Ausgabe 
28.7.1913 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

einzelnen Fällen beobachten können.

Gr.

g verlegt iders von

vormitta

eteiligung beson

** Bom landwirtschaftlich e n Genossenschafts­wesen. Tie diesjährige Tagung des Rcichsverbandes der deut­schen landwirtschaftlichen Genossenschaften ist nun beendigt. Auch dort wurden verschiedene Organisalionsänderungen beschlossen. Mit Recht hat in Wiesbaden der Vertreter des preussischen Lan>- wirtschaftsministers erklärt, dass, das Genossenschaftswesen in der Landwirtschaft nicht mehr zu entbehren ist. In H essen haben wir durch die bekannten Vorgänge in der Genossenschaftsbank eine schwere Krisis zu überwinden. Mit ernster Arbeit und frischem Mut wird sie überwunden werden. Ter neue Verwaltungsrat des Verbandes geniesst das Vertrauen der Genossenschaften. Lein neuer Präsident, Oekonomierat Walter- Lengfeld, dessen Wahl, dem Vernehmen nach, sowohl die hessische Regierung, als auch die Preußenkasse befürwortet haben sollen, dürfte der richtige Mann am richtigen Platz sein. Mit ernstem Wollen verbindet er eine genaue Kenntnis der hessischen landwirtschaftlichen Ver­hältnisse. Seine Eigenschaft als Präsident der Lanowirrschafts- lämmer für das Grossherzogtum und als Vertreter der hessischen Landwirtschaft in der Ersten Kammer der Stände bringen ihn in die Lage, tatkräftig für seine Gedanken uno Resormpläne ein­zutreten. Ter bisherigen Tätigkeit der Genossenschaftsbank stand er fern. 'Tass er in dieser schwierigen Zeit das schwere und i>er- antwortunqsvolle Amt angenommen hat, wird ihm die hessische Landwirtschaft und werden ihm besonders die Genossenschafter Tank wissen. Möchte dieser Tank durch eine vertrauensvolle Mitarbeit aller Genossenschafter seinen Ausdruck finden.

** Blitzschäden. Bei dem am Samstag zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags niedergeqanqenen Gewitter schlug der Blitz ohne zu zünden in das Bootshaus des RuderklubHassia" und hat im Aeußern und Innern des Baues merkwürdig gehaust. Der Schlag erfolgte in die auf dem First des Hauses angebrachte Fahnenstange, teilte sich dann und lief an den beiden die Stange int Gleichgewicht haltenden Drähten entlang durch das Dach in das Innere des Gebäudes, wobei eine Anzahl Dachziegel fort­geschleudert wurde. Wie der Blitz int Innern des schmucken Häuschens gearbeitet hat, zeigen die zurückgelassenen Spuren. In dem über dem Bootsraum, also eine Trepvc boch gelegenen Wirt'chaftsraum ist der elektrische Funke durch die Decke ge­langt und scheint sich auch hier wieder geteilt zu haben. .An den Wänden, es handelt sich um einen Fachwerkbau, hat der Blitz überall beit dünnen Eisendraht, der über die Balken gespannt ist, um den Verputz zu halten, als Leitung benutzt, den Putz heruntergerissen und die Drähte geschmolzen. Tie Uhr im Wirts­raum blieb stehen und zeigt genau 3/44 Uhr, die Zeit, da der Blitz eingeschlagen hat. Interessant und sicher merkwürdig ist, daß der elektrische Funke eine mit Bronze gezogene Wellenlinie, die zur Verzierung der Decke vom Maler gepinselt ist, als Leitung benutzt und einen wellenförmigen Riss gemacht hat. Natürlich gingen einige Fensterscheiben durch die Erschütterung entzwei. Gegenstände sind jedoch in dem oberen Stock nicht beschädigt worden. Die am Sonntag von derHassia" gewon­nenen Preise standen im Nebenzimmer auf dem Tisch, in dem der Blitz ebensalls die Wände beschädigt hat, ohne die metallenen, wertvollen Gegenstände zu beschädigen. Vom Wirtszimmer hat der Blitz seinen Weg in den darunter liegenden Bootsraum ge­nommen, ohne aber auch nur ein Boot zu verletzen. Er be­nutzte das eiserne Gestell, auf dem die Boote ruhen, als Lei­tung, man sieht deutlich die Spuren, und fuhr in die Erde. Ein Sachverständiger erklärte uns, es sei ein Kugelblitz ge­wesen, wie jüngst auch beim Stadtkirchturm, der das Bootshaus getroffen hat, in dem am Samstag nachmittag zum Glück nie­mand anwesend war. Die unmittelbaren Nachbarn des Boots­hauses, die Angehörigen der Familie Nensel, hatten den Eindruck, als ob eine Feuersäule zur Erde niedergegangen wäre. Die Bewohner des Nachbarhauses stürmten unmittelbar daraus ins Freie, sahen die umherliegenden Ziegel und eilten sofort die Treppe hinauf in den Wirtsraum des Bootshauses, aus dem ihnen beim Oessnen der Tür ein förmlicher Schwefel-Schwaden entgegenkam, so daß sie zuerst erschreckt zurückfuhren, um über­haupt atmen zu können. Der Schaden, den der Blitz angerichtel hat, ist nicht sehr groß und muß von der Landes-Brandkasse getragen werden.

