Ausgabe 
19.12.1913 Erstes Blatt
 
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nanzunnister Caillaux die Absicht habe, die durch das Mili- tLrgesetz notwendig gewordenen Ausgaben auf drei Jahre zu verteilen, Er veranschlage die Ausgaben des ersten Jahres auf etw 600 Millionen, zu deren Deckung Sehatzscheine in diesen: is-elrage ausgegeben werden sollen. Der weitere Be^ darf soll durch die von Caillaux gevlanteSteuer auf den erworbenen Reichtum" gedeckt werden, die jedoch erst sechs Monate nach der Bewilligung durch das Parlament in Kraft treten werde.

Steuerfreiheit der päpstlichen Beamten. DieKölnische Volkszeitung" meldet aus Rom: Dem Ver­nehmen nach hat sich der Heilige Stuhl mit der italienischen Regierung dahin geeinigt, daß gegen eine jährliche Zahlung von 60 000 Lire an den italienischen Staat keiner der im Dienste des Heiligen Stuhls in Rom beschäftigten vatikani­schen Beamten und Prälaten zur Entrichtung der Staats­steuer herangezogen werden kann.

Aur Stabt rind Canb»

Gießen, 19. Dezember 1913.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Die gestrige Stadtverordnetemitziing verlief außer­ordentlich ruhig, und es waren auch kerne weltbewegenden Dinge, die auf der Tagesordnung standen. Der gute Humor der .Herren kam zum Durchbruch, als Stadtverordneter Loeb er, erzürnt über die Verzögerung beim Bau der Straßenbahn nach Wieseck, erklärte, daß man solche Saum- 'seligteit sonst nicht von dem Oberbürgermeister gewöhnt sei, worauf denn Herr Mecum sich bestens für die gute Meinung seines Vorredners bedankte.

Eine Eingabe des Herrn Rechtsanwalts Spohr wegen der Bebauung der Schwarzlach wurde zurückgewiesen, weil sie sich auf ganz falsche Zahlen stütze. Herr Mecum laS dann eine ganze Anzahl Zahlen vor, aus denen auch nichts wesentlich anderes hervorging, als wir in unserem Bericht erwähnt hatten, daß nämlich als billigster Preis rund 7 Ml. iaenau 7.42 Mk.) und als Forderung des Herrn Pfaff 25 Mk. angegeben worden seien: die Forderungen der übrigen Besitzer bewegen sich zwischen diesen beiden Zahlen. Daß es sich bei der [o weit auseinandergehenden Schätzung der beiden Sachverständigen um das Grundstück des Herrn Pfaff gehandelt hätte, ist von uns nicht be­hauptet worden.

Eine längere Aussprache riefen die Anträge des Ar- beiterausschusses hervor, aber da überall der Lille zu­tage trat, den berechtigten Wünschen der städtischen Ar- beiter soweit als möglich entgegen zu kommen, wurde diese Angelegenheit rasch erledigt, indem man alle Anträge d.'s Ausschusses zusammen annahm und den Antrag auf Lohn­erhöhung bis zur Besoldungsvorlage der Beamten ver­schob, um beide dann zusammen zu beraten. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde dann der Vormarkt, der schon lange üblich ist, auch amtlich gestattet. Die Fest­legung des Viehmarltplatzes wurde noch verschoben, bis Pläne und Kostenvoranschläge für die beiden in Frage stehenden Projekte ausgearbeitet sind. ZuM Schluß mürbe eine große Anzahl von Gesuchen erledigt.

** Tageskalender für Freitag, den 19. Dezember: S t a d t t!i e a t e r:Die spanische Fliege." (Erstausführung.) An­fang 8 llbr.

186 4 50er 1914. Versammlung Freitag, den 19. Dez,, im Gasthaus -zum Löwens Neuenweg, abends 81/, Uhr.

* Der Groß Herzog empfing, wie uns noch nach­träglich mitgeteilt wird, am Samstag den Lehrer Neu! au§ Trais-Horloff und den Lehrer Köhler aus Wohnbach in Audienz.

