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28.5.1913 Zweites Blatt
 
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Zweites

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Famtiienblatter" werden dem Anzeiger" viermal »vöchentlich beigelegt, daS Ureisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen 5tit= sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Blatt

GeyeraZ-MZeiger fOr Oberhchen

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Mittwoch, 28. Mai

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univcrsitäls - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition unb Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e=s@ öl. Redaktion:^:^112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen«

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Die vsrschleppmg des zriedensschlusies.

London, 27. Mar. lieber den Empfang der Friedens- delegierten durch Sir Edward Grey wird mitgetcilt: Grey erklärte Nowakowitsch, daft die Delegierten, welche nicht bereit seien, den Friedensvertrag zu untcrzeiü)nen, keinen anderen Entschluß der Votsehafter erwarten dürsten. Grey verlas sodarm den Beschluß der Botschafter und betonte, daß die zwecklosen Verhandlungen schon eine Woche dauer- ten. Nowakowitsch erwiderte, die Mitteilung Greys ändere die Lage vollständig. Er habe nicht alle Hoffnung verloren, eine Einigung zu erzielen, müsse aber angesichts der neuen unerwarteten Haltung der Mächte den Beschluß seiner Re­gierung mitteilen und die Antwort abwarten. Dieselbe AntwoÄ erteilte auch der griechische Delegierte, während Dr. Danew, der Vertreter Bülgariens, sich zur sofortigen Unterzeichnung des Friedensvertrags bereit erklärte.

DerBert. Lokalanz." meldet aus Petersburg: Bülgarien hat offiziell um Rußlands Vermittlung gebeten. Rußland hat darein gewilligt, falls Bulgarien bei (gleichzeitiger Abrüstung Serbiens und Griechenlands demobilisiert und endgültige bulgarisch-griechische Verhand­lungen über die 'Teilung der eroberten Gebiete erfolgen, wobei die Vermittlung freundschaftlich gesinnter Groß­mächte nicht ausgeschlossen ist. Rußland "hält es für er­wünscht, daß Serbien ungeachtet des Vertrages bestimmte Kompensationen zur Aufrechterhaltung des Balkanbundes erhält.

Die Politik Griechenlands.

Athen, 27. Mai. DieAgence d'Athenes" erklärt die Meldung auswärtiger Blätter, daß Verhandlungen zwischen Griechenland und Italien zum Zweck einer Verständigung im Gauge seien, für durchaus unzutreffend. Ebensowenig sei es richtig, daß infolge der Intervention Frankreichs der Epirus im Norden bis Kap Stylos gehen solle. Auch die Meldung über die Unterzeichnung eines vorläufigen Defensivbündnisses zwischen Griechenland und Serbien oder die baldige Unterzeichnung eines endgültigen Bündnisses auf frefrn Jahre wird als unrichtig bezeichnet. Die gesamte athenische Presse verurteilt aufs strengste das Verhalten der Bulgaren in den letzten Tagen, man hofft jedoch, obwohl die Lage außerordentlich heikel ist, daß es zu keinem Konflikt kommt. Die Einberufung der Kammer wurde infolge der neugeschaffenen Lage der letzten Tage auf unbestimmte Zeit verschoben.

Serbiens Auseinandersetzung mit Bulgarien.

Belgrad, 27. Mai. Das RegierungsorganSamou- prawa" erklärt in einemAm schicksalsschweren Scheide­wege" betitelten Artikel, Serbien habe im Interesse des Balkanbundes seine Vertragsverpflichtungen verdoppelt, während Bulgarien nicht einmal seine vertragsmäßigen Verpflichtungen erfüllt habe. Nach den gegenwärtig be­setzten Gebieten würde Serbien ein Territorium von ins­gesamt 85 000 Quadratkilometern, Bulgarien aber 150 000 Quadratkilometer erhalten. Trotzdem neide Serbien seinem Schwesterstaate Bulgarien die Vergrößerung nicht, es müsse aber an die Gewissenhaftigkeit und Ehre seines Verbündeten appellieren, damit die von ihm gebrachten Opfer anerkannt würden. Niemand .habe das Recht, von Serbien selbst unter Berufung aus die Notwendigkeit der Erhaltung des Balkanbunde?. zu verlangen, daß es auf seine staatliche Un­abhängigkeit und auf die -Sicherheit friedlichen Lebens innerhalb seil.er Grenzen verzichte, am allerwenigsten könne es zu einer solchen Erniedrigung durch einen Vertrag ge­zwungen werden, der von der zweiten Vertragspartei eigen­mächtig abgeändert wurde, indem sie sich von den eigenen Verpflichtungen lossagte. Die serbische Skupschtina be­schloß, die Antwort des Ministerpräsidenten Pasitsch auf die .Interpellation der Nationalisten und Jungradikalen über die serbisch-bulgarische Grenzfrage für morgen aus die Tagesordnung zu setzen.

