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22.4.1913 Erstes Blatt
 
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Nr. 95

Erster Blatt

165. Jahrgang

Dienstag, 22. April 1913

Der siebener Anzeiger &

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Die heutige Nummer umfafet 12 Seiten.

Hessen und die ReichLsinanzvoriagec

!Aus Darmstadt wird uns geschrieben:

Um den Betrag von 82 Millionen Mark jährlich auf zubringen, dessen das Reich zur Erhöhung seiner Wehrfähige feit in Zukunft dauernd bedarf, sollen nach der Vorlage der verbündeter! Negierungen die -einzelnen Bundesstaaten außer dem bisheriger? Matrikularbeitrag einen weiteren Beitrag aufbringen, der int ganzen auf 1,25 Mark für den Kopf der Bevölkerung des einzelnen Staates bemessen wird. Äescr Mehrbetrag soll nach dem Gesetzentwurf, betr. Aenderung im Finanzwesen, von den Einzelstaaten durch eine allge­meine Besteucrrlng -des Vermögens, des Einkommens oder der Erbschaften, -allein oder nebeneinander, eingcbracht wer­den. Wird eine solche Besteuerung vor! einem Bundesstaate nicht bis zum Inkrafttreten des Gesetzes (1. April 1916) in Wirksamkeit gesetzt sein, so tritt das Besitzsteuer- gesetz (Vermögenszuwachssteuerg-esetz) in Kraft, das die Reichsregierungmit eingehenden Einzelbestimmungen dem Reichstag zur Beschlußfassung vorgelegt hat.

Das Besitzfteuergesetz nimmt in Aussicht eine Erhebung von jedem Vermög'cnszuwachs an Grundvermögen, Be­triebsvermögen und Kapitalvermögen; eine Abgabe wird fällig, soweit der Zuwachs den Betrag von 2000 Mark über­steigt. Vermögen im Gesarntwerte von 6000 Mark sollen der Zuwachsbesteuerung nicht unterliegen. Der Steuersatz selbst ist von 0,5 Proz. bei einem Vermögenszuwachs über eine Million Mark progressiv gestaffelt; als Vermögens­zuwachs soll auch der Erwerb eines Vermögens von Todes­wegen gelten.

Die hessische Regierung soll nun dem Vernehmen nach die Absicht hegen vorausgesetzt, daß die Finanzverhält­nissen des Reiches nach der Vorlage der Bundesregierungen geregelt werden den Land ständen eine Vorlage zur Auf­bringung der weiteren Matrikularbeiträge nicht vorzulegen, so daß das Besitzsteuergesetz in .Hessen von Reichswegen zur-Einführung käme. Aus der Erklärung des Finanzausschusses der Ersten Kammer ist nun zu ersehen, daß dieser die Absicht der Staatsregicrung verwirft, denn sein Ersuchen, die Ausführungsgesetze zu den Reichsfincmzgesetzen so zeitig vorzulegen, damit sie mit der Besoldungsreform mitberaten werden können, wird ge­stellt in der Voraussetzung,daß die Frage, wie die für das Reich notwendigen Mittel vom Lande aufgebracht werden sollen, dirrch Landesgesetz geregelt wird." Der Fi­nanzausschuß der Ersten Kammer wendet sich hiernach gegen die Aufoktroierung von Steuergesetzen durch das Reich; er will die Steuerhoheit der Bundesstaaten für Hessen in jeder Weise gewahrt wissen.

Diese Stellungnahme der Ersten Kammer wird durch Vorgänge der letzten Jahre auf dem Gebiet der steuerlichen Gesetzgebung begreiflich. Während der Gesetzentwurf der verbündeten Regierungen über den einmaligen'außerordent- lichen Wehrbeitrag für die Grundstücke, die dauernd land- und forstwirtschaftlichen Zwecken zu dienen bestimrnt sind, den E r t r a g s w e r t zu Grunde legt (§ 17) und damit dieselbe Veranlagungsunterlage annimmt, die Preußen schon seit Jahren l>at, und die in den letzten Jahren von der Ersten Kammer einmütig und von der Zweiten Kammer in ihrer Mehrheit gewünscht wird, soll nach den subsidiären Besitzstenergesetz (§ 27) bei der Feststellung des Vermögens der gemeine Wert (Verkaufswert) bei Ermittelung des Vernwgens zu Grunde gelegt werden. Eine solche grund­sätzliche Meinungsverschiedenheit von Ansichten ist in einem zusammenhängenden Gesetzgebungswerk sehr auffallend, allein nach Lage der Verhältnisse ist die verschiedenartige

