Nr. 275
Samstag. 22. November 19(5
Erscheint tR-lich mit Ausnahme deS Sonntag-,
100 Jahren am bcfUcn getaut*
Aber auch
sonst gibt G. allerwärts eine
solche Menge (neuen
Seschästsben^t der Grotzherzoglichen Zentrale
für
Buch reicher.
Dreher.
Lehren aus Zabern.
wie man hübsches haar bekommt.
und Säuglingsfürsorge liegt nunmehr im Druck vor. auf 118 Seiten einen Uebcrblitf über' die umfassende
hat bei
er-
von Friedberg in den letzten zeichnet wird.
Jahr 1800 1850
189) 1900
1910
Die „«ebener ZamiNenbliiNer" werden dem eHnttifler* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krtisblatt für den Kreis Hieben" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Uebcrsckuß
648,88
6 305,30
21 633,77
42 961,28
90 861,71
110 942,80
Der Mutter- Er gibt
politische Lagerschau.
Ein tompromittierender Wahlschwindel.
für Mutter- und Zäuglmgrsursorge über dar Rechnungsjahr 1912 1913.
4. Geschäftsbericht der Großherzoglichen Zentrale
Grosholz nun hat sich mit besonderem Geschick der mühseligen Ausgabe erledigt, in größeren Umrissen die Entwickelung der städtischen Finanzen von Friedberg während des 19 Jahrhunderts darzustellen und somit eine Vorstellung von dem Werdegang der Stadt seit ihrer Zugehörigkeit zu Hessen (1802) zu geben. Die Arbeit von Grosholz zeigt uns außerordentlich schön, wie bis 1910 immer grünere Anforderungen an die Stadtoerwaltnng herantreten, wie dcr Aufgaben kreis der Gemeinde sich erweitert und der gesamte städtische Haushalt so wächst, das» an Stelle der früher angewandten Zentralisation eine unauftwltsam drängende Dezentralisation tritt. Grosholzens Abhandlung ist ein prächtiger! Beweis für die raschen Fortschritte und das schnelle Wachstum der Stadt. Aus G.'s Gegenüberstellung der Gesamteinnahmen und -Ausgaben t>oit Friedberg 1800—1910 (Seite 108) seien hier nur einige Angaben herausgegriffen, durch die! der Aufschwung
Zehn Minuten lange Pflege des Haares täglich wirkt Wunder, beseitigt den Haarausfall, das lästige Jucken und die Kopfschmerzen und macht das Haar seidenweich, glänzend und lose.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Man schreibt uns: Die Zwischenfälle in Zabern im Elsaß werden dazu führen, die wenigen elsässischen Rekruten die im Elsaß dienen, in Zukunft nicht mehr 'm elsässischen Regimentern einzustellen, sondern sie als Er- satz anderen Provinzen zu Überwersen. Der elsässische Ersatz dient hauptsächlich in der Garde und in den Armeekorps) Mitteldeittschlands. — Auch dürfte dahin gewirkt weiten, daß den Rekruten im allgemeinen verboten wird, bien ff- licke Angelegenheiten in die Oeffentlichkeit zu brinaen. Jedenfalls muß es als disziplinwidrig bezeichnet werden, daß Mannschaften Erklärungen gegen einen Offizier in Zeitungen erlassen und durch Namensunterschrift bekraf-
Vermischtes.
kf. Die Katzenrevolution von Chester. Vor nicht iganz hundert Jahren, im Jahre 1817, hat die englische Stadt Ehester eine Katzenrevolution erlebt, wie sie noch nie da war, und sich seitdem nicht wieder ereignet hat. Der „Corrier" erzählt Havon nach einem alten Berichte, den anscheinend einer seiner Mitarbeiter aufgefuriben hat. Im Jahre 1817 erklärte sich nämlich eine ganze Reihe von Einwohnern der Stadt Ehestem bereit, nach Sb Helena überzusiedeln, um dem gefangenen Kaiser Napoleon Gesellschaft auf dem einsamen Felseneilande zu leisten. Die Behörden von Chester ermutigten die Bürger hierin, gaben aber bekannt, auf St. Helena seien furchtbar viele Ratten, und daher müßten Katzen mitgenommen werden. Der Magistrat selbst erließ darauf einen Aufruf, er wolle Katzen für St. Helena kaufen und bot bis zu 16 Schilling für das Stllick. Tags darauf erschienen an die 3000 Leute aus Chester und Umgebung, jeder mit einer Katze oder mehreren bewaffnet, und vor dem Hause, wo die Katzen abgeliefert werden sollten, entstand ein fürchterliches Gedränge. Es erhob sich ein schreckliches Hundegebell und K'ahen- miauen, die Straßenjugend mischte sich ein, die geängstigten Katzen scannten ihren Besitzern davon, kletterten wo sie konnten, in die Fenster und zerstörten auf ihrer angstvollen Flucht alles, was nicht niet» und nag elfe ft war. Nachdem sich die Straßenrevolution, zu der dieser eigentümliche Vorfall führte, gelegt hatte, mußte eine richtige Katzenjagd veranstaltet werden, um die gute Stadt Chester von den Tieren zu befreien, und in den folgenden Tagen sah man ungezählte Katzenleichen auf dem Dee treiben . . .