Au§ dem Vndgetauzschutz der Hci$stags.

:: Berlin, 27. Mai.

Den Budgetausschuß hatte man erst eine Stunde vor Beginn der ersten Plenarsitzung nach den Ferien einberufen, auf 1 Uhr, während das Plenum um 2 Uhr zusammentritt; Tagesordnung in 6eiben Fällen Bittschriften. Man hatte nicht die Absicht, dem Ausschuß heute eine sachlick>e Arbeit zuzumuten, und in wenigen Minuten war die Tagesordnung erledigt, indem die Bittschriften zur Wehrvorlage kurzerhand zumeist für erledigt erklärt wurden.

Und doch wurde eine wichtige Vereinbarung getroffen. Die Fraktionen des Reichstags sollen heute zusammen- treten, um über die g e s ch ä f t l i ch e B e h a n d l un g d e r W e h r- und Deckungsfrage unter sich zu entscheiden und auf die Tagung der morgigen Ausschußsitzung soll provisorisch sowohl die zweite Lesung der Wehrvorlage, als auch die erste der DeckMrgsoorlage gesetzt werden, um unter Berücksichtigung der Kommissionsbeschlüsse unb der auf Grund dieser zu fassenden Mehr- hcitsentscheidung in der morgigen Ausschußsitzung sogleich in die materielle Beratung eintreten zu können.

Jubiläumstagung des Deutschen Hrauen-vereins vom Röten kreuz für die Kolonien.

~ Berlin, 27. Mäi.

Nach einem gestern im Garten des Reichsamts des Innern vor- ausgegangenen Gartenfest trat heute unter außerordentlich zahl­reicher Teilnahme von Vertretern und Vertreterinnen der Deutsche Frauenverein vom' Roten Kreuz für die Kolonien zu einer Fest­versammlung aus Anlaß seines 25 jährigen Bestehens im Plenar- sitzungssaal des Herrenhauses zusainmen.

Die Vorsitzende Frau Staatssekretär v. Stephan begrüßte nach einem vorausgegangenen Chorgesang die Ehrengäste und an­wesenden Mitglieder. Der am Erscheinen verhinderte Reühskanzler v. Bethmann Holl weg hatte mit seiner Vertretung den Staatssekretär des Reichskolonialamtes Dr. Sols beauftragt.

H e r z o g I o h a n n A l b r e ch t z u Rt c ck l e n b u r g hieß die Tagung als Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft und als langjähriger Ehrenvorsitzender des Frauenvereins für die Kolonien willkommen.

Staatssekretär Dr. Sols hielt eine bemerkenswerte Rede, in der er ausführte: Er glaube, daß neben der Pflege des Hauses unb der Fürsorge für die Kinder das Hauptnnrkiingsfelb der Frau die Wohlfahrtspflege und die Krankenpflege sei. Der Redner ging bann auf die Aufgaben der kolonialen Wohlfahrtspflege und deren Unterschiede von der l>ci- matlichen Wohlfahrtspflege näher ein und betonte, daß sich in den Kolonien die Wohlfahrtspflege wehr als in der Heimat mit der