** Auszeichn u n g. Als Ehrenpreis für hervor­ragende Schießleistungen im 18. Armeekorps für 1913 wurde Lew Sergeanten Bauer, Groffl>erzogs-Leib Komp, (jetzt in' der Maschinengewehr-Komp.) des Ins. Regiments (Kaiser Wilhelm) Nr. 11G ein goldene Uhr verliehen.

21 dem Staatsdienste entlassen. 2lm 15.Dez, wurde der Schreibgehilfe bei dem Finanzamt AlSicld, Ludwig Bender zu 2llSfeld, auf sein Nachsuchen aus dem Staats­dienste entlassen.

e 21 n fl e ft e I [ t e n v c r f i ch c r u n a. Die Vertrauensmänner und Ersatzmänner der ReichSvecsichernnasanstalt für Anqesielltc hielten gestern abend eine Versaimnlnng ab. In dieser Velsannn- hittfl wurde die Bildung eines Ortsausschusses für den Be­zirk der Stadt Kiesten beschlossen. In den Vorstand des Ausschüsse«, der das Bindeglied zwischen der NeichSverstcherungsanstalt uild den Versicherten darstellt, wurde als 1. Cbntmm Kommerzienrat Schirmer, Ost-Antage 1, als 2. Obmann lUor Weise, Liebig- straste 79. als Schriftführer Walter 3i ich ter, Üircheuvlatz 9, ge­wählt. Cs empfiehlt sich für jeden Versicherten, in Fragen der Angestesitenversicherung, bei Anträgen auf Einleitung des Heil­verfahrens usw. sich an eines der oben genannten Vorstands­mitglieder zu wenden.

_** H c i l st ätt c n v c r ei n für das Großherzogtum Hesse n. Wie uns vom Borsland des Heilstättenvercins geschrie­ben wird, hielt der Verein dieser Tag.' hier im HotelGrvß- herwg von Hessen" unter dem Vorsitze des Geh. Regicrungsratcs -Dr. Dietz seine diesjährige ordentliche M t t g l i e d e r o c r sammlung ali. Ter Versammlung ging eine Besichtigung der ,neuen, seit Mai 1913 litt Betrieb befindlichen L u p uohcil - stättc voraus, die bekanntlich eine Schöpfung des Heilstäticn- vercins ist. Dr. Vatn ik, in Vertretung des erkrankten Leiters der Heilstätte, Prof. Dr. Jesionck, machte die zahlreich Erschie­nenen mit dem modernen Lichtheilverfahren eingehend Mannt. Im Anschluß .daran sand die Mitgtiederversantmlung statt. Ten Geschäftsbericht für das Jahr 1912 erstattete Geh. Regierungsrat Dr. D^i e tz. Der Vortragende besprach den- gliederbcstand, die Mttglicderbeiträge, die Leistungen und Aus­gaben des Vereins. Die Zahl der Mitglieder habe Ende 1912 1632 betrugen, darunter 208 körperschaftliche 'Städte, Kreise, Gemeinden uiro.), die Mitgliederbeiträge 11 713 Mark Die Für sorgeleistungcn batten eine Höhe von 14 597 Mark erreicht, seien also weit über die Mitglieder beiträge hinausgegangen, was aber nur mit Hilfe von einmaligen Zuwendungen, Spendet! usw möglich gewesen sei Die Fürsorgeleiftungen setzten sich wie wlgt zusammen: 9647 Mark .">0 Psg. für Ermäßigung des Pflege satzes in der Eleonorenheilstätte, 2391 Marl 12 Pfg. ;u .Hur zuschüsscn, 650 Mark 55 Pfg. sonstige Zuschüsse und 1907 Mk. 83 Psg. für Sachleistungen Milch, Eier, Fleisch. Butter, Betten, Liegestüble, Mietzttschüsse usw.). Wertere Mitglieder zu werben, sei unbedingt -lusgabc eines jeden, der für das Volkswobl envas übrig habe. Dem Heilstättenverein müßten unbcdrngt größere Mittel zrn Verfügung stehen, um den immer mehr an ihn herantretenden Anforderungen Rechnung tragen zu können. Im Eigentum des Vereins ständen nunmehr die Eleonorenheilstätte bei Winterkasten und die neue Lupusheilstätte. Den Interessen des Vereins dienten außerdem >wch die beiden Heilstationen für Kinder in Hirschhorn und Lampertheim. Alle Einrichtungen des Vereins bewährten sich vortrefflich. Ta aber die beiden Kinder- fiat Ionen lange nicht ansre schien, mußte man wohl der Errich­tung einer besonderen Ki n de r h e il st ä t t e näher treten Die Anwesenden stimmten dem -u und beauftragten den Verstaue», die nötigen Vorarbeiten cinwildtcn und einer demnächst aiisu- beraumenden Mitgliederversammlung wertere Vorlagen ;u machen

