der Familie Hiepe ist.

4- Garbenheim, 22 Okt. In unserer Gemarkung sind in letzter Zeit längs des Ranaierbahnhofs größere G e l ä n d e k ü u f e vorgenommen worden. Wie man erfährt, handelt es sich dabei um Grund und Boden, der zur spä­teren Erweiterung der Eisenbahnanlagen nötig werden könnte. Es ist Gelände, welches seiner Lage nach für land­wirtschaftliche Zwecke nicht sehr wertvoll ist. Spekulanten gibt es in unserer Gemeinde nicht, und so stellt sich der Antaufswert von Grund und Boden für die Bahn nicht hoch; dabei ist der Preis, den die Besitzer dafür erhalten,, recht annehmbar; er stellt ein Kapital dar, welches bei der jetzt hohen Verzinsung eine Rente gibt, die durch Bewirt­schaftung nicht zu erzielen ist.

Hessen-Nassau.

X. Hanau, 23. Okt. In der heutigen Stadtver­ordnetensitzung wurde von den sozialdemokrattschen Rednern mitgeteilt, daß der Magistrat von ihnen einen Antrag erhalten habe, der die Forderung enthalte, möglichst bald mit Vorschlägen vorzutreten, wie die Gelder anfzu- 6ringen seien, die zur Unterstützung Arbeitsloser notwendig werden können. Oberbürgermeister Dr. Gebe- schus entgegnete, daß sich im bevorstehenden Winter Ar­beitsgelegenheit für Arbeitslose, namentlich für Bauhand- werker, genügend bieten würde, da nachträglich noch für die beiden hiesigen Eisenbahnregimenter von der Stobt ; Hanau auszuführende Tepotbauten im Betrage von 6dQ000 Mark hergerichtet werden müßten. Mit dem Anträge über Unterstützung Arbeitsloser würde sich der Magistrat in den

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Au» Hessen.

Vom Finanzausschuß der Ersten Kammer.

rb Darmstadt, 24. Okt. Der Finanzausschuß der Ersten Kammer hielt heute eine Vormittags- und eine bis abends 6 Uhr dauernde Nachmittagssitzung unter dem Prästdiuin | Grafen Erbach-Fürstenau ab. Der Aus|chuß stimmte ! her bei der Regierungsvorlage, betr. den Nachwelis der StaatS- eitnialMen und -Ausgaben für das Rechnungsjahr 1908 von brr Zwecken Kammer nominierten M ehr ans ga br zu Lasten .von Bad-Nauheim im selben Sjinnc zu wie die Zwecke Sammer Der von dem anderen Hatpe gut geheißene Antrag Mcraell betr den Durchbau der Bahnlinie von Furth nack, Reichelsheim wurde entsprechend den früheren Be- Müssen der Kammer abgelehnt, ebenso das von der Zweiten, fi beschlossene Ersuchen an die Regierung, durch erneute sSSungm mit dm, M-Eschen EisenL°l>nmmcher d-lM ,u mrken d°b die Iiessischcn Angestellten der Preu»,ich-hessuchm Ets-N- balmae'meinschaft denselben Erl atz für uic m Hellen zu Zahlende Kem e i n d e ft en e r erhalten, tute die Preußischm Angestellten ^ Gemeinschaft Des weiteren kam der Ausschuß ui Vetren des !niraa3 Molthan wegen der S 0 nn t a g s ru h e der Ei s en- bahnbediensteten mit Rücksicht auf die in der yrenßisck)- dcssckchen E senbahngemeinschaft vorhaiwenen Bestimmungen uber

Dienstverhältnisse dieser Beamten zu einem abkbenbeu M Ä wird seine Beratungen Mtztte nächster Loche fortse^en. giu5f(j)üffc Zweiten Kammer.

rh Darmstadt 24. Okt. In der Zweiten Kammer k : ^a^sn hpr ii itfyften Woche in den parlamentarnckfen w&tttisatieästSÄ»® mißen mammen; bet g.ßun, ablmtten und sich

wirb am Freitag, den Lmitt über die Ab- Mt der Beratung des b^fassen^ und der fünfte,

Äderung der OrdensgeseSgeou g , Ianbftänbi^ KiitT Sonderausschuß iar uiv Dftnber

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Landesdirektor v. Glasenapp (Arolsen) verlangte in seinem Vortrag die Anzeigepflicht b'ei Tuberkulose. Eine Anzahl von Vor^ trägen beschäftigte sich mit der Mitarbeit der Frau an der -ruber« liilösebekänipfung. So erörterte Fran Oberbürgermeister Lauter -Karlsruhe) die Wirksamkeit des badischen Frauenvereins auf dlestin Gebiete. Die Verhandlungen der Konferenz werden morgen zu Ende geführt.

2hi» Stadt und Land,

Gießen, 25. Oktober 1913.

Die Rechtslage desblinden Pasiaqiers".

Ein interessanter Strafprozeß gegen einen angeblich ,,b l i n - den Passagier", der am 19. September 1912 bei der An­kunft des Münchener Schnellzuges in Berlin ohne Fahrkarte betroffen und angehalten worden war, beichafttgte das Reichsgericht, das in Gegensatz zum Landgericht Berlin, das diesen Reisenden wegen Betrugs zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt hatte, zu einer dem Angeklagten günstigeren Ent­scheidung gelangt ist. Der Angeklagte, Reisender einer Berliner Firma, hatte am 18. September 1912 von Zürich über Munck)cn nach Berlin fahren wollen. Bei der zwischen München und stciirn- berg erfolgten Revision war er ohne Fahrkarte betroffen worden. Er hatte behauptet, seine Fahrkarte verloren zu haben und hatte erklärt, er werde sich in Berlin, da er sein letztes lveld für die Fahrkarte ausgegeben habe, von seiner Firma sofort Geld nach dem Bahiihof bringen lassen und nachbezahlen. Das war auch bei der Ankunft in Berlin geschehen. Später aber wurde der Reisende von dem Chef seiner Firma, mit dem er in -pckttrenzeir geraten war, denunziert, er habe in Wirklichkeit gar keine karte gehabt, sondern nur eine Bahnsteigkarte gelöst, um durch die Sperre zu kommen. Tas Landgericht hatte dies als wahr unter­stellt und den Reisenden verurteilt. Nur im Besitze einer Bahn­steigkarte, habe er der Bahnverwaltung vorgespiegett, er wolle nur den Bahnsteig benutzen und durch diese Täuschung den Elien- bahnfiskus um den Preis der Fahrt geschädigt, ^ß er beab­sichtigt habe, in Berlin nachzuzahlen, )ci unerheblich. Die Re­vision des Angeklagten machte geltend, dieier habe, von vorn­herein nicht die Absicht gehabt, nicht zu zahlen und ttch ia ohne weiteres erklärt, in Berlin nachzuzahlen, was im Eisenbahnver­kehr jedem gestattet sei, ohne zum Betrüger zn werden Das Reichsgericht hob auch das landgerichtliche Urteil auf und ordnete eine nochmalige Verhandlung durch die Vorlnstanz an, dessen Feststellung, der Angeklagte habe es von vornherein auf einen Betrug abgesehen, zu Bedenken Anlaß gebe.

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