Schülern aus den verschiedenen Schulen aufzuweisen. Ver­anstaltet wurde das Wettschwimmen von Iungdeutsch- land Gießen-Stad t. Tie Leitung des sportlichen Tei­les lag in den Händen des Professor Mitterm eher, den Ausschuß und die Kampfrichter hatten die beiden Turnver­eine gestellt. Das Ergebnis des Wettschwimmens, bei dem sehr viel Eifer für den Sport an den Tag gelegt wurde, ist das folgende: Beteiligung in der Unterstufe, Knaben von 1214 Jahren, 15 Schwimmer, 1. Ernst Sommertorn, Volks­schule, 81 Punkte, 2. Emil Noll, Volkssch., 76 P., 3. Wilh. Klebe, Realg., 67 P., 4. Hch. Heckroth, Volkssch., 67 P., 5. Fritz Rupp, Volkssch., 66i 2 P., 6. Hch. Seitz, 63 2 P.: außerdem A. Upfermann, Ernst und Walter Müller, .Karl Schweitzer, Alex Fechter, Fritz Brane, Viktor harten (7 Jahre In der Oberstufe, 1418 Jahre alt, 1. Samt Eck, Oberrealsch., 79 Punkte, 2. Herm. Neußer, Turnv., 62 P., 3. Karl Koch, Ober- realsch., 59i/2 P., 4. Ernst Hempel, Oberrealsch., 59 P., 5. Rud. Fourier, Ghmn, 57 P, 6. Hch. Ludwig, Oberrealsch, 5312 Punkte, 7. Karl Benk, Oberrealsch., 52i > P ; außerdem Willi Cullmann, Rud. Werner, Wilh. Dapper, btto Schlemm, Lud­wig Kolb und Paul Meußer. Das Ergebnis des -Ltasetten- laufs: 1. Oberrealschule 2,34 Min., 2. Sportverein 2,46 M., Wartburgverein 2,58 Min. (je 4 Mann 160 Meter). Als Preise wurden Kränze und Urkunden gegeben. Man beschloß«

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:e^A112. Tel.-Adr.:AnzeigerBleßen.

von Interesse, der auch bei gewissen Treibeverfahren zur Ver­wendung kommt.