Beurteilung doch wohl leicht zu erklären. Preußen, das ür die Veranlagung des Verntögens zur Vermögens-(Er- gänzungs)Stcuer nur den Ertragswcrt für die land- und orstwirtschastlichen Grundstücke kennt, wird die Art und Weise, wie die erhöhten Matrikularbeiträge für das Reich aufgebracht werden sollen, für sich durch L a n d e s g e s e tz regeln. Es kommt deshalb das B^'itzsteuergesctz für Preußen gar nicht in Betracht.' Preußen konnte deshalb bei diesem Gesetzentwurf, dem Drangen der Bundesstaaten, die für die Veranlagung ihrer Vermögenssteuer nur den gemeinen Wert kennen wie Baden und Hessen, nach geb en und für dieses subsidiäre Gesetz einer Vcraulagungsart nicht widersprechen, die fiir diese anderen Bundesstaaten, aber nicht für Preußen, ein recht erl)ebliches Interesse hat.

Die Erklärung des Finanzausschusses vom 18. April beansprucht deshalb bei eingehender Würdigung der Ver­hältnisse eine besondere Bedeutung, da man von dieser Seite den Standpunkt der Regierung, durch Untätigkeit auf gesetzgeberischem Gebiete, das Besitzsteuergesetz von Reichswegen zu erhalten, in keiner Weise billigt. Die ungeheuerlichen neuen Steuerlasten, -die demnächst dem deutschen Volle aufgcbürdet werden sollen, machen cs den gesetzgebenden Faktoren zur Pflicht, dafür zu sorgen, daß die hessischen Steuerzahler, die bezüglich ihrer Steuerlasten bekanntlich im Deutschen Reich mit an erster Stelle stehen, nicht in ihrer Existenz hi gkeit bedroht werden. Will der Finanzausschuß mit seinem Beschlüsse die Veranlagung des landwirtschaftlichen Grund und Bodens nach dem gemeinen Wert hintenanhalten und, wenn möglich, sogar für die staatliche Vermögenssteuer die g e r e ch t e W e r t c r m i t t e- l u n g nach dem Ertrag anbahnen, so wird er in diesem Bestreben nicht nur einen großen, sonderrr wohl den größten Teil der bodenständigen Bevölkerung Hessens hinter sich haben.

Die Einstellung der zeindseligkeiten.

Konstantinopel, 21. April. Der Minister des Aaußern dernentiert die Gerüchte, nach denen der Gene­ralissimus Izzet Pascha und General Zia Pascha, die gestern naa, Konstantinopel zurückkchrten, ein Waffen- stillstandsprot^kvll mit zwei in Bulair cingetroffenen Dele­gierten Griechenlands und Serbiens unterzeichnet hätten. Trotz dieser Dementis erscheint es nicht ausgeschlossen, daß eine mündliche Vereinbarung behufs Einstellung der Feindseligkeiteic -auch mit Griechenland und Serbien er­zielt worden ist, und zwar unter den gleichen Bedingungen wie 'mit Bulgarien.

Wien, 21. Llprit. DieReue Freie Presse" meldet aus San Giovanni di Medua: 5)ier herrscht große Be­wegung. Die serbischen Belagerungstruppen vor Skut ari rücken staffelweise mit Gepäck und Artillerie hier und in Alessia ein und bereiten sich zur Einschiffung auf die griechische Transportflotte vor, welche sic über Saloniki befördern wird.

Konstantinopel, 21. April. Da die Bulgaren be­schlossen, die Mitglieder türkischer Zivilbehörden freizulassen, trafen der Wali und andere Beamte aus Adrianopel ein. In einem griechischen Hause zu Smyrna beschlagnahmte die Polizei Bomben. Zwei Per­sonen wurden verhaftet.

Die Rücksendung der Kriegsgefangenen.

'Konstantinopel, 21. April. Die Pforte hat die von Griechenland aufgestelltcu Bedingungen für die Rücksendung der Kriegsgefangenen angenommen. 5000 Kriegsgefangene werden in Mersina an Land gesetzt; Griechenland zieht seine Truppen von Chios zurück.