lieber die Tuberkulosebekämpfung in Deutschland äußerte

sich bet Vorsitzende, daß der Kamps gegen die Tuberkulose in Deutschland wackere Fortschritte mache. Es seien zurzeit 147 Heil­stätten mit 15 278 Betten vorhanden, die jährlich etwa 61 000 Per­sonen Unterkunft gewähren könnten: ferner seien 27 Äinderhcil- stättcn mit 1200 Betten, 103 Heilstätten für skrofulöse und tubrrkuloseverdäÄtige Linder, 114 Walder bolungMätten und eine Reihe von Waldschulen vorhanden. Fortschritte machten auch die Fürsvroestellen für Lungenkranke, deren es zurzeit 824 im^Reiche gebe. In Baden seien 538 Tuberkuloseausschüsse und in Thürin­gen 97 Tuberkulvsehilfsstellen tätig. Gerade die Fürsorgestellen hätten sich im Kamm gegen die Tuberkulose als ein »vesent- liches, unentbehrliches Mtttel erwiesen. Auch seien zahlreiche Jn- validenheime, meist in Verbindung mit Krankenhäusern, vorhanden. Ter Geschäftsbericht sand einstimmige Annahme. Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildete die Abhör der Rechnung für 1912. Tie Rechnung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 213622 Mark ab. Tie Haupteinnahme- und Ausgabeposten stellte 1912 die Eleonorenheilstätte dar. Tas Vermögen des Ber^ eins beträgt 1912 734 589 Mark, wovon 667 000 Mark aut die Eleonorenheilstätte, 59 588 Mark auf die Luvusheilstätte, 3ICO Mark aus die beiden Kinderstationen und 4900 Mark auf Kassenrest entfallen. An Schulden standen Ende 1912 dem Ver­wögen 500 000 Mart Hypothek auf der EleonorenheilstäNe) ge­genüber. Tie von der satzungsgemäß berufenen Kommission ge­prüfte Rechnung wurde genehmigt und dem Rechner Entlastung erteilt. Ter Haupt Voranschlag für 1914 bewegt sich in Einnahme und Ausgabe mit 237 000 Mark. Tarunter sind ins­besondere 142 700 Mark und 72 000 Mark Einnahme und Aus­gabe der Eleonorenheitstätle und der Luvusheilstätte enthalten. Tie sonstigen lEinnalnnen setzen sich auS Mitgliederbeiträgen, fianenreft und einmaligen Spenden zusammen. Tie sonstigen Ausgaben betragen 19 000 Mark für Unterstützung unbemittelter Tuberkulöser, Fürsorgestellen usw. Ter Voranschlag wurde eben salls einstimmig genehmigt. Tie Wahl zweier Re^chnungs- t e ü i | o r e n hatte die Wiederwahl der seitherigen Inhaber bei Amts, nämlich der Herren Geh. Obermedizinalrat Dr. Hauser und Bürgermeister Mueller zur Folge. Als Ersatzmänner wurden gewählt die Herren Geh. Oberbaurat Mangold und Landeswohnungsinspektor Gretzschel. Bei der Neuwahl des Landesausschuises wurde der bisherige Landesausschutz wieder- und an die Stelle von 6 ausgeschiedenen Mitglieder wurden neugewäblt Medizinalrat Tr. R c b e n t i s ch--Offenbach, 8 ommerzienrat E m m e l i u s - Gießen, Kommerzienrat E l o os - Nidda, Medizinalrat Tr. Schäffer-Mainz, Beigeordneter x>t. K ü hl-Mainz, Kreisrat Freiherr Schenck zu Schweinsberg und Frau von Werder-Mainz.