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion:e-E 112. Tel.-Adr.: Auzeigervießen»
©efamtauSaabcn
22 9 7,07
34 615,93
53 222,46
166 269,11
452 966,94
644 433,96
Zwei Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv zu Zriedberg in der wetterau.
Osman Grosholz: Das Finanzwesen der Stadt Friedberg in der Wetteren seit ihrer Zugehörigkeit zu Hessen. Würzburger Dissertation 1913. 8°, 133 Setten.
Tie Aufstellung der massenhaft notwendigen statistischen Ueber- sichten und graphffchen Tabellen hing von der gründlichen Bett- arbeitung eines ganz riesigen Men- und Zahlenmaterials ab.
Es gibt kein besseres Haarwasser in der Welt, als das einfache» altmodische Hausrezept aus Bay Rum, Livola de composrie und etwas krist. Menthol. Die Mischung aus diesen drei Bestandteilen hat einen wunderbar wohltuenden Einfluß auf den Haarboden. Man probiere es nur mal für einen Abend und sehe. Jeder Avo. tbefer oder Drogist kann es nach folgenden Angaben zusammen- stellen: 85 gr Bay Rum, 30 gr Livola de conrpos&e und 1 gr krist. Menthol. Das Menthol wird zuerst im Bay Rum aufgelöst, dann fügt man das Livola de composße bei, schüttelt das Ganze tüchtig und läßt es dann für eine Stunde stehen. Mit dieser Mischung befeuchtet man ein weiches Tuch ein wenig und fährt damit langsam durch das Haar, und zwar nehme man dabei einen Strang Haare nach dem anderen. Ties Verfahren reinigt das Haar und den Haarboden von Schmutz, Staub und übermäßigem Oel und macht das Haar entzückend weich, glänzend und lose. Gegen Haarausfall und zur Qrörberung des Haarwuchses reibe man die Mischung dreimal täglich tüchtig mit den Fingerspitzen in den Haarboden cm. Wenn Sie die Mischung so einige Tage lang angewandt haben, werden Sie stnden, wie das Haar auszufallen anfaehört hat, wie die Kovfschuvven und das damit verbundene lästige Jucken verschwunden sind. Mit der Zeit wird das Haar wieder dicker, ein Zeichen des erhöhten Wachstums. , rv
NB. Da dieses Rezept seiner hervorragenden haarwuchsförder- licken Eigenfckaften wegen viel gekauft wird, ballen es jetzt, viele Apotheken und Drogerien unter dem abgekürzten Namen „Sionla* Haarwasser" fertig auf Lager. (sbVmI
Gesamteinnahmen
23 585,95
39 921,23
74 856,23
209 230,39
543 828,65
755 376,76
Belege für die Entwickelung (tron Friedberg, daß, feine gründlichen und dankenswerten Untersuchungen fortan zum eisernen Bestand der umfangreichen Friedberger Literatur gehören werden.
Dreher.
Wilhelm F e r t s ch: Der Rat der Reichsstadt Friedberg! i. d. W. im 16. Jahrhundert. Gießen 1913. Verlag des Geschichts- und Altertums-Vereins Friedberg (Hessen). 8°. 117 Seiten. Preis '2 Mart.