Eine andere Ursache, die die zweite Iahresblüte bedingen kann, ist die vorzeitige Zerstörung der Blätter. Turch Insekten­fraß oder grosse Trockenheit werden manche Pflanzen und Baume im Sommer eines grossen Teiles ihrer Blätter beraubt, so daß sie zu Ende des Monats August fast kahl dastehcn. Wenn nun im September oder Oktober gute Witterung, Wärme und Feuchtigkeit eintreten, dann kommt es nicht selten vor, dass diese Pflanzen int Herbste noch einmal blühen und ftch neu belauben. Ties ist um so häufiger der Fall, wenn int August nach einmal flüssiger Dünger 511 r_ Anwendung kommt. Deshalb sollte man Obstbäume nach dem ersten August überbaupt nicht mehr düngen und wässern: denn wenn sie bann auch nicht mehr zum zweitenmal blühen, so machen sie doch oft noch Triebe, die im Winter leicht erfrieren, weil sie nicht ausgereift sind. Tie Herbstblüte ist immer ein un­gesunder Zustand, wodurch der Baum sich erschöpft und im nächsten Jahre im Wachstum zurückbleibt, wenn er nicht gar vollständig eingeht. Auch heuer in diesem abnormen, nasskalten Sommer, wo das Wachstum der Pflanzen geradezu stille steht und die Ent­wicklung und Reife der Früchte leine Fortschritte macht, werden gewiß bei der durch den fortwährenden Regen vermehrten Nah- rungszirsuhr die für nächstes Jahr schon vorgebildeten Knospen zum Teil bald zur Blüte lammen, wie wir dies schon jetzt in

** Tas Jugendschwimmfest, das am ©»vertag nachmittag in der Müllerschen Badeanstalt statt­finden sollte, aber auf gestern wurde, hatte eine starke Beteilig

Montag, 28. 3uli 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UntversnätS - Buch- und Stemdruckerei.

9L Lange, Gießen.

Aus Stadt Lands

Gießen, 28. Juli 1913.

Herbftblütc.

Das gelegentliche Auftreten einer zweiten Blüte an Bäumen im Herbste ist eine bekannte Erscheinung, und öfters berichten die Zeitungen, daß ein Baum mit reifenden Früchten in vollem Blütenschmuck stehe, als von einer aussergewöhnlichen, wunderbaren Erscheinung. Die neuen Blütenknospen, unserer Obstbäume pflegen schon Ende August fertig angelegt zu sein. Unter normalen Ver­hältnissen. entfalten sie sich erst im nächsten Frühjahr. Wenn aber einmal im September oder später günstige Temperatur­bedingungen eintreten, so blüht eine Anzahl dieser Knospen oft­mals frühzeitig noch im Herbste aus. Die Ursache dieser vor­zeitigen Herbstblüte kann nun verschieden sein. Nach einem Berichte der PariserSociete Biologie" sind Birn- und Apfelblüten ein­mal in reichem Masse und in auffallender Weise zum Vorschein gekommen durch die Wirkung eines großen Brandes, der am zweiten September ausgebrochen war, und dessen weiteres Umsich­greifen durch einen Obstgarten aufgehalten wurde. Dabei waren die ersten zwei Reihen Obstbäume vollständig verbrannt, die drei folgenden versengt, und an den Bäumen der sechsten Reihe war trotz ernster Schädigung eine zweite Blüte ausgetreten. Schon Ende September öffneten sich einige Knospen, und am 24. Oktober standen vier Apfelbäume, die der Hitze des Feuers ausgesetzt ge­wesen waren, in voller Blüte, roäfrrenb die anderen, die weniger der Hitze ausgesetzt waren, nur einige Bluten hatten. Es hat den Anschein, als ob die Entwickelung der Blüten hier durch die Wärme hervorgerufen worden sei. Man könnte diese Wirkung mit derjenigen vergleichen, die beim künstlichen Treiben der Blumen zur Geltung kommt: aber sie unterscheidet sich von dieser durch ihre Plötzlichkeit, Stärke und Dauer. Was den Mechanismus dieser vermuteten Wärmewirkung betrifft, so ist der austrocknende Einfluß der Wärme auf die Blüterro^yre in her Laospenanlage

