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der Gelder im Spandaucr Falle bat der Rechnungshof Also keine Spur von Schiebung, Verschleierung und Mäßigkeit.
erhalte eine Zulage. Warum wird der Erlaß gegen arbeiterverband nicht zurückgenommen?
Generalleutnant Wandel:
Der Erlaß bleibt bestehen, da eine Betätigung störenden Sinne nicht geduldet werden kann. Tie
Abg. Bohle (Soz.)
führt Beschwerde, daß die Feuerwerkoffizlere hinter den andere» Osfizieren zurückgesetzt werden. Der Redner brinat dann Beschwerden aus Straßburg und Metz vor.
Abg. Schirmer (Zentr.)
wünscht Besserstellung der Beamtenanwärter.
Abg. Müller-Meiningen (Vp.)
kommt nochmals auf den Spandauer Fall zurück. In der Kam» miffion klang cs etwas anders als heute. Dort sagte Herr Wandel: Jeder Verein, der nicht absichtlich Opposition mache.
Abg. Büchner (Soz.):
Die Friedensstörer sitzen nicht bei den Arbeitern, auf einer ganz anderen Seite.
Abg. Hegenscheidt (Rp.):
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:^^112. Tel.'Adr.iAnzeigerGießen.
Die Staatsbetriebe müssen Musteranstalten sein, aber ine Handwerker dürfen hinter den Arbeitern nicht zuruckgesetzt werden. Das Kapitel: Artillerie- und Waffentoesen wird erledigt.
Die Ergänzung zum Schutzgebictsctat lvird in erster Lesung angenommen und der Budgetkommission überwiesen.
Mittwoch 2 Uhr: Militäretat, Rcichsschatzamt.
Schluß 714 Uhr.
Mittwoch, 25. April M
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn UliiversitätS - Blich- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Die „Hietzener Zamilienblütter" werden dem .Anzeiger" viermal ivöchentlich beigelegt, das „Breisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Dis „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen rnonatiich zweimal.
Mb. Deutscher Reichstag.
146. Sitzung, Dienstag, den 22. April.
Dm Tische des Bundesrats: v. Heeringen.
Präsident Dr, Kaemps eröffnet die Sitzung um 2 Uhr.
Kürze Ariftaze.
Abg. Dr. Heckscher (Vp.) fragt an:
Sind der Reichsregierung Nachrichten über die Ermordung des De lit sch enrcichsangc hörigen Hans Arp in Santo Cruz zugcgangen? Hat die Rcichs- rcgicrung bereits Schritte unternommen, um die Bestrafung der Schuldigen und eine entsprechende Sühne herbeizuführen?
Geheimer Legationsrat Dr. Lenz: Im Auftrage der Reichs- Verwaltung habe ich zu dem betrübenden Vorfall folgendes zu erklären: Nach einer Meldung unseres Konsularvertreters in Santa Cruz an die Kaiserliche Gesandtschaft in Mert ko .st dec Deutsche Hans Heinrich Arp nach einem Streite mit einem
Heer nird FSotte.
Glänzende Rechtfertigung der deutschen Offiziere durch die türkische Regierung.