Eine ganz außerordentlich fleißige und verdienstvolle r?Qr* beit, der außer umfangreichen gedruckten Quellen vornehmlich die Rats- und Gerichtsbücher des Friedberger Stadtarchivs als Grundlage dienten. Im ersten Teil der ursprünglich als Gießener Tissertativn gedruckten Veröffentlichung wird „Der Friedberger Rat im Innern" behandelt, und zwar lernen wir im ersten Kapitel die einzelnen Mitglieder des Rates kennen. Zunächst wird die Zufantrnensetzung des Rates im .allgemeinen erörtert und dann auf den Burggrafen, die Sechser, die Schöffen, die Ratsbürgev und Bürgermeister ausführlich eingegangen. Im zweiten Kapitel werden die städtischen Beamten behandelt, die mit dem Rat dauernd in Verbindung standen: Schultheiß. Ratsschreiber, Rentmeister, Ratsdiener u. a. Tas dritte Kapitel beleuchtet die inneren Verhältnisse des Rates: Geschäftsordnung, Bekanntmachungen des Rates, Ratsinventar, mit den Ratsämtern verbundene Vorteile und Nachteile, Strafgewalt des Nates gegenüber den Rals- mitgliedcrn. Der zweite Teil der Arbeiter befaßt sich mit der „Tätigkeit des Rates nach außen". Fertsch iinter* sucht da hn ersten Kapitel den Rat und dessen Verwaltungs- tätigfeit, die Handels- und Gewerbepolittk, die Kirchen- untl Schulpolitik, die Finanzverwaltung, Krankenfürsorge, Sanitätspolizei, das Bau- und Straßenwesen, Feuerlösch- und Sicherheitswesen, die Bürgeraufnahme und sonstige Obliegenheiten des Rates. Das folgende zweite Kapitel gilt bem Rat und der Rechtspflege, und das dritte, und zugleich letzte, schildert den Rat als Reichsstand. Eine geradezu erdrückende Stoffmasse von kaum entwirrbarer Mannigfaltigkeit. Trotzdem hat es Fertsch prächtig verstanden, ein anschauliches Bild von dem Leben Und Treiben in der obersten Körperschaft der Reichsstadt Friedberg während des 16. Jahrhunderts zu geben. Die stattliche Literatur über Friedberg ist damit wieder um ein wirklich wertvolles!
Vorlage nicht vorgesehen war, glatt gewährt, sich dagegen nur recht schwer dazu pcrftnnbcn, die nichtpensionssahigen Funktions zulagen der Oberamtsiickster beizubehalten. Tie Funttionszulagen für die Vorsitzenden der Kammern für Handels sacken an den Landgerichten wurden genehmigt, dagegen die von der Regierung gleichfalls geforderten A mt s g e r i cht s d i r c k t o r st e l l en an den fünf größten Amtsgerichten Darmstadt I, Offenlach, Gießen, Mainz und Worms gestrichen. Tie Vorstände dieser großen Aem- ter, die größer sind wie die meisten Hessisck)en 'Kreise und größer wie mancher benachbarte Badische uird Bayerische Landge- richtsbezirk, sollen trotz der Bedeutung ihrer Stellung zu rücksteheii hinter dem Kreisrat des kleinsten Kreises uni) hinter den Hilfsarbeitern der Ministerien: sie sotten im Gehakt gleich- stehen den M*rei5anrtmännern und gleich den Rektoren der höheren Bürgerschulen nur durch eine Fuuktionszulagc hervorgehobeir werden. Dagegen ist die Gleichstellung der Kreisräte mit den Ober- landesgerichtsrätcn und.den Landgerichtsdirektorcn anstandslos genehmigt worden.
Repräsentationsz tu lagen bezogen bet uns seither mir die Minister, d er Gesandte in Berlin und, wegen seiner besonderen Stellung, der Provinzialdirektor und Territorialkommissär in Mainz' Der Futanzaussckmß bat nun, ohne daß c5 die Regierung verlangt hätte, von sich aus für die Provinzial- bireftoren in Darmstadt und in Gießen Mpräsentationszulagen in Höhe von je 1000 Mark eingestellt. Tie Provinzialdirektoren, deren Stellung gewiß nicht anders bewertet werden kann, wie die der Landgerichtspräsidenten und die deshalb diesen nach der Vorlage im Gehalt gleichstehen, sollen nun auf einmal grundlos hervorgehoben, ja in ihren Endbezügen noch über den Präsidenten des Oberlandesgerichts gestellt werden. Wir halten es für ausgeschlossen, daß man ihnen diese Zulagen bewilligt, ohne solche gleichzeitig für die Präsideitten der Landgerichte und des Ober- landesgerichts einzustellen.