Leiche des Brechner. Tas Klosett hat einen Vorraum mit zwei Eingängen. Die Tür zum Klosett war offen, und dort lag der -rote mit den Füßen im Klosett, mit dem Kopf an der Wand nach dem Wagensenfter. Spuren von Gewalttätigkeiten waren nicht zu entdecken: nur eine anscheinend nicht schwcwe Fleischwunde am Kops, die nur wenig geblutet hatte und eine Anschwellung der Finger der rechten Hand war zu bemerken: die Leiche war bereits kalt. Eine große Aktenmappe lag neben der Leiche: im Klosett fand man Hut und Taschentuch des Ermordeten. An der Leiche war die link? Hosentasche, in der er sein Portemonnaie zu tragen pflegte, nach außen gezerrt und abgeschnitlen, das leere Portemonnaie lag daneben. Weiter fehlten die silberne Uhr und die goldene Kette des Ermordeten. Tie .sofort herbeigerufene Staatsanwaltschaft und Polizei stellten zunächst diese Tatsachen fest. Der Wagen wurde geschlossen und beschlagnahmt.

Sonntag vormittag 10 Uhr fand dann die gerichtliche Auf­nahme des Tatbestandes statt, zu der die Herren'Untersuchungs­richter Müller, Staatsanwalt Dr. Krug und Assessor Langenbach, Kreisarzt Medizinalrat Tr. Groß, Polizeirat Krämer, Ktirninal- lommissar Repp u. a. erschienen waren. Der aus Frankfurt herbeigerufene Gcriä tschcrniler Dr. Popp unternahm eine genaue Untersuchung des ganzen Tatortes und der vorhandenen Spuren. Es ergab sich mit Sicherheit, dass, die Annahme, es konnte ein plötzlicher Schlagansall den Tod herbeigeführt haben, unzittreffend war und daß zweifellos ein Meuchelmord vorliegt.

Bei der heute nachmittag 2 Uhr im städtischen Krankenhaus vorgenommenen L e i ch e n s e k t i 0 n sand man, daß die Wunde am Kopf eine Schußwunde war und bald wurde auch int Hirn die die todbringende Revolverkugel aufgefunden. Er ist alfo, fest ge­stellt, daß der Ermordete hinterrücks erschossen worden i ft und zwar mit einer kleinkalibrigen Repetier-Pistole, Vollmantelgeschoß mit Bleiboden. Der Tod dürfte unverzüglich ein getreten sein, da niemand in den angrenzenden Wagen einen Schrei oder Röcheln vernommen hat. Dagegen fand man bei ocr Untersuchung am Vormittag in der Klosettschüssel das Taschen­tuch des Ermordeten und das Futter der abgeschnittenen Hosen­tasche mit Blutspuren und Fingerabstrichen befleckt. Der ötörber hat sich anscheinend an der daneben befindlichen Wasserleitung die Hände gewaschen und die Finger abgetroefnet. Der Mörder hat bei der Kürze der Zeit, die der Personenzug nach Dannstadt braucht und dem häufigen Anhalten auf jeder Station die Mord­tat jedenfalls in grosser Hast ausgeführt, was auch schon daraus hervorgeht, daß er weder den breiten goldenen Trauring, noch einen wertvollen, mit Brillanten und blauen -Steinchen besetzten Ring des Ermordeten mitgeraubt hat.

lieber den oder die Täter fehlt leider bisher noch jede Spur.

Tie Großherzogliche Staatsanwaltschaft Darmstadt er­läßt folgendes Ausschreiben:

«Raubmord. Am Samstag, den 26. Juli d. I., nach­mittags gegen 5 Uhr wurde beim Reinigen eines Personen­zuges im Bahnhof Darmstadt in einem Klosett eines Wagens 2. Klasse, der Kaufmann (Reisende) Eduard Brechner, wohnhaft in Darmstadt, ermordet und beraubt aufgefunden. Ter Tod ist herbeigeführt durch einen Schuß in den Hinterkopf mittels einer kleinkalibrigen Repetierpistole lVollmantelgeschoss mit Bleiboden).