Von einer Persönlichkeit, die mit den türkischen Heeres- verhältnissen sehr wohl vertrant ist, wird aus Kon stanti- n 0 p e l, 15. April, geschrieben:
Nach dem militärischen Zusammenbruch der Türkei wurden Stimmen besonders in der fremden Presse tank, die die Ursaclxm 511 diesem dem verfehlten Wirken der in der türkischen Armee befindlichen deutschen Offiziere zuschreiben wollten. Diesen Gerüchten, tritt nun Die türkische Militärverwaltung selbst entgegen. Sie beweist, daß sie bei der Reform der Armee nach dem Kriege, unbedingt an dem deutschen Sn st em festhalten will. Wie ich non gant kompetenter Stelle erfahren habe, beabsichtigt die tür kische Regierung n a ch d e m M' liege u 0 ch eine g a n z b e deutende Anzahl deutscher Offizier e z u e n g a gieren. Man hat türkischcrseits erkannt, dass die i)ahl' der bisher in der türkischen Armee tätigen deutschen Offiziere eine viel zu geringe war. Die Türkei verfügte vor dem Kriege im ganzen über 14 Armeekorps auf einem Raum von Adrianopel bis Bagdad. Zur Reform dieser 14 Korps waren bisher etwa 30 deutsche Offiziere tätig. Natürlich war an eine wirksame Tätigkeit besonders bei den schlechten Verkehrsverhältnissen nicht zu denken. Tann wurden bis vor dem Kriege seitens des tür - tischen Kricgsministerirnns nur Offiziere bis zum Stabsoffizier einschließlich engagiert, die danit entweder an die Spitze von sogenannteit Modellregimentern und Baiaillonen gestellt oder aber als Lehrer an den verschiedenen Militürschuleit verwendet wurden. Man wollte von jeder Waffengattung in jebeni Virnn'e- korps je einen Modelltrichperrteil unter einem dentsck«n Offizier ausstellen. Hierzu rcidjte aber die bisherige Zahl der deutsctvn Reformer, wie man am Bosporus zu sagen pflegt, nicht aus. Zecht nach dem Kriege soll dieser Plan voll zur Ausführung kommen. Dies bedingt also bereits eine bedeutende Vermehrung der Stellen für deutsclw Offiziere. Tann sollen s ä nr 11 i ch. e S ch ulen des M i l i t ä r erz-i e hn n g s u n d Bildungs wesens, die Schief schulen der Infanterie, F e l d und F-ußa rti l l e r i e. dcntsch e n O f fi z ierett 11 n t e r teilt werden. Auch niedren' I>öl>ere Stellen, niie von D 1 visi 0 nsk 0 m m a udeure n und t 0 m m andierende n G e neralen sollen mit höheren deutschen Offizieren besetzt werden, um ein sicheres unbehindertes Arbeiten der nnteiTit Stellen zu gewährleisten. An die Spitze sämtlicher hm fielt er Offiziere wird ein deutscher General, dem die deutsttien Herren in allen Sachert unterstellt sind, treten. Damit hört bann auch der Bet kehr in Dienstangelegen'heitett der deutschen Offiziere mit den türkischen KomMmldvbehvrdrn auf, der früher oft zu MiHver
Dritter Blatt 165. Jahrgang
Mehener Anzeiger
General-Allzeiger für Oberhessen
konservativ sind, so kann es uns nur recht sein. Der Bund nimmt aber alle Handwerker ohne Rücksicht auf ihre Gesinnung auf. Den Kriegsminister möchten wic dringend bitten, er möge sich durch diese Vorwürfe nicht irre machen lassen, und nur Leute von reichs- trcucc und nationaler Gesinnung berücksichtigen.
Abg. Weinhausen (Vp.):
Die Annahme, daß 80 Prozent aller Handwerker dem reaktionären Bund der Handwerker angehören, ist wohl eine Selbsttäuschung der Konservativen. Dec Redner begründet eine Rc- iohttion Ablaß, wonach die Anstellungs- und Arbeitsverhältnisse der Staatsarbciter und Staatsangcstellteu anders geregelt werden sollen. Danach sind Berufsorganisationen, aber ohne St reik - recht cinzuführen. Neben den Arbciterausschüsser. sind auch A n - g e st e l l t e n a u s s ch ü s s e einzurichten. Die Löhie und sonstigen Arbeitsbedingungen sollen mit denen der Privatindustrie in Ein- klang gebracht werden. Seit fünf Jahren beschäftigte Angestellte und Arbeiter dürfen nur von den Direktoren und zwar aus wichtigen Gründen entlassen werden. Nach dreijähriger Tätigkeit ist den Arbeitern ein regelmäßiger Urlaub zu gewähren. Pensionen und Ruhegehälter sind derart zu bemessen, daß die Leute oder ihre Hinterbliebenen nicht der Armenpflege anheimzufallen brauchen.
Der Redner bespricht eingehend die Verbaltnisse der Angestellten und Arbeiter der verschiedenen Militärwecke.
