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28.1.1913 Erstes Blatt
 
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i-brrzoglichc Rektor:

WSflnfei I früher 311 - Telephon 611, eben, empfiehlt sich in Aufertim i*klararjonen. Forderen (rsbeitn- . /ensvei-zeichnissen. Auskunft 11 afrssachen vor Gericht und Ajl 'gen Privat- Testamenten. E 7 Uhr. Sonntags.- 10-S Uhr. A

iMlIl, OiiEttll tlsfitik, erteilt Sinjä rigmjengti *<re:t 5 Stute, trogen S-tn Ptnfionsprcis profpehte dd. Dfrtkrt.it

Qort, Walltorstr. 45.

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Erstes Blatt

165. Jahrgang

General-Anzeiger für Gberhrffen

der reißend anwachsenden Menge durchschritten die Angekommenen den Hof und drangen in das Aroßwesierrat ein. Vor der Tür des Salons, in dem der Ministerrat ragte, wollte Hauptmann T c w f i k Bei, ein Ordonnanzoffizier Nasim Paschas, die Ein-

Nr. 25 _____Erstes Blatt 165. Jahrgang Dienstag, 28. Januar 1915

Der Slehener Anzeiger MV8M Otz w*F FH Vezngsvrer »:

erscheint täglich, außer ÄÄäjW V tj monatlich 75 vi.,oiertel-

Sonntags. - Betlagen: M kA A A A. Jk ▲▲ A A A A A. A AA iätjrltdj Blf. 2.2°; öurcfr

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(Dienstag und Freitag); M M Mk, M fei W U A ZI W M M |S 1| Wl, H Zeilenpreis: lokal 15

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wirtschaftliche Settfraaen ^1 W W M 63 V V ^F W» W V« ^F >F Chefredakteur: A Goetz.

Feruiprech - Anschlüsse:kjF Verantwortlich für den

für die Siedaktiou 112, *7^ w * ee _ MF politischen Teil: August

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bis vormittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Ur. 269 Geschäftsstelle vahnhosstrahe 16a. Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umsatzt 12 Setten.

Die Lolqen der türkischen Ztaattstreicher.

Die Tat Enver Beys, die leider neun Opfer forderte, fiat noch feine weiteren Folgen in Konstantinopel gehabt. Die Antwortnote ist noch nicht abgegangen. Aber die Ruhe in der türkischen Hauptstadt soll wieder völlig her­gestellt sein: Pie Jnngtürken verzichten auf (üTe unnötigen Hetzereien, lassen Verhaftete "wieder frei und den Zeitungen auch wieder ihren Lebensatem. Ader die Wirkung 'des Umsturzes kann "fieitte als fiir die Türkei günstig bezeichnet werden. Die Russen chaben ihre 'Drohung nicht verwirklicht. Die deutsche Regierung hat in derRordd. Llllgcm. Ztg." eine endlich einmal von neutralem Geiste durch­drungene Erklärung abgegeben, die mit ihren Winken nach Petersburg und London in der gesamten Presse des Reiches freudigen Widerlwll erweckt haben. Denn die mutige Tat Envers 6^ unbestreitbar in allen Lagern Sympathie er­weckt, und es sind keine Kriegshetzer, die dem Ausdruck geben. Die Presse der Linken ausgenommen die sozial­demokratische stimmt darin überein, daß der ckühne Iungtürke ehrliche Bewunderung deroient im Gegen so 1; zu dem Ränkespiel der interessierten Diplomaten. Und nun ist nach London ein noch lauterer Ruf erschallt. Die Muselmanen in Indien rühren sich und verlangen die Fortsetzung des Krieges gegen die Balkanverbündeten. Auch verurteilen sie in ihren Versammlungen das grauen­hafte Schweigen Euro Pas und die Untätigkeit iE ngl a n d s gegenüber den bulgarischen Uebergriffen. Das wird England schwer z-u denken gehen. Witt Staatssekretär Greck einen Aufstand in Indien riskieren? Bemerkenswert ist, daß das Reut er-B ureau diese Bewegung ui Indien feststellt. Man darf also annehmen, daß der deutsche Wunsch, man möge alle Drohungen gegen die Türkei unter­lassen, jetzt durchdringt. Man sieht aber auch, daß es gar- nicht gefährlich und bedrohlich für den Weltfrieden ge­wesen wäre, wenn Herr v. Bethmann-Hollwe-g bei den Lon­doner Verhandlungen etwas entschiedener vorangegangen wäre.