Die Botschaftcrtonferenz.

London, 21. April. Dre Botschafter traten heute nachmittag unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten As­quith zusammen. Sir Edward Grey war abwesend, dagegen war Lord Morley anwesend.

Ordeusauszeichuungen .Kaiser Wilhelms au bulgarische Lsfiziere?

Sofia, 22. April. Hier verlautet, Kaiser Wilhelm habe vierzehn Orden unter die Teilnehmer an der Er­stürmung Adrianopels verteilt und ein anerkennendes Telegramm an König Ferdinand gerichtet. Diese Nachrichten haben hier in politischen und militärischen .Kreisen große Befriedigung her­vorgerufen.

Der serbische Voßkott gegen Oesterreich.

Belgrad, 21. April. Eine gestrige Versammlung serbischer Kaufleute faßte nach kurzer Beratung ern- stimmig einen Beschluß, welcher den Wunsch nach be­schleunigter Durchführung des Boykotts gegen ö st e r r e i ch i s ch - u n g a r i s ch e W a r e n ausspricht. Gegen den Vorwurf, die Undankbarkeit gegenüber ihren Geschäfts­freunden in Oesterreich-Ungarn, welchen die Wiener Presse den serbischerr Kaufleuten machte, wird auf das entschiedenste protestiert und die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die serbischen Kaufleute ihren Verpflichtungen gegen alle Gläu­biger korrekt nachkommen rvürden, in erster Lmre gegen diejenigen in Oesterreich-Ungarn.

Die 2lntwortnote der Verbündeten.

Sofia, 21. April. (Agence Bulgare.) Die Antwort­note der Verbündeten ist heute nachmittag überreicht wor­den. Tie Rote spricht den Großmächten lebhaften Dank für die Mitteilung aus, deren vier Punkte angeführt werden und erklärt: Die Berbündkten Balkanstaaten stellen fest, daß die oft genannten Bedingungen, unter welchen die Mächte zustimmen, als Vermittler behufs Abschluß des Friedens mit der Türkei zu intervenieren, ein wenig von jenen abweichcn, die sie in der Antwort vom 5. April formu­lierten. Von dem aufrichtigen Wunsche beseelt, daß es die angebotene Vermittelung erleichtern würde zum Ziele zu führen, erklären die verbündeten Staaten, indem sie die Großmächte neuerlich bitten, den Grundsatz einer Kriegsentschädigung zuzulassen, daß sie diese Vermittelung annehmen, sich jedoch Vorbehalten, im Laufe der Verhandlungen mit den Großmächten jene Fragen zu erörtern, die sich auf die Inseln und die end­gültige Festsetzung der Grenzen Thraziens und des gesamten i)llbaniens beziehen.

Griechenland und seine Wünsche.

Wie das Reuter'sche Bureau erfährt, hat die grie­chische Regierung die Mächte benachrichtigt, dnß sie bereit ist, die Neutralisierung des ganzen Küstengebiets zuzulassen, das jetzt von den Griechen besetzt ist, und sich von Korfu bis zu der Gramalabucht erstreckt, wo es durch die für Albanien vorgesehene Grenze hindurchgehen soll. Die griechische Regierung schlage vor, daß!die von ihr für die Bevölkerung des von den Griechen besetzten Gebietes beantragte Volksabstimmung unter der Aufsicht von Delegierten ftattfinden solle, die die Mächte zu ernennen hätten. Die griechische Regierung erinnere daran, daß in dem Vertrage über die Mtretung der jonischen Inseln durch Großbritannien bestimmt ist, Korfu solle neutral bleiben und daß arcf Verlangen Oesterreich- Ungarns die Insel Vido und die gegenüber Korfu errichteten Forts geschleift seien. Infolgedessen könne Korfu niemals zu einer Flottenbasis dienen, wie Italien befürchte. Augen­blicklich sei auf Korfic kein einziges rnoderncs Fort. Die griechische Regierung machte ferner geltend, daß Frankreich die Inseln an der Meerenge, obgleich sie befestigt seien, nicht als eine Drohung auffasse und daß auch Italien nic-

Darmftadter Lrühttngsspkle.

bs. Darmstadt, 21. Avril.