Die Beschlüsse des Finanzausschuss es bedeuten eine schwere und unverdiente Herabsetzung der Justiz, namentlich gegenüber der Verwaltung und stehen im schroffsten Gegensatz zu der Anerkennung, die man ihren Leistungen in den Iustizdebatten der letzten Jahre zu spenden pflegte.
Tie Hessischen Richter haben zu ihrem' Ministerium das feste Vertrauen, daß cS gegenüber dem Finanzausschuß an dem, was es als notwendig erkannt hat, festhält und der Herabdrückung der Justiz kraftvoll entgegentritt. Von den Gerechtigkeitsgefühlen der Kammern erwarten sie, daß diese die Hand nicht dazu bieten, die Beschlüsse des Finanzausschusses zu fanFtio nieren.
sekcetär Rüffer , sowie Rcchakteur Ost ehr von der Christlich- sozialen Partei beschuldigt, den Plan zu den Wahlfälschungen ausgeheckt und den Fehling veranlaßt zu haben, die Telephongespräche zu führen.
Von den drei Beschuldigten strengten die beiden christlich- sozialen Parteibeamten eine Beleidigungsklage gegen den Abgeordneten Dr. Lohmann, den Fabrikanten Dr. Heusler, den Schneider Fehling und fünf andere Personen wegen Verbreitung des Wahlflugblattes usw. an. Die Beleidigungsklage wurde vom Amtsgericht in Dillenburg am 14. Dezember 1912 zurückge - wies en: in dem Beschluß heißt es unter anderm, daß durch die Ermittelungen der kgl. Staatsanwaltschaft zu Arnsberg sich die sämtlichen, von den Beschuldigten angeblich behaupteten, bezw. verbreiteten Tatsachen int wesentlichen als wahr erwiesen hätten, insoweit dieselben aber nicht vollständig erwiesen worden seien, Hätten nach Lage der Sache die Beschuldigten sie als wahr unterstellen dürfen. Aus die Beschwerde gegen diesen Beschluß hin wurde schließlich das Hauptversahren eröffnet.
In der Verhandlung bestätigte der als Zeuge vernommene Gastwirt Sturm, der bei zwei staatsanwaltlichen Vernehmungen nichts von Belang ausgesagt hatte, nunmehr in überraschender Weise Wort für Wort die Fehlingschen Anschuldigungen. Seine Aussage lautete: „Die Privatkläger Ostchr und Rüffer und der als Zeuge anwesende Dolland waren am Abend vor der Landtagswahl in meiner Wirtschaft zusammen mit dem Privatbeklagten Fehling und sprachen darüber, wie man Wahlmänner hcrüberzieh-n Tonne, um die Stimmenmehrheit zu befommen. Fehling wurde beauftragt, an einige W'ahlmämter zu telephonieren, damit sie von der Wahl abgehalten würden. Es wurde auch darüber verhandelt, Telegramme abzuschicken. AM.anderen Tag erzählte mir Fehling, er würde 25 Mark für seine Leistungen, Schreiben von Briefen usw. bekommen." Aus die Frage des Verteidigers sagte Sturm weiter: „Es kam ausdrücklich zuM Ausdruck, daß die W'ablmänncr, deren Namen einzeln aufgeführt wurden, von der Wahl abgehalten werden sollen." Zum Schluß erklärte der Zeuge: „Wenn ich bei meinen früheren Vernehmungen nicht genau das getagt habe, so mag das daher kommen, daß mir die Vorgänge nicht so genau vor Mgen schwebten. Ich kann mit aller Bestimmtheit sagen, daß das, was ich Heute sage, wahr ist." Tas Gericht erkannte gegen sämtliche Angeklagten auf Freisprechung und legte die Kosten den Klägern auf.
Zur Besoldrmgrvorlage.
Aus Richter Greifen schreibt man uns:
Die Behandlung, die die Forderungen der Justizverwaltung und die Wünsche der Richter im Finanz aus schütz enahren haben, bat in weiten Kreisen des ^sNlcken Rlchterstandes Ix-rochttgten UtrJiYrn MTcat Noch liegen btc Beschlüsse des Fmanzaust chitNcs Wottiaut vor, aber nach dem, was darüber bekannt g worLn Hann i jetzt schon sagen daß gerade die Justiz Urines besonders geringen Matzes von! Wohlwollen zu erfreuen, H^Mtt anderen Beamten sollen die Nichts das Schicksal teilen, daß das Wohnungsgeld wegfällt, datz sur dile beretts Angestellten rine Besserung in der Frage der Anrechnung der Beioldungs- nickt erzielt wird und dar. thre Bezüge geringe ÄÄwrben »ne ’ic das Provisorium vorgeschrieben hatte. Während aber für anoere Tiem'tzweige im übrigen nicht nur dftFoVderungen der Regierung gut geheißen wurden, sondern ^chÄ darüber hinaus Bewilligungen erfolgten, hat man der SÄ bewilligt, was die Regierung für notwendig halt.