Wir wollen heute auch einmal die Ausführungen eines Zentrumsblattes zu der Batkanpolitik zitieren. DieGer­mania" schreibt nicht unrichtige

Da der Dreibund sich in der letzten Zeit gegenüber den russischen Wuttschen etwas sehr gefügig gezeigt, hatte, konnte man, rni-' toü es auch in unserer Nr. 42 sehr deutlich 's um Ausdruck gebracht haben, nicht ohne Grund befürchten, daß der Truck der Großmächte auf die Türkei im Falle der Ergebnislosigkeit ihrer Ratschläge" die Form einer Drohung und, sollte auch diese versagen, die eines gewaltsamen Einschreitens annehmcn würde. Deshalb ist die Erklärung der Rorddeut*ckMi Mlgemcinen Zeitung, daß für ein gemeinsames Auftreten der Mächte sZwangsmaßregcln gegen die Türkei nicht in Frage kommen, von der allergrößten Bedeutung und wird nicht wenig zur Beruhigung der zahlreichen Deutschen beitragen, die .in der letzten Zeit unserer Politik oft recht drastisch zum Vorwurf machten, daß sie sich allzusehr ins russische Schlepptau begeben habe. -Die Norddeutsche Mgemeine Zeitttng pflegt nicht gegen "Windmühlen zu kämpfen; ihre Er­klärung setzt voraus, daß Zwangsmaßregeln gegen die Türkei an einer andern Stelle ernstlich in Erwägung gezogen, wenn nicht gaL schon teilweise vorläufig in der Form einer Drohung in die Tat umgesetzt sind. Solchen Schritten Rußlands und der übrigen Vtäcyte dös Dreiverbandes werden sich also die Drei­bundmächte unter keinen Umständen anschließen. Die Versicherung des offiziösen Organs wird hoffentlich in Petersburg, London und Paris verstanden werden. ___________

Bon Neutralität schreibt die Nordd. Allg. Ztg. ja recht vieles und schönes, aber nicht jeder wird chren Begriff der Neutralität sich zu eigen machen können. Oder haben sich die Mächte in ihrer Vermittlerrolle zwischen der Türkei und den Balkanftaaten wirklich ganzneutral" verhalten?"

Der türkische Minifterrat

ist <rm Montag nachmittag zusammengetreten, um neuer­dings den Entwurf Kit einer AntwortnotederPforte zu beraten, die den Botschaften übermittelt werden soll. Ein Jrade gibt die Ernennung des Prinzen Salid Hall im zum Minister des Aeußern bekannt. Die Mehrzahl der verhafteten Personen ist freigelassen worden.Fkdam" undJeni Gazetta" werden morgen toteöer erscheinen.

Konstantin op es, 27. Ian. Den Blättern zufolg' hielten gestern einflußreiche Mitglieder des jungtürkischen Komitees eine Versammlung ab. in der b e s ch l o s s e n wurde, daß Adrianopel und die Inseln des Archipels niemals abgelreten w er d e n d ü r7 ten.

London, 27. Jan. Wie das Reuter-Bureau erfährt, haben bis heute abend die türkischen Delegierten von ihrer Regierung weder Instruktionen erhalten, noch haben sie irgendwelche .Kenntnis davon, ob die Pforte auf die Kollektivnote der Mächte geantwortet hat.

Die Finanzen der Fungtürken.