Erhaltung unb Wiederherstellung der Gesundheit beschäftigen müsse, da der Eingeborene mehr als man gewöhnlich annehme dem Einfluß der Tropen unterliege. Die Aufgaben der kolonialen Tätigkeit unterscheiden sich in solche in ben Siedlungsgebieten unb in den tropischen Kolonien. In den ersten gilt es die Entstehung einer bodenständigen Kultur unb tüchtigen leistungsfähigen weißen Be­völkerung zu fördern. In den tropischen Kolonien dagegen wird die Errichtung pon dauernden Heimstätten für den Weißen kaum ober nur teilweise möglich sein. Daraus ergibt sich die Aufgabe bes Vereins für die Kolonien: Auftechterhaltung des sittlichen und geistigen Niveaus auf der Höhe der Heimat. Zu der kolonialen Wohlsahrtspftege gehört vor allem die Krankenpftege für Weiß unb Schwarz und sowohl die heilende wie die vorbeugende, Ver­besserung, der Siedlungsverhältnisse, möglichste Schaffung von Europäerstädten, zweckmäßige Bauart der Häuser, Kampf gegen die Seuchen und Insekten, Säuglingsfürforge, Kampf gegen den Alko- holismus unb Förderung der Berufshygiene. Der Redner be­handelte sodann die Krankenpflege in den Kolonien und betonte die verschiedenen Zweige der Tätigkeit der Aerzte und namentlich der Krankenschwestern, denen er für ihre hervorragende Mitwirkung den Dank der Regierung sowie seinen eigenen zum Ausdruck brachte. Der Redner schloß seine Ausführungen mit bent Dank der Kolonial­verwaltung rür bas erfolgreiche Wirken des Vereins.

Hofrat Dr. Schwörer (München) überbrachte die Grüße und Glückwünsche einer ganzen Anzahl von befreundeten Verbänden und namens der Bayern, als Jubiläumsgabe bas Maria-Gabriele- Prinzessin--Rupprecht-Heim. Frau Hofrat Dr. Hagen (Frank­furt a. M.) gab im Auftrag bes Hauptvorstandes und im Namen einer Anzahl von Vereinen bekannt, daß dem Deutschen Frauen- verci.. vom.Roten Kreuz für die Kolonien aus Anlaß seines 25 jähr. Bestehens folgende Jubiläums-Spenden zugeweirdet wor­den seien: Von der Abteilung Bremen 5000 Mark, von der Ab­teilung Chemnitz 4500, von Frankfurt a. M. 5000, von Halle an der Saale 500, von Leipzig 1000, von Magdeburg 5000: außer­dem habe Justizrat Esser (Köln) ans Anlaß seines 80. Geburts­tages 10 000 Mark gestiftet. Der Verkauf des Jubiläums-Kalcn- bers habe einen Reingewinn von 9000 Mark ergeben.

Fran Kapitän z. S. Draeger (Hamburg) überbrachte eine Jubi­läumsgabe in der Höhe.von 12 000 Mark für eine Stiftung zum Wohle der Krankenschwestern in ben Kolonien. Ferner hat, wie die Vorsitzende in ihrem Schlußwort mitteUtc, die Abteilung Köln einen Betrag von 2000 Mark überiviesen.

Berlin, 27. Mai. Der Staatssekretär des Reichs­kolonialamts bat sich heute abend für einige Tage nach Posen und Westpreu.ßen begeben, um sich über die Verhältnisse der flcinbäu er H-Cben Siedeln ngen und das Ge­nossenschaftswesen näher zu unterrichten. Durch seine Informationsreise hofft der Staatssekretär Anhaltspunkte zur Beurteilung gewisser Fragen des Siebelungs- und Genossenschafts­wesens für D e u t sch - S ü d we st - Af r i ka zu gewinnen, die gerade jetzt durch die vom Reichstag genehmigte Gründung land- wirtschaftlicher Kreditinstitute irrt Sckmtzgebiet in den Vorder­grund des Interesses getreten sind. Auf seiner Reise wird der Staatssekretär von einigen Mitgliedern des Reichskolonialamts begleitet.

D e r Neubau des Physikalischen uni - versitätsinstituts an der Nußallee in Bonn wurde am 24. d. M. seiner Bestimmung, übergeben. Ter Kurator der Bonner Hochschule, Geh. Oberregierungsrat Ebbing­haus, der eine große Summe für den Neubau gespendet hatte und sich auch persönlich für die Errichtung des neuen Instituts sehr bemühte, wurde von der dortigen philo­sophischen Fakultät zum E h r e n d o k t o r ernannt.

Der Privatdozent Dr. Gustav Thur an in Kö­nigsberg i.Pr., der seit einer Reihe von Jahren mit einem Lehrauftrag für romanische Philologie an der Uni­versität Greifswald betraut ist, ist für das durch den dies­jährigen Slaotsbaushaltsetat begründete Ersatzordinariat für französische Sprache ynb Literatur als Nachfolger des von seinen amtlichen Verpflichtungen entbundenen Geh. Rcgierungsrats Prof. Stengel in Greifswald in Aus­sicht genommen.