Als geraubt stehen bis jetzt fest: 1. Etwa 3035 Mark in Gold, Silber usw. 2. Eine silberne Remontoiruhr «'Marke Omega'' mit buntem Zifferblatt. Auf der Rückseite des Teckels befindet sich eine Frauensperson mit Lyra und im Innern des Teckels der Name Edi eingraviert. 3. Eine echt goldene Kette, be­stehend aus runden Gliedern, als Anhängsel an der Kette ein kleines goldenes Herzchen mit innerer Glasscheibe und Gra­vierung 22. 8. 1902. 4. Eine kleine schwarze ältere Brief­tasche mit goldener Deckelverzierung: möglicherweise steht im Innern der Ausdruck eines Wiener Cafehauses.

Soweit seststeht, hat Brechner in Sprendlingen, Kreis Offen­bach, Geschäfte erledigt und ist in dem um 11 Uhr 43 Min. in Frankfurt a. M. und um 12 Uhr 05 Min. in Svrendlingen- Buchfchlag in der Richtung Darmstadt abgehenden Personenzug ge­stiegen. Dieser Zug hält an den Stationen Langen, Egelsbach, 'Erzhausen, Wixhausen, Arheilgen und trifft um 12 Uhr 39 Min. nachmittags in Darmstadt ein. Anscheinend ist in diesem Zuge auf der Strecke SprendlingenDarmstadt der Mord begangen worden. Die Leiche wurde in dem Zug, der Frankfurt 3 Uhr 55 Min. verlässt und in Darmstadt 1 Uhr 34 Min. ein­trifft, gefunden. Dieser Zug besteht aus denselben Wagen ttne der obengenannte Personenzug. Es ist die Möglichkeit nicht aus­geschlossen, daß Brechner den Zug 3 Uhr 55 Min. ab Frank­furt benutzt hat.

Wir ersuchen dringend um eifrige Nachforschung nach sol­chen Personen, welche an den betreffenden Stationen jenen Zug verlassen haben, ober sich sonstwie durch Geldausgaben verdäch­tig gemacht haben. Ferner ersuchen wir um Durchsuchung solcher Personen nach den als geraubt bezeichneten Gegenständen, Nach­frage in Pfandhäusern, bei Trödlern, Althändlern usw. und bitten alle Mitteilungen an Großh. Staatsanwaltschaft Darm­stadt gelangen zu lassen.

NB. Alle Personen, welche als Reisende die genannten Züge benutzt haben, ersuchen wir, etwaige sachdienliche Wahrnehmungen dem nächsten Polizeibeamten ober direkt hierher mitteilen zu wollen.

Mord im Lisenbahnzug.

Darmstadt, 26. Juli. In einem Abteil 2. Klasse des Personenzuges Nr. 978 der Strecke Frankfurt a.M.- Heidelberg wurde heute nachmittag ein Mann ermordet. Der Tote ist der Kaufmann Brechner aus Darmstadt. Es liegt anscheinend Raubmord vor, doch ist die Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Brechner war nachgewiesenermaßcn gegen 12 Uhr mittags in Langen in den Zug nach Frank­furt gestiegen und war dann von Frankfurt wieder zurück­gelehrt. Der Täter, der noch nicht ermittelt ist, dürfte mit dem Zuge jedenfalls weiter gefahren sein.