Der Sonderberichterstatter desMätin" meldet, die türkischen Delegierten hätten die Nachricht, daß die neue jungtürkischsRegierung 'eine 'S u m m e v o n 5 bis 6 Millionen aufgetrieben habe, als nicht unwahr­scheinlich bez-eichnet. Die Regierung habe vielleicht ge­wisse Thron juwe len als Pfand gegeben, so z. B. den massiv goldenen, mit überaus kostbaren Edel­steinen geschmi'vckten Thron. Amerikanische Finanzleute hätten diesen bereits vor längerer Zeit kaufen oder be­leihen wollend

Die Mohammedaner Indiens

Kalku t t a, 27. Jan. (Reuter.) 'Die Muselmanen haben Versammlungen zugunsten der jungtür­kischen Partei abgehalten und Entschließungen gefaßt, in welchen sie die Wiederaufnahme des Krieges verlangen und das grauenhafte Schweigen Europas und die Untätigkeit Englands.gegenüber den bulgarischen Uebergriffen verurteilen.

Rumänisch-bulgarische Berhaudlungen,

Wie das Reuter-Bureau erfährt, sind die Besprechungen zwischen D a n e w und dem rumärnschen Gesandten M i s ch u am Montag vormittag wieder anfgenommen worden, und werden nach einer ans rumänischen Kreisen stammenden Mitteilung in freundschaftlicher Weise fortgesetzt. In ru­mänischen Kreisen wird in Abrede gestellt, daß Rumänien bei der vorgeschlagenen Aeirdernng der Dobrudschagrenzc Baltschik und Silistria beansprucht.

Darstellungen des Staatsstreiches Cnver Beis erscheinen in mehreren Blättern, und sie weichen nicht unwesentlich von einander ab. DemVerl. Tgbl." ist folgende Sckzilderung zugegangen:

Tie Mencze drang in den Hof der Hoben Pforte ein, ohne bei den dort anfgestellten Truppen Widerstand zn finden. Gleich daraus trafen Enver Bei und der Exminister Talaat Bei mit einigen Begleitern im Automobil ein. Unter jubelnden Zurufen

dringlinge aufhalten. Mehrere R e v o l v e r s ch ü > s e wurden ge­wechselt und Hauptmann Tewfik Bei und ein Zivilbeamter, namens Mustapha Nedjib, stürzten tot zu Boden. Als drittes Opfer fiel dann Nasim Pascha, der die Tür aufgerissen hatte, um die Ur­sache des Tumults festzustellen. Ueber Nasims Leiche drang dann Enver Bei mit dem Revolver in den Sitzungssaal. Mehrere Minister litten sich feige hinter den Möbeln versteckt. Enver Bei trat sofort vor K i a m i l und befahl ihm, sein Demissionsgesuch zu unterschrei­ben. Ter Minister des Aeußern, No r a d n n g hi a n, versuchte Enver, Talaat und den übrigen vorzustellen, daß der Friede un­vermeidlich sei. Er wurde aber geohrfeigt und bei­seite gedrängt. Kiamil unterzeichnete darauf das Temis- sionsgesüch, das Enver Bei an sich nahm1. Die draußen wartende Menge war mittlerweile auf viele Tausende angeschwollen. Als Enver Bei erschien und die Demission Kiamils mitteilte, brachen Lubclstürme los. Enver Bei ffihr darmff im Automotil nach dem Palais des Sultans und überbrachte diesem das Demissionsgesuch Kiamils. Im Namen des Revolutionskomitees bat er zugleich um die Ernennung Mahmud Schewket Paschas. Mittlerweile hatte Talaat Bei provisorisch das Ministerium' des Innern über­nommen. D i e b i s h e r i g e n M i n i st e r wurden im Berattings- saal als Gefangene bewacht. Die Leichen Nasim Paschas und der beiden anderen Opfer lagen mit Mänteln bedeckt hinter einem1 Wandschirm. Niemand durfte die Pwrte verlassen. Nur der erste Dragomän der deutschen Botschaft, Weber, der im Moment des stzutsches 'zufällig auf der Pforte weilte, konnte^durch eine ge­heime Tür ins Freie gelangen, dagegen mußten mehrere Aus­länder, darunter der Direktor der anatolischen Bahn, H u g u e n i n, stundenlang aus der Pforte warten. Man erklärte dem ungedul­digen Herrn .Huguenin:Vielleicht werden nrr ihren Zylinder brauchen, um einem der Minister die Flucht zu ermöglichen." Trotz be^ strömenden Regens dauerten die Kimdgebunnen vor der Pforte au Tie Menge jubelte dem vom Palais zurückkehrenden Enver Bei zu Ms dieser bald darauf abermals wegfuhr, erneuerte sich her sFubel und erreichte feinen Höhepunkt, als nach 8 Uhr abends Mahmud Schewket Pascha und der erste Sekretär des Sultans Fuad Bei bei der Pforte nnfümen und Fuad das Dekret über die Ernennung Mahmud Schewkets vor dem Volke verlas. Tosen­der Beifall erschallte, als Mahmud Schewket misrief:Die neue Regierung wird nach heu Wünschen des Volkes handelnd 'M auf Bitten Schewkes verließ die Menge dann den Hof der Pforte, aber dis tief in die Nacht dauerten die Freudenkundgebungen.