* Neuerungen bei der S t a a t s 1 o t t er i e. Wie uns geschrieben wird, bat die Preußisch-Süddeutsche Klassenlotterie im Lauie der letzten 10 Fahre die Zahl ihrer Lose und Gewinne um mehr als das Topvelte vermehrt. Gewiß eines der überzeugendsten Merkmale für die Vorzüglichkeit ihrer Einrichtungen und ihre große Beliebtheit. Tie Lotterie umfaßt nunmehr 428 000 Stammlofe so­wie 214 000 Gewinne und 2 Prämien, die int Gesamtbetrag von über 71 Millionen Mark zweimal alljährlich bar ausgeivielt wer­den. Die enorme Ausdehnung dieser größten aller bestehenden staat­lichen Klassenlotterieii hat naturgemäß Neuerungen im Gefolge ge­habt. Dabei hat die Lotterieverwaltung in erster Linie die Interessen der Spieler wahrgenommen. So ist vor allem das frühere Mitspiel der Freilose für Rechnung der Staatskasse in Wegfall gebracht wor­den, wodurch den Spielern jetzt an Gewinnen eine halbe Million Mark mehr in jeder Lotterie z-tsließen. Ferner ist! bei der Plan- gestalt'tng aus immer weitere Vermehrung der sogenannten mitt­leren Gewinne gerichtet worden, entsprechend der ancrfennenöinerlctt Ausgabe der preußischen Lotterieverwaltung, möglichst vielen Spie­lern einen wirklich nennenswerten Gewinn zukommen zu lassen. Um die umsang reiche Lotterie mit dec bisherigen unbedingten Sicherheit zur Durchsührung bringen zu können, ist die Einrichtung getroffen worden, daß die Lost in zwei Abteilungen (I und II) ausgegeben werden, io daß auf jedes gezogene Los der gleichen Nummer in den beiden Abteilungen ein gleich großer Gewinn, fällt. Lediglich Gründe, der Geschäitsvereinfachimg und der Gewährleistung unbedingter Sicherheit find es gewesen, die neuerdings dazu geführt haben, von her bevorstehenden -I Preußisch-Süddeutschen 0230. Königlich Preu- Nischen- Klassenlotterie ab die. Achtellose in einem etwas kleineren Format als bisher auszugeben. Dabei ist aber auf Erhaltung einer gefälligen Form besonoers Wert gelegt worden, so daß das neue Achtellos sich sicherlich bald die Beliebtheit der Spieler erwerben dürste. Im Interesse der Spieler ist ferner von der 4. (230.) Lot­terie ab die bestimmungsmäßige Frist zur Abforderung der Lose I. Klasse Der neuen Lotterie von bisher 15 auf nunmehr 20 Tage, nach beendigter Ziehung 5. Klane der zuletzt abgelaufenen Lotterie erstreckt worden. Tiefe Frist läuft für die Lose 1. Klasse der bevor- stehenden 4. (230. i Lotterie am 23. Dezember ab, fo daß jedem Spieler nur empfohlen werden kann, sich sein Los bis zu diesem Zeitpunkte zu sichern, da die Nachsrage nach Losen recht lebhaft eingesetzt haben fall.