Man hat zunächst den sogenannten akademischen Lokalbeamten die Gleichstellung mit den Richtern erster Instanz, die tn der
9 Dem Kaiser ist über die Zwischenfälle in Zabern eingehender mündlicher Bericht erstattet worden.
' Zu der Meldung einiger Blätter, daß Leutnant v. For st- n e r in Zabern wegen des Gcbrauckfs des Wortes „Wackes" von dem kominandi er enden General nnt Stubenarrest bestraft und m einer anderen Kompagnie versetzt, lohne daß der mitschuldige Unteroffizier zu Arrest verurteilt nwrden sei, war auf Anfrage seitens des Generalkommandos eine Bestattgung nicht zu erhalten.
Der Direktor der bonapartistischen Zeitung „Autorite", Paul de Caffagnae, hat, wie er einem Berichterstatter mittettte, dem Leutnant v. Forstner in Labern eine Duellforderung übersandt. _____
Tätigkeit der Großherzoglichen Zenttale auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge, die sich tauf das ganze Gro/ßherzogtunij erstreckt. In den einzelnen Kreisen beftnden sich Zweigstellen, deren Leiter die Krcisräte sind. Die Fürsorgctättgkeit üben 13 Kreispflegerinnen und Füriorgeschwestem aus, Damen, die als Krankenpftegerinnen auSgcbildet und geprüft sid, stnd die längere Zeit in der sozialen Arbeit geftairbcn haben. Ihre Haupttätigkeit, wie überhaupt der wichtigste Teil dev Arbeit Großh. Zentrale, besteht in der (Aufklärung der Bevölkerung über das, was sie von der Pflege und (ftnährung des Säuglings wissen muß. Zu diesem Zweck hat die Großh. Zentrale in fast allen Gemeinden von mehr als 3000 Einwohnern 52 Beratungsstellen eingerichtet, in die jährlich etwa 6000 Kinder gebracht werden. Etwa 60 von der Großh. Zentrale honorierte Aerzte erteilen im Jahre gegen 30 000 unentgeltliche ^Beratungen. Außerdem suchen die Schwestern durch Hausbesuche — mehr als 160 000 im Jahr •— die wichtigsten Grundsätze der Säug- lingshygiene in Stadt und Land zu verbreiten.. Einer eingehenden Belehrniig dienen die in diesem Sommer eingerichtete Wanderausstellung „Das Kind in den ersten Lebensjahren" und die 14tägigtn theoretischen und praktischen Banderkurse, die von den beide,i WanLerlehrerinnen in allen Teilen des GroßHerzogtums gehalten werden. An den 30 .Kursen, die bis jetzt stattfanden, haben über 1700 Frauen und Mädchen teilgcnommcn. Tie Pflegekinder aufficht kann dank der Tättgkeit der Schwestern nunmehr im ganzen Lande Wirffam durchgeführt werden. Tie Ausbreitung der B eru fsVormundschaft soll einen Ersatz für die Einzelvormundschaft schaffen, wo diese versagt, insbesondere die llnterhaltsansprüche der unehelichen Kinder sichern. Durch eine eifrige Propaganda suchte die Zentrale dahin zu wirken, daß die im Jahre 1913 ausgestellten neuen Satzungen der Krankenkassen möglichst viele der fakultativen Leistungen aufnehmcn, die nach der Reichsversicherungsordnung den Wöchnerinnen gewährt werden können. Dem Mutterschutz dient auch die Haus- Hilfe, welche die Zentrale in zahlreichen Fällen gewährt, indem sie durch zuverlässige Frauen für den Haushalt und die Familie sorgen läßt, wenn die Hausfrau durch Krankhett oder Wotchonbett daran verhindert ist. Die offene Fürsorge wird ergänzt durch die beiden jAnstalten der Großh. Zentrale, das E l eo n or e n he i in in Darmstadt und die .Universitäts-Kinderklinik in Gießen, über deren Tätigkeit in dem dem Geschäftsbericht beige- fügten Anhang eingehend berichtet wird. Eine ausführliche, siebzehn Seiten umfassende und durch Tabellen ergänzte Statistik nieift zahlenmäßig