Abg. Behrens (Wirtsch. Vgg.):
Kollege Jckler hat mich gefragt, ob ich als Arbeiter- füljrer billige, daß an Organisationen Schmiergelder gezahlt werden. Selbstverständlich tue ich das nicht. Der Handwerkerbund braucht nicht zu den gelben Gewerkschaften gerechnet werden. Diese erhalten im Westen und Südwesten Deutschlands Echmiecgeldec von nationallibcralen Arbeitgebern. Daher war diese Frage gerade aus dem Munde des Kollegen Jckler höchst verkehrt. Die Angelegenheit selbst, die Dr. Müller-Meiningen hier borgetregen hat, ist nicht ganz richtig beurteilt worden. Das Verhalten dec Verwaltung ist durchaus zu billigen. Für Kinderfürsorge, Jugendpflege und bergt solle sie stets Mittel zur Verfügung stellen. Die fortschrittliche Resolution faßt nur frühere Anträge der Rechten geschickt zusammen. Aber fie_ hat das Wesen der Gewerkschaften nicht richtig erfaßt. Ausschüße der Militärhandwerkec empfehlen sich vielleicht doch nicht. Die Löhne geben noch vielfach Anlaß zu Klagen. Die Sicherung des Arbcitsvechältnisses muß wic bei der Poft und bei der Eisenbahn nach zehnjähriger Tätigkeit cintreten. Eine bessere Regelung der Urian befrage ist dringend zu wünschen.
Mexikaner getötet worden. Tie Gesandtschaft hat ohne Verzug das Erforderliche zur Feststellung und Ergreifung der Schuldigen bei der mexikanischen Regierung in die Wege geleitet. Das Auswärtige Amt hat die Gesandtschaft telegraphisch angewiesen, auch weiterhin auf die Durchführung des Strafverfahrens bei der mexikanischen Negierung ' wirken, und Entschädigungsansprüche geltend
machen. Nach einem am 20. April aus Mexiko eingegangenen Telegramm ist die Untersuchung bereits eingeleitet und der Name des flüchtigen Täters ermittelt worden.
Lec Miköreiak.
(Fünfter Tag.)
Die Beratung wird fortgesetzt beim Artillerie- und Waffenwesen und bei den technischen Instituten.
Abg. Müller-Meiningen (Vp.):
Anläßlich der Besprechung der Interpellation über die Koalitionsfreiheit der Arbeiter in den Militär werk- stätten haben wir verlangt, daß die Militärverwaltung alles tut, um die politische Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Arbeiter zu gewährleisten Wir haben verlangt, daß die Arbeiter und Handwerker mit sozialem Geist behandelt würden. Wenn es eines Beweises bedurft hätte dafür, wie notwendig ein solches Verlangen war, so ist es bet E - laß, den ich schon in der Budgetkommission vorgetragen habe, der eine umso bedenklichere Erscheinung ist, als er auch einen ganz ungewöhnlichen Vor-; stoß gegen den Reichstag bedeutet. Um mich nicht dem Vorwurf auszusetzen, daß ich irgend etwas von diesem Erlaß unterschlage, muß ich ihn leider verlesen. Der Erlaß ist vom 9. November 1912, also vier Wochen vor unserer Interpellation zum Schutze der Koalitionsfreiheit der Militärarbeiter datiert.
Dieser Erlaß ist für bas Parlament von zwei Gesichtspunkten aus von Bedeutung: Er lautet: «Der Ortsverein Spanbau bes Bunbeö Der Handwerker her Kaiserlich Königlich Technischen Institute Deutschlands hat eine Beihilfe zur Förderung der Bildung des HanbweckernanbeS erbeten. Da ber genannte Bunb dem „Ausschuß zur Förderung der Bestrebungen vaterlänb'. scher Slrbeitcrbercinc*' (Förderungsausschuß) beigetreten ist (Hört! Hört! links), soll nach mündlicher Angabe der Antragsteller der Vorsitzende des Förderungsausschusses, Generalmajor z. D. von Loebell. eine Beihilfe von 200 Mk. zu ben runb 540 Mk. betragenben Kosten zugesagt haben urrb würbe ber Bunb ber Handwerker für eine Uebecwcisung von 170 Mk. sehr dankbar sein, den Rest — 170 Mk. — gedenkt er selbst zu tragen. Wenn auch nicht zu verkennen ist, baß im allgemeinen ber Felb- zeugmersterei kein besonberer Vorteil burch berartige Kurse zu erwarten ist, glaubt bie Felbzeugmeisterei im vorliegenben Falle mit Rücksicht auf bc- Zugehörigkeit bes Bunbes ber Hanbwerrer zubem r e 1 ch ö t r c u e n F ö r b e r u n g s - aus schuß (Hört! Hört! links.) sich nicht grunbsätzlich ablehnenb verhalten zu wollen.