** T i e Volksschule wird im Winterhalbjahr von 1420 Knaben besucht, die ihrer Konfession nach sind: 1304 Evangelische. 100 Katholiken, 14 Israeliten und zwei anderer Konfession. Tie Zahl der Mädchen in der Volksschule beträgt 1391, von denen 1283 evangelisch, 97 katholisch, 9 mosaisch und zwei anderer Koitfession sind. Die Gesamtzckhl der Sckmler in der Volksschule beträgt demnach 2811, von denen 2587 evangelisch, 197 katholisch, 23 israelitisch sind und vier anderen Konfessionen angehören. Die .Knaben sind unter­gebracht im Schulhaus an der Nord-Anlage in 21 Klassen mit durchschnittlich 45 Schülern, Schulhaus an der West- Anlage in 10 Klassen mit durchschnittlich 4546 Schülern. Die Mädchen erdalten Unterricht im Schulhans Schiller- straffe in 20 Klassen mit durchschnittlich 1344 Schülern, Schul Haus West-Anlage in 9 Klassen mit 1445 Schülern im Durchschnitt, SchulhauS an der Neustadt 1 Klasse mit 40 Schülern, Schulbaus Asterweg (Gewerbeschule) 1 Klaffe mit 19 Schülern. In den 3al)lcn des Bestandes sind die beiden Hilfsschulen, Knaveu und Mädchm getrennt, mit ein­begriffen, in denen 23 Knaben und 27 Mädchen, also zu­jammen 50 Kinder unterrichtet werden. Der Bestand unserer Volksschule gegen das Vorjahr har um 31 Köpfe abgenom­men, während früher stets ein Wachsen der Schülerzahl be­obachtet wurde.

" S l a b 11 b c a t e v. Es fei nochmals darauf hiugewiofen, daß die noch ausstehende zweite Halste des Abonnements jetzt ab- geholt werden kann. Während der Feiertage selbst kann die Dlbone- mentsansgabe nicht erfolgen.

** P ostdienst w ährend der Weihnachtszeit Das Postamt schreibt uns: Am Sonntag, 21. Dez., findet eine zweimalige Paketbestellung statt. Die Schalter sind zur Annahme und Mlsgabe von Paketen von 8 Uhr vorm. bis 7 Uhr ncrchm. ununterbrochen geöffnet. Am 1. Weih­nachtsfeiertag wird eine PaU'tbestellung, am 2. Feieriaa eine Geldbestellung ausgeführt. Im übrigen wickelt sich der Post dienst am 21., 2Y und 26. wie an Sonntagen ab.

** Alles klagt, sogar die Händler mit Weih

nachtsbäiime n behaupten, daß sie in diesem Jahre bisher schlechte Geschärte gemacht haben. Die Vereine, welche sonst schon Ansang des Monats die schönsten Tannen zu guten Preisen aufaurten, kaufen heuer nur mittelgroße Baume. Mehrere Händler erklärten, daß sie sonst um diese Zeit ihren Vorrat schon einmal ausverkauft hätceil und zum zweiten Einkaur von Ware noch einmal in den Vogelsberg ober nach Kurheffen gereist feien, von wo sie für Q)zften ihre Ware beziehen. In diesem Jahre werde dies wrchl überhaupt nicht nötig werden. Dabei jammern die Zündler über das höh' Standgeld, das sie der Stadt b-zahlen müssen, woran diese Leute aber selbst schuld sind, ha! doch bie Konkurrenz den

! Platz am Selterstor, bei zum Christbaumhanbel der begehr* | teste Stand ist, bis auf 100 Mark getrieben, ein Betrag, der allerdings außerordenllich hoch ist. 2lber so kommt es.

wenn einer dem andern den Platz nicht gönnt, und rocnir bann bei bem Verstrich daraus los geboten wirb.