P i l z fo r s chu n g. Dem Hamburger Forschungsinstitut für Krebs unb Tuberkulose ist von einem Wohltäter, bet nickt ge­nannt sein will, ein .^Betrag von 20 000 Ml. zur Verfügung gestellt worben zur Errichtung einer Abteilung für P ilz- forschu n g. Nach berKlm.-therap. Wochenschr." wird die Leitung ber neuen Mteilnng ber Hamburger Pilz forscher Dr. H. C. Plaut übernehmen.

Dem Direktor ber Kgl. Skttlpturensammlung Geh. Hoftat Prof. Dr. Georg Treu in 2) r ben, ber kürzlich seinen 70. Geburtstag feierte, ist ber Titel und Rang als Geheimer Rat verliehen worben. Der badische Kultusminister Exzellenz Dr. Böhm i)t wegen seiner Verdienste um die Erbauung des neuen physikalisch-radiologischen Instituts in H eidelberg zum Ehrendoktor der dortigen mathematisch - natiirwisftnsckrftlichen Fakultät ernannt worden. Der wissenschaftlich.' Hilfsarbeiter Dr. August Eichhorn mürbe zum Direktorialassistenten beim Königlichen Museum für Völkerkunde in Berlin ernannt. Kapellmeister Suter, ber langjährige Leiter des Basler Musikwesens, ist von der dortigen philosophischen Fakultät zum Ehrendoktor ernannt worden.

veremsnachrichteü.

Mainzlar, 26. Mai. Am nächsten Sonntag unb Montag feiert der Turnverein sein Stiftungsfest, verbunden mit Fahnenweihe. Der Festplatz, der elektriseh beleuchtet wird, ist sehr schön an der Lumda, direkt am Bahnhof, gelegen.

^BadHomburg,26. Mai. Die 27. Jahreshaupt­versammlung des M itt elwe st deut scheu Steno g r a p h e n b u n d e sStolze-Schrey" mürbe am Samstag unb Sonntag hier abgehalten. Die geschäftlichen Angelegenheiten kamen am Samstag abenb zur Besprechung. Am Sonntag vor­mittag fanb das Wettschreiben statt, au dem sich weit über 600 PerjHNen beteiligten. Geschrieben wurden 80 (ns 400 Silben in der Drtnute. Die Höchstleistungen erzielten Richard Bähr in Frankfurt-Sachsenhausen mit 400 Silben, Valentin E ß-Sprend- lingeu mit 340 Silben. Außerdem konnten in ben Schnelligkeiten von 330, 310 und 300 Silben noch Arbeiten mit Preiseii aus­gezeichnet werden. Dem G i e ü c n c r Verein wurden folgende Auszeichnungen zuteil: Abt. 220 Silben Adolf Dörrn er 1 unb Ehrenpreis. Abt. 200 Silben 1. und Ehrenpreise Carl Strack Heinrich Krauskopf. Abt. 160 Silben 1. Preise Ernst Strack' Emil Müller, Fritz Jaggle; 3. Preis Philipp Peter. Abt 140 Silben 1. Preise Anton Roth, Wilhelm Ludwig; 2. Preis Lud­wig Hörle. W. 120 Silben J. unb Ehrenpreis Adolf Keil- 1. Preise Karl Mans, Carl Häuser, August Bock, Carl Ritml' 2. Preis Paul Eckharbt. %bt. 100 Silben 1. Preise Carl Keßler' Abolf Ockel, Richarb Hermes. Abt. 80 Sillum 1 Preise Ludwig Rupp, Heinrich Erb. Von den Schülern im Gießener Verein erzielten Preise: Abt. 100 Silben 1. Preis Carl Ockel' Abt 85 Süden 1. Preise Heinrich Ockel, O. Schenk, L. Pölleühofer- Abt. 60 Silben 2. Preis H Hahn. Von dem VereiilStolze- Schrey" am Landgraf Ludwig-Gymnasium nahmen