Kaibts Geburtstag.

Die Feier in Berlin.

Berlin, 27. Jan. Die Kaisers Geburtstagsfeier begann heute vormittag um 8 Uhr mit dem großen Wecken auf dem Schloschose. Ter Kaiser nahm zuerst die Glückwünsche der kaiser­lichen Familie, dann die des engeren Hofes, des Hauptquartiers und der Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses ent­gegen. Nur die beiden Schwestern des Kaisers waren aus Crow berg und Bonn mit ihren Gatten eingetroffen.

Um 121-4 Uhr ging der Kaiser ins Zeughaus, begleitet von dem Kronprinzen, den Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm und Oskar. Der Kaiser nahm militärische Meldungen entgegen. Nach dem Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie und der Salutbatterie lehrte der Kaiser unter den Hochrufen des Publikums zuu> Schlosse zurück, wo Familien-Frühftückstasel und für das Gefolge Mar­schallstafel stattsand.

In der Schloßkapelle versammelten sich das diplomattschr Korps, der lyofie Adel, der Reichskanzler, der Bundesrat, die Generalität und ?ldmiralität, ferner die Ritter des Schwarzen Adlerordens, die Staatsminister und Staatssekretäre, die Präsidien der Parlamente usw. Um IOV4 Uhr betrat unter dem Gesang des Domchors in feierlichem Zuge der Kaiser die Kapelle.

Gieszener

Ans eiserner Zeit.

Vaterländisches Schauspiel von Theodor B i r t.

Gießen, 28. Januar.

Den Geburtstag unseres Kaisers beging die hiesige Bühne nach alter Gepflogenheit mit einer glanzvollen Festauffuhrung, zu der außer den Spitzen der Behörden auch die Vertteter der Studentenschaft in Bollwichs erschienen waren. Nach derFest- Ouvertüre", die von unserer Regimentskapelle unter der Leitung des Herrn Obermusikmeisters L ö b er sehr emdrucksvoll vorgetragen wurde gedachte der Regimentskommandeur, Herr Oberst v 0 n Crotta, des festlichen Tages, indem er auf das segensrerche Wirken des Kaisers hinwies, und das Hoch aut ihn ausbrachte Die Nationalhymne wurde von den Anwesenden stehend an gehört. Darnach hob sich der Vorhang über der Zett, da unser ^-olk vor hundert Jahren aus seiner Ohnmacht erwachte, ^te Vorstellung, zu der sich auch sehr viele Marburger eutgefunbert hatten, war von Herrn Oberregisseur Tworkowski lehr lorgialhg vor­bereitet und erzielte einen starken Erfolg. .