* Einen großen Menschenauflauf gab cs gestern nachmittag an der Wieseckbrücke in der Msmarckstraßc. Angezogen von dem frifchgrünen Gras an den lieblichen Ufern der Wieseck oder dem Wasser selbst, oder von etwas anderem, was die Schaf- Herzen erfreuen mochte, stauten sich die dickwoüigen Lämmlein an dem Brückengeländc. und waren weder durch das wütende Ge­kläff der Hunde noch durch die Hirten zum Westergeben zu be­wegen. Scheu gemacht von den Peitschenhieben und bem Lärm der Zuschauer, unter denen sich ^einc ganze i>Nenge puntdemützter Schüler befand, rissen einige Schafe aus. verfolgt von einem schreienden Schwarm von Erwachsenen und Kindern. Ein Lämmlem flüchtete sogar in ein Backerhaus, wurde aber rasch wieder aus feinem warmen Schlupfwinkel hervorgeholt und wieder in die Herde eingereiht. Etwa eine halbe Stunde lang irmren Hirten und Herde verfchicdencr Meinung .über den einzuschlagenden Weg und die ganze Gegend klang wider rton dem Gebell dec Hundo und dem Gelachter der Menge. Auch als ein Schutzmann mit behelmtem Haupt erschien, änderten die Jtörrigen Schafe ihren sonst so sanften Sinn nicht. In gärend Trachcugiit war ihnen die Milch der frommen Denkungsart verwandelt und harnräckig mthcr« setzten sie sich dem Willen ihrer verordneten Obrigkeit. Endlich fam ein Mann auf den Gedanken, den Leühammel über die Brücke zu tragen, aber kaum auf der anderen Seite angekommen, stürzte das besorgte Schaf wieder zu seiner Herde zurück. Doch aus der Kräfte schon vereintem Streben entwickelte fick schließlich die Lösung des Konfliktes, indem noch und nach die ganze Herde über die Brücke getragen wurde: Tier um Tier ^rn Hals utch Scküvanz gepackt, machte so den Weg nach dem .jenseits", um dann nach etwa drerviertelstündigem Aufenthalt lanqfam und betrübten Herzens fürbaß zu ziehen.

* Ans dem Gefängnis ausgebrochen. Der in den fürstlichen Waldungen festgenommene Wilbdieb Mann ist heute früh aus bem Wächtersbacher Ge­fängnis, wohin man ihn gebracht hatte, ausge- b r o/d) e n unb konnte bisher nicht wieder ergriffen werden.

** Unfall. Eine hiesige Geschästsbame in ber Markt­straße wollte ihren Neubau besichtigen. Sie bestieg eine Lei­ter. glitt hierbei aus unb fiel in den Keller. Sic verletzte sich fo swer, baß sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werben mußte.

** Gin zweiter Frühlin gsbote flog uus heute zu. Ein Schüler, Scheel, von der Steinstraße brachte un5 einen selbst- gefangenen Maikäfe r.

Landkreis Gieyen.

B. Grüningen, 18. Dez. Unsere Kirche, eine der interessantesten in Oberhessen, ein Denkmal baugeschichtlicher unb lirchengeschichtlicher Entwicklung, wird feit Sommer bieses Jahres einer grünblichen und stilgerechten Erneue­rung unterzogen. Die Arbeiten sind nun beendet, so daß am nächsten Sonntag, 4. Advent, mittags 1 Uhr, die Ein­weihung durch den Dekan, Kirchenrat Hainer von Hungen, erfolgen kann. Besonders sehenswert sind die bloß^elegten unb wieder erneuerten Malereien an sämtlichen Brüstungs- selbem.

tt. Langsdorf, 18. Tcz. Gestern abend wurden hier die beiden von den vereinigten liberalen Parteien gewählten Gemein deratsmitglieder in ihr neues Amt cinaeführt. Im Beisein des gesamten Gemeiuderats wurden sie vom Bürger­meister Schic! vereidigt.

S. L a n g - G ö n s, 19. Dez. Dem Installateur W. Merz wurde in seinem Hof Gift gestreut, wodurch eine Anzahl Tau­ben verendete. Hoffentlich gelingt es der Polizei, den Tätev zu ermitteln.

S. Lang-Göns, 19. Dez. Am Gartenzaun der Re­stauration zur Post wurden öfter nachts die Latten abgeris­sen. Bis jetzt ist cs noch nicht gelungen, den Datier zu err wischen.

Kreis Büdingen.

h. Büdingen, 18.Dez. Tie Bürgermeister- und Bei- geordn-ctenwahl von O b e r - W id d e r sh ei m wurde vom Kreisausschuß für ungültig erklärt.

h. Michelau, 18. Dez. Der Brun neu meister Kauf­mann wurde beim .Holzfällen von einem stürzenden Baum fo schwer verletzt, daß er nach kurzer Zeit starb.