Für die übrigen int Bereiche der Felbzeugmeisterei vorhandenen Arbeitervereine, die sämtlich dem Förderungsausschuß nicht angehören, wird eine Befürwortung ähnlicher Gesuche nicht beabsichtigt. (Lebhaftes Hört, hört! links und große Unruhe.) Seit der Zugehörigkeit des Bundes ber Handwerker zum Förderungsausschuß ist derselbe, abgesehen von seinen zu weit gehenden Forderungen in seiner Petition an ben Reichstag, nicht unliebsam hervocgetcetcn. Die Felbzeugmeisterei verspricht sich von dec Bewilligung ber in bem Gesuch erbetenen Unterstützung einen günstigen Einfluß auf die fernere Haltung des Bundes der Handwerker. lLebhaftcs Hört, hört!) Ob für die nächsten Jahre eine Unterstützung für ähnliche Zwecke befürwortet wirb, würbe von dem weiteren Verhalten des Bundes auch in etwaigen Petitionen an den Reichstag lGroße Unruhe, Zurufe links: Unerhört) abhängig gemacht werden.
Diese Angelegenheit hat zwei Seiten, eine politisch-staatsrechtliche und eine etatrechtliche. Vom politischen Standpunkte aus handelt eö sich um ein so schwerwiegendes Schmicrgclberunwesen ärgster Art, baß man mit aller Energie dagegen Front machen muß. Diese Zuschüsse werben vctwenbct als Pressionsmittcl, baß bie Handwerker sich in Zukunft nicht beikommcn lassen, weiter Petitionen an den Reichstag einzugeben. (Sehr richtig! links.) Eö heißt ausdrücklich darin, baß bet Handwerker sich in den M lilärwerk- stättcn unliebsam bemerkbar macht, und bann heißt es: Mit derartigen Petitionen an ben Reichstag macht er sich unliebsam bemerkbar. Damit sinb die Zuschüsse als reines P r es si 0 u S m. 111 c I gekennzeichnet, bamif die Vereine keine Eingaben an Den Reichstag machen. Die dilatorische Seite ist dabei gan/, gleichgültig für ben Reichstag. Der Wortlaut dieses Erlasses ist die denkbar stärkste Provokation des deutschen Parlaments und widerspricht bem in der Verfassung gewährleisteten Pctitionscecht. (Beifall 1 intet.) Sclbst- verstänbllch muß bas Pctitionsrecht aller Staatsbürger gewahrt bleiben. Die Ausgaben zur Förderung des Handwerks sind als Betriebsausgaben gebucht. Aus welchen Fonds werden diese Gelber bewilligt? Welche Gelber werden außerdem noch bewilligt und für welche Vei< ine?
Es ist gesagt worben, baß es sich hier um Wohlsahctsausgaben handelt. (Lachen links.) 28 ir banken für berartige Wohlfah rtsau sgabeu (Zustimmnng links), welche zu ganz einseitigen parteipolitischen Zwecken verwenbet werben. Wenn aber derartige Ausgaben gemacht werden, wollen wir wissen, auS welchen Fonds sie bewilligt werden. Ein derartiges Vorgehen der Militärverwaltung müßte von allen Parteien auf das energischste bekämpft werben. (Zustimmung links.) Ich betone noch, baß die Mitteilung des Erlasses keinen Vertraucnsvruch bedeutet, denn er ist in keiner Weise als vertraulich bezeichnet. (Zuruf v. b. Soz.: Das ist ja auch ganz gleichgültig.) Wir müssen einmal hinter biese Schliche der Militärver- waltung kommen. (Beifall links.) Eö handelt sich babei nicht um einen Einzclfall, denn Generalleutnant 28anbcl hat selbst zugestanben, daß seit vielen Jahren derartige Ausgaben gemacht worben sinb. (Hört! Hört!)
Wir halten eine solche Verwendung von Staatsgeldern für einen Unfug schlimmster Art, dec bas Vertrauen -u der politischen Objektivität ber Militärverwaltung gegenüber:
den Handwerkern und auch gegenüber bent Parlament zu erschüttern in höchstem Grabe geeignet ist. (Sehr wahr', links.) Wir erwarten infolgebessen Aufklärung über bie Verwendung dieser Gelder und, wenn keine Auskunft gegeben werden kann, wenigstens über ben Fonds, aus bem die Gelber genommen werden. Auf die Dauer dürfen berartige Mißbräuche mit Staatsgeldern unter keiner. Umständen geduldet werden. (Zustimmung links.) Die Parteien des Reichstags haben allen Anlaß, eine derartige Ausgabe von solchen Schmiergeldern sür politische Organisationen aufs Schärfste zu verurteilen. (Lebh. Beifall links.)