Hierzu schreibt uns unser Darmstädter rb.-Mitarbeiter:

Darmstadt, 27. Juli. Der vor einer Reihe von Jahren mit Frau und zwei kleinen Kindern aus Oesterreich hcerhergezogene, auf der Künstlerkolonie Alexandra-Weg 35 eine kleine Vüla be­wohnende Kaufmann und Hvlzkommissionär Eduard Brechner ist am Samstag nachmittag in einem Eiseirbahnabteil 2. Klasse ermordet und beraubt aiffgefimben worden. Der Ermordete, eine fräfHgc Persönlichkeit im Alter von 3840 Jahren, hatte sehr häufig gesck)äftlich in.Frankfurt und den Orten der dortigen Um­gebung zu tun und besaß ein Monatsabonnement für die Strecke DarmstadtFrankfurt. Auch am Samstag früh war er nach dort gefahren und hatte zttletzt eine Firma in Sprendlingen besucht. Er hatte die Absicht, schon frühzeitig wieder in Darm­stadt zu sein, versäumte aber den Zug und telephonierte dann seiner Frau, daß er erst um 12.39 Uhr wieder in Darm habt sein würde. Nach'den bisherigen Ermittelungen der Staatsanwaltschaft ist er auch um 12 05 Uhr in SprendlingenBuchschlag in den nach Darmstadt fahrenden Personenzug eingestiegen, dessen Abteile 2 Klaffe um diese Zeit fast ganz leer waren. Die tunge Frau erwartete ihren Gatten am Hauptbahn Hof vergebens, sie hatte feine Ahnung, daß er wahrscheittlich schon als Leiche mit dem von ihm bezeichneten Zug ankam. Tiefer selbe Personenzug Nr 928 wird 1.42 Uhr nach Frankfurt zurückgeführt und verläßt dann als beschleunigter Personenzug um 3.55 Uhr wieder Frank­furt von wo er 4.34 Uhr in Darmstadt eintrint. Hier werde» die 'Wagen auf ein Seitengeleise gebracht und gereinigt. Als nun die Wagenputzer den Wagen Nr. 266 betraten bot sch ihnen ein entsetzlicher Anblick. Sie ^^btdem zwischen dem Kupee der ersten und der zweiten Klasse b^mdttchen.Wort bte

Sur Frage öes Geburtenrückganges.

Angesichts des in neuerer Zeit überall beobachteten (^tirurtenriufgang e5 begegnen statistische Feststellungen und wissenschaftliche Untersuchungen, die zur Lösung des Pro­blems beitragen sollen, besonderem Interesse. Ties kann vor allem aber von einem Vortrage gelten, den auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Statisttschen Gesell­schaft Professor Tr. Tonnies gehalten hat, da er neue Ge­sichtspunkte und Richtigstellungen von Behauptungen über die Ursachen des Geburtenrückganges enthält, die bisher namentlich von wissenschaftlicher Seite weniger Beachtung gefunden haben. Tönnies weist darauf hin, daß von der industriellen Bevölkerung als solcher nicht, wie das viel­fach geschieht, gesagt werden könne, daß sie allgemein eine schwächere Geburtenziffer habe, noch weniger, daß sie einen stärkeren Rückgang aufweist, als im allgemeinen die land- wirtschaftliche. Er betont weiter, daß in den Großstädten mannigfache physiologische Ursachen vorhanden sind, die neben anderen Ursachen einer starken Vermehrung der groß­städtischen Bevölkerung entgegenwirken. So haben beispiels­weise die in Städten häufigeren konfessionellen Mischehen eine geringere Fruchtbarkeit, wie auch die sogenannten Rassenmischungen, auch wenn sie zum größten Teil nur eine Vermischung verschiedener Volksstämme derselben Rasse ist, die Fruchtbarkeit der Ehen vermindern. Diese beiden Momente spielen in unserer Zeit, welche die Bevölkerung verschiedener Gegenden, namentlich aber auch in den Städten, viel mehr durchcinanderwirst, als früher, eine nicht unerhebliche Rolle. Der Rückgang der Geburten in Preußen von 1894/96 bis 1904/06 ist nach seiner Meinung darauf zurückzuführen, daß das ländliche und städtische Proletariat, welches bisher immer als Träger der höchsten Geburtlichkeit angesehen wurde, neuerdings Vermindcrun- gen in Geburten aufweist. Als Grund hierfür will aber Tönnies (und das ist gegenüber mancher tendenziösen Schrift der letzten Zeit besonders hervorzuheben) nicht die gefahrdrohende Verbreitung neumaltl)usianischer Anschau­ungen in den unteren Schichten der Bevölkerung, sondern die widrigen ökonomischen Lebensbedingungen maßgebend sein lassen, wofür diese Schichten in besonders hohem Maße empfindlich sind, und die sich in einer ungünstigen Gestal­tung der El)eschließungen und erst daraus folgender Ver­minderung der ehelichen Geburten äußern.