nach, welche Arbeit durch die Aerzte und Schwestern der Gr. Zenttale im vergangenen Jahre geleistet wurde, und welche Erfolge dieser Arbett beschieden waren. An den Orten, an denen sich Beratungsstellen der Gr. Zenttale befanden, wurde annähernd die Hälfte der i. I. 1912 geborenen Säuglinge zur Beratung gebracht: von ihnen starben 4,9 Prozent, von den nicht zur Be ratung gebrachten Säuglingen dagegen 16 Prozent. Imjganzen Großherzogtum starben im Jahre 1912 von 32000 Lebendgeborencn 3 2 4 7 im 1. Lebensjahre, im Jahre 1880 dagegen bei ungefähr gleicher Geburtenziffer 6340. Dieser Rückgang der Säuglingssterblichkeit tritt namentlich in den letzten 3 Jahren, feit Beginn der Tätigkeit der Großh. Zenttale, und in .den von ihr besonders intensiv bearbeiteten Gegenden stark zu Tage. So sind z. B. in der Stadt Darmstadt im Jahre 1912 an Magen- und Tarmkrankheiten 42 Säuglinge gestorben gegen 112 im Jahre 1909, ttn Landkreis Darmstadt 44 gegen 109. Daß diese Erfolge nicht vorübergehend waren, sondern in den nächsten Jahren voraussichtlich noch gesteigert werden, dafür bürgt die unermüdliche Arbeit der Schwestern der Großh. Zenttale.
Drittes Blatt 165. Jahrgang
Giehener Anzeiger
General-Mzeiger für Gherhchm
Bor dem Schöffengericht in Dillenburg Endlich eine Angelegenheit Aufklärung gefunden, die ihrem seinerzeitigen Bekanntwerden großes Aufsehen regte. Es handelt sich um folgenden Tatbestand:
Im Iah« 1908 standen sich irn D i l l k r eis - O b c rw e st e r- toojbereis der dündlerische Kandidat Lucke, der von den ^primichsozialcn uMerstützt wurde, und der nationalliberale Kandidat Dr. Lohmann, sowie ein konservativer Kandidat gegenüber. Nach dem Ergebnis der Wahlmännerwahlen erschien die Twhl des uationalliberalen Kandidaten ziemlich sicher, aber cs Tarn immerhin auf jede Stimme an. Da bekamen am Wahltag zwei natwnalliberalc Wahlmänner gefälschte Telegramme, durch m Vc -Von E>er Wtthl abgehalten werden sollten. Drei anderen Wahlmännern wurde telephonisch mitgeteüt, sic möchten nicht zum Ort der Abgeordnetenwahl fahren, da sie mit einem Kraftwagen abgeholt würden. Eine ganze Anzahl (15 bis 20) national» Mybcrafc Wahlmänner erhielten Briefe, in denen ein angeblich .trQte.r Verwaltungsbeamter sie zu veranlassen suchte, nicht die aussichtslose nationaltiberale Sache durch ihre Teilnahme an der Wahlhandlung zu unterstützen. Lange Zeit ließ sich nichts über die Urheber dieser schweren Wahlfälschungen, die freilich ergebnislos verlausen waren, feststellen, bis plötzlich wenige Tage vor der Reichstags-Sttchwahl 1912 der Schneider Augu st Fehling aus Dillenburg, ein ehedem christlichsojialer Mann, zu der uationalliberalen Parteileitung kam und dort sich selbst der Mittäterschaft an diesen Fälschungen bezichtigte..Er tat dies trotz ernster Vorhaltungen so sicher und bestimmt, daß man schließlich seine Aussagen in einem Protokoll niederlegte und dieses als Wahlflugblatt verbreitete. In diesem Protokoll wurden die in dem damaligen Landtagswahlkamps tätigen Parteibeamten Volland vom Bund der Landwirte unb General-
™ 16. M.
“ nni gemusterter CIePe, Seide, Tüll
8 50 6.50 2.25
SäSk
■ 2450 18.- IP
aem Cheviot, Kamm- pich und englischen d kariert ft rq
50 5 AO 3.50 6,
körper*
Gas düngen sizang ikocher Artikel
md Wechselstrom a 09318
lunck itersweg 52 M
viereckig und rund
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Rodhei^r
1 §tra0SC
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