Herr Birl führt uns auf das schloß Hoheneck, wo der philosophisch veranlagte Franzoserifreund, Baron von,Hünen mit feinen beiden Kindern Johanna undEberhard sowie einer jungen Französin, einer Waise in idyllischer RuheyA^. Mtt Spannung erwartet der Alte die Nachrichten aus Rußland und ist aufs höchste erzürnt, als sich sein ^ohn, von "'ler ^westtr und ihrem Liebsten W Friedmann angeseuert bald nach Moskaus Brand, zu den Freiwilligen schlägt. Um den Vater vor der Rache des westfälischen Staatsrats Bernard zu ichutzen v^spncht die edle Johanna ihm ihre Hand, wenn er sich ein lzalbes Jahr gedulde. Ein Tag vor der Hochzeit erscheinen französische -trugen auf der Flucht nach der Schlacht bei Leipzig auf dem Schloß und veranlassen den Staatsrat, schleunigst' zu entweichen, nicht ohne seiner Brant rasch den Brautschmuck, den er^ihr gerade um­gehängt hatte, wieder vom Halse zu nehmen, xie tfranjofen, Denen der Baron die Kasematten des Schlosses überlaßt, maroneren nnangesochten, und fesseln sogar die arme Johanna .-Wahrend sie sich am Wein berauschen, erscheint Eberhard, teüt leiner Schwester mit, daß die Preußen sich schon zum Sturm rüsteten, und eilt daun, ohne auf die Bitten seines Vater zu froren, wieder zu seiner Truppe. Um die Preußen zu retten, entzündet Johanna eine von den Franzosen angelegte Mine, und wird m dem be giiineiiden Gefecht von einer Kugel getroffen, ^ym letzten Aus­zug, hält sie den Bruder davon ab, dauernd Offizier zu werden in.' führt ifrm1 zum Lohne dafür die franzofiiche Waise alÄ . ibte nri während sie selbst selig entschlummert und durch

<zt> Äud) ihren Vater zu einem guten Deutschen bekehrt..

Aus dieser Inhaltsangabe schon geht hervor, daß der Ver­fasser keine literarischen Ansprüche erhebt; er hat auch weder airi Handlung noch auf Charakterzeichnung Wert gelegt - und wendet sich, wie schon aus deit zahlreichen, cingcftreuten Liedern hervor­geht, an eine festlich gestammte, patriotische Versammlung. Nickt zum Vorteile gereichen dem Stücke die vielen Gespräche, die nur dazu dienen, die einzelnen Auszüge zu verlängern und dabei die an sich schon sehr dürftige Handlung außergewöhnlich per zögern. Auch der Sprache möchte man ein wenig mehr Tiefe, weniger Naivität und sogar Banalität wünschen Es klingt koniisck. wenn ein junges Mädchen sagt: Ich hasse ihn im Namen^der Tugend. So haben die Schriftstellerinneii der 50er Jahre vielleicht gesprochen über kein vernünftiger Mensch. Ich kann es auch nicht besonders geistreich finben, daß die Johannaohne Schwert und Helm" im Jahre 1814 mit dein bekannten Goethe wortMehr Licht" aus den Lippen stirbt, und das wird auch dadurch nicht hinreichend begründet, daß Goethe sehr oft als Gast in ihres Vaters Hause weilte. Etwas Humor zeigt der 93er- fasser in einigen allerdings völlig überflüssigen und sogar störenden Szenen wie z. B. dem Auftritt der Jenaer Professoren, wo der Dr. Haberkorn sehr viel Freude erregt, weil er beständig seine Tabaksdose anbietet.

Die Ausführung war, wie schon gesagt, sehr sorgfältig vor­bereitet und auch die einzelnen Darsteller mühten sich recht wacker, obschon sie alle wenig dankbare Rollen hatten, weil keine auch nur im mindesten charakterisiert ist. Es sind im Grunde genommen alles Figuren, die der Verfasser ofrnc inneren Zwang reden läßt, wenn es' ihm beliebt und es fiele keinem .Menschen auf, wenn ein anderer das sagte oder ein anderer antwortete. Dem­gemäß sind denn auch die Darsteller sehr hoch zu bewerten. Im Mitteipunkt des Stückes stand Fräulein Dagny, und sie be­mühte sich nicht vergeblich, aus der deutschen Johanna ein halb­wegs lebendiges Mädchen zu machen. Herr Kliewer versuchte ebenfalls nickst ohne Glück dem Baron von Hünen so etwas wie Rückgrat zu leihen. Die Rolle des Eberhard gab Herrn Jensen Gelegenheit, begeistert und frisch von der Leber runter zu reden. Herr Bruchwi'tz spielte den Max mit begeisterndem Feuer. Den westsälisckien Staatsrat gab Herr Brüdj am mit der nötigen Anmaßung. Eine nette kleine Französin war Fräulein R appo, nach Vorsckstiit oberflächlich und gerührt. Sehr hübsch war Herr Norden in der kleinen Rolle des Tr Haberkorn und Herr Goll als Laval. Auch die Herren D w 0 r 0 w s k i als Schmied, V 0 l ck als Pfarrer und Fräulein S ch 0 l z als Liese standen gut in dem Nahmen. Der Beifall war nach jedem Aufzug sehr stark und nach dem vierten konnte sich der Verfasser mehr mals den Zuschauern zeigen. N.