Generalleutnant Wandel:
Ter Vorredner hat gegen die Militärverwaltung die hcf- tigstenAngriffeunb schärf st en Vor würfe erhoben. Es hat sich überhaupt nicht um einen Erlaß gehandelt. Es war eine Verfügung von einer untergeordneten Stelle im Kriegsministerium. Das Kriegsmiriisterium hat noch keine Ste,llung dazu genommen, sondern hat den Geldbetrag, 170 Mk., bewilligt. (Unruhe links.) Von Schmiergeldern, von einem Preßmittel in politischer Beziehung ist keine Rede. Eine solche Auffassung Dr. Müllers vermag ich wahrhaftig nicht zu teilen. (Lärm der Soz.) Weber die Militärverwaltung noch insbesondere das i^riegominiiterium hat irgenbeine Rücksicht genommen auf die politische Stellung bes Vereins. (Lachen und Unruhe bei den Soz.) W i r behandeln alle nationalen Vereinigungen gleich, bie auf nationalem Bobcn stehen. (Lärm bei den Soz.) Den Ausdruck, daß es sich um Schliche ber Militärverwaltung handelt, muß ich mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Es handelt sich um ein Spiel mit vollkommen offenen Karten. Das Gelb ist aus dem Betriebsfonds^ den wir für alle Wohlfahrtszwecke haben. In diesem Falle ist er zum Besten dec Handwerker verwendet. Die Summe ist bewilligt, wie auch zahlreiche andere Summen, weil wir keine anderen Gelber haben, um sie für ähnliche Zwecke zu bewilligen. Ich kann Ihnen bie Ausgaben, bie wir 1912 aus denselben Mitteln gemacht haben, Vorträgen. Es sinb 13 Positionern
Der General verliest bie Posten: Haushaltsuntecricht im Mäbchenheim, Kinbcrspielplätzc, für ben Männer-, Jünglings- unb Jungfrauenvercin, (Gelächter links) — bas sind vollkommen neutrale Vereine. (Lachen lin/s.), Ktzinkinbcrhewahranstalten usw. Das sinb alles Ausgaben, die nach unserer Meinung durchaus geleistet wecben diirscn, da wir nick:', wie die Marine ein besonderes Etatkapital dafür zur Verfügung haben. Ich habe bereits gestern in ber Kommission erwähnt, baß wir bereits dabei sinb, mit dem Rechnungshof über bie Etatisierung ber er= forderlichen Mittel zu verhanbeln, so baß bie Ausgaben auf den Etat übernommen werden können. Von einem Mißbrauch Don Staat sgeldern, der stattgefundcn hätte, kann keine Rede sein. (Lärm b. d. Soz.)
Abg. Jckler (Natl.):
Wir sind der Ansicht, baß es verfehlt ist, solche Schm lergel ber zu geben. Es ist nicht Sache ber Militärverwaltung, für Wohlverhalten derartige Unter Nützungen an Be- russvereine zu gewähren. General Wandel hat erklärt, baß man gegen Vereine, bie auf staatstreucm Bobcn stehen, nicht vorgeht. Ta wunbert es mich, daß der Erlaß gegen ben Militär- arbetterücrbanb noch nicht zurückgezogen ist. Auch bieser steht auf nationalem Boden (Lachen des Avg. B'chrenS.) Wollen Sie, Herr B c h r c n s , als Arbeiters ä G r c r bas verantworten, baß derartige Dinge einreißen? Als Arbeiterführer sollen Sie bie Rechte bcr Organisationen und niemals für Schmiergelder cintreten. Für bie Handwerker ber ver- schicbcnen Waffen werben verschiebcuc Probezeiten ge- forbert. Bei ber einen bauert sie fünf Moiwte, bei ber anbeten zwei Jahre. Die Ungleichmäßigkeit der AnSbübun zSzcit ist ungerecht. Ebenso sinb bie Lohnklafsrn nicht richtig geordnet. Ueber- haupt fehlt es in anderen Fragen, der der Stücklöhne, des Erholungsurlaubs u. a. an Eiicheitlichkcit. Die Militärverwaltung sollte hier bem Beispiel anderer Verwaltungen folgen. Die Ll r b c 1 t c r a u s s ch 11 s s e braucht man nicht .11 überschätzen, man soll sie aber auch nicht unterschätzen. hednifallS soll die Verwaltung das Not gc tun, um sic in Täligkei. zu srtzcn. Auf die Dauer kommen wir mit ihnen nicht aus, wir brauchen c i n Arbeiterrecht für die Staatsarbeitec, da die Organisation für sic in bcr Weise, wie für oic Privatarbeiter, nicht in Frage kommt.