Bon diesem Gesichtspunkte aus rechtfertigt sich die schon bisher von anderer Seite vertretene Ansickfl, bafo soweit diese Schichten in Betracht kommen, die Geburten- häusigkeit wieder steigen wird, wenn die Lebensbedingungen eine günstigere Gestalt gewinnen. Jedenfalls sei die von manchen Schriftstellern (so namentlich von Julius Wolf- Charlottenburg) behauptete Einwirkung der gewollten Be­schränkung der Geburtenhäusigkeit, auf die groß-e Masse der Bevölkerung bezogen, aller Wahrscheinlichkeit nach über­raschend gering. Gegen die Versuche aber, durch oberfläch­liche Zusammenstellung und unmethodische Vergleichungen, wie sie Wolf in seinem kürzlich veröffentlichten Buch vorge­nommen hat, Zusammenhänge zwischen Geburtenhäufig­keit auf der einen und politischen oder religiösen Anschau­ungen auf der andern Seitenachweisen" zu wollen, wendet sich Professor Dr. Tönnies mit folgenden Worten:

Ein gewisser Zusammenhang mit der Verbreitung des katholischen Bekenntnisses auf der einen, der sozialdemo­kratischen Parteizugehörigkeit auf der"andern Seite Jft für spezifisch deutsche Verhältnisse dadurch gegeben, daßssenes für ländliche,'in Preußen besonders auch die polnisch-länd­lichen, diese für großstädtische Lebensverhältnisse charak­teristisch ist. Diese Momente (die Kirchlichkeit oder den poli­tischen Glauben) als isolierte Faktoren des Geburtenrück­ganges herauszuheben, ist ein wissenschaftlich ernst zu neh­mender Versuch nicht gemacht worden. Oberflächliche Zu­sammenstellungen und ünmethodische Vergleichungen können nur dazu dienen, die Statisttk zu diskreditieren. Sie be­stärken den üblen Ruf, daß man mit Statisttkalles" be­weisen könne. Solche Beweise zu widerlegen, verlohnt sich nicht immer der Mühe."

Nr. m Zweites Blatt 165. Jahrgang

Schelm täglich mw Ausnahme des Sonntags.

D'eSiebener Zamilienblätter" werden dem E W WM Wi H ß E Er

.Anzeiger' viermal wöchentlich beiqelegt, das A V b jj fk, fL <^X3jL B Ä Ä tL, M 1k, |L

Kreisblatt für ben Kreis Liehen" zweimal V * « V 'V V

wöchentlich. Di»Landwirtschaftlichen Seit-

fragen" erscheinen monatlich zweimal. General-Anzelger für Oderhefien

(Bereitung ohne jeden Kauf- ! urteilen Sie dann selbst.

Niederstem

Marktfitrasse 4 4915

he

hr Geld für \ lerwertige. { eise nur so- innteWasser- joch Appa- : wegnerfen

Züge de- Dampf-Einkochers

", " 1000.V J-800

-SiAM-

he der ab I ,

. 8 Qn bet ^Mutter 9örf 'egen ÖOrfc

SS .

" wichen-

w wichen Gifeficn w &

^«en

richtigl!ng°'de°^eichne?u(td) 'en (ftmeffen jede?ö^eW1' JTSäsetts

:m Juli 1913. |D "

lfirMlÄzWk. »in KaHri«. $, k smelillM.

icker, qj 1M. 61 Fis.

Ä-LAFtz r-»"22 Fig.

iPsg, Pfd.50 Pfs