*

Eine Neuordnung des architektonischen Un­terrichts in Düsseldorf. Man schreibt uns aus Düssel­dorf: Vor kurzem hat der Direktor der Düsseldorfer Kunft- gewerbesckule Professor Wilhelm Kreis in einer program­matischen Rede darauf hingewiesen, wie sehr es zu bedauern sei, daß die Kunstakademie sich nickst mehr als unbedingt nötig der Baukunst annehme. Die technischen Hochschulen fordern in der Hauptsache das theoretische Wissen. Die Kunstgewerbeschulen wer­den von den fhibiertön Architekten kaum aufgesucht, obgleich z. B. an der Düsseldorfer Schule Kreis eine vorzügliche besondere Ab­teilung für Architekten geschaffen hat. Die Malerei bünt heute mehr als je der Raumkunst und eine monumentale Raumkunst zu finden, bemühen sich neben den Architekten eben die Maler. Die Düsseldorfer Akademie verdankt daneben dem Akademiedirektor Professor Fritz Noeber Lehrstühle für Mosaikmalerei und kirch­liche Jnnenkunst. Doppelt notig wäre für diese Lehrfächer eine Anlehnung an eine groß ausgebaute Architekturklasse. Dem soll

. wo sich Düsseldorf auf seinen Ruf als Kiinststadt besinnt, abgeholfen werden. Tie Kunstakademie wird in wenigen Jahren am Rhein eine neue Stätte finden. Auch die Kunst- g e w e r b e s ck n 1 e soll in einen Neubau übersiedeln. Und mit Der äußeren Veränderung soll ein innerer Ausbau Hand tn Hand gehen. Tie Akademie soll eine Architekturklasse großer Art erhalten. Natürlich beschwor der Gedanke dieses Ausbaues die Gefahr herauf, daß die Stadt den Mann, der vieUeicht der Ur- Ijeber de-5 Gedankens ist, den bedeutendsten ihrer Architekten, Wilhelm Kreis, verlor. Es ist indessen gelungen, sowohl mit den Ministern über den Ausbau der Akademie wie mit Kreis über fernere Tätigkeit eine Einigung zu erzielen. Kreis wird im Nebenamte eine Professur an der neuen Arckitekturabteilung der Akademie übernehmen. Und da gleickzeittg versucht werden soll, auf dem Gebiete der Raumkunst Akademie und Kunstgeiverbe- schule in enge Fühlung zu bringen, so ist es nun wohl auch wahrscheinlich, daß der Neubau der Kunstgewerbeschule am Rhein neben der Kunstakademie stehen wird.

ff. Der Personenaufzug der Cäsaren. Professor Boni, der Leiter der Fonim-Ausgrabungen in Nom, hat soeben, wie aus Rom berichtet wird, Personenaufzüge entdeckt, die von der Ebene des Forums auf den Palatin zum kaiserlichen Palalte führten, wie groß die Anlage war, steht noch nicht fest. Vorläufig sind drei solcher Aufzüge freigelegt worden, die eine Tiefe von 36 Metern 'faitten. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinno' t, daß Boni bereits früher auf dem Forum ein paar noch gröl' n" Aufzüge aus dem alten Rom entdeckt hat. Es waren dies zwölf aus den letzten Jahren der Republik stammende Auszüge, Die w ihrend der Zirkusspiele benutzt ivurben, um Fechter und wilde Tiere aiii Die Höhe der Arena zu befördern. Jeder dieser Aukzüge konnte