Der M i l i t ä r a c b e i t e r v e r b a 11 b hat das Recht, die Interessen der Arbeiter zu vertreten. Er ist ein staatötroucc Bund und ich verstehe nicht, wie man ibn hier bekämpfen kann. Mindestens soll sich die Verwaltung solchen staatstreuen Organisationen gegenüber neutral halten, ihnen möglichst tolerant cnt- gegcntceten. Sie wirkt damit im Sinne ihrer Verpflichtung für das Vaterland und sorgt dafür, daß die Arbeiter nicht zuc Sozialdemokratie hinübergeführt werden.'
Abg. Schwarze-Lippstadt (Zentr.):
Die Strbeiter sind mit ben Arbeiterausschüsscn nicht zufrieden. Das Verhältnis zwischen Verwaltung und Slrbeiterausschuß ist wie zwischen Mann und Frau: die Frau hat immer recht, und ebenso die Verwaltung. (Heiterkeit.) Die alten Wünsche der H a n d w e r l e r und Arbeiter auf Besserstellung sind immer noch nicht erfüllt worben. Stuf das alte Duell Zubcil—Pauli, daS früher bei dem Kapitel der Militärwerkstättcn stattfand, haben wir jetzt verzichten müssen.
Generalleutnant Wandel:
Stuf alle angeführten Beschwerden ausführlich cinzugchen, entspricht Wohl auch nicht den Wünschen des Hauses. Wir wecben sic aber wohlwollend prüfen. Die Slrbeiterausschüsse werben bei Acnderungen ber Arbeitszeit und Arbeitsorbnung stets gehört werden, ihre Wünsche werden nach Möglichkeit berücksichtigt.
Abg. b. Graefe (Kons.):
Stach diesem überraschenden Szenenwechsel möchte ich ein wenig Ruhe in bie Debatte bringen, an der wir unS bisher nicht beteiligt -haben. Zunächst möchte ich seststellen, baß b i c Treibereien bes „L 0 k a l a n z c i g e r s" nach unserer Auffassung nicht auf militärische Kreise zurückgeheu. (Sehr- richtig! rechts.) Wic müssen aber sagen, baß bie Petitionen bes Handwcrtcrbundcs so maßvoll und loyal abgesaßt sinb, baß sie bcr Beachtung und ber ernsten Prüfung wohl wert sind. Sic sollten doch öffentliches Gehör finbcn. Natürlich ist cs bas Bestreben ber Verwaltung, bie Höchstlöhne möglichst cinzu- schränken. Aber es sollte boch ein Unterschieb gemacht werden zwischen gelernten Handwerkern und nicht gelernten Arbeitern. Ein Handwerker, bcr Jahre auf seine Slusbilbung verwandt hat, muß enttäuscht sein, wenn er nach 35jährigcc Dienstzeit und im 60. Lebensjahre immer noch ben Lohn der dritten Lohnklassc erhält. Es ist übrigens doch sehr zu erwägen, ob ber Wunsch bieser Handwerker, eigene Ausschüsse zu erhalten, nicht erfüllt werben kann.
Der M i u i st e c sollte einmal bie Handwerker empfangen und für ihre etatsmäßigc Anstellung sorgen. Dec Bund der Handwerker verfolgt feine politischen Tendenzen. Daß er konservativ sei, ist wieder die alte Gespenster- sehetei bcr Liberalen. (Widerspruch links.) Ja, Herr Müllcr-Meiningen, wir freuen uns, wenn für sie national und teichstreu dasselbe ist, wie konservativ. (Oho! links.) Wenn *80 Prozent der Handwerker dem Bunde anydjören und deshalb
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