Der vierte Abend der Darmstädter Früblingsspicle brackste qeßern WaqnersSieafried". Wie alle anderen Festsprelauf- fülrrungen, so war auchSieafricd" in ein neues Gewand ge­kleidet. Der: erste Akt, die Höhle Mimes, darf als eme geradezu rmrstergültige Inszenierung angesehen werden., Helles Sonnen­licht strahlte durch den Höhleneingang, das sich (wie das mein üblich ist. Die Red.) auch über einen Teil der Schlucht sclbn erstreckte, so daß die handelnden Personen nicht wie das früher geschah in einem fast undurchdringlichen Dunkel spielen mutzten. Am Eingang hatte man lebendiges Gebüsch aufgestellt. Auch die Vorgänge irr Mimes 5aeim waren mit möglichster Naturtreue wiedergegeben. Verblüffend, kann man sagen, war die Schmw- duna des Schwertes. Da üeht Siegfried einen wirklich weitz- Mhonden Stahl aus deut Feuer, auf dem er nach Herzenslust herumhauen Fann. , r m

Vies weniger dagegen gefiel der zwerte Akt: tiefer Wald. Die Ansicht, nur den Vordergrund zu beleuchten und den Hinter­grund in einem tiefen Dunkel zu lassen, wird nicht viele ^rennbe finden. Auch der in Riesendimensionen erscheinende Drachen­kopf, der fast den ganzen Höbleneingaug ausfüllt, tut seine Wir­kung nicht. Die beiden großen glühenden Augen sind gestern nicht unti:treffend mit einer Automobilbeleuchtung verglichen wor­den. Das ist mit die Schuld des schwarzen Hintergrundes.

Uneingeschränktes Lob aber wieder verdient der dritte Akt. der in seiner Einfachheit doch außerordentlich wuchtig ist. Will man dem tüchtigen Regisseur, Herrn Richard Lert danken, so dar f man leinen Gehilfen, den Beleuchtungstechniker hinter der Szene nicht vei'gessen, der die Verwandlung des dritten.Aktes zu leiten hatte. , ~ .

Die Ausführung leitete Hofkapellmerfter Bruno Walter aus Münchm Er ließ - im Gegensatz zu Leo Blech, dem Din- penten her ersten beiden Ringabende dem Orchester den Vorrang. Dadurch blieben die Säuger o'tmals vollkommen ungehört. Die tncfcMen Wirkungen, die Walter so herborhrtngen konnte, waren zwar packend, aber ein gewisses Recht gehört zu werden, l>at doch der Sänger auch.

Leider hatte die Aufführung unter einem Siegfried-Zanger zu Teih-n, her stimmlich für mein Emvfinden unzureichend war. Sein Oroan entbehrt jeder lyrischen Astsdruckssähigkeit, cs war

mehr ein Sprechen als ein Singen. Ter Siegfried - D a r st e l l e r aber muß anerkannt werden. Ein echter frischer Naturbursche, wie man sich ihn kaum besser vorstellen kann. Herr Walter S-oomer als Wanderer war wieder als Darsteller und Sänger unvergleichlich. Herr Pauli aus Dresden war ein diesem Meister gleichwertiger Mime, der nicht nur krächzte, sondern auch wirklich singen konnte. Hervorgehoben muß noch die untadelige Anssprache Paulis werden. Der Alberich wurde von hem Darm­städter Künstler Schützendorf gegeben. Wie im Rheingold, so zeigte Schützendorf auch imSiegfried" seltene Fähigkeiten in gesanglicher und darstellerischer Beziehung. Fran Mottl- Faßbender sang die Brünhilde. Stimmlich war sie mir nicht kraftvoll genug, wenn auch die Stimmkultur anerkannt werden muß. Frl. Jacobs als Erda zeigte sich wieder als eine treffliche Sängerin.

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Eine neue Oper.D e r Heilig e", eine zwei- aktige Oper von M a x Wolff, erlebte ün Hamburger: Stadttheate. r,so schreibt uns irnser Korrespondent, eine äußer­lich erfolgreiche Uraufführung. Das vom Komponisten, an geblich nach asiatischen Legenden geschaffene, dichterisch und stilistisch sehr kümmerliche Textbuch handelt von einer schönen Kurtisane, die als büßende Magdalene zu dem heiligen und keusckwn Ober- Priester Assyntar kommt. Der gütige Oberpriester nimmt sie mit himmlischer Liebe in seine Arme, fällt aber einem eifer- süchtigeir Priesterkollegen, der der schönen Sünderin nachstellt, schmählich znm Opfer. Der Gott Baluw, den der Dichterkom­ponist als Surrogat für den großen Buddha einff'ihrt, übernimmt es höchstpersönlich, den Frevler zu bestrafen, indem er seinen Blitz in seine eigene Statue sausen läßt, die zusammenstürzend den Sünder erschlägt. Bor denr Tode erkennt er die Grundlosigkeit seiner Eifersucht: die schöne Büßerin hat ihr Gesicht verstrtm- melt, eben »veil sie ihren Heiligen davor bewahren wollte, um ihretwillen den Weg der Tugend zu verlassen. Arm an Unge­schicklichkeiten, schiebt sich die Handlung ohne dramatische Kon­zentration schwerfällig vorwärts. Auch die Musik, die in einer offenbar orientalisch gemeinten wilden Ueppigkeit schwelgt, aber doch nur wie das ungebändigte Wühlen der Phantasie eines gewiß begabten, aber noch ganz und gar kulturlosen Musikers wirkt, schafft keinen künstlerischen Ausgleich. Ein paar schöne, hymnische Chöre em Schluß der Akte gefielen dem Publikum

und schufen die Basis für den freundlichen Erfolg der dar­stellerisch und szenisch ausgezeichneten Aufführung.

D i e Wiederbelebung einer alten italieni­schen Oper. Aus Berlin wird uns geschrieben: Im Neuen O p e r n t h e a t e r (Kroll) hat der Kapellmeister Richard Falk die komische OperDer Barbier von Sevilla" von Giovanni Paisiello ausgeführt, ein Werk, das vor un- gesähr 130 Jahren entstanden ist und zu seiner Zeit ungemein großen Erfolg gehabt hat. An dem Stil und der Art ihrer Zeit gemessen, ist diese alte Oper ein bedeutsames Werk; vieles in ihr vermag uns auch heute noch zu interessieren. 9teues Leben kann freilich aus ihr nicht wieder aujkeimen, denn die Art der musikalisckwn Diktion, die breit angelegte .Verwendung des Seecorezitativs, der typische Parlandogesang der altert Opera buffa sind dahingeschnmnden vor den Ausdrucksmöglichkeiten einer neuen und naturgemäß näher liegenden Beschaffenheit der musi­kalischen Sprache. Dem Kapellmeister Richard Falt gebührt volle Anerkennung für die Bearbeitung des Werkes und dafür, daß er uns mit ihm bekannt gemacht hat. Die Aufführung, in der Francesco d ' Andrade die Titelrolle glänzend dar­stellte, tvar ganz ausgezeickmet.

Diedeutsche Hilfsexpedition für Schröder- Straus hat am Montag nachmittag mit dem starken Motor schiffLoewcnskjold" die Reise nach N o rd w e st s p i tzb e rg e n und weite, östlich angetreten. Außer dem Führer fahren mit vier Deutsche und acht Norweger. Die Deutschen und Nonveger sind in den letzten acht Tagen vortrefflich zusammengearbeitet worden, wie überhaupt die deutsche Hilfsexpedition allgemeine Sympathien besitzt. Die Expedition ist gut und reichlich aus gerüstet. Ein Reserv epr o viant für sechs Monate ist an Bord des Schiffes, der bis Ende September reicht, so daß alle Möglichkeiten auch die Unterstützung Staxruds auf der Rorö- scite Spitzbergens vorgesehen sind. Leider schweigt Kapitän Nit-- scher auf die Frage, wo Schröder int Herbst das Schiss verlassen habe. Allgemein wird hier sein Telegramm als den Tatsachen widerstreitend angesehen, weil die Ortsangabe Skoresbv Fusel, also südöstlich vom Nordkap, mit der Feststellung eines deutschen Touristeuschifscü am 12. August und des norwegischen Fang- kutterSSirius" am 16. August kontrastiert. Ritscher wurde I mitgeteitt, daß die deutsche Hilfsexpedition gemäß seinem ersten I Telegramm operieren, also auch das Nordostland genau absuchen