am Wettschreiben acht Mitglieder teil, die sämtlich Auszeich­nungen errangen: Abt. 260 Silben 1. und Ehrenpreis Joseph Kübel: Mt. 200 Silben 1. unb Ehrenpreis Ludwig Bücking; Abt. 160 Silben 1. Preise Gustav Brandon, Wilhelm Schaaf, Kurt Frey; Mt. 120 Silben 1. Preise Franz Haber; 2. Preis Karl Engisch; Abt. 100 Silben 1. Preis Willy Eckard t. Mittags fand die Feswersammlung statt. Oberlehrer Dr. Prönnecke-Magde- burg hielt den Festvortrag:Die Stenographie, eine Banner­trägerin der Kultur", der mit großem Beifall ausgenommen wurde. Den Schluß der Veranstaltungen bildeten ein Gar­te n f e st im Kurgarten und ein G.yellschastsabend im Saalbäu. Am Montag fand eine Taunusfahrt statt.

Humor im Gerichtssaal.

Darmstadt, 26. Mai. Einen eigentümlichen Fall hakte heute die Damrst. Strafkammer abzuurteileu. Die Handelsleute L. und L. H. in Gr.-Bieberau waren angeklagt, gegen das Wauder- gewerbegesetz verstoßen zu haben, inbem sie entgegen den Bestim­mungen des Gesetzes, die beim Besuchen der Kundschaft nur das Vorlegen von Muster gestatten, wenn nicht bestimmte Aufforde­rung zum Besuche von feiten der Kunden vorliegt, während die Angeklagten nach ber Anzeige des Finanzamtes, resp. ber ©teuer» behörben beschuldigt sind, die Ware, in diesem Falle die Tiere gleich mitgebracht zu haben. Der Vertreter der Behörde, ein Steuerbeamter, der als Zeuge erschienen war, geht von dem Stand­punkt aus, baß es absolut unzulässig sei inw gegen das Gesetz ver­stoße, wenn beim Anbieten eines Tieres (der Ware) dieses gleich mitgebracht werde. Auf die berechtigte Frage des Vorsitzenden, wie denn die Ware sonst angeboten werden solle, erklärte der Steuer­beamte unter schallender Heiterkeit des Gerichtshofes inkl. des Hmrn Staatsanwaltes und der Zuhörer, wenn ber Reflek­tant des Tieres nicht den 5)ändler zu Hause äufsuche, möge der Händler beim Besuche des Käufers eineHP h o t o g r aphi e des Tieres mitbringen!? Der Vorsitzende konnte hier doch nicht umhin, dem Zeugen klar zu machen, daß dies doch feine Schivierigkeit habe, da beim Kauf oder Verkauf doch 'auch der Tast­sinn eine große Rolle spiele. Die Angeklagten wurden denn auch wie in der Vorinstanz freigesprochen.

Johannisthal bei Berlin, 27. Mai. Heute morgen um 146 Uhr flieg der Flieger.Michaelis auf einer Sportflieger­taube zu einem Probeflug auf. In einer Höhe von 50 m rutschte der Apparat seillich ab unb wurde vollständig zer - trümmert. Michaelis erlitt einen doppelten Oberschenkelbruch und anscheinend auch einen Schädelbruch. Er wurde bewußtlos in das Hospital gebracht.

VermischLes.

* Entflohene Verbreche r. Fünf schwere Verbrecher, die zum Teil zu lebenslänglichem Zucht­haus verurteilt waren, find nm Dienstag aus dem nass. Landeszuchthaus in Diez ausgebrochen. Sie fertigten aus dem Bettzeug einen etwa 50 Meter langen Strick nni) ließen sich dann aus 40 Meter Höhe von dem Berge herab, mif dem das Zuchthaus steht. Drei der Verbrecher sind ent­kommen. Der vierte stürzte ab und erlitt einen Beinbruch. Bei dem fünften riß das Seil, so daß er etwa 15 Meter hoch frei zwischen Himmel und Erde schwebte. Er wurde später von den Anstaltsbeamten wieder hochae- zogen. Polizei und Militär sind zur Ergreifung der Flücht­linge herangezogen worden.

* Zwöls Personen ertrunken. Llus G e r o n a (Spanien), 27. Mai, wird gemeldet: Auf einem See bei der Stadt Banolas in Spanien ging ein Motorboot unter, wobei zwölf Personen ertranken.

MMer'sche Badeanstatt.

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Meteoro!ogffche Beobachtungen der Station Eietzen.

27. Mai

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Höchste Temperatur am 26. bis

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Niederschlag: 5,3 mm.

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