§ Bad-Salzhausen, 18. Dez. Tie hiesige Ge­meinde erhält vom 1. Januar 1914 an eine eigene Bür­germeisterei. Bisher wurden die Trenstgeschäfte von einem Beigeordneten erledigt.

Kreis Alsfeld.

1. Alsfeld, 16. Dez. (S t a d t v^v r ft a n d s s i tz n n g.) Die Abrechnung des städtischen Schlachthofes vom Rj. 1912, sowie der Voranschlag für bad Rj. 1914 kommen zur Vorlage. Gemeinderat Ramspeck gibt als Vertreter des Schlachthausausfchusses ein ausführliches Bild über die Rechnung unb über den Vox an sch lag der Schlachthaus- anlage. Danach betrugen die Einnahmen 15 083.28 M , die Ausgaben 14 046.27 Mk. Der Ueberschuß wurde dem 9te» servesonds, der jetzt auf 6136 Mk. angewachsen ist, über- wiesen. Aus dem Bericht geht hervor, daß die Einnahme, ständig zurückgehen, während die Ausgaben sich kaum ver­ringern. Ein Hauptgrund dieser bedauerlichen Erscheinm« liege in dem Zurückgehen der Schlachtungen von Großvieh. Wenn die Abschreibungen in annehmbarer Hohe erfolgen würden, müßte mit Verlust gerechnet werden. Die Kapital- schuld betrage zurzeit noch nach den erfolgten Tilgungen 148 020 M4., welcher die Berrnögenssumme in Höhe von 156598 Mk. gegenüberftehe. Tiefe würde wesentlich ge­ringer sein, wenn man die ganz bescheidenen lÄb|d£etbun- ge» gelten lassen wollte. Ter Voranschlag für das yq 1914 sieht in Einnahme den Betrag von 15 325.44 Mck^rn Aus­gabe den Betrag von 15 305.67 Mk. vor. Die Nechnumg, sowie der Voranschlag werden g en e hm i g t. Die gegen den Beschluß des Stadtvorstandes, in der Volkmarstraße eine Vorgartenlinie von 4 Metern Breite festzulegen, er­hobenen Einwendungen wurden nach den Vorschlägen des Bauausschusses als unbegründet abgelehnt. Kaufmann Fritz Sondermann hat der Stadt Alsfeld eine etwa 200 Bände umfassende Marine- und Kolonialbibliothe?,j sowie einen Betrag von 1000 Mk. geschenkt, von dessen Zinsen die Bibliothek unterhalten, bezw. ergänzt werden soll. Der Stadtverstand nimmt die Schenkung an unb er­mächtigt gleichzeitig den Vorsitzenden, dem Spender den Tank des Stadtvorstandes zu übermitteln. Weiter wer­den nach den Aussührungen des Vorsitzenden die Bade­zeiten im Vo 11sbad und die beiden ersten Badetage in der Woche (Montag und Tienstag) beschränkt, da der Besuch an diesen Tagen geringer ist. Gemeinderat Ram­speck führt aus, daff von einem Ausschußmitgliede eine Preisherabsetzung sür die Bäder angeregt worden sei, in der Annahme, die Anlage arbeite mit Gewinn Tem fei aber nicht so. Tas Voltsbad koste 11 000 Mk., davon entfallen etwa 3000 Ml. auf das Schülerbad, 5000 Mk. für innere Einrichtungen und 3000 Mk. für bauliche Einrichtungen des Vollsbades selbst. Nach Berechnung des Heizmaterials, der Zinsen und Amortisation, der üblichen Al'schreibungen lommt Redner zu der Schluffsolgerung, daß sich ein Fshl^ betrag von oOO bis 600 M k. ergebe. (Die Einnahme beträgt etwa jährlich 1600 bis 1700 M.) Aufferdem IJ* noch zu berücksichtigen, daß die Schüler der VolrsfckUie kostenfrei badeten. Aus eine Eingabe